Archiv der Kategorie: Download

Song des Tages: Scott Ruth – „Are You There“


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Foto: Jack Rose / Facebook

Wenn Plattentests.de-Chef Armin Linder über das im vergangenen Jahr veröffentlichte Debüt „The Weight Of It All“ mal so mir nichts, dir nichts Sätze wie „Mehr nach Damien Rice klingt nur Damien Rice.“ via Twitter ins digitale Netzrund orakelt, dann setzt sich in der Hirnrinde des erwartungsfrohen Singer/Songwriter-Aficionados natürlich schnell eine gewisse Messlatte fest. Und da diese – immerhin hat Linder gerade – nebst Glen Hansard – einen der größten und besten irischen Herzschmerz-Barden ever (ever ever ever) ins Vergleiche-Feld geführt – nicht gerade niedrig gesetzt ist, werden die Hoffnungen schnell enttäuscht…

 

 

Klar, eine gewisse stimmliche Nähe zwischen Scott Ruth und Damien Rice lässt sich kaum leugnen. Doch wo die Songs des einen (Rice) Bilder voll irischer Herbstmelancholie vors innere Augenrund rufen, klingen in den Stücken des anderen (Ruth) zwar immer noch nachdenkliche Untertöne an, jedoch werden diese viel eher in die staubige Einsamkeit des US-amerikanischen Westens geführt als auf grün-satte Weidewiesen. Ein um einiges näher liegender Vergleich, Herr Linder, fürs nächste Mal: Noah Gundersen.

Denn die Parallelen zwischen Ruth und Gundersen ergeben gleich aus so einigen Gründen Sinn: zum einen nahm Noah Gundersen den aus Southern California stammenden Newcomer als Support Act unlängst mit auf Tour, zum anderen lud er ihn anschließend in sein eigenes Studio im heimatlichen Seattle ein, um an neuen Songs zu arbeiten.

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Heraus gekommen ist unter anderem das Stück „Are You There„. Und spätestens mit diesem dürfte sich der Vergleich zu Damien Rice endgültig erledigt haben, klingen doch die neusten drei Minuten aus der Feder Ruths vielmehr nach herzerwärmendem Roots Rock, wie er amerikanischer kaum sein könnte: das antreibende Piano ruft den allmächtigen Bruce Springsteen und seine E Street Band ins Gedächtnis, die ausladenden Gitarren lassen an den kürzlich verstorbenen Tom Petty denken, der dezente Pop-Faktor und die Americana-Anleihen wiederum an Ryan Adams, während der nächste Highway vor Augen liegt und endlos scheint. Und wenn man Scott Ruth Glauben schenken mag, dann waren die Springsteen-Petty-Verweise auch genauso beabsichtigt:

“The song is about that feeling you get when someone who was once a huge part of your life, suddenly isn’t there anymore and all the things that go through your head. Wondering what they’re doing, if they’re feeling what you’re feeling. That kind of thing. I’ve been on a huge Tom Petty and Springsteen kick lately, so I think that had some impact on the song. Not exactly saying that’s where I’m going with all the new material, but you’ll be able to hear those influences sprinkled in here and there. I’m very excited to get the rest of these songs out.”

 

 

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Kristofer Åström – Live at Södra Teatern, Stockholm 2001


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Wenn es Herbst wird und mein Griff immer öfter ins Singer/Songwriter-Fach wandert (was eigentlich nicht nur zu dieser Jahreszeit, sondern im Grunde ganzjährig passiert), dann ist Kristofer Åström seit eh und je einer meiner Favoriten.

