Schlagwort-Archive: Popkultur

„Blyats“ – Die russische Variante des „Friends“-Intros


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Etwas sinnfreier Klamauk für Zwischendurch gefällig? Wie wäre es dann mit der russischen Variante des „Friends“-Intros?

Obwohl die US-Comedy-Serie bereits 2004 – nach immerhin knapp zehn Jahren und 236 Folgen – zu Ende gegangen ist, erfreut sich die Sitcom auch 2017 noch großer Beliebtheit. Und wer auch immer auf die Idee gekommen sein mag, ein paar Aufnahmen von einer Truppe russischer Vorstadtsäufer, welche ihrerseits wiederum wirken wie die Wladiwostoker Plattenbau-Version der „New Kids“, mit der Optik und dem Song des US-Originals auszustatten – Chapeau für diese kurzzeitige humoristische Einlage!

Obwohl man sich bei all der befremdlich-homoerotischen Energie, die Oleg, Dimitrij, Artjem, Kostja, Kolja, Wadik und Konsorten ausstrahlen, schon fragt, wer hier die Rolle von Ross, und wer die Rolle der Rachel übernehmen sollte…

 

 

Rock and Roll.

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Die „Lady Gaga des Poetry Slam“ – Julia Engelmanns „Grapefruit“


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Die bundesdeutsche „Poetry Slam„-Szene wirkt mittlerweile – YouTube, Facebook und Co. sei Dank – derart unüberschaubar, dass man wohl Wochen bräuchte, um jedem „Slammer“ respektive jeder „Slammerin“ die gewünschte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Und: Klar, manch einen Vortrag hätte man sich – Geschmacksache, Geschmacksache! – im Nachhinein sparen können…

Dennoch stechen manche Wortakrobaten/-innen auch aus dieser Masse ohne Zahl heraus. Julia Engelmann etwa. Die 25-jährige Norddeutsche wurde Anfang 2014 durch das virale Teilen einer Aufzeichnung ihres Auftritts beim „5. Bielefelder Hörsaalslam“ vom 7. Mai 2013 bekannt, in welchem sie inhaltlich zu einem bewussten Nutzen der Zeit aufruft (Sie wissen schon – „Carpe Diem“ etc. pp.) und hat sich seitdem durch weitere fleißige Auftritte auf Poetry-Slam-Bühnen, aber auch in etlichen Talkshows, zu so etwas wie der „Lady Gaga der Poetry-Slam-Szene“ entwickelt.

Will heißen, dass die multitalentierte Bremerin, die zwischen 2010 und 2012 auch in der RTL-Soap „Alles was zählt“ mitspielte, mittlerweile drei Buchveröffentlichungen (der letzte Textband „Jetzt, Baby“ erschien 2016) sowie neuerdings auch einen Plattenvertrag vorzuweisen hat (da wiederum erscheint das Debütalbum „Poesiealbum-sic!- im November).

Und natürlich mag man – und hier wird deutlich, dass der Vergleich mit Stefani Joanne Angelina „Gaga“ Germanotta durchaus nicht unpassend gewählt ist – Julia Engelmann auch nervig, altklug oder in gestelzten Metren daher poesierend finden. Darf denken, dass man etwas, was bereits 10 Millionen Klicks zum „Slam-Hit“ befördert haben (der oben erwähnte Auftritt beim „Bielefelder Hörsaalslam“, welcher gedanklich auf dem One-Hit-Wonder „One Day / Reckoning“ fußt), nicht auch noch selbst gut finden muss. Nope, muss man nicht.

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Dennoch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass Julia Engelmanns Textgedanken in einigen Momenten das Herz berühren können. „Grapefruit“ etwa, welches die selbstberufene „Vollzeitpoetin“ selbst wie folgt beschreibt:

„Letztes Jahr habe ich auf einer WG-Party einem traurigen Menschen gegenüber gesessen und wusste nicht, was ich sagen sollte – obwohl ich so gerne geholfen hätte. Für diesen Menschen hab ich am nächsten Tag ‚Grapefruit‘ geschrieben. Ich hab beim Schreiben vor mich hingesungen und so ist ein ‚Lied-Gedicht‘ daraus geworden.“

Und obwohl ich auch hier nicht eben jeden Gedanken zu einhundert Prozent unterschreiben würde (nicht jeder traurige oder depressive Mensch ist zwangsläufig ein Fall für den Psychologen, Herzchen!), steckt sehr viel Wahrhaftiges und Gutes in diesen fünf „Lied-Gedicht“-Minuten von „Grapefruit“, welche man so schnell nicht wieder aus dem Kopf bekommt…

 

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Wer mehr wissen mag, dem sei Julia Engelmanns Aufritt in der „NDR Talkshow“ vom August 2017 empfohlen, bei dem sie auch „Grapefruit“ zum Besten gibt (und für sichtbare Rührung bei den anderen Gästen sorgt):

 

Rock and Roll.

