Miley Cyrus – „Communication“ (MTV Unplugged)


Klar, Taylor Swift mag die größte Pop-Karrierefrau der letzten Jahre, wohl gar Jahrzehnte sein – vom niedlichen Country-Girlie über einen unfreiwilligen Zwist mit Hippe-di-Hopp-Großmaul Kanye West und zig Nummer-eins-Alben bis hin zu den jüngsten Indie- Kredibilitätsweihen mit dem diesjährigen gediegenen Folk-Überraschungswerk „folklore(sic!). Natürlich, eine wie die ehemalige Disney-Sidekickerin Ariana Grande („Victorious“) mag mit einer (wohl sorgsam antrainierten) stimmlichen Bandbreite gesegnet sein, die ihresgleichen sucht. Freilich, personifiziert-talentierte Fräuleinwunder wie Lorde („Royals“) oder Billie Eilish („bad guy“) mögen dem Pop in den letzten Jahren ein paar ebenso interessante wie dringend benötigte Verjüngungsspritzen verpasst haben. Und Miley Cyrus? Nun, bestenfalls sortiert diese sich irgendwo dazwischen ein…

Schließlich hat die mittlerweile 27-Jährige als „Hannah Montana“-Darstellerin ebenso eine amtliche Disney-TV-Vergangenheit vorzuweisen, war im Anschluss mit allerlei Hollywood-Boyfriend- und gleichgeschlechtlichen Liebeleien sowie den (leider) fast schon obligatorischen Abstürzen jahrelang ein Liebling der Paparazzi und der Yellow Press und landete bezeichnenderweise ihren größten Hit, als sie sich anno 2013 leichtbekleidet auf einer Abrissbirne räkelte.

Was die US-Musikerin, die als bekennende Veganerin 2015 von PETA zur „Sexiest Vegetarian“ gewählt wurde, jedoch von den anderen oben genannten Kolleginnen unterscheiden dürfte, ist ihr fast schon (gefühlt) zwanghafter Wille zur musikalischen Neuerung. War früher seicht-belangloser Pop à la „Party in the U.S.A.“, dem bestens bekannten „Wrecking Ball“ oder „Malibu“ eher das Metier von Miley, suchte sie sich den den letzten Jahren immer wieder neue Kooperationspartner, brachte etwa 2018 mit Mark Ronson den ebenso gefälligen wie erfolgreichen Radio-Hit „Nothing Breaks Like A Heart“ an den Start oder arbeite sich mit Moby und den Psychedelic-Rockern The Flaming Lips an einer Coverversion des Beatles-Evergreens „Lucy In The Sky With Diamonds“ ab.

Apropos Coverversion: Seit jeher liebt es Miley Cyrus, große Songs der Musikgeschichte zu covern und ihnen ihre eigene, besondere Note zu verleihen – ihre unverwechselbare raue, aber eben auch wandelbare Stimme gibt’s freilich mit Leichtigkeit her. So adaptierte sie beispielsweise schon vor acht Jahren mit „Jolene“ den zweifellos berühmtesten Song ihrer Patentante Dolly Parton. Das dazugehörige Video hat mittlerweile über 277 Millionen Aufrufe auf YouTube vorzuweisen.

Im vergangenen Sommer sang sie sich dann unter anderem durch ihre Lieblings-Rocksongs wie „Head Like A Hole“ von den Nine Inch Nails sowie Pink Floyds „Comfortably Numb“ und „Wish You Were Here“. Anschließend legte sie mit Led Zeppelins „Black Dog“, The Doors‘ „Roadhouse Blues“, Blondies „Heart Of Glass“ oder „Help!“ von den Beatles nach (welches sie inmitten der Corona-Pandemie im Sommer im verwaisten Rose-Bowl-Stadion in Los Angeles zum Besten gab). Bei ihrem kürzlichen Auftritt im Rahmen des #SOSFEST, dessen Einnahmen unabhängigen Musikveranstaltern zugute kamen, nahm Cyrus mit „Boys Don’t Cry“ von The Cure und dem nahezu unkaputtbaren Cranberries-Evergreen „Zombie“ zwei weitere namhafte Songs in ihr Cover-Repertoire auf.

