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Song des Tages: Wir sind Helden – „Wenn dein Herz zu schlagen aufhört“


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Verflucht noch eins eingängigen US-Poppunk ins Deutsche überführen? Keine gute Idee? Denkste! Zumindest haben die ohnehin selten miesen Wir sind Helden anno 2007 ein feines Gegenbeispiel geliefert…

268x0wIm Rahmen der „iTunes Foreign Exchange #1„-Single (welche später leider lediglich einen Nachfolger fand) nahmen sich Judith Holofernes, Mark Tavassol, Jean-Michel Tourette und Pola Roy den nur ein Jahr zuvor veröffentlichten schmissigen Drei-Minuten Poppunk-Kracher „When Your Heart Stops Beating“ von +44 vor, zogen der Nummer ein wenig den Punk-Zahn – und fabrizierten mit „Wenn dein Herz zu schlagen aufhört“ ein Stück, das mit all seinen typischen Trademarks ebensogut auf einem der bis heute vier Wir sind Helden-Alben erschienen sein könnte.

Im Gegenzug übernahmen +44, im Übrigen mit nur einem Album ein recht kurzlebiges Band-Projekt, dem mit Mark Hoppus und Travis Barker zwei Drittel von Blink-182 angehörten, darauf den Helden-Klassiker „Guten Tag“ – und zogen, wie sollte es anders sein, dem Song ihrerseits ein wenig die bunt besprayte, gammelige Punkrock-Kutte über. So lässt man sich ’nen Austausch gern gefallen…

 

 

„Mach lauter, ich will noch nicht gehen
Ich will dabei sein, wenn du K.O. gehst
Der Beat hält dich fest, ich will seh’n
Wie er dich fallen lässt und du nicht mehr aufstehst

Und ich kann an nichts anderes denken
Soll’n die Leute um uns ‚rum
Sich die Hälse verrenken
Egal, wie hoch der Preis ist
Man soll brennen, solange man heiß ist
Und du brennst lichterloh

Wenn dein Herz zu schlagen aufhört
Werd‘ ich ganz dicht neben dir sein
Wenn kein Stern die dunkle Nacht stört
Mach Licht und
Wir geh’n beide hinein

Wenn dein Herz zu schlagen aufhört
Werde ich ganz dicht neben dir sein
Wenn kein Stern die dunkle Nacht stört
Mach Licht und
Wir geh’n beide hinein

Du sagst die Wahrheit ohne vorher zu fragen
Du sagst die Wahrheit und du drückst mich gegen die Wand
Ein kleines bisschen hilft den Schmerz zu ertragen
Ein bisschen mehr und du weißt ich verlier‘ den Verstand

Wenn dein Herz zu schlagen aufhört
Werd‘ ich ganz dicht neben dir sein
Wenn kein Stern die dunkle Nacht stört
Mach Licht und
Wir geh’n beide hinein…“

 

Rock and Roll.

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Flimmerstunde – Teil 11


Love (2011)

Was haben David Bowie und Tom DeLonge von Blink-182 gemeinsam? Nun, erster schrieb einst einen Song namens „Space Oddity“, welcher vom Astronauten Major Tom erzählt, der nach dem Start mit seiner Rakete ins Weltall alsbald den Kontakt zur Erde verliert und einsam in den endlosen Weiten der Sterne umherschwirrt, und hat einen Sohn namens Duncan Jones, der 2009 mit der Sci-Fi-Moralkeule „Moon“ sein vielbeachtetes Regiedebüt ablieferte. Zweiterer steht neben den bereits genannten – und immer noch wiedervereinten – Blink-182 auch Angels & Airwaves vor und finanzierte dem zuvor vor allem auf Musikvideos, Kurzfilme und Kameraarbeiten spezialisierten William Eubank dessen ersten, „Love“ betitelten, abendfüllenden Film, zu welchem DeLonge und seine A&A-Bandkollegen auch gleich die Verantwortlichkeit am Score übernahmen. Und eben zwischen „Space Oddity“, „Moon“ und „Love“ gibt es so einige, in den Weiten des Alls und in den Kernaussagen angesiedelte Parallelen…

Sci-Fi-Puristen und Freunde der stringenten Erzählweise werden sich bei „Love“ schon nach den ersten Szenen verwundert bis enttäuscht die Augen reiben, denn der Film setzt im amerikanischen Bürgerkrieg ein. Captain Lee Briggs (Bradley Horne) wird von seinem Kommandanten auf eine Erkundungsmission geschickt, um einen kürzlich in der Umgebung entdeckten Krater zu untersuchen. Er reitet von dannen, während sich seine dem Tod geweihten Kammeraden bald darauf in eine – übrigens in Bildern von beinahe poetischer Schönheit dargestellten – letzte vergebliche Schlacht begeben.

