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„Springfieldalbums“ – Berühmte Plattencover im Simpsons-Look


Rock goes Springfield – Die Seite „Springfieldalbums“ kombiniert gleich verdammt zwei großartige Dinge: Die Simpsons und Musik! So kreieren die Macher berühmte Albumcover – vor allem aus dem breiten Spektrum der Rockhistorie – mit der gelbsten Familie der TV-Geschichte sowie weiteren Bewohnern von Springfield – und zaubern aus diesem Culture Clash das eine oder andere amüsante Meisterwerk. ANEWFRIEND hat euch hier ein paar Highlights zusammengetragen – deutlich mehr findet man auf Instagram oder Facebook🤘

Rock and Roll.

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Song des Tages: Barbara Pravi – „Voilà“


Barbara Pravi trat mit ihrem Song „Voilà“ beim 65. Eurovision Songcontest für ihr Heimatland Frankreich an und gehörte damit bereits von Anfang an zu den großen Favorit*innen des Wettbewerbs. Im Finale in Rotterdam vor zwei Tagen konnte sie zwar die Fachjurys der Teilnehmerländer für sich gewinnen, beim europäischen Publikum durfte jedoch vor allem die italienische Glamrock-Band Måneskin abräumen, welche sich am Ende des Abends mit ihrem Song „Zitti e buoni“ auch den Sieg holte. Für Pravi, der nicht wenige wohl den Sieg ebenso gewünscht wie gegönnt haben dürften, sprang dennoch ein toller zweiter Platz heraus – aber das war noch längst nicht alles. Bereits einige Stunden nach dem großen ESC-Finale kletterte „Voilà“ an die Spitze vieler europäischer Charts, so unter anderem auch in Deutschland.

Die 27-jährige Pariser Sängerin mit serbischen und iranischen Wurzeln, die so vielfältige Künstler*innen wie Barbara, Jacques Brel, Georges Brassens, Françoise Hardy oder Louis Aragon zu ihren Einflüssen zählt, konnte in den letzten Jahren vor allem in ihrer französischen Heimat mit Songs wie „Je sers“, „Louis“ oder „Pas grandir“ Fans für sich gewinnen. Ihre Karriereanfänge lesen sich allerdings doch schon etwas klischee’esker: So sang sie im Januar 2016 „On m’appelle Heidi“ für die französische Version des Films „Heidi„, der im selben Jahr in den dortigen Kinos anlief. Ihren ersten Plattenvertrag hatte sie da schon in der Tasche. Danach erhielt Pravi die Rolle der Solange Duhamel im Musical „Un été 44„. Wen wundert’s, dass sie vor allem für ihre stimmliche Darbietung äußerst positive Kritiken erhielt… Dennoch bewahrt sich die kreative Chanteuse, die in der Vergangenheit bereits auch als Songwriterin für Musiker wie Yannick Noah, Julie Zenatti, Chimène Badi, Angélina Nava oder Jaden Smith (ja, der Sohn vom Smith-Will) tätig war, Eigenständigkeit wie Eigenwilligkeit. Sie schreibt ihre Texte zumeist selbst und lehnt diese nicht selten an wahre Begebenheiten an. So handelt beispielsweise „Deda“ von der Geschichte ihrer Familie oder „CHAIR“ von einer Abtreibung. Fürwahr nicht eben leichte Pop-Alltagskost…

