Schlagwort-Archive: Punk Rock

Song des Tages: Matze Rossi – „Milliarden“


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Feines Ding geworden, und mit ’ner Extraportion ♥ ausgestattet: Der Singer/Songwriter (oder eben, auf Gutdeutsch und in bester Reinhard-Mey-Tradition: Liedermacher) Matze Rossi präsentiert mit „Milliarden“ seine brandneue Single und wird nach 22 Jahren darin (endlich) wieder politisch. Der Künstler aus dem unterfränkischen Schweinfurt dazu:

„VIEL ZU LANG HABE ICH MICH DARAUF AUSGERUHT, DARAUF VERTRAUT, DASS ANDERE GUTE POLITISCHE LIEDER SCHREIBEN. VIEL ZU LANG WAR ICH DER ANSICHT, DASS JEDER DER MEINE MUSIK HÖRT, EIN GEWISSES GRUNDVERSTÄNDNIS VON HUMANISMUS, ACHTSAMKEIT DEM PLANETEN ERDE & ALLEN LEBEWESEN GEGENÜBER HAT UND STELLUNG BEZIEHT. DOCH DAS REICHT NICHT MEHR!“

Ganze zwei Jahre habe der ehemalige Frontmann der Schweinfurter Punk-Band Tagtraum, welcher seit gut 15 Jahren vor allem solo unterwegs ist (und so bereits das ein oder andere Mal hier auf ANEWFRIEND Erwähnung fand), laut eigener Aussagen an „Milliarden“ geschrieben, „unzählige Text- und Arrangementversionen verfasst, alle verworfen und es auch schon fast aufgegeben“. Doch dann hat er den Song ganz spontan und wunderschön unfertig auf der 2019er TVNoir-Tour live gespielt. Als Feedback haben ihn zahlreiche Menschen darauf angesprochen,  wo sie denn das Lied bekommen könnten. Well… Nun ist es soweit und Matthias „Matze Rossi“ Nürnberger präsentiert das von Herzen kommende, zu selbigem gehende Stück in diesem faszinierend vielfältigem Ding namens Internet. Im Grunde ist „Milliarden“ einfach ein sehr schönes Lied über Themen, die einen allein (ver)zweifeln lassen könnten – käme da nicht der Schwenk dahin, warum das mit dem Verzweifeln halt doch nicht geht. Vielleicht nah am Kitsch gebaut, aber noch in genau der richtigen Nachbarschaft der Menschlichkeit untergekommen…

Was sich der 42-jährige Akustikklampfer mit dem Punk im Herzen nun wünscht? Verrät er via Facebook:

 

„Hallo Ihr Lieben,

‚Milliarden‘ ist endlich draußen, ich habe im Vorfeld schon viel erzählt zu dem Lied und ich könnte noch so unendlich viel dazu sagen…doch lassen wir es erstmal wirken.

Teilt es, packt es in eure Streaming-Playlisten, nervt Radiosender es zu spielen, lasst mir einen Kommentar da, und bitte singt es ab 14.02. so laut ihr könnt auf der End Hits Records Tour mit mir.

Zum Video geht es hier:
https://youtu.be/SEcSoFe8BjU

Und zum Lied direkt hier:
https://orcd.co/milliarden

Ganz großen Dank möchte ich an meine lieben Freunde raushauen, die sich beim ersten Hören des Liedes gefilmt haben, und so das wunderbare Video möglich gemacht haben♥. Und natürlich an mein Label End Hits Records und die ganze Uncle M Bande, die so hinter mir stehen und mit viel Einsatz diesen Blitzrelease möglich gemacht haben.

