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If you’re a real fan…


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(gefunden bei Facebook)

 

Rock and Roll.

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Opas schauen Musik: KRAFTKLUB


Kraftklub-2017

Insgesamt und in Albumform kann ich eher wenig mit Kraftklub anfangen. Ehrlich, ich hab’s probiert, oft genug. Ist wohl einfach so.

Trotzdem muss man Felix „Brummer“ Kummer, Till „Brummer“ Kummer, Steffen „Israel“ Tidde, Karl Schumann und Max Marschk Einiges zugute halten:

  1. Die Band hat – zumindest auf Bühnenbrettern – ordentliche Entertainerqualitäten. Das haben die fünf nicht zuletzt bei der diesjährigen Ausgabe von „Rock and Ring“ bewiesen, wo sie als „Latenight-Special“ auftraten (ein Videomitschnitt der Show geisterte zwar in den letzten Tagen durchs weltweite Netz, wurde jedoch – bis auf eine Performance des Songs „Fenster“ – leider wieder entfernt…).
  2. Die Band hat Chemnitz (oder, in Hipster-Deutsch: Karl-Marx-Stadt) wieder zurück (?) in die oberen Chartregionen der bundesdeutschen Musikszene gehievt: jedes ihrer bislang drei Album sicherte sich den ersten Platz der Albumcharts. Was wiederum dazu geführt hat, dass ein Kultursender wie arte die Berliner *hust* „Rüpelrapcombo“ K.I.Z. in die beschauliche sächsische 250.000-Einwohner-Stadt einlud, um eine durchaus amüsante Ausgabe von „Durch die Nacht mit“ zu drehen…
  3. Die Band hat bereits 2013 selbst ein ansehnliches Festival aus dem Boden gestampft: das „Kosmonaut Festival“ findet seitdem alljährlich am Stausee Oberrabenstein unweit von der heimischen Fanbase Chemnitz statt, und hatte mit Künstlern wie Frittenbude, Casper, Bosse, AnnenMayKantereit, Fettes Brot, Materia, den Beatsteaks, Thees Uhlmann, den Fantastischen Vier, Haftbefehl, K.I.Z. (was sich wohl auch aus Punkt 2 ergab), Turbostaat, Prinz Pi, Olli Schulz, Boy oder Alligatoah bereits fast das komplette Who-is-Who der bundesdeutschen Musikszene zu Gast.
  4. Die Band mag zwar im Gros auf durchweg tanzbare Indiediskogutelaunestampfer setzen, traut sich jedoch ab und an auch etwas. Etwa auf dem aktuellen, jüngst erschienenen dritten Album „Keine Nacht für Niemand“ (jaja, schon der Albumtitel fängt mit einer nur eben halb witzigen Hommage an Ton Steine Scherben an): so ist der zuerst vorgeschobene Song „Dein Lied“ eine zwar böse, jedoch unterhaltsame Abrechnung mit der Ex, die Frontmann Felix Brummer gleich mal eben – Rap-Cred wollen auch gesammelt sein – als „verdammte Hure“ bezeichnet – unterstützt von einem Piano und einer Armada aus Streichern. Und auch die erste offizielle Singleauskopplung „Fenster“ lässt sich durchaus hören, hat diese doch als bittersüße Abrechnung mit all den verschworbelt-hasserfüllten Paranoiker-Gedankenwelten all der sogenannten „Wutbürger“ und „Verschwörungstheoretiker“ einen recht ernsthaften Hintergrund, welcher zum Nachdenken anregt. Plus: das gut versteckte Bonusfeature vom potentiell besten bundesdeutschen Freizeit-Musikarzt (aus Bärlin! auuuus Bärlin!) gegen Ende des Songs.