Beim ESC 2021 nun also zeigte sie sich der ganzen (Musik)Welt. „Voilà“ – Das ist Barbara Pravi! (Übrigens ist ihr der ESC nicht gänzlich fremd, denn die Musikerin hat den Song “J’imagine” mitgeschrieben, mit dem die Sängerin Valentina im vergangenen Jahr den „Junior Eurovision Song Contest“ gewann.) Mit ihrem Stück, welches an die ganz Großen des modernen Chanson française wie etwa die ewige Edith Piaf erinnert, stach sie auch ohne jegliches Show-Tam-tam aus der bunten, breit gefächerten Vielzahl der 26 Teilnehmer hervor. Nicht, weil ihr Lied so gnadenlos perfekt durchproduziert, so poppig-eingängig gewesen wäre (in diesem Punkt taten sich eher Litauen oder Griechenland hervor). Jedoch vielmehr, weil Pravi den gemeinsam mit zusammen Igit und Lili Poe geschriebenen Song mit einer Leidenschaft vortrug, bei der ihr das Chanson gewordene Herzblut aus jeder Wuschelfisur-Faser, jeder Pore drang – da musste man nicht einmal den (zugegebenermaßen durchaus formidablen) französischen Text verstehen, um das Herzeleid zwischen den Zeilen fühlen zu können. Und auch wenn ihre bisherigen drei Alben – aller künstlerischen Vielfalt, allem Anspruch zum Trotz – bisher wenige Stücke einer ähnlich berührenden Güteklasse bieten, so sollte man Barbara Pravi in Zukunft auf dem Schirm haben und durchaus gespannt auf weitere Einblicke in das Herz der jungen Französin sein…

„Écoutez moi
Moi la chanteuse à demi
Parlez de moi
À vos amours, à vos amis
Parler leur de cette fille aux yeux noirs et de son rêve fou
Moi c’que j’veux c’est écrire des histoires qui arrivent jusqu’à vous
C’est tout

Voilà, voilà, voilà, voilà qui je suis
Me voilà même si mise à nue j’ai peur, oui
Me voilà dans le bruit et dans le silence

Regardez moi, ou du moins ce qu’il en reste
Regardez moi, avant que je me déteste
Quoi vous dire, que les lèvres d’une autre ne vous diront pas
C’est peu de chose mais moi tout ce que j’ai je le dépose là, voilà

Voilà, voilà, voilà, voilà qui je suis
Me voilà même si mise à nue c’est fini
C’est ma gueule c’est mon cri, me voilà tant pis
Voilà, voilà, voilà, voilà juste ici
Moi mon rêve mon envie, comme j’en crève comme j’en ris
Me voilà dans le bruit et dans le silence

Ne partez pas, j’vous en supplie restez longtemps
Ça m’sauvera peut-être pas, non
Mais faire sans vous j’sais pas comment
Aimez moi comme on aime un ami qui s’en va pour toujours
J’veux qu’on m’aime parce que moi je sais pas bien aimer mes contours

Voilà, voilà, voilà, voilà qui je suis
Me voilà même si mise à nue c’est fini
Me voilà dans le bruit et dans la fureur aussi
Regardez moi enfin et mes yeux et mes mains
Tout c’que j’ai est ici, c’est ma gueule c’est mon cri
Me voilà, me voilà, me voilà
Voilà, voilà, voilà, voilà

Voilà“

(Wer dem Französischen nicht mächtig ist, der findet hier eine deutsche Übersetzung…)

Rock and Roll.

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Flimmerstunde – Teil 37


What Drives Us“ (2021)

Das Timing von Foo Fighters-Frontmann Dave Grohl könnte einerseits kaum eigenartiger, andererseits jedoch kaum besser sein. Seine neuste Dokumentation „What Drives Us“ ist eine Liebeserklärung an das Tourleben und dadurch ein Statement für die Livemusik. Denn mal ehrlich: Einen besseren Zeitpunkt als eine weltweite Pandemie, die nahezu jeglichen Vis-à-vis-Konzertbetrieb unterbindet, könnte es für diesen Film nicht geben.

Wie schon bei seinen vorangegangenen Musik-Dokumentationen wie „Sound City“ oder „Sonic Highways“ sind auch hier von der ersten Sekunde an die Liebe und das Herzblut spürbar, welche Grohl für das Thema mitbringt. Auf effektive Weise stellt der kreative Tausendsassa Szenen seiner frühen Band Scream jenem Moment gegenüber, in dem er den ersten Touring-Van der Foo Fighters zurück erhält und sich damit erneut auf eine Reise begibt. Nur dass es bei dieser Reise gerade nicht darum geht, Konzerte zu spielen…

Stattdessen macht er sich damit auf, faszinierende Tour-Stories zu sammeln. Die Liste der Gäste ist mehr als beeindruckend. Beatles-Trommler Ringo Starr, Metallicas Lars Ulrich, Aerosmith-Frontmann Steven Tyler, Slash und Duff McKagan von Guns N‘ Roses, U2-Gitarrist The Edge, AC/DC-Stimme Brian Johnson, Red Hot Chili Peppers-Bassist Flea, Ian Mackaye von Fugazi, Slayer-Schlagzeuger Dave Lombardo oder L7-Bassistin Jennifer Finch sind nur einige der illustren Namen, die diesem Film mit ihren Geschichten zwischen Rock’n’Roll und Punk Rock füllen.

Allesamt erinnern sie sich auf sympathische, oft herzerwärmende Art an ihre musikalischen Anfänge, ihre frühen Einflüsse und natürlich ihre ersten Tourerfahrungen – auch wenn Lars Ulrich scherzt, dass er zum eigentlichen Van-Touring-Thema des Films nicht viel beitragen könne: „I realized, I actually never toured in a van. So… can I go now?“ Grohl verbindet die Interviews mit zahlreichen Archivaufnahmen aus den frühen Tagen von Bands wie den Foo Fighters oder No Doubt, bei welchen man sich oft genug fragt, wo er die wohl aufgetrieben hat. Sehr unterhaltsam gerät zudem die Animation der Hardcore-Legenden von Black Flag und. D.O.A., welche das Van-Touring in den US of A mit einer Menge DIY-Spirit quasi einst aus den Angeln gehoben haben.

Doch Grohl wäre nicht Grohl, wenn er bei all den großen Namen die junge Garde ignorieren würde. In einer kurzen Sequenz erzählt er davon, wie frühe Foo Fighters-Interviews vor allem daraus bestanden, Fragen zur Vergangenheit der Mitglieder zu beantworten (beziehungsweise nach seiner Vergangenheit als Nirvana-Drummer) – und zeigt derweil, wie man’s besser macht. Obwohl das Schwelgen in den eigenen Historien logischerweise einen guten Teil der 90 Minuten einnimmt, gerät „What Drives Us“ nämlich mitnichten zur reinen Nostalgieveranstaltung, die nur dazu dient, von vermeintlich besseren, längst vergangenen Zeiten zu schwärmen.

Mit Radkey holt Grohl – neben Starcrawler, die er in seinem alten Tour-Van durch Los Angeles chauffiert – auch eine vergleichsweise neue, unbekannte Band vor die Kamera, die erst in den 2010ern zusammenfand. Die drei Jungspunde aus St. Joseph, Missouri zeigen, dass sich die Punk-Rock-Geschichte – digitaler Über-Nacht-Ruhm hin oder her – in manchen Fällen glücklicherweise eben doch wiederholt. Während etablierte Namen in der Vergangenheit schwelgen, leben Radkey, die seit Jahren von ihrem Vater/Manager/Mercher durch die Vereinigten Staaten gefahren werden, genau den Van-Lifestyle, der für alte Recken wie AC/DC-Sänger Brian Johnson längst nur noch eine Erinnerung ist. Auffallend ist, dass sich am Grundlegenden kaum etwas geändert hat. So lässt sich die Kunst des Van-Packens der Bad Brains perfekt mit dem heutigen tetris’esken Verstauen von Instrumenten in einem viel zu kleinen Gefährt vergleichen – wenn auch mit etwas mehr technischen Standards.

„Es kommt ein Moment im Leben eines jeden Musikers, in dem sein Engagement auf die Probe gestellt wird. Wenn ihr Wunsch, Musik für andere zu spielen, zu einem fast irrationalen Akt blinden Glaubens wird. Es ist kein Job, es ist eine Berufung. Der erste Schritt, um sich und der Welt zu beweisen, dass man in diesen Club gehört, ist, in den Van zu steigen. Du lädst deine Instrumente, dein Talent und deinen Mut ein, und bringst deine Musik in die Welt. Es spielt keine Rolle, ob du die Beatles oder Billie Eilish bist, oder irgendein bekannter oder unbekannter Künstler dazwischen. Du musst in den Van steigen, um herauszufinden, ob du das Zeug dazu hast. Das ist der Rock ’n‘ Roll-Ritus des Übergangs…“ (Dave Grohl über das Touren und Musikmachen)

Während der Interviews kommt Grohls Stimme immer wieder aus dem Off, um Nachfragen zu stellen. Manchmal schwenkt die Kamera sogar auf sein Gesicht, während der 52-Jährige zwischen dem Drehequipment sitzt. Das mag vielleicht nicht dem güldenen Handbuch für Dokumentationsinszenierung entsprechen, gibt „What Drives Us“ aber genau das nahbare Gefühl von Authentizität und Verbindung, von welchem Grohl und all die anderen Musiker*innen vor der Kamera sprechen. Es gibt keine Trennung zwischen dem Interviewer und den befragten Personen. Grohl ist als Musiker schließlich selbst Teil dessen, von dem er in seinem Film erzählt. Und: Alle Beteiligten sind sich weitestgehend einig, dass die Erfahrung, ständig und rund um die Uhr mit seinen Bandkollegen auf engstem Raum zusammengelebt zu haben, die einzelnen Mitglieder näher zusammengebracht hat. „Es ist nicht glamourös darüber zu reden. Aber es braucht wirklich eine gewisse Unreife und Unschuld, um in einem Van unterwegs zu sein. Aber auch eine gewisse Reife, um vieles tolerieren zu können, das große Ganze zu sehen, Geduld zu haben, seinen Mitmenschen gegenüber freundlich zu sein, die vielleicht Probleme haben“, wie es L7-Bassistin Jennifer Finch ausdrückt.

Damit sich nicht alles lediglich um das selige Schwelgen in den „good old days“ und um den heilen Tourwelt-Protz dreht (etwa dann, wenn No Doubt-Bassist Tony Kanal berichtet, dass sich die Touren von No Doubt von Mal zu Mal vergrößert haben und sich schlußendlich jedes Bandmitglieder seinen eigenen Luxusliner leisten konnte), schlägt Grohl zwischendurch auch den ein oder anderen ernsteren Ton an. So spricht etwa der ehemalige Dead Kennedys-Schlagzeuger D.H. Peligro über den schwelenden Rassismus, welcher ihm als einzigem schwarzem Bandmitglied bei frühen Shows der kalifornischen Punk-Ikonen immer wieder entgegenschlug, oder von seiner Drogenabhängigkeit während seines kurzen Intermezzos bei den Red Hot Chili Peppers.

Mit dieser Sprunghaftigkeit zwischen Leichte und Tiefe erzeugt „What Drives Us“ ganz ähnliche Gefühle wie die besten Konzerte – ganz gleich, ob diese nun im Station oder im kleinen Indie-Club stattfinden. Obwohl das Publikum stets auf gewisse Weise eine andere Position einnimmt als die Bands, die da auf der Bühne stehen, sorgen grandiose, erinnerungswürdige Shows dafür, dass sich eben doch alle im Saal miteinander verbunden fühlen. Selbst wenn der Austragungsort ein Stadion mit 50.000 Zuschauenden ist.

Dieses Stadiongefühl beschwört Grohl (der ja im Laufe seiner Karriere so einige Erfahrungen mit ebenjenen „Stadiongefühlen“ sammeln durfte) ebenfalls in der Eingangssequenz von „What Drives Us“ herauf: einen Zusammenschnitt diverser Tour- und Konzertaufnahmen unterlegt er mit AC/DCs „For Those About To Rock (We Salute You)“. Wer schon einmal selbst die brachialen, ikonischen Kanonenschläge erlebt hat, die den Song in der Live-Situation flankieren, der weiß, warum gerade diese die Konzertfaszination perfekt symbolisieren. Passenderweise beschließt denn der Foto Fighters-Evergreen „Everlong“, welches live ebenso zu fesseln und euphorisieren weiß, die Dokumentation. So saugt einen „What Drives Us“, dieser kleine Liebesbrief an das Leben auf Tour und für die Musik, förmlich ein – und unterhält mit einer Fülle aus Kurzweil, Anekdoten und teilweise recht persönlichen Geschichten aus dem Musiker-Leben bis zum Schluss.