Zeitsprung: im Jahr 2039 harrt der US-amerikanische Astronaut Lee Miller (Gunner Wright) als letztes verbliebenes Crew-Mitglied an Bord der ISS aus, verrichtet auf engstem Raum seine routinierte Arbeit, lediglich unterbrochen vom Funkkontakt mit Houston und Cambridge sowie durch gelegentliche Videobotschaften von Familie und Freunden. Doch alsbald bleiben die Nachrichten aus, der Monitor zeigt stoisch „No Signal“ und auf dem „blauen Planten“ unter ihm erlöschen nach und nach die Lichter. Das Warum steht sowohl für Miller als auch für den Zuschauer in den Sternen. Und so wartet er Tag für Tag auf eine Nachricht, ein Lebenszeichen, und sei es auch noch so kurz, schickt mit schwindender Hoffnung Hilferufe zur Erde. Aus den geplanten sechs Monaten Raumstationsaufenthalt werden schließlich sechs volle Jahre, in denen Miller in seinem „Gefängnis aus Blech“ einsam seine Bahnen um die Erde zieht, mehr und mehr dem Wahnsinn verfällt, wirr die wenigen Meter engsten Raum hin und her irrt, sich aus Mangel an sozialen Kontakten fiktive Personen an seine Seite denkt und eine zweite Persönlichkeit zulegt. Und durch Zufall an das Tagebuch eines Hauptmanns aus dem amerikanischen Bürgerkrieg aus dem Jahr 1864 gelangt…

Am Ende lösen sich die Grenzen zwischen Traum, Wahn und Realität, zwischen Gestern und Heute, zwischen Individuum und Universum in den endlosen Weiten auf und Miller sieht, wie einst Major Tom, frei von Furcht und Argwohn seinem Schicksal ins Auge.

Wie bereits erwähnt sollte man von „Love“ weder einen linearen Handlungsstrang noch seichtes Popcorn-Kino – geschweige denn Action! – erwarten. Dem 29-jährigen Eubank geht es bei seinem Filmdebüt ums „große Ganze“, um die Darstellung der Wichtigkeit sozialer Kontakte und zwischenmenschlicher Beziehungen. Dass sich die Handlung vor allem auf den paar Metern einer Raumstation abspielt, unterstützt die Intentionen von „Love“, hat jedoch auch damit zu tun, dass der Film mit einem – übrigens komplett von Angels & Airwaves zur Verfügung gestellten – selbst für Low-Budget-Werke lachhaft niedrigen Budget von 500.000 Dollar realisiert wurde. Und: wenn man den Promoinformationen und -fotos Glauben schenken darf, so entstanden die Kulissen unter Eigenregie von Eubank im Garten seiner Eltern. Das Tolle ist: genau das merkt man „Love“ nicht an. Der Zuschauer bekommt gut 80 Minuten Art-House-Kunst geboten, die weder überfordern noch langweilen, an vielen Stellen jedoch, aufgrund des wunderbaren Zusammenspiels der tollen Bilder und dem dezent-wirkungsvollen Soundtrack, staunen lassen. Ein mit Wahnsinn, Einsamkeit und allerlei philosophischen Sinnfragen jonglierender Indepentdent-Film, der sich nicht vor großen Vorbildern wie „2001: Odyssee im Weltraum“ oder „Moon“ verstecken muss.

Und eins noch: laut Tom DeLonge korrespondiert „Love“ mit dem 2011 von Angels & Airwaves veröffentlichten (Doppel)Album selbigen Titels als groß angelegtes künstlerisches Gesamtkonzept (obwohl lediglich ein einziger Titel daraus im Abspann des Films zu hören ist).

 

 

Rock and Roll.

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