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Song des Tages: Twin Oaks – „Eighteen Minutes“


Twin-Oaks

Wer den Schnellschuss im Assoziationsurteil bevorzugt, und lediglich den vorzüglichen Song „Eighteen Minutes“ als Grundlage nimmt, der könnte mutmaßen, dass es sich bei Twin Oaks um Wiedergänger von Daughter handelt. Und würde gar nicht mal so falsch liegen, denn auch die Band aus Upland, Kalifornien macht sich – zumindest in diesem Stück, welches von der im vergangenen Jahr erschienenen „Collapse EP“ stammt – typische Daughter’sche Stilmittel zueigen: die ruhige, melancholische Soundbrise zum Einstieg, bevor GitarreSchlagzeugBass Anlauf nehmen und den Song gegen Ende in einen amtlichen, urplötzlich verebbenden Shoegaze-Klangorkan verwandeln. Und auch der Stimme von Twin-Oaks-Frontfrau Lauren Brown kann man nicht ganz absprechen, wie Elena Tonras sister from another mister zu klingen…

a1013610861_10Auch andere Referenzbands wie London Grammar (der elektronischen Unterfütterung mithilfe von Beats und Loops wegen, welche vor allem das 2015 veröffentlichte Twin-Oaks-Album „White Noise“ auszeichneten) oder Lamb (auch von den Folk-meets-Indietronic-Großtaten der britischen Trip-Hop-Koryphäen sind die Kalifornier nie weit entfernt, während Louise „Lou“ Rhodes als weitere stimmliche Schwester zu Lauren Brown nur allzu nahe liegt) lassen beim Twin Oaks’schen Indie-Dreampop eher melancholische Großstadt-Nebelschwaden denn kalifornische Feelgood-Strandatmosphäre vor dem inneren Auge vorbei ziehen. Dass Twin Oaks, die einst als Duo aus Lauren Brown und Aaron Domingo (Gitarren, Keys, Programming) an den Start gingen, mittlerweile jedoch zur vierköpfigen, um Marilyn Beltran (Schlagzeug) und Aroldo Rios (Bass) erweiterten Band angewachsen sind, bei all diesen Assoziationen und – freilich hilfreichen – Referenzen genug interessante Alleinstellungsmerkmale besitzen, dürfte jedem klar sein, der auch der jüngsten „Living Rooms EP“ (welche die Band via Bandcamp zum wahlweise kostenfreien Download anbietet) eine Chance gibt.

(Leider wurde Twin Oaks – gerade im deutschsprachigen Teil des weltweiten Netzes – bislang zu wenig Beachtung geschenkt. Wer mehr zur Band und ihren Ursprüngen wissen mag, der findet hier ein interessantes Interview aus dem Jahr 2016…)

 

 

„Eighteen minutes ago, I was standing in a dark room
Eighteen minutes ago, I was searching for a face I knew
And my hands, they shake
And my mind, it quits
As I look into the sea of overbearing dreams

Eighteen minutes ago, I was searching for something real
Eighteen minutes ago, I was wanting somewhere to feel
And my hands, they shake
And my mind, it quits
As I look into me, I’ll keep searching
Even if it kills me…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: There Will Be Fireworks – „In Excelsis Deo“


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Weihnachtslieder gibt es ja wie Sand am Südseestrand. Und die meisten davon können mir – in ihrer immergleichen Penetranz, mit ihrer gespielt-aufgesetzten Fröhlichkeit – gern gestohlen bleiben. You can call me Grinch, if you may…

Wenn jedoch die vier schottischen Lads von There Will Be Fireworks – wie anno 2010 – einen Indie-Postrocker wie „In Excelsis Deo“ raushauen, dann höre selbst ich gebannt zu. Und hoffe inständig, dass die Glaswegians, welche sich über die Jahre einen festen Platz in meinem Hörerherz ergaunert haben, ihrer freilich noch immer großartigen Diskografie, deren letzter Teil, das zweite Album „The Dark, Dark Bright„, nun auch bereits stolze vier Winter zurückliegt, im kommenden Jahr endlich ein neues Werk hinzufügen (an den Songs schreiben There Will Be Fireworks, insofern man Facebook Glauben schenken darf, bereits seit 2016)…

In diesem Sinne wünscht ANEWFRIEND allen gelegentlichen, zufälligen und – natürlich – regelmäßigen Lesern schöne Weihnachtsfeiertage und einen möglichst gesunden Rutsch ins neue Jahr! Passt auf euch auf.

