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Song des Tages: Ages And Ages – „Divisionary (Do The Right Thing)“


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Es gibt ja diese Bands und Künstler, die nur mit der Macht ihrer Stimme(n) wahre Orkane und (innerliche) Jubelstürme entfachen können. Der abseits der Bühne eventuell leicht spinnert und versucht wirkende Einar Stray und sein vielköpfiges Einar Stray Orchestra etwa. Sufjan Stevens natürlich, der es seit beinahe zwanzig Jahren (und gefühlt ebenso vielen stilistischen Richtungswechseln) kaum weniger gut versteht, gleichsam zu verwirren und verzücken. Die (leider) auf Eis gelegten PHOX um Ausnahmestimme Monica Martin. Oder meinetwegen – wer’s poppiger, leichter und etwas zugänglicher mag – auch Lake Street Dive. Und natürlich Ages And Ages.

Klar, die vor zehn Jahren gegründete Band aus dem US-amerikanischen Portland, Oregon hat es trotz immerhin vier ebenso feiner wie unterschiedlicher Alben (zuletzt erschien im April „Me You We They„) bislang nicht zur „großen Nummer“ der Marke Mumford & Sons geschafft, und findet ihre Bühnen auch nach einer gemeinsamen Dekade noch immer eher in kleinen Indie-Clubs denn in den großen Stadien – was der Indiefolk-Band ja andererseits auch mehr künstlerische Freiheiten lässt…

71MXs6K5mCL._SS500_.jpgUnd die nehmen sich Bandleader Tim Perry (Gesang, Gitarre) und seine mal vier, mal fünf, mal sechs, mal noch mehr Mitmusiker-Ladies und Gentlemänner in der Tat. Bestes Beispiel: Der Song „Divisionary (Do The Right Thing)“ vom zweiten, 2014 erschienen Werk (fast) gleichen Titels, „Divisionary„. In diesem bietet das recht lose Band-Kollektiv aus dem Nordwesten der US of A lebendigen, pastoralen Folk-Pop, der mit seinem mehrstimmigen Gesang und seiner weihevollen Würze wahlweise als beinahe als kirchlicher Kanon oder dezent hippie’esker Choral von der himmelsstürmenden Güteklasse der Mamas & The Papas durchgehen könnte. Dass all das – gerade heutzutage – mit seinem entrückten Charme der Sechziger (oder wahlweise Siebziger) leicht aus jeglichem Zeitgeist gefallen wirkt, dürfte – übrigens ebenso wie der Fakt, dass die vornehmlich fröhlichen Melodien nicht selten in derben Kontrast mit oftmals traumatischen, ernsten Themen treten – wohl nur die verwundern, denen nicht bewusst ist, dass die Ages And Ages’sche Homebase Portland (und deren Kulturszene) ohnehin im Gros schrägere Leute als im Rest der Vereinigten Staaten beheimatet. Da passen denn auch Selbstbeschreibungen wie „Raw Choral Pop“ und „Brisk Indie Folk“ recht gut ins Gesamtbild…

Schlussendlich bleiben feine Songs mit noch feineren Melodien, die sich hier und da über Tage hinweg in den Gehörgängen festsetzen. Wieso es Ages And Ages nichtsdestotrotz noch nicht über den Status der Kritikerlieblinge und des geflüsterten Geheimtipps hinweg geschafft haben? Nun, große Bands müssen nicht „groß“ sein, um großartig zu sein. Isso.

 

Hier gibt’s das Musikvideo…

 

…sowie eine Live-Version, die zeigt, welche Kraft der Song gerade im (vergrößerten) Kollektiv und außerhalb irgendwelcher recht klinischen Studio-Türen entwickeln kann:

 

„Do the right thing
Do the right thing
Do it all the time
Do it all the time
Make yourself right
Never mind them
Don’t you know you’re not the only one suffering

I see you up again wandering so diligent
Y‘ crossing your T’s as though it weren’t irrelevant
They say formality, this is what they really meant:
They can be the walk
We can, we can be the pavement

Do the right thing
Do the right thing
Do it all the time
Do it all the time
Make yourself right
Never mind them
Don’t you know you’re not the only one suffering

So what you’re up against all the disingenuous
They wave you along and say there’s always room for us
But we know better then, than to take ‚em serious.
Still don’t let’em make you bitter in the process

And when the light is up, this is how it oughta be
We’ll make it alright, they’ll come around eventually
They say it’s nothing, but that ain’t the reality
They may take us on but they can never take us easy

They ain’t moving, they’re just moving around
So if you love yourself, you better
Get it out
Get it out
Get it out
Get it out
Now

Do the right thing
Do the right thing
Do it all the time (do the right thing)
Do it all the time (do it all the time)
Make yourself right
Never mind them (do it all the time)
Don’t you know you’re not the only one suffering

Do the right thing
Do the right thing (I hear a higher calling)
Do it all the time (Better here than there, I guess)
Do it all the time
Make yourself right (some time)
Never mind them (some time)
Don’t you know you’re not the only one suffering…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages #2: Enno Bunger – „Ponyhof“


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Foto: Promo / Dennis Dirksen

Ich hätte in dieser Phase eigentlich dringend einen Psychotherapeuten aufsuchen müssenAber ich wollte mich durch das Schreiben selbst therapieren. So können aus den traurigsten Anlässen die berührendsten Lieder entstehen. Die größte Scheiße, durch die man gehen muss, kann der beste Dünger für berührende Kunst sein.“

Keine Frage – diese Worte versprechen eines der wohl besten, in jedem Fall emotionalsten und berührenden deutschsprachigen Alben dieses (Musik)Jahres.

Dementsprechend herrscht seitens ANEWFRIEND immer noch große Vorfreude auf Enno Bungers am 26. Juli erscheinendes neues Album „Was berührt, das bleibt.„. So groß, dass euch hier erneut ein Stück des kommenden vierten Werkes ans Hörerherz gelegt sei.

ponyhof„Ponyhof“ heißt dieser, und ist nach „Bucketlist“ und „Stark sein“ (dieser wiederum handelt von Bungers Lebensgefährtin und wie beide mit einer Nachricht, die keiner will umgingen) bereits die dritte Vorab-Auskopplung aus dem Nachfolger zum freilich immer noch tollen 2015er Album „Flüssiges Glück„.

„Es erzählt die Geschichte von vier Menschen, die durch Liebe und Freundschaft verbunden sind, durch Schicksalsschläge und Krankheiten noch näher zusammenstehen und den Tod getrennt werden“, heißt es dazu – und der Song hat als Rede auf dem Festtag seines Schlagzeugers Nils tatsächlich so stattgefunden.

Wie auch die Vorgänger haben Bunger und sein Kreativteam, bei dem sich Dennis Dirksen für Kamera, Schnitt und Regie, Sarah Muldoon fürs Helfen beim Drehbuch, Stefan Mückner für Artwork und Assistenz sowie Nils Dietrich und Max Reckleben – nebst dem umsichtigen 32-jährigen Musiker – in Rollen vor der Kamera zuständig zeichneten, den dritten Teil vom Kurzfilm zu „Was berührt, das bleibt.“ auf Madeira und in Deutschland gedreht.

 

„Der Song Ponyhof ist meine gesungene Trauzeugenrede an den besten Freund, den man sich vorstellen kann. ‚Du bist da, wenn auch nichts im Leben sicher scheint – wenn ich von Freundschaft sprach, hab ich immer Dich gemeint.‘ Ich wünsche jedem von Euch einen Nils an Eurer Seite.“ (Enno Bunger)

 

Hier gibt’s das dazugehörige Musikvideo zum mit etwa sechs Minuten beinahe schon epischen Song, welcher einer von zwei auf dem neuen Album sein wird, die gemeinsam mit dem ehemaligen Voltaire-Frontmann Roland Meyer de Voltaire (der sich nun hinter dem Projekt SCHWARZ verbirgt und vornehmlich elektronischere Musik produziert) entstanden:

 

Bereits Ende des vergangenen Jahres hatte der norddeutsche Liedermacher für den kommenden Herbst eine ausführliche Deutschland-Tour angekündigt. Das hier sind die Daten:

08.10.19 – Essen, Zeche Carl
09.10.19 – Hannover, Musikzentrum
10.10.19 – Dresden, Beatpol
13.10.19 – München, Ampere
16.10.19 – Leipzig, Werk 2
17.10.19 – Göttingen, Musa
18.10.19 – Hamburg, Große Freiheit 36
19.10.19 – Berlin, Festsaal Kreuzberg
21.10.19 – Würzburg, Cairo
22.10.19 – Frankfurt am Main, Mousonturm
23.10.19 – Stuttgart, Im Wizemann
24.10.19 – Heidelberg, Halle 02
26.10.19 – Freiburg, Jazzhaus
28.10.19 – Erfurt, Franz Mehlhose
29.10.19 – Bremen, Schlachthof
30.10.19 – Köln, Gloria
01.11.19 – Osnabrück, Rosenhof
02.11.19 – Magdeburg, Moritzhof
03.11.19 – Rostock, Helgas Stadtpalast

