Schlagwort-Archive: Alternative

Deals mit dem Gottlosen – Oder: Feiert Nick Cave seinen Geburtstag?


Nick Cave Card Front

Der ganz und gar einzigartige Nicholas „Nick“ Edward Cave begeht heute seinen sage und schreibe 60. Geburtstag. Ob der 1957 im australischen Warracknabeal in diese Welt geschubste Wahl-Britte diesen feiert? Nun, ein „Feierbiest“ mag man in dem künstlerischen Tausendsassa, dessen Spektrum sich seit den Achtzigern immerzu erweitert hat und mittlerweile – nebst der seit eh und je großartigen (Rock)Musik, freilich – sogar zahlreiche Film- und Opernmusik, mehr oder minder obskure Lyrikbände, Bücher, Drehbücher sowie kleinere Schauspielrollen umfasst, kaum vermuten. Ein Biest steckt auf jeden Fall in ihm. Man höre nur Meisterwerke wie „Murder Ballads„, „No More Shall We Part“ oder jüngst „Push The Sky Away“ (für Neulinge tut’s erst einmal auch die jüngst erschienenen Werkschau „Lovely Creatures„). Für solch kreative Ergüsse würden geschätzt 90 Prozent seiner Kollegen sogar einen höchst unfairen Deal mit dem Beelzebub eingehen. Und wer es genau nimmt, der dürfte sich irgendwann fragen, ob Nick Cave, dieses sinistre Chamäleon, nicht genau das irgendwann in einer gottverlassenen Mitternacht getan hat…

In jedem Falle: Happy Birthday, Mr. Cave!

(Lesenswert sind auch die Zeilen, die „Rolling Stone“-Autor Arne Willander anlässlich von Caves 60. Geburtstag verfasst hat.)

 

 

Rock and Roll.

Advertisements
Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Phoebe Bridgers – „Funeral“


phoebebyfrankockenfels_wide-6e2eb2e76255cbb94820498fef533bbd240fce51-s900-c85

„Gäbe es die Serie ‚Scrubs‘ noch, würden die Produzenten zu ‚Funeral‘ greifen, um eine traurige Szene zu untermalen, wie einst ‚Winter‘ von Joshua Radin.“

Oha. Das, was der „Musikexpress“ da mit wenigen Worten ins digitale Musikdickicht wirft, setzt doch schon so einige Assoziationen, oder?

Übrigens genauso wie die Liste der Förderer und Bewunderer von Phoebe Bridgers: So veröffentlichte kein Geringerer als Ryan Adams 2015 die ersten Songs der aus Los Angeles stammenden Musikerin auf seinem Label Pax Am Records, während das ewige Folk-Wunderkind Conor Oberst Bridgers bei einem der Songs ihres heute erscheinenden Debütalbums „Stranger In The Alps“ unterstützt und die ebenfalls gerade allerorten gefeierte Sadcore-Singer/Songwriterin Julien Baker zu ihren Best Buddies zählt (und sie im vergangenen Jahr als Support Act mit auf Tour nahm). Den Initialkick für ihre Karriere bekam Phoebe Bridgers, die die Los Angeles County High School for the Arts an der California State University besuchte, jedoch wohl 2014, als Apple sie in einem iPhone-Werbespot den Pixies-Evergreen „Gigantic“ spielen ließ. Die Webseite des neuen Indie-Folk-Sternchens lässt, der URL wegen, eine dezente Bewunderung für Amanda Palmer vermuten und informiert gleich auf der Titelseite darüber, dass Bridgers in den kommenden Wochen und Monaten Bands und Künstler wie Conor Oberst, Noah Gundersen, The War On Drugs oder Japanese Breakfast auf Tournee begleiten wird.