Rock and Roll.

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Die Krux mit dem Musikstreaming – Arte beleuchtet die Ungerechtigkeiten des Musikgeschäfts


„Was passiert mit den Streaming-Milliarden?“, so lautet der Titel einer neuen Dokumentation des Arte-Formats „Tracks„. Darin befasst sich der französisch-deutsche Kultur-Sender mit der Verteilung der Gelder auf Spotify. Denn vom schnöden Kapitalismus-Triebmittel Mammon ist, so scheint es, mehr als genug vorhanden, schließlich wächst und wachsen die Streaming-Plattformen – ganz im Gegensatz zu manch physischem Datenträger – Jahr um Jahr. Ein paar Zahlen gefällig? Gern: So erwartet allein Spotify bis Ende 2021 zwischen 402 und 422 Millionen Nutzer, 172 bis 184 Millionen zahlende Abo-Kunden sowie einen Jahresumsatz zwischen 9,11 und 9,51 Milliarden Euro. Schon im ersten Quartal 2021 fiel ein Quartalsgewinn von immerhin 23 Millionen Euro an. Und Spotify-Günder Daniel Ek? Der ist inzwischen längst Milliardär und gerade in den Schlagzeilen, weil er an eine Übernahme der englischen Premier League-Größe FC Arsenal denkt.

Die Leidtragenden in diesem monopoly’esken Spiel aus „Höher! Schneller! Weiter!“ sind am Ende die Kunstschaffenden selbst, bei denen schlussendlich nur ein Bruchteil der Einnahmen ankommt (eine Beispielrechnung kann man anhand von Drakes neuerlichem Weltrekord von 50 Milliarden Streams gern selbst aufmachen). Denn die Auszahlung erfolgt im Grunde nicht per Stream, sondern per Marktanteil. Hierzu werden die Einnahmen in einen großen Topf geschmissen und je nach Anteil verteilt, den jemand an den Gesamtstreams hat – ein Verfahren, welches sich „Pro Rata“ nennt.

Kaum verwunderlich also, dass mittlerweile auch immer mehr Stimmen laut werden, die das schwedische Unternehmen, ebenso wie „Kollegen“ wie Apple Music oder Amazon Music, kritisieren – weltweite öffentliche Demonstrationen dies- wie jenseits des weltweiten Internets inklusive. Gefordert wird etwa bei der Protestaktion „Justice At Spotify“ 1 Cent pro Stream – derzeit liegt man zwischen 0,0025 und 0,0042 Euro. Ist diese Forderung allerdings zielführend oder sollte es nicht vielmehr (und viel mehr) sinnvolle Alternativen zu Spotify und Co. geben? Etwa das „User-Centric-Payment-System“, kurz UCPS, welches laut Spotify keine Alternative sei, aber zum Beispiel von Deezer bereits angeboten wird. Eine Unterstützung von den Majors? Bisher Fehlanzeige. Der Frage nach zielführenden Alternativen ist etwa auch dj-lab.de hier auf den Grund gegangen.

Die Dokumentation von „Tracks“ beschäftigt sich jedoch nicht nur mit dem Geldfluss, sondern schaut sich auch die Auswirkungen des Streamings auf die Gestaltung der Musik selbst an und wie Künstler*innen ihre Fans zum gemeinsamen Streamen mobilisieren. Zum Schluss versucht die sehenswerte halbstündige Doku noch einen Blick in die Zukunft zu wagen: Was müsste sich ändern um für mehr Gerechtigkeit in der Musikindustrie zu sorgen und wie sieht es mit Alternativen wie den Plattenläden oder Bandcamp aus? Zu Wort kommen Stimmen aus den Major-Labels und Indie-Künstler*innen wie die Art-Pop Sängerin Balbina, Juse Ju oder Mat Dryhurst.

Die gesamte „Tracks“-Dokumentation „Was passiert mit den Streaming-Milliarden?“ lässt sich aktuell in der Mediathek von Arte oder via YouTube – joppa, natürlich – streamen.

Rock and Roll.

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Flimmerstunde – Teil 36


Wer ANEWFRIEND auf Facebook folgt, dem dürften die unterstehenden Zeilen wohlmöglich bekannt vorkommen. Der Rest findet hier jeweils zwei Film- und Serien-Empfehlungen meinerseits aus der letzten Zeit…

Nomadland“ (2020)

Fern (Frances McDormand) hat vor einiger Zeit ihren Mann verloren, aber dennoch ist sie in dem gemeinsamen Haus in Empire, Nevada wohnen geblieben. Nun allerdings hat die United States Gypsum Corporation, ein Baustoffhersteller und der einzige große Arbeitgeber der Kleinstadt, dicht gemacht und es gibt keine Jobs mehr. Nicht einmal eine Postleitzahl hat Empire mehr, weswegen Fern sich schließlich dazu entscheidet, in ihrem kleinen Van zu leben, durch die Vereinigten Staaten zu fahren und sich von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob treiben zu lassen. Sie besteht allerdings darauf, dass sie nicht obdachlos, sondern einfach nur hauslos ist. Wohlmöglich könnte die Frau in ihren Sechzigern aufgrund ihrer Qualifikationen jederzeit wieder ein relativ „normales“ Leben führen, doch sie bevorzugt den Alltag auf der Straße mit seiner Freiheit, den anderen Menschen und den vielen Bekanntschaften, die man irgendwann wieder trifft. So arbeitet sie mal in einem Versandlager, hilft mal der Ernte, arbeitet in einem Diner oder in einer Wohnwagensiedlung, nie so ganz wissend, was die nächsten Tagen bringen werden…

Mit „Nomadland“ entwickelt „The Rider“-Regisseurin Chloé Zhao – trotz ihres zwischenzeitigen Marvel-Blockbuster-Gigs mit dem kommenden „Eternals“ – ihre ganz eigene Art des Filmemachens konsequent weiter. Der Film, welcher lose auf dem Sachbuch-Bestseller „Nomadland: Surviving America In The Twenty-First Century“ basiert, für den sich Autorin Jessica Bruder ein Jahr lang sogenannten „Arbeitsnomaden“ angeschloss, lebt nicht nur von seinen vielen Laiendarstellern, sondern vor allem vom konsequent uneitlen Mimenspiel der zweifachen Oscar-Preisträgerin Frances McDormand („Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“), die selbst den kleinen, melancholisch-stillen Momenten eine erstaunliche Tiefe und Würde verleiht. Der bewusst „kleine“ Film, welcher bei seiner Premiere bei den Filmfestspielen in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde und somit als einer der Geheimfavoriten in die anstehende Oscar-Saison geht, stilisiert die modernen Nomaden weder zu Opfern noch zu Helden – und setzt ihnen und ihren klapprigen Heimat-Vehikeln gerade deshalb ein so eindringliches Denkmal, das den Zuschauer mitsamt seinen Protagonisten von Stop zu Stop, von Jahreszeit zu Jahreszeit treiben lässt. Ein berührendes, bildgewaltiges und trotzdem durch und durch bescheidenes Roadmovie voll von Poesie und flüchtigem Glück, das gerade deshalb so tief berührt, weil es nicht auf die Tränendrüse drückt (und somit quasi die Antithese zu klassischen Oscar-Projekten wie „Green Book“ & Co. darstellt). Ebenso toll auch: der einmal mehr wunderbar subtile Score des italienischen Komponisten Ludovico Einaudi.

