Schlagwort-Archive: Punk Rock

Tradition, Tradition! – Das UK-Label Big Scary Monsters verschenkt (s)einen Label-Sampler


bsm

Weil Traditionen etwas Schönes sind – und freilich auch irgendwann, irgendwie verpflichten -, verschenkt das britische Indie-Label Big Scary Monsters auch in diesem Jahr – wie bereits 2018 und in den Jahren zuvor – (s)einen satte 23 Auszüge aus dem diesjährigen Veröffentlichungskatalog starken Label-Sampler mit einer bunten Auswahl querbeet durch sein aktuelles Künstlerangebot und Release-Oeuvre irgendwo zwischen Indie- und Punkrock, Emo, Post-Hardcore oder Mathrock.

Mit dabei sind 2019 Bands und Künstler wie The Get Up Kids, Orchards, American Football, Proper., Cultdreams, Great Grandpa, And So I Watch You From Afar, Nervus, Pedro The Lion oder Jamie Lenman (also auch der ein oder andere Name, von dem in diesem Jahr auf ANEWFRIEND zu lesen war). Wohl bekomm’s!

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: O Captain! My Captain! – „Hospital Walls“


OCMC

„O Captain! My Captain!“ – natürlich kommt wohl jedem, der den Begriff „Kultur“ bislang nicht ausschließlich mit dem Anhang „-beutel“ verband, bei diesem Ausspruch sofort ebenjene legendäre Szene aus dem Film „Der Club der toten Dichter“ mit dem ewig großen Robin Williams in den Sinn, eventuell gar das Gedicht des amerikanischen Dichters Walt Whitman, aus dem ebenjene Zeile schließlich entnommen ist. Aber eine deutsche Band aus dem Saarland? Wohl kaum.

Zugegeben: So richtig umtriebig waren O Captain! My Captain! in den letzten Jahren ja auch nicht, das jüngste Studiowerk „Chasing Fireflies“ erschien 2015. Umso schöner, dass sich das Saarbrückener Vierergespann, welches einst als Solo-Projekt von Sänger und Songwriter Pascal Vicari startete, nun mit dem neuen Song „Hospital Walls“ zurückmeldet. Der grundsolide mit feiner Melodie und GitarreSchlagzeugBass plus Bläsereinsatz in die Gehörgänge rockende Dreieinhalbminüter wird Teil des im Frühjahr 2020 erscheinenden neuen Albums sein. Wer also auch sonst ein Freund von bierseligen Karohemdträgern der Punkrockfolk-Liga wie Chuck Ragan und Co. sein sollte, dem seinen O Captain! My Captain! wärmstens empfohlen…

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Schrottgrenze – „Traurige Träume“ (feat. Sookee)


Schrottgrenze_2019_Pressefoto_von_Chantal_Pahlsson-Giddings

Foto: Promo / Chantal Pahlsson-Giddings

„Schämen sollten Sie sich!“ oder „Traurig, diese Männer von heute“ – diese und ähnliche Nasenrümpfer mit Früher-war-ja-alles-besser-Bezug sind gewöhnliche Reaktionen, mit denen Saskia Laveaux wohl täglich zu tun hat. Selbst wenn man beim zwanzigsten Kleingeist-Spruch nicht mehr hinhört, fast abstumpft, so sollte das eben nicht egal sein: Traditionalisten und Moralisten der alten Schule zeigen mit Anfeindungen und Drohungen seit eh und je auch heute noch ebenso harsch wie laut, dass sie Fortschritt und Freiheit nur dulden, wenn sie die Grenzen selbst definieren. Umso wichtiger ist jede Stimme, die sich diesen Kleingeist-Rückschrittlern lautstark entgegen stellt.