 

Komplett ernst nehmen kann ich Kraftklub trotzdem nicht. Liegt es daran, dass ich mich mit Ü30 knapp außerhalb der potentiellen Zielgruppe befinde? Liegt es daran, dass ich einen Teil der Band noch kenne, als diese als schulpflichtige Dreikäsehochs durch den elterlichen Chemnitzer Musikclub „Atomino“ hüpften? (Zur Erklärung: Die Eltern von Felix und Till Kummer, Jan und Ina Kummer, spielten zu DDR-Zeiten in der *hust* „kultigen“ Elektropop-Band AG. Geige. Der Vater, Jan Kummer, ist heute Leiter des „Atominos“, welches gerade in Chemnitz auch 2017 noch einen ausgezeichneten Ruf als schmissige Indie-Disse und Konzertlocation besitzt.) Liegt es daran, dass mich durchgängig auf Tanzbarkeit und Hurra geklöppelte Indiediskostampfer generell schnell kalt lassen? Oder: bin ich auch einfach zu alt?!?

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Und: wenn ich mich schon „zu alt“ für die Musik und das Gehabe von Kraftklub fühle, wie fühlen sich dann erst die grauhaarigen Semester?

Diese Frage beantwortet der YouTube-Kanal „Digster OnFleek“ in der neusten Ausgabe der Reihe „Opas scheuen Musik“, in welcher sie älteren rüstigen Herrschaften, die sich oftmals bereits erfolgreich für die Dritten, für Gehhilfen und Zivildiensthelfer qualifiziert haben, die „Musik der Jugend“ vorsetzen. Und dieses Mal eben Kraftklub. Aber schaut am besten selbst…

 

 

Rock and Roll.

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„Star Wars“-Figuren schreiben die Musikgeschichte um: legendäre Albumcover in neuem Look


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Illustrator Steven Lear aka. „WhyTheLongPlayFace“ mag Musik. Und Photoshop. Und Star Wars. (Oder wie er schreibt: “an unhealthy obsession for movies, music and Photoshop”.) Was lag also näher, als diese drei „Obsessionen“ zusammenzubringen?

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Genau das hat der in London beheimatete freischaffende Designer auch getan, und Cover von Pop- und Rock-Album-Klassikern mitunter großartig in Star Wars-Form gebracht: Yoda als Nirvanas „Nevermind“-Baby, die Cantina-Band als „The Band“, Darth Vader als Johnny Cash… – ein Heidenspaß sowohl für nerdige Cineasten als auch für Popkultur-Geeks! Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass irgendwann mal jemand bekannte Songs mit Star Wars-Texten versieht und neu aufnimmt. (Oder hat das auch schon irgendwer getan?)

Weitere Cover finden sich auf Seven Lears Website sowie auf dessen Facebook-Seite oder via Instagram.

 

Eine Auswahl aus Lears fortlaufender Albumcover-Mash-Up-Reihe findet ihr hier:

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Rock and Roll.

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Moment! Aufnahme.


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Und auch das soll keineswegs in Vergessenheit geraten: Am 29. Mai 1997 ging Jeffrey Scott Buckley im Wolf River unweit von Memphis, Tennessee schwimmen, wurde vom Wasser und der Dunkelheit verschluckt, und tauchte nie mehr lebend auf. Im Radio lief „Whole Lotta Love“ von Led Zeppelin, und die (Musik)Welt hatte eine weitere große Stimme verloren (viel zu früh, wie so oft), war jedoch um eine ihrer nicht wenigen Legenden reicher… Tragischere Geschichten als die von Jeff und Tim Buckley kann sich selbst Hollywood kaum ausdenken.

 

 

(Hier schrieb ANEWFRIEND bereits über den 20. Jahrestag von Jeff Buckleys erstem und einzigem zu Lebzeiten veröffentlichten Album „Grace„, und hier ein paar Zeilen zum 16. Todestag im Jahr 2013. Auch gut: dieser Artikel auf spiegel.de über Jeff Buckley. Für alles Weitere sei auf David Brownes Biografie „Dream Brother: The Lives and Music of Jeff and Tim Buckley“ verwiesen…)

 

Rock and Roll.