The Postcard Killings“ (2020)

Es ist ein grauenvoller Anblick, der sich Jacob Kanon (Jeffrey Dean Morgan) da bietet: Seine Tochter und ihr Ehemann wurden während ihrer Hochzeitsreise in London grausam ermordet, zerstückelt und auf bizarre Weise neu zusammengesetzt. Aber wer könnte eine solche furchtbare Tat begangen haben? Und aus welchem Grund? Als der New Yorker Polizist nach möglichen Hinweisen sucht, führt ihn die Spur nach Madrid, München und Stockholm, wo bald darauf ganz ähnliche Morde geschehen. Gemeinsam mit dem deutschen Kommissar Bubeck (Joachim Król) und der schwedischen Journalistin Dessie Leonard (Cush Jumbo) jagt er einem Phantom hinterher, das es zu seiner Methode gemacht hat, seine Verbrechen stets mit Postkarten anzukündigen…

Eines muss man „The Postcard Killings„, der filmischen Adaption eines Romans von Liza Marklund und James Patterson, lassen: Es gibt doch – dem blutigen Sujet zum Trotz – während der 104 Minuten den einen oder anderen Moment, über den man schmunzeln darf. Wenn etwa Kanon ganz frustriert ist, dass es in Europa Reisefreiheit gibt und die Menschen deshalb nicht ständig überwacht werden können, ist einer davon (während in seiner Heimat, genauer betrachtet, nicht einmal eine Meldepflicht herrscht). In einem anderen wird trocken entgegnet, dass es in den US of A eben üblich sei, erst zu schießen und danach zu fragen… Möglich gemacht wird beides durch eine Mörderjagd, die quer durch Europa führt und auch noch einen US-Polizisten mit hineinzieht. Das soll für internationales Flair sorgen und führt so zu dem ein oder anderen Konflikt, wenn sich Behörden und Mentalitäten gegenseitig in die Quere kommen. Und auch wenn der Mystery-Killer-Thriller an so einigen Stellen keinen gesteigerten Wert aufs kleinste Detail legt und eine Unstimmigkeit zugunsten des Kurzweils mal eben eine Unstimmigkeit sein lässt, unterhält der Film mit Jeffrey Dean Morgan (vielen wohlbekannt als Negan aus „The Walking Dead“) in der Hauptrolle. Daher: Tipp für alle Genre-Freunde. (Wer nicht gespoilert werden mag, der sollte übrigens die digitalen Griffel vom deutschen Trailer lassen…)

La Révolution“ (2020)

Frankreich im Jahr 1787: Das Volk hungert, die Unruhen auf den Straßen nehmen zu und eine Revolution bahnt sich an. Doch die adlige Elise de Montargis (Marilou Aussilloux) hat ganz andere Sorgen – seit ihr Vater vor Monaten nach Versailles gereist ist, beschleicht sie der Verdacht, dass ihm etwas zugestoßen sein könnte. Außerdem wird ihre kleine Schwester Madeleine (Amélia Lacquemant) von schlimmen Albträumen und Visionen geplagt, weswegen ihr Onkel sie in eine Nervenheilanstalt stecken will. Währenddessen häufen sich in der Bevölkerung die Fälle mysteriöser und brutaler Morde. Gefängnisarzt Joseph Guillotin (Amir El Kacem) untersucht einen Verdächtigen und kommt Unstimmigkeiten auf die Spur. Auf eigene Faust beginnt er zu ermitteln, damit der Verdächtige nicht unschuldig gehängt wird. Seine Wege kreuzen sich bald mit denen von Elise, die eine gemeinsame Vergangenheit mit Josephs Bruder Albert (Lionel Erdogan) hat. Sie stellen fest, dass die Dinge, die sie beide umtreiben, auf ungeahnte Weise zusammenhängen – und alle Spuren führen zu einer Infektion, die das Blut der Infizierten blau färbt und sie in mörderische Raserei verfallen lässt…

