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Das Album der Woche


Death Cab For Cutie – Asphalt Meadows (2022)

-erschienen bei Atlantic/Warner-

Die Karriere der US-Indie-Rocker Death Cab For Cutie verlief seit der Bandengründung Mitte der Neunziger so konstant und beschaulich wie nur wenig anderes. Öffentlichkeitswirksame Skandale, zertrümmerte Hotelzimmer oder wilde Drogenabstürze? Wer solch heißen Gossip-Shit aus tausendundein Nächten voll von Sex, Drugs und Rock’n’Roll suchte, der musste in den letzten 25 Jahren woanders klopfen. Bei dem Quintett aus Bellingham, Washington geht es seit jeher so solide zu wie in einem mittelständisch-kleinstädtischen Handwerksbetrieb: Alle drei bis vier Jahre stellt die Truppe um Frontmann Benjamin Gibbard verlässlich eine neue Platte in die Regale, die zwar selten den Status eines Meisterwerks innehat, aber ebenso verlässlich schöne, herbstlich-feierliche Musik liefert, irgendwo an der Grenze zwischen Indie Pop, Emo (freilich frei von Kajal und Weltschmerz-Weinerlichkeit) und College Rock der frühen Nullerjahre. Natürlich mögen Großwerke wie „Transatlanticism“ oder „Plans“ bald zwanzig Jahre zurückliegen, doch anstatt an immer neuen Sentimentalitätsaufgüssen altbewährter Erfolgsformeln zu scheitern, such(t)en Death Cab For Cutie ihr Heil stets in der sanften Kurskorrekturen: So wurden in der Vergangenheit beispielsweise Prog- und Post-Rock-Anflüge eingeflochten oder auch mal Electronica-Sperenzchen integriert. Dass all das nicht immer von künstlerischen Erfolgen gekrönt war, vor allem zuletzt auf Langspiellänge mitunter etwas dröge geriet und das jüngste, 2018 erschienene Werk „Thank You For Today“ seine Beschaulichkeit bereits im Titel vor sich her trug? Geschenkt. Das Werkeln an der nach obenhin offenen Gigantomanie-Skala überließen Gibbard und Co. schon immer den U2s, Muse’ses und Tools da draußen. Umso erstaunter darf man beim Lauschen von „Asphalt Meadows„, dem nunmehr zehnten Studioalbum der Band, feststellen, dass sich selbiges um einiges häufiger in handfester ROCK-Musik erprobt – und die Großbuchstaben sind hier kein Versehen. Klare Sache: So dringlich, so offensiv und stringent klangen Death Cab For Cutie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Und das hat durchaus seine Gründe…

Den ersten davon lässt bereits das im Albumtitel enthaltene Oxymoron erahnen: Asphalt und Wiesen, deren Kontrast offenlegt, wie selten sich in unser aller heutigen Lebenswirklichkeit Moderne und Fortschritt mit Naturpflege und sattem Grün vereinen lassen. Ben Gibbard hatte in den Lockdowns der (hoffentlich) zurückliegenden Corona-Pandemie, welche er sich unter anderem mit regelmäßigen Livestreams vertrieb, einige Zeit zum Grübeln – und zum Sorgenmachen über den Weg, welche die Menschheit mitsamt von Klimakrisen, Kriegen, oder tumben Clowns in Führungsämtern eingeschlagen hat. Kein Wunder also, dass dem 46-jährigen Musiker, seit eh und je politisch interessiert und karitativ umtriebig, für die neusten Songs seiner Haupt- und Herzensband alles andere als nach betulicher Danke-und-Shangri-La-Gemütlichkeit war. Der zweite Grund ist in der Bandhistorie zu finden: Gab Ben Gibbard nach dem 2014er Abgang von Gitarrist und Gründungsmitglied Chris Walla (der zudem auch noch für die Albumproduktionen hinter den Reglern saß) noch vor einiger Zeit zu Protokoll, dass die gesamte Zukunft der Band auf seinen Schultern laste, zeigt nicht zuletzt der Blick in die aktuellen Songwriting-Credits, dass die neue Besetzung, zu der neben Bassist Nick Harmer und Schlagzeuger Jason McGerr nun auch Gitarrist Dave Depper und Keyboarder Zac Rae fest dazu stießen, endlich zusammengewachsen ist – jeder bringt Ideen in die Stücke ein, jeder hat seinen festen Platz im kreativen Entstehungsprozess. Durchaus verständlich, dass diese basisdemokratische Bandchemie dem ohnehin nie überaus extrovertiert auftretenden Gibbard die deutlich liebere ist.