Mit „Glitzer auf Beton“ öffnete Laveaux, die mit bürgerlichem Namen Alex Tsitsigias heißt, nach ihrem späten Transgender-Coming-Out ein neues Kapitel. Die erste Schrottgrenze-Platte nach sieben Jahren Pause war vor zwei Jahren nicht nur ein Comeback unter vielen, denn in ihrer absoluten Konsequenz queere Themen zu bringen, besetzten Schrottgrenze fortan eine Lücke in der deutschen Indie-Punkrock-Szene.

schrottgrenze-alles-zerpfluecken-205153.jpgAlles Zerpflücken„, das neue Album der vierköpfigen Band aus dem niedersächsischen Peine (die es mittlerweile weiter nach Hamburg verschlagen hat), unterstreicht die Aussagen des Vorgängers nun noch einmal mit dickster Regenbogenfarben-Edding-Breitseite. Es werden Fragen gestellt, die etwa im Formatradio mit all seinem Mark-Forster-Kalenderspruch-Einheitsbrei, in dem eine wie Sarah Connor mit einem (recht braven) Song übers Schwulsein bereits ein mittleres Skandälchen auslöst, auch 2019 gänzlich fehlen. Fragen über Rollenklischees, toxische Männlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Kapitalismus- und Konsumkritik sowie natürlich die LGBTQ-Community. All das verpacken Schrottgrenze in zehn ihrer recht typischen Indie-Pop-Hymnen. Die hoppeln mal in Richtung hypermelodischer Power-Pop, tragen mal ein paar Reggae-Vibes sowie launige The-Clash-Reminiszenzen in sich (das Titelstück) oder geraten gar vergleichsweise wütend („Räume„). Mit „Das Kapital“, einer in Wort und Melodie ins 21. Jahrhundert transportierten Adaption des 38 Jahre alten Slime-Songs „Deutschland muss sterben„, erweisen Alex „Saskia Laveaux“ Tsitsigias (Gesang, Gitarre), Timo Sauer (Gitarre), Hauke Röh (Bass) und Benni Thiel (Schlagzeug) ihren deutschen Punk-Wurzeln die Ehre (passenderweise waren hier auch Slimes Michael „Elf“ Mayer und Dirk „Dicken“ Jora mit an Bord).

Dass nicht jedes der zwei Handvoll Stücke zur lyrischen Höchstleistung gerät (und manchmal auch die Instrumentierung etwas fad bleibt), stört kaum, schließlich haben Schrottgrenze die beiden wohl besten Stücke gleich an den Anfang des neuen Albums gestellt: Der ebenso schnörkellose wie verdammt eingängige Opener „Life Is Queer“ feiert mit Zeilen wie “Love is love and it knows no gender” oder „Ich bin ’ne kräftige Schwester / Mit Make-Up gegen die Angst“ (s)eine kunterbunte Gesellschaft, in der Diversität mehr ist als ein soziologischer Fachbegriff, und positioniert sich als 2019s Indie-Hymne für Gleichberechtigung und sexuelle Freiheit – für „eine Welt, in der man ohne Angst einfach verschieden sein kann“. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch das kaum weniger ohrwurmige „Traurige Träume“, bei dem sich Schrottgrenze gemeinsam mit der Berliner Rapperin Sookee (über die auf ANEWFRIEND vor einiger Zeit bereits die Schreibe war) offen gegen Rassismus oder kleingeistiges Hinterwäldlertum aussprechen. Über enge Grenzen hinaus gedachter Punk mit Regenbogen-Attitüde gegen das bundesdeutsche Protestler-Einheitsgrau – bei diesem Album, das oft genug die richtigen Worte findet, um wichtige politische Anliegen in die Welt zu tragen, lohnt sich das Hinhören.

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: The Screenshots – „Wir lieben uns und bauen uns ein Haus“


the-screenshots

Die „Generation Internet“ fördert ja vor allem im musikalischen Bereich so einige interessante Entwicklungen und – gerade durch die Brille gesetzterer Semester – gruselige Neuschöpfungen zutage. Da werden Charts derart durch Klick-Baits und Streaming-Eintagsfliegen verunstaltet, dass selbsternannte „Künstler“, von denen wohl außerhalb ihres Genres (geschweige denn ihrer digitalen Fan-Crowd) bislang kein – pardon my French!Schwein je gehört hat, plötzlich als mehrfache Nummer-eins-Hit-Lieferanten geführt werden. Wo interessierte Hörer früher noch vor Plattenläden Schlange stehen mussten, reichen heute drei, vier Klicks, um Zugang zu ganzen Diskografien zu erlangen. Regnet’s draußen? Stört mich nicht. Keine saubere Hose? Brauch‘ ich nicht. Ach du schöne neue Netzwelt…

Ebenso frisch ins Sortiment der tönenden Neuschöpfungen genommen: Die „Twitter-Band“. Gibt’s nicht. Doch, doch. Und wer nun ebenso Unsägliches befürchtet wie etwa beim Thema „Cloud Rap“, den belehren The Screenshots eines Besseren.

Deren drei Teile, die sich relativ nonchalant Kurt Prödel, Susi Bumms und Dax Werner nennen, lernten sich vor nicht allzu langer Zeit dank ihres jeweils recht regen Mitteilungsbedürfnisses auf dem US-Mikrobloggingdienst mit dem hellblauen Vögelchen im Logo kennen. Und da alle rein zufällig Hausschlüssel für Türen in der „Powerstadt“ Krefeld besaßen, beschlossen sie, denn mal eben eine Band zu gründen.

unnamed-2

So viel breitbandbetriebener Sinn für schnellschießende Slogans und Schnapsideen kann schnell schal bis – jawoll! – scheiße klingen – tut es jedoch im Fall von The Screenshots nicht (oft). Im besten Fall liefern Kurt Prödel, Susi Bumms und Dax Werner auf ihren im vergangenen Jahr via Bandcamp veröffentlichten (Mini-)Alben „Ein starkes Team“ und „Übergriff“ (beide liegen mit Längen von gerade einmal 18 beziehungsweise 24 Minuten ganz im Trend aller urbanen ADHS-Hipster-Fashionistas und stehen via Bandcamp wahlweise kostenneutral zur Verfügung) zu rumpeligem Punkrock und mit sich überschlagender Stimme mantraartig vorgetragene Plattitüden aus der digitalen Welt und offenbaren an manch einer Stelle durchaus tiefenscharfe Analysen des Jetzt.

Da ist einiges an ähnlich intelligentem Stumpfsinn, der einst zu den Geburtshelfern des deutschen Punk (Duftmarken: Hans-A-Plast, Abwärts) gehörte, viel Lust an dezent dadaistischem Sarkasmus, eine Prise Lebenswichtigkeit, die Rockmusik hin und wieder für sich reklamiert, das schmelzig-schroffe „Duhuhu“ des Schlagers, aber auch eine an „Hamburger Schule“-Bands wie etwa Tocotronic oder Blumfeld erinnernde Ahnung von Wut und Irritation, die die Songs proberaumig rumpeln lässt. Denn was irgendwo rumort, muss schließlich raus, die wahren Themen liegen ja auf der Straße: Liebe, Geld, Europa, Fußball. „Manchmal ist auch eine WM in einem anderen Land, dann grillen wir dicke Würstchen, und zünden dann was an.“ Viele kleine Antithesen zu den Tweets eines Donald J. Trump…

81uHkPLy6hL._SY355_Wenig verwunderlich also, dass The Screenshots, die beide Digital-Werke im vergangenen Dezember ganz großstädtisch und hipster-esk noch einmal auf der „Europa LP“ gebündelt veröffentlicht haben (obwohl laut eigener Aussage keiner der drei einen Plattenspieler besitzt), vor allem in der digitalen Welt allerhand Kuss-Emojis zufliegen. So bescheinigt „ZEIT Online“-Schreiberling Lars Weisbrod den Krefeldern “Diskurspop auf der Höhe der Zeit”, „Rolling Stone“-Redakteur Jens Balzer hörte in Stücken wie „Deutschland„, „Fußball ist cool„, „Cornetto“ oder „Männer“ gar den “aufregendsten deutschsprachigen Gitarrenrock der Stunde”, der sich „unironisch ins Mark der Postinternet-Generation” (sehrsehrgutetexte.com) spielt. Und Jan Böhmermann? Der holte die Band, nachdem sich diese zu Stammgästen in seiner Spotify-Playlist entwickelten, gar für ihren ersten TV-Auftritt überhaupt in sein „NEO Magazin Royale“, wo The Screenshots im vergangenen Dezember den Song „Google Maps“ zum Besten gaben. Wenn man bedenkt, dass das Trio mit seinem Liedgut, bei dem man sich nie so ganz sicher sein kann, ob da nun übermäßig viel oder besorgniserregend wenig Ironie mit an Bord ist, ähnlich oft auf der humorigen Rasierklinge tanzt wie ebenjener Jan Böhmermann und sein Kreativteam, passt das bestens.

Nee, The Screenshots wollen ganz sicher keine ewiglichen Meisterwerke liefern. Aber mit ihren Zeitgeist-Kommentaren aus der Post-Internet-Punk-Perspektive surfen Kurt Prödel, Susi Bumms und Dax Werner verdammt stilsicher auf ihrem tönenden hellblauen Vögelchen…

 

 

Für das Musikvideo zum neuen Song haben The Screenshots – Newcomer hin, Newbies her – echte Starpower versammelt, schließlich stehen da Indieschuppen- und Stadionrock-Größen wie Thees Uhlmann, Judith Holofernes, Olli Schulz, Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg oder Die Ärzte in piefiger Baumarkt-Kulisse Spalier – irgendwie. Glaubste nicht? Schauste hier:

 

D-dn4UfXkAI1Z-l.jpg

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: blink-182 – „Darkside“


blink-182-2019-press

Eines dürfte klar sein: Aus blink-182 wird in dieser unserer Musikhistorie keine verkopft-sozialkritische Truppe mehr – den Job dürfen gern die Punker-Kollegen von – meinetwegen – Artig-Flag übernehmen. Und trotzdem kann man auch auch 2019 den Songs von Mark Hoppus, Travis Barker und Alkaline-Trio-Mann Matt Skiba, der nach dem Rausschmiss von Tom DeLonge im Jahr 2015 mit an Bord ist, nicht gänzlich die Daseinsberechtigung absprechen.

Obwohl auch an den Pop-Punk-Rockern aus San Diego, Kalifornien die Zeit merklich Spuren hinterlassen hat. Wo das Trio Ende der Neunziger mit simplem, jedoch auch irgendwie anarchisch-schmissigen Tanzflächen-Fegern wie „All The Small Things„, „Adam’s Song„, „The Rock Show“ oder „What’s My Age Again?“ noch zigtausende Parties weltweit zum Bersten brachte, wirkt nun Vieles, was blink-182 da in den letzten Jahren versuchten, irgendwie… ja: bemüht. Denn logischerweise wirken drei Männer Mitte Vierzig (Hoppus ist 47, Barker und Skiba sind jeweils 43 Jahre alt), die auf der Festival-Bühne den Fun-Punker raushängen lassen, nur bedingt glaubhaft (gleiches könnte man übrigens von KoRn-Frontmann Jonathan Davis behaupten, der in ähnlichem Alter von 48 Lenzen noch immer lautstark zeternd seine Teenage Angst kultivieren mag). Und aus Mangel an Ideen heißt es trotz alledem für blink-182: The show musst go on.

2910738_1_articlefancybox_5d81e791cb159.jpgDas neuste Ergebnis ist „Nine„, das – Obacht! #schenkelklopfer – achte Studiowerk der blinker. Und auf ebenjenem bietet das Pop-Punkrock-Trio auch im 27. Bandjahr noch ganz ähnliche Riffs, Hooks und Pennäler-Lyrik wie auf Erfolgswerken wie „Enema Of The State“ oder „Take Off Your Parts And Jacket“ – nur eben mit zwei Jahrzehnten mehr auf dem Buckel. Im schlimmsten Fall kommen dann noch Beats, Synthies und andere Effekte hinzu, bevor Produzent John Feldmann die Songs mit kantenloser Lollipop-Mische in eine meterdicke Schicht Zuckerwatte packt – gitarrenes US-Westküsten-Fast-Food eben, nur eben zu oft maximal überportioniert. Man kann bei alledem von Glück sprechen, dass Hoppus, Barker und Skiba auch jenseits jeder Juvenilität das Gespür für feine Melodien nicht gänzlich abhanden gekommen ist. Der beste Beweis hierfür dürfte das knackige „Darkside“ sein, dem zwar auch eine gewisse holzhammerhafte Penetranz innewohnt, das jedoch immerhin mit blink-182-Tribute-Bridge und annehmbarer Hook versöhnt. Da machste nix – Ohrwürmer können blink-182 noch immer.

 

 

„She’s a girl dressed in black from another world
Lives and breathes like a girl from another world
She don’t know my name (She don’t know my name)
She don’t have the time of day
Celebrate, medicate ‚til we numb the pain
In the sun‚ it’s still dark‚ like it always rains
She don’t feel the same (She don’t feel the same)
She don’t have the time of day

And I wait‚ and I wait, and I wait
And I wait, and I wait‚ and I wait
And I wait for her…

I don’t care what you say, no
I don’t care what you do
I’m goin‘ to the darkside with you
I’m goin‘ to the darkside with you…

She’s a girl, I look back to what could have been
Her cloak and dagger, mouth tastes like medicine
She won’t last the night (She won’t last the night)
Spun out in the neon light
You would leave, but you need me to numb the pain
You’re possessed and you slept through another day
You don’t feel the same
And I don’t have the strength to stay

And I wait, and I wait, and I wait
And I wait, and I wait, and I wait
And I wait for her…

I don’t care what you say, no
I don’t care what you do
I’m goin‘ to the darkside with you
I’m goin‘ to the darkside with you…“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

„Bad Reputation“ – Die Dokumentation über Punkrockerin Joan Jett


badreputation

Joan Jett? Fair enough, denn natürlich kommt sicherlich jeder und jedem zuerst ihr 1981er Nummer-eins-Hit „I Love Rock’n’Roll“ in den Sinn. Aber: Joan Jett ist so viel mehr als ebenjene Nummer, die derb-feministische Lederjacken-Attitüde mit beinahe zuckersüßem Bubblegum-Pop vereint (und später noch einmal von einer gewissen Britney Spears hervor gekramt wurde). Die heute 61-Jährige war in den wilden Siebzigern  erst federführende Gitarristin, dann Stimme und Rückgrat der All-Female-Hard-Rock-Band The Runaways (hier sei allen das sehenswerte 2010er Biopic „The Runaways“ empfohlen), nach deren Auflösung Anfang der Achtziger einflussreiche Solo-Heroin, die mit Songs und Gestus einen großen Anteil an einer ganzen Reihe von Musikstilen und Bewegungen von den „Riot Grrrls“ bis hin zum Grunge hat. Gemeinsam mit Partner und Produzent Kenny Laguna startete Jett einst ihr eigenes Label aus ihrem Kofferraum heraus, wurde von ganzen 23 Labels abgewiesen – und ging trotzdem unbeirrt ihren Weg getreu des Mottos „No bullshit, man!“. Heute gilt die engagierte und überzeugte Feministin, Menschen- und Tierrechtlerin und Punkrockerin by heart, die 2015 mit ihrer Begleitband The Blackhearts verdientermaßen in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen wurde, als Vorbild für ganze Generationen von Kollegen und Musiker und Musikerinnen!), von Kathleen Hanna (Bikini Kill, Le Tigre) über Laura Jane Grace (Against Me!) bis hin zu Iggy Pop, Debbie Harry (Blondie), Billie Joe Armstrong (Green Day), Pat Smear (Foo Fighters, Ex-Germs) oder Miley Cyrus. Unvergessen auch ihr Gastspiel als Kurt-Cobain-Ersatz bei „Smells Like Teen Spirit“ anlässlich Nirvanas Aufnahme in die „Rock and Roll Hall of Fame“ im Jahr 2014:

MV5BMjUwNTIzMDY5OF5BMl5BanBnXkFtZTgwMTMzMjg5NTM@._V1_SY1000_CR0,0,674,1000_AL_Die 2018 erschienene Musik-Dokumentation „Bad Reputation“ nimmt den interessierten Zuschauer mit auf einen wilden Ritt entlang des steinigen Weges, den Joan Marie „Jett“ Larkin zuerst mit den Runaways in den Siebzigern, in einem Los Angeles zwischen Disco und wilder, aufkeimender Punk-Szene, nehmen musste, dann mitten hinein in ihren Kampf um Akzeptanz und Relevanz in den Achtzigern und Neunzigern. Zusätzlich zu Interviews mit Wegbegleitern und prominenten Fans sammelte Regisseur Kevin Kerslake für die kurzweiligen 90 Minuten allerhand großartiges Archiv-Material aus Jetts Karriere zusammen. Der Tenor ist klar: Obwohl die (meist männlichen) Leute versuchten, Joan Jett nach ihrem Gusto zu formen und zu definieren, hat sie selbst kaum Kompromisse gemacht. Joan Jett ist Punkrock. Joan Jett ist das Role Model aller weiblichen Rockstars. Joan Jett ist eine der ganz Großen der Musikhistorie. Und nicht ohne Grund meint selbst Blondie-Grand-Dame Debbie Harry: „Rock n Roll Animal – I mean, if there’s ever anyone that fit that description, it’s Joan – through and through.“

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: