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Song des Tages: An Horse – „This Is A Song“


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Foto: Promo / Corry Arnold

Von 2007 bis 2012 gibt es wohl nur einen Ausdruck, um die (Mini-, da immer noch im „Indie-Rahmen“) Karriere von An Horse zu beschreiben: Non-Stop. Nur nachvollziehbar ist es also, dass Kate Cooper und Damon Cox nach zwei Alben, unzähligen Touren und Schicksalsschlägen schlichtweg ausgebrannt waren. Nun, nach fast sechs Jahren Pause, kehrt die Band endlich zurück.

Aber blicken wir noch einmal kurz zurück: 2010 hatte das Indie-Rock-Duo aus dem australischen Brisbane sein Debütalbum „Rearrange Beds“ und nur ein Jahr später das zweite Werk „Walls“ veröffentlicht, die sich mal zwischen verträumteren Thermals, mal zwischen bodenständigeren Tegan And Sara einsortierten. Davor, dazwischen, danach und währenddessen waren Cooper und Cox im Prinzip konstant auf Tour, um ihre Songs in möglichst viele Ohren zu bringen: entweder als Headliner oder gemeinsam mit Tegan And Sara, Death Cab For Cutie, Silversun Pickups oder Nada Surf ging es gleich mehrmals um die ganze Welt. Dieses Touren im Akkord forderte seinen Tribut: die Band verfiel in einen sechsjährigen Winterschlaf.

Kate Cooper sagt, sie sei nach dem Ende der letzten Tour zum zweiten Album einfach am Ende gewesen. Sie hatte keine Lust mehr, immer nur unterwegs zu sein, ihre Liebe zu vermissen. Gleichzeitig wurde bei ihrem Vater ein Gehirntumor diagnostiziert, den er leider nicht besiegen konnte. „Ich wollte keine Songs darüber schreiben, am Totenbett zu sitzen und traurig zu sein. Traurigsein ist einfach, zumindest für mich. Schwierig ist es, glücklich zu sein. Dafür musst du arbeiten. Die Gitarren habe ich erst wieder in die Hand genommen, als ich über etwas anderes als Traurigkeit schreiben konnte.“

Cooper verschlug es 2012 von Australien nach Montreal in Kanada, Cox zog nach New York. Beide hielten ständig Kontakt. Nach einigen Jahren der (musikalischen) Funkstille erreichten Damon Cox dann wieder frische Songideen von Kate Cooper, die er ergänzte und ihr zurückschickte. Man traf sich über Weihnachten in der australischen Heimat Brisbane, dann wieder in Kanada, und plötzlich war das dritte Album „Modern Air“ fertig.

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Ebenjenes „Modern Air“ mit seinen elf neuen Stücken ist lebendiger, abwechslungsreicher und dynamischer als die beiden Vorgängeralben, es zeigt An Horse stark wie nie – ob nun trotz oder wegen der doch recht langen Bandpause. Kate Cooper und Damon Cox sind eine Einheit, die nahtlos verschmilzt. Ihr gitarren-basierter Indie Rock kommt auf dem neuen Album immer noch mit zahlreichen Kanten daher, wagt dieses Mal aber auch ausschweifende Momente und mehr Experimente.

6b97f448-Cover_Final_Spotify„We are okay now / We made it through somehow“, singt Cooper nun im wachrüttelnden Opener von „Modern Air“. Und bereits nach zweieinhalb Minuten steht fest: Da geht noch was bei An Horse. Und da geht noch was mit unverkopftem Indie Rock. „This Is A Song“ ist eines dieser Lieder, die man kurz belächelt, weil sie so simpel daherkommen, und denen man dann verfällt, weil sie ebenso simpel alles auf den Punkt bringen: „And this is a song / For all the times you didn’t belong / And this is a song/ For all the times they got you wrong“ – viel mehr braucht es nicht, wenn die Attitüde und das Gitarrenriff stimmen. „Dieser Song feiert das Gefühl, anders zu sein, auch wenn man zu der Erkenntnis erst einmal selbst kommen muss“, so die Sängerin und Gitarristin Kate Cooper über „This Is A Song“. „Ich habe mir die Fotos aus meiner High School Zeit angesehen, und ich sehe darauf so krass anders aus als alle anderen, ich steche da total heraus. Damals war das schwierig für mich. Heute denke ich: die sehen alle so schmerzhaft normal aus! Ich bin froh, nicht so wie die anderen auf diesen Bildern zu sein.“ 

Das australische Indie-Rick-Duo kann 2019 aber nicht nur Hymnen auf das Außenseitertum singen, sondern auch – ohne Filter oder Blatt vorm Mund – in Richtung der Gegenseite austeilen: „Tell me I can’t get married / While you’re fucking your secretary“, greift Cooper im folgenden, noch etwas stärkeren „Live Well“ die Scheinheiligkeit der Gegner gleichgeschlechtlicher Ehen an. Und dieser Song steht durchaus exemplarisch für „Modern Air“, denn er schlägt härtere Töne an, ist dabei aber nicht verbittert, sondern – mit geballten Fäusten und einer guten Prise Rock – lebensbejahend. Im Verlauf ihrer dritten Platte wagen sich Cooper und Cox aber auch immer wieder aus der Komfortzone heraus, hin zu raumgreifendem Indiepop in „Started A Fire„, der mit Streichern abgerundeten Akustikballaden-Fingerübung „Mind Reader„, dem seltsamen Soundexperiment in der Albummitte, das mit „Bob Ross (Be The Water)“ einen angemessen verrückten Songtitel erhalten hat, oder „Fortitude Valet“, das haushohe Gitarrentürme übereinander schichtet und schüchtern in Richtung Shoegaze lugt. Und, übrigens: Das klassischste aller Trinkspiele ließe sich auf „Modern Air“ auch anwenden: für jedes zuckersüße „Fuck“ einen Shot, und die Nacht ist gelaufen. Auf das Leben – willkommen zurück, An Horse!

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Hier gibt’s mit „This Is A Song“ den Albumopener von „Modern Air“ in Bild und Ton…

 

…sowie via Bandcamp das Album im Stream:

 

Rock and Roll.

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Auf dem Radar: Caracara


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Es gibt sie glücklicherweise auch bei mir noch, diese Momente, in denen man in die Songs einer neuen, bislang gänzlich unbekannten Band hinein hört und sich Hals über Ohr über Kopf schockverliebt. Spontan würde ich meinen, dass mir dies zuletzt vor einigen Jahren mit Foxing so ging. Oder mit Summering (das dazugehörige Debütwerk landete schließlich auch in meinen Top 5 des Jahres 2016, fand aber bis heute leider keinen Nachfolger).

Und nun wieder mit Caracara. Die wohlmöglich und offensichtlich nach einer Falkengattung benannte vierköpfige Band aus dem US-amerikanischen Philadelphia, Pennsylvania macht es einem mit ihrer von Sekunde eins an mitreißenden Mixtur aus Indierock, Post-Hardcore, Post-Rock, Slowcore, gar Gothic-Folk oder Jazz aber auch allzu leicht, sich bedingungslos in jede Note, jeden rhythmischen Frickel, jeden Akkord fallen zu lassen.

Summer Megalith_Caracar.jpgMan nehme nur „Evil“, seines Zeichens die Eröffnungsnummer des 2017 erschienenen Debütalbums „Summer Megalith„: Zuerst wiegen sanfte Gitarrennoten den Hörer in trügerischer Sicherheit, während Sänger William Lindsay emo’esk seine Pein offenbart: „I watched you fall apart / What can I say? / I said nothing / And where is your heart / Could you at least build a fake one?“. Im weiteren Verlauf jedoch steigert sich der Song, zudem sich alsbald ein Cello und rhythmische Schlagzeugsynkopen gesellen, in einen wahren Infernal aus GitarreSchlagzeugBass – gar Bläsern! – postrock’scher Güteklasse. Wie ich bereits schrieb: schockverliebt ab Sekunde eins. Und auch die restlichen elf Stücke des seinerzeit nicht von Ungefähr von Modern Baseball-Frontman Jacob Ewald produzierten Debüts kann mit ganz ähnlichen Zutaten knapp eine Dreiviertelstunde lang überzeugen. Großer Einstieg.