Dennoch besteht so die Gefahr, dass zu viele Songschreiberköche die akustischen Endprodukte verderben – was jedoch im Fall der elf Songs von „Asphalt Medows“ nie passiert. Ganz im Gegenteil, wie bereits der vorab veröffentlichte Zweiminüter „Roman Candles“, ein Song über die existenzielle Angst auf einem sterbenden Planeten, unter Beweis stellt: Die Melodie geht runter wie selbstgemachter Zitroneneistee am wärmsten Tag des Jahres, während die Gitarren sirenenhaft aufheulen und das Schlagzeug einen dezenten, an The National gemahnenden Bryan-Devendorf-Vibe versprüht. Da hört her – Death Cab For Cutie wissen endlich wieder zu irritieren und faszinieren! Natürlich rocken Gibbard, Harmer, McGerr, Depper und Rae auch 2022 nicht breitbeinig und mit üblen Klischee-Posen – nein, diese neue Dynamik, zu der nicht nur ein gleichberechtigter Songwriting-Prozess innerhalb der Band, sondern auch Produzent John Congleton beitrug, wird fein säuberlich in den bestehenden Bandsound integriert. So beginnt etwa das famose „Foxglove Through The Clearcut“ mit einem Spoken-Word-Intro und entwickelt seine schimmernde Post-Rock-Aura im Laufe der fünf Minuten Spielzeit: kristallklare Gitarren bilden die shoegazende Grundlage, auf der Schlagzeug und Bass ein spannendes Rhythmusgebäude errichten, während Gibbard einen Naturbeobachter die Misere der Menschheit schmerzlich pointiert darlegen lässt und dafür in den Strophen sogar auf Gesangsmelodien verzichtet. Hier, fernab von den glossy Gitarren und den weiten Hallräumen des Vorgängeralbums, klingen Death Cab For Cutie wie eine US-Westküstenband der späten Neunzigerjahre, welche die Sollbruchstelle von Post-, Math- und Experimental-Rock zu bestimmen versucht. „Here To Forever“ findet seine Inspiration noch mal ein Jahrzehnt davor, denn insbesondere in den Synthie-Schlieren, die sich auf markante Art durch die Nummer ziehen, scheinen die besseren Seiten der Achtziger ihren Widerhall zu finden.

Zwischen all diesen stilistischen Kurswechseln und Sprüngen in vergangene Dekaden haben sich aber auch die „klassischen“ Death-Cab-For-Cutie-Hits gemischt, jene Songs also, die man nur zu gerne auf Mixtapes packen beziehungsweise in Playlists schieben möchte, am besten irgendwo zwischen Nada Surf, Teenage Fanclub und The Dismemberment Plan (man denke nur an den wohl ewig unübertroffenen Balladengeniestreich „I Will Follow You Into The Dark„!). „Pepper“ kommt in der Folge eher als akustisches Intermezzo daher, ein perlender Gitarrenpop-Song mit netter Hook, der so süßlich den letzten Kuss seines Gegenübers einfordert, dass man diesem Aufruf öfter als nötig Folge leisten möchte. Die behutsamen Tontupfer des geschmeidig fließenden potentiellen Herzstücks der der Platte, „Fragments From The Decade“, lullen in Prefab Sprout-Style ein. Das sagenhaft verträumte Teil platziert sich weit hinten als Highlight in der Tracklist und endet nach sphärischen Keyboard-Fantasien in einer Geräusch-Kaskade, die so klingt, als drehe man Tastenmann Zac Rae den Saft ab. Sicherlich wird eine Band anno 2022 mit derlei Kompositionen von ach so edgy Popkultur-Feuilletonisten und jedem noch so beschissenen Trend nachjagenden Pitchfork-Jüngern nicht über den immergrünen Hype-Klee gefeiert – auch dies ist eine Konstante in der Karriere dieses so sympathisch unscheinbaren – und deswegen umso näher ans Hörerherz reichenden – Quintetts. Doch wenn sich Death Cab For Cutie im finalen „I’ll Never Give Up On You“ die Klaviermelodie von Radiohead leihen, wenn gleich im Albumeinstieg „I Don’t Know How I Survive“ synkopische Keys-Hüpfer und rhythmische Betriebsamkeit mit Electro-Verzierungen eine aufgedrehte Melodrama-Hook untermalen, wenn sich in der vorwärts hoppelnden Hitsingle „Here To Forever“ Bass und Schlagzeug ein Wettrennen um die Aufmerksamkeit des Hörers liefern und der Titelsong eine extragroße Portion Melancholie versprüht, dann weiß man, dass man hier richtig ist. Bei den netten, gar nicht mehr so jungen Jungs von nebenan, die selbst mit den einfachsten Mitteln, mit ihrem bittersüßen Pathos, mit ihrem konzisen Songwriting, das an den richtigen Stellen die richtigen Signale sendet, immer noch begeistern können. Musik wie ein Nachausekommen.