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Politik vs. Musikgeschmack – Was hört eigentlich der Bundestag?


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Foto: picture alliance / dpa

Dass man als deutscher Fussballnationalspieler beinahe traditionell einen recht bescheidenen Musikgeschmack haben sollte, dürfte sich mittlerweile vom Hamburger Volksparkstadion bis in die Münchner Arroganz… ähm… Allianz-Arena herumgesprochen haben. So wird dem aktuell besten (slash komplettesten) deutschen Spieler, Toni Kross, eine ungesunde Nähe zur musikalischen Massenvertreibungswaffe Hartmut Engler (und seinen Mannen vom Pur-„Abenteuerland“) nachgesagt, während sich der Rest der amtierenden Fussballweltmeister mit einer Spotify-Playlist des Grauens, welche vom Helene-Fischer-Schlager bis zu den Archipelen des Bling-Bling-Gangsterraps reicht, auf Betriebstemperatur bringt. Wie der Kaiser sagen würde: „Ja gut, äh…“ (Ausgenommen mal Mehmet Scholl, dessen Musikgeschmack schon immer etwas erlesener und ausgeprägter war als der seiner Kollegen.)

Und wie heißt es so schön: Politiker sind auch nur Menschen. Wieso sollte es also im deutschen Bundestag besser aussehen? Eben. Und obwohl es im Wahlkampf ja eigentlich stets um Inhalte und Pläne für die – mindestens – kommenden vier Jahre gehen sollte (mal ganz nebenbei: wer bitte liest sich denn wirklich die immer gleichen Parteiprogramme, Standard-Interview-Antworten und vielen Wahlversprechen der einzelnen Parteien und Spitzenkandidaten noch durch?): Was hört denn so ein bundesdeutscher „Spitzen“-Politiker heutzutage in seiner ach so geringen Freizeit? Oder, anders gefragt:

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Klar kann sich der oder die politisch noch Unentschlossene mal eben schnell vom Musik-O-Mat von Deezer die Entscheidung übers Kreuzchensetzen abnehmen lassen – manchmal fragt man ja die nächstbeste Supermarktkassiererin auch nach Steuertipps. Oder hört einer auf so ziemlichen allen Ebenen gleichsam irrelevanten wie nervtötenden Person wie Lena Meyer-Landrut dabei zu, wenn sie Angela Merkel unterstützend lobpreist, „weil sie Frauen die Vision gibt, alles werden zu können“. (Ob die amtierende Bundeskanzlerin diese Unterstützung nötig hat, dürfte ebenso bezweifelt werden wie der Nutzen für die Politikerin. Aber wenn die Satelliten-Lena sich schon mit dem Musikalischen nicht mehr ins Gespräch bringen kann, dann eben mit polarisierenden Null-Aussagen wie dieser…)

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Und obwohl die Frage nach dem Musikgeschmack eines einzelnen Bundestagsabgeordneten die Debatte um politische Inhalte zu kurz fasst, so ist es, gerade so kurz vor der Bundestagswahl am morgigen Sonntag, doch mal interessant, was so ein Politiker denn nun in seiner Playlist mit sich herum trägt. Etwas Ähnliches hat sich der deutsche „Rolling Stone“ ebenfalls gefragt und im Jahr 2015 ganze 200 deutsche Politiker nach ihren Lieblingsplatten gefragt – das Ergebnis findet ihr hier.

Was vor zwei Jahren freilich noch nicht gefragt werden konnte: Welcher Soundtrack läuft zur Beschallung des „Schulz-Zugs“? Featurt Miss Angie McMerkel nun zum Dank die Lena auf ihrer neuen Platte mit femininen Extra-Props? Hat Wolle Petry nun aus Scham über Fraukes Palaver seinen Nachnamen in ein Allerwelts-„Müller“ geändert? Und verteilt der olle Wehrmachts-Gauland heimlich Facebook-„Likes“ an die Böhsen Onkelz, Frei.Wild und Co.? Fragen über Fragen über Fragen…

 

Rock and Roll.

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Deals mit dem Gottlosen – Oder: Feiert Nick Cave seinen Geburtstag?


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Der ganz und gar einzigartige Nicholas „Nick“ Edward Cave begeht heute seinen sage und schreibe 60. Geburtstag. Ob der 1957 im australischen Warracknabeal in diese Welt geschubste Wahl-Britte diesen feiert? Nun, ein „Feierbiest“ mag man in dem künstlerischen Tausendsassa, dessen Spektrum sich seit den Achtzigern immerzu erweitert hat und mittlerweile – nebst der seit eh und je großartigen (Rock)Musik, freilich – sogar zahlreiche Film- und Opernmusik, mehr oder minder obskure Lyrikbände, Bücher, Drehbücher sowie kleinere Schauspielrollen umfasst, kaum vermuten. Ein Biest steckt auf jeden Fall in ihm. Man höre nur Meisterwerke wie „Murder Ballads„, „No More Shall We Part“ oder jüngst „Push The Sky Away“ (für Neulinge tut’s erst einmal auch die jüngst erschienenen Werkschau „Lovely Creatures„). Für solch kreative Ergüsse würden geschätzt 90 Prozent seiner Kollegen sogar einen höchst unfairen Deal mit dem Beelzebub eingehen. Und wer es genau nimmt, der dürfte sich irgendwann fragen, ob Nick Cave, dieses sinistre Chamäleon, nicht genau das irgendwann in einer gottverlassenen Mitternacht getan hat…

In jedem Falle: Happy Birthday, Mr. Cave!

(Lesenswert sind auch die Zeilen, die „Rolling Stone“-Autor Arne Willander anlässlich von Caves 60. Geburtstag verfasst hat.)

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Reinhard Mey – „Sei wachsam“


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Reinhard Mey? Klar, kennt man. Immerhin ist der 1942 im Berliner Bezirk Wilmersdorf geborene Musiker ein bundesdeutsches Denkmal. Und obwohl der heute 74-Jährige nie ein allzu großes Aufhebens um seine Person gemacht hat, ist er auch im 21. Jahrhundert kaum aus der Liedermacher-Szene wegzudenken.

Das mag wohl kaum an den Stücken zum Anfang seiner Karriere liegen, welche bereits in den Sechzigern und mit vor allem zwar netten, im Endeffekt jedoch harmlosen Liedchen begann, die mal dezent im Country stocherten, sich jedoch viel öfter knietief in dem von Mey geliebten französischen Chanson suhlten (man höre etwa „Ich wollte wie Orpheus singen„) und im besten Fall an Größen wie Leonard Cohen erinnerten (kein Wunder, schließlich besuchte Mey, Sohn eines Rechtsanwalts und einer Lehrerin, das Französische Gymnasium in Berlin). Eher nicht an Gassenhauern wie „Über den Wolken„, mit denen ein guter Teil von uns während der eigenen Schulzeit zwangsmalträtiert wurde. Und schon gar nicht daran, dass der Mann, der während seiner Karriere auch Pseudonyme wie Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek oder Rainer May benutzte, sich nebenbei an Karrierestarts in Nachbarländern und in deren Landessprache versuchte, und dabei nicht selten knöchelhoch unter Schlagerverdacht stand.

Vielmehr besann sich Reinhard Mey in den Neunzigern auf die nicht eben unwesentliche Funktion des Liedermachers als Protestsänger und ließ – nebst Persönlichem – auch politische, zeit- und gesellschaftskritische Themen in die Texte seiner ohne viel Tamtam oft auf der Akustischen vorgetragenen Lieder einfließen – man höre etwa das bewegende Stück „Die Kinder von Izieu“ (vom 1995 erschienenen Album „Zwischen Zürich und zu Haus„), das die Deportation von 44 jüdischen Kindern aus Frankreich beschreibt und in dem er dezidiert Stellung gegen ein Vergessen der nationalsozialistischen Verbrechen bezog. Oder „Die Waffen nieder!„. Oder „Heimatlos„. Oder „Das Narrenschiff„. Oder „Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht„. Oder… All jene Lieder mögen moderat links anzusiedeln sein, beweisen jedoch das Feingefühl des für Freiheit, Frieden und Gewaltlosigkeit eintretenden überzeugten Vegetariers, der sich bis heute auch offen engagiert (beispielsweise im Bundestagswahlkampf 2002 für den „Omnibus für direkte Demokratie“ oder auf einer Großdemonstration Anfang 2003 in Berlin gegen den bevorstehenden Irakkrieg). You may call him a grey-haired hippie…