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Kaum verwunderlich also, dass schnell weitere Bewunderer auf Caracara aufmerksam wurden. Einer war ausgerechnet – und passenderweise – der ebenfalls aus Philadelphia stammende Produzent Will Yip, welcher in den letzten Jahren unter anderem das Who-is-Who der „The Wave“- und Post-Hardcore-Szene von La Dispute über Touché Amoré, Defeater, Pianos Become The Teeth, Circa Survive, Title Fight, Balance and Composure oder mewithoutYou bei sich im Studio begrüßen durfte (und somit gut und gern als „der Rick Rubin der jungen, lauten Musik“ gelten dürfte). Dieser Will Yip also schnappte sich Caracara und brachte Carlos Pacheco Perez, Sean Gill, William Lindsay und George Legatos bei seinem eigenen Label Memory Music unter – natürlich vor allem, um bei den vielseitigen Indierock-Newcomern in Zukunft selbst hinter den Studio-Reglern zu sitzen…

unnamed-2019-03-08T110552.570-1552061165-640x640Erstes Ergebnis der spannenden Paarung aus Caracara und Will Yip ist die im März erschienene Drei-Song-EP „Better„, bei der bereits der epische, fast sechsminütige titelgebende Einstiegssong (bei dem übrigens Mannequin Pussys Marisa Dabice im Hintergrund zu hören ist) mit seiner gleichsam dynamischen wie dramatischen (“I thought you knew me better”) Steigerung ein dickes Ausrufezeichen setzt, welches das ruhigere „Hades“ (das stilistisch in direkter Verwandtschaft zu früheren Singles wie “Glacier” oder “Revelatory” steht) sowie das lautstark tönende „Learn Your Love“ beschließen. Drei Songs und 13 Minuten leider nur, man hätte gern viel mehr…

Caracara. Eine tolle Band, die man auf dem Radar behalten, der man sein Ohr leihen sollte. Ich bin und verbleibe: schockverliebt. ♥

 

 

Hier kann man sich die Musikvideos zur das Debütalbum eröffnenden Nummer „Evil“ (welche hier von Will Yip ein dezentes Remaster erhalten hat)…

 

…sowie zum Song „New Chemical Hades“ (von der „Better EP“) anschauen:

 

Auf Bandcamp kann man sich sowohl das Debütalbum „Summer Megalith„…

 

…als auch die „Better EP“ in Gänze anhören:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Brutus – „War“ (live at Rain City)


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Wir erinnern uns zwei Jahre zurück, als BRUTUS mit ihrem Debütwerk „Burst“ lautstark von sich hören machten. Am Ende des Musikjahres stand ebenjene Platte in den ANEWFRIEND’schen Top 5, und mir blieb nur festzustellen: „Besser, effektiver, überraschender und ungewöhnlicher durchgerockt als das Trio aus dem belgischen Leuven hat mich 2017 keine Band.“

Seitdem sind einige Monate ins Land gezogen, in denen Stefanie Mannaerts (Schlagzeug, Gesang), Stijn Vanhoegaerden (Gitarre) und Peter Mulders (Bass) keinesfalls auf der faulen belgischen Haut lagen. Nachdem das Trio ihr Debüt ausreichend betourt hatte, setzte man sich zusammen, um an neuen Songs zu werkeln. Als die Soundgerüste fürs neue Album schließlich standen, setzten sich Mannaerts und ihre Jungs in den Flieger ins kanadische Vancouver, um dort – wie schon „Burst“ – gemeinsam mit Produzent Jesse Gander ihre neusten brachialen Songbrocken einzuspielen.

5060626460362Die beste Nachricht: auch mit und auf den elf neuen Stücken von „Nest“ bleibt das Trio seinem recht einzigartigen Mix aus Elementen aus Postrock, Shoegaze, Indie, Punk bis hin zu Post-Hardcore und sinistren Black-Metal-Einschüben treu. Mehr noch: viele der frischen Songs, deren einmal mehr kryptische Texte sich um Themen wie Intimität und Vertrauen beziehungsweise deren Verlust im Kontext von Familie drehen, kommen weniger verkopft und „freier von der Leber“ eingespielt daher. Man höre nur den knapp vierminütigen Holterdiepolter-Smasher „Cemetery„, oder etwa das unfassbar großartige „War“, welches bedrohlich ruhig einläuft, bevor Mannaerts, Vanhoegaerden und Mulders es mit einem derart derben Trash-Metal-Part windelweich prügeln, dass es kaum verwunderlich scheint, dass ausgerechnet Metallica-Schlagwerker Lars Ulrich zu den prominentesten Fans der Band zählt. Möchte man denn unbedingt neue Nuancen in den elf neusten BRUTUS’schen Klangorkanen aus (oft genug zeitgleicher) Euphorie, Sehnsucht, Trauer, Zorn und Wut ausmachen, so mögen diese wohl darin liegen, dass die Band ihren Sound nun größer auffächert, während anderswo offene Erstlingsversprechen eingelöst werden und vor allem Stefanie Mannaerts sich (nebst ihrem erneut unfassbar tollen Drumming!) nun gesanglich noch mehr nach vorn wagt.

Einmal mehr: großartig-geile Scheiße mit Potential zum Grower bis zum Ende des Musikjahres sowie für den ein oder anderen spontan verrenkten Halswirbel. BRUTUS liefern einen amtlichen Nachfolger, der dem Debütwerk „Burst“ in nichts nachsteht. Nuff said. Hörbefehl 2.0.

 

 

Via Bandcamp kann man sich „Nest“ zu Gemüte führen…

 

…und hier ein ausführliches Interview mit der Band lesen.

 

Rock and Roll.

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Auf dem Radar: isolate + Interview mit Bassist Paul Riemer


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Ich gebe es gern zu: Wenn’s um gute Musik aus meiner sächsischen Heimat geht, dann bin ich von vollstem Hörerherzen und nur allzu gern Lokalpatriot. Klar kennt man mittlerweile die Chemnitzer Buben von Kraftklub längst über die Grenzen des Freistaates hinaus (während Indie-Connaisseure auf Playfellow schwören). Natürlich entwickelt sich in Leipzig so langsam aber sicher eine florierende Indie-Szene, die unlängst auch die Flensburger Punkrock-Größen von Turbostaat dazu veranlasste, ihr neustes (und erstes) Live-Album „Nachtbrot“ ausgerechnet im renommiert-speckigen, in jedem Falle grundsympathischen Conne Island aufzunehmen.

Und auch Dresden hat mittlerweile weitaus mehr zu bieten als die am Anfang interessant aus dem Boden geschossenen, gen Ende (bis zur Auflösung vor etwa sechs Jahren) mit einem guten Teil Fremdscham „Allein, allein“ daher trällernden Polarkreis 18. isolate etwa.

Das zwar noch junge, aber bereits seit 2014 gemeinsam in den Proberäumen in der (und rund um die) sächsische(n) Landeshauptstadt gemeinsam an neuen Sounds tüftelnde Trio hat vor Kurzem, im vergangenen Dezember, ihre schlicht „A“ betitelte Debüt-EP via Bandcamp ins weltweite Netz gestellt, deren sechs Songs experimentellen Indiepop ebenso streifen wie ProgRock – Radiohead meets Sigur Rós meets Agent Fresco meets Interpol meets… Oder, wie’s die Band selbst tituliert: „Progressive Pop“. Sehr jung, sehr frisch, sehr interessant – sollte man in Auge und Ohr behalten, diese drei von isolate!

 

Hier kann man die Debüt-EP „A“ in Gänze hören…

 

…und sich gleich noch das – im Übrigen (und gerade für eine „kleine Band“) äußerst professionell gelungene – Musikvideo zum Song „Asleep“ anschauen (zu dessen Entstehungsprozess ihr weiter unten mehr Informationen bekommt):

 

Und da es immer gut ist, mehr über die Hintergrunde einer noch unbekannten, jungen Band zu erfahren, hat ANEWFRIEND dem Bassisten und Tastenmeister von isolate, Paul Riemer, einige Fragen zukommen lassen:

Hallo Paul. Damit die Leser von ANEWFRIEND euch näher kennen lernen: Bitte stelle dich und deine aktuelle Band isolate doch einmal kurz näher vor…

Hallo! Wir sind eine dreiköpfige Band aus Dresden, die es seit Ende 2014 gibt. Wir bezeichnen unser Genre als „Progressive Pop“ aber wir weichen genauso gern auch der Frage nach dem Genre aus. Niklas spielt Drums, Johan spielt Gitarre und singt und ich spiele die Synthies, das Klavier und den Bass.

