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Sunday Listen: Linhay – „On How To Disappear“


Totgesagte und Abgeschriebene leben länger – die allseits bekannte Redewendung passt auch zum meist recht verächtlich als „Emo“ etikettierten Musikstil wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Mitte der Neunziger präsentierte sich dieses Genre mit prägenden Bands wie Mineral, The Promise Ring, Sunny Day Real Estate, Capt’n Jazz, American Football, Jimmy Eat World oder den Get Up Kids in vollster Blüte. Im neuen Jahrtausend jedoch wurde es Jahr um Jahr stiller im Emo-Lager. Zwar gab es hier und da, ab und zu noch ein paar Releases der (nicht selten würdevoll graumelierten) stilprägenden Größen, doch frische und neue Impulse blieben größtenteils aus und wurden fortan vielmehr in artverwandten Stilrichtungen wie dem Post-Hardcore gesetzt, während Emo-Epigonen wie My Chemical Romance, Panic! At The Disco oder Fall Out Boy die „Indie-Werte“ mal (ungewollt) persiflierten, mal stadionrockend ins Format-Pop-Radio und die größeren Anonym-Hallen führten. Er ruhe in Frieden, der Emo… Bis jetzt, denn man dürfte meinen, dass das Genre momentan ein kleinwenig in neuem Glanz erstrahlt. Mit Elm Tree CircleRemo Drive oder Memoriez haben junge Bands ebenso hierzulande wie jenseits des Atlantiks in jüngerer Zeit neue Alben auf den Markt geschmissen, welche der Szene tatsächlich eine wohltuende Frischzellenkur einimpfen konnten. Und dieser Riege aufregender Newcomer-Truppen lassen sich definitiv auch Linhay zuordnen.

Obwohl: Newcomer? Tatsächlich kommt das vielwebs noch immer als Geheimtipp gehandelte Quartett aus Kiel und besteht bereits seit Ende 2016 – wüsste man’s nicht besser, man könnte beim Hören ihrer Songs denken, man wäre unangekündigt in die Neunziger und in den Mittleren Westen der US of A zurück katapultiert worden. Außerdem dürfte der norddeutschen Band eine gewisse Aufmerksamkeit der Szene durch die Tatsache vergönnt sein, dass sich in ihren Reihen mit Bassist Gunnar Vosgröne ein Ex-Bandmitglied der zwar bereits seit 2011 aufgelösten, aber auch heute noch fast kultisch verehrten Kieler Hardcore-Punker Escapado wiederfindet (darüber hinaus unterstützte Vosgröne Tomte einige Zeit als Live-Cellist). So sorgten Linhay in den letzten Jahren mit der Demo „You & I“ (2017), einer passend „&“ betitelten Split-EP mit den Kumpels von East (2019) sowie einer Soli-Single für „SeaWatch“ für nicht wenige aufgestellte Ohren.

Auf dem im September veröffentlichtem Langspieldebüt „On How To Disappear“ reichert das Vierergespann um Sänger und Gitarrist Jörn Borowski den klassischen Gitarrensound des Midwest-Emo mit shoegazigen Flächen und Post-Rock-Meditationen an und schafft so eine kohärente, jedoch keinesfalls eintönige Soundkulisse, die sich zwar klar an ihren US-Vorbildern orientiert, sie aber nicht schnöde imitiert, sondern eine eigene authentische Handschrift trägt. Der Raumklang, die verspielten Gitarren und der sphärisch hallende Gesang mit seinen akzentuierten Höhen greifen nahtlos ineinander.