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Meine Essenz der Jugend – Chris Cornell ist tot.


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„On a cob web afternoon,
In a room full of emptiness
By a freeway I confess
I was lost in the pages of a book full of death;
Reading how we’ll die alone.
And if we’re good we’ll lay to rest,
Anywhere we want to go.

In your house I long to be;
Room by room, patiently,
I’ll wait for you there, like a stone.
I’ll wait for you there, alone.

And on my deathbed I will pray to the gods and the angels,
Like a pagan to anyone who will take me to heaven;
To a place I recall, I was there so long ago.
The sky was bruised, the wine was bled, and there you led me on.

In your house I long to be;
Room by room, patiently,
I’ll wait for you there, like a stone.
I’ll wait for you there, alone, alone…

And on I read until the day was gone;
And I sat in regret of all the things I’ve done;
For all that I’ve blessed, and all that I’ve wronged.
In dreams until my death I will wander on.

In your house I long to be;
Room by room, patiently,
I’ll wait for you there, like a stone.
I’ll wait for you there, alone, alone…“

 

 

Scheiße. Das wird jetzt wirklich schwierig….  Nein, da kann ich schon einmal vorwarnen: Dies wird keiner dieser „Nun-isser-gestorben-also-schreibe-ich-ein-paar-Zeilen“-Nachrufe. Warum? Mit Chris Cornell ist ein Teil meiner Jugend, meiner musikalischen Essenz verstorben. Denn obwohl Pearl Jam wohl auf immer und ewig meine liebste aller Lieblingsherzbands bleiben werden, hätte ich Eddie Vedder und Co. ohne Soundgarden wohl nie entdeckt…

Im Prinzip hat mich der „Grunge“ erst postum erschlagen, so etwa um 1997 herum. Im zarten Alter von 14 Jahren – und somit in der Blüte meiner Teenager-Jahre – fand „A-Sides“, anno dazumal die erste „Best Of“ von Cornells On/Off-Hauptband Soundgarden, den Weg in meine damals noch recht überschaubare Plattensammlung. Hatte ich mir die während einer Klassenfahrt besorgt? Vielleicht überteuert im lokalen Plattenladen? Gar via Mailorder? Fast zwanzig Lenze später habe ich keine Ahnung mehr… Aber da war sie. Und Songs wie „Jesus Christ Pose„, „Rusty Cage„, „Fell On Black Days“ oder der unvermeidliche Instant-Grunge-Hit „Black Hole Sun“ machten mich mit ihrer berauschenden, unzurechnungsfähig-wütenden Art, die Hardrock mit Metal, ein wenig Jazz-Feeling und noch mehr Gespür für Neues wie Eingängiges vermengte, neugierig, was es denn – über Soundgarden und ihre Alben, die ich nach und nach für mich vereinnahmte, hinaus – in dieser „Grunge-Szene“ noch zu entdecken gäbe. Freilich, deren Gallionsfigur, Kurt Cobain, war da schon längst tot und die Szene zugunsten von Nu-Metal-Vollhonks wie Fred Durst vermeintlich angeschrieben. Störte mich nicht weiter. Ich entdeckte Alice In Chains. Und Nirvana. Und die Smashing Pumpkins. Die Stone Temple Pilots. Später auch die Screaming Trees (mit dem unnachahmlichen Mark Lanegan) oder Mother Love Bone. Und: natürlich Temple Of The Dog und Pearl Jam. Der Rest war pure, tiefe, echte Liebe. Bis heute. Für immer.