Wir sind Milliarden
Punk & Liebe
Matze Rossi“

 

 

 

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Rock and Roll. ✌️

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Auf dem Radar: The Homeless Gospel Choir


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Merke: Derek Zanetti, auch bekannt als The Homeless Gospel Choir, ist ein Protestsänger, Autor und Künstler aus dem US-amerikanischen Pittsburgh, Pennsylvania. Durch seinen – zugegebenermaßen oft recht eigenwilligen – Bühnenhumor und seine offen zur Schau getragene Verletzlichkeit schafft Zanetti schnell eine Atmosphäre der Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft. Er setzt sich mit seinem Publikum auf eine Weise auseinander, die es wissen lässt, dass es – mit was auch immer – nicht allein ist. Seine jüngste Platte wurde von Pub-Punk-Darling Frank Turner himfuckingself als „ein Album, das für die Underground-Punk-Szene eine prägende Rolle spielen wird“, beschrieben. Oha! Darf’s noch eine Lobeshymne mehr sein? Klar: „In einer halben Stunde erinnerte Derek mich daran, was Punk sein sollte.“

Doch hören wir mal genauer hin…

a0595802290_16Schnell wird klar: Es gibt wenige Künstler, die so tönen wie The Homeless Gospel Choir. Indem er ehrlich empfundene Texte mit seinen Punk-Wurzeln und einem scheinbar unerschütterlichen Sinn fürs Humorige vermischt, hat Derek Zanetti mit „The Homeless Gospel Choir Presents: Normal“ einen Musik gewordenen Kommentar über das Erwachsenwerden geschaffen – Songs, die irgendwie zu sich selbst finden, während der reichlich verpeilte Typ dahinter noch versucht, sich allein in einer furchterregend eigenartigen Welt zurechtzufinden. Zanetti legt dabei im Handumdrehen von null auf hundert los, macht sich über seine eigenen Unsicherheiten lustig, bevor er dem geneigten Zuhörer versichert, dass er viel Zeit hat, seine Probleme zu lösen, da auch er selbst ja noch dabei ist, alles zu verstehen…

„6th Grade“ eröffnet das Album mit ebenjenem Sinn für Humor und subjektiven Realismus, der allen elf Songs zueigen ist. Doch wo der Opener noch Spaß versteht, geht’s gleich beim zweiten Song, „Depression„, lyrisch ein wenig härter zu: „With friends like that / Who needs friends when you have seasonal depression?“. Alle distinguierten Ü30-Indie-Heads werden sich wohl schnell in ihre (späte) Teenagerzeit zurückversetzt fühlen, als sie, mit allerhand melancholischem Weltschmerz beladen, in ihrem Zimmer saßen und Trost in einem Bright Eyes-Song fanden. Denn tatsächlich ähnlich der Sound des Homeless Gospel Choir manchmal sehr dem von Conor Obersts Anfangstagen, jedoch mit einer indie’esken Grobkörnigkeit, die ihn – zumindest in einer gerechteren Welt – schnell zur Stimme der modernen Punk-Kids machen würde.

Normal“ ist darauf im Grunde das perfekte Stück nach „Depression“: eine Hymne für alle Außenseiter, Ausgestoßenen und – jawollja! – Punks; etwas, das man aus vollem Hals mitgrölen darf, wenn Zanetti singt: „You’re never gonna be normal / ‚Cause you’re a punk!“. Ja, das sind Songs, in denen unsichere Jugendliche Trost finden mögen, während alle 20- und 30-Jährigen sich noch auf spiritueller Ebene mit ihnen identifizieren können (und eventuell die Replacements-Anleihen erkennen).

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Besonders das folgende Stück „Don’t Know“ wirkt denn passenderweise sehr kathartisch, sehr kraftvoll. Kein Geringerer als oben genannter Frank Turner besorgt bei diesem Song den emphatischen Gastgesang, der das ohnehin schon hohe Emotionalitätslevel nur noch weiter verstärkt. Darauf: „Crazy„, eine Art chaotisches Pendant zu „Don’t Know“. Thematisch mögen sich beide Lieder recht nahe stehen, klanglich jedoch könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Sogar Frank Ieros (My Chemical Romance) ausreichend wilder Gastgesang auf „Crazy“ steht im Kontrast zu Turners weicherem Ton in „Don’t Know“, aber irgendwie passen sie perfekt zusammen.

Die Übergänge zwischen den Songs mögen sich im Verlauf des Albums manchmal als etwas hakelig erweisen, da Derek Zanetti hochenergetische Punk-Kracher direkt neben langsamere Beinahe-Balladen setzt, aber ehrlich gesagt: macht andererseits auch Sinn. Wäre ja irgendwie auch nicht richtig, wenn dieses Werk wie in einem Rutsch durch die Gehörgänge fließen würde… Alles, was Zanetti auf „The Homeless Gospel Choir Presents: Normal“ in die Klampferhände fällt, purzelt am anderen Ende wieder hakelig und unsicher, verwirrt und chaotisch heraus, und der Fluss des Langspielers (oder das Fehlen eines solchen) spiegelt dementsprechend eben direkt die Emotionen hinter den Songs wider.

A-3557680-1456092025-9508Langsam, kurz vor Schluss lugt „Sometimes“ bevor, das im Grunde alles hat, was einen starken The Homeless Gospel Choir-Song ausmacht: unverblümt offene und denn doch relativ deutbare Texte und einen schwarzen Sinn für Humor. Dann kommt „Alright“, ein kraftvolles, eigenwilliges und persönliches vorletztes Lied, das die K(r)ämpfe des Erwachsenwerdens und des Versuchs, dem eigenen Leben irgendwie auf die Schliche zu kommen, dokumentiert.

Wenn sich „The Homeless Gospel Choir Presents: Normal“ schließlich nach einer unterhaltsamen halben Stunde dem Ende neigt, wird sich manch ein Akustik-Punk-Fan fühlen, als hätten er soeben eine semi-religiöse Erfahrung durchgemacht, besonders nach dem – passend betitelten – letzten Song „Holy Shit“. Diese elf Stücke wirken in der Tat – bestenfalls – kathartisch, abgrundtief ehrlich und unglaublich kumpelhaft – fast unabhängig vom Alter des jeweiligen Hörers und seinem Platz im Leben. All das sind schließlich emotionale Schützengräben, in denen (fast) wir alle bereits gelegen haben – ob wir sie nun damals, in der Blüte unserer mal mehr, mal weniger pickeligen Jugend, aus vollem Halse und Herzen geschrien oder uns augenzwinkernd über sie lustig gemacht haben, wie Derek Zanetti es eben an mancher Stelle tut. Unfair? Ach Quatsch – an machen Tagen lässt sich dem Alltagsgrau einfach nur mit einem entschlossenen Grinsen gegenüber treten! Bewaffnet mit ausreichend Sinn fürs Abseitig-Humorige und einer irgendwie auch realistischen Lebensperspektive gibt es kein Thema, das für den Homeless Gospel Choir auf Album Nummer fünf tabu wäre, und so eben auch nichts, worüber sich kein Song schreiben ließe.

 

Via Bandcamp gibt’s „The Homeless Gospel Choir Presents: Normal“ im Stream:

 

Für das Musikvideo zu „Normal“ hat Derek Zanetti, dieser komische Kauz, Alanis Morissettes ikonisches Video zu „Ironicshot-by-shot machgestellt. Macht ja Sinn, schließlich eignen sich beide Songs formidabel als Autofahr-Karaoke-Hits…

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Aree and the Pure Heart – „Fifty Dollar Bottle Of Wine“


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Bock auf ein neues The Gaslight Anthem-Album, welches schön retromäßig vor sich hin rockt und dabei nicht mit Spielereien der Duftmarke Against Me! geizt? Dann empfiehlt euch ANEWFRIEND wärmstens die – na klar! – aus den US of A stammenden Aree and the Pure Heart, die auf ihrem im vergangenen März erschienenen Album „Never Gonna Die“ schwungvoll und euphorisch rock’n’rollnen Heartland-Rock zelebrieren, der sich jedoch auch traut über die Punkrock-Kante hinaus zu lugen (und damit so einige verheißungsvolle Versprechen der 2015er „Heartsongs EP“ einlöst).

a0371789850_16Mit dem herrlich hartnäckigen Singalong-Mini-Hit „Fifty Dollar Dollar Bottle Of Wine“ beginnt das Quartett um Frontmann Aree den bunten Song-Reigen, der nur selten langweilig wird. Auch wenn es zwischendurch mal nachdenklich oder melancholisch vom Piano aus tönt (wie bei der passablen Feuerzeug-Ballade „The Feeling I Get„), ist die Grundhaltung stets eine positive – eine die das Leben mit gereckter Faust feiert, obwohl es vielleicht nicht immer Geschenke für einen parat halten mag. Der erwähnte Opener reißt einen mit seiner Leidenschaft förmlich mit – insofern man poppigen Ambitionen nicht abgeneigt ist, denn der Mix aus Seventies-Springsteen-Rock, der hier und da gern mit Achtziger-Jahre Bläsern aufgepeppt wird, wirkt wie aus der Zeit gefallen und deswegen irgendwie auch zeitlos – zeitlos schön.