Pure Phrasenmäherei? Keineswegs, denn die elf Stücke kommen mit einer durchaus an Bands wie The Hotelier oder Foxing heranreichenden Detailverliebtheit daher, während die fantastische Produktion von Martin Trompf auch kleinste Feinheiten in den Vordergrund kehrt und dem Album eine breite Klangwelt verleiht, die wunderbar mit der ästhetischen und lyrisch-eskapatischen Atmosphäre harmoniert. Straight funkelnde Emo-Gitarren und treibende Drums wie in „The Distance Between Two Moons“ lösen sich in verspielte Melodien auf, komplexe Songstrukturen wie in „In Sunshine And In Shadows“ brechen nach hinten heraus in einen wunderschönen Breakdown-Chorus aus, während die Band mit „Interlude / A Slightly Disorientated Butterfly“ noch ein mit growlender Bissigkeit überzeugendes derbes Monster in der Hinterhand hat. Wer einen Anspieltipp haben mag: „Water„, die erste Single des Albums, macht es Szene-Freunden mit minimal angezerrten Picking-Gitarren, rhythmischen Mustern und Borowskis sanftem Gesang recht einfach, sich schnell in den Linhay’schen Output zu verlieben.

Ein Schäufelchen Metaebene gefällig? Gern doch! Durch die gesamte Platte ziehen sich emotionale und ästhetische Naturreferenzen: das Wasser, der Mond, Bienen und Vögel werden Eckpunkte für die emotionale Welt von „On How To Disappear“. So liegt die wohl größte Stärke des Albums in dieser Gegenüberstellung von existenziellen Fragen und nahbarer, greifbarer Symbolik. Jede Beobachtung über den eigenen emotionalen Zustand verpacken Linhay in eine lyrische Entsprechung der Natur und erinnern dabei unweigerlich an das 2000er The Appleseed Cast-Genre-Meisterstück „Mare Vitalis„.

Alles in allem ist „On How To Disappear“ ein feines Debütwerk, dass sich mit all seinen Versatzstücken aus Post- bis Indie-Rock (und einer Messerspitze Post-Hardcore) ohne Frage im Midwest-Emo-Kanon einreihen könnte, ohne dass seine zeitliche wie geographische Distanz zum Genre groß auffallen würde. Die fast schon unverkennbar norddeutschen Einflüsse in den vor Fragezeichen nur so überquellenden Texten und der melancholischen Ästhetik sind es jedoch, die das Album als potentielles kleines Gesamtkunstwerk exponieren, das das Schöne mit dem Zweifel vereint.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Dikembe – „All Got Sick“


Musik bewegt sich, wie alles andere auch, ziemlich regelmäßig in sich wiederholenden Zyklen. Was als das „nächste große Ding“, als der „neuste heiße Scheiß“ angepriesen wird, ist am Ende lediglich ein mehr oder minder interessanter Hype-Aufguss von etwas aus den vergangenen Jahren. So könnte man – liebe Freunde der härteren Gefilde – Doom Metal einfach als Black Sabbath-Riffs mit harschem Gesang abhaken. Oder Metalcore als Wiedergänger schwedischen Melodeaths mit Breakdowns und dezentem Blinzeln aufs Poppige. Ja, selbst der auf charmante Art und Weise lo-fi’ige Garage Rock à la The Strokes durfte längst sein Revival feiern. Glam Rock? The Darkness? Ach, reden wir nicht drüber… Und Emo? Auch längst „back in fashion“ gewesen. Jeder namhafte Blog, jede Musikwebsite, jeder fashionable selbstberufene Musikjournalist wurde ganz verrückt wegen jeder neuesten Welle von Bands, die vermeintlich Sunny Day Real Estate oder American Football gehört haben dürften. Der einzige Unterschied zwischen den Neunzigern und heute mag sein, dass sich die meisten dieser „modernen Emo-Bands“ nun auf andere Kapellen berufen. Jimmy Eat World? Nope, im Fall von Dikembe sind es viel eher Brand New.

