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Song des Tages: Frightened Rabbit – „No Real Life“


Alan MacGregor Ewing - The Sun Glasgow

Foto: Alan MacGregor Ewing / The Sun Glasgow

Nachdem Frightened Rabbit im September vergangenen Jahres ihrem 2016 erschienenen letzten Album „Painting Of A Panic Attack“ mit „Recorded Songs“ noch eine EP mit drei neuen Stücken nachschoben (unter anderem, mit „How It Gets In„, ein tolles Duett zwischen Scott Hutchison und Julien Baker), legte das Indierock-Quintett aus dem schottischen Glasgow im Dezember 2017 noch ein letztes Mal nach und veröffentlichte mit „No Real Life“ einen Song, in dessen beigelegter Twitter-Nachricht die Band ihre Fans dazu aufrief, für die schottische Alzheimer-Stiftung zu spenden: „With your help, their aim is to make sure that nobody in this country faces dementia alone.“

Auch thematisch beschäftigt sich „No Real Life“ anhand von Textzeilen wie „There’s a hole at the back of the wardrobe / There’s another at the base of my brain“ mit der traumatischen Erfahrung, Stück für Stück all seine Erinnerungen zu verlieren, während der Song mit einer dezenten Akustikgitarre beginnt und sich langsam aber sicher – mit allerlei Band-Feedback und Streichern – majestätisch steigert. Ein gut vierminütiger Schwanengesang von und für Scott Hutchison und Frightened Rabbit, wie er kaum besser gewählt sein könnte: melancholisch, traurigen Herzens, kämpferisch, groß.

 

 

„There’s a hole at the back of the wardrobe
There’s another at the base of my brain
There’s a code word and does he answer it
I can make my swift escape

I see light in the crack of the door way
That extra-terrestrial glow
So cocoon my body, transport me
I don’t care to live in this world anymore

Soaking the midnight songs in the half light or real life
I just want to make believe
Given hope in the form of a Christmas light, no real life
I just want to make believe…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Owl John – „Songs About Roses“


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Dass Scott Hutchison stets – in kreativem Sinne – umtriebig war, ist keine Übertreibung (und – Hühnersteinleserei hin oder her – am Ende wohl seiner Depression geschuldet, die ihn schlichtweg zwang, sich beschäftigt zu halten.)

So brachte es der vor wenigen Tagen im Alter von nur 36 Jahren verstorbene Musiker aus dem schottischen Selkirk respektive Glasgow – nebst zig EPs – auf fünf Alben mit seiner Band Frightened Rabbit sowie das ein oder andere „All-Star-Kollektiv“ wie The Fruit Tree Foundation oder Mastersystem (von denen in den kommenden Tagen an dieser Stelle wohl noch zu lesen und hören sein wird) oder vereinzelte Kollaborationen (wie das Stück „How It Gets In„, das er zuletzt unter dem Frightened-Rabbit-Banner gemeinsam mit der kaum minder tollen Julien Baker aufnahm).

Außerdem fand Hutchison im Jahr 2014 ausreichend Zeit und Energie, um unter dem Alias Owl John (s)ein selbstbetiteltes Solodebüt in die Plattenregale zu stellen. Obwohl: „solo“? Denn sieht man einmal vom Thematischen ab (den darauf einhaltenden zehn Songs steckt phasenweise die Schwermut weitaus tiefer in den Gliedern als den ohnehin bereits nicht allzu himmelhoch jauchzenden Frightened-Rabbit-Stücken), so hätten die 35 Albumminuten wohl auch ihren Platz auf einem Werk seiner Hauptband gefunden (nebst der Tatsache, dass ihm das ein oder andere FR-Mitglied bei der Fertigstellung unter die Arme griff). Die zu kleinen Experimenten neigenden Geradeaus-Rocker sind ebenso da („Red Hand„, „Hate Music„) wie die stillen Kleinode.

Das wohl schönste Beispiel für letztere Kategorie ist ohne Zweifel „Songs About Roses“, in dem Scott Hutchison einmal mehr kongenial Sozialkritik mit der Suche nach Liebe vermengt. Außen und innen. Verstand und Herz. Ergibt, schlussendlich: reinste Gänsehaut.

 

 

„Dedicate a life
to the dying breed
Throw a punch into the face
of vacant leaders and leave

Chloroform the singer
who has nothing to say
Stare in wonder as the masses
sing along anyway

Pull apart the actors
pretending to grieve
They never went to the funeral
and they never believed

Shake your burning placard
on the government lawns
Have faith that there is consequence
in protest songs

Bulldoze the pedestrian
blues and the beige
And those who only write
to get blown and get paid

Songs about roses
and poisonous lies
Every last rose says
you’re not even trying

When nobody asked you and
nobody cares
If we never hear another
song about roses again

We don’t need songs about roses
We don’t need your terrible blues
We don’t need songs about roses
Please sing me something new
All that we ask for is truth…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Sandlotkids – „Super Bowl“ (Zeitstrafe Headquarters Session)


Photo- Bernhard Schinn

Foto: Bernhard Schinn / Facebook

„five dudes from munich, germany.
we love dogs, food and music i guess.“

Okay, diese humorig-knappe Selbstbeschreibung via Facebook sagt eigentlich alles. Und irgendwie auch nix.

So ganz ernst scheinen Sandlotkids weder sich noch ihre Musik zu nehmen, anders ist es kaum zu erklären, dass sich das Emorock-Quintett aus der bayrischen Landeshauptstadt hinter Gang-Pseudonymen wie „T-Dog“, „Shosho“, „Fabsl“, „Cookie“ und „Carl“ versteckt. Dabei haben die absolut kitschfreien, angenehm daher rockenden Songs – seit Bandgründung im Jahr 2013 sind etwa eine Handvoll Singles und EPs (digital) erschienen – durchaus mindestens nationale Indie-Klasse.

 

Besonders schön: diese Version des Songs „Super Bowl“, den Sandlotkids seines Zeichens im vergangenen Oktober als Teil ihrer jüngsten Single veröffentlichten, und im Februar diesen Jahres bei einer reduzierten Session in der Zentrale ihres Hamburger Labels „Zeitstrafe“ zum Besten gaben:

 

„there is a look on your face
it’s the look of disgrace
towards me
what did i do?
i just listened to what my heart was saying
it was speaking true
to me about you
and i’m sorry
oh so sorry

you are the super bowl
and i’m just some kid playing ball on the street
you are stuck and i am free
but you are forever
and i am fading away

so i made it worse where there was no bad
by just lying there next to you in bed
that wasn’t made for you and me
had no room for me to sleep
but i tried
yeah, i tried to hard
i made it worse by playing dead
i made it bad
i made it sad

i am a car crash
and i thought you’re the hospital
but you are a funeral
you are a funeral

i am a car crash
and i thought you’re the hospital
but you are a funeral
my beautiful funeral

you are the super bowl
and im just some kid playing ball on the street
you are stuck and i am free
but you are forever
and i am fading away“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Quiet Slang – „Future Mixtape For The Art Kids“


Quiet-Slang

Schon interessant – kaum präsentiert sich ein bekannter Song in neuem musikalischem Gewand, schon wird er vom ganz okayen Skip-Kandidaten zum Heavy-Roation-Ohrwurm. So geschehen heute mit „Future Mixtape For The Art Kids“.

Denn obwohl das Stück bereits 2016 auf „A Loud Bash of Teenage Feelings„, dem zweiten Album des aus Philadelphia, Pennsylvania stammenden Indiepunkrock-Quartetts Beach Slang, erschien, entfaltet sich der Dreiminüter erst nach (s)einer Piano-meets-Streicher-Neubehandlung zu voller Größe.

Insgesamt scheint die Idee von Beach Slang-Frontmann James Alex, als Quiet Slang mit einer intim(er)en Variante seiner Hauptband an den Start zu gehen, eine durchaus brillante zu sein, schließlich kommt sein herrlich ungeschliffen-raues Organ zu Piano, Akustischer und Streichern nun voller zur Geltung.

a0562513612_16Nachdem bereits im vergangenen Jahr mit „We Were Babies & We Were Dirtbags“ eine erste EP unter dem Quiet Slang-Banner erschien (welche nebst balladesken Überarbeitungen der Beach Slang-Stücke Bad Art & Weirdo Ideas“ und eben „Future Mixtape For The Art Kids“ auch Coverversionen der Replacements- beziehungsweise Big Star-Evergreens „Androgynous“ und „Thirteen“ enthielt), ist nun für Mai das erste vollwertige Quiet Slang-Werk „Everything Matters But No One Is Listening“ angekündigt. Und wenn man weiteren Vorboten wie „Dirty Cigarettes“ oder „Noisy Heaven“ Glauben schenken darf, so wird es vor allem eines: sehr, sehr geil. Wem etwa der poppige Punkrock-Ryan Adams á la „Rock ’n‘ Roll“ zusagen sollte (an den James Alex übrigens auch optisch erinnert), dem seien die reduzierten Ohrwürmer von Quiet Slang also wärmstens ans Hörerherz gelegt…

 

„Play it loud
Play it fast
Play me something that will always last
Play it tough
Play it quiet
Play me something that might save my life
We’re not lost, we are dying in style
We’re not fucked, we are fucking alive
I hope I never die
Stick your heart on your sleeve
If it breaks, stitch it on to me
Bash it back into shape
You might be cracked, but I won’t let you break
We’re not lost, we are dying in style
We’re not fucked, we are fucking alive
I hope you never die
A generation waits to bleed
For broken kids no one needs
There is heaven in these streets
There is heaven in these streets
I’m with you
Are you with me?
We’re not lost, we are dying in style
We’re not fucked, we are fucking alive…“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Typhoon – „Prosthetic Love“


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Typhoon als Band im herkömmlichen Sinne zu beschreiben, käme ebenso einer dezenten Untertreibung gleich wie die Behauptung, dass deren Alben reine Ansammlungen neuer Songs seien.

Dem zum einen bringen bei der Indiefolkrock-Band aus Portland, Oregon meist mehr als zehn Musiker die Aufnahmestudios und Konzertbühnen zum Platzen, zum anderen passt bei wohl keiner anderen Band im Indiefolk-Genre der „Kopfkino“-Sticker auf dem Plattencover besser zum darauf zu hörenden Inhalt. So vertonte Frontmann Kyle Morton mithilfe seiner zahlreichen Mitmusiker etwa auf dem dritten, 2015 veröffentlichten Album „White Lighter“ die eigene, lebensbedrohliche Krankenakte nebst folglich verpasster Kindheit, oder auf dem neusten, im Januar veröffentlichten Werk „Offerings“ die Geschichte eines Mannes, welcher nach und nach droht, sein Gedächtnis, und damit all seine Erinnerungen und Geschichten, zu verlieren. Prädikate: tiefmenschlich, poetisch, fordernd, vereinnahmend. Typhoon-Alben mögen zwar – aller vordergründigen Indiefolk-Leichtigkeit zum Trotz – das Gegenteil von Easy Listening sein, bieten dem gewillten Zuhörer jedoch stundenlange Beschäftigung in Klang- und Storywelten, deren Kloß-im-Hals’sche Faszination sich erst nach und nach gänzlich entfaltet…

 

Einer der besten Songs im Typhoon’schen Backkatalog dürfte „Prosthetic Love“ (vom bereits erwähnten Werk „White Lighter“) sein, in welchem Kyle Morton vom Hoffen und Bangen der Liebe erzählt…

 

…und das Morton kurz darauf noch in einer kaum weniger herzerweichenden Piano-Version neu aufnahm:

 

„My folks, they left the TV on
I was falling in love years before I ever met someone
Like a prayer you don’t expect an answer
Though you ask for one

And sure my love would come along
Like some little bird and only I would recognize it’s home
Like the actors I see on the television
With the stage lights on

What I found was a gamble
You threw yourself in with me
Made a cross and you lit a candle

But we were only strangers calling in a dark room
Rejecting stars or cozy lives on the wall
In the dark I thought I saw you
Or was it nothing at all

Everyone I ever knew
I’m giving it all to you
I’m asking everything in return
And I have nothing left to lose
I’ll get it back through you
And take your offer

This time I wake I’m still alive
Now in my expiration date imagine my surprise
Some backwards take on the book of Job
His life was a wager and mine’s a joke
Give him what he wants, he will never know
He’s tired of trying to let himself go

With everyone I ever knew
I’ve gotten used to use
I’ve grown attached to you being here
With everyone I ever knew
I’ve learned to count on you
As not on my fingers

With everyone I ever knew
I’ve gotten used to use
I’ve grown attached to you being here
With everyone I ever knew
I’ve learned to count on you
As not on my fingers“

 

Rock and Roll.

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