Schlagwort-Archive: Indie Pop

Song des Tages #2: Erdmöbel & Niloufar Taghizadeh – „Hoffnungsmaschine“


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2018 veröffentlichte die Kölner Indiepop-Band Erdmöbel auf ihrem jüngsten, nunmehr zwölften Album „Hinweise zum Gebrauch“ gemeinsam mit Ex-Wir sind Helden-Frontdame Judith Holofernes „Hoffnungsmaschine“, ein Lied über Zuversicht und Zusammenhalt. Nun, zwei Jahre später (in denen sich leider wenig von dem, was ebenjenes Stück – mit allerlei fromm-optimistischen Wünschen im Gepäck – ein klein wenig zum Besseren verändern sollte, zum Positiven gewendet hat), soll es in Zusammenarbeit mit der iranischen Regisseurin und Autorin Niloufar Taghizadeh in einer deutsch-persisch-englischen Version erneut etwas positive Kraft freisetzen…

91Wsn+tGkaL._SS500_Laut eigener Aussage habe die Eskalation zwischen Donald Trump und dem Iran die Band um Sänger und Songschreiber Markus Berges schon vor einiger Zeit auf die Idee gebracht, ihren Song „Hoffnungsmachine“ in einer alternativen Version neu aufzulegen. Daher hat das bereits seit 1993 bestehende Indiepop-Quartett mit Niloufar Taghizadeh nun – sowohl in Ton als auch in bewegten Bildern – eine Form für „Hoping Machine“ gefunden, die genau den Kern ausdrückt, der diesem Lied innewohnt. „Lass die Hoffnungsmaschine laufen!“ als Fingerzeig in die Zukunft, als Mantra und Aufruf des Zusammenrückens – auf Deutsch, Persisch und Englisch.

 

„Ein Lied gegen den Hass, gegen jede Form von Imperialismus. Mit einem Video, das sich über Zwangsidentitäten und Sexismus lustig macht.“

Erdmöbel

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Lola Marsh – „What Am I“


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Foto: Promo / Michael Topyol

Lola Marsh mögen (noch) keinen großen Namen im Musikgeschäft innehaben, bei eingeweihten trendbewussten Indie-Connaisseuren jedoch steht das Duo bereits seit einiger Zeit für durchaus gefällige Pophits, warme Harmonien und smarte Texte.

Die aus dem israelischen Tel Aviv stammende Band wurde 2013 von Gil Landau (Gitarren, Keyboards) und Yael Shoshana Cohen (Gesang) gegründet, nachdem die weibliche Hälfte (Cohen) der männlichen (Landau) bei dessen Geburtstagsfeier spontan anbot, den Gesangspart bei einigen Folkstücken zu übernehmen – sofort war klar, dass die beiden gemeinsam musizieren sollten. Gefühlt? Getan! Zusammen mit ihrer fünfköpfigen Begleitband machten Lola Marsh bald darauf beim Primavera Sound Festival 2014 zum ersten Mal in größerem Stil auf sich aufmerksam. Es folgten weitere Festivalauftritte, wie beim Exit und Pukkelpop, sowie eine ausgedehnte Europatournee. Die 2016 veröffentlichte „You’re Mine EP“ sowie das ein Jahr darauf erschienene Debütalbum “Remember Roses” wurden mit ihrem gekonnt zwischen Lana Del Rey, Angus & Julia Stone, BOY, Feist oder Cocoon changierendem Indiefolkpop allerorts wohlwollend aufgenommen, die Single “Wishing Girl” mit ihrem Mumford-Beat und Of Monsters And Men-Gitarrenballaden-Momenten etwa mauserte sich zum Europa-weiten Fanfavoriten und kletterte in Deutschland bis in die Top 40 der Airplay Charts. Auch international wurde man schnell auf Lola Marsh aufmerksam: So kamen mehr als 40 Millionen Streams und der ein oder andere Einsatz in bekannten US-Serien zusammen  –  zum Beispiel beim „Breaking Bad“-Ableger “Better Call Saul” (mit einer Coverversion von „Something Stupid“).

0602508526930Nun meldet sich Tel Avivs eventuell coolster Pop-Export mit einem neuen Album zurück: „Someday Tomorrow Maybe“ erscheint am 24. Januar. Nach den bereits sehr in Richtung Radio-Pop schielenden Vorab-Singles „Echoes“ und „Only For A Moment“ schieben Gil Landau und Yael Shoshana Cohen, über die in einem Kommentar bei YouTube recht treffend zu lesen war, sie „sähe aus wie Penelope Cruz und singe wie Lana Del Rey“, mit „What Am I“ einen weiteren Song als Vorgeschmack ihres zweites Albumstreiches nach.

Dieser erinnert mit seinem dezenten, wundervollen Arrangement an die Folk-Kleinode eines Sufjan Stevens (oder eben an die frühen Stücke des – zumindest bis 2011 – ganz ähnlich tönenden französischen Duos Cocoon) und tänzelt gerade im letzten Drittel herrlich verträumt in den hoffentlich baldigst nahenden Frühling. Kaum weniger berührend, euphorisch und hypnotisierend zeigt das dazugehörige, von Sängerin Yael produzierte Musikvideo Aufnahmen von den weltweiten Tourneen der Band in den letzten vier Jahren, die alle auf die warme Melodie des Songs abgestimmt sind.

 

„‚What Am I‘ is one of the first songs we wrote, way back in 2011 when Lola Marsh was just getting started. Over the years we have collected precious, behind the scenes moments, from our life on tour. Yaeli edited this lyric video using short clips we all took with our phones, trying to freeze moments in time.“

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Martha – „Love Keeps Kicking“


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„Ich glaube nicht, dass ich auf meinem Sterbebett denken werde: ‚Hätte ich mal lieber an meinem Lebenslauf gearbeitet anstatt auf Tour zu gehen’“, sagte Nathan Stephens-Griffin von der britischen Band Martha 2014 im Interview mit dem Radiosender NPR. Sicher, datt: Martha sind „Punk“ durch und durch – vegan, (teils) straight edge, antirassistisch und antikapitalistisch. J.C. Cairns (Gitarre, Gesang), Daniel Ellis (Gitarre, Gesang), Naomi Griffin (Bass, Gesang) und Nathan Stephens-Griffin (Schlagzeug, Gesang) sind auch: recht krasse Musik- und Literatur-Nerds, mit einem stets augenzwinkernd nordenglischen Sinn für Humor und Fatalismus.

5060366787101Auf „Love Keeps Kicking„, ihrem im April erschienenen dritten Album, spickt das Quartett aus dem Durham’schen Vorort Pity Me (ja, der heißt tatsächlich so!) ihre Songs – zwischen Eighties-Jangle, Power-Pop und Indie-Rock – mit Anspielungen und Referenzen – etwa an die afroamerikanische Schriftstellerin Maya Angelou, die Schweizer Proto-Feministin Isabelle Eberhardt oder den Weird Fiction-Giganten H.P. Lovecraft. Im Musikvideo zum luftigen Titelsong kickt ein überdimensionaler Fuß in weltbester Fifties-SciFi-Filme-Persiflage-Manier fortwährend Menschen durch die Gegend oder trampelt sie platt, während die Band dem Treiben vom Sofa aus zusieht und sich uneins ist, was das alles zu bedeuten hat – bis Gitarrist Daniel Ellis eingreift…

Aber eigentlich geht es um das, was schon im Albumtitel, bei dem das große Four-Letter-Word ganz am Anfang steht, angedeutet wird: die kleinen und großen Schmerzen, die wir uns selbst zufügen, indem wir uns auf andere Menschen einlassen. Die neuste Platte des Power-Pop-Punk-Quartetts versteht sich als Trennungsalbum, begreift die olle Liebe allerdings nicht allein als Auslöser von Schmerz, sondern auch als dessen wirkungsvollstes Heilmittel.

Version 2

Schnörkellos und mit nahezu durchweg hohem Tempo jagt der Vierer durch die elf Songs, allerdings mit einem so griffigen Songwriting, das man trotz des ein oder anderen Drehwurms nie die Orientierung verliert sowie mit stürmischen Power-Pop-Punk, der mit Mehrstimmigkeit und eingängigen Gitarren-Hooks keinen Muskel unbewegt lässt. Da landen sie etwa bei „Sight For Sore Eyes“, einem der besten Stücke der Platte, das die perfekte Balance zwischen Melancholie und Euphorie findet. Oder auch beim freudig-folkloristischen Einstieg „Heart Is Healing“ sowie dem bereits erwähntem Titelstück, nur echt mit beklopptem B-Movie-Video samt riesigem Monsterfuß. In der zweiten Hälfte beweisen Martha indes, dass ihre Philosophie auch ein paar stilistische Ambitionen zulässt. Zwar gibt es hier, wie noch beim 2016er Vorgänger „Blisters In The Pity Of My Heart„, keinen Siebenminüter à la „Do Nothing“, dafür aber „Brutalism By The River (Arrhythmia)“, das nach anderthalb Minuten plötzlich in einen Shoegaze-Part kippt und zu einer großartigen Klimax zusammenläuft. „Orange Juice“ erinnert mit seiner sehnsuchtsvollen Epik sogar an ewige Indie-Emo-Größen wie The Weakerthans oder Jimmy Eat World – dass eine nordenglische Provinz-Band je so amerikanisch klang, darf bezweifelt werden.

Was Martha mit Genre-Kollegen wie den Muncie Girls verbindet? Dass bei all dem Hochleistungsbetrieb die wirklich tollen Texte manchmal etwas unterzugehen drohen. Daran ändert sich auch auf „Love Keeps Kicking“ wenig – gerade „Mini Was A Preteen Arsonist“ (das seine Ramones-Referenz voller Stolz im Titel trägt) ist mit seiner süßen, aber auch bestimmten Geschichte von kindlicher Rebellion ein aufmerksames Ohr wert. Selbst allereinfachste Zeilen wie „I don’t know what to do now“ können dann tief ins Fleisch drücken, gipfelnd in „The Only Letter That You Kept“, dem wohl bislang herzzerreißendsten Song der Band: Bassistin Naomi Griffin singt nur von ein paar Gitarren begleitet von früher Heirat und falscher Liebe, bis ihre Kollegen im finalen Chor den Haken hinter die Vergangenheit setzen. Martha zählen nicht nur deshalb zur Genre-Spitze ihres Landes, weil sie so großartige, mitreißende Musik machen, sondern weil sie jeden Ton und jedes Wort absolut aufrichtig rüberbringen. Wer sich nicht am mit breitem nordenglischen Slang vorgetragenen, charakteristisch zweistimmig-quietischigen Gesang der Doppelspitze aus Naomi Griffin und Nathan Stephens-Griffin sowie den hell krachenden Slacker-Gitarren stört, mag sich positiv an Bands wie Belle & Sebastian, The Replacements, Cheap Trick, Ted Leo and the Pharmacists oder The Vaselines erinnert fühlen. Wäre auch zu schade gewesen, wenn mir die Band 2019 komplett durch die Lappen gegangen wäre…

 

 

„Ooh yeah

Things got weird the night you burned the hair to seal the hex
I need a paid interpreter to decipher your midnight texts
You were tripping fractals from the pills you took with Paul
Sometimes I feel so empty I just wanna leave it all

Love keeps kicking, ooh yeah…

Dressed for the reception, you were coping with the blues
When you got smashed and tried to mosh to Huey Lewis and the News
When granny took a tumble you were exiled to the Crown
You played the one armed bandit till the landlord chucked you out and he said

Love keeps kicking (Love keeps kicking), ooh yeah…

You said love keeps kicking the shit out of me and there’s no solution I can see
No happy pill, no drinking bleach, no permanent lobotomy
Oh I tried living, I tried giving, I tried fibbing, I tried kidding
I tried wishing, I tried switching, I tried sitting, and I tried drifting
I tried quitting, I tried splitting, I tried shifting, I tried committing
Tried to make it, tried resisting, tried insisting
You’re not listening

Love keeps kicking (Love keeps kicking), ooh yeah…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Georgia Maq – „Easy To Love“


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Georgia „Maq“ McDonald, die sonst bei den australischen Alternative-Punkrockern Camp Cope für Gitarre und Gesang zuständig ist, hat mit „Pleaser“ überraschend ihr erstes Soloalbum veröffentlicht.

(Stille)

(Drei, vier Mal Anflüge von verdutztem Klatschen)

pleaser.jpgKlar, Begeisterungsstürme dürfte die Mittzwanzigerin damit hierzulande kaum auslösen, denn von den acht Stücken ihres halbstündigen Solodebüts dürften sogar noch weniger Leute Wind bekommen als vom unlängst, 2018 veröffentlichten Camp Cope-Werk „How To Socialize And Make Friends“. Doch gerade weil sich McDonald im Alleingang sowohl musikalisch als auch inhaltlich ein gutes stückweit weg vom Lofi-Indiepunk ihrer dreiköpfigen Hauptband mit Home Base in Melbourne bewegt, lohnt es sich in der Tat, mal ein Ohr zu riskieren.

Denn wo sich die Songs von Camp Cope mehrheitlich um Politisches und Familiäres drehen (und sich das All-Female-Trio, zu dem noch Kelly-Dawn Hellmrich am Bass und Sarah „Thomo“ Thompson am Schlagzeug gehören, in ihrer Heimat bereits eine treue Fangemeinde erspielen konnte), widmet sich Georgia „Maq“ McDonald, deren Name Anfang des Jahres durch die Musikpresse „geisterte“, als sie gegen ihren Ex-Freund, den The Smith Street Band-Sänger Wil Wagner, im Zuge der #metoo-Welle schwere Vorwürfe (unter anderem wegen Gewaltandrohungen) erhob, auf ihrem ohne größeren Ankündigungszirkus Album-Alleingang einem universelleren Thema: der Liebe – sowohl der romantischen als auch der Selbstliebe. „Liebe, von der du dich entfernt hast, um dich selbst zu lieben, unerwiderte Liebe, vergebende Liebe, Liebe ohne Sinn und Verstand“, wie sie die Sujets selbst in einem Statement beschrieb.

“Running in circles, I’m still learning / To be comfortable standing still…” („Big Embarrassing Heart„)

Musikalisch docken die Stücke in deutlich poppigeren und ruhigeren Gefilden an und sortieren sich ein ums andere Mal im Referenzregal gleich neben Alleinstellungs-Indiepop einer Robyn („Body Talk“) oder Lorde („Melodrama“) ein. Was noch einmal mehr Sinn ergibt, wenn man weiß, dass McDonald in der letzten Zeit Gesangsunterricht nahm: „Anstatt nur zu schreien versuche ich nun, tatsächlich etwas zu erschaffen, das sich für mich schön anhört. Es wird kein wütendes Geschrei über irgendwas mehr geben.“ Und dann hört man in zarte Electronica-Beats und Synthie-Lines getauchte Songs wie „Easy To Love“ oder „You’ll Be Singing My Name“ und stellt fest, dass diese Kompositionen – wenn auch dann in deutlich radiotauglicher, „fetterer“ Produktion als der von Darcy Baylis und Katie Dey – auch einer Taylor Swift ebenso gut zu Gesicht stünden wie Camp Cope (dann wiederum in wilderen „Power Emo“-Indiepunk gehüllt) – ein größeres Vielseitigkeitskompliment für clever komponierten Zeitgeist-Pop gibt’s eigentlich kaum. Da scheint eine durchaus profilierte Pop-Songschreiberin á la Sia (die ja kaum zufälligerweise ebenfalls aus Down Under stammt) in Georgia McDonald zu stecken…

 

 

Rock and Roll.

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Klassiker des Tages: Straylight Run – „Existentialism On Prom Night“


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Erinnert sich noch jemand an Straylight Run? Bereits über eine Dekade ist es her, da galt die vierköpfige Band als eines der heißesten Eisen im Feuer des Indie-Emorocks – damals, 2004. Und wenn ich jetzt noch erwähne, dass anno dazumal noch nicht einmal studiVZ existierte, Facebook lediglich als Frühgeburt unter Mark Zuckerbergs (noch) klammen Informatiker-Fingerchen und Myspace oder illegale mp3-Tauschbörsen wie Napster gerade der heißeste Scheiß im noch spärlich bevölkerten Word Wide Web waren, dann sprießen dem Einen oder der Anderen sicherlich ein paar graue Härchen mehr, oder?

71Y+lyxSKiL._SX355_.jpgVor ein paar Tagen jedenfalls feierte Straylight Runs selbstbetiteltes Debütalbum 14. Veröffentlichungsgeburtstag. Darauf zauberten John Nolan und Shaun Cooper (seinerzeit frisch bei der Emorock-Vorzeige-Kapelle Taking Back Sunday ausgestiegen) sowie Nolans Schwester Michelle und Schlagzeuger Will Noon elf mal rockige, mal pianolastig-balladeske Gänsehaut-Hymnen aus den juvenilen Ärmeln, die genau in den musikalischen Zeitgeist irgendwo zwischen My Chemical Romance, Death Cab For Cutie, Jimmy Eat World, Hawthorne Heights oder der Counting Crows passten – Pop für Emo-Kids quasi, jedoch ohne peinlichen Kajal-Anstrich. Wie plattentests.de seinerzeit urteilte: „In einer gerechten Welt würden sämtliche Teenager die Platte kaufen und für die nächsten Jahre ihre schmerzende Adoleszenz mit der Musik von Straylight Run untermalen.“ Und selbst spiegel.de war „die Revolution der Niedlichen“ seinerzeit ein paar Zeilen wert.

Im Rückspiegel scheint es daher umso betrüblicher, dass Straylight Run keine längere Zukunft beschieden war. Nach dem drei Jahre darauf, 2007, erschienenen Nachfolger „The Needles The Space„, der sich noch ein ganzes stückweit mehr dem Pop zuwandte, sowie ein paar weiteren Mini-Alben-Lebenszeichen (zuletzt 2009 die „About Time EP„) wendeten sich John Nolan und Shaun Cooper wieder ihrer „alten Liebe“ Taking Back Sunday zu, während Michelle StreetCred-konform Dropkick Murphys-Bassist Jeff DaRosa heiratete (und daher heute dessen Nachnamen trägt) und etwas später beim Band-Projekt Destry (zu welchem zeitweise einmal mehr Shaun Cooper sowie Sam Means von The Format gehörten) letzte Indiefolk-Lebenszeichen sendete. Heute zeugt zwar noch ein Myspace-Profil auf seltsam nostalgisch-verstaubte Weise von einigen wenigen großen, ewig tollen Song-Versprechen [neben „Existentialism On Prom Night“ oder „Your Name Here (Sunrise Highway)“ sei auf jeden Fall noch das sich in Gigantomanie gegen Kriegslust wund stampfende „Hands In The Sky (Big Shot)“ von der feinen „Prepare To Be Wrong EP“ ans Hörerherz gelegt] des Quartetts aus dem US-amerikanischen Baldwin, New York. Straylight Run selbst sind jedoch längst nie wirklich aufgeblühte Emorock-Historie…

 

 

„When the sun came up
We were sleeping in
Sunk inside our blankets
Sprawled across the bed
And we were dreaming

There are moments when
When I know it ends
The world revolves around us
And we’re keeping it
Keep it all going
This delicate balance
Vulnerable, all-knowing

Sing like you think no one’s listening
You would kill for this
Just a little bit
Just a little bit
You would

Sing like you think no one’s listening
You would kill for this
Just a little bit
Just a little bit
You would, you would

Sing me something soft
Sad and delicate
Or loud and out of key
Sing me anything
We’re glad for what we’ve got
Done with what we’ve lost
Our whole lives laid out
Right in front of us

Sing like you think no one’s listening
You would kill for this
Just a little bit
Just a little bit
You would

Sing like you think no one’s listening
You would kill for this
Just a little bit
Just a little bit
You would, you would

Sing me something soft
Sad and delicate
Or loud and out of key
Sing me anything“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages #2: Bang Bang Romeo – „The Show Must Go On“ (live at Sofar London)


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Hiermit gebe ich mal folgenden Tipp ab: In den Heavy-Rotation-Playlisten der güldenen Radio-Rubrik „Der neuste heiße Newcomersenkrechtstarterscheiß“ dürfte sich wohl bald eine Band wiederfinden, die auf den Namen Bang Bang Romeo hört.

7171ALfTVML._SS500_Dahinter verstecken sich Sängerin Anastasia „Stars“ Walker, Gitarrist Ross Cameron und Schlagzeuger Richard Gartland, die bereits seit mehr als acht Jahren gemeinsam an ihrem Durchbruch arbeiten. Erste größere Aufmerksamkeit erregte das Trio aus dem englischen Doncaster, South Yorkshire, mit der Veröffentlichung ihrer „Shame On You EP“ sowie wenig später mit ihrem Auftritt auf der Hauptbühne des renommierten Isle Of Wight Festival im Juni 2018, bei dem sie mit ihrer Mischung aus Glam-Rock-Energie und Indie-Disco-Soul-Pop-Fulminanz einen Großteil des anwesenden Publikums umgehend mitrissen und auch im Nachhinein für die ein oder andere offene Kinnlade sorgten.

Und auch das am vergangenen Freitag erschienene Debütalbum „A Heartbreaker’s Guide To The Galaxy“, das die Band in Birmingham, New York und Los Angeles aufnahm, bevor es von Grammy-Preisträger Mark Needham (unter anderem „Wicked Game“ von Chris Isaak sowie „Hot Fuss“ von The Killers) gemixt wurde, lässt kaum Zweifel an den großen Ambitionen von Bang Bang Romeo zu. Für kleine Brötchen sind allein schon die Referenzen zu groß, immerhin wird Frontfrau Anastasia „Stars“ Walker oft genug als ein – da hört her! – „Mix aus Adele und Beth Ditto“ beschrieben (anderswo fallen noch die Namen weiterer üblich-verdächtiger großer Stimmen wie Stevie Nicks oder Florence Welch). Und obwohl Parallelen allein schon aufgrund ihres Körpervolumens und – vor allem im Vergleich mit der Gossip-Stilikone – ihres Outfits kaum von der Hand zu weisen sind, fühlt sich die Newcomer-Stimme natürlich geschmeichelt: „Ich weiß nicht, warum sie mich mit denen vergleichen. Ich mag es aber, denn ich bin ein großer Fan von Ditto und Adele, was die Inspiration angeht. Und gut, ich meine, wir sind beide füllige Mädchen, wir beide singen Rock. Sie sind beide so heftig in der Branche, dass es mich freut, mit ihnen verglichen zu werden.“

bang-bang-romeo-700x700Eine weitere Nahtstelle zu Beth Ditto dürfte Walkers Engagement für die LGBTQ-Bewegung sein – aus recht naheliegenden Gründen, wie sie vor einigen Monaten im Zuge der Veröffentlichung der Bang Bang Romeo-Coverversion des Neunzigerjahre-4 Non Blondes-Evergreens „What’s Up?“ erklärte: „Es ist 2019 und ich lebe als offen lesbische Frau in einer Welt, in der ich in einigen Ländern Gefängnis, menschenunwürdige Behandlung oder sogar den Tod zu fürchten habe. Es ist ZWEITAUSENDUNDNEUNZEHN. Linda Perry schrieb dieses Lied 1992 und fragte schon damals, ‚What’s Going On?!‘. Wir haben dieses Lied mit ihrem Segen gecovert, denn 25 Jahre später sitze ich hier und stelle mir immer noch die selbe verdammte Frage. An meine LGBTQ-Familie und meine starken Schwestern: der Song hier ist für euch!“ Dementsprechend klar fällt auch ihre Botschaft an alle gestrigen Engstirnträger aus: „Ganz einfach: sei kein Arschloch. Es ist egal, wen wir lieben. Wenn du glücklich bist, ist das doch das Einzige, was zählt. Wir vergessen viel zu oft, dass sich das Glück aus so vielen verschiedenen Faktoren zusammensetzt.“

Gut möglich also, dass Bang Bang Romeo mit Songs wie „Shame On You„, „Bag Of Bones„, „Cemetery„, „Johannesburg“ oder „Chemical„, bei denen britisch geprägter Stadionrock der eingängigsten und bubblegummigsten Sorte (der sich allerdings auch nicht davor ziert, auf die allabendliche Las Vegas-Revue der Killers zu schielen) auf Themen wie Weiblichkeit, Body Positivity oder Sexualität trifft, bald in steter Regelmäßigkeit in der „Das Beste von heute!“-Rubrik des Radiosenders eures Vertrauens laufen. Topp, die Wette gilt!

 

Adele, Beth Ditto, Linda Perry, an anderer Stelle auch Marie Fredriksson (Bang Bang Romeo haben es sich nicht nehmen lassen, den Roxette-Neunziger-Guilty-Pleasure-Song „The Look“ live in bester Mitklatschversion ins 21. Jahrhundert zu überführen)… – Anastasia „Stars“ Walker und ihre Jungs schrecken keineswegs vor großen Namen (und noch größeren Stimmen) zurück. Das beweist auch die Version des Queen-Gassenhauers „The Show Musst Go On„, den die britische Newcomer-Band 2018 bei Sofar London zum Besten gab:

 

Mehr Wissenswertes über die liebsten Songs der Band erfährt man übrigens hier

 

Rock and Roll.

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