Natürlich ist man da (vor)schnell geneigt, der vierköpfigen, 2010 gegründeten Band aus Gainesville, Florida (traditionell ja ein recht gutes Punkrock-Pflaster) simples Fanboy-Kopistentum zu unterstellen. Easy job, fair enough. Ganz gerecht wäre das jedoch nicht. So ganz einfach machen’s einem Dikembe aber andererseits auch nicht. Waren bei den zurückliegenden Alben, etwa „Mediumship“ (2014) oder „Hail Something“ (2016), an mancher Stelle auch indierockige Referenzen à la Manchester Orchestra (oder eben den Spurrillen anderer Emo-Revivalisten wie You Blew It!) zu vernehmen, wird der tief knicksende Fingerzeig auf Brand New und deren Spätwerk (man denke an „Daisy“ und Co.) mit dem neusten Album „Muck“ sogar noch offensichtlicher.

Dabei versprechen schon die ersten Töne des Intros “Sink” mit dem anschließend melancholisch rockigen “Wake” – verglichen mit dem vier Jahre zurückliegenden Vorgänger – einen qualitativ enormen Sprung nach vorn. Die Produktion der elf Stücke wirkt sehr druckvoll und ausgefüllt. Dadurch geht natürlich zum gewissen Teil der Lo-Fi-Charme früherer Releases verloren – auf der anderen Seite aber steigert das den Hörgenuss von schlichtweg guten Indierock-Songs, die sich allesamt, nebst eben Brand New, mit Einflüssen aus dem Post-, Emo- und Punkrock rumschlagen. Die erste Single “All Got Sick” dürfte dabei nicht nur aufgrund der ebenso befremdlichen wie aberwitzigen Musikvideo-Visualisierung als Mini-Hit gelten (nun, zumindest in einer besseren Welt) – über 50 bekannte Musikvideos und -filme wurden hier mit einer Refacing-App gehackt. Knackige drei Minuten, die wirklich kaum besser zu füllen sind. Eine mehr als runde Sache, welche sich auch auf die gesamte Spielzeit ausweiten lässt. Dikembe, benannt nach dem ehemaligen kongolesisch-US-amerikanischen Basketballspieler Dikembe Mutombo, legen auf “Muck” in Punkto intensive Grunddynamik ordentlich zu und füllen ihre im Gros gerade einmal drei Minuten kurzen Songs mit allerhand Gewicht und Inhalt. Die Band um Frontmann Steven Grey, der mit Stimme und Intonation Brand New-Sänger Jesse Lacey kaum näher stehen könnte, wirkt deutlich ernster und gewissenhafter – ganz anders als bei früheren Werken, bei denen Spielwitz und -freude oft auch schnell zu sehr übertrieben wurde. “Muck” schafft oft genug den Spagat zwischen Demut und Tiefe, ohne dabei Durchschlagskraft und Lockerheit zu verlieren. Besser sogar: Dikembe machen so nicht nur Spaß, sondern berühren auch. Songs wie “Throat”, “Barely A Sea”, “Living In The Walls” oder “Shame” können da einerseits ganz schön nach vorn rumpeln, besitzen andererseits trotzdem ordentlich emotionalen Tiefgang.

Und obwohl’s wie eine Phrase wirkt, trifft genau das eben auf „Muck“ zu: Musik wirkt immer dann besonders stark, wenn du die Gefühle dahinter einfach packen und für dich authentisch greifen kannst. In Dikembes Fall hat Frontmann Steven Grey all seine Trauer über den Verlust seiner Mutter, all seine Depressionen und sonstigen Dämonen in den Texten und Tönen von “Muck” verpackt und verarbeitet (Touché Amoré – ick hör‘ dir trapsen!). Das 35-minütige Ergebnis kann sich – Parallelen zu Brand New und Co. hin oder her – mehr als hören lassen – und hilft hoffentlich Grey dabei, schnell wieder Sonnenstrahlen zu sehen…

Rock and Roll.

