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Monday Listen: Seeing Other People – „Theoretics“


Foto: via Bandcamp

Ob Ryan McGlone (Gesang) und David Ritchie (Gitarre, Bass, Keyboards) ihr neustes Band-Projekt Seeing Other People nun nach einer Filmkomödie von 2004, nach dem 2019er Album der Experimental Poprocker von Foxygen oder nach einem Dating-und-Beziehungspodcast selben Titels benannt haben? Nix Genaues weiß man nicht.

Überliefert ist, dass den beiden Musikern aus dem schottischen Edinburgh, welche Kennern der schottischen Indie-Musikszene in der Vergangenheit bereits mit Bands wie The Youth and Young oder People, Places, Maps durch die Gehörgänge gerauscht sein könnten, inmitten des x-ten Corona-Lockdowns die eigene Zimmerdecke auf den kreativen Kopf zu fallen drohte. Also traf man sich zu gemeinsamen Songwriting-Sessions, wannimmer es die Situation eben zuließ. Recht schnell hatte man elf Songs beisammen, welche unlängst auf dem Album „Theoredics“ veröffentlicht wurden. Die beiden selbst umschreiben ihren Sound selbst augenzwinkernd als „Americana mit dem typisch schottischen Gespür dafür, dass das Schlimmste immer nur kurz bevorsteht“ und ziehen Referenzen hin zu Künstler*innen wie „Sam Fender, Springsteen und Jenny Lewis“. Wer also sein Hörerherz längst an Bands wie Idlewild, Frightened Rabbit und Co., die ihr Herz auf der Zunge und, neben einem Gespür für große Refrains, auch einen breiten schottischen Akzent hinaus in die Welt tragen, verloren hat, der sollte bei diesem Album, welches es zudem via Bandcamp als „name your price“ gibt, dringend ein Ohr riskieren…

„Hailing from Edinburgh, Seeing Other People were, like most bands, born out of circumstance – albeit unforeseen and globally reaching ones. Mid-Lockdown, friends Ryan McGlone (The Youth and Young) and David Ritchie (folda) found themselves forced into ‘back to basics’ song writing – given that they had no possibility of using a studio environment to hone their sound. 

This did, however, mean that the songs came thick and fast. They met on park benches, town squares, and then later in well ventilated rooms to write wherever and whenever they could. 

What was produced forms the bones of their upcoming debut album ‚Theoretics‘, due for release on 10 December 2021. A labour of love where the songs were, from a very early stage, designed to be part of an album, and listened to with this fully in mind. Not a concept record as such, but one that juxtaposes the hypotheticals and toxic nostalgia of an average thirty something against knocking some sense into yourself with hopeful optimism. 

The songs effortlessly float between the two. Album opener ‚Theoretics‘ imagines being a guest at the wedding of someone you once loved, and then slides effortlessly into lead single ‚Revival‘ – which despite its character driven narrative – is just about loving music. 

‚Inflections‘ lyrically encapsulates the albums love for, and influence of, the other side of the Atlantic. Before ‚Breathe‘ tells an almost early Taylor Swift style story of a couple throughout their lives. 

The sweeping soundscapes continue before gut-wrenching album closer ‚Realist‘. A song as open and honest as anything McGlone has written before, detailing his own mental health struggles but setting these aside the wider context of guilt around his own privileges. Without giving the albums most heartfelt lines away – to paraphrase a movie you just may have seen – they remind us all that time is short and we should either ‚get busy living, or get busy dying‘. Bookending the album with ‚Theoretics‘ as the melancholic fantasy and ‚Realist‘ as the triumphant, yet sobering thought. 

Fans of Sam Fender, Springsteen, and Jenny Lewis will notice the musical homages, while the lyrical content offers both intimate and relatable snapshots of a life careening towards middle age – yet simultaneously embracing and fearing this. In a nutshell, this is Americana with that distinctly Scottish sense that things taking a turn for the worst is only ever just around the corner.“

Rock and Roll.

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Dieses Jahr wieder da – Das UK-Label Big Scary Monsters verschenkt (s)einen Label-Sampler


Weil Traditionen etwas Schönes sind – und freilich auch irgendwann, irgendwie verpflichten -, verschenkt das britische Indie-Label Big Scary Monsters auch in diesem Jahr – wie bereits 2019 und in den Jahren zuvor (2020 wurde wohl eine Pause eingelegt) – (s)einen satte 22 Auszüge aus dem diesjährigen Veröffentlichungskatalog starken Label-Sampler mit einer bunten Auswahl querbeet durch sein aktuelles Künstlerangebot und Release-Oeuvre irgendwo zwischen Indie- und Punkrock, Emo, Post-Hardcore oder Mathrock.

Mit dabei sind 2021 Bands und Künstler wie We Were Promised Jetpacks, Orchards, American Football, Proper., Church Girls, Weakened Friends, Laura Jane Grace oder Lakes (also auch der ein oder andere Name, von dem in diesem Jahr auf ANEWFRIEND zu lesen war). Wohl bekomm’s!

„Firstly we just want to say THANK YOU to you all for being truly awesome in 2021, whether you’ve bought records or merch, listened to new bands or just kept opening our e-mails! We really appreciate you.
 As a token of our thanks, we’ve put together a label sampler with a track from every single artist we’ve worked with this year that you can now download/stream for free!
 Discover something you may have missed or simply sit back and enjoy this round-up of truly brilliant tunes!“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Baker Seats – „Pancake Sinatra“


Das Musikvideo katapultiert einen anhand allerlei optischer Impressionen zurück ins Jahr 1975, während die Musik selbst Erinnerungen an die seligen Indierock-Neunziger wachruft. Klares Ding, „Pancake Sinatra“ (dessen Titel wiederum wohlmöglich von diesem recht amüsanten Schnappschuss von Ol‘ Blue Eyes beim Schnabulat eines Bergs US-amerikanischer Plinsen inspiriert wurde) tönt verdammt gefällig!

Wer also steckt hinter der Band, die sich da Baker Seats nennt? Nun: Helge Jensen (Gesang), Jan Misdorf (Gitarre), Matthias Frank (Gitarre, Bass) und Timo Köhler (Schlagzeug) – vier Typen, die anscheinend zwar ihre Abneigung gegen Bandfotos und eine ausführliche Bandbio verbindet (zumindest hüllen sich Google und Co. vornehmlich in Schweigen), denen man in der Vergangenheit jedoch bereits in Bands wie Escapado, Grand Griffon oder The Creetins über den gen Punk Rock und Hardcore tönenden Weg laufen durfte. Und die nun eben unter dem Namen Baker Seats gemeinsame Sache machen. Let the music do the talking und so… Die beiden bisherigen EPs gibt’s – wie auch „Pancake Sinatra“ – via Bandcamp als „name your price“, für September ist mit „Pharisees“ ein erster Langspieler angekündigt. Und ist hiermit notiert. 🤘

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Redjetson – „Other Arms“


Redjetson, von denen die meisten von euch mutmaßlich nie etwas gehört haben, waren eine Band aus dem englischen Essex mit heißen, für Indie- und Post-Rock schlagenden Herzen und einem noch riesigeren Sound im Gepäck. Etwa zur selben Zeit wie artverwandte „Heiße-Scheiß“-Bands wie Bloc Party, Editors oder iLiKETRAiNS (mit denen sie oft tourten) entstanden, brachte das aus Clive Kentish, Daniel Hills, Daniel Carney, Ian Jarrold, Grant Taylor und Joel Hussey bestehende Sextett zwei durchaus amtliche, vielfältige tönende Alben von atemberaubender Schönheit zustande, die den oben erwähnten Post-Rock mit einigem an Getöse umgarnten und alldem klaviergeleitete Melancholie als Kontrastpunkt gegenüber stellten. Und sich leider trennten, noch bevor ihr zweites Werk „Other Arms“ veröffentlicht war, was dazu führte, dass ihrem frühen Schwanengesang kaum Beachtung geschenkt wurde. Nichtsdestotrotz lohnt es sich, dem Langspieler über eine Dekade nach dessen Erscheinen Gehör zu schenken.

Der frenetische Opener „Soldiers And Dinosaurs“ weiß schonmal mit seinem ordentlich Dampf machenden Schlagzeug, Multi-Vocals sowie Gitarren wie aus dem Interpol-Lehrbuch zu überzeugen. Sein verträumt-verwirbelter Habitus und der dezente Einsatz von Echo und Verzerrung, insbesondere bei Clive Kentishs Gesang, geben die Marschrichtung der folgenden neun Songs vor, deren Produktion aus Ausformuliertheit weitaus vollmundiger gerät als noch das 2005er Debüt „New General Catalogue„.

Auch in „Beta Blocker“ treten die elektrifizierten Gitarren anschließend prominent in Erscheinung, bieten jedoch auch treibende Basslinien und Glockenspiel an, während Textzeilen wie „The rent is due / Ideology’s gone / The rent is due / Philosophy’s gone“ durchaus in Widerspruch zur erhebenden Melodie stehen – ein Kontrast, der etwa auch bei „Questions I Don’t Want To Ask'“ deutlich wird. Zeilen wie „I take this opportunity to make my voice heard“ oder „Reasoning isn’t easy“ deuten eine politische Grundhaltung der Band an, die vom flotten Schlagzeugklang, dem Glockenspiel und den läutend emporsteigenden Gitarrenakkorden sowohl unterstützt als auch in Konflikt gesetzt wird. Heraus kommt ein gleichsam zarter und lebendiger Song, dem die gelegentlichen Powerchords wunderbar in die Parade fahren. Und wo sich Gitarrenbands dieser Couleur oft und gern im selbstmitleidigen Bühnenhalbschatten suhl(t)en, bieten Redjetson hier noch ein Wechselbad aus optimistischen, beruhigenden Textzeilen an. So gibt ‚(g)Listen‘ mit seinem orchestralen Klangoutfit, den stetig wandernden Basslinien und dem abermals ausgeprägten Glockenspiel dem Hörer ein schulterklopfendes „It’s alright“ mit auf den Weg. „For Those That Died Dancing“ suggeriert dunkel augenzwinkernd „There is no apocalypse / Turn off the lights and have some fun“, während dramatische Gitarren einen in die volle, warme Sounddecke einhüllen.

Und es gibt noch eine Reihe weiterer Highlights auf „Other Arms“. „Count These Demons“ etwa demonstriert die nahezu perfekte Mischung aus Ebbe und Flut, Leise und Laut. Der Song beginnt schwer, wandelt jedoch alsbald in zerbrechlichen Streichern, die Clive Kentishs gen Firmament zielende Stimme unterstützen und die subtile, hypnotische Leadgitarre begleiten. So nimmt das Stück Elemente von Rides „Vapor Trail“ oder Hope Of The States (eine ebenso zu früh aufgelöste, zu wenig beachtete britische Band) in sich auf, bevor die Soundkulisse abermals in sich zusammenstürzt. Die doppelte repetitive Gitarreneröffnung von „These Structures“ ebnet den Weg für seichtere Töne und in Echo getränkte, von massig Delay gefütterte Gitarren, die sich zu einem beinahe Metal’esken Crescendo-Finale auftürmen. „First Of The 47,000“ ist ein exzellentes, episches Instrumental der Güteklasse von Post-Rock-Vorzeigebands wie Sigur Rós, Mogwai oder Explosions In The Sky, bei dem Glockenspiel und Orgel durch eine warme, eindringlich-geräumige Gitarrenlinie ergänzt werden. Wer sprachliche Bilder mag: wie ein Schneemann, der beim Schmelzen mit fatalistischer Miene Gitarre spielt. „Threnody“ wiederum vereint nahezu alle herausragenden Trademarks des Albums in sich. Tiefgreifende, kleine Klavierakkorde, sanft gezupfte Streicher und kraftvolle Gesangslinien dominieren und werden insbesondere während der Zeile „Dignity in silence lead us all in life / Get in touch with God, cover me in vice“ von einer eiseskalt aufspielenden, atmosphärischen Gitarre unterstützt. Der wiederholte Refrain „You, my fuel, to keep me warm inside“ beruhigt die Gemüter und wappnet sich mit (s)einer muskulösen Crescendo-Gitarre für die Gesellschaft. Ein langsam gen Grundmauern brennendes und düster-dringliches Schrammel-Tristesse-Rock-Meisterwerk, das hörbar in Schönheit erstirbt.

Als „Other Arms“ im May 2009 erschien, waren Redjetson bereits seit fast einem Jahr Geschichte. Kaum verwunderlich also, dass weder den sechs ehemaligen Köpfen der zwischen 2002 und 2008 aktiven Band noch irgendeinem Plattenlabel damals großartig daran gelegen war, die Werbetrommel für dieses musikalische Adieu zu rühren. Also verschwand der Geheimtipp von der musikalischen Bild-und-Ton-Fläche, bevor er je einer werden konnte. Und nahm ein Kleinod mit, das ebenso zupackend, bodenständig und unglamourös daher kommt wie die Ecke Englands, aus der die Band stammte. Ein Album, das das Pendel gekonnt zwischen Teetasse und Sturm schwingen lässt. Das mal luftig-warm so einigen Staub durch die Indie-Rock-Kellerclubs bläst, mal dramatisch und groß und schwer und bedeutend für tausend und abertausend Sonnenuntergänge gedacht scheint. Das den Zeitgeist der Indie-Rocks der Nuller-Jahre mit zeitlos Großem des Genres versöhnt. Das keineswegs perfekt ist (und dem an mancher Stelle ein wenig der Biss „größerer“ Bands fehlt), aber viel zu schade scheint, um in Vergessenheit zu geraten.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Lakes – „Must’ve Run All Day“


Bereits im vergangenen Jahr haben Lakes eine wunderbar schimmernde, atmosphärische Lo-Fi-Pop-Coverversion von Glassjaws „Worship And Tribute„-Klassiker „Must’ve Run All Dayveröffentlicht. Dabei übernimmt die sechsköpfige Band aus dem britischen Watford so einige Elemente des 18 Jahre alten Songs aus der Feder der legendären New Yorker Post-Hardcore-Expermental-Rocker um Daryl Palumbo, während an anderer Stelle ebenjene Mid-Western-Emo-, Alternative-Rock- und Indie-Pop-Trademarks durchschimmern, welche auch Lakes‘ 2019 erschienenes Album „The Constance LP“ zu einem durchaus feinen Hörvergnügen für alle Freunde dieser Genres macht… Well done, lads.

„If it makes you
It takes you
I don’t want to
If it makes you scared
In the bare, anyway
If it makes you, I don’t want to
See your face when you feel not alive

You’re lying in bed with the pride of a lion
You are there, you are there
If you’re shrewd enough to be underlined, then
You are there, you are there

A world premiere

If it makes you
It takes you
I don’t want to
If it makes you stare
In the bare, anyway
If it’s the last thing you do
If it’s the last thing you do
If it’s the last thing you do, plagiarize

You’re lying in bed with the pride of a lion
You are there, you are there
If you’re shrewd enough to be underlined, then
You are there, you are there

Where is my‘, I said, ‚where’s my Sandinista?‘
And he walked
A world premiere

You’re lying in bed with the pride of a lion
Are you there? Are you there?
If you’re shrewd enough to be underlined, then
You are there, you are there

My boss said to me
‚Take my advice, please‘
Instead, for one second, up off your knees
We are not the competition
When we strive, we strive
To be number one“

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Good Things – „Heaven Is Yours“


Good Things sind eine Punkrock-Band aus New York City, die aus Cameron Sacchet (Gesang, Gitarre), Christopher Henriquez (Bass) und Eric Pace (Schlagzeug) besteht – drei Kumpels, die es lieben, gemeinsam Musik zu machen und Geschichten zu erzählen. Mit ihrer vielfältigen musikalischen Sozialisation vermischen Good Things, welche mit gerade einmal etwa 250 Facebook-Likes noch als echter Geheimtipp gelten, Elemente aus Punk, Post Hardcore, Indie und Alternative Rock und schaffen in ihren Songs so nicht selten ein recht komplexes Hörerlebnis. „Heaven Is Yours“, das kürzlich via Bandcamp als „name your price“ veröffentlichte Debütwerk der Band, ist eine Konzept-EP, welche eine Kurzgeschichte über Liebe und Tod vertont. Mehr noch sogar: mit ihrer ideenreichen, druckvollen Instrumentierung (in der sogar Platz für ein kurzes Saxofon-Intermezzo ist!) und Sacchets erdrückendem Gesang nimmt sie den Hörer für knapp zwanzig Minuten vollumfänglich gefangen. Und irgendwie kann „Heaven Is Yours“ ja auch sinnbildlich für die Geschichte von Good Things stehen, denn diese hat gerade erst begonnen…

Gitarrist und Sänger Cameron Sacchet meint über das Debütwerk seiner Band: „‚Heaven Is Yours‘ ist eine Konzept-EP über Liebe und Tod. Sie wurde eigentlich rückwärts geschrieben, wobei zuerst der Titelsong am Ende der Platte entstand und der Rest darauf aufbaut. Wir mischten einen Haufen verschiedener Stile, indem wir einfach das schrieben, was wir schreiben wollten und Spaß dabei hatten.“

Rock and Roll.

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