Wer hier eine tatsächliche Auseinandersetzung mit den Ereignissen im Frankreich des späten 18. Jahrhunderts erwartet, der wird schnell eines Besseren belehrt. Dafür bietet die Netflix-Serie „La Révolution“ ein ebenso faszinierenden wie kruden Mix aus Historiendrama und Fantasy-Elementen, der zuweilen auch in Richtung detektivischer Spurensuche sowie Horror-Slasher geht und an mancher Stelle sichtlichen Spaß an der gezielten Übertreibung hat. Das mag einerseits ziemlicher Schund sein, ist gleichzeitig aber eben auch faszinierend. Vor allem ist diese erste Staffel durchaus hübsch bebildert. Vieles sieht künstlich aus, zudem wird mal wieder ganz übertrieben mit Grautönen gearbeitet, sodass jeder Anflug von Farbe falsch und auffällig im Kontrast wirkt. Auch an diesen Stellen legte man also so gar keinen Wert auf Authentizität. Aber diese Kombination aus Noblesse und Trash, aus Blut, Dreck und Okkultem ist auf ihre Weise derart fesselnd in ihrer Kühnheit, dass man sich die acht Folgen doch ganz gut (am Stück) anschauen kann. Zwischenzeitlich kommt es zwar zu kleineren Hängern, wenn die Geschichte mal wieder derart konfus umherirrt, als befände sie sich selbst in einem Virus-Wahn. Zu sehen gibt es jedoch auch dann noch genug.

Zu viel sollte man an der Stelle nicht vorab verraten, da ein Teil des Spaßes bei „La Révolution“ darin liegt, dass die Geschichte immer und immer abstruser wird. Da gibt es Abarten gewohnter Genrekreaturen, Ausflüge in die Zauberwelt, garniert mit einer Prise Sherlock Holmes und etwas Pseudo-Wissenschaft. Geradezu prophetisch mag sein, dass hier ein Virus eine große Rolle spielt, welches höchst ansteckend ist und wofür eilig nach einem Heilmittel gesucht wird. So als hätte man das Jahr 2020 mal so eben rund 230 Jahre nach vorne verlegt. Polternde Populisten gibt es in der Serie zwar nicht, dafür andere Adelsschurken, denen minderwertige Menschen – sprich: alle aus dem schnöden Volk – herzlich egal sind.Unterm Strich ist „La Révolution“ also für Genre-Freunde durchaus empfehlenswert. Und aufgrund des Erfolgs kurz nach dem Serienstart im vergangenen Oktober ist – so Corona und Netflix es denn zulassen – eine 2. Staffel durchaus denkbar…

Years and Years“ (2019)

Es ist 2019, die Welt steht in Flammen. Die von BBC One und HBO produzierte sechsteilige Mini-Serie „Years and Years“ zeigt, wie eine Familie aus dem englischen Manchester – teils im Zeitraffer – ihren Weg aus dem globalen Übel sucht, und in den immer wirreren Zeiten versucht, nicht sich selbst (und einander) zu verlieren…

Auch wenn absurd Komisches die Serie glücklicherweise immer wieder auflockert, ist Wegschauen – besonders gen Ende – schlicht unmöglich: Das Szenario von „Years and Years“ mag zwar dystopisch und (noch) fiktiv sein, ist mit all seinen bitteren Konklusionen bis ins Detail jedoch so verdammt realitätsnah und gut vorstellbar, dass es richtig weh tut zuzusehen, wie die Welt von Jahr zu Jahr mehr vor die Hunde geht. Außerdem ist vor allem Nebendarstellerin Emma Thompson einmal mehr schlichtweg fabelhaft.

Wer übers Wochenende (oder an ein, zwei Abenden) nur eine Serie schauen mag, der sollte definitiv diese wählen – zudem flimmern sich die knapp sechs Stunden, welche man aktuell in der ZDF-Mediathek findet, quasi in einem Binge-Rutsch. Ohne viele Worte, kurzum: Unbedingte Empfehlung!

Rock and Roll.

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Zitat des Tages


(gefunden bei Facebook)

(Oprah Gail Winfrey, * 29. Januar 1954, US-amerikanische Moderatorin, Schauspielerin und erfolgreiche Unternehmerin, die vor allem durch ihre wöchentliche Talkshow „The Oprah Winfrey Show“ bekannt wurde)

Rock and Roll.

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