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Auf dem Radar: Topiary Creatures


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Noch nienimmernicht von Topiary Creatures gehört? Macht nix, denn selbst auf Facebook konnten die fünf Newcomer aus San Francisco, Kalifornien bislang gerade einmal knapp 530 „Gefällt mir“-Klicks sammeln…

a3292030761_16Über die Qualität ihrer Songs sagt das freilich recht wenig aus. Wöllte man’s fix einordnen, so könnte man meinen, dass Topiary Creatures emo-lastigen Indie Rock mit feinem Twinkle und gelegentlichen Ausbrüchen tönen lassen. Anhand so einiger schöner Ideen und melodischer Spielereien, die aus dem unlängst erschienenen Debütalbum „Tangible Problems“ hervorstechen, darf man gern an Emo-Post-Rock-Kapellen wie etwa The World is a Beautiful Place & I am No Longer Afraid to Die denken – da passt’s nur allzu gut, dass deren Gitarrist Chris Teti hier hinter den Reglern und auf dem Produzentenstuhl saß. Stimmlich wiederum klingt an mancher Stelle eine Nähe zu Heliumkehlchen wie Claudio Sanchez (Coheed & Cambria) oder Anthony Green (Circa Survive, Saosin) an. Und hinter allem steckt Bandkopf Bryson Schmidt, der nach so einigen recht kurzlebigen Band- und Solo-Projekten (etwa Chloroform Playset) bei Topiary Creatures, deren Name – standesgemäß geekig-nerdig – einem Neunziger-Computerspiel entliehen ist, eine neue musikalische Heimat gefunden hat und sich ganz nebenbei auch für alle fantasievoll-kreativen Artworks verantwortlich zeichnet. Merke an: Diese Band sollten Genre-Freunde als echten, frischen Geheimtipp auf dem Schirm haben!

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Hier gibt’s das Musikvideo zu „Depends On The Day You Ask Me“…

 

…sowie das frisch erschienene Debütwerk „Tangible Problems“ im Stream:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: The Winter Passing – „Resist“


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Fünf Jahre nach dem Debüt „A Different Space Of Mind“ und drei Lenze nach der „Double Exposure EP“ fügen The Winter Passing ihrer Diskographie endlich Album Nummer zwei hinzu. Der Sound von „New Ways Of Living“ klingt dabei zwar immer noch nach einer wilden, juvenilen Fahrt durch Emo, Indie- und Folkrock, allerdings stets in seiner gehobensten Form. Damit präsentiert sich das Quintett als einer der schillerndsten Rohdiamanten aus Dublins umtriebiger DIY-Szene…

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Passend dazu, dass The Winter Passing, die nicht nur in weitreichenden Einflüssen von Sonic Youth über No Doubt oder American Football sowie einer kollektiven Faszination für Filmografie, irische Redensarten und ländliche Küstenstädte viele gemeinsame Nenner finden, sich auch im Jahr 2020 musikalisch irgendwo zwischen den Genre-Stühlen Indie, Punk, Midwest Emo und Folk (die ja nie gänzlich ohne ein kapitales „ROCK“ auskommen) ansiedeln, arbeitet das Fünfergespann um die Geschwister Kate und Rob Flynn – wohl auch ein wenig aus der rationalen „Not“ heraus – bevorzugt in Eigenregie. Sie produzieren ihre Platten nahezu selbst, buchen – so denn Corona und Co. nicht eben alles zum Stillstand zwingen – eigene Shows rund um den Globus, waren in Großbritannien und Europa so bereits als Support von Bands wie Modern Baseball, The Wonder Years, Touché Amoré, The Dirty Nil oder Four Year Strong zu erleben. Und lassen nun endlich mit dem zehn Songs starken „New Ways Of Living“ neue Musik hören.

Mit dem zweiten Langspieler will die Band nicht nur einmal mehr mit ihrem irischen Working Class-Ethos überzeugen, sondern auch ein neues Kapitel aufschlagen. Die neuen Songs sollten noch dynamischer, die Texte von Kate und Rob Flynn noch persönlicher geraten. Ihre verletzliche Seite zu zeigen, gehört für sie selbstverständlich dazu. „Die neuen Songs handeln von Mental Health und Wohlbefinden, der Angst, die durch den ständigen Wechsel von Stabilität und Instabilität im Leben hervorgebracht wird und davon, sich damit abzufinden, auch einfach nur ‚OK‘ zu sein“, erklärt Sänger und Gitarrist Rob Flynn.