Dass ich auch Chris Cornell immer treu blieb, war für mich (r)eine Selbstverständlichkeit. Was will man auch machen? Der Mann, 1964 in Seattle geboren, war mit einer Jahrhundertstimme gesegnet, der, in ihrer energischen, durch Mark und Bein dringenden Art, wohl nur Led-Zeppelin-Frontmann Robert Plant das Wasser reichen konnte und wohl auch abseits der Konzertbühnen so manches (Frauen)Herz schwach werden ließ (Stichwort: „Orgasmusgarantie“). Das nach dem zwischenzeitlichen Soundgarden-Split im Jahre 1997 veröffentlichte erste Soloalbum Cornells, „Euphoria Morning“ (von 1999), zählt noch immer zu meinen liebsten Alben (man höre nur „Can’t Change Me„!), und auch der Zusammenschluss mit der dreiköpfigen instrumentalen Seite von Rage Against The Machine zu Audioslave war – zumindest für das 2002 erschienene Debüt – eine bahnbrechend großartige Sache. Dass auch in Chris Cornells umtriebiger Bio- und Diskografie nicht bei allem und jedem Ton goldene Hände vor wie an den Reglern saßen? Geschenkt. Genauso wie die frühen Alben von Soundgarden (also alles vor dem 1991er Werk „Badmotorfinger“), die nachfolgenden Audioslave-Alben ab dem zweiten („Out Of Exile“) oder gerade Cornells – mancher mag’s „waghalsig“, mancher „idiotisch“ nennen – Versuch, mit Produzent Timbaland und dem 2009 veröffentlichten Solowerk „Scream“ so etwas wie den blutigen Bastard aus einer Grunge-Leiche und üblem R’n’B zu erschaffen. Dafür brachte der Mann mit „You Know My Name“ den wohl besten „James Bond“-Titelsong der jüngsten Vergangenheit zustande (2007 zu „Casino Royale“). Und hatte nach der Soundgarden-Reunion, die 2012 in „King Animal“ und dem ersten gemeinsamen Album mit Gitarrist Kim Thayil, Bassist Ben Shepherd und Schlagzeuger Matt Cameron (der seit 1998 auch das Schlagwerk bei Pearl Jam bedient) seit 15 Jahren mündete. Dass auch das zwar gut anzuhören war, allerdings auch die Zeit nicht in die juvenil-wütenden Neunziger zurück drehen konnte, war logisch. Aber: Soundgarden waren zurück, Chris Cornell hatte an deren Mikro wieder (s)einen Platz. Bis gestern…

Nicht nur ich frage mich: Wie kann dieser Mann tot sein, der wenige Stunden zuvor, im „Fox Theater“ in Detroit, noch ein Konzert gegeben und seine Fans begeistert hatte? Wieso fühlt es sich so falsch an, als heute morgen (mitteleuropäischer Zeit) Meldungen mit der Schlagzeile „Chris Cornell ist tot.“ die Runde via Facebook und Co. machten? Eine Falschmeldung? Muss es doch sein, schließlich hatten findige Fake-News-Arschgeigen schon so ziemlich jeden zweiten Musik-Prominenten, von Avril Lavigne bis hin zu Ozzy Osbourne, bereits fälschlicherweise für mausetot erklärt! Nun, diesmal sieht die Sache anders aus. Leider. „Demnach habe ein Freund der Familie, der auf Bitten von Cornells Frau nach ihm habe sehen sollen, den Musiker leblos auf dem Badezimmerboden seines Hotelzimmers gefunden. Sanitäter hätten versucht ihn wiederzubeleben, er sei aber noch an Ort und Stelle für tot erklärt worden.“ Noch gravierender: nach ersten Medienberichten aus Kreisen der Polizei habe Chris Cornell Selbstmord gegangen. „Cornell hatte in seinem Leben mit Depressionen sowie Drogen- und Alkoholproblemen zu kämpfen gehabt, galt aber schon länger als clean.“, wie die VISIONS schreibt. Sieht man einmal vom Klischee der sensiblen Künstlerseele ab, so beweist all das – Kenntnisstand jetzt – doch nur, dass man wohl keinem hinter die Fassade schauen kann und wohl auch der „härteste Rocker“ mit passabler aktueller Karriere (Chris Cornells letzte Solo-Single „The Promise“ erschien erst im März, Soundgarden wollten baldigst mit den Arbeiten an einem neuen Album beginnen) schwarze Tage hat. Fell on black days…

Auch am Abend dieses so traurigen Tages ringe ich noch um Worte, ringe ich um Fassung. Das hat weniger mit (m)einem ab und an durchaus vorhandenen Hang zur Melodramatik zu tun, sondern vielmehr, dass Chris Cornell von einem auf den nächsten Moment auf die andere Seite verschwunden ist. Mit 52 Jahren… Mein Vater ist 57 Jahre jung. All das macht mir Angst, lässt mich die Vergänglichkeit spüren, der wir alle unterlegen sind. Das helfen auch keine neunmalklugen Erkenntnisse á la „Der Tod gehört zum Leben.“. Auch wenn viele Worte herzlich wenig Sinn ergeben und nur einen Bruchteil von der gefühlten Sprachlosigkeit vermitteln, die sich immer noch in meiner Brust staut: Chris Cornell wird vermisst werden, seine Musik nicht nur mir auf ewig die Welt, durch die sie mich bereits seit zwanzig Jahren trägt, bedeuten. Seine letzten Worte, die er nur Stunden vor seinem Tod auf Instagram postete: „I’m the shape of the hole in your heart“ (aus dem Soundgarden-Song „By Crooked Steps„) – wie passend, wie wahr, wie düster vorahnend. Verdammt.

Danke, Chris – für alles. Mach’s gut.

 

 

(Drei Beispiele für den wohl unweigerlichen Ansturm an Worten im weltweiten Netz: Nachrufe von den Kollegen des deutschen „Rolling Stone„, einer der „ZEIT“ und eine sehr persönlicher auf „Spiegel Online„…)

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Kyle Craft – „Chelsea Hotel #2“


kyle-craft-cover photo by Mercy McNab

Foto: Mercy McNab

Chelsea Hotel #2„? Aye, Sir – großartig. Ein Klassiker der klassischsten Leonard-Cohen-Machart, veröffentlicht anno 1974 auf dem vierten Studioalbum des im vergangenen Jahr verstorbenen Troubadour-Großmeisters und Ladies‘ Man, „New Skin For The Old Ceremony“. Geschrieben vielleicht im, in jedem Fall über das Chelsea Hotel, jene berühmt-berüchtigte Absteige im New Yorker Künstler- und Einkaufsviertel Chelsea, 1883 erbaut und bis 1902 sogar das höchste Gebäude des Big Apple. Dass ebenjenes Hotel erst ab den Sechzigern, als sich zahlreiche Musiker, Schriftsteller und Künstler wie Salvador Dalí, Thomas Wolfe, Arthur Miller, Dylan Thomas, Charles R. Jackson, Nico, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Catherine Leroy, Valerie Solanas, Patti Smith oder eben Leonard Cohen sprichwörtlich die Klinke in die Hand gaben, Berühmtheit erlangte – alles Musikhistorie. Ebenso wie der Fakt, dass es ausgeflippten Kunstschaffenden wie Andy Warhol und seiner „Factory“ als „Spielwiese“ für deren später wegweisende Film- und Kunstaktivitäten diente (Velvet Underground, anyone?). Oder die Tatsache dass ebenda im Jahr 1978 ein zwar absolut talentfreier, jedoch charismatisch-durchgedrehter Bassist mit dem Künstlernamen Sid Vicious (Sie wissen schon: die Sex Pistols – ihres Zeichens die welterste zusammen gecastete Punk-Boygroup) im Zimmer Nummer 100 seine Freundin Nancy Spungen – mutmaßlich im Drogenrausch – erstach und im Jahr darauf im selben Zimmer an einer Überdosis verstarb. Da der Hotelbetrieb seit 2011 wegen Renovierungsarbeiten eingestellt wurde, und die historischen Gemäuer nördlich von Greenwich Village und südlich des Garment District in der 222 West 23rd Street bei soviel umwehtem Geist wohl heutzutage nur enttäuschen können, hält man sich doch am Besten an den unkaputtbaren Leonard-Cohen-Song, in welchem dieser in seiner unnachahmlichen Art – mutmaßlich, denn bestätigen wollte er es freilich nie – von einer zwar kurzen, jedoch wohl höchst intensiven Liebschaft mit Rockröhre Janis Joplin berichtet: „I remember you well in the Chelsea Hotel / You were talking so brave and so sweet / Giving me head on the unmade bed / While the limousines wait in the street“. Wie so oft bei Cohen gehen graue Realität und deren romantische Verklärung, Anziehung, Verlangen, sauige Leibeslust und tiefe Spiritualität Hand in Hand durch alle Zeilen: „I remember you well in the Chelsea Hotel / You were famous, your heart was a legend / You told me again you preferred handsome men / But for me you would make an exception / And clenching your fist for the ones like us / Who are oppressed by the figures of beauty / You fixed yourself, you said, ‚Well never mind, / We are ugly but we have the music'“. Wenn schon der Dylan-Bob ’nen Nobelpreis für’s Lebenswerk bekommt, dann sollte Leonard Cohen höchstbald folgen…