Rock and Roll.

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Song des Tages: BRUTUS – „Victoria“


Foto: Promo / Eva Vlonk

Gut drei Jahre hat sich das belgische Trio Zeit gelassen, nun werfen BRUTUS immer mehr vielversprechende Songschatten ihres dritten Langspielers voraus. Der neuste hört auf den Titel „Victoria“ und ist nach „Liar“ und „Dust“ bereits der dritte Appetithappen vom kommenden, am 21. Oktober erscheinenden Album „Unison Life„.

Sängerin Stefanie Mannaerts verrät, worum es in der neuen Single geht: „‚Victoria‘ handelt vom Älterwerden. Man weiß, dass das Erwachsenenleben hinter der Ecke lauert, aber man hat keine Angst vor dem, was kommt, weil wir alle gemeinsam untergehen werden.“ Zudem enthält ‚Victoria“ die Zeile „This is our unison life, my friend / This is the end“, welche Bassist Peter Mulders dazu inspirierte, „Unison Life“ als Titel für den Nachfolger des 2019er Langspielers „Nest“ vorzuschlagen. Peter verrät: „‚Victoria‘ hat sich für uns immer nostalgisch angefühlt. Zurück zu den alten BRUTUS-Tagen! Das Gitarrenriff gibt es schon seit 2013, aber erst jetzt erstrahlt es in einem kompletten Song. Was als ruhigerer Song mit normaler Songstruktur gesehen werden kann, hat sich für uns als großer Schritt herausgestellt. Wir können uns nicht hinter Effekten, Tempowechseln, Shouts oder Blasts verstecken.“

Für das Musikvideo zu ‚Victoria“, welches musikalisch einmal mehr mit gebündelter Intensität aufwartet und in seinen viereinhalb Minuten zwischen Post Rock, Progressive Rock, Alternative Rock und Post Hardcore pendelt, reisten BRUTUS mit Regisseur Jonas Hollevoet durchs heimische Belgien, um für das Visuelle das nostalgische Gleichgewicht zwischen Jung und Alt, Alleinsein und Zusammensein zu suchen. Zu sehen sind die Bandmitglieder (und einige Gäste), wie sie Schilder mit einzelnen Textzeilen an Orten hochhalten, an denen die Menschen einfach nur im Moment leben. Die Reaktion des Publikums um sie herum ist durchweg faszinierend: einige schauen neugierig zu, andere ignorieren sie völlig, und gelegentlich gibt es Gruppen, die verzweifelt versuchen, an der Aktion teilzunehmen.

Rock and Roll.

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Moment! Aufnahme.


Dave Grohl und Shane Hawkins in London. (Foto gefunden bei Facebook)

„Meine Damen und Herren, wir haben uns heute Abend hier versammelt, um das Leben, die Musik und die Liebe unseres lieben Freundes, unseres Bandkollegen, unseres Bruders Taylor Hawkins zu feiern“, leiteten Dave Grohl und seine restlichen Foo Fighters-Bandmates Nate Mendel, Chris Shiflett, Pat Smear und Rami Jaffee am Samstag sichtlich bewegt das erste Tribute-Konzert zu Ehren ihres verstorbenen Bandkollegen und Freundes ein – ein Abend, der mit seinen zahlreichen einmaligen Auftritten im ausverkauften Londoner Wembley-Stadion in vielerlei Hinsicht kaum denkwürdiger hätte ausfallen können…