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Das eröffnende „Ghost Thing“ verbreitet von der ersten Sekunde an eine Art unruhige Aufbruchsstimmung, wirkt dabei unbequem und doch harmonisch. Der an mancher Stelle an Kapellen wie die kanadischen Indiepopper Stars oder die ebenfalls aus dem Ahorn-Staat stammenden Alternative-Rocker July Talk erinnernde Wechselgesang der Geschwister – er das Raubein, sie charmant und leichtfüßig (und manchmal eventuell etwas zu sehr in Richtung quietschige Kopfstimme unterwegs) – entwickelt schnell eine gewisse Eigendynamik, das zwingend indierockende Arrangement zwischen verbissenen Strophen und weit offenem Chorus erzielt so einige Volltreffer. Davon ist im folgenden „The Street And The Stranger“ erst einmal nicht allzu viel zu hören. Die Band nimmt das Tempo heraus, gibt sich fragiler und emotionaler. Erst über Umwege schleicht sich das Stück an, beißt sich dafür jedoch umso beharrlicher fest.

Eine gewisse Spannung ist in jeder Sekunde zu spüren, wenn beispielsweise die Single „Resist“ aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und einen amtlichen Refrain zwischen Melancholie und Hoffnung lostritt. Das Duett der Flynns tönt gut und funktioniert immer wieder. So auch im recht punkigen „New York“, einem schönen Schrammel-Song mit kleinen Widerhäkchen, der wie im Rausch durch die Szenerie preschend und doch reich an Melodien erscheint. Anderswo, in „Greetings From Tipperary“, wird’s unaufdringlich-jingle-jangle-folkig, „I Want You“ gibt sich gleichsam nachdenklich und sentimental. Den Rausschmeißer gibt’s schließlich im XXL-Format: „Mind Yourself“ nähert sich der Sieben-Minuten-Marke an und entlädt sich in Druckwellen, rund um beklemmende Ruhe und blanke Emotionalität angesiedelt. Das geht gen Ende im besten Sinne an die Substanz.

Eines wird deutlich: Wenn The Winter Passing zulangen, dann so richtig. Ihr zweites Album braucht keinen Vorlauf, keine Aufwärmphase, sondern explodiert mit einem Mix aus gefühlvollen Harmonien, beklemmenden Emo-Teppichen, scharfkantigem Punk Rock, beinahe shoegaziger Atmosphäre und sanfter Hoffnung. „New Ways Of Living“, welches mit „Good Thing“, „Melt“ und „Resist“ gleich drei formidable Kandidaten für die Emo-Playlist des Jahres parat hat, mag dabei – dem vollmundigen Albumtitel zum Trotz – zwar auch keine Allerweltslösungen fürs menschliche Miteinander bieten, bahnt sich jedoch immer wieder den Weg aus der Niedergeschlagenheit und überrascht positiv mit kleinen, feinsten Kniffen. Zehn kleine Indie-Perlen, die nahelegen, dass die Songs von The Winter Passing in Zukunft sogar noch um einiges spannender geraten können…

 

Hier gibt’s das Musikvideo zur Single „Resist“, welches Corona-bedingt in den Wohnungen der Bandmitglieder entstand:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Warm Blue – „Every Castle“


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Foto: Promo / Flo Ehlich

Münster scheint nicht erst seit gestern ein recht gutes (Start)Pflaster für Bands aus dem Indie’n’Punk Rock, Emo- und Post Hardcore-Umfeld zu sein – man denke nur an Kapellen wie die Donots, Muff Potter, Messer oder Long Distance Calling, man denke nur ans „Gleis 22„, welches bereits seit den Achtzigern als einer der beliebtesten Indie-Clubs der Bundesrepublik gilt.