Klar, Aree and the Pure Heart sind mehr dem Mainstream zugewandt und hätten wohl perfekt in das Vorprogramm einer Tom Petty-Show gepasst. Zuweilen – wie beim Classic-Rocker „Under The Streetlight“ – erinnert Arees Gesang gar an Meat Loaf – zum Glück allerdings ohne dessen over-the-top’sches Pathos. Als würde der in stylishe Denim-Fashion gekleidete Punkrock-Frontmann eine Armee von Träumern auf die Welt loslassen, vereint Aree diese ganz besonderen Charakteristika der großen, großen Evergreen-Musiker von Springsteen bis Adams, während er sich die Leichtigkeit von Craig Finn (seines Zeichens Frontmann der New Yorker Kaschemmen-Indierocker The Hold Steady) oder einer – vergleichsweise – sehr ausgeglichenen Laura Jane Grace (Against Me!) behält. All das verbindet er wiederum mit viel Emotionalität, Herzblut, Authentizität und den roughen „The ’59 Sound“-Großtaten von The Gaslight Anthem. Es sind eben nicht selten die unscheinbaren – „kleinen“ – Bands, die das Genre weiterhin spannend gestalten – der Vierer aus Atlanta, Georgia reiht sich nahtlos in diese Geheimtipp-Riege ein.

Auch weitere Songs wie „Never Gonna Die„, „Gasoline Heart„, „Black Cats“ oder „Crash Into The Sun“ laufen gut geölt in die Gehörgänge, wobei es manchmal an den berühmt-berüchtigten Ecken und Kanten fehlt, die ein Lied schlussendlich so besonders, so memorabel machen. Freilich sind Aree, PJ, Chris und Dave handwerklich sehr versiert und verstehen es zweifellos, eingängige Songs zu schreiben, die nach mehrmaligen Hören durchaus für Wiedererkennung sorgen, aber konsequent hängenbleiben möchten die wenigsten der lediglich neun Stücke. Dennoch ist das halbstündige Album im Ganzen mehr als solide und dürfte gerade im nahenden Frühling gern noch einige Fans mehr finden…

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: THE DEADNOTES – „Hopeless Romantic“


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Foto: Promo / Ilkay Karakurt

Vor allem die letzten Jahre haben gezeigt: Die Zeiten sind unsicher und aufreibend, der Ton in der Gesellschaft scheint rau und – zumindest phasenweise – extrem, wenige laut blökende weiße Männer bestimmen scheinbar den Diskurs und die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Genau in solchen Zeiten ist es schön zu wissen, dass viele Punkbands wie Turbostaat und Co. neue Alben veröffentlichen, um sich gegen das breite, tumbe Duckmäusertum zu wehren, um – in welcher Form auch immer – dagegen und für eine Alternative (auch und vor allem zu AfD und Co.) zu stehen. „In Zeiten wie diesen ist es wichtiger denn je, sich gerade zu machen, Mut zu beweisen und andere zu ermutigen“, sagt Darius Lohmüller, Sänger und Gitarrist des Trios THE DEADNOTES, das sich 2011 in Freiburg gegründet hat.

Oft schon wurde seine Band, zu der außerdem Jakob Walheim (Gesang, Bass) und Yannic Arens (Schlagzeug) gehören, vorschnell in die olle Schublade Titels „Emo“ einsortiert. Ein Genre, das sich textlich fast ausschließlich mit dem Inneren, den höchst eigenen Angstspiralen und dem allgemeinem Weltschmerzgrau abmüht. Doch das reicht einfach nicht mehr: „Die Welt und die politische Landschaft können so unglaublich ernüchternd und niederschmetternd sein. Gerade deshalb ist es jetzt wichtig, den ganzen Ärger und den Frust in Taten zu verwandeln, die das Leben für uns alle besser machen.“

4015698110487Doch wider Erwarten hüllen THE DEADNOTES diese Gedanken keineswegs in dumpfen, unreflektierten Weltverbesserer-Rock. Die Gedankenwege und Auseinandersetzung von Darius, Yannic und Jakob zu der Thematik sind stellenweise recht tief. „Hopeless Romantic“ etwa, der erste Vorgeschmack zum am 14. Februar erscheinenden zweiten Album „Courage„, ist nicht nur ein Song, mit dem sich die Band aus ihrer musikalischen Komfortzone heraus wagt, der sich Zeit nimmt, immer wieder zur Ruhe kommt, nur um einem dann in aller Herrlichkeit um die Ohren zu fliegen, während THE DEADNOTES ihrem Indie-Punk-Sound einen leichten Eighties-Touch hinzu mischt, der ihnen überraschend gut steht (was man dann von den Anzügen aus dem Musikvideo nur bedingt behaupten kann). Nein, es ist auch ein Stück Musik für das Hier und Jetzt, ein Fanal für das Gute und den Mut, aufeinander zuzugehen.

Das dazugehörige Musikvideo macht klar, dass die Band aus dem Breisgau immer noch ein zweites Mal um die Ecke denkt. In der „22Lives Late Night Show“ präsentiert das Dreiergespann ihren Song vor Talkgästen, deren Positionen zwar mit dem ganz dicken Stift überzeichnet sind, aber heutzutage trotzdem gar nicht mal so unrealistisch erscheinen. Solche Leute gibt es wirklich! Die laufen draußen rum, reden im Fernsehen, im Radio und verbreiten ihren Schrott in den World-Wide-Web-Kommentar-Feldern!

Schnell merkt man: Auch THE DEADNOTES mögen – immerhin sind die drei noch recht jung – nicht mit der Kelle aus der Suppe der Weisheit geschippt haben, aber sie begegnen den Problemen unserer Zeit mit einem Funken Hoffnung, mit Attitude und mit einem kleinen Schippchen Naivität – warum auch nicht? „Von den verbitterten Idioten nicht verbittern lassen!“ sangen schließlich auch Kettcar kürzlich… – eine Empfindung, die die Band, die bereits über 500 Konzerte in 25 Ländern gespielt hat, schon in ganz Europa sowie 2015 mehrere Wochen durch Russland und die Ukraine und ein Jahr später durch Skandinavien tourte, im Übrigen teilt: „Das toxische kapitalistische System, in dem wir alle leben, begünstigt den Wettbewerb. Die Politik und Industrie erzählen von endlosem Wirtschaftswachstum in einer Welt, die offensichtlich nur über begrenzte Ressourcen verfügt. Ich glaube fest daran, dass, wenn wir uns weniger auf das ‚Gegeneinander‘ konzentrieren, sondern Menschen zusammenbringen, wir etwas viel Besseres erreichen können. Nämlich ein endloses Wachstum an Positivität, Kreativität und großen Ideen.“ (In diesem Interview gibt das Trio mehr Auskünfte…)

Und nicht nur Politisches haben THE DEADNOTES im Sinn: Mit ihrer neuen Single „Never Perfect“ – nach „Cling To You“ und „Makeup“ die vierte Auskopplung aus dem neuen Werk, das über das bandeigene Label 22Lives Records erscheint – haben Darius, Yannic und Jakob eine Mental-Health-Spendenaktion gestartet, schließlich spielt auch auf „Courage“ geistige Gesundheit als Thema eine große Rolle. Im dazugehörigen Musikvideo ist die Flucht einer Person aus der Stadt und aufs Land zu sehen. Die Band kommentiert: „Über Mental Health zu sprechen kann schwierig sein. Eine Depression wird oft übersehen, bleibt unbemerkt oder undiagnostiziert. Dieser Song handelt davon, zur Ruhe zu kommen, Ängste zu überwinden und den Mut aufzubringen, seine Hilfe anzubieten und sich selbst Hilfe zu suchen.“ Mit der Veröffentlichung sammeln die Freiburger langfristig für zwei Organisationen, die ihre Hilfe für betroffene Menschen in der Musik- und Kulturindustrie anbieten: die Spenden fließen an „Ni9ht H3lps – Mental Health Support“ mit Sitz in Deutschland sowie „Help Musicians/Music Minds Matter“ aus Großbritannien. Über den Bandshop-Verkauf von Tickets und Musik sowie Spendendosen auf Konzerten werden die Mittel gesammelt. 

Allesamt gute Ideen, die auch weit übers Musikalische hinaus reichen…

 

 

— THE DEADNOTES – „Courage“ Tour 2020 —

27.02. Oberhausen – Druckluft
28.02. Bremen – Tower
29.02. Münster – Cafe Sputnik
01.03. Köln – Tsunami Club
03.03. Stuttgart – Juha West
04.03. Frankfurt/Main – Nachtleben
05.03. Leipzig – Conne Island
06.03. Berlin – Cassiopeia
07.03. Hamburg – Astra Stube
09.03. München – Sunny Red
10.03. Wien – Rhiz
13.03. Freiburg – Waldsee

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Spanish Love Songs – „Kick“


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Erstes Jahreshighlight, ick hör‘ dir trapsen – Spanish Love Songs haben mit „Kick“ einen neuen Song veröffentlicht und mit diesem ihr kommendes Album angekündigt. Der Nachfolger zum vielerorts gefeierten „Schmaltz“ (welches auch bei ANEWFRIEND unter den liebsten Alben des Jahres 2018 landete) erscheint sogar schon bald…

0010744144_350Genauer gesagt: am 7. Februar. Nur genau einen Monat darf man sich also noch gedulden, dann erscheint mit „Brave Faces Everyone“ das dritte Studiowerk der US-Emo-Punkrocker aus Los Angeles. Dylan Slocum (Gesang, Gitarre), Kyle McAulay (Gitarre), Trevor Dietrich (Bass), Meredith Van Woert (Keyboard) und Ruben Duarte (Schlagzeug) hatten sich nach dem Release von „Schmaltz“ im März 2018 mit leidenschaftlichen Liveshows auch in Europa eine große Fangemeinde erspielt, unter anderem auf eigenen Headliner-Tourneen, mit Auftritten auf größeren Festivals, aber auch als Support von Bands wie Hot Water Music oder den Menzingers, mit denen sie noch diesen Monat live im deutschsprachigen Raum unterwegs sein werden (die Termine findet ihr weiter unten).

„Kick“ ist der erste eindrucksvolle Vorgeschmack auf das neue Album und verspricht, dass jenes nicht weniger erschütternd und euphorisch sein wird als sein Vorgänger. Jeder der zehn Songs auf „Brave Faces Everyone“ soll eine Geschichte von verschiedenen Protagonisten in kleinen Dörfern und großen Metropolen der USA erzählen. „Persönliche Skizzen und die allgemeine Lebensrealität der 2010er“ sollen die Stücke abbilden, immer vermischt mit den eigenen Erfahrungen von Sänger Dylan Slocum.

„Es ist tröstend zu wissen, dass wir uns alle auf dem selben sinkenden Schiff befinden“, so der Frontmann. „Wir wollen uns das mit dem Album eingestehen und die Welt damit ein kleines bisschen erträglicher machen, auch wenn es nur für 40 Minuten ist.“

 

„THIS ALBUM IS US HONING IN ON WHAT WE THINK MAKES OUR BAND RESONATE WITH PEOPLE – NAMELY, THE FEELING THAT YOU’RE NOT ALONE. THESE ARE SONGS ABOUT LOOKING OUTWARD AND FINDING THAT, FOR ALL OUR DIFFERENCES, MOST OF US ARE JUST TRYING TO GET BY AS THE WORLD IS GOING TO HELL AROUND US. WE DON’T HAVE ANY GRAND AMBITIONS BEYOND THAT – WE JUST WANT PEOPLE TO FEEL ACKNOWLEDGED. THERE’S COMFORT IN KNOWING WE’RE ON THE SAME SINKING SHIP. WE WANT THE ALBUM TO BE A KNOWING NOD AND A WAY TO MAKE THE WORLD A SLIGHTLY MORE BEARABLE, EVEN IF IT’S JUST FOR 40 MINUTES.“

(Dylan Slocum)

–Tracklist–

01. Routine Pain
02. Self-Destruction
03. Generation Loss
04. Kick
05. Beach Front Property
06. Losers
07. Optimism
08. Losers 2
09. Dolores
10. Brave Faces, Everyone