Eines von Meys bis heute besten und mutigsten Stücken ist das 1996 auf dem Album „Leuchtfeuer“ erschienene „Sei wachsam“, welches vor „Rattenfängern“ wie „Geschäftemachern“ warnt und gerade in den letztes Zügen des Bundestagswahlkampfes in diesem Jahr wichtig scheint, hat es doch auch gute zwei Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung nichts von seinen – leider – zeitlosen Botschaften verloren. Und selbst wenn bei Reinhard Mey in den letzten Jahren (zuletzt erschien 2016 das Album „Mr. Lee„) – wer will’s im auch jenseits der Siebzig verdenken – vornehmlich die Altersmilde eingesetzt hat, beweist „Sei wachsam“ doch, wie wichtig der Berliner Liedermacher, ohne den Szene-Größen wie Gisbert zu Knyphausen wohl nie eine Bühne betreten hätten, auch heute noch ist.

 

 

„Ein Wahlplakat zerrissen auf dem nassen Rasen,
Sie grinsen mich an, die alten aufgeweichten Phrasen,
Die Gesichter von auf jugendlich gemachten Greisen,
Die Dir das Mittelalter als den Fortschritt anpreisen.
Und ich denk’ mir, jeder Schritt zu dem verheiß’nen Glück
Ist ein Schritt nach ewig gestern, ein Schritt zurück.
Wie sie das Volk zu Besonnenheit und Opfern ermahnen,
Sie nennen es das Volk, aber sie meinen Untertanen.
All das Leimen, das Schleimen ist nicht länger zu ertragen,
Wenn du erst lernst zu übersetzen, was sie wirklich sagen:
Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm:
Halt du sie dumm, – ich halt’ sie arm!

Sei wachsam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Du machst das Fernsehen an, sie jammern nach guten, alten Werten.
Ihre guten, alten Werte sind fast immer die verkehrten.
Und die, die da so vorlaut in der Talk-Runde strampeln,
Sind es, die auf allen Werten mit Füßen rumtrampeln:
Der Medienmogul und der Zeitungszar,
Die schlimmsten Böcke als Gärtner, na wunderbar!
Sie rufen nach dem Kruzifix, nach Brauchtum und guten Sitten,
Doch ihre Botschaft ist nichts als Arsch und Titten.
Verrohung, Verdummung, Gewalt sind die Gebote,
Ihre Götter sind Auflage und Einschaltquote.
Sie biegen die Wahrheit und verdrehen das Recht:
So viel gute alte Werte, echt, da wird mir echt schlecht!

Sei wachsam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Es ist ‘ne Riesenkonjunktur für Rattenfänger,
Für Trittbrettfahrer und Schmiergeldempfänger,
‘ne Zeit für Selbstbediener und Geschäftemacher,
Scheinheiligkeit, Geheuchel und Postengeschacher.
Und die sind alle hochgeachtet und sehr anerkannt,
Und nach den schlimmsten werden Straßen und Flugplätze benannt.
Man packt den Hühnerdieb, den Waffenschieber läßt man laufen,
Kein Pfeifchen Gras, aber ‘ne ganze Giftgasfabrik kannst du kaufen.
Verseuch’ die Luft, verstrahl’ das Land, mach ungestraft den größten Schaden,
Nur laß dich nicht erwischen bei Sitzblockaden!
Man packt den Grünfried, doch das Umweltschwein genießt Vertrau’n,
Und die Polizei muß immer auf die Falschen drauf hau’n.

Sei wachsam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Wir ha’m ein Grundgesetz, das soll den Rechtsstaat garantieren.
Was hilft’s, wenn sie nach Lust und Laune dran manipulieren,
Die Scharfmacher, die immer von der Friedensmission quasseln
Und unterm Tisch schon emsig mit dem Säbel rasseln?
Der alte Glanz in ihren Augen beim großen Zapfenstreich,
Abteilung kehrt, im Gleichschritt marsch, ein Lied und heim ins Reich!
„Nie wieder soll von diesem Land Gewalt ausgehen!“
„Wir müssen Flagge zeigen, dürfen nicht beiseite stehen!“
„Rein humanitär natürlich und ganz ohne Blutvergießen!“
„Kampfeinsätze sind jetzt nicht mehr so ganz auszuschließen.“
Sie zieh’n uns immer tiefer rein, Stück für Stück,
Und seit heute früh um fünf Uhr schießen wir wieder zurück!

Sei wachsam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Ich hab’ Sehnsucht nach Leuten, die mich nicht betrügen,
Die mir nicht mit jeder Festrede die Hucke voll lügen,
Und verschon’ mich mit den falschen Ehrlichen,
Die falschen Ehrlichen, die wahren Gefährlichen!
Ich hab’ Sehnsucht nach einem Stück Wahrhaftigkeit,
Nach ‘nem bißchen Rückgrat in dieser verkrümmten Zeit.
Doch sag die Wahrheit und du hast bald nichts mehr zu lachen,
Sie wer’n dich ruinier’n, exekutier’n und mundtot machen,
Erpressen, bestechen, versuchen, dich zu kaufen.
Wenn du die Wahrheit sagst, laß draußen den Motor laufen,
Dann sag sie laut und schnell, denn das Sprichwort lehrt:
Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd.

Sei wachsam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!“

 

Rock and Roll.

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Bescheuerte Albumtitel, Teil 4365…


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Kennt man ja: Es gibt Albumtitel, da greift man sich an den Kopf (oder möchte selbigen gar gegen die nächstbeste Wand hämmern) und fragt sich: „Wieso, zur Hölle?“ Beispiele gefällig? Aber gern doch:

„Außen Top Hits, innen Geschmack“ – Fettes Brot

„Dumm aber schlau“ – Das Bo

„Männer können seine Gefühle nicht zeigen“ – Fischmob

„Auf einem Auge blöd“ – Fettes Brot (ja, erneut)

„Das nächste Album aller Zeiten“ – Knorkator

„Entweder geht diese scheußliche Tapete – oder ich.“ (Jupiter Jones)

„Kampfstern Mallorca dockt an“ – Die Goldenen Zitronen

„Melodien für Melonen“ – Die Doofen

„Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ – Marius Müller-Westernhagen

„Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer!“ – Die Ärzte

Reicht schon? Ja, oder? Dabei haben wir die bundesdeutsche Musikszene noch nicht einmal verlassen…

Freilich gäbe es auch außerhalb Deutschlands – und nicht erst seit dem dämlichen „Chocolate Starfish and the Hot Dog Flavored Water“ (2000 erschienen) der ohnehin kaum weniger glorreichen Limp Bizkit – massig Beispiele für Albumtitel, bei denen der Hirnschmalz der Beteiligten – nebst potentiell einer guten Menge der veranschlagten Albumkosten – wohl eher für den Verstand vernebelnde Substanzen draufgegangen sein dürfte denn für gute Ideen. Und das irgendwie auch schon, seit Popkultur einen Markt besitzt.

Man nehme nur „You can Tune a piano, but you can’t Tuna fish.“ von REO Speedwagon, anno 1978 auf den Musikmarkt losgelassen. Natürlich würde kein Freund US-amerikanischen Schwulst-Softrocks die Band, die wenig später mit Hits wie „Keep On Loving You“ oder „Can’t Fight This Feeling“ bekannt werden sollte, auch nur in die Nähe von feingeistigen Hochleistungen bringen – aber ein Albumtitel wie dieser, noch dazu verbunden mit einem wenig zweideutigen Cover, auf dem ein Thunfisch gerade dabei, eine Stimmgabel zu verspeisen, ist doch einfach nur eines: derartig bescheuert, dass der zweifelhafte (Insider-)Witz schon knapp vor Verlassen der Studiotür das Zeitliche gesegnet haben musste. Da hilft auch Dadaismus als Argumentationshilfe nicht weiter…

(Wer übrigens meine fix zurecht gegoogelte „Hall of Shame“ durch das ein oder andere eigene Facepalm-Beispiel erweitern mag, der darf dies gern in den Kommentaren tun.)

 

Rock and Roll.

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