Archiv der Kategorie: Aus gegebenem Anlass…

„Beware of Mr. Baker!“ – Ginger Baker feiert acht Jahrzehnte mies gelaunte Schlagzeug-Urgewalt


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Led Zeppelins wildes „Animal“ John Bonham, The Whos Schlagwerkderwisch Keith Moon – beide ebenso jung wie tragisch verstorben, beide auf ewig Musiklegenden (da bedingt – bei allem Talent – wohl einmal mehr das eine das andere). Und hätten sich die Naturgesetze der Musikgeschichte auch nur für einen Moment ihren Regeln gebeugt, so hätte auch Ginger Baker längst lautstark den Sensenmann begrüßen dürfen. Stattdessen scheint der Mann, der in den Sechzigern gemeinsam mit Gitarrengott Eric Clapton und Bassist Jack Bruce die (leider recht kurzlebige) „Superband“ Cream gründete, das Schlagzeugspiel quasi zigfach neu erfand, erst Millionen verdiente und dann wieder verlor sowie bis heute für sein aufbrausendes Temperament berüchtigt ist, mit den unverwüstlichen Genen eines Keith Richards oder Mick Jagger gesegnet zu sein. Und feiert heute seinen achtzigsten Geburtstag…

Ginger Baker gilt als einer der besten Schlagzeuger der Welt. Seine wilde Energie, seine innovativen, vertrackten Rhythmen, gepaart mit afrikanischen und Jazz-Einflüssen, haben ihn längst zu einer lebenden Legende gemacht. Geboren wurde der Rotschopf – daher der naheliegende Spitzname „Ginger“ – 1939 als Peter Edward Baker in Südlondon. Sein Vater starb im Zweiten Weltkrieg, als der junge Peter vier Jahre jung war. Baker trainierte als Teenager, um Profi-Radrennfahrer zu werden – erst ein Unfall brachte ihn zufällig zum Schlagzeug. Und siehe da: Er war ein Naturtalent.

Der einflussreiche britische Jazz-Schlagzeuger Phil Seamen nahm ihn unter seine Fittiche: „Er war Gott“, sagte Baker der Zeitschrift „Forbes“ später. „Er hörte mich eines Nachts spielen und sagte danach: ‚Setz dich, ich möchte mit dir reden. Du bist der einzige Schlagzeuger, den ich kenne, der es drauf hat.’“

Und lange Zeit – wohl viel länger als einige seiner Kollegen, die scheinbar mit weitaus weniger fähigen Schutzengeln gesegnet waren – war der auch abseits des Schlagwerks unberechenbare Charakterkopf auch drauf (sprich: er frönte – wie ein nicht eben kleiner Teil seiner Berufsgenossen zu jener Zeit – ausschweifend dem Drogenkonsum). Erst 1981 schaffte Baker es, vom Heroin loszukommen, wie er in einem Interview zugab. Er hatte ein Vermögen in Nigeria verloren, sein Schlagzeug stand ungenutzt in der Scheune, und er selbst baute inzwischen in Italien Olivenbäume an: „Es war wahrscheinlich das Beste, was mir je passiert ist. Ich habe die Drogenwelt komplett hinter mir gelassen.“

quoteDa lagen auch seine größten Erfolge bereits einige Jahre zurück: 1966 gründete er mit Gitarrenlegende Eric Clapton und dem 2014 verstorbene Jack Bruce das Trio Cream. Bis zu ihrer Auflösung 1968 hatte die damalige britische All-Star-Band Rock-Klassiker wie „Sunshine Of Your Love“, „White Room“ oder „Crossroads“ herausgebracht und millionenfach verkauft. Dass Claptons Gitarre bei diesem Dreiergespann meist nicht das größte Spektakel war, sagte wohl Einiges – an Bakers polyrhythmischen Soli, seinen neu entwickelten Rhythmen und Techniken, die den Songs einen einzigartigen Groove verliehen, messen sich Schlagzeuger bis heute.

Ginger Baker erinnerte sich in „Forbes“ an das Ende der Kultband 1968: „Eric [Clapton] kam zu mir und sagte: ‚Ich habe es satt.’ Und ich sagte: ‚Ich auch.’ Und das war’s.“ Am meisten fehlte ihm die Herausforderung: Das Publikum jubelte, noch bevor die Musiker ihre ersten Noten gespielt hatten. Baker musste acht oder neun Drinks in sich hineinschütten, „um ins Studio gehen zu können und niemanden zu schlagen. So sauer war ich geworden.“

Keinesfalls zuträglich war dabei, dass er mit Jack Bruce, mit dem auch vorher auch bereits bei der The Graham Bond Organization zusammen spielte, immer wieder im Jähzorn auf der Bühne aneinander geriet – einer der Gründe für die schnelle Trennung. Selbst als Cream 2005 in Originalbesetzung nach 37 Jahren wieder in London und New York auftrat, stritten sich Baker und Bruce. Zu einer weiteren Wiedervereinigung kam es nicht mehr.

Nach dem Ende von Cream gründete Baker mit Eric Clapton die – erneut, wen wundert’s – kurzlebige Superband Blind Faith sowie das Jazz-Rock-Kollektiv Ginger Baker’s Air Force. In dem afrikanischen Superstar Fela Kuti fand er eine verwandte musikalische Seele, baute (schlussendlich erfolglos) ein Aufnahmestudio im nigerianischen Lagos auf oder steckte sein Geld in den Pferde- und Polosport – kein Wunder also, dass der schnöde Mammon ihn bei so vielen Hobbys auch im hohen Alter noch auf die Bühne zieht…

Der frühere Weltstar ist mittlerweile zum vierten Mal verheiratet und hat drei Kinder – darunter Sohn Kofi Baker, der ebenfalls Schlagzeug spielt. Im „Rolling Stone“ (der ihn übrigens unlängst auf dem Bronzeplatz der „besten Schlagzeuger aller Zeiten“ sah) erinnerte sich Kofi nur ungern an die Lehrstunden mit seinem Vater: „Wenn ich nicht sofort etwas richtig machte, schrie er mich an, beschimpfte mich und haute mir eine runter.“ Bakers Temperament ist mit den Jahren nicht besser geworden – er ist auch heute noch bekannt für seine chronisch schlechte Laune und Wutausbrüche. Ein 2012 veröffentlichter – und im Übrigen sehr sehenswerter – Dokumentarfilm über sein Leben trägt den Titel „Beware Of Mr. Baker“ (und kann hier gestreamt werden).

Ginger Baker lebt inzwischen im englischen Canterbury und hat – Geldsorgen hin oder her – nach gesundheitlichen Problemen in den vergangenen Jahren nur noch wenige Konzerte gegeben. Anlässlich eines Auftritts in Brighton nahm die Schlagzeuglegende eine Videomessage auf: „Wir werden eine gute Show auf die Beine stellen, nur um es zu beweisen. Denn es gibt Leute, die sagen, dass ich nicht mehr spielen kann. Ich kann noch! Und ich werde spielen.“

Alles Gute zum 80. Geburtstag, Mr. Ginger Baker.

 

 

Recht sehenswert, vor allem für jene, denen Ginger Baker bislang weniger ein Begriff war: „5 Momente des zornigsten Drummers„, veröffentlicht bei den „Stuttgarter Nachrichten“…

Auch zu empfehlen: Ein aktueller Audio-Beitrag des WDR, welcher Ginger Bakers bewegte Biografie innerhalb einer Viertelstunde auf den Punkt bringt…

 

Rock and Roll.

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Zitat des Tages


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(Peter Henry Fonda, 23. Februar 1940 – 16. August 2019, US-amerikanischer Schauspieler und Filmregisseur)

 

Rock and Roll.

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Moment! Aufnahme.


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(gefunden bei Facebook)

 

Nevermind all the plastic waste? – Grunge Rock in Zeiten des Klimawandels…

 

Rock and Roll.

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Des Künstlers Broterwerb – ein dezenter Hinweis


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(gefunden bei Facebook)

 

Heißt also: War das Konzert gut, dann – freilich neben ein paar netten Worten – auch ein paar Euronen am Merch-Tisch lassen, bitte.  Gerade in „Indie-Kreisen“ ist jedes verkaufte Shirt und jede an den Hörer (oder die Hörerin) gebrachte Platte tatsächlich überlebenswichtig, damit die Show weitergehen kann…

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Elliott Smith – „Say Yes“


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Dem regelmäßigen Leser dieses bescheidenen Blogs dürfte über die Jahre ja bereits meine zeitweise manische Hingezogenheit zur Musik eines gewissen Elliott Smith unter die Augen gekommen sein. Und da ich bereits zigfach an der ein oder anderen Stelle darüber geschrieben habe, möchte ich hierüber auch gar nicht mehr allzu viele Worte verlieren, und – gerade heute, da aus aktuellem Anlass – natürlich lieber seine Songs selbst sprechen lassen, denn an diesem Tag wäre Steven Paul Smith, der wohl auf ewig immens einflussreiche, leider viel zu früh verstorbene Singer/Songwriter, 50 Jahre alt geworden.

(Aus diesem Grund erschienen just heute auch erweiterte – digitale – Deluxe Editions der Alben „XO“ und „Figure 8“ – mehr Infos hier…)

Wer denn mehr lesen mag: hier gibt es einen ausführlichen Artikel, welcher sich auf Spurensuche in alle möglichen – sowohl biografischen als auch künstlerischen – Richtungen begibt, sowie hier einen recht lesenswerten anlässlich des 2017er Re-releases von Smiths wegweisendem Werk „Either/Or„. Oder eben die ausführliche Biografie „Torment Saint: The Life of Elliott Smith“ von William Todd Schultz in Buchform.

Wer mehr schauen mag: die 2015 erschienene Dokumentation „Heaven Adores You“ ist eine gute Anlaufstelle – sowohl für Smithologen als auch für Neueinsteiger.

Happy Birthday, Elliott. Und, ja klar: Danke für deine Musik. Du wirst vermisst. Gone but not forgotten. 🖤

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Counting Crows – „August And Everything After“


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Aus gegebenem Anlass, schließlich weist der Kalender ab heute den Ährenmonat aka. den achten Monat im gregorianischen Jahreskalender aus: der Quasi-Titelsong von „August And Everything After„, dem ersten, 1993 erschienen (und freilich auf ewig besten) Album der Counting Crows.

81bTx+NdsRL._SS500_Quasi? Japp, allein schon deshalb, weil die Mannen um Sänger Adam Duritz sich schlapp-knappe 26 (!) Jahre Zeit gelassen haben, um den titelgebenden Song zu ebenjenem Werk zu vollenden beziehungsweise nachzureichen. Aber: Auch ein Vierteljahrhundert später klingt das mit beinahe zehn Minuten gewohnt elegische Stück, das die Rockband aus San Francisco mitsamt eines Orchesters in den Londoner AIR Studios fertig stellte, so melancholisch-verträumt, so bildmalerisch, dass man unweigerlich an ganz ähnliche Großtaten wie „Round Here„, „Raining In Baltimore“ oder „Another Horsedreamer’s Blues“ denken muss. Und natürlich singt Adam Duritz einmal mehr von „Elvis“ und „Maria“

 

“I never really thought much about this song back in the day because it wasn’t finished,” Duritz said in a statement. “But when we got the chance to work with [composer] Vince Mendoza, I thought it was a good time to rewrite it and get it right. He came up with really interesting arrangement — not the whole band or the whole orchestra but parts of each — drums, bass, and pedal steel from us plus the string section and one cor anglais (kinda like a big oboe) from the [London Studio Orchestra]. It was magic recording it at AIR Studios in London. You can just feel the cool when you listen.”

(Adam Duritz)

 

 

„They’re wakin‘ up Maria, ‚cause everybody else has got some place to go
She makes a little motion with her head
Rolls over, and says she’s gonna sleep for a couple minutes more
Said, I’m sorry to Maria for a the cold-hearted thing that I have done
I’ve said, I’m sorry by now at least once
To just about everyone
She says: ‚I’ve forgotten what I’m supposed to do today‘
And it slips my mind what I’m supposed to say
We’re getting older and older and older and older
And always a little further out of the way

You look into her eyes, it’s more than your heart will allow
And August and everything after
You get a little less than you expected, somehow

Well, I stumbled into Washington Square, just as the sun began to rise
And I walked across on the lawn to the cathedral
And I lay down and the shadow of St. Mary’s in the sky
I’m just one of these late model children waiting for the king
There ain’t no sign of Elvis in San Francisco
It’s just me, and I’m playin‘ this rock and roll thing
She wants to be just like me and I want every damn thing that I can see
You know, one day you’re Daddy’s little angel
The next day, you’re everything he wanted you to be

They dress you up in white satin
And they give you your very own pair of wings
In August and everything after, I’m after everything

Well, I got my reservations
And I got my seven-million dollar home
I got, I got the number of some girl in North Dakota
Who’s always wide awake so I never have to spend the night alone
I got a nasty little habit
Of peekin‘ down the shirts of all the little girls as they pass me by
And I know you wonder when it all catches up to me
And they finally bring me down, do you think I’m gonna cry?
Well listen, I already got my disease
So get your fuckin‘ filthy hands off of me
I hope you weren’t expecting to be crucified
The best that they can do, is just to hang me from the nearest tree

Yeah, it’s midnight in San Francisco
And I am waiting here for Jesus on my knees
And August and everything after
I need somebody else to bleed for me
Yeah, and August and everything after
I need somebody else to bleed for me

Well, I came down from San Francisco
‚cause I had confidence and a military mind
And now everyone I know is turning showgirl
And dancing with their shirt off in some Las Vegas hotel line
So I’m going‘ to Now York city ‚cause it got a little sleazy here for me
And when I find myself a lawyer and no I’m never going home
You make the changes, the changes that you need
But I no longer know how to pray
I live in a dog town and it’s a Dalmatian parade
I change my spots over and over but they never seem to fade away

I am the last remaining Indian
Looking for the place where the buffalo roam
In August and everything after
Man, them buffalo ain’t never coming home, no
In August and everything after
Man, them buffalo ain’t, they ain’t never coming home, no
In August and everything after
Man, them buffalo ain’t never coming home“

 

Rock and Roll.

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