 

 

„Well, I can’t wait for Christmas
Been buckle-knee’d and listless
And you say that you’ve been wishing weeks away
They hung the lights out in the street
Twisted ‚round the boughs of the trees
The choir sung its holiest refrains
Like Gloria
Hosanna in the highest
Heaven knows
This year’s been black and blue
But we’re alright
And this Christmas could be white for me and you

I still can’t sleep on Christmas Eve

And we’ll never miss a beat
Scarlet-faced from whiskey neat in the cold
Singing, dancing in the dark
Oh, I hope these words will do
I’ve had my doubts, but not about you
I’m drunk and hearing voices in car parks
And this year – oh, I’ve got love in me, I swear – I hope you know

Gloria In Excelsis Deo

If I should fall from grace
If I should leave this dear green place
And if Christmas fades without a trace
I still want you around
There’s magic in this grey old town, you know
You should share in the refrain
If you think you know the songs
Who cares if all the words are wrong?
Who cares if it barely ever snows?

But still the choir smiles
The carol of the bell echoes“

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Glaston – „Inhale / Exhale“


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„The trick is to keep breathing.“ – das wussten schon Garbage. Und gerade innerhalb einer Band ist das gemeinsame Ein-, das gemeinschaftliche Ausatmen (man dürfte an dieser Stelle auch gern Sinnbilder von Rädchen und Zahnrädern verwenden) besonders wichtig. Stichwort: Bandchemie.

All jenes nimmt im dicht besiedelten Post-Rock-Genre noch einmal eine Sonderstellung ein, denn da die meisten ihrer Vertreter frei gewählt oft gänzlich auf Gesang verzichten, wird  der Kombination aus GitarreSchlagzeugBass (manchmal noch garniert mit elektronischen Experimenten) die Aufgabe zuteil, sämtliche Emotionen vom Proberaum übers Aufnahmestudio und die Konzertbühne mitten hinein ins Hörerherz und ins Publikum zu tragen.

Eventuell ist dies ja der Grund, wieso das aus Zürich und Basel stammende Schweizer Post-Rock-Quartett Glaston ihr im Oktober erschienenes Debütalbum „Inhale / Exhale“ getauft hat. Passend erscheint der Titel allemal, schließlich lebt ein Großteil der zehn Stücke von jenem instrumentalen Auf und Ab, vom stetigen Wechselspiel aus ruhigen intensiven Momenten.

Anders jedoch als bei vielen ihrer Genre-Kollegen lassen Glaston dem nicht selten mit Jazz-Variationen flirtenden Piano von Selina Maisch oft eine zentrale Rolle zukommen, welche Jake Gutzwiller (Gitarre), Timo Beeler (Bass) und David Preissel (Schlagzeug) wiederum mit ihren Instrumenten umweben – mal behutsam, mal wuchtig. So gelingt der seit 2013 gemeinsame Sache machenden Band der Spagat, sowohl ausgewiesene Post-Rock-Kenner, auf deren Playlist gewordenem Speiseplan ansonsten Genre-Größen wie Explosions In The Sky, Maybeshewill oder God Is An Astronaut stehen, zu überzeugen, als auch Quer- und Irgendwie-Alles-Hörer neu für sich zu gewinnen.

Der Rest? Ist gemeinsames Atmen…

 

 

 

Rock and Roll.

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Tradition verpflichtet – das UK-Label Big Scary Monsters verschenkt (s)einen Label-Sampler


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Weil Traditionen etwas Schönes sind – und freilich auch irgendwann, irgendwie verpflichten -, verschenkt das britische Indie-Label Big Scary Monsters auch in diesem Jahr – wie auch 2016 und in den Jahren zuvor – (s)einen Label-Sampler mit einer bunten Auswahl querbeet durch sein Künstlerangebot zwischen Indie- und Punkrock, Emo, Posthardcore oder Mathrock.

Mit dabei sind 2017 Bands wie Sorority Noise, Kamikaze Girls, Reuben, Modern Baseball oder Beach Slang. Wohl bekomm’s!

„That’s nearly it for 2017, so we put together a sampler for you, featuring a track from each of our releases over the past 12 months. We’ve released a ton of new music for you in 2017, with something for everyone to get their teeth into. Did you miss anything?

Thank you for sticking with us and buying into our bands. We (and they!) greatly appreciate it! If you like what you hear, be sure to check out the latest physical and digital releases from all the bands.“

 

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Posse – „Horse Blanket“


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„Aus, Ende, vorbei, bye bye Junimond: Die Band Posse aus Seattle hängt die Gitarren an den Nagel und löst sich im verflixten siebten Jahr nach Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Debütalbums auf. Schade. Zum einen, weil das Trio durchaus sympathisch war mit seiner Mischung aus Lo-Fi und Indie-Pop, stets flirtend mit den Neunzigerjahren und doch aktuell wie eh und je. Zum anderen, weil Posse es in ihrer aktiven Zeit aus unerklärlichen Gründen nicht zu genau jener Aufmerksamkeit gebracht haben, die sie so wohlverdient hätten. Nun gehen die drei, wie sie auch gekommen sind: Fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit, noch immer und wahrscheinlich auch für immer als Geheimtipp.“

(Jennifer Depner – plattentests.de)

Schon mal etwas von Posse gehört? Nein? Ich auch nicht. Und ohne die Rezension von plattentests.de, aus der der obige Auszug stammt, wäre es auch sicherlich dabei geblieben…

Und es wäre noch nicht einmal verwunderlich, immerhin teilen so viele Bands und Künstler ebenjenes Schicksal, nahezu ungelauscht in den mal mehr, mal weniger digitalen Weiten unterzugehen – aus dem Klick, aus dem Sinn.

Im Falle des aus Seattle stammenden Trios Posse wäre es jedoch höchst schade, denn gerade ihr drittes – und leider auch letztes – Album „Horse Blanket„, welches Sacha Maxim, Paul Wittmann-Todd und Jon Salzman vor wenigen Tagen als kostenfreien Download ins weltweite Netz entlassen haben, präsentiert Posse als Drahtseilkünstler zwischen seligem, raumgreifenden Neunzigerjahre-Slacker-Rock und melancholischem Surf-Pop. Dass die sechs Songs in gerade einmal einer guten halben Stunde kein letztes Indierock-Feuerwerk abbrennen und es viel lieber vorziehen, still und leise zu verglühen, ist – bei aller Qualität, bei aller nüchternen Lyrik der Stücke – irgendwie schade, macht Maxim, Wittmann-Todd und Salzman jedoch auch sympathisch. “Have I given something away / And I just don’t know it?” sind die letzten Worte des gemächlichen Albumabschlusses „Trapped“, eine Antwort bleibt die Band schuldig. Forever slacker, forever Geheimtipp. Fare thee well, Posse.

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Via Bandcamp kann man das Abschiedswerk „Horse Blanket“ streamen und für lau aufs heimische Abspielgerät laden…

 

…und sich hier eine KEXP Session der Band aus dem Jahr 2014 (damals war gerade das zweite Album „Soft Opening“ erschienen) zu Gemüte führen:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Kat Frankie – „Home“


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„Seit 2004 lebt die Australierin Kat Frankie in Berlin, und beinahe genau so lange macht sie auch schon Musik. Sowohl als Solo-Künstlerin als auch mit anderen Musikern wie beispielsweise Clueso, mit dem sie das Duett ‚Wenn du liebst‘ aufgenommen hat, oder mit Olli Schulz, für den sie Backup-Vocals auf der Platte ‚Feelings aus der Asche‘ gesungen hat. Gemeinsam mit dem Kölner Chris Klopfer bildet sie außerdem das Duo KEØMA, das am ESC-Vorentscheid 2016 teilgenommen hat.“

So weit, so informativ. In der Tat ist Kat Frankie in deutschen Indie-Kreisen keinesfalls eine Unbekannte, schließlich arbeitete die Wahl-Berlinerin, die sich vor über zehn Jahren entschied, das sonnige Sydney – wohl der Kreativität wegen – gegen die wuselige deutsche Hauptstadt einzutauchen, in den letzten Jahren mit so unterschiedlichen Künstlern wie – es wurde ja bereits im Pressetext oben erwähnt – Clueso, Olli Schulz, Me & My Drummer oder Get Well Soon zusammen, und erschuf nicht selten Musik, die so ganz anders klang als die ihrer drei zwischen 2007 und 2012 erschienenen Soloalben. Dass die 39-Jährige trotz ihrer künstlerischen Umtriebigkeit dabei – vom Clueso-Duett einmal abgesehen – so selten im Formatradio stattfand, dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass Frankies Songs nicht eben auf schnelle Leichtverdaulichkeit geeicht sind, sondern stets das Neue, stets das Experiment suchen – mal kommt dabei am Ende eine dunkle Piano-Ballade heraus, mal ein von Electro-Loops unterfütterte Acapella-Nummer. Oder eben: feiner, quer gedachter Indiepop. Wer mag, der darf die Australierin damit als Schwester im Geiste der Schweizer Musikerin Sophie Hunger sehen.

Im kommenden Frühjahr wird Kat Frankie nun ihr viertes Solowerk „Bad Behaviour“ veröffentlichen. Nach den sparsam arrangierten Songs ihres letzen Albums „Please Don’t Give Me What I Want“ (2012), das sie mal mit Band, mal solo mit Gitarre und Loop-Station live präsentierte, schlägt sie nun klarere Töne an. Dabei vernachlässigt Kat Frankie keinesfalls ihre kunstvolle und introvertierte Seite, sondern erweitert sie zu einem Feuerwerk der außergewöhnlichen Popmusik. Über ihre neuen Songs sagt die Sängerin: „Ich wollte nicht mehr melancholisch sein, nicht im Geringsten: Diese neue Platte ist für mich eine Platte der Freude, ich wollte ein bisschen ‚obnoxious‘ sein … dafür gibt es irgendwie kein gutes deutsches Wort.“

homeUnd stand das erste, kürzlich vorab veröffentlichte Titelstück des neuen Albums noch mit einem leichtfüßig tänzelnden Beinchen mitten im Indiepop, gibt sich der neuste Song „Home“ wesentlich differenzierter. Während Kat Frankies Gesang in den Strophen noch klar über treibenden Schlagzeigbeats liegt, grätschen bereits im Refrain fies dröhnende Gitarrenriffs dazwischen, die dem Stück eine – wohl beabsichtige – Aggressivität verleihen – Radiopop geht auch 2017/2018 anders. Das dazugehörige Musikvideo, für welches sich die Indie-Musikerin mit Regisseur Antonin Pevny (u.a. Bilderbuch, Bonaparte oder diverse Spotify-Spots) und Choreografin Lyn Lim zusammen tat, ist eine visuelle Hommage an Janet Jacksons Video zu „Rhythm Nation„, das 1989 gegen rassistische Ungleichheit und soziale Ungerechtigkeit protestierte, und auch 28 Jahre später leider kaum an Bedeutung verloren hat. Kat Frankie über den Song:

“When I wrote ‚Home‘ it was a little bit after the #blacklivesmatter protests were gaining traction, and the debates about marriage equality were heating up in Germany and Australia.  I was just getting sick of people trying to control the lives of others out of fear, or because of their religion. I was thinking about how protests are censored or dismissed. And I was thinking that we all just want a place to ‘be’ and to experience love. I thought about the idea of home, not as a physical space, but as a concept or state of societal- and self-acceptance.” 

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Rock and Roll.

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