Mit ihrer jüngsten, zweiten Beteiligung bei „MTV Unplugged“ (die erste fand 2014 statt) schließt nun auch ein klein wenig ein Kreis, immerhin fand diese wie auch schon der Mitschnitt des „Jolene“-Covers – COVID-29 sei dank – als „The Backyard Sessions“ im hauseigenen Garten der Sängerin statt. Denn während bei uns in Deutschland aktuell recht herbstliches Wetter herrscht, hat man’s in Los Angeles im Oktober mit durchschnittlich 26 Grad noch recht sonnig-warm. Ideale Voraussetzungen also für ein kleines mediales Gartenkonzert, oder? Und genau aus diesem Grund öffnete Miley Cyrus am 16. Oktober ihre (Garten-)Tore und veranstaltete einen Unplugged-Gig direkt hinter ihrem eigenen geräumigen Häuschen.

Und man musste keineswegs hellseherisch begabt sein um zu vermuten, dass Miley Cyrus – neben einer Unplugged-Variante ihrer aktuellen (im Original dezent an Eighties-Disco und Glamrock andockenden) Single „Midnight Sky“ – auch hier munter drauflos covern würde: „Gimme More“ von Bitney Spears, „Just Breathe“ von Pearl Jam, „Sweet Jane“ von The Velvet Underground“ oder „I Got So High That I Saw Jesus„, geschrieben von ihrer ebenfalls im Musik-Bizz tätigen Schwester Noah (bei welchem sie passenderweise auch gleich von ebenjener stimmliche Unterstützung bekam). Besonders famos geriet jedoch Mileys Version des Cardigans-Songs „Communication“. Dem Stück, dessen Original vom fünften, 2003 erschienenen Album „Long Gone Before Daylight“ (für nicht wenig Freunde der schwedischen Rock-Band um Frontfrau Nina Persson gilt es bis heute als ihr bestes) stammt, verleihen Cyrus und ihre Begleitband (die sich, den Begleitumständen entsprechend, recht passend The Social Distancers nennen) gar ein paar tolle neue Nuancen.

Und wer nun um Miley Cyrus‘ unbedingten Willen zu Neuem und zu interessanten Coverversionen weiß, den dürfte die neuste Nachricht, dass die Musikerin aktuell an einem kompletten Metallica-Cover-Album arbeiten soll, wohl kaum noch verwundern, sondern eher gespannt bis hellhörig machen…

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , ,

„The Masked Singer“ – Darum ist die Show so einzigartig


Bei RTL dürfte man sich heute immer noch ärgern. Seinerzeit schnappte Konkurrent ProSieben aus dem beschaulichen Unterföhring dem Kölner Sender die Rechte an „The Masked Singer“ vor der medialen Nase weg, wie DWDL berichtet. Für ProSieben ein Glücksfall, denn die Zahlen der Show, gerade die Marktanteile in der so wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen, waren seit dem Start im Juni 2019 fast durchgängig herausragend – das Finale der zweiten Staffel etwa erreichte die höchste jemals gemessene Zuschauerquote einer ProSieben-Show.

Kaum verwunderlich also, dass RTL jüngst versuchte, den Erfolg von „The Masked Singer“ mit einem ähnlichen Konzept – dezent verspätet – zu kopieren. Ebenso wenig verwunderlich war auch, dass „Big Performance“ seinem Titelversprechen eher weniger gerecht wurde und als mauer, müder Abklatsch deutlich hinter den Zahlen des Originals zurück blieb. Aber warum lieben die Zuschauer „The Masked Singer“ eigentlich so sehr? Nun, das hat freilich so seine Gründe…

Zunächst einmal: Wir Menschen lieben Unterhaltung. Und noch mehr lieben wir Menschen Überraschungen. Zumindest die positiven. Deshalb steht das Kolosseum in Rom, deshalb gibt es Überraschungseier seit bald fünfzig Jahren, deshalb verpackt man Geschenke und deshalb freut man sich eben auch, wenn sich irgendwann die Kandidatinnen und Kandidaten bei „The Masked Singer“ ihre Masken vom Kopf ziehen und man selbst endlich Gewissheit hat, ob der eigene Tipp richtig war – oder ob man eben (s)eine Überraschung erlebt. Kein Wunder also, dass die Show, welche 2015 als „King of Mask Singer“ in Südkorea startete (und unter anderem gar Hollywood-Mime Ryan Reynolds als trällerndes Einhorn aufbot) und nach weiteren Ablegern in Asien und in den US of A im vergangenen Jahr ihr deutsches Debüt feierte, schnell zum internationalen Mattscheibenrenner entwickelte (in diesem Jahr zogen denn auch die Nachbarn aus Österreich nach).

Da stört es eigentlich nur die ganz Eifrigen, wenn die Jury teilweise ein bisschen sehr bemüht versucht, die Spannung aufrecht zu halten, obwohl sie eigentlich schon relativ sicher ist, wer denn nun unter einer der Masken steckt. Vielleicht wäre hier tatsächlich ein bisschen weniger Ehrgeiz spannender für den Zuschauer, aber so oder so bleibt eine Überraschung nicht ausgeschlossen, denn so ganz sicher kann man eben nie sein, solange der singende Furry-Fetisch noch die vornehmlich plüschige Kopfbedeckung über dem Antlitz trägt.

Aber auch, jawollja: die Kostüme! Denn die sind zweifellos das Markenzeichen der Show – und gleichzeitig einer der wichtigsten Erfolgsgründe. Die tollen, individuell gestalteten Fantasie-Verkleidungen sind nicht nur verdammt aufwendig, sondern bedienen auch so ziemlich jeden Geschmack. Sei es das drollige Monsterchen, der imposante Engel, der agile Grashüpfer oder das sympathische Faultier (unter dem in Staffel zwei Tom Beck gewann) – hier kann sich jeder Zuschauer, jede Zuschauerin recht schnell mit seinem oder ihrem Favoriten identifizieren. Auch in der morgen startenden dritten Staffel sind wieder absurd-witzige Kostüme dabei: ein Ballerina-Flusspferd, ein Baywatch-Frosch, eine fesche Biene oder ein Influencer-Alpaka.

Besondere Hingucker in diesem Jahr dürften aber das gruselig-faszinierende Skelett und der beeindruckende Anubis sein. Dass die Kostüme so einzigartig und originell sind, hat jedoch in wahrsten Sinne seinen Preis. Zwischen 15.000 und 20.000 Euro kostet eines der Kostüme. Hergestellt werden sie im bayerischen Altötting von einem Team um Theaterschneiderin Alexandra Brandner. Ganze ein bis zwei Wochen und zwölf Personen braucht es, um allein ein einziges Kostüm in Handarbeit herzustellen.

Und man vergesse nicht das unterhaltsame Mitraten! Denn egal, ob Quizshow, Escape-Room oder Krimi: Menschen lieben es, mitzuraten. Wie lautet die Antwort, wie geht es aus dem Zimmer, wer ist der Täter – und eben: Wer zur Hölle steckt denn nun unter der Maske? Die vielen versteckten Hinweise mögen manchmal (bewusst) in die Irre führen, bieten aber schlussendlich einen zusätzlichen Reiz, sind sie doch so etwas wie eine kleine abendliche Schatzsuche.

Diese Interaktivität ist auch das große Plus, das die Show von der (Kopisten-)Konkurrenz abhebt. Bei ähnlichen Gesangswettbewerben wie „The Voice of Germany“ und Co. fehlt dieses Mitraten freilich völlig – dort ist klar, wer singt, es zählt (fast) nur der Gesang. Damit gibt es bei „The Masked Singer“ wieder diese typischen oldschooligen Kaffeeküchen-Gespräche, bei denen man sich im Büro – oder über die sozialen Medien – trefflich über die eigenen Vermutungen austauschen kann.

Wir stellen also fest: die Kostüme, der Überraschungseffekt, das Mitraten – „The Masked Singer“ hat im Vergleich zu anderen Shows so etliche Elemente, die das Format so spannend, so unterhaltsam, so einzigartig machen. Sieht man jedoch genauer hin, gibt es aber doch Einiges, das – mal Butter bei die Fische – so ganz und gar nicht einzigartig ist. Denn Kern der Show sind Gesangsacts, die im Anschluss von einer Jury, in diesem Fall dem Publikum, bewertet und nach und nach hinausgewählt werden bis ein Sieger übrig bleibt.

Das gibt es in vielen anderen Shows auch, genauso wie den Umstand, dass auch „The Masked Singer“ nicht ohne die obligatorischen Promis auskommt. Das ergibt hier aber tatsächlich auch einen Sinn, schließlich müssen unter den Masken Menschen stecken, die einem breiteren Publikum bekannt sind (und deren Identität bis zur Demaskierung strengster Geheimhaltung unterliegt). Mit Max Mustermann und Lieschen Müller würde die Show einfach nicht funktionieren.

Dass „The Masked Singer“ aber in vielen Bereichen gar nicht so einzigartig ist, wie man vielleicht denkt, ist gar nicht negativ – im Gegenteil. Eine Show mit einem völlig einzigartigen Konzept hat zwar immer den Reiz des Neuen und des Unbekannten, birgt aber auch immer das Risiko der Überforderung.  Wir Menschen brauchen Vertrautes, selbst in so Banalem wie einer allwöchentlichen abendlichen Fernsehshow. Der Show-Friedhof der TV-Geschichte ist jedenfalls voll mit gescheiterten Sendungen, die zu viel vom Zuschauer verlangt haben. „The Masked Singer“ mit Moderator Matthias Opdenhövel hat ganz offenbar die richtige Mischung aus Neuem und Vertrautem erwischt.

Und: Aufwendige Masken hin oder her – „The Masked Singer“ wäre lediglich eine Show mit viel Tamtam (und noch mehr Werbeunterbrechungen, die vor allem in der vergangenen Staffel so einiges vom Spannungsbogen wegfraßen – aber irgendwie muss ProSieben ja die Kohle, die für Promi-Gagen und Kostüme rausgeschmissen wurden, wieder reinholen), gäbe es keine Auftritte, die, in welcher Weise auch immer, die Herzen der Zuschauer berühren. Seien es die Bülent-Ceylan-Versionen verschiedener Schlager- und Metal-Titel oder die Auftritte von Gil Ofarims Grashüpfer und von Max Mutzkes Sieger-Astronauten, bei denen schon in Staffel eins so manches Jury- und Zuschauer-Auge vor Rührung ganz feucht wurde: Wenn die Kandidaten Vollgas geben, dann würde man sich die Auftritte wohl auch ansehen, wenn Ceylan (der konsequenterweise dieses Mal neben Sonja „Dschungelcamp“ Zietlow, die in der letzten Staffel im „Hasen“ steckte, auf dem Ratestuhl Platz nehmen wird), Mutzke und Co. nur in Jogginghosen auf der Bühne stünden…

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Lowen – „‚Just Fucking Let Me Love You“


Mit „‚Just Fucking Let Me Love You“ ist der aus dem US-amerikanischen Nashville stammenden Singer/Songwriterin Lowen, auch bekannt als Emily Kopp, ein Song gelungen, der gekonnt die Grenzen zwischen Grunge, Pop und Rock verwischt, während das dazugehörige Musikvideo im Stil von gutem altem VH1-Alternative Rock der Neunzigerjahre daher kommt.

„‚Just Fucking Let Me Love You‘ begann mit ein paar Worten, die ich unbeabsichtigt, aber poetisch, meiner Frau Robyn während eines leidenschaftlichen Streits über irgendwelche Belanglosigkeiten entgegnet habe – wir können uns nicht einmal daran erinnern“, erzählt Lowen nun. „Ich weiß nur, dass sich die Worte so wunderbar herzzerreißend anfühlten, dass ich sie aufschreiben musste – zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht einmal vor, einen Song zu schreiben. Sie fielen im Gespräch, hatten jedoch so viel Gewicht, dass ich sie einfach festhalten wollte. Wenn ein Lied entsteht, dann entsteht es eben.“

„Just Fucking Let Me Love You“ wurde wie viele andere von Kopps Songs in den späten Abendstunden mit engen Freunden konzipiert, während man zusammen rumhing, schrieb und sich bekiffte: „Zwei meiner besten Freunde, Ellery und Carlos, und ich hingen eines Nachts in meinem Studio herum und schrieben zusammen. Ich liebe es, im Gespräch zu schreiben und kleine Momente des Lebens unter die Lupe zu nehmen, aber wir wussten immer noch nicht, was die ultimative Botschaft des Songs war“, erzählt Lowen. „Also machten wir eine Pause, bekifften uns und versuchten es noch einmal. Wir fingen an, den Refrain ein paar Mal durchzugehen, und plötzlich begann mein Freund Carlos zu riffen und rief: ‚Just Fucking Let Me Love You!‘ – und wir drehten alle durch…“

„Um fünf Uhr morgens war der Song fertig. Für mich ist es das ultimative Liebeslied. Es ist keine überzuckerte Version der Liebe, es ist nicht mit Metaphern geschönt“, so die Musikerin, die Künstler(innen) wie Tracy Chapman, Imogen Heap, Jack Antonoff, Sara Bareilles oder John Mayer zu ihren Vorbildern zählt. „Diese Songs können schön sein und sind es auch, aber das ist es nicht. Es ist das Naheliegende, das Alltägliche – eine Person, die ihrer Partnerin sagt, sie solle sie einfach ‚lassen‘. Die Botschaft ist Liebe, aber es ist eine wirklich greifbare, menschliche Liebe. Es ist frustrierend, es ist brutal ehrlich, es ist verzweifelt und es ist bedingungslos.“

„Just Fucking Let Me Love You“ ist damit – im besten Sinne – rührend. Ein einprägsamer Song, der auf am Pop geschulten Zeilen mit einigen Alliterationen basiert, wodurch der Text schnell hängen bleibt. Er baut sich auf und gipfelt in einem krachenden Rock-Refrain, während Lowen die Worte „Just fucking let me love you“ heraus schmettert. Das Ergebnis ist unglaublich radiotauglich (zumindest sollte es das sein, wenn man ein paar Frequenzen abseits des Einheitsbreis sucht) und hat doch immer noch die Kredibilität eines Indie-Songs.

Dabei musste sich Lowen, deren Debüt-EP „Only In My Dreams“ im vergangenen Jahr erschien, erst einmal selbst finden – und viel von dem wiederentdecken, was sie nach einer kleinen Krise verloren glaubte. Sie war um die Welt gereist und fand sich schließlich durch Musik, Kultur, Menschen und Essen wieder – alles neben ihrer jetzigen Frau.

„Durch meine Reisen war ich in der Lage, mir selbst das Geschenk der Zeit, der Perspektive und der vollständigen Präsenz zu machen. Alles, was wir – meine jetzige Frau und ich – brauchten, war in unseren Rucksäcken“, erklärt Lowen. „Wir lebten in einem Van, ich weinte und schrieb viel in diesem Auto. Und: Ich war nicht länger süchtig danach, meiner Karriere hinterherzulaufen. Ich beschloss, dass ich mich darauf konzentrieren wollte, mein Leben in einer ausgewogenen, abgerundeten Weise zu leben, die es mir ermöglichte, von einem Ort des Herzens und der Ehrlichkeit wieder zur Musik zurückzukehren.“ Und so tolle, ehrliche Songs wie „Just Fucking Let Me Love You“ zu schreiben.

„She said… Go and find someone who doesn’t always cry when it rains
And probably gives you sex every day
So if you find a better one, she can take my place

I get insecure when you go away, I never knew somebody to stay
If the grass is greener on the run, then I’ll get out your way

Baby, why you crying, crying?
Settle down, I’m dying, dying
I’m tired, I know it’s hard to
Just fucking let me love you

Open up and listen, listen
Come close, you’re feeling distant
I’m begging for a breakthrough
Just fucking let me love you

Baby girl, I see your pain, I feel the weight, I want you to know
You’re the only dream I’ll ever hold
The rest will always, will always come and go, oh but I’ll be your home

And we can buy a one way ticket, pack our shit and travel the world
I wanna know what you would name our girls
But the only way it’s gonna work is by believing your worth

Baby, why you crying, crying?
Settle down, I’m dying dying
I’m tired, I know it’s hard to
Just fucking let me love you

Open up and listen, listen
Come close, you’re feeling distant
I’m begging for a breakthrough
Just fucking let me love you

I love you I want you to love you
As much as I love you
I want you to love you“

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: The Musical Slave – „They Can’t Stop You“


Wenn selbst einer wie Oscar-Preisträger Glen Hansard (The Frames, The Swell Season) einem digitale Lorbeeren wie „Norwigi embodies the best of cultures crosspollinating and flourishing together. I’m a huge fan of her writing and her videos.“ zuteil werden lässt, dann sollte man getrost ein, zwei Öhrchen riskieren.

Hinter der von hoher Singer/Songwriter-Stelle gepriesenen The Musical Slave versteckt sich die aus Norwegen stammende Straßenmusikerin Kristin Vollset, die – schenkt man ihrer Erzählung Glauben – in ihrem Leben schon gut in der Welt herum gekommen ist:

„The Musical Slave is a travelling musician and storyteller. She plays tropical punk and sings about people, love, cosmic forces, and the world economy. 

The Musical Slave is from Bergen, on the west coast of Norway. But she’s happiest when she’s out wandering. She started making music, jamming on the streets of Lyon, in France around the year 2000. She later moved to London where she ended up making vocal- and noisebased soundscapes. After a few years she travelled to Mexico, and started working as a street musician there. She also worked as a fisher in the Mexican lagoon of Temascal. When she moved back home she started writing her own songs. She has also worked as a school assistant, painter, scaffolder, bricklayer, gardener, and on a farm making cheese and sausages.

The Musical Slave has been performing in the street, since 2003. When she’s on the move she also sometimes makes money selling pancakes. 

From 2006 to 2010 she was in the band Bergen Beach Band.

From 2011 to 2014 she lived in Ireland, where she wrote the famous ballad, ‚No Plan‚, about the urban horse culture in inner city Dublin. She also made a documentary music video for it, which has been screened in film festivals in Dublin, New York and Cairo.

In February 2017 she gave birth to her daughter, Lovis, and until recently she’s been working as a full-time mother. 

She’s now back working on her music, and focusing on recording more of her songs.“

Und auch wie sie zu ihrem Künstlernamen kam, verrät die freiheitsliebende Künstlerin:

 „I call myself ‚The Musical Slave‘ because I believe that the money system turns us into slaves, and stops many people on this planet from doing what they really want to do. When you are always stuck, struggling to survive, you can’t be creative, and you don’t have time and energy left to really live.

But we’re all born with a heart, and we can use this heart to express ourselves, and to fight to turn this world back into the dream its meant to be. And music is a way to spark each other’s hearts, and remind each other to not let anything stop us from doing what we want and being who we want to be.“

Abseits von zwei, drei Songs hat Vollset leider noch nicht allzu viele musikalische Lebenszeichen hinterlassen. Einer davon ist jedoch das im Mai veröffentlichte „They Can’t Stop You“, welches sie ihrer Teilzeit-Wahlheimat Dublin widmet:

I remember when I first arrived in Dublin 8 on a Friday morning in June, how surprised I was that everyone was talking to me. And they had this dark sense of humour that made me feel at home straight away. It was like going back to a different time, when people lived in smaller groups with their own friends and family.

I found a freedom with these people that I haven’t found anywhere else. And with this song, I want to give people the same feeling of freedom they gave me.

This song, ‚They Can’t Stop You‘, is really about the search for freedom. The basic, primal freedom I think every living being longs for, but that, unfortunately, is hard to reach.

And that’s why I love the people of Dublin 8 so much – because out of all the people I’ve met in my life, they’ve come the closest to claiming that freedom. The song is also about the tension between the tribe and the state, and about who gets to decide what freedom is and if we should be allowed it.

I had a big problem in Dublin, that the police kept shutting me down whenever I played in the street. I think the state goes too far in limiting people’s freedom and their right to exercise their culture. And society is transforming quickly now, and with mass surveillance becoming the new norm, and artificial intelligence being able to reach and possibly control every aspect of our lives, redefining and reclaiming freedom is more relevant than ever.

So with this song I hope to remind people what it feels like to be free…

Und neben einem wachen Auge für gesellschaftliche Missstände scheint Irland auch klanglich die ein oder andere Spur hinterlassen zu haben – so meine ich einen Touch der vor zwei Jahren (zu früh) verstorbenen Cranberries-Sirene Dolores O’Riordan herauszuhören.

Klare Sache: The Musical Slave und ihr zukünftiges Schaffen sollte man im Auge (und Ohr) behalten! Ist ja schließlich von Glen Hansard abgesegnet…

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Sunday Listen: KID DAD – „In A Box“


Ist die Box dein Gefängnis oder dein Versteck? Wirst du klaustrophobisch, wenn du daran denkst, wie du in einer geräuschlosen, regellosen, dunklen Box sitzt oder wünscht du dir vielleicht sogar, an genau so einem Ort zu sein?

Das ewige Mindfuck-Gedankenexperiment um Schrödingers Katze – lebt sie noch oder ruht sie bereits in aeternum ihre Äuglein aus? – beschäftigt nach wie vor und dient als vielfältiger Quell der Inspiration – man denke nur an den jüngsten Netflix-Serien-Hit „DARK„. KID DAD vertonen das Paradoxon auf Albumlänge – für ein Langspieldebüt gleichermaßen mutig wie faszinierend. Das noch junge Paderborner Quartett, ursprünglich 2016 als Grunge-Band gestartet, ist nach seiner vor drei Jahren veröffentlichten „Disorder„-Debüt-EP mittlerweile in den verschiedensten Alternative- und Rock-Gefilden verhaftet und lässt eine Pluralität packender wie abwechslungsreicher Einflüsse von Punk über Prog bis Post-Hardcore zu. Das im August erschienene „In A Box“ versucht nun aus der Katzenschachtel auszubrechen…

„Mir wird schnell langweilig, deshalb ist es mir auch so wichtig, ein abwechslungsreiches Album rauszubringen.“ (Marius Vieth)

Lineare Arbeitsweisen werden ohnehin meist überbewertet, das zeigt bereits das eröffnende „A Prison Unseen“. Hier kommen zwei Ideen zusammen, die lange Zeit unvollendet geblieben waren – das gewisse Etwas fehlte – und sich nun nahezu perfekt ergänzen. Zwischen funkelnder, fieberhafter Aufbruchsstimmung im Refrain und emotional aufgeladener Fragilität in den Strophen ergibt sich ein spannender, mitreißender Spagat – wie gemacht für Sänger und Gitarrist Marius Vieth, um sich bereits im Einstieg in Szene zu setzen. Die Bridge erinnert ein wenig an die verträumten Klänge Alt-Js, der Refrain ähnelt den Anfängen der Blackout Problems. Auch textlich und visuell ist es ein Leichtes, sich in den Song fallen zu lassen. So zeigt das dazugehörige ausdrucksstarke Musikvideo, wie der Protagonist allmählich die Kontrolle über sich selbst verliert.

Happy“ arbeitet ebenfalls mit gekonnter Laut-Leise-Dynamik, nur wohl noch direkter und kompromissloser. So springt einem der Refrain mit seinem zügellosen Auftreten zwischen Punk und Grunge in bester Royal Blood-Manier arschlings ins Gesicht – eine Art „Song 2“ mit zusätzlichen Kanten, ein feiner Kontrast zwischen Einlullen und unbarmherzigem Hallo-Wach-Ruf.

Es geht auch ohne große Explosion, wie unter anderem „The Wish Of Being Alone“ zeigt. Über weite Strecken mäandern KID DAD in der endlosen Suche nach dem großen Aha-Effekt, docken kurzzeitig an Post-Rock-artige Aufbauten an – eine kleine, dramaturgisch wertvolle Explosion darf nicht fehlen – und finden doch wieder zurück zum reduzierten Glück. Der eigentümliche Rhythmus von „Your Alien“ beantwortet Fragen, die sich niemand zu stellen traut, während „[I Wish I Was] On Fire“ abermals geschickte Spannungsbögen zwischen noisiger Breitseite und softem Anschmiegen klöppelt. In „Limbo“ oder dem melancholischen „Window“ finden schließlich beißende Härte und vertraute Blackmail-Einflüsse in poppigen Auslegern zusammen. Das austarierte Spiel mit den Gegensätzen zählt zu den Höhepunkten dieses Debüts.

Wiederholt um mehrere Ecken gedacht und dabei doch auf sympathische Weise sortiert: KID DAD, die über die Jahre bereits als Support für verschiedenste Kapellen von Taking Back Sunday über Sorority Noise, And So I Watch You From Afar, Samian oder Blackout Problems einiges an Bühnenerfahrung sammeln durften, verstehen den Wert präziser, wechselhafter Songaufbauten auf beeindruckende, durchaus atemberaubende Weise. Jeder Song ist klar strukturiert und doch gewissermaßen unvorhersehbar, weil die Paderborner kleine Überraschungen, unorthodoxe Widerhäkchen und emotionale Schwerlast gekonnt miteinander zu verbinden wissen. „In A Box“, dessen Grundkonstrukt auf Vieths Reisen durch China, England und die Schweiz entstand, tönt somit passenderweise wie ein Widerspruch in sich und löst sich, im Gegensatz zur berühmten Katze, in begeisterndem Wohlgefallen auf. Ein Einstand wie ein Wohlfühlschlag in die Magengrube. Eine emotionale Achterbahnfahrt mit Höhen, Tiefen und Loopings. Freunde von gepflegtem Indie Rock mit dezent pompöser Note und ohne Scheu vor poppigen Saitenhieben dürfen hier ebenso zugreifen wie all jene, bei denen bereits Blackmail, Placebo, The Pixies, Blackout Problems oder Ghost Of Tom Joad (was vermisse ich diese Band!) im Plattenregal stehen. Absolut nachvollziehbar, dass man da auch außerhalb der deutschen Landesgrenzen (etwa bei den Kollegen von „Kerrang!“ oder beim „Discovered Magazine„) bereits hellhörig wurde.

KID DAD, zu denen neben Marius Vieth noch Joshua Meinert (Gitarre), Max Zdunek (Bass) und Michael Reihle (Schlagzeug) gehören, sind – je nachdem, wie man es sehen möchte – überzeugte DIY’ler oder Kontrollfreaks, denn vom Artwork über die Musikvideos entstand hier nahezu alles in Eigenregie. Was läge also näher, als mal eben noch kurz zu versuchen, die Welt retten? Mit ihrem Song „Limbo“ hat das westfälische Vierergespann nämlich auch eine ebenso lobens- wie unterstützenswerte Charity-Aktion ins Leben gerufen: Mit „SAFE IN A BOX“ sammelt die Band Geld für die Arbeit von SOS Kinderdorf e.V. sowie der NSPCC aus England. Beide Organisationen helfen Kindern, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Mehr Informationen dazu gibt es unter kid-dad.com/safeinabox. Feine Sache!

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: