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Auf dem Radar: The Bronze Medal


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Spätestens, wenn andere Bands und Künstler den eigenen, sehr charakteristischen Sound in mehr oder minder groben Zügen gleichsam eheerbietend wie ehrfürchtig kopieren, weiß man als Band: man hat’s geschafft, man ist endlich im Kanon der ganz Großen angekommen. Selbiges darf man mit Fug und Recht mittlerweile auch von The National behaupten, denn nicht nur bespielen die fünf US-Indierocker um Frontmann Matt Berninger – spätestens – seit ihrem verdienten Durchbruch mit dem unlängst eine Dekade jung gewordenen Album „High Violet“ die ganz großen Konzertsäle und Prime-Time-Festival-Slots, ihr Sound findet mittlerweile auch immer öfter seine Kopisten (freilich ohne dies despektierlich zu meinen). Man denke etwa an The Slow Show aus dem englischen Manchester, die sich nicht nur nach einem Song vom 2007er The National-Werk „Boxer“ benannten (selbst, wenn The Slow Show das immer wieder verneinten und vielmehr auf „die Liebe zu Showeinlagen und die Entschlossenheit der Band, keine überstürzte Musik zu machen“ verwies), sondern – nebst dem dezent heiseren Bariton von Sänger Rob Goodwin – auch in die Stücke ihrer bislang drei Alben ganz ähnliche grundmelancholische Strukturen einwoben wie die großen Vorbilder aus Cincinnati, Ohio. Natürlich tönen Plagiate anders, gewisse Ähnlichkeiten sind jedoch trotzdem kaum von der Hand zu weisen. Gleiches könnte man übrigens auch von The Bronze Medal behaupten…

a2632293468_16The Bronze… wer? Eben. Irgendeinen Grund muss es doch haben, dass selbst ich, der ja für The National-likes nun nicht erst seit gestern überaus empfänglich ist, erst vor wenigen Tagen auf das Quintett aus dem englischen Bristol aufmerksam geworden bin. Immerhin machen Chris Hillier, Robin Southwell, Rory O’Gorman, Daniel Rogers und Mike Barnett bereits seit 2009 gemeinsam Musik, und auch der feine Album-Erstling „Darlings“ erschien bereits 2014 (nach einer selbstbetitelten EP zwei Jahre zuvor). Da erscheint es fast tröstlich, dass The Bronze Medal, die sich ihrerseits nach einem Song der schottischen Indierocker Idlewild benannten, nicht nur hierzulande, sondern auch im heimischen UK in den vergangenen Jahren (leider) meist etwas unterhalb des internetten Hype-Radars flogen (das belegen etwa auch Facebook-Likes, bei denen etwa The Slow Show mit aktuell etwas über 16.000 bereits vier mal so viele vorweisen können wie Chris Hillier und Co.). Trotzdem konnte sich der Fünfer in den letzten Jahren zu einem absoluten Geheimtipp der Szene mausern und mit ihrem filigran-einfühlsamen Indiefolkrock neben vielen Fans auch vielversprechende Referenzen sammeln. Die renommierte The Times etwa nannte sie liebevoll “masters of slow-build indie minimal”  – und genau das passt wohl wie kaum eine andere Beschreibung auf den Sound von The Bronze Medal. Die Songs der Band laden zum bewussten Zuhören ein und fordern dabei die volle Aufmerksamkeit – die sollte man ihnen auch zuteil werden lassen, um die vielen Facetten in ihrer Musik zu entdecken.

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Klar, wenn es um die reine Bekanntheit geht, sind die fünf Lads um Chris Hillier, Robin Southwell, die sich einst in Norwegen trafen, im Vergleich mit Bands wie eben The National, Idlewild, The Slow Show oder Snow Patrol, aber auch zu anderen Ähnlich tönenden Kapellen wie die mittlerweile – aus recht unterschiedlichen Gründen – aufgelösten Frightened Rabbit oder Dry The River natürlich nahezu mikroskopisch klein, musikalisch müssen sie sich jedoch keineswegs hinter ebenjenen verstecken. Man höre da am besten das lediglich neun Songs umfassende Debütwerk „Darlings„, welches die fünf Herren aus Bristol im hohen isländischen Norden von Reykjavík zusammen mit Produzent Valgeir Sigurdsson, der seinerseits bereits mit Größen wie Björk, Damon Albarn, Feist oder Sigur Rós arbeitete, aufnahmen. Darauf präsentieren sich The Bronze Medal nicht nur als (noch immer) spannender Hoffnungsträger für alle Freunde von geduldigen Grower-Songs, sphärisch getragener Indiepop-Intimität, folkig-verträumtem Kaminknistern und minimalistischen, gen Indie-Drama schreitenden Songstrukturen, sondern tönen auch gleichzeitig intimer als auf ihrer zuvor veröffentlichten, manches Mal gar Richtung Postrock schielenden EP (von dieser sei etwa das feine „No Hospitals“ ans Hörerherz gelegt, welches live schonmal zum zehnminütigen Song-Epos gerät, das den Fokus mehr auf sich überlagernde Sounds denn auf Rhythmus oder Melodie legt).

Im Übrigen könnte es gut sein, dass sich The Bronze Medal in nächster Zeit mit einer neuen EP – eventuell gar mit einem neuen Langspieler – zurückmelden (was ja nach sechs Jahren Veröffentlichungsfunkstille durchaus angebracht wäre). Mit einer Rohfassung von „Can’t Beat“ ließ das englische Indierock-Quintett im April einen ersten formidablen Vorgeschmack hören. Bleibt eigentlich nur noch, der Band zu wünschen, dass sie es in Zukunft ein wenig aus dem Geheimtipp-Schatten heraus schaffen…

 

Wer sich einen ersten Eindruck von The Bronze Medal verschaffen möchte, der höre doch bei Bandcamp rein – oder eben die reduzierten „Home Sessions“…

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Billy Bragg – „Can’t Be There Today“


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Wie viele andere auch sind Musiker in der aktuellen Situation in gewissem Maße zum Nichtstun verdammt – zumindest, was Auftritte betrifft. Keine Shows vor physisch anwesendem Publikum, keine Festivals, nada. Dass dies nicht zwangsläufig den kreativen Stillstand oder die komplette Abwesenheit von Konzerten bedeuten muss, bewiesen etwa viele namenhafte Künstler rund um den Globus, als sie sich vor wenigen Tagen bei der von Lady Gaga und der Organisation „Global Citizen“ ins Leben gerufenen Aktion „One World: Together At Home“ aus ihren eigenen Wohnzimmern zur viralen Benefiz-Show zusammenschlossen. Oder die beiden Hippe-di-Hopper Sido und Alligatoah, welche unlängst in Düsseldorf Konzerte vor hupenden und blinkenden Autos, in denen Social Distancing-konform jeweils maximal zwei Freunde der Live-Musik saßen, spielten. Oder immer mehr Musiker und Bands, welche nun eben versuchen, ihren Fans via Facebook-Live-Stream die couchige Langeweile zu vertreiben. Scheißsituation zwar, aber sie zwingt uns alle andererseits auch dazu, neue kreative Wege zu gehen…

https---images.genius.com-13f63ceacae9b7c716c7b1b8d4cf5178.1000x1000x1Auch Billy Bragg, welchen ich an anderer Stelle bereits als Englands „gute intellektuelle Seele des nationalen Liedermachertums“ lobte, hat der aktuellen Situation wegen ungewohnt viel Freizeit. Und deshalb – und auch anlässlich des Muttertags, welcher in diesem Jahr im UK auf den 22. März fiel – den feinen neuen Song „Can’t Be Here Today“, in welchem er sich mit den Nachteilen des Social Distancing an Tagen wie jenem auseinander setzt, veröffentlicht. Anders als andere bekannte Stücke des britischen Protestsängers (wie etwa „A New England„) kommt der Vierminüter dabei nicht trotzig-kämpferisch daher, sondern sogar mit prominenten Pedal-Steel-Noten, welche der Ballade gar einen sentimentalen Twang verleihen…

 

„The coronavirus pandemic is going to affect our lives in ways we’ve yet to grasp. In the coming months, most of us will be forced to miss family gatherings, starting with Mother’s Day which in the UK falls on this first weekend of isolation. Here’s a new song written in the past few days that touches on the emotional cost of this crisis.“

 

 

„An invite to a wedding
That no one can attend
A poster for a show that never happened
Two tickets for a holiday
I can longer spend
And a gift for Mothers Day I won’t be wrapping
This is all I’m left with
In a world that’s been shut down
I wannna come see you mum
But I fear that thing I might bring in

So I’m sending you this message
With a heavy heart to say
‚I miss you but I can’t be there today
I love you and that’s I’m gonna to stay away‘

It feels like hope has been postponed
All plans put on hold
Prospects fade and expectations shattered
But all through these uncertain days
I’ve come to understand
Those few precious things that truly matter
Mama you’ve been on my mind
As the world has slipped away
Promise me you’ll do the things
That must be done in the days to come

I don’t know when I’ll get the chance
To hug you so I wanna say
‚I miss you but I can’t be there today
I love you and that’s why I’m gonna to stay away‘

The time will come when this is done
And I won’t have to say
‚I miss you but I can’t be there today
I love you and that’s why I’m gonna to stay away'“

 

Rock and Roll.

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Wenn Streetart-Ikone Banksy sich im Homeoffice austobt…


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Seine Identität ist und bleibt ein gut gehütetes Mysterium, nun kennt die Welt aber immerhin sein Badezimmer – zumindest vielleicht, denn beim sagenumwobenen Street-Art-Künstler Banksy, der vor allem durch seine Graffiti mit gesellschaftskritischen und kontroversen Motiven weltberühmt wurde, ist natürlich nie ganz klar, was real ist und was nur (s)ein Spiel mit der Imagination. Nun tobt sich der (mutmaßliche) Brite – den aktuellen Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen sei Dank – auch zuhause aus und hat offenbar (s)ein Badezimmer zum Homeoffice-Kunstobjekt gemacht…

Auf Instagram postete Banksy, der im Oktober 2018 einmal mehr Schlagzeilen machte, als er eines seiner Bilder („Love Is In The Bin“, zu sehen ist ein Mädchen mit einem Luftballon in der Hand) in einer Kunstauktion beim Auktionshaus Sotheby’s per Fernauslöser durch einen offenbar heimlich im Rahmen eingebauten Schredder laufen ließ und es so komplett zerstörte, ein Bild, auf dem er mehrere Ratten in dem für ihn typischen Graffiti-Stil an die Wand gemalt hat. Mehr noch: Die herumstehenden Gegenstände sind so arrangiert, dass es den Anschein hat, als hätten die Ratten diese Unordnung verursacht. Darunter schreibt Banksy, dass seine „bessere Hälfte“ davon wohl eher mittelbegeistert war: „Meine Frau hasst es, wenn ich von zu Hause aus arbeite.“

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. . My wife hates it when I work from home.

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Hier gibt es Banksys neustes, gut durchdachtes und sorgfältig arrangiertes Rattenplagen-Badchaos noch einmal in Einzelaufnahmen:

 

Rock and Roll.

 

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Sunday Listen: Steve Adey – „Do Me A Kindness“


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Richtig gute Coveralben aufzunehmen – diese Idee kann nur allzu leicht nach hinten losgehen, denn sie bietet gleich an zwei Fronten Fallstricke: hält man sich zu nah ans jeweilige Original, so unterstellen einem viele eifrige, zum Gähnen neigende Kritiker mangelnde Kreativität und ein dezentes Defizit an Mut, verfremdet man die Ursprungsversionen jedoch zu sehr, will plötzlich jeder mehr von den „Ausgangstrademarks“ hören. Klare Sache, das: Nicht jedem kann’s so scheinbar leichtfüßig gelingen wie Johnny Cash und Produzentenguru Rick Rubin zu deren „American Recordings“-Zeiten. Man nehme etwa Steve Adeys Album „Do Me A Kindness„…

81l-Z68Oy4L._SX522_Der dritte, 2017 erschienene Langspieler des in Experimenten erprobten Singer/Songwriters aus dem schottischen Edinburgh besteht aus neun Coverversionen und der Adaption eines Gedichts von Hermann Hesse – wahrscheinlich per se schon nicht die Art von Dingen, die den musikalischen Appetit anregen und des Hörers Puls rasen lassen, oder? Bekanntlich sind Alben mit Coverversionen meist eine praktische Veröffentlichungsablenkung, wenn der jeweilige Künstler gerade an einer Schreibblockade leiden mag oder just die Rockstar-Reha verlassen hat (soweit zumindest die Klischees, welche ja auch irgendwoher stammen müssen). Das Ergebnis ist denn meist und im Allgemeinen ein verdammt janusköpfiger Haufen. Umso klüger ist es, sich dieser Art von kreativer Schnapsidee stets mit porzellaner Vorsicht zu nähern (oder es lieber gleich zu lassen).

Insofern mag man Steve Adey bereits von Vornherein hoch anrechnen, dass der gebürtig aus dem englischen Birmingham stammende Musiker bei diesem Album keineswegs die einfachsten Optionen gewählt hat. Keine der Melodien auf  „Do Me A Kindness“ stammt von einem offensichtlichen Karaoke-Bar-Liebling – stattdessen hört man hier Songs, deren Originale aus den Federn von unter anderem Bob Dylan, David Bowie, Morrissey, PJ Harvey, Low, Nick Cave, Portishead oder Smog stammen. Und: sie sind – das lässt sich schnell feststellen – wunderschön aufgenommen. Adeys frühere Karrierestopps als Toningenieur haben sich hier sicherlich als äußerst nützlich erwiesen, als er die (im Gros alle von ihm selbst gespielten) Instrumente und – vor allem – die Stimmen passenderweise in einer Edinburgher Kirche aus dem 19. Jahrhundert aufnahm – eine hervorragende, weise temperierte Kombination aus Klarheit und natürlich klingendem Hall. Deshalb der explizite Tipp: Holt eure besten Kopfhörer dafür raus, Kinners! Aber wenn wir die Produktionslorbeeren hinter uns gelassen haben, was bleibt uns dann noch? Mit drei Worten schon vorweg: eine Menge Trostlosigkeit.

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Denn „Do Me A Kindness“ ist ziemlich harter Gemütstobak. Manch einer mag sogar so weit gehen, Nick Drakes herb-melancholisches „Pink Moon“ dagegen als eine Best-Of-Sammlung der Beach Boys zu bezeichnen. Nach 46 Minuten sich langsam bewegenden Wellen ängstlichen Atemanhaltens (wenn auch wunderschön aufgenommenen Wellen ängstlichen Atemanhaltens…) mag es manch einem Lauschmuschelträger vielleicht schwerfallen, vom heimischen Sofa aufzustehen. So wird etwa Morrisseys „Every Day is Like Sunday„, das schon zu Zeiten seiner Erstveröffentlichung 1988 auf „Viva Hate“ nicht gerade ein fröhlicher Tobsuchtsanfall war, mit dem unerbittlichen Ticken einer Drum-Machine, die stur ihren minimalen Takt beibehält, auf ein einem Begräbnis würdiges Tempo verlangsamt. Adey spielt das Stück des skandalträchtigen Ex-Smiths-Frontmanns ohne große ideenreiche Schnörkel (wohl aber mit gesanglicher Unterstützung von Helena MacGlip), was auch bedeutet, dass der sinistre Humor des Originals hier fehlt und seine Version zu einer Art Doomy Pastiche verkommt. Mary Margaret O’Haras „To Cry About“ gerät da schon etwas gelungener, und die lyrische Düsterheit ergänzt sich wunderbar mit Adeys Arrangement. Nick Caves „God Is In The House“ (vom 2001er Album-Meilenstein „No More Shall We Part“) wiederum fehlt es erneut am sarkastischen Biss des Originals, und Adeys minimale Herangehensweise bewirkt, dass so manche hörerische Aufmerksamkeit spätestens in der Mitte des Stückes vorschnell abwandert. Fast schon flott und fröhlich kommt da die Variante des Dylan-Evergreens „I Want You“ daher – nur gut also, dass einen Portisheads „Over“ oder Lows „Murderer“ – in ihren Ursprungsversionen ohnehin schon deftig-großartige Trauerklöße par excellence – schnell wieder ins Graudunkel des schottischen Kirchenschiffs zurück ziehen. Erst „How Heavy The Days“ mit seinem bei Hermann Hesse entliehenen Text gelingt es kurz vor Schluss so richtig, die elegische Musik mit dem düsteren Tonfall der Worte gut zu verbinden. Stampfende Perkussion, seltsam zwitschernde Klaviaturen und verschlungene, umgekehrte Klänge werden zu einem einnehmenden Ganzen vermengt. Aus den fleißig angeschlagenen Akkorden, die Adeys eindringliche Baritonstimme begleiten, entsteht eine komplexe Klanglandschaft – so hätte gern das komplette Album klingen dürfen. Es ist ein sehr beeindruckendes Stück.

Es fällt schwer, „Do Me A Kindness“ vorschnell als lediglich halbwegs gelungen abzutun, da offensichtlich so viel Liebe und Herzblut in diesem Album steckt. Wenn es gut ist, ist es ziemlich unvergleichlich, aber wenn es nachlässt… nun, ihr wisst schon. Steve Adey hat einige seiner potentiell liebsten Songs (mehr zur Auswahl erfährt man hier) genommen und sich nicht gescheut, jedem Stück ein paar neue Charaktermerkmale zu verleihen. Herausgekommen sind keine blass nachgespielten Faksimiles der Originale, es sind praktisch (beinahe) neue Songs. Aber anhand von so wenig Dynamik oder tonalen Veränderungen über den Langspieler hinweg verschwimmen die meisten Stücke ineinander – was jammerschade ist, denn während der grummelgrauen Dreiviertelstunde gibt es so einige großartige Sachen zu entdecken. Freilich würde niemand auf die Idee kommen, Adey vorzuschlagen, dass sein nächstes Album bitteschön eine Sammlung bayrischer „Uffta! Uffta!“-Polkamelodien enthalten sollte, um denn doch für ein klein wenig mehr gelöste Stimmung zu sorgen, aber der bloße Gedanke daran, ein wenig mehr Licht, Luft und Abwechslung Einzug in seine Musik halten zu lassen, würde Steve Adey sicherlich eine breitere Palette an Emotionalität und Musikalität zur Verfügung stellen. Schließlich würde einem auch jeder bildende Künstler den Tipp geben, dass die Gegenüberstellung von Licht und Schatten die Dunkelheit dunkler und die Lichter heller macht. Ganz sicher: Steve Adey trägt definitiv noch das ein oder andere großartige Album in sich, aber „Do Me A Kindness“ ist – zumindest in Gänze – keines. Das nächste dann? Warten wir’s ab.

 

 

Rock and Roll.

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Ein weltbekannter Zebrastreifen im März 2020…


Wenn schon frische Luft schnappen, dann doch bitte mit ausreichend Sicherheitsabstand:

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Vielmehr dürfte es beim (sowie um den) bekanntesten Zebrastreifen der Welt, der auch auf ANEWFRIEND bereits an der ein oder anderen Stelle zu sehen war, aktuell jedoch so aussehen (im Zweifel kann man’s auch mit Live-Bildern checken):

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(beide Bilder: gefunden bei Facebook)

 

In diesem Sinne: Mal wieder „Abbey Road“ hören – und das in jedermanns Sinne am besten zuhause!

#StayTheFuckHome

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Ghostpoet – „X Marks The Spot“ (feat. Nadine Shah)


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Das 2011 erschienene Debütwerk „Peanut Butter Blues & Melancholy Jam“ sorgte in der britischen Musikszene für große Begeisterung und brachte Ghostpoet gar eine Nominierung für den renommierten Mercury Prize ein – wahrlich kein schlechter Einstand! 

a0966195370_16But… well, what’s the fuzz all about? Die darauf enthaltenen zwölf Songs (man höre etwa „Survive It“ oder „Liiines„), die in nächtlicher Eigenproduktion entstanden, während der Wortkünstler tagsüber – wie passend, wie trivial – in einem Callcenter jobbte, waren trübe und niederdrückend, aber gleichzeitig sehr klar in ihrem Stil. Obaro „Ghostpoet“ Ejimiwe wurde sofort neben große Namen wie Roots Manuva oder The Streets gestellt, hatte sich jedoch mit (s)einer besonderen Mischung aus markant-tiefem Sprechgesang, Trip-Hop, Dub und UK Garage längst eine eigene Nische geschaffen. Zwei Jahre später behielt das Nachfolgealbum den urban-nokturnen Charakter des Debüts bei, schien allerdings noch mehr von Entfremdung und Eskapismus in einer Metropole geprägt zu sein. Ghostpoet setzte auf Entschleunigung, probierte sich an langgezogenen Songstrukturen und übte sich in Friemelarbeit mit elektronischer Musik. Etwas unterkühlt und düster konnte „Some Say I So I Say Light so sicherlich nicht alle Fans des Debüts begeistern.

Und gerade als man vielleicht dachte, man würde die weitere Entwicklung von Ghostpoet mit leichter Hand einschätzen können, kam 2015 das dritte Album „Shedding Skin“ ums Eck – und hielt, dem Titel entsprechend, nicht wenige Überraschungen parat. Der Londoner Künstler mit nigerianischen und dominikanischen Wurzeln ließ den kreativen Stillstand links liegen und suchte einmal mehr nach neuen Einflüssen, stellte sein eigenes Soundgewand gar ein Stück weit auf den Kopf. Denn diesmal ging Ejimiwe nicht allein ins Studio, sondern nahm das Album innerhalb weniger Wochen in Begleitung seiner bisherigen Tourband auf.

„I wanted a consistent sonic direction throughout the record. I was definitely seeking coherency. And I wanted my mates!“

Obaro „Ghostpoet“ Ejimiwe

91aXOoZxzgL._SY355_Fast schon indierockig nahmen so eine E-Gitarre, ein Bass und ein Schlagzeug den Platz der unterkühlten Beats und Synthesizer ein. Die zehn Stücke sind schneller, zackiger und mehr auf den Punkt. Ein weiteres Novum: Bei mehr als der Hälfte der Songs begleiten Ghostpoet weitere Musiker, unter anderem der stets gut behütet auftretende Maxïmo Park-Frontmann Paul Smith, die britischen Indie-Singer/Songwriterinnen Lucy Rose und Nadine Shah, Soul-Sängerin Etta Bond oder die belgische Jazz-Interpretin Melanie De Biasio.

 

„For this album, it felt silly to focus just on how great, or not, my own life is. My life is only one amongst millions. And that’s the attitude of it.“

Obaro „Ghostpoet“ Ejimiwe

Textlich wendet sich Obaro „Ghostpoet“ Ejimiwe einmal mehr gesellschaftlichen Problemen zu, die er wohl nur durch genaue Beobachtung und einem hohen Maß an Empathie so genau beschreiben kann. Obdachlosigkeit („Shedding Skin”), Alkoholismus und Selbstmord („Yes, I Helped You Pack”) sind nur einige davon. Es findet sich auch Platz für Alltagslethargien („Off Peak Dreams„), dramatische Trennungen („Be Right Back, Moving Home„), emotionale Abhängigkeit vom Ex-Geliebten („That Ring Down The Drain Of Feeling”) oder für den Morgen nach einem One-Night-Stand („Sorry My Love, It’s You Not Me”).

In der Problematik seiner Geschichten lässt sich weiterhin der immanente Einfluss Londons erkennen, wohingegen die Unterschiede im musikalischen Bereich den einen oder anderen langjährigen Hörer bestimmt überrascht haben dürften. Während die Rhythmussektionen seiner Songs gut Ghostpoets charakteristischen, mal mit weicher Linie fließenden, mal brüchigen Sprechgesang untermauern, haben sich wohl nicht wenige Freunde der ersten Werke an mancher Stelle gewünscht, dass die Melodieelemente weniger präsent und weniger offensichtlich geblieben wären. Auf „Shedding Skin“ findet man mächtige Passagen verzerrter Gitarren („Better Not Butter”), bleierne Piano-Akkorde oder stimmungsvoller Streicher („Nothing In The Way”), die mit ihrem Soul-Jazz-Indierock im Sinne doch weit von den beiden früheren Alben entfernt sind (denen man vor etwa zwei Dekaden noch leichtfertig das Etikett „TripHop“ verpasst hätte). So mag das Album – bei allem erzählerischem Sog und all der organisch aufgebauten Instrumentierung zum Trotz – manchmal etwas überladen wirken und lässt (zumindest für Szene-Traditionalisten) einen Wunsch offen: Mehr Ghostpoet in Ghostpoet!

In Gänze ist „Shedding Skin“ ein mutiges, persönliches Experiment, das mit fein justierter (Live-)Energie überzeugt, und sich so perfekt auf die Bühne übertragen lässt (und einmal mehr völlig zurecht für den „Mercury Prize“ nominiert wurde). Unverändert liegt eine große Stärke in Ejimiwes Texten, mit denen man sich freilich und unbedingt näher beschäftigen sollte, um voll und ganz in den Sog von „Shedding Skin“ einzutauchen.

„Regardless of your situation, there’s always hope. And I think that’s something that’s come through in everything I’ve made, because I believe it so much. It’s an eternal thing.“

Obaro „Ghostpoet“ Ejimiwe

Im erneut zwei Jahre darauf (also 2017) erschienenem Nachfolger „Dark Days + Canapés“ setzten Ghostpoet und Band den eingeschlagenen Weg der vertonten – und in Stücken wie „Freakshow“ oder dem politisch recht eindeutigen „Immigrant Boogie“ dezent klaustrophobisch anmutenden – „Grumpy-Rap“-Urban-Erzählungen zu dichtem Live-Instrumentarium fort, während der Groove hier und da auf die besten Seiten der ersten Werke schielt. Für Mai ist mit „I Grow Tired But Dare Not Fall Asleep“ das nunmehr fünfte Album von Ghostpoet angekündigt, und wer die Vorabsingle „Concrete Pony“ hört, der weiß: Obaro Ejimiwe bleibt mit ganz eigener Vision und eigenständigem Stil einer der faszinierendsten Musiker aus good ol‘ England.

 

Eines der Highlights von „Shedding Skin“ ist ohne Zweifel der Song „X Marks The Spot“, bei welchem sich Obaro „Ghostpoet“ Ejimiwe und Band die britische Indie-Singer/Songwriterin Nadine Shah zur stimmlichen Unterstützung ins Studio holten:

(oder via YouTube)

 

„Obviously, You made me see
Can’t take this life for nothing
Let me be
All alone, I left my throne
If I don’t try another way
Then I’ll never know

So I don’t care anymore
(What you say, no way)
I don’t care anymore
(Oh you do need me)
There’s a drawer in a room in our house that’s calling your name
I don’t care anymore
(What you say, no way)
I don’t care anymore
(Oh you do need me)
There’s a drawer in a room in our house that’s calling your name
It’s calling your name

Used to think you were true
But I was washed up, confused
Grasping, gasping, no room for hope
Nowadays, path seems clear
But no I won’t turn around and celebrate
You always seem here

So I don’t care anymore
(What you say, no way)
I don’t care anymore
(Oh you do need me)
There’s a drawer in a room in our house that’s calling your name
I don’t care anymore
(What you say, no way)
I don’t care anymore
(Oh you do need me)
There’s a drawer in a room in our house that’s calling your name
That’s calling your name
Calling your name
Calling your name
Calling your name
I don’t care anymore
I don’t care anymore
There’s a drawer in a room in our house that’s calling your name
That’s calling your name“

 

Rock and Roll.

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