 

 

–The Menzingers + Spanish Love Songs + Mannequin Pussy live–

25.01. Hamburg – Gruenspan
26.01. Berlin – Bi Nuu
28.01. Wien – Wuk
29.01. Zürich – Dynamo
30.01. Stuttgart – Universum
31.01. München – Technikum
01.02. Köln – Kantine

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: The Drew Thomson Foundation – „A Little More Time“


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Wer in den letzten Monaten – wohl mehr zufällig – auf seine 2018 veröffentlichte „Stay EP“ gestoßen sein sollte, der weiß bereits, dass Single Mothers-Frontmann Andrew „Drew“ Thomson viel mehr kann, als beißende Texte in einer der unbeständigsten Hardcore-Punk-Bands der letzten Jahre ins Mikro zu spucken. Denn was Thomson in seinem Soloprojekt, The Drew Thomson Foundation, macht, ist etwas ganz anderes…

a0370705959_16Auf deren selbstbetiteltem, im vergangenen September erschienenem Debütalbum dreht sich – ganz anders als bei den Hardcore-Punk-Brechern, die der Mittdreißiger sonst mit seiner im kanadischen London, Ontario beheimateten Hauptband zurecht rockt – alles um große, glänzende Melodien, die in noch größere, heller glänzendere Power-Pop-Songs verpackt werden, in denen sich Drew Thomson öffnet und mit seiner jahrzehntelangen Hassliebe zum Teufel Alkoholismus ins Reine kommt. Jetzt nüchtern und mit einer positiveren Lebenseinstellung, hat sich Thomson in einen „Diät-Coke- und Limetten-Typen“ gewandelt, der nun – schlichtweg und erfreulicherweise – gar nicht mehr das Bedürfnis hat, ständig wütend zu sein.

Musikalisch sprechen wir hier im Gros über Pop-Rock im Stil der späten Neunzigerjahre, wie Third Eye Blind, Gin Blossoms oder die Goo Goo Dolls – jedoch mit gerade genug Punk-Spirit, um nachhingehend gemeinsame Touren mit Bands wie Dirty Nil oder New Swears zu rechtfertigen. Manch ein Indierock-Connaisseur mag auch an die melodienseligen Anfangstage eines Jesse Malin denken.

Neben feinen Songs wie „Stay“ oder „Pace Yourself“ (welche bereits auf der Debüt-EP zu hören waren) dürfte die Single „A Little More Time“ sicherlich eines der Highlights des Albums darstellen, schließlich spiegelt diese Thomsons Mischung aus doppelbödiger Heiterkeit und riffgeschwängerter Melancholie mit am besten wider – übrigens ebenso wie das dazugehörige Musikvideo. Darin sieht man einen Tag in Drews Leben, komplett mit Akustikgitarren auf Parkbänken und gelegentlichem Eis. Andererseits malen die Aufnahmen von Thomson, wie er mit den Blumen spielt, die nach ihm geworfen werden, oder wie er paralysiert in einer Ballon gewordenen Halluzination auf seiner Couch sitzt, das Bild eines Typen, der vielleicht nicht (komplett) verrückt ist, aber definitiv mit etwas Heftigerem zu tun hat, als an einem sonnigen Tag ein flottes Lied übers Vermissen und An-jemanden-denken zu spielen.

Laut Regisseur Ryan Brough „zeigt uns Drew Thomson von der Drew Thomson Foundation in dem neuen Video zu ‚A Little More Time‘ seinen Alltag. Das Video ist ein Tag im Leben eines Mannes mit seiner Strickjacke, Katzen und Kaffee. Das Video zeigt eine ungeschminkte Seite von Drew und hält sie real und auf den Punkt. Das Video spielt in der Stadt, in der Drew lebt, Hamilton. Folgen Sie Drew, wie er den Hammer erforscht und uns sein wahres Gesicht zeigt.“

Oder, in Drew Thomsons eigenen anspielungsreichen Worten: „Wir taten ein paar Schritte in meinen Schuhen, beobachteten mein Leben wie eine Tüte im Wind und versuchten, die Dämonen noch ein wenig länger in Schach zu halten.“

 

 

Rock and Roll.

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