„Wir haben uns heute Abend mit seiner Familie und seinen engsten Freunden, seinen musikalischen Helden und größten Inspirationen versammelt, um euch eine verdammt gigantische Nacht für einen verdammt gigantischen Menschen zu bieten. Also singt und tanzt und lacht und weint und schreit und macht verdammt noch mal Lärm, damit er uns jetzt hören kann! Denn wisst ihr was? Es wird eine verdammt lange Nacht werden“, fuhr der Foo Fighters-Frontmann fort. Über sechs Stunden folgten Auftritte wie etwa von Ex-Oasis-Lautsprecher Liam Gallagher, Brian Johnson (AC/DC), Lars Ulrich (Metallica), Stewart Copeland (The Police), Brian May und Roger Taylor (beide Queen), Justin Hawkins (The Darkness), Josh Homme (Queens Of The Stone Age), Wolfang Van Halen, Kesha, Chris Chaney, Greg Kurstin, Supergrass, Geddy Lee und Alex Lifeson (beide Rush), den Pretenders oder Nile Rogers, um Hits der jeweiligen Künstler oder Cover-Versionen mal gemeinsam mit den Foo Fighters als souverän aufspielende Backing-Band, mal in amtlicher All-Star-Besetzung zu performen. Beinahe immer an irgendeinem Instrument dabei: Dave Grohl.

Buddies for life: Taylor Hawkins und Dave Grohl. (Foto: Danny Clinch)

Für alle Freunde des durchaus weitreichenden kreativen Schaffens des 53-jährigen Musiker-Tausendsassas dürfte vor allem die Reunion von Them Crooked Vultures von Interesse gewesen sein, jener Supergroup bestehend aus Grohl, Queens Of The Stone Age-Kopf Josh Homme und John Paul Jones von Led Zeppelin. Nach einer Videobotschaft von Elton John betrat die kurzlebige Band, deren einziges Album 2009 erschienen war, zusammen mit Alain Johannes (Eleven, Queens Of The Stone Age) erstmals seit zwölf Jahren gemeinsam die Bühne, eröffnete mit dem Elton-John-Song „Goodbye Yellow Brick Road“ und spielte dann ihren Song „Gunman“ sowie „Long Slow Goodbye“ von den Queens Of The Stone Age.

Dass Talent scheinbar vererbt werden kann, bewies Dave Grohls 16-jährige Tochter Violet, die ebenfalls in London anwesend war und Coverversionen von Jeff Buckley („Last Goodbye“ und „Grace“, angesichts der nicht eben simplen Originale durchaus amtlich abgeliefert) sowie „Valerie“ (The Zutons) zum Besten gab. Bei letzterem war übrigens ein gewisser Mark Ronson an der Gitarre dabei, der dem Song anno dazumal als Coverversion der ebenso großen wie früh verstobenen Amy Winehouse zu neuen Bekanntheitshöhen verhalf.

Gegen Ende des Tribute-Abends betraten dann erneut die Foo Fighters die Bühne des Wembley-Stadions und spielten während ihres ersten offiziellen Auftritts nach dem Tod von Taylor Hawkins im März diesen Jahres insgesamt zehn Songs mit wechselnden Schlagzeugern, darunter Session-Drummer Josh Freese (A Perfect Circle, Nine Inch Nails, Weezer, Sting), Travis Barker (blink-182), die 12-jährige Erzfeindin“ von Grohl, Youtuberin Nandi Bushell (welche angesichts ihres zarten Alters von gerade einmal zwölf Jahren fantastisch aufspielte), sowie Rufus Taylor, dem Sohn von Queen-Schlagzeuger Roger Taylor, bei dem man schon zwei Mal genauer hinschauen musste, ob da nicht Taylor Hawkins aus dem Rocker-Jenseits hinabgestiegen sei, so sehr ähnelt die Optik des 31-Jährigen der des verstorbenen Foos-Drummers – wenig verwunderlich also, dass sich nicht wenige Anhänger der Band ausgerechnet ihn als Hawkins‘ Nachfolger wünschen. Ebenso wenig überraschend dürfte denn auch gewesen sein, dass Grohl, der im Juli diesen Jahres (und während der Vorbereitungen zu den Tribute-Shows) auch noch seine Mutter verlor, bereits während des eröffnenden „Times Like These“ mit den Tränen kämpfte und sichtlich bewegt innehalten musste. Glücklicherweise war auf die Anwesenden verlassen: Das Publikum sang für ihn, bis er sich wieder gefangen hatte.

Es folgte – nach energetischen Performances von Foo-Evergreens wie „All My Life“, „The Pretender“ oder „Best Of You“ – ein Überrschungs-Auftritt von Paul McCartney, der die Foo Fighters letztes Jahr in die legendäre „Rock And Roll Hall Of Fame“ aufgenommen hatte. Er betrat die Bühne zusammen mit Pretenders-Frontfrau Chrissie Hynde und kündigte einen Song an, „den ich nicht mehr gespielt habe, seit ich ihn vor 100 Jahren aufgenommen habe – ich habe ihn noch nie im Duett gesungen, aber wir werden ihn heute Abend zum ersten Mal singen“. Zusammen mit Grohl, Pat Smear und Jazz-Schlagzeuger Omar Hakim in der Band performten McCartney und Hynde – mit 80 beziehungsweise 70 Lenzen allein schon altersbedingt Rock-Legenden und dementsprechend nicht mehr ganz so gut bei Stimme wie in jungen Jahren – dann „Oh! Darling“ von den Beatles – immerhin die erste Performance des Songs von McCartney seit 1969.

Zum Finale spielten die Foo Fighters „Aurora“ mit Omar Hakim (das Stück war der erklärte Foo-Fighters-Backkatalog-Liebling von Taylor Hawkins) und danach „My Hero“ mit Taylor Hawkins‘ Sohn Oliver Shane Hawkins am Schlagzeug. Dass der 16-Jährige seligen drauf hat, bewies Shane bereits im Juli, als er den Song vom zweiten, 1997 veröffentlichten Foo-Album „The Colour And The Shape“ mit seiner Schulband bei einem öffentlichen Auftritt zu Ehren seines Vaters spielte. In den sozialen Medien schwärmten Fans von einem der „berührendsten Momente in der Rockgeschichte“. Der Auftritt des Jungen sei „unglaublich“ und „beeindruckend“ gewesen, hieß es bei Twitter unter dem Hashtag #TaylorHawkinsTribute. Ein Nutzer schrieb recht treffend nur: „Gänsehaut“. Was darauf noch folgen konnte? Klar: Als letzten Song des Abends performte Grohl das nahezu unvermeidliche „Everlong“ solo (und damit kaum weniger reich an Gänsehaut), bevor er (fast) alle Teilnehmenden des Abends zur finalen Verabschiedung auf die Bühne holte. Uff. Wahnsinn. Großartig. Vonwoauchimmer Taylor Hawkins dem ganzen, amtlich rockenden Konzert zu seinen Ehren gelauscht haben mag, es wird ihm gefallen haben, denn sein Surfer-Dude-Grinsen war in jedem verfickten Moment spürbar.

Das erste offizielle Bild der Foo Fighters ohne Taylor. (Foto: Danny Clinch via Facebook)

Wer (wie ich) nicht in der englischen Hauptstadt anwesend war, der hatte Glück, denn die komplette Show wurde unter anderem auf YouTube gestreamt (und kann auch noch nachträglich über Paramount+ angesehen werden). Die Ticket- und Merchandise-Einnahmen der beiden „Taylor Hawkins Tribute Concerts“ kommen auf Wunsch der Hawkins-Familie den Organisationen Music Support und Musicares zugute, die sich der Gesundheit und dem Wohlergehen der Musikgemeinschaft widmen. Das zweite Tribute-Konzert findet am 27. September in Los Angeles mit vielen weiteren Gästen statt. 

Taylor Hawkins war am 25. März während der Südamerika-Tour der Foo Fighters tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden worden. Die Todesursache wurde nicht öffentlich bekannt gegeben. Bei einer Untersuchung wurden allerdings verschiedene Substanzen in Hawkins‘ Körper festgestellt, die auf die Umstände seines Todes hinweisen.

— SETLIST: Taylor Hawkins Tribute Concert (Wembley Stadium, London, Sept 3, 2022) —

Liam Gallagher & Foo Fighters

„Rock ‚N‘ Roll Star“ (Oasis)
„Live Forever“ (Oasis) 

Nile Rodgers, Chris Chaney & Omar Hakim

„Let’s Dance“ (David Bowie) (mit Josh Homme)
„Modern Love“ (David Bowie) (mit Gaz Coombes) 

Chevy Metal

„Psycho Killer“ (Talking Heads)
„Children Of The Revolution“ (T. Rex) (mit Kesha) 

Justin Hawkins, Josh Freese & The Coattail Riders

„Louise“ (Taylor Hawkins & The Coattail Riders)
„Range Rover Bitch“ (Taylor Hawkins)
„It’s Over“ (Taylor Hawkins & The Coattail Riders) 

Wolfgang Van Halen, Dave Grohl, Justin Hawkins & Josh Freese

„On Fire“ (Van Halen)
„Hot For Teacher“ (Van Halen) 

Violet Grohl, Dave Grohl, Alain Johannes, Chris Chaney, Greg Kurstin & Jason Falkner

„Last Goodbye“ (Jeff Buckley)
„Grace“ (Jeff Buckley) 

Supergrass

„Richard III“ (Supergrass)
„Alright“ (Supergrass)
„Caught By the Fuzz“ (Supergrass) 

Them Crooked Vultures

„Goodbye Yellow Brick Road“ (Elton John)
„Gunman“ (Them Crooked Vultures)
„Long Slow Goodbye“ (Queens Of The Stone Age) 

Pretenders & Dave Grohl

„Precious“ (Pretenders)
„Tattooed Love Boys“ (Pretenders)
„Brass In Pocket“ (Pretenders) 

James Gang

„Walk Away“ (James Gang)
„The Bomber: Closet Queen / Bolero / Cast Your Fate to the Wind“ (James Gang)
„Funk #49“ (James Gang) (mit Dave Grohl) 

Violet Grohl, Mark Ronson, Chris Chaney & Jason Falkner

„Valerie“ (The Zutons) 

Brian Johnson, Lars Ulrich & Foo Fighters

„Back In Black“ (AC/DC) (mit Justin Hawkins)
„Let There Be Rock“ (AC/DC) 

Stewart Copeland & Foo Fighters

„Next To You“ (The Police) „Every Little Thing She Does Is Magic“ (The Police) (mit Gaz Coombes)

Geddy Lee & Alex Lifeson

„2112 Part I: Overture“ (Rush) (mit Dave Grohl) „Working Man“ (Rush) (mit Dave Grohl) „YYZ“ (Rush) (mit Omar Hakim)

Brian May, Roger Taylor, Rufus Taylor & Foo Fighters

„We Will Rock You“ (Queen) (mit Luke Spiller)
„I’m in Love With My Car“ (Queen)
„Under Pressure“ (Queen) (mit Justin Hawkins)
„Somebody To Love“ (Queen) (mit Sam Ryder)
„Love Of My Life“ (Queen) (Brian May solo) 

Foo Fighters

„Times Like These“ (mit Josh Freese)
„All My Life“ (mit Josh Freese)
„The Pretender“ (mit Travis Barker)
„Monkey Wrench“ (mit Travis Barker)
„Learn To Fly“ (mit Nandi Bushell)
„These Days“ (mit Rufus Taylor)
„Best Of You“ (mit Rufus Taylor) 

Paul McCartney, Chrissie Hynde, Dave Grohl, Omar Hakim & Pat Smear

„Oh! Darling“ (The Beatles) & „Helter Skelter“ (The Beatles)

Foo Fighters

„Aurora“ (mit Omar Hakim)
„My Hero“ (mit Oliver Shane Hawkins)
„Everlong“ (Dave Grohl solo)

Rock and Roll.

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Song des Tages: Housewife – „Patrick Bateman“


Zuvor hießen sie Moscow Apartment – so steht es auch noch auf ihrer Facebook-Seite -, aber aus guten, triftigen Gründen haben die Newcomer sich mittlerweile umbenannt. Jetzt nennen sie sich zwar Housewife, dahinter stecken jedoch immer noch Brighid Fry und Pascale Padilla, zwei queere, bereits mit etlichen kanadischen Musikpreisen ausgezeichnete Songwriter*innen aus Toronto, die gerade einmal 19 und 20 Jahre jung sind.

Im Juli 2020 erschien ihre Debüt-EP mit sechs Folk-informierten Indie Rock-Songs. Mit „Patrick Bateman“ gibt es jetzt ein neues Stück, an dem Hank Compton und Savannah Conley mitgeschrieben haben – und das nicht im heimischen Maple-Leaf-Staat, sondern im US-amerikanischen Nashville, Tennessee (welches, nebst Los Angeles, längst als „the place to be“ für aufstrebende Musiker*innen gilt). Der Song widmet sich dem Umstand, dass wir dazu neigen, das Böse zu romantisieren – daher auch der namentliche Bezug auf Patrick Bateman, die Hauptfigur aus Bret Easton Ellis‘ 1991 erschienenem Kultroman „American Psycho„, welcher durch seine derb schwarzhumorige 2000er Verfilmung mit Christian Bale in der Hauptrolle zusätzliche Bekanntheit erlangte. Doch, anders als dort, muss hier niemand in stylisch-kaltem Hochglanzambiente zu den Klängen von Phil Collins sein Leben lassen – Freunde von Snail Mail, Beabadoobee oder Soccer Mommy dürfen also gern ein Ohr riskieren…

Rock and Roll.

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Song des Tages: NHC – „Feed The Cruel“


Das Hallo war durchaus groß, als NHC im vergangenen September erste musikalische Lebenszeichen sendeten, immerhin verstecken sich hinter den recht kryptischen drei Buchstaben nicht etwa Noname-Novizen, sondern das National Hurricane Center der US of A sowie drei große Namen des US-Alternative-Rocks: Dave Navarro, Taylor Hawkins und Chris Chaney. Hatte sich das Trio also eher per Kumpel Zufall zu gemeinsamen Jam-Sessions zusammengefunden? Nope, keineswegs – NHC verbindet durchaus einiges an gemeinsamer Geschichte…

So bildeten ersterer (Navarro) und letzterer (Chaney) lange Zeit 50 Prozent der kalifornischen Psychedelic-Alternative-Rocker Jane’s Addiction, Chaney seinerseits war zusammen mit Hawkins ein paar Jahre in der Liveband von Alanis Morissette aktiv, bevor der Schlagzeuger zu den Foo Fighters weiterzog und dort eine amtliche Weltkarriere startete. Zudem war der Bassist bereits in der Vergangenheit Mitglied bei Taylor Hawkins & The Coattail Riders, dem Soloprojekt des Foo Fighters-Schlagzeugers. Und Navarro dürfte man außerdem als zwar lediglich kurzzeitigen, dafür jedoch jedoch recht einflussreichen Gitarristen der Red Hot Chili Peppers kennen, deren 1995er Album „One Hot Minute“ er seinerzeit mit seinen ebenso düster wie funky dröhnenden Saitenfähigkeiten veredelte. Auch über ihn war Hawkins voll des Lobes, nannte ihn den „besten Leadgitarristen im Alternative Rock“. Ja, da kam nun bei NHC gut etwas an respektabler Rockmusikgeschichte zusammen.

„So klingt es einfach, wenn ich, Dave und Chris uns zusammensetzen und Musik machen. Sehr demokratisch, alle Songs wurden auf eine andere Art geschrieben. Chaney schrieb die Basslinien. Es gab auch überhaupt keinen Bullshit wie ‚Das ist mein Song, so soll er klingen.'“ (Taylor Hawkins im Gespräch mit „Forbes“ über den Sound des Trios)

Bereits im vergangenen Jahr ließ das Dreiergespann, bei denen Hawkins nicht nur das Schlagwerk, sondern auch den Gesang übernahm, mit dem feinen Rocker „Feed The Cruel„, dem etwas gemäßigteren „Better Move On„, mit „Devil That You Know“ und „Lazy Eyes“ eine knappe Handvoll erster Songs hören, ließen wissen, dass man 2020 sogar schon ausreichend Material für ein komplettes Album aufgenommen habe, sowie im November 2021 ein erstes Konzert in Los Angeles und im Februar diesen Jahres zuletzt die EP „Intakes & Outtakes“ folgen, welche neben den zwei eigenen neuen Stücken „One And The Same“ und „I Could Be Somebody Else“ auch Coverversionen von Pink Floyd („Fearless„) sowie der britischen Jazzfunk- und New Wave-Band Level 42 („Something About You„) enthielt. Die Musikwelt schien im Grunde verdammt bereit für eine weitere Alternative-Rock-Supergroup. Dann starb Taylor Hawkins am 25. März gleichsam unerwartet wie mit lediglich 50 Jahren zu früh. Und dürfte die Zukunft von NHC ebenso in Frage stellen wie die der Foo Fighters…

Rock and Roll.

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Song des Tages: Alex Henry Foster – „The Power Of The Heart“


Es ist vielleicht einer der am meisten unterschätzten Songs von The Velvet Underground-Gründungsmitglied Lou Reed: „The Power Of The Heart„. Der 2013 verstorbene US-Musiker schrieb das Stück 2008 für seine Hochzeit mit Laurie Anderson. Ganz ähnlich wie etwa Peter Gabriel vor ihm, machte sich Alex Henry Forster den Song bereits Anfang Mai zu eigen und brachte ihn in eine völlig neue Form. Aufgenommen in seinem The Upper Room Studio verlieh der 32-jährige kanadische Musiker, der abseits seiner Solo-Aktivitäten, welche zuletzt „Windows In The Sky“ sowie das Live-Album „Standing Under Bright Lights“ abwarfen, der Alternative-Rock-Band Your Favorite Enemies vorsteht, dem Stück mit entrückten Streichern und sanften Pianoklängen eine imposante Kulisse. Die umfassende Umstrukturierung beschreibt Foster wie folgt: „Die Befreiung von der Angst, als das gesehen zu werden, was ich bin, ist der Grund dafür, dass ich weder den Druck verspürte, Reeds Verkörperung des Liedes zu imitieren, noch wurde ich durch die Last, seine intime Absicht nachahmen zu müssen, eingeengt.“ Diese Befreiung ist deutlich zu spüren – Foster scheint sich dem (vor allem für den zu Lebenszeiten stets als äußerst verschroben und unzugänglich bekannten Lou Reed) zärtlichen Liebeslied im Verlauf immer weiter hinzugeben und lässt den Song mit Chorgesängen anschwellen – und damit noch weiter vom Reed’schen Original abdriften. „Geräusche wurden zu Klängen, und musikalische Arrangements entwickelten sich für mich zu einer Art spiritueller Erhebung“, ergänzt Foster.

Die besungene Kraft des Herzens lässt sich genauso gut im dazugehörigen Musikvideo wiederfinden, denn schließlich muss man in Paris, der Stadt der Liebe, nicht lange nach den entsprechenden aufs Romantischste einladenden Straßen als Kulisse suchen. Doch wie in jeder Großstadt gibt es auch in der französischen Metropole die Kehrseiten – die Einsamkeit, die Isolation, das Stehen am Rande der Gesellschaft – unter den vielen tausenden Gesichtern, sodass fast automatisch die Frage nach dem passenden Gegenstück im Raum steht. Damit fügt sich Alex Henry Fosters aufrichtige und gefühlvolle Coverversion dem Bild der Stadt, ein tagträumerisches Gesamtkunstwerk entsteht…

„You and me, we always sweat and strain
You look for sun, I look for rain
We’re different people, we’re not the same
The power of the sun

I look at treetops, you look for caps
Above the water, where the waves snap back
I flew around the world to bring you back
Ah, the power of your heart

You looked at me and I looked at you
The sleeping heart was shining through
The wispy cobwebs that we’re breathing through
The power of the heart

I looked at you and then you looked at me
I thought of past, you thought of what could be
I asked you once again to marry me
Ooh, the power of the heart

Everybody says love makes the world go around
I hear a bubbling and I hear a sound
Of my heart beating and I turn around
And find you standing at the door

You know me, I like to dream a lot
Of this and that and what is not
And finally I figured out what was what
It was the power of the heart
The power of the heart

You and me, we sweat and strain
The result’s always the same
You think somehow we’re in a game
The power of the heart

I think I’m dumb, I know you’re smart
The beating of a purebred heart
I say this to you and it’s no lark
Marry me today

You know me, I like to dream a lot
Of what there is and what there’s not
But mainly I dream of you a lot
The power of your heart
The power of your heart“

Rock and Roll.

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