phoebe-bridgers-2-e1504808907118

Soviel zum Namedropping. Doch wie tönt die 22-jährige Musikerin nun? Nun, die einen basteln sich ein galantes „Elliott Smith meets Gillian Welch“ zurecht, der sowieso nie um einen verschrobenen Superlativ verlegene Ryan Adams sprach von ihr gar als „neuen Bob Dylan“ (was ja nun auf so vielen Ebenen keinerlei Sinn ergibt). Vielmehr bieten die Songs von „Stranger In The Alps“ allerlei Folksongs, die mal introspektiv flüstern (das feine „Smoke Signals“ mit Zeilen wie „And you must have been looking your me / Sending smoke signals / Pelicans circling / Burning trash out on the beach“), mal urban schillern, um dann in der Ferne Fleetwood Mac zu grüßen („Motion Sickness„). Irgendwo erklingt, wie in „Funeral“, eine jenseitige Fiddle, während im bereits 2015 erschienenen „Killer“ Pianomelodien zirkulieren oder sich Bridgers anderswo eine Gitarrenlinie von Heliumstimmen-Waldschrat Justin „Bon Iver“ Vernon besorgt und davon singt, dass sie nicht mehr stoned, nicht mehr allein sein mag (man höre -sic!- „Demi Moore“). Und wäre all das nicht genug, wagt sich die Newcomerin zum Albumabschluss noch an einen der größten Textmeister unserer Zeit heran und nimmt sich – zum Glück erfolgreich – den Mark-Kozelek-Song „You Missed My Heart“ zur Brust.

Und trotzdem wird es mit den Stücken von „Stranger In The Alps“ nicht zum ganz großen Wurf reichen. Das Problem dürfte sein, dass Bridgers, die mit ihrer blonden Mähne aussieht wie die kleine Schwester von Neunziger-Jahre-Riot-Rock-Heldinnen wie Liz Phair oder Folk-Professorinnen wie Aimee Mann, zwar ausreichend Schwermut in den Kofferraum ihres verranzten US-Oldtimers geladen hat (immer dieses Kopfkino!), es all das Indie-Folk-Drama und die schönen Zeilen jedoch in den schnelllebigen Zeiten von Facebook, Twitter, Instagram und Co. schwer haben werden. Dafür fließt das Album einfach zu antiquiert, zu durchschnittlich durch die Gehörgänge. Schlimm ist das aber keineswegs, denn wenn alles nach Plan läuft, dürfte man Bridgers‘ Stücke noch als spezielle Hintergrunduntermalung in so einigen TV-Serien wiederhören…

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: listener – „Add Blue“


Listener-band-2017

Ach, Jungs – wieso spannt ihr uns mit euren Appetithäppchen nur so auf die Folter?

Nachdem Dan Smith (Worte, Trompete, Bass), Jon Terrey (Gitarre) und Kris Rochelle (Schlagzeug) bereits kürzlich mit dem großartigen „There’s Money In The Walls“ und der 7“-Vinyl-Single „Being Empty, Being Filled Vol. 1“ die ersten neuen Songs seit vier Jahren hören ließen, legen listener, das Trio aus dem US-amerikanischen Kansas City, nun erneut nach.

„Add Blue“ ist dabei Teil der nächsten, morgen erscheinenden 7“-Single „Being Empty, Being Filled Vol. 2„. Während der Song über vier Minuten lang recht atemlos seiner eigenen Post-Rock-Klimax hinterher jagt und Dan Smith seine Spoken-Word-Salven ins Mikrofon feuert, zeigt das dazugehörige Musikvideo die Band on the road während ihrer kürzlich absolvierten Europa-Tournee (welche wegen irgendwelcher Arschgeigen leider nicht eben reibungslos ablief). listener-Schlagwerker Kris Rochelle über das Video:

“We met Lars a few years back in Belgium at a show where he shot video for us. After our last video had portrayed the more laid back off-time of touring, we decided it would be cool to try and capture the hectic nature of being on the road. We gave Lars very little direction, but told him a bit of our vision and I think he nailed it with the quick cuts and semi-chaotic sequences.”

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Spoon – „I Ain’t The One“


rs-spoon-1da285c3-a490-43b8-8bac-50701f54a286

Okay, auf Albumlänge werden die Herren von Spoon und meine Wenigkeit auch im neunten Anlauf keine besten Freunde. Dafür ist von den Songs des im März erschienenen aktuellen Albums „Hot Thoughts“ einfach zu wenig in meinen Gehörgängen hängen geblieben…

MI0004204891Was nicht heißen mag, dass Frontmann Britt Daniel und seine drei Bandbuddies schlechte Musik machen. Arne Willander vom deutschen „Rolling Stone“ – etwa beschrieb „Hot Thoughts“ in seiner Review als „ein zugleich transparentes und dichtes, ausuferndes und konzentriertes, schwelgerisches und präzises Wunderwerk von flirrenden Arrangements, Keyboards als Streichern und krachendem Schlagzeug, Hall und elektronischen Verzerrungen, Orgeln, Chören und jäh zupackendem Funk“ und vergab stolze 4,5 von 6 Bewertungspunkten. Trotz alledem rauscht auch dieses Werk der seit 1993 bestehenden Indierocker aus Austin, Texas zwar gut, jedoch auch verdammt rückstandslos durch, ohne viel Spuren zu hinterlassen. Einzige Ausnahmen bleiben der eröffnende Titelsong. Und das großartige „I Ain’t The One“.

Dabei war es gerade dieses Stück, dass Spoon weit vor Albumveröffentlichung als ersten Appetitanreger präsentierten: Im Dezember 2016 kam „I Ain’t The One“ exklusiv und relativ überraschend in einer der Episoden (wer’s genau wissen mag: es war Episode 7) der siebenten Staffel der US-Drama/Comedy-Erfolgsserie „Shameless“ zum Einsatz – und versprach mit seinen zunächst einsamen Keyboard-Linien, welche irgendwann Unterstützung von Druck machenden Schlagzeugbeats und Britt Daniels insomnatischem Textzeilen erhalten, Großes für das neue Album. Dass Spoon – zumindest für mich – diese Messlatte auf „Hot Thoughts“ reißen, macht jedoch rein gar nichts. Der Song bleibt toll.

 

In Ermangelung eines offiziellen Musikvideos hier ein Fan Edit mit Szenen aus der bereits 2014 zu Ende gegangenen US-Serie „Californication“ (noch so einer meiner Favoriten der letzen Jahre)…

 

…sowie eine Live-Version aus der „Late Late Show“, bei der Britt Daniel und Co. im März zu Gast waren:

 

„When the moon is rising and looking on me
When the night comes knocking, knocking on me
I say, I ain’t the one
I say, I ain’t the one
I ain’t the one that you looking for now

When the man comes asking and looking for me
When the law comes knocking, knocking on me
I ain’t the one (ah, ah)
No, I ain’t the one
I ain’t the one that you’re looking for now
Yeah, I ain’t the one
I ain’t the one
So now I’m leaving you all behind me

Hey, ha ha
Uh uh uh

When the world comes crashing, crumbling on me
When the day comes knocking, knocking on me
I say, I ain’t the one
I ain’t the one
Hey, ha ha
Hey, ha ha
I ain’t the one, I ain’t the one
So now I’m leaving you all behind me

Hey, ha ha
Hey, oh oh

‚Bout to fly“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , ,

Sunday Listen: East


east

Was macht eigentlich der Tigeryouth-Tilman, wenn er gerade mal nicht kreuz und quer durch die Bundesrepublik düst, um hier einen Indieclub, da ein AJZ mit akustischem Singer/Songwriter-Punkrock zu bespielen und das anwesende Publikum mit seiner Reibeisen-Stimme in seinen Bann zu ziehen?

Wahrscheinlich die Stimmbänder ölen. Und sich mit ein paar Kumpels zu einer gemeinsamen Band zusammenzutun, denn auf Dauer wird es selbst auf der kleinsten AJZ-Bühne der Nation irgendwann langweilig…

Wohl aus diesem Grund sind irgendwann in den letzten Jahren East entstanden. Vielmehr jedoch als die Vorliebe für winzige Indieclub-Bühnen eint Tilman Benning und seine Mitstreiter Mertes, Pauly, Wondra und Kansy die gemeinsame Liebe zum guten alten Neunziger-Emo-Rock. Nee, nicht zu dem, was sich aus dem Genre über die Jahre, -und durch Comic-Abziehbildchen á la My Chemical Romance, Fall Out Boy, Panic! At The Disco und Co. – daraus entwickelt hat. Man denke eher an Bands wie Sunny Day Real Estate, Jawbreaker, The Promise Ring, Texas Is The Reason, The Get Up Kids oder Mineral. An teilweise schroff und indie und mit wenig Mastering aufgenommene Alben, die juvenilen Weltschmerz zu lauten Schrammelgitarren, rumpeligem Schlagzeug und tief tönendem Bass direkt in die eigene Kopfhörerwelt transportieren. An Gefühl statt Kajal und Attitüde. Nostalgie? Sicher, jedoch auf die gute Art und Weise. Oder wie es East – leicht pathetisch, dezent überhöht – selbst ausdrücken:

„East kommen aus Trier und Berlin und machen Emo. Und zwar die Sorte, die Anfang der Nullerjahre dem Punk entwuchs und Befindlichkeiten zum Gegenstand ungeschliffener Rocksongs machte. Bevor der Begriff zwischen scheiteltragenden Modepuppen und testosterongeschwängertem Griffbrettgewichse zur Realsatire mutierte. Man fühlt sich beim Hören dann auch nicht zufällig an die Helden jener Tage erinnert. Da trifft die Wucht von Hot Water Music auf die Sprödigkeit der Get Up Kids, während die durch unzählige Touren seines Soloprojekts Tigeryouth geschulte und gewetzte Stimme von Sänger Tilman gekonnt zwischen der Eindringlichkeit eines Brian Fallon von The Gaslight Anthem und der Zerbrechlichkeit Taking Back Sundays zu oszillieren scheint. Dabei sind East weit davon entfernt in der Nostalgie vergangener Tage zu verharren. Stattdessen machen sie klar, dass das letzte Jahrzehnt Gitarrenmusik nicht spurlos an ihnen vorbei gegangen ist. Ausgefuchstes Songwriting, verflochtene Gitarrenriffs und treibender Rhythmus atmen Progressive Rock genauso wie Indie. Damit zeigen East, dass Emo auch im Jahre 2016 weit davon entfernt ist, tot zu sein.“

15578190_1161642010609366_658240621427080271_o

 

Die ersten drei Songs der im Januar veröffentlichten Demo-Aufnahmen kann man bereits via Bandcamp hören. Ein Schelm, der dem Tigeryouth-Tilman sein mit breitem deutschen Akzent durch die Kehle gepresstes Englisch zur Last legen würde…

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: pg.lost – „Ikaros“ & „Off The Beaten Path“ (Live Studio Session)


pg-lost-5-1

Okay, Post-Rock-Bands gibt es längst so viele wie den sprichwörtlichen Sand am Meer, da ist es für jeden, der ausufernden instrumentalen Gitarrenwänden und schneidend-schnittigen Feedbackorgien etwas abgewinnen mag, schwer, die – nochmal sprichwörtlich – Spreu vom Weizen zu trennen.

Und: Ja, auch die Melancholie kommt in ebenjenem Genre (dem Post Rock) nie wirklich zu kurz – wie sollte es auch anders sein, wenn der Hörer bei oft fehlendem Gesang ganz seinem Kopfkino überlassen wird? Und: Ja, auf der Suche nach musikalischer Melancholie war und ist Skandinavien meist eine nicht eben schlechte Adresse…

Von daher passen pg.lost, der aus den beiden Gitarristen Mattias Bhatt und Gustav Almberg, Bassist Kristian Karlsson sowie Schlagzeuger Martin Hjertstedt bestehende Vierer aus dem schwedischen Norrköping, ganz gut ins Klangbild. Zwar hat sich die Band, seit vor fast zehn Jahren das Debütwerk „It’s Not Me, It’s You!“ erschien, hörbar weiterentwickelt, trotzdem besitzt auch das aktuelle, im vergangenen Jahr veröffentlichte vierte Album „Versus“ all jene Trademarks, die Freunden des Post-Rock-Genres ein saftiges Steaks ins Hörerherz zaubern dürften: sich langsam, aber beständig auftürmende Songs aus GitarreSchlagzeugBass, unterstützt von massig Effektgeräten und garniert mit Synthie-Flächen. Raus kommt dann etwa „atmosphärisch exzellenter Blaupausen-Postrock“ (Zitat laut.de), der sich an der Brachialität der Chicagoer von Russian Circles reibt, nur um sich kurz darauf an den fragilen Samt von Caspian zu schmiegen oder ein wenig von der dezenten Poppigkeit von God Is A Astronaut zu atmen. Neu? Nope. Aber wer will den gleich ein neues Rad erfinden, wenn man knietief im Kopfkino baden kann?

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: