Archiv der Kategorie: Musikvideo

Song des Tages: Hikes – „Extra Mile“ (feat. The Kraken Quartet)


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Kennste? Kennste? Kennste? Da hört man ein Album und findet auf Teufel komm raus keine passenden Worte für die Beschreibung des Klangspektrums. Wer’s nicht glauben mag, der lausche „Mahal Kita„, dem neusten Werk von Hikes, doch gern selbst…

Natürlich könnte man den Sound, den das seit 2010 bestehende Quartett aus Austin, Texas da in den neun Songs in die Klangrillen gefriemelt hat, durchaus als mal in Indierock-Spähren tänzelnden, mal dreampoppig-verträumt blinzelnden Math Rock beschreiben. Dennoch tönt jede Note aus der Feder von Nathan James „Nay“ Wilkins (Gesang, Gitarre), Colin Jenkins (Bass), Chris Long (Schlagzeug) und der wieder zur Band zurückgekehrten Co-Sängerin und Gitarristin Claire Puckett recht eigen, und ließe sich wohl am Besten als der kleine Stiefbruder von Minus The Bear (die melodiös-hakenschlagende Verspieltheit) und Circa Survive (der androgyne Gesang) beschreiben.

Dabei suchen Hikes für ihren „Experimental, nature-inspired Indie Math-Rock with a dash of Folk; Thelonious Punk“ (so die Selbstbeschreibung) durchaus eigene Pfade, zu denen wohl nicht jeder Hörer ohne Umschweife Zugang finden wird, laden sich zur Unterstützung auch mal das Atlys String Quartet (im folkigen „Graying“) oder die Marimba-Section des Kraken Quartet (im fröhlich rockenden „Extra Mile“) ins Studio ein. Anderswo duellieren sich jubilierende E-Gitarren und flinke Schlagzeugschläge, bevor der Vierer mit scheinbar traumwandlerischer Leichtigkeit bestbeste Post-Rock-Soundscapes entwirft. Der Plattentitel „Mahal Kita“, welcher in Tagalog, der Muttersprache von Wilkins‘ philippinischer Mutter, soviel heißt wie „Ich liebe dich“, könnte passender kaum gewählt sein, denn Liebe tönt hier aus so ziemlich jeder Note…

 

 

Via Bandcamp gibt’s das Album in Gänze im Stream:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Chip Taylor & The New Ukrainians – „F**k All The Perfect People“


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Chip Taylor. Nie gehört? Keine Sorge, ging mir genauso.

Vielleicht klingeln ein paar Glöckchen mehr, wenn man weiß, dass der Mann eigentlich James Wesley Voight heißt und damit der jüngere Bruder von Hollywood-Eminenz Jon Voight und der Onkel von Angelina Jolie ist. Da schau her! Und damit nicht genug, denn außerdem gehen sogar einige *hust* recht bekannte Songs auf sein Songwriter-Konto: etwa „Wild Thing„, das er in den Sechzigern innerhalb weniger Minuten komponierte und daraufhin der britischen Garage-Rock-Band The Troggs überließ, die das Stück wiederum 1966 zum immergrünen Millionenseller machten. Oder „Angel Of The Morning„, geschrieben für Merrilee & the Turnabouts, und später, 1981, sehr erfolgreich von US-Country-Popsängerin Juice Newton gecovert. Oder „Try (Just A Little Bit Harder)„, das anno 1969 eine gewisse Janis Joplin aufnahm. Oder…

Nach all diesen Quasi-Ghostwriter-Erfolgen für andere Künstler versuchte Chip Taylor, der eigentlich professioneller Golfspieler werden wollte, in den Siebzigern selbst sein Glück im Musikgeschäft, hängte Ende des Jahrzehnts diesen Traum (vorübergehend) wieder an den tönenden Nagel, und schlug wiederum einen neuen Karriereweg als professioneller Glücksspieler – beim Black Jack und bei Pferderennen – ein.

Long story short: Besonders viel Fortune schien er damit nicht gehabt zu haben, denn 1996 nahm Chip erneut die Gitarre zur Hand, und interpretierte auf seinem Comeback-Album „Hit Man“ einige seiner alten Songs – unter anderem „Wild Thing“, „Angel Of The Morning“ oder „Son Of A Rotten Gambler“, einst geschrieben für seinen Sohn Kristian und 1974 durch eine Version der Hollies erfolgreich geworden – neu. Seitdem blieb der mittlerweile 79-jährige Chip Taylor seiner alten Liebe, der Musik, treu, veröffentlicht beinahe im Jahrestakt neue Alben und tourt ebenso emsig durch die Weltgeschichte (und tritt gar ab und an mit dem älteren Bruder und den Enkelkindern auf).

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81CgzmrGKML._SY355_Ich selbst bin durch den Song „Fuck All The Perfect People“ auf Chip Taylor gestoßen, welcher unlängst Teil des Soundtracks der Netflix-Serie „Sex Education“ war (ebenso übrigens wie eine feine Coverversion des Regina Spektor-Stückes „On The Radio“). Ebenjenes „Fuck All The Perfect People“ stammt von Chip Taylors 2012 veröffentlichten Album gleichen Titels, welches er gemeinsam mit deiner skandinavischen Tour-Band The New Ukrainians aufnahm. Darauf zu hören: 16 Songs, die mal spontan durchgeklampft, mal nach rauem Country, mal nach erdigem Roots Rock klingen. Songs über das Unterwegssein und das Leben im Schatten (von dem Chip Taylor ja schon allein seiner Verwandtschaft und seiner Songwriting-Credits wegen das ein oder andere Lied singen kann). Oft wirkt das Storytelling-Ergebnis düster, aber nie verzweifelt, manchmal mit bluesigem Unterton, dann wieder honkytonk-mäßig. Und wenn der ein oder andere Song dann noch mit einem so tollen, so sympathischen Musikvideo wie zu „Fuck All The Perfect People“, welches Menschen im alltäglich-urbanen Gewusel von New York City zeigt, daher kommen, dann gerät das eigene Leben für knapp fünf Minuten zur Nebensächlichkeit… Eine Entdeckung, der Mann – und lieber spät als nie!

 

 

„To be or not to be
To free or not to free
To crawl or not to crawl
Fuck all those perfect people!

To sleep or not to sleep
To creep or not to creep
And some can’t remember, what others recall
Fuck all those perfect people!

Sleepy eyes, waltzing through
No I’m not talking about you!

To stand or not to stand
To plan or not to plan
To store or not to store
Fuck all those perfect people!

To drink or not to drink
To think or not to think
Some choose to dismember, you’re rising your thoughts
And fuck all those perfect people!

Sleepy eyes, waltzing through
No, I… I’m talking about you!

To sing or not to sing
To swing or not to swing
(Hell) He fills up the silence like a choke on the wall
Fuck all those perfect people!

To pray or not to pray
To sway or not to sway
Jesus died for something – or nothing at all
Fuck all those perfect people!

Sleepy eyes, waltzing through
No, I… I’m talking about you!“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages #2: Erdmöbel & Niloufar Taghizadeh – „Hoffnungsmaschine“


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2018 veröffentlichte die Kölner Indiepop-Band Erdmöbel auf ihrem jüngsten, nunmehr zwölften Album „Hinweise zum Gebrauch“ gemeinsam mit Ex-Wir sind Helden-Frontdame Judith Holofernes „Hoffnungsmaschine“, ein Lied über Zuversicht und Zusammenhalt. Nun, zwei Jahre später (in denen sich leider wenig von dem, was ebenjenes Stück – mit allerlei fromm-optimistischen Wünschen im Gepäck – ein klein wenig zum Besseren verändern sollte, zum Positiven gewendet hat), soll es in Zusammenarbeit mit der iranischen Regisseurin und Autorin Niloufar Taghizadeh in einer deutsch-persisch-englischen Version erneut etwas positive Kraft freisetzen…

91Wsn+tGkaL._SS500_Laut eigener Aussage habe die Eskalation zwischen Donald Trump und dem Iran die Band um Sänger und Songschreiber Markus Berges schon vor einiger Zeit auf die Idee gebracht, ihren Song „Hoffnungsmachine“ in einer alternativen Version neu aufzulegen. Daher hat das bereits seit 1993 bestehende Indiepop-Quartett mit Niloufar Taghizadeh nun – sowohl in Ton als auch in bewegten Bildern – eine Form für „Hoping Machine“ gefunden, die genau den Kern ausdrückt, der diesem Lied innewohnt. „Lass die Hoffnungsmaschine laufen!“ als Fingerzeig in die Zukunft, als Mantra und Aufruf des Zusammenrückens – auf Deutsch, Persisch und Englisch.

 

„Ein Lied gegen den Hass, gegen jede Form von Imperialismus. Mit einem Video, das sich über Zwangsidentitäten und Sexismus lustig macht.“

Erdmöbel

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: July Talk – „To Hell With Good Intentions“


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Na da hör her – July Talk melden sich lautstark zurück!

Obwohl die fünfköpfige Band um das sowieso und überhaupt wunderbar ungleiche Gesangsduo Peter Dreimanis und Leah Fey auch in den letzten Monaten nicht einsah, Rost anzusetzen, und viel lieber emsig tourte, ließen erste neue Töne seit dem zweiten, 2016 erschienenen Album „Touch“ doch auf sich warten…

Umso schöner, dass der Fünfer aus dem kanadischen Toronto, Ontario, von dem vor etwa zwei Jahren auf ANEWFRIEND bereits die Schreibe war, in der Zwischenzeit kein bisschen leise geworden ist (was ja angesichts einer launigen Piano-Coverversion des FKA TWIGS-Songs „Mirrored Heart“ vom vergangenen Dezember bereits „befürchtet“ werden durfte), denn die Variante von „To Hell With Good Intentions“ (im Original von den anno 2005 auf Eis gelegten walisischen Raudaubrüdern von Mclusky beziehungsweise deren 2002er Album „Mclusky Do Dallas„), die Dreimanis, Fey und Co. da mal eben aus dem Lärm-Ärmel schütteln, tönt wie die Musik gewordene Übersetzung von „Die Schöne und das Biest“ – in lederkuttenem Punk! Da würde wohl selbst der altehrwürdige Iggy Pop zum übermütigen Stagedive ansetzen… Und nun alle: „My love is bigger than your love! Sing it!“

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Lina Maly – „Als du gingst“ (Akustik Session 2020)


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Schon laut.de wusste 2016, als das Debütalbum „Nur zu Besuch“ erschien:

„Die Songs der Sängerin und Musikerin Lina Maly aus der Nähe von Hamburg besitzen schon früh eine eigene melancholische und authentische Handschrift. In ihren Texten verhandelt sie die Sorgen und Nöte einer heranwachsenden Generation.“

5054197188428Und in der Tat war das ein oder andere darauf enthaltene Stück, wie etwa „Schön genug“ oder der Titelsong (vor allem in deren reduzierten Akustik-Versionen), durchaus herzerwärmend anzuhören, eben weil die damals 19-jährige Newcomerin den Versuch wagte, sich wohltuend vom deutschsprachigen Durchschnitts-Poprock-Einheitsbrei eines ForsterBouraniGiesingerBendzko abzuheben. Klar, die Gedankenwelten, in denen sich Maly zuweilen bewegt, muss ein Mittdreißiger wie ich gar nicht (mehr) unbedingt nachvollziehen können. Klar, mit spielerischen Moll-Akzenten am Klavier, sanfter Gitarrenbegleitung und ab und an stampfendem Pop-Arrangement (oder gar einer Jazz-Trompete) unterscheiden sich die vornehmlich melancholischen Songs untereinander zwar nicht nennenswert, drängen sich dem Hörer nicht allzu sehr auf, bleiben aber stets hörbar. Dazu Texte, die in ihren besten Momenten zum Nachdenken anregen. Gibt freilich Schlimmeres…

Übrigens ist mir der Erstling lieber als der im vergangenen August veröffentlichte Nachfolger „Könnten Augen alles sehen„, auf dem die mittlerweile 23-jährige Maly, die, wie man liest, sympathischerweise unter anderem Fiona Apple, Bob Dylan, Otis Redding, Franz Schubert oder The Cure zu ihren Haupteinflüssen zählt, ihre Musik gewordene Gefühligkeit ein wenig mehr in Richtung studentischer Radio-Pop bewegt (obwohl man ihr nichtsdestotrotz zugute halten kann, von den Konfetti-Kalendersprüchen einer Julia Engelmann noch ein gutes Stückweit entfernt zu trällern). Oder wie auf plattentests.de im Zuge der dazugehörigen Rezension zu lesen war: „In erster Linie richtet sich die Musik der Lina Maly an Altersgenossen. Raus aus dem Nest, rein ins Leben. Dass da durchaus noch Naivität im Spiel ist, liegt in der Natur der Sache.“ File under: Niedliche Erstsemestlermucke à la AnnenMayKantereit. Kann man jedoch definitiv auch nett anzuhören finden, wenn die eigenen Studienversuche längst hinter einem liegen…

 

 

„Das, was du bist
Wird immer bleiben
Ganz wortlos wirst du
Auf alles nur zeigen
Das, was du denkst
Wird einfach leiser
Der Wind und der Regen
Tragen es weiter
Erzählen von der Angst und der Liebe
Dem Kampf und dem Tag, als du gingst
Das, was du bist
Werd‘ ich behalten
Die Art, wie du lachst
Wird mich immer begleiten
Das, was du glaubst
Geht nie verloren
Ich heb‘ alles auf
Und halt es geborgen
Den Mut und die Kraft
Deine Weisheit und auch
Den Moment, als du gingst
Wenn die Blätter sich färben
Sind wir immer noch da
Du bleibst in mir
Und ich bleib‘ in dir
Es ist egal, was sich ändert
Wir sind immer noch wir
Auch wenn keiner uns findet
Bleiben wir
Bleiben wir ewig…
Wenn die Blätter sich färben
Sind wir immer noch da
Du bleibst in mir
Und ich bleib‘ in dir
Es ist egal, was sich ändert
Wir sind immer noch wir
Auch wenn keiner uns findet
Bleiben wir
Bleiben wir ewig…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: John Van Deusen – „The Bitter End“ (Live Session)


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Ja sicher, man kann natürlich auch seine Vorurteile pflegen und bis in alle Ewigkeit glauben wollen, dass religiöse Musik ohne Wenn und Aber nach „Kumbaya, My Lord“-Gospel klingt, der tagein, tagaus von zugeknöpften weltfremden Anzugträgern in Gotteshäusern und Einkaufspassagen geschmettert wird. Wer aber ein bisschen über den kleinkarierten Tellerrand schaut, stieß bereits vor einigen Jahren etwa auf P.O.D., eine Nu Metal-Band aus San Diego, Kalifornien, die mit Songs wie „Alive“ oder „Youth Of The Nation“ nicht nur den ein oder anderen rockenden Radio-Hit ablieferte, sondern eben auch „vom „Wort des Lebens“, vom „höchsten Herrn“ oder auch „der Stadt Zion“ sang, während die vier Köpfe dahinter ausschauten wie jene krachmachenden Street-Gang-Rüpel, vor denen christlich-frömmelige Eltern ihren Nachwuchs in der Regel gern beschützen woll(t)en. In der Tat merkt jeder, der mal einen Blick über den „großen Teich“ wirft: Ganz besonders vielfältig ist religiöse Musik in den US of A, in denen eine Pop-Sängerin wie etwa Lauren Daigle aktuell ein Massenpublikum zieht, der große Country-„Man In Black“ Johnny Cash zum Ende seiner Tage auch musikalisch sehr nah zu Gott fand und selbst der allerorts seit eh und je viel gepriesene Sufjan Stevens bereits sakrale Ehrfürchtigkeit Einzug in seine Werke halten ließ. Uns Europäern, die wir mit dem eigenen Glauben doch per se etwas hinterm privaten Berg halten, mag all dies befremdlich erscheinen, „da drüben“ ist’s mal völlig normal, mal – so zischen’s zumindest böse Schlangenzungen – lediglich ein gern genommener Ansatz für klingelnde Kassen…

Auch John Van Deusen verblüffte wohl nicht wenige seiner Fans, als der ehemalige Sänger der Indie Rock-Band The Lonely Forest 2017 mit „(I Am) Origami Pt. 2 – Every Power Wide Awake“ (sowie dem EP-Nachtrag „D-Sides„) ein nahezu meditatives Album herausbrachte, das mit 14 überwiegend religiösen Song-Motiven aufwartete und mit seiner pastoralen Atmosphäre eine nahezu komplette Abkehr von dem von Van Deusen bisher – der Vorgänger „(I Am) Origami Pt. 1 – The Universal Sigh“ erschien nur wenige Monate zuvor – gekanntem Liedgut darstellte, die sich mal in feinsten Weezer-Powerpop, mal in tränenreiche Singer/Songwriter-Wollpullover-Melancholie hüllten und in denen es vornehmlich um gescheiterte Beziehungen und die immer für einen Song gute Ich-Findung ging.

Die Reaktionen auf Zeilen wie „I will praise your name, Jahwe“ waren demnach vielleicht nicht durchweg enthusiastisch, aber die Zustimmungen zu so viel Mut, Offenheit und Wagnis überwogen klar. Und auch Van Deusen selbst steht zu seinen Songs. Warum? Das erklärte der Indie-Musiker in einem Interview: „In einer Zeit, in der Religion derart politisiert wird, darf man diese Themen nicht nur nationalistischen Republikanern überlassen.“

4015698603354Im Juli 2019 ist mit dem konsequent „(I Am) Origami Pt. 3 – A Catacomb Hymn“ betitelten Werk sein drittes Solo-Album erschienen, auf dem der Musiker aus Anacortes, Washington erneut einen stilistischen Haken schlug: hin (oder eben zurück) zu melancholischem Power-Pop mit schimmerndem Retro-Sound-Anstrich. Der schwelgerische Gitarrensound kommt, da ist einschlägigen Ankündigungen zuzustimmen, „eingängig und bisweilen sogar leicht“ daher – und das, obwohl sich die Songs um durchaus düster-heikle Themen wie Angst, Verzweiflung und Depression drehen. „It’s okay to not be okay“ ist Van Deusens „irgendwie ja auch aufbauendes Motto“.

Der „Eingängigkeit ein paar Schrullen unterzujubeln“ – diesen Ansatz verfolgt John Van Deusen, der vom ‚Seattle Weekly‘ – wohl nicht ohne Grund – einst zum „best male vocalist“ in Seattle gekürt wurde und nebenbei noch Bass bei der Hardcore-Band Buffet spielt, nach wie vor hier und da. Denn auch wenn „Steal From Myself (It’s All About Me)“ völlig schamlos The Lemmonheads mit R.E.M. kreuzt, „Let Me Let You Use My Power“ daran erinnert, wie gut es sich anfühlte, kurz nach der Jahrtausendwende von einer Band wie The Fire Theft überrumpelt zu werden, sind die Novitäten im Deusen-Duktus mit so großzügigem Händchen verteilt, dass ihm der Spagat zwischen Referenz und Eigenständigkeit, diese Klang-Rekonstruktion musikalischer Jugendlieben mühelos gelingt. Dafür sorgen auch immer wieder eingestreute Überrumplungsattacken, etwa der verhuschte Hippie-Prog von „Fly Away“ oder das angezogene Tempo des dezent an Hüsker Dü erinnernden Garagenrockers „You Don’t Know What You’re Asking“. „If All Is Nothing/Nothing Must End“ entzückt mit schönen Folkpassagen und Chorgesängen, denen dann von einem wahren Schlagzeug-Feuerwerk der Garaus gemacht wird. Neunziger-Power-Pop, Emo oder Indie-Rock? Die Grenzen verschwimmen bei nahezu jedem Song, und doch landet der Musiker trotz häufig düsterem Text und gelegentlicher Aufschreie dann meistens bei einer alles und jeden umarmenden Melodie. Mit der abschießenden sphärisch-psychodelischen Klaviernummer „Numb“ schließlich lässt Van Deusen es, wie von einer Raumstation aus Richtung Erde gesungen, leise austrudeln. Stille. Durchatmen. Und nochmal von vorn.

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Besonders schön geraten: „The Bitter End“, im Original von „(I Am) Origami Pt. 1 – The Universal Sigh„, in der reduziert-fragilen „LaMosiqa.com Oneshotsession“…

 

Ebenso fein für den Einstieg in den Soundkosmos des Indie-Musikers: John Van Deusens KEXP-Live Session von 2017, bei dem er außerdem eine tolle Version des Non-Album-Tracks „Marathon Daze“ sowie (s)eine Variante des John Denver-Klassikers „Leaving On A Jet Plane“ zum Besten gab…

 

Rock and Roll.

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