homepage_large.fdd38cb8Kaum schlechter als das Original ist die Version von Kyle Craft, welche der im künstlerisch dicht bevölkerten Portland, Oregon beheimatete US-amerikanische Musiker kürzlich in einer Piano-Variante zum Besten gab. Apropos Kyle Craft: der 28-Jährige wird aufgrund seines leicht überreizt quengeligen Gesangsorgans gern mit Dylan verglichen, während der Bandsound seines 2016 erschienenen Debüts „Dolls Of Highland“ Vergleiche mit Bruce Springsteens E Street Band nahe legt (nicht als Rentnergang, aber in deren tighter Siebziger-Form). Außerdem recht oft in der Review-Wundertüte: Glam Rock (Bowie, T.Rex, Queen – der Hang zur pathetischen Übertreibung), erdiger Rock’n’Roll, Southern Rock (was nicht verwundert, denn Craft wurde in Shreveport, Louisiana geboren und verbrachte somit fast zwangsläufig Teile seiner Kindheit im baptistischen Kirchenchor zu). Ich selbst höre in Songs wie „Eye of a Hurricane„, „Lady of the Ark“ oder dem Titelstück des Debütalbums vielmehr Künstler wie Jesse Malin (den diesseits des Atlantiks noch immer viel zu wenige kennen) raus, während Crafts Stimmbänder gleich neben Starsailor-Frontmann James Walsh parken (Sie wissen schon, die gaaanz große Dramaschublade von „Alcoholic“ und so). Aber wie immer darf ja jede(r) gern seine ganz eigenen Vergleiche ziehen…

 

 

„I remember you well in the Chelsea Hotel
You were talkin‘ so brave and so sweet
Givin‘ me head on the unmade bed
While the limousines wait in the street

Those were the reason an‘ that was New York
We were runnin‘ for the money and the flesh
An‘ that was called love for the workers in song
Probably still is for those of them left

Ah, but you got away, didn’t you babe
You just turned your back on the crowd
You got away, I never once heard you say
I need you, I don’t need you
I need you, I don’t need you
And all of that jiving around 

I remember you well in Chelsea Hotel
You were famous, your heart was a legend
You told me again you preferred handsome men
But for me you would make an exception

An‘ clenching your fist for the ones like us
Who are oppressed by the figures of beauty
You fixed yourself, you said, „Well, never mind
We are ugly but we have the music“

And then you got away, didn’t you baby
You just turned your back on the crowd
You got away, I never once heard you say
I need you, I don’t need you
I need you, I don’t need you
And all of that jiving around

I don’t mean to suggest that I loved you the best
I can’t keep track of each fallen robin
I remember you well in Chelsea Hotel
That’s all, I don’t even think of you that often“

 

Rock and Roll.

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