Warum? Nun, die Songs, die der Schwede – der als ehemaliger Frontmann der Alternative-Rocker Fireside außerdem bereits unter Beweis gestellt hat, dass er auch ganz andere musikalische Gangarten beherrscht – in bester Scandinavian Cowboy-Manier  vom Stapel bricht, suchen in Punkto süßer Herzschmerz-Melancholie schon immer ihresgleichen (und wer’s nicht glauben mag, dem sei die 2013 veröffentlichte Werkschau „An Introduction to….“ ans Hörerherz gelegt). Ob es die Vergleiche zu Genre-Größen wie Elliott Smith braucht? Wohl kaum. Passt auch nicht. Vielmehr stehen Åström Landmänner wie Christian Kjellvander oder Rasmus „Tiger Lou“ Kellerman näher…

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Dass der mittlerweile 43-jährige Musiker aus Luleå (dem ortsansässigen Eishockey-Team spendierte er übrigens vor einigen Jahren eine Hymne) auch auf Bühnenbrettern zu überzeugen weiß, beweist unter anderem das Live-Album „Göteborg String Session„, welches er im vergangenen Jahr in die (digitalen) Plattenläden stellte (das letzte Studiowerk „The Story Of A Heart’s Decay“ wiederum erschien 2015). Und wer sich ein Hörbild von Kristofer Åström ohne Streicher und im mal satt rockenden, mal akustisch klampfenden Outfit machen möchte, dem seien der Mittschnitt einer Show, welche er 2001 im Stockholmer Södra Teatern gab (ein Teil des Konzerts fehlt wohl, dafür ist die Audio-Qualität sehr gut), sowie die Soundboard-Aufnahme eines Konzerts im Wiener Stadtsaal aus dem Jahr 2012 (gibt’s hier als kostenlosen Download) empfohlen.

Eine Überdosis als Åström’schem Liedgut ist in dieser Jahreszeit ja ohnehin ausgeschlossen…

 

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Kye Alfred Hillig – „Fossil“


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Bereits seit 2014, als der aus dem US-amerikanischen Tacoma, Washington stammende Singer/Songwriter Kye Alfred Hillig gerade sein viertes Album „The Buddhist“ veröffentlicht hatte, befindet sich ebenjener Musiker „Auf dem Radar“ von ANEWFRIEND. Mindestens genauso lang interessiert sich – bis heute lediglich 705 Facebook-Likes sprechen Bände – leider scheinbar kein Schwein für Hilligs nicht selten richtig tolle Songs…

Dabei bieten die Solo-Alben, die der Singer/Songwriter seit 2012 mit schöner Regelmäßigkeit in die (digitale) Musikwelt entlässt, Einiges und sollten mit ihrer Americana-lastigen Schwermut, der auch Größen wie Damien Jurado, Josh Ritter, Mark Kozelek (Ex-Red House Painters, Sun Kil Moon, solo) oder der intime „Ghost Of Tom Joad“-Springsteen nicht eben fern stehen, durchaus ein größeres Publikum finden.

Nach dem im Februar 2016 erschienen „Great Falls Memorial Interchange“ hat Kye Alfred Hillig heute Album Nummer sechs, „Fossil“, via Bandcamp als erneut kostenfreien (!)  Download veröffentlicht. In den darauf enthaltenen zehn neuen Stücken wirft Hillig erneut Blicke tief in die Risse des Lebens, und bringt Geschichten aus ihnen mit. Ganz klar: Ein Singer/Songwriter wie Kye Alfred Hillig hätte – gerade bei Alben, in die der Musiker eine Menge Herzblut steckt, nur um sie dann für lau ins weltweite Netz zu stellen – ein größeres Publikum verdient.

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Kye Alfred Hillig über das neue Album „Fossil“:

„This record was the most challenging album I’ve made so far, and there were moments that I thought it might not see the light of day. The process was completely backwards from any way I’ve worked previously, and the result feels something like a dream to me. There’s a lot of pain in the world right now and with this album I’ve tried to speak to that in my own way. The record is free to stream and download. I just want to say thanks to all of you for your love and support. Xo“

 

 

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Dana Gavanski – „Spring Demos“


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Musik für den Herbstanfang, Musik für einen trägen Sonn(en)tag.

So könnte man die „Spring Demos“ der im kanadischen Montreal beheimateten Singer/Songwriterin Dana Gavanski beschreiben, die die passionierte Musikerin im Frühjahr diesen Jahres mithilfe von vier Freunden (Marie Hamilton, Ben Dwyer und Ted Crosby, die sie an weiteren Instrumenten unterstützten, während Pietro Amato die Regler bediente) aufnahm und vor wenigen Tagen schließlich auf der Bandcamp-Seite von Fox Food Records im „Name your price“-Prinzip online stellte.

Trevor Ekin von GoldFlakePaint beschreibt die sieben Songs von Gavanskis Debüt-Veröffentlichung wie folgt: „Like the last known recording of a long-forgotten folk singer, tucked away in an unassuming thrift store, ‘Spring Demos’ feels like it was just out there, a gift left by a loved-one, waiting to be noticed.“ Und genau so klingen die Stücke denn auch: irgendwie zeitlos, da aus der Zeit gefallen. Verschlafen, oder noch schläfrig von einer langen Nacht. Sonnenbeschienen, sich selbst durch Nebelschwaden tragend. Vergessen, wiedergefunden. Muss man hören…

Via GoldFlakePaint hat auch Dana Gavanski selbst ein paar Kommentare zu den einzelnen Songs von „Spring Demos“ gegeben.

 

 

Rock and Roll.

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Konzerttipp: Mogwai – Live im Gothic Theatre, Denver, 2006


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Wenn es um meine liebste Post-Rock-Band aller Zeiten geht, dann liegen Mogwai seit eh und je sanft und sicher in den Top 3. Punkt.

Und da habe ich die Bonuspunkte, die das Quartett durch seine schottische Herkunft (proudly Glasgow born and raised – aye, Sir!) oder durch seine Namensgebung (benannt nach den flauschigen Horrortierchen aus „Gremlins“ – beide Filmteile gehören seit Kindheitstagen zu meinen All-Time-Favs) inne hat, noch gar nicht mit eingerechnet. Fakt ist, dass  Stuart Braithwaite (Gitarre, sporadischer Gesang), Barry Burns (Gitarre, Piano, Synthesizer, darf ab und an auch mal ans Mikro), Dominic Aitchison (Bass) und Martin Bulloch (Schlagzeug) sowohl auf Platte als auch – gerade – live und auf Bühnenbrettern ohne viele Worte eine emotionale Wucht entfesseln, dass es einem – oder zumindest: mir – nicht selten die Gedankengänge frei die Beine weg bläst.

TRR291_MOGWAI_ECS_cover_hi-res_1500x1500px_640xNoch schöner ist, dass die Die-Hard-Celtic-Glasgow-Fans vor wenigen Tagen mit ihrem nunmehr neunten Studiowerk „Every Country’s Sun“ eine Rückkehr nach Maß gefeiert haben, nachdem mich Stuart Braithwaite und Co. mit allem, was da nach dem 2008er Werk „The Hawk Is Howling“ erschien, ein wenig verloren hatten, und auch nach über zwanzig Bandjahren beweisen, dass man vornehmlich instrumentalen Post-Rock durchaus spannend und emotional mitreißend gestalten kann.

Da Mogwai auch und vor allem eine Live-Band sind, sollten sich alle Interessierten, nebst dem ersten, 2010 erschienenen Live-Album „Special Moves“ (für das die Band im Jahr zuvor eine Show in der Music Hall of Williamsburg im New Yorker Stadtteil Brooklyn mitschnitt), auch die ein oder andere Live-Show aus der langen Karriere der Glaswegians zu Gemüte führen.

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Meine persönliche Empfehlung ist – nebst einer 2001 in Dallas, TX mitgeschnittenen Show (hier zu finden) – eine Aufnahme des Gastspiels von Mogwai im Gothic Theatre von Denver, CO vom 3. Mai 2006. Der Sound: superbe Soundboard-Qualität, die auch für ein höchst offiziell veröffentlichtes Live-Album herhalten könnte – eine professioneller aufgenommen und abgemischte Live-Show findet man sonst nirgends im Netz (und zudem noch als kostenfreier Download). Die Setlist: eine bunte Mischung aus frühen Sachen bis hin zum bis dato neusten Werk Mr. Beast„. Über 90 Minuten feinster Post-Rock. Und am Ende der 23-minütigen Schlussnummer „My Father My King“ dröhnen die Ohren. So soll’s sein.

Die 2006er Show aus Denver findet man hier (via archive.org).

All jenen, die bisher weniger mit der Diskografie sowie dem Schaffen von Mogwai vertraut sein sollten, sei außerdem die immerhin 3 CDs starke, 2015 (zum 20. Bandgeburtstag) erschienene Retrospektive „Central Belters“ ans Hörerherz gelegt.

 

 

Wer zum Ton auch gern bewegte Bilder hat, der findet hier zwei relativ aktuelle Live-Show-Mitschnitte der Rock-Schotten:

 

Rock and Roll.

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Gegen das Tabu – „the end – Der Podcast auf Leben und Tod“


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Es gibt so ein paar Themen, die stets hart an der Tabugrenze kratzen, über die niemand wirklich gern, viel, oft und ausführlich reden mag. Stickwort: das Ende.

Denn mal ehrlich: Wer mag schon gern an die Abschlussszene seines Lieblingsfilms denken, wenn man noch mittendrin in und völlig mitgerissen von der Handlung ist? Wer wird den Teufel tun, und beim zweiten Song eines Konzerts seiner Lieblingsband auf die Rausschmeißernummer hoffen? Wer sehnt in der 60. Minute eines wirklich geilen Fussballspiels den Schlusspfiff entgegen? (Okay, das wiederum käme darauf an, ob die eigene Mannschaft gerade in Führung liegt…) Merkt ihr was? Eben.

Oder auch: Wer spricht schon wirklich gern über den Tod?

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Foto: von der Podcast-Seite

Und genau mit diesem Tabuthema will Eric Wrede brechen. Natürlich hat Wrede durch seinen Beruf – er arbeitet als Bestatter in Berlin – eine Art „Heimvorteil“ und ist so quasi tagtäglich mit diesem Thema, das sich das Gros seiner Mitmenschen wortwörtlich „bis zum Ende“ aufspart, konfrontiert. Trotzdem ist das, was er da mit ein paar Freunden ins Leben gerufen hat, aller Ehren wert.

Zum einen wäre das die „Bewegung“ namens „Hallo Tod!„, auf deren Website man sich „für den Tod interessieren, darüber informieren und sprechen“ kann – denn irgendwann müssen wir das alle einmal, oder? Zum anderen wäre da „the end – Der Podcast auf Leben und Tod„. Bei diesem wiederum lädt sich Eric Wrede seit Juni (mehr oder minder) bekannte Persönlichkeiten vors Mikro, um mit ihnen über Gott, die Welt, ihr Leben und vor allem den Tod zu sprechen. Bisher waren die Musikerin Balbina, H-Blockx-Frontmann und Casting-Show-Juror Henning Wehland, Pop-Folker Pohlmann, der Jennifer-Rostock-Bassist Christoph Deckert, Schauspieler Clemens Schick, der Radiomoderator, Autor und Journalist Torsten Groß sowie Moderatorin Jeannine Michaelsen (Traumfrau, by the way!) mit von der Partie. Eine spannende Mischung, die entspannte Unterhaltungen garantieren dürfte.

Oder wie es Eric Wrede selbst ausdrückt:

„Wieso wird eigentlich so selten über den Tod gesprochen? Weil jeder irgendeine traurige Geschichte zu erzählen hat? Weil es immer sofort bedeutungsschwer wird?

Wir ändern das einfach und unterhalten uns entspannt. Im Hier und Jetzt.“

 

Rock and Roll.

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