Lass uns über den Entstehungs- und Aufnahmeprozess eurer im vergangenen Dezember veröffentlichten Debüt-EP „A“ sprechen (oder, in diesem Fall wohl eher: schreiben). Wie, wann und wo entstanden die Songs dazu?

Die Songs von „A“ entstanden innerhalb der letzten zweieinhalb Jahre. Unser Songwriting ist dadurch geprägt, dass wir zwar gern miteinander spielen, uns aber nur schlecht Songs beim gemeinsamen Jammen ausdenken können. Daher haben wir die Tracks Stück für Stück am Computer vorproduziert und so lange daran rumgebastelt, bis wir zufrieden waren. Das war vor allem bei den „Maintracks“ (Asleep, Adri!, Aglow) so. Das Intro und Outro (Anew, Alight) haben wir uns dann gezielt überlegt, um den anderen Songs einen sinnigen Kontext zu geben. “Afar” ist eine große Ausnahme gegenüber den Anderen: die Wahrheit ist, dass ich mir letztes Jahr einen neuen Synthesizer gegönnt habe und ich dann beim Rumklimpern und Kennenlernen des Instruments diesen Track nebenbei mitgeschnitten habe. Die beiden anderen haben den Mitschnitt dann auf unserem Computer gefunden und fanden ihn so passend, dass er es schlussendlich auch auf die Platte geschafft hat.

Wir haben die EP überwiegend bei uns im Proberaum aufgenommen. Die Gitarre hat Johan bei unserem Audio-Good-Guy Philip (Ex-Copy Of A Golden Sketch) aufgenommen. Mit ihm haben wir auch die Drums eingespielt und er war es auch, der die EP dann gemischt und gemastert hat (übelst geiler Typ). Um jeweils den Sound zu erzielen, den wir uns vorgestellt hatten, haben wir ganze vier verschiedene Klaviere aufgenommen. Einmal unser Stage-Piano im Proberaum, mein akustisches Piano zuhause, sowie einen Flügel und ein DDR-Klavier in einer Musikschule in der Nähe von Dresden. Im Outro “Alight” stellen wir auch mal zwei der Klaviere im Song direkt gegenüber. Ein weiterer wichtiger Bestandteil unserer Produktion ist die Verwendung von selbst aufgenommenen Samples. Wir haben mit unseren Handys viele einzelne Geräusche aufgenommen und bearbeitet, zum Beispiel Klänge aus einem Antiquariat. Am Ende von “Adri!” ist ein Juni-Käfer zu hören, dessen Brummen wir am Computer stark verfremdet haben.

Wo wir gerade bei „Entstehungsprozessen“ sind: Wie – und mit wem – ist das (im Übrigen sehr sehenswerte) Musikvideo zum Song „Asleep“ entstanden?

Danke! Das Video entstand in Zusammenarbeit mit Javier Sobremazas, einem spanischen Filmemacher, der in Dresden lebt und hier bereits für einige lokale Bands ein paar fantastische Musikvideos gedreht hat. Wir haben mit ihm Kontakt aufgebaut und gemeinsam das Video geplant. Die Story, Locations und Darstellenden haben wir dann gemeinsam gesucht. Schauspieler haben wir glücklicherweise in unserem Freundeskreis gefunden und so war unser kleines Filmteam schon komplett. Javier hat einen tollen Sinn für Bilder und Atmosphäre. Er hat ohne jedes künstliche Licht gefilmt und dadurch eine starke, natürliche Stimmung erzeugt. Oft hat er an den Orten, an denen wir gefilmt haben, auch einfach kleine „zufällige“ Details gefilmt und mit in das Video geschnitten. Das hat das Ganze zusätzlich abgerundet.

Wo findet ihr eure musikalischen Inspirationen? Habt ihr bestimmte Vorbilder, was das Klangbild eurer Songs sowie die Herangehensweise ans Komponieren betrifft?

Das ist wohl schwer zu definieren. Ich denke, da hat jeder von uns einen anderen Weg. Ich kann nur für mich sprechen und sagen, dass ich am liebsten einfach am Klavier sitze und drauf los spiele – teilweise stundenlang. Immer dann, wenn ich in dieser Situation einen für mich interessanten, am liebsten ungewohnten Schnipsel entwickle, versuche ich mir diesen zu merken und Stück für Stück weiter zu verfolgen.

Unsere Vorbilder im Klangbild sind auch sehr verschieden. Wir mögen die Härte und Präzision von Bands wie Agent Fresco und Arcane Roots. Aber ebenso die zerbrechlichen, ruhigen Momente, die Nils Frahm und Ólafur Arnalds erzeugen. Wir alle haben einen sehr breiten Musikgeschmack. Eben alles, was gut gemacht ist und was interessant und schön zu hören ist. Das reicht dann von Jazz und Funk über experimentelle Musik und Ambientkram bis hin zu Progressive Metal – aber auch cooler Popmusik. Unsere gemeinsamen Wurzeln liegen schlussendlich aber bei Postrockbands wie Sigur Rós und pg.lost, zu welchen wir auch von Zeit zu Zeit zurückkehren – denn unter dieser Flagge haben wir gemeinsam begonnen Musik zu machen.
Der wohl wichtigste Punkt in unserem Songwriting-Prozess ist wohl, dass wir nur sehr schwer zufrieden zu stellen sind. Immer wieder werden Stellen, teilweise ganze Songs, in Frage gestellt. Immer wieder fragen wir uns, ob alle Songs zueinander passen, ob wir die Spannung über die Dauer eines Konzertes halten können und so weiter. Entsprechend sind unsere Vorbilder dahingehend eben Künstler, bei denen einfach alles zueinander passt, wie etwa bei Sigur Rós, Agent Fresco oder The Contortionist. Solche, stellenweise schon konzeptionellen, Herangehensweisen interessieren uns, weil man so noch mehr Tiefe zwischen den Songs erreichen kann und es als Hörer noch mehr zu entdecken gibt.

Wie siehst du selbst als musikschaffender Indie-Künstler die derzeitige Lage der Musikindustrie? Kann man, insofern man Wert auf Integrität legt und nicht nur auf den „schnellen Euro“ anhand von ein, zwei „Hits“ schielt, aktuell überhaupt noch von seiner Musik leben?

Ich denke, man kann schon von seiner Musik leben, ohne seine Seele zu verkaufen. Man muss eben ein bisschen wissen, wie der Markt tickt. Und damit meine ich nicht, welches Genre angesagt ist, sondern dahingehend, dass man sich in gewisser Weise schon verkaufen können muss. Aber das muss ja nichts Schlechtes sein, im Gegenteil. Networking, sowohl „offline“ als auch online, macht Spaß und wenn man sich Mühe gibt und Feedback von Leuten bekommt, die einen nicht aus dem direkten Freundeskreis kennen, kann das sehr motivierend sein!

Gleichzeitig sollte man immer das machen, auf was man Bock hat. Bock, Ausdauer, Pausen, viel Kaffee und eine Priese Kreativität, dann wird’s auch gut. Wenn man sich verstellt um erfolgreich zu sein, geht das schon irgendwie, aber man verliert seine Identität und es macht garantiert nach einiger Zeit nicht mehr so viel Spaß. Und Spaß ist das Wichtigste.
Man hat heutzutage die Freiheit, alles im Internet zu veröffentlichen. Diese Chance muss man nutzen und sein Glück selbst in die Hand nehmen. Zum Beispiel Labels und Veranstalter auf sich aufmerksam machen. Nur muss man sich auch bewusst darüber sein, dass man darin natürlich nicht der Einzige ist. Entsprechend braucht es ein Alleinstellungsmerkmal, etwas Originelles, das einen zwischen all den anderen Musikern sichtbar macht.

Was sind deine/eure nächsten Pläne mit isolate? Wird es in absehbarer Zeit ein erstes Album geben?

Ein Album ist vorerst nur sehr vage in weiterer Zukunft geplant. Wir wollen jetzt erstmal neue Songs schreiben um dann im Sommer und Herbst viel live zu spielen und unsere Musik präsentieren. Vor allem außerhalb von Dresden und im näheren Ausland. Wenn es dann genug neue Sachen gibt und diese auch live gut funktionieren, dann machen wir bestimmt ein Album.

Zum Abschluss noch ein paar allgemeinere Fragen…

Was sind deine frühesten musikalischen Erinnerungen?

Es gibt VHS-Kassetten, auf denen ich die Titelmelodie zur Trickfilmserie „Heidi“ zum Besten gebe. Ansonsten habe ich schon ab der 1. Klasse Instrumentalunterricht erhalten, Johan bekam seine erste Gitarre mit vier Jahren und hat damit versucht, die ABBA-Platten seiner Eltern zu ergänzen und Niklas hat schon in frühester Kindheit auf Töpfen rum getrommelt und Luftschlagzeug zu den Lieblingsbands seiner Eltern gespielt.

Welches sind deine – insofern es die gibt – größten „musikalischen Helden“?

Ich glaube konkrete, dauerhafte musikalische Helden habe ich gar nicht. Wir hören immer wieder neue Musik und entsprechend kommt auch immer mal wieder jemand dazu, während andere in Vergessenheit geraten (bzw. ihren Heldenstatus aberkannt bekommen :D).

Wenn du (oder ihr) die Möglichkeit hätte(s)t, mit einem bestimmten Musiker auf Tour oder ins Studio gehen zu können – welcher wäre das?

Ich denke ich spreche für uns alle, wenn ich sage, das ‘ne Tour mit Agent Fresco der Hammer wäre.

Was wären deine 5 Platten als Soundtrack für die Großstadt…

Ich glaube nicht, dass wir uns auf 5 einigen könnten, daher meine persönlichen:

Delta Sleep – Ghost City

Interpol – Turn On The Bright Lights

Erik Truffaz – Bending New Corners

Agent Fresco – A Long Time Listening

Golden Kanine – We Were Wrong, Right?

…und deine 5 Platten für die einsame Insel?

Totorro – Home Alone

Kings of Convenience – Riot On An Empty Street

Sigur Rós – Með suð í eyrum við spilum endalaust

Marker Starling – Anchors and Ampersands

Enemies – Embark, Embrace

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview mit ANEWFRIEND genommen hast!

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Hell And High Water – „War“


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Wer auf auf den Alternative Rock der Hausmarke Placebo, laute Indierock-Fuzz-Gitarren à la Dinosaur Jr., seligen Neunziger-Grunge oder den derben Desert-Rock-Groove von Queens Of The Stone Age (meinetwegen auch Kyuss, ist ja von den einen zu den anderen ja nur ein kleiner Josh-Homme-Katzensprung) steht, dem seien die Hamburger Rock-Newcomer von Hell And High Water wärmstens empfohlen.

4251423500189Das aus Matthias Schwettmann (Gesang, Gitarre), Kai Namslau (Bass) und Dennis Reher (Schlagzeug) bestehende, 2014 gegründete Trio aus der norddeutschen Hansestadt hat im vergangenen November sein Debütalbum „Neon Globe“ veröffentlicht. Und auch wenn bei einem Großteil der elf Songs schon offensichtlich wird, dass Matthias Schwettmanns doch recht dünnes Organ, welches etwa VISIONS-Redakteurin Katharina Raskob in ihrer Review als eine „verrauchte und leicht verstimmte Version von Death Cab For Cuties Ben Gibbard“ bezeichnet, keineswegs mit der durchaus amtlich daher rockenden Musik der Band, bei der man oftmals den Wüstenstaub von Joshua Tree im Gesicht zu stehen glaubt, mithalten kann (auch Vergleiche mit den oft ins Feld geführten Brian Molko und selbst Neil Young verbieten sich daher fast), sollte man Hell And High Water durchaus Gehör schenken…

 

Hier gibt es das Hell And High Water-Debüt „Neon Globe“ im Stream…

 

…mit „War“ eines der Album-Highlights im Musikvideo…

 

…sowie den Song in der „Antikörper Session“-Variante:

 

Rock and Roll.

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„Stay positive!“ – The Hold Steady verschenken formidable Live-Mitschnitte


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Das letzte letzte (sechste) Studioalbum „Teeth Dreams“ mag zwar bereits gute vier Jahre alt sein, untätig waren The Hold Steady in der Zwischenzeit allerdings kaum.

Denn wenn die US-Alternative-Heartland-Rocker nicht gerade kreuz und quer durch die heimatlichen Vereinigten Staaten getourt sind, hat das seit jeher hörbar an Bruce Springsteens Kumpelgeste geschulte Sechsergespann aus Brooklyn, New York in den vergangenen Monaten mit der ein oder anderen Single-Veröffentlichung (welche zusammen genommen wohl auch eine EP hergeben würden) oder den Reissues älterer Diskografie-Glanzlichter auf sich aufmerksam gemacht. Und darüber hinaus haben Frontmann Craig Finn und (Wieder-)Keyboarder Franz Nicolay ja noch immer Solo-Karrieren am Laufen (Finn etwa stellte im März 2017 sein drittes Soloalbum „We All Want The Same Things“ in die lokalen wie digitalen Plattenläden)… Ganz klare Sache: faule Tage auf der heimischen Couch sehen anders aus.

Und da Weihnachten naht und auch Craig Finn (Gesang, Gitarre), Tad Kubler (Gitarre), Galen Polivka (Bass), Bobby Drake (Schlagzeug), Franz Nicolay (Keyboard) und Steve Selvidge (Gitarre) wissen, dass Geben immer noch glücklicher macht als Nehmen, verschenken The Hold Steady aktuell via Bandcamp zwei Mitschnitte ihrer Live-Shows aus den vergangenen Jahren: einen Auftritt in der Thalia Hall in Chicago, Illinois im Juni 2017 sowie einen im Union Transfer in Philadelphia, Pennsylvania im Juli 2018. Wer zugreifen mag, sollte wohl allerdings schnell sein, denn die Band erwähnt, dass diese großzügige „Pay what you want“-Geste zunächst lediglich für „a limited time“ gilt… 🤟

 

„We’ve had a blast throughout 2018 doing these long weekends of shows – our first shows in London since 2014, Constructive Summer in Philly/NJ, San Francisco and Toronto; extended Constructive Summer with some beer fests in Chicago and Minneapolis; and, of course, finishing up last weekend at Brooklyn Bowl in New York for Massive Nights III.

Whether you realize it or not, we’re recording these shows so we can share the memories with you. (…) Enjoy reliving it!

This will be available pay-as-you want for only a limited time. We’ll have some more surprises in the coming weeks and months and if you choose to download these recordings, the money will go towards continuing to record and release as many of the live events as possible and any additional funds will go to the K+L Guardian Foundation.

Thanks for listening, thanks for understanding and Stay Positive! Happy Holidays and see you in 2019!“

 

„Whether you realize it or not, we’re recording these shows so we can share the memories with you. This is the first set of live recordings to celebrate — the first night in Philadelphia at Union Transfer.

Philly in July was a true highlight. It’s always been a fun place to play for us, and Union Transfer is really an incredible club. We remember a great atmosphere in the club that night, and we met a bunch of cool people before and after the shows. Enjoy reliving it!“

 

„Chicago has always had a special place in our hearts, it’s been the site of some incredibly memorable THS shows: the live recordings at Metro on the Art Brut Tour, Randolph Street Block Party, Hideout Block Party, our first show ever with Bobby Drake at Schubas, and most recently the Goose Island Fest. So we were excited to be at Thalia Hall June 2017 to kick off a big Chicago weekend. We also had a few tricks up our sleeves: some special Chicago guests for a Chicago encore, and a marriage proposal between two of our long time fans. Chicago (especially in the summer) is a one of my favorite places to play, and this show got a great weekend off on the right foot. – CF“

 

Rock and Roll.

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