105894619_738906070194703_3907301730159260491_oAus der westfälischen 300.000-Einwohner-Universitätsstadt zwischen Dortmund und Osnabrück kommen auch Warm Blue. Gegründet hat sich die aus Sänger und Bassist Jan Rüther, den Gitarristen Jan Becker und Max Roling sowie Schlagzeuger Tim Löffeler bestehende Band erst im vergangenen Jahr. Frischlinge scheinen jedoch alle vier keineswegs zu sein, denn immerhin haben sie innerhalb der kurzen Zeit nicht nur eine gemeinsame Bandchemie gefunden, sondern mit Thies Neu in der Berliner Tonbrauerei sogar ihre Debüt-EP „To Draw A Face“ aufgenommen, welche zwar vorerst nur digital erscheinen soll, mit der die Münsteraner aber noch auf Label-Suche sind. Warm Blue selbst verorten sich zwischen melancholischem Post Rock, Emo und grungy Indie Rock à la Basement, Superheaven oder Pianos Become The Teeth – dem ist im Grunde nichts hinzuzufügen. Mit „Every Castle“ gibt’s bereits einen ersten Song, am 17. Juli soll mit „Sighs“ eine zweite Hörprobe folgen… Die Band dürfen Genre-Freunde also gern auf dem Schirm behalten.

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: The Lazy Susans – „R U OK?“


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Ein weiser Mensch sagte einmal, dass man Songs, die einen vom ersten Moment an gefangen nehmen, bis man völlig in ihnen aufgegangen und eins mit jedem Ton, jeder Sekunde geworden ist, festhalten, bewahren und für immer nah am Hörerherzen tragen sollte. Denn Songs, die eine solche fast schon einzigartige Reaktion in einem selbst hervorrufen, sind dazu bestimmt, geschätzt und weitergetragen zu werden und stellen eine der wenigen gleichsam direkten wie einfachen Freuden dar, die uns alle daran erinnern, wie gut es sich anfühlt, zu leben…

Ohne jetzt gleich ins Pastorale zu verfallen: Nicht wenige Musik-Geeks werden im vergangenen Sommer ein recht ähnliches Gefühl gehabt haben, als sie einen Song hörten, bei dem sie dieses vertraute Ziehen in und dieses Kribbeln auf der Haut spürten. Bei dem ihnen im ersten Moment die Worte fehlten, um zu erklären, warum er eine solche Wirkung auf sie hatte. Warum sie sich innerhalb weniger Augenblicke so sehr mit jenem Stück verwoben fühlten, das ihnen drei Minuten zuvor noch nichts bedeutet hatte. Und ebenjener Song war „R U OK?“, eine Single von The Lazy Susans.

a2364620560_16Was ein Bandname überhaupt… The Lazy Susans. Der hat wohl eher weniger etwas mit „einem drehbaren, im Allgemeinen kreisförmigen Tablett, das in der Tischmitte platziert wird, um das Bewegen der Speisen zu allen Gästen auf allen Seiten des Tisches zu erleichtern“ zu tun als mit der Tatsache, dass Frontfrau Antonia Susan (Gesang, Gitarre) und ihre Bandmates Kieren Turnbull (Gitarre), Wesley Reyes (Bass) und Ashlee Giblin (Schlagzeug) wohl einfach einen griffigen Bandnamen brauchten, der einerseits cool, andererseits jedoch auch slackermäßig genug war. Aaaaaand… that was it. Ihre Anfänge nahm die vierköpfige Band anno 2016 in den Blue Mountains Australiens, etwa eine Autostunde entfernt von Sydney (damals noch als Antonia & The Lazy Susans), und bevor sie ins wesentliche trubelhaftere Melbourne zogen, hatten sich The Lazy Susans bereits mit der „Closure EP“ und Songs, die ihre juvenilen Herzen allzeit auf der Zunge vor sich her trugen, einen Namen gemacht. Mit „Now That The Party’s Over“ haben die vier Emo-Indierocker im vergangenen August ihr Debütalbum veröffentlicht. Und es wäre doch gelacht, wenn von den oft genug recht persönlichen Geschichten lediglich ein paar nah am Tränensack geparkte Musik-Geeks Wind bekommen sollten…