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Jade Bird – „Love Has All Been Done Before“


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Im Fall von Jade Bird mag man das musikalische Hüh-Hott von verschiedenen Seiten aus aufzäumen: Wahlweise darf man glauben, dass die seligen Neunziger mit ihren Alanis Morissettes, Shania Twains, Sheryl Crows oder Natalie Imbruglias ihr Revival bekämen. Oder bereits die Nullerjahre, als ein blondes Pausbacken-Kücken namens Taylor Swift zum großen Sprung aus der US-Südstaaten-Hillbilly-Country-Scheune hin zu den gaaaaanz großen Arenen ansetzte. Kann man machen. Oder anerkennend staunen, was für eine Energie die 21-jährige Britin bereits auf ihrem selbstbetitelten, im April erschienenen Debütalbum versprüht…

91HUOaBPk+L._SS500_.jpgKlar, neu sind die musikalischen Zutaten keineswegs, die Jade Elizabeth Bird da in Songs wie „Lottery„, „Uh Huh“ (die beide bemerkenswerterweise bereits in den Top 3 der US-Alternative-Charts landeten), „I Get No Joy“ oder „Love Has All Been Done Before“ benutzt: Ein bisschen Alt.Country-Spirit hier, großzügige Prisen Americana und Indiepop da, ein Mü bluesige Schwere im Abgang, mächtig Emphase-Nachwürze im Refrain – fertig ist der Ohrwurm, den du partout nicht mehr aus den Gehörgängen bekommst (und das erfreulicherweise auch gar nicht möchtest), und der ebenso gut als qualitativ gelungener Lückenfüller zwischen all die immergleichen Mark-Forster-Klonen ins Formatradio passt. Allein schon der (Band-)Instrumentierung wegen hätte man in den Neunzigern gut und gern von einer „Rockröhre“ geschrieben (und Indie-Kundige hätten wohl noch Nikka Costa als stimmgewaltigen Vergleich ins Feld geführt). Ist die Newcomerin, Jahrgang 1997, auch – nur eben nicht schal und „zig mal so gehört“, sondern frisch, intensiv und interessant. Und auch wenn man’s berechnend (und ein klein wenig naiv) finden darf, das Debütwerk, das der 2017 veröffentlichten „Something American EP“ nachfolgt und bei welchem der Newcomerin bekannte Namen wie Simon Felice und David Baron zur Seite standen, mit einer so arg niedlich-reduzierten, lieblichen Nummer wie „Ruins“ zu eröffnen – Jade Bird beherrscht viele Nuancen bis hin zu herzergreifend großen, simplen Balladen wie „17“ oder dem abschließenden „If I Die„, welches die tolle Zeile „If I die put me in a song / Tell everyone how in love I’ve been“ aufbietet, die wie viele der Songs am Ende doch – wie könnte es anders sein – vor allem von der Liebe erzählt (jedoch anderswo auch schwerere Themen wie Scheidung, Trauer oder Tod touchiert)… Aber das war ja für ewige Größen wie Dolly Parton auch nie ein Nachteil, oder? Da ist es auch kaum ein Widerspruch, dass die junge Engländerin das eher konservative (jedoch über Jahrzehnte hinweg erfolgreiche) Songwriting von Parton ebenso schätzt wie die lyrische und musikalische Freiheit einer Patti Smith, und beide genauso als Vorbild nennt wie Avril Lavigne und Bruce Springsteen, Kelly Clarkson und The Smiths.

Am Ende mag es Jade Bird – bei ihrem Talent, bei ihrer Stimmgewalt, bei ihrem Gespür für Dynamik, Atmosphäre und schlussendlich tolle Songs – auch komplett egal, Schnuppe und Wurscht sein, welcher – mal treffender, mal hastig aus der Luft gegriffener – Vergleich ihrem musikalischen Gaul zum Sprung verhilft: Spätgeborenes Neunziger-Rockrevival á la Morissette? Indie-Epigonin von La Swift? Frech konzipierte Indie-Nummern fürs nachmittägliche Formatradio? Aber erstaunlich ist’s schon, dass diese Songs, die so all American tönen, nun von Croydon, Südlondon aus die Musikwelt erfreuen…

 

 

 

„Sick and tired of just lettin‘ you in
Just to let you down again
Exasperated with the expectation
You’d be more than just a friend
But in honesty that I, I can be
A fourth finger with four limbs to carry
Won’t let you make a fool out of me, boy
See boy

You are good and you are pure
The angel knocking at my door
But I need something, something more
‚Cause love has all been done before
And you are sweet and you are nice
Keep me calm and satisfied
But I need something, something more
‚Cause love has all been done before

You almost had me for a minute there
Givin‘ my whole life to this love affair
Well I’m not gonna sit here and stroke your hair
You almost had me for a minute there
It doesn’t help that you mean well
They say the devil’s in the detail
And I’m tryin‘ not to raise hell
But it’s likely for the refill

You are good and you are pure
The angel knocking at my door
But I need something, something more
‚Cause love has all been done before
And you are sweet and you are nice
Keep me calm and satisfied
But I need something, something more
‚Cause love has all been done before

Everything’s a rerun
Before it’s even begun
Tell me, what’s the reason?
If everything’s a season
Then I’m a setting sun
We’re already done

You are good and you are pure
The angel knocking at my door
But I need something, something more
‚Cause love has all been done before
And you are sweet and you are nice
Keep me calm and satisfied
But I need something, something more
‚Cause love has all been done before

Ooh, ooh
Ooh, ooh
We’re already done

You are good and you are pure
The angel knocking at my door
But I need something, something more
‚Cause love has all been done before
And you are sweet and you are nice
Keep me calm and satisfied
But I need something, something more
‚Cause love has all been done before

Ooh, ooh
Oh, love has all been done before
Love has all been done before
Love has all been done before
Love has all been done before
You are sweet and you are pure
But love has all been done before“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Enno Bunger – „Bucketlist“


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Enno Bunger: guter Typ. Ja, im Ernst – bereits seit Bestehen dieses bescheidenen Blogs ist der Hamburger Liedermacher ein gern gehörter Gast in meinen Lauschern sowie sicherer Kandidat für den ein oder anderen Besuch in meiner Playlist…

60346108_10157507537598783_1118283628451725312_oInsofern bin ich dementsprechend gespannt auf das nun für den 26. Juli angekündigte vierte Album „Was berührt, das bleibt.„, seines Zeichens Nachfolger des 2015er Werks „Flüssiges Glück„, welches seinerzeit unter anderem den auch heute noch großartigen – da mit klarer Kante und Meinung vorgetragenen – Song „Wo bleiben die Beschwerden?“ enthielt. Wohin die musikalische Reise von und für Enno, der den neuen Longplayer vor wenigen Tagen mit den Worten „Uff. Mir fällt ein Riesenalbum vom Herzen.“ ankündigte, gehen wird? Das Vorbote „Bucketlist“ gibt ein erstes, nicht eben schlechtes Indiz…

Zu kraftvoller, mal gen Indiepop, mal gen Indierock pendelnder Instrumentierung, welche sich irgendwo zwischen seinen letzten Alben oder etwa Caspers tolle Durchbruchswerken „XoXo“ und „Hinterland“ parkt, jedoch immer noch das geliebte Piano im Vordergrund belässt, singt Enno Bunger – völlig zu unrecht immer noch mehr Geheimtipp, als er es sein sollte – darüber, nichts mehr nach hinten zu schieben, um sich an jeden Schritt in seinem Leben mit einem Lächeln erinnern zu können. Scheiß auf die ewige Bucketlist – carpe diem, Baby! Ein durch und durch vorwärtsgerichtetes Lied, das durchaus zum Nachdenken anregt und das bei dem politisch interessierten und gesellschaftskritisch denkenden 32-jährigen Musiker sicherlich nicht nur auf die eigene Privatleben-Nabelschau zu übertragen ist – und mächtig Laune aufs kommende Album macht.

 

„Eine Bucketlist ist eine Liste, auf die man all die Dinge schreibt, die man im Leben noch machen will, bezugnehmend auf die englische Redewendung ‚to kick the bucket‘, auf deutsch: den Löffel abgeben. Der Song handelt von meiner Erfahrung, nach mehreren einschneidenden Erlebnissen nichts mehr (auf die Bucketlist) aufschieben zu wollen, sondern die Zeit, die mir gegeben ist, jetzt zu nutzen, für alles, was mir wirklich wichtig ist. ‚Kein Kompromist mehr, kein Platz mehr für halbe Sachen – das was Du wirklich willst, das musst Du alles machen.'“

 

Hier gibt’s das dazugehörige Musikvideo, welches laut Enno Bunger der erste Teil einer Geschichte zum neuen Album sein soll und somit mit den nächsten Videos fortgesetzt werden wird:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Ane Brun – „You’ll Never Walk Alone“


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In Deutschland wohl vor allem distinguierten Kammerfolk-Connaisseuren, die auch nicht davor zurück scheuen, in feiner Abendrobe zum schnieken Bestuhlt-Konzert zu watscheln, bekannt, in ihrer norwegischen Heimat längst ein mit Gold-, Platin- und mehreren Nummer-eins-Alben dekorierter Star: Ane Brun.

Und in der Tat kann die 43-jährige Indiefolk-Popperin mit der so besonderen, so speziell wie elfenhaften Stimme, die mittlerweile ihre privaten wie kreativen Zelte im schwedischen Stockholm aufgeschlagen hat, auf eine recht beeindruckende Karriere zurückblicken, die einst, 1998, mit einer Akustikgitarre in den Fußgängerzonen von Barcelona und San Sebastian sowie später in der zwar kleine, jedoch recht umtriebigen Künstlerszene im norwegischen Bergen ihre ersten zarten Gehversuche hinein ins Musikgeschäft unternahm. Seitdem hat sich viel mit Leben von Ane Brunvoll, die 1976 im norwegischen Molde das Licht der Welt erblickte, getan: acht Alben (zuletzt 2017 das feine Cover-Album „Leave Me Breathless„), eine knappe Handvoll Live-Werke (die aufgrund der gesanglichen Stärken Bruns durchaus auch für Diskografie-Einsteiger empfehlenswert sind), ein einiges Plattenlabel (Balloon Ranger Recordings) – mal widmet sich Ane Brun Duetten (etwa mit Ron Sexsmith, Madrugada, Teitur, Syd Matters, José González, Wendy McNeill oder Peter Gabriel), mal ihrer eigenen, von ihrer auf Eindringlichkeit und die Unmittelbarkeit gemünzten Stimme garnierten Version des Folk Noir-Pop, mal eben Coverversionen (auch hier ist die Palette mit Neuinterpretationen von Foreigner über Radiohead, Bob Dylan, a-ha, Mariah Carey, Nick Cave, Tom Petty oder Joni Mitchell recht breit). Klar, Ane Bruns Kreativität mag zuweilen ebenso fordernd wie einnehmend sein. Schlussendlich bekommt man Norwegens wohl schönste Antwort auf artverwandte Künstlerinnen wie Björk, PJ Harvey, Florence and the Machine, Feist oder Emiliana Torrini.

43562433_500_500Dass Ane Brun das Covern nicht eben kleiner Nummern aus dem Effeff versteht, zeigt sich einmal mehr an ihrer nun veröffentlichten zart besaiteten Version von „You’ll Never Walk Alone„, ebenjenes 1945 im Broadway-Musical „Carousel“ uraufgeführten und in den Sechzigern von Garry & The Pacemakers populär gemachten Songs, der mittlerweile vor allem an der Anfield Road des Liverpool FC oder im Signal-Iduna-Park (oder eben dem Westfalenstadion), der Heimstätte meines geliebten BVB, aber auch überall sonst, wo guter, traditionsbewusster Fussball gespielt wird, seine Heimat gefunden hat (wer mag, findet hier einen interessanten Artikel). Und auch bei Brun ist die Wahl ebenjenes Fussball-Gänsehautstücks eine persönliche, wie sie via Facebook zu verstehen gab:

„I don’t really follow sports on a daily basis but I enjoy watching a great football match!! And when I really love someone who really loves Liverpool FC ⚽️ then I just had to record the team’s most famous song ‚You’ll Never Walk Alone‘ for this person’s birthday! And now I wanted to share it with you all. Recorded in a hotel room in Hamburg missing my ❤️“

Keine drei Minuten Spielzeit, in denen ein bestens bekanntes Gänsehautstück auf eine der außergewöhnlichsten Gänsehautstimmen trifft. Passt wunderbar.

 

 

„When you walk through a storm
Hold your head up high
And don’t be afraid of the dark
At the end of a storm is a golden sky
And the sweet silver song of a lark

Walk on through the wind
Walk on through the rain
Tho‘ your dreams be tossed and blown
Walk on, walk on with hope in your heart
And you’ll never walk alone
You’ll never, ever walk alone

Walk on, walk on with hope in your heart
And you’ll never walk alone
You’ll never, ever walk alone“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Kante – „Im ersten Licht“


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„Kante ist eine Band, die sich im Jahr 1995 in Hamburg gründete. Ihr Sound ist geprägt von der sogenannten ’Hamburger Schule’ mit Einflüssen von Jazz- Pop- und Indie-Rock. Textlich geben sie sich meist nachdenklich und melancholisch.

Kante wurde gegründet von Peter Thiessen (Gesang, Gitarre, Texte), Andreas Krane (E-Bass, Kontrabass) und Sebastian Vogel (Schlagzeug, Percussion) und wurden nach und nach ergänzt von Multi-Instrumentalist Felix Müller (u.a. Gitarre, Keyboards, Percussion, Kalimba, Raps..), Thomas Leboeg (Klavier, Synthesizer, Elektronik) und Florian Dürrmann (Bass).

Im Jahr 1997 veröffentlichten sie auf dem Berliner ’Kitty-Yo’-Label ihr Debüt-Album ’Zwischen den Orten’, das noch von hauptsächlich instrumentaler Musik dominiert wurde. Bei Album Nummer zwei von 2001, kamen nachdenkliche, ausgefeilte Texte hinzu – 2004 dann der vorläufige Höhepunkt, auf ’Zombi’ perfektionierten sie die den Sound der ersten Alben, auch wenn es insgesamt etwas ruhiger ausfiel.

Die Kritikerlieblinge wurden 1998 von den ’SPEX’-Lesern zur zweitbesten Newcomer-Band gewählt. Bei ’Spiegel-Online’ wurde ’Zombi’ zur wichtigsten CD 2004 gekürt und ’Die Tiere sind unruhig’ war im ’Musikexpress’, Platte des Monats August 2006.“

413hcL+fCUL._SY355_.jpg– So weit, so informativ. Langjährige Leser dieses bescheidenen Blogs wissen außerdem, dass Kantes bisher letztes Studiowerk „In der Zuckerfabrik: Theatermusik“ im Februar 2015 ANEWFRIENDs „Album der Woche“ war…

Und wer sich – wie ich gerade – noch ein klein weniger älter fühlen mag, dem sei in Erinnerung gerufen, dass das zweite Album „Zweilicht“ am 8. Januar 2001 – und damit vor exakt 18 Jahren – erschien. *hach* „Im ersten Licht“. *hach*Die Summe der einzelnen Teile„. Evergreens, und das dazugehörige Album noch immer ein formvollendetes Indie-Meisterwerk aus deutschen Landen (übrigens kaum weniger als seine Nachfolger). Und genau daher wäre es schön, nach Jahren des Wartens mal wieder etwas von den vier Hamburgern um Peter Thiessen zu hören…

 

 

„Manchmal redest du im Schlaf
Meistens keine ganzen Sätze
Einzelne Worte oder Fetzen
Die ich kaum verstehen kann
Manchmal verdrehst du deine Augen
Unter den verschlossenen Lidern
Machst eine Geste dann und wann
Die ich nicht erwidern kann
Was sich aus deinen Träumen
In unserer beide Tage trägt
Hat keinen Ort in der Erinnerung
Nur ein stiller Schmerz
Bleibt zurück in deinem Herz
Im ersten Licht des Morgens

Manchmal redest du im Schlaf
Von noch nie betretenen Orten
Mit noch unverwandten Worten
In mir unbekannten Sprachen
Wenn wir bei Tageslicht aufwachen
Und bevor wir ganz aufsteh’n
Redest du manchmal von Sachen
Von denen ich nicht viel versteh‘
Nur ein stiller Schmerz bleibt
Zurück in meinem Herz

Wir reden manchmal wie im Schlaf
Von noch nie betret’nen Orten
Von einer Zeit in ferner Zukunft
In einer Sprache deren Worte
Wir noch lange kaum beherrschen
Der wir uns blindlings anvertrauen
Gegen die Regeln der Vernunft
Reden wir manchmal wie im Traum
Was sich aus unseren Träumen
In jeden unserer Tage trägt
Hat keinen Ort in der Erinnerung
Nur ein stiller Schmerz
Bleibt zurück in unser’m Herz
Im ersten Licht des Morgens

Manchmal redest du im Schlaf
Von noch nie betret’nen Orten
Mit noch unverwandten Worten
In mir unbekannten Sprachen
Wenn wir bei Tageslicht aufwachen
Und du vor mir ganz aufstehst
Redest du manchmal von Sachen
Von denen ich nicht viel versteh’…“

 

Rock and Roll.

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