Den Anfang macht gleich besagtes „R U OK?“, ein Song, der es einem mit seinen simplen Melodien und seinem ebenfalls einfachen, jedoch definitiv zu Herzen gehenden Zeilen leicht macht, sich an jenen Moment zurück zu erinnern, in dem man den Dreieinhalbminütiger zum ersten Mal hörte. An die Gänsehaut, die Antonia Susans Stimme bereits damals hervorrief. Aber auch an den Trost, das Verständnis dafür, dass jeder ab und an schwere Tage hat, an denen sich jeder Schritt wie unter Bleigewichten anfühlt. In die Kerbe „Coming of Age“ schlagen auch die nächsten Stücke, „Reaching Out“ und „If I Hurt You“, zweiteres gar mit bittersüß-sehnsüchtig ausgestreckten Armen, gen Firmament stürmenden Melodien und nahezu herzzerreißenden Zeilen wie „I don’t want you to think I’m a monster / Even though I am“ (ersteres trägt das Herz mit „Nobody ever told me how lonely being an adult would be“ kaum weniger leicht in der adoleszenten Brust). Mehr wild in selbiger Pochendes gefällig? Im bitteren Goodbye-Song „Nice Bones“ singt Susan „What gives you the right to say I’m wrong / When all I did was love someone different to you?“. Und auch das abschliessende „Joy“ erzählt davon, dass das Leben der Liebe manchmal in die Parade fährt: „Find what fills you with joy and hold on till you die / That’s the answer to having a good life“ (was anhand von das Stück eröffnenden Zeilen wie „I want you to know / I miss you more each day“ noch herzergreifender gerät).

Manch einer wird beim bewusst auf der guten Seite der Poppigkeit balancierenden Indie Rock des Melbourne-Vierers eventuell an eine Melange aus den Neunziger-Power-Alternative-Rock-Avancen von Everclear und der Direktheit einer jungen Courtney Love denken, wohl nicht wenige auch an Paramore (schließlich sind stimmliche Ähnlichkeiten zwischen deren Frontfrau Hayley Williams und Antonia Susan nur schwerlich zu überhören). Und dass die Australier ihrem musikalischen Nachwuchs irgendwelche Großartigkeitsvitaminchen ins Trinkwasser mischen, vermutet ANEWFRIEND aufgrund so vieler weiterer – und kaum weniger tollerBeispiele sowieso schon länger. Höchste Zeit also, dass noch mehr auf emotionalen Indie Rock geeichte Musik-Geeks Wind von The Lazy Susans bekommen, denn für Antonia Susan und ihre Bandmates hat die Party wohl gerade erst begonnen…

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„Waiting for time to pass, for your train to come, so you can head home
The cities filled with people are the loneliest of places, just looking for distraction but it’s just emotionless faces

Do you feel okay, my friend? I can see it in your face. That your peace of mind is slipping away

Is it okay to ask if you’re okay?
Is it okay to ask if you’re okay?
Is it okay to ask if you’re okay?
Is it okay to ask if you’re okay?

You light up a cigarette to try to ease the pain, it never goes away, it never goes away
Your lungs hurt because you self medicate twenty times a day
Do you feel comfort in empty spaces? Did you make it home? I hope you feel safe

Do you feel okay, my friend? I can see it in your face. That your peace of mind is slipping away

Is it okay to ask if you’re okay?
Is it okay to ask if you’re okay?
Is it okay to ask if you’re okay?
Is it okay to ask if you’re okay?

Your self, self destructive state
Your self destructive ways
Dear friend, I hope you’re okay“

 

Rock and Roll.

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