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A very special Best Of…


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(gefunden bei Facebook)

 

Ui… was es da wohl zu hören gäbe?

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: K’s Choice feat. Skin – „Not An Addict“


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Still und heimlich nehmen uns die Neunziger mal wieder in ihren Würgegriff. Seit Monaten vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendeine zu Recht oder Unrecht vergessene Band ihr Live-Comeback, eine richtige Reunion, ein Jubiläums-Best-Of oder eine andere Art von Tournee(-Ausverkauf) ankündigt. Die kürzlich wieder reformierten Britpopper von Elastica etwa schicken Grüße aus dem Studio, die gruseligen Hippie-Trolle der Kelly Family (oder zumindest die, die sich zur Leichenfledderei bereit erklärt haben) verkaufen dreimal (!) die Westfalenhalle in Dortmund aus und drohen zusätzlich noch ein neues Album an, die erwachsen gewordenen „MMMBop“-Brüder von Hanson gehen zum 25-jährigen Bandjubiläum auf Welttournee, The Cranberries nehmen ein neues Akustikalbum mit alten Songs auf (was auch wohl besser so ist, denn alles was da nach dem 1999er Werk „Bury The Hatchet“ erschien, stellte selbst eingefleischte Fans vor eine Probe) – von all den Boygroups wie New Kids On The Block, den Backstreet Boys, Take That, Caught In The Act und Co., die immer mal wieder für Augenblicke zurück in den Rand den Rampenlichts treten, um eine Tournee lang all jene Mittdreißiger und -vierziger-Hausfrauen abzukassieren, die mal ihre treuesten Teenie-Fans waren, sprechen wir da noch gar nicht… Und heute? Heute sind K’s Choice an der Reihe.

K’s wer?

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Seit 1993 haben K’s Choice acht Alben herausgebracht, das aktuelle „The Phantom Cowboy“ erschien 2015 und schaffte es immer noch bis auf Platz 3 der heimischen belgischen Charts. Verschwunden waren sie also keineswegs. Zu ihrem 25-jährigen Jubiläum veröffentlicht die Band aus dem belgischen Antwerpen um die Geschwister Sarah und Gert Bettens nun im April aber ein weiteres Best-Of-Album, das wenig überraschend „25“ heißt (das erste hieß – Sie ahnen es – „10: 1993-2003 – Ten Years Of“ und erschien 2003) und neben alten Fan-Favoriten wie „Almost Happy“, „If You’re Not Scared“, „Believe“, „Everything For Free“ und „Cocoon Crash“ auch eine Neuaufnahme ihres größten Hits beinhaltet: „Not An Addict“ haben K’s Choice, die mit Frontfrau Sarah Bettens auch jenseits der Neunziger noch immer eine der tollsten und faszinierendsten Stimmen im Rockgeschäft an Bord haben, gemeinsam mit Skin von Skunk Anansie und damit mit einer anderen, noch weitaus prägenderen Sängerin aus den Neunzigern ein Update verpasst (und ja, auch Skunk Anansie gibt’s seit ein paar Jahren wieder – noch so ein Comeback, das es im Grunde nicht gebraucht hätte). Außerdem haben K’s Choice mit „Resonate“ einen neuen Song aufgenommen. Beide Stücke sind seit dem heutigen 17. März draußen, ein Video zur Neuaufnahme von „Not An Addict“ bereits seit Januar.

K's Choice - 25 (2CD)_0An wem also K’s Choice bislang vorbei gerauscht sein sollten, der darf sich mit „25“ gern einen Überblick über das bisherige Schaffen der Belgier (was nur so halb stimmt, denn Sarah Bettens wohnt seit einigen Jahren mit ihrer Freundin und den gemeinsamen vier Kindern in Kalifornien, wo sie nebenbei als Feuerwehrfrau arbeitet – jaja, diese Klischees…) verschaffen möchte, dem sei „25“ ebenso ans Hörerherz gelegt wie die drei zwischen 1996 und 2000 erschienenen Alben „Paradise In Me„, „Cocoon Crash“ und „Almost Happy“ (2000) sowie das Live-Album von 2001.

 

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Beatsteaks – „Make A Wish“ (+ meine persönliche „Best Of“ zum Nachbasteln)


Beatsteaks

Adel, wem Adel gebührt. So – oder so ähnlich – könnte wohl die Prämisse, lauten, als Die Ärzte – augenzwinkernd die selbsternannte „beste Band der Welt“ – vor einigen Jahren im Song „Unrockbar“ einst fragten: „Wie kannst du bei den Beatsteaks ruhig sitzen bleiben?“. Recht ham se! Denn in der Tat hat sich die seit beinahe 20 Jahren zusammen musizierende Punkrock-Fünfercombo zum verlässlichen Spätsommer- und Livekonzert-Dauergaranten entwickelt. Und wo einen – oder zumindest: mich – das bislang letzte, 2011 veröffentlichte Werk „Boombox“ doch in Gänze irgendwo kalt ließ und – trotz Spitzenplatz in den Albumcharts – nie und nimmer an Granaten wie „Living Targets“ (2002) oder „Smack Smash“ (2004) heranreichte, macht’s das selbstbetitelte Album Nummer sieben wieder deutlich besser und spielt sich in einer knackigen halben Stunde mitten ins Herz des Beatbuletten-Freundes.

Umso schöner ist, dass die Beatsteaks (aus Berlin? auuuus Berlin!) nun mit „Make A Wish“ eines meiner persönlichen Ohrwurm-Albumhighlights zur neuen Single auserkoren haben, bei dem im Grunde alles an Bord ist, was die Band so sympathisch einzigartig macht: ein tighter Beat, derber Groove, ein wenig Experiment, punkrock-poppige Gitarren und Arnim Teutoburg-Weiß‘ charmantes Gesangsorgan. „Charming as ever“? Jawollja, meine verehrten Buletten!

 

„Make A Wish“ in offizieller Musikvideo-Garnitur…

 

…und in der Bühnenvariante beim Joko-und-Klaas-„Circus HalliGalli“:

 

 

Für all jene, die bezüglich der Beatsteaks-Diskografie noch ein wenig Nachholbedarf haben, habe ich hier eine allumfassende persönliche „Best Of“ der Bandjahre 1999 bis 2011 zusammen gezimmert – zum Nachbasteln ausdrücklich freigegeben. Wohl bekomm’s!

The Best Of (1999-2011)CD 1

1. Not Ready To Rock
2. As I Please
3. Milk & Honey
4. We Have To Figure It Out
5. Meantime
6. Soothe Me
7. Flysmoke
8. Sabotage (live)
9. Monster (live in Berlin)
10. Big Attack (Laut) (live in Nürnberg)
11. Cut Off The Top (Single Version)
12. S.N.A.F.T.
13. Hand In Hand
14. …And Wait
15. Hello Joe
16. Access Adrenalin
17. Demons Galore (EP Version)
18. Wish
19. Hail To The Freaks
20. Alright
21. Jane Became Insane
22. She’s Lost Control
23. Disconnected

CD 2
1. Just Like Heaven
2. Panic
3. Wer A sagt muss auch B zahlen (mit Dendemann)
4. I Don’t Care As Long As You Sing
5. She Was Great
6. Mietzie’s Song
7. Summer
8. E-G-O
9. House On Fire
10. Alright (Hotel Innsbruck Version)
11. Hey Du (live in St. Gallen)
12. Frieda und die Bomben (vs. Turbostaat)
13. Demons Galore (live in Aix-les-Themes)
14. Big Attack (Leise) (live in Lübeck)
15. Hello Joe (live in Bielefeld)
16. What’s Coming Over You (live in Berlin)
17. To Be Strong
18. Let Me In
19. Ain’t Complaining
20. Cut Off The Top (lattekohlertor rmx)
21. Soothe Me (acoustic)
22. Schluss mit Rock’n’Roll
23. (Outro)

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


A Perfect Circle – Stone and Echo: Live at Red Rocks / Trifecta (2013)

Stone And Echo (Cover)-erschienen bei Amazon & iTunes (digital)-

Zum Anfang sei einfach einmal folgende Behauptung in den Raum gestellt: Maynard James Keenan ist ein dauerbeschäftigter Workaholic. Während die einen nun wohlmöglich panisch beginnen, diesen Namen zu googeln um so ihre vermeintliche Wissenslücke zu schließen (was wären wir nur ohne das Internet und seine kleinen Helfershelfer), schüttelt der grob kundige Rockhörer ungläubig den Kopf…

Und das ist an sich auch erst einmal kaum verwerflich. Denn das letzte akustische Lebenszeichen von Keenans Hauptband Tool liegt in Form des bislang letzten Albums „10,000 Days“ – Tourneen und vereinzelte Konzerte einmal außen vor – bereits satte sieben Jahre zurück. Und auch seine kaum weniger bekannte und erfolgreiche Zweitband A Perfect Circle lässt die Fans seit dem 2004 erschienenen (Beinahe-)Cover-only-Album „eMOTIVe“ auf ein neues Studiolebenszeichen warten. Was zur Hölle bringt den Schreiberling dieser Zeilen also zu seiner tollkühnen Behauptung? Viel wichtiger noch: Was zur Hölle hat Keenan seitdem gemacht?

Maynard James Keenan

Nun, der regelmäßige ANEWFRIEND-Leser wird sich an Maynard James Keenan wohl als den Typen erinnern, der es doch tatsächlich wagte, im staubigen Wüstenboden Arizonas Wein anzubauen (zu sehen in der noch immer tollen Dokumentation „Blood Into Wine„) – und damit auch noch Erfolg hatte. Und auch die Musik verlor der 49-Jährige keineswegs aus den Augen: Mit seinem „Musikprojekt“ Puscifer widmet er sich bereits seit 2007 in losen Abständen jenen mal rocklastig bombastischen (man höre deren Queen-Coverversion von „Bohemian Rhapsody„!), mal derbst verspulten elektronischen Grenzbereichen, für die in seinen anderen Bands eben nie ausreichend Platz schien. Ganz nebenbei bewies Keenan, ob nun während der Puscifer-Bühnenshows oder in den Covergestaltungen, sein Talent für schwarzhumorige Comedy und dafür, sich auch mal selbst auf die Schippe zu nehmen. Fraglos: Nicht alles an Puscifer gelang ebenso großartig wie die zurückliegenden Veröffentlichungen von Tool oder A Perfect Circle, jedoch merkte man dem Mann an, dass er seine selbstgeschaffene (künstlerische) Freiheit in vollen Zügen genoss. Und wo blieben dabei eben jene erwähnten Tool und A Perfect Circle? Die hock(t)en in den jeweiligen Proberäumen (respektive: Startlöchern) und schienen nur auf ein Zeichen ihres charismatischen Frontmanns zu warten. Schon irre: Da hat man je eine Auswahl von Ausnahmemusikern beisammen (Adam Jones, Danny Carey und Justin Chancellor auf der Tool-Seite, Billy Howerdel als Songwriter-Konstante bei A Perfect Circle), und trotzdem sind diese immer noch dermaßen auf ihre Frontstimme (Keenan) angewiesen, dass sie es nicht wagen, ohne ihn weiterzumachen. Dumm nur, dass für diese Stimme weder nervenaufreibende Aufnahmesessions noch Promoterin noch Endlostourneen in der Zukunftsplanung eine Rolle spiel(t)en. Winzertum, lose Veröffentlichung mit Puscifer – null Bock aufs musikalische Rattenrennen nach den Regeln der Plattenindustrie seitens Keenan…

a perfect circle 2013

Umso erstaunlicher ist es, dass sich nun – gefühlt – die Ereignisse zu überschlagen scheinen. So durfte man sich anhand der Meldungen, dass sich der Frontmann nun doch und tatsächlich bereit erklärt habe, einem neuen (!) Tool-Album (!) seine Stimme zu leihen, völlig zu recht ungläubig die Augen gerieben und ein Tränchen der Vorfreude beiseite gewischt haben. Und als dann auch noch A Perfect Circle eine neue Veröffentlichung ankündigten, war der ein oder andere kundige Alternative Rock-Gegustinato wohl völlig der Ohnmacht nahe… Obwohl: „neu“? Natürlich, dass opulente, „A Perfect Circle Live: Featuring Stone And Echo“ betitelte Box Set ließ bereits vermuten, dass es sich hier „lediglich“ um die freundliche Resteverwertung bereits bekannten Songmaterials handele. Und trotzdem war die Box, welche exklusiv über die bandeigene Homepage angeboten wurde, in Windeseile ausverkauft. Doch damit der Rest der Hörerschar nicht in die leere Tonröhre schaut, bietet die Band den Audioteil der Box – also exklusive der heiligenden Live-DVD – nun zumindest zum Download an…

APC - box set

Und der hat es in sich! Nicht weniger als vier (!) komplette Konzerte ihrer drei beziehungsweise zwei Jahre zurückliegenden „Comeback-Minitournee“ haben A Perfect Circle darauf archiviert. Zum einen wäre da das namensgebende „Stone and Echo: Live at Red Rocks„, aufgenommen im August 2011 im Red Rocks Amphitheatre in Morrison, Colorado, welches auf einer Stunde und vierzig Minuten Länge einen Zwanzig-Song-Querschnitt durch die (bislang) drei erschienenen A Perfect Circle-Studioalben bietet, dabei zwar den Fokus auf Coverversionen wie „Imagine“ (John Lennon), „What’s Going On“ (Marvin Gaye) oder „Gimmie Gimmie Gimmie“ (Black Flag) – und damit auf das letzte Album „eMOTIVe“ – legt, jedoch auch kaum einen der anderen starken Fanfavoriten auslässt. Ob nun „Weak And Powerless“, „Blue“, das tolle „The Noose“ oder „Orestes“ – am Ende steht eine runde Setlist, auf der zwar Überraschungen ausbleiben (das Fehlen des großartigen Dauerbrenners „Judith“ liegt wohl darin begründet, dass Keenans Mutter, die Inspirationsquelle des Stückes, kurz vorher verstarb), aber dennoch beinahe jeder Wunsch – mit dem Abschluss „By And Down“ sogar der nach einem neuen Song – erfüllt wird. Wichtiger noch: Das Konzert gerät zu keiner Minute zur bloßen Pflicht- und/oder Geldeintreibeveranstaltung. Man merkt Maynard James Keenan, dem ehemaligen Nine Inch Nails-Gitarrentechniker, Leadgitarristen und musikalischen Hauptsongwriter Billy Howerdel, Ex-Smashing Pumpkin James Iha an der zweiten Gitarre, Bassist Matt McJunkins und Alround-Schlagzeuger Josh Freese jederzeit an, dass sie tatsächlich Bock auf ein paar mehr gemeinsame Shows hatten. Die Musik strömt so druckvoll wie klar aus den Boxen, Howerdel gibt zwar auch auf der Bühne den mannschaftsdienlichen Gitarrenschattenboxer, gönnt sich jedoch – im Vergleich zu den Studioversionen – die ein oder andere gröbere Note sowie ein kleines eingestreutes Minisolo oder sporadische Variationen dann und wann. Und Keenan? Dessen Gesangsorgan steht eh über allem, packt die Töne an ihren Wurzeln, wirbelt sie ins Besucherrund und zieht alle in seinen Bann. Da verzichtet man nur all zu gern auf großartige Publikumsinteraktion…

Doch das Box Set bietet sogar noch mehr: Wer mit „Stone and Echo: Live at Red Rocks“ noch nicht ausreichend versorgt ist, der kann sich alle drei A Perfect Circle-Alben als komplette (!) Liveaufführungen, welche während einer ein Jahr zuvor (also: 2010) absolvierten Mini-Tournee mitgeschnitten wurden, aufs heimische Abspielgerät laden. Wie schon bei der „Stone And Echo“-Revue kommen auch „Mer de Noms – LIVE„, „Thirteenth Step – LIVE“ und „eMOTIVe – LIVE„, zusammengefasst unter dem mysteriösen „Trifecta“-Banner, in glänzendem Livegewand daher, bieten sogar mit dem David Bowie-Cover „Ashes To Ashes“ (auf „Mer de Noms – LIVE“), dem längst legendären Ozzy Osborne-/The Cure-Doppelcover „Diary Of A Madman“ sowie dem damals erstmals live präsentierten neuen Song „By And Down“ (beide auf „eMOTIVe – LIVE“) das ein oder andere interessante Fan-Gimmick.

apc 2010 (tim cadiente)

Freilich sind zumindest die beiden ersten beiden A Perfect Circle-Alben, dreizehn („Mer de Noms„) beziehungsweise zehn Jahre („Thirteenth Step„) nach ihrem Erscheinen, noch immer über jeden Zweifel erhaben. Klar mögen Tool jederzeit versierter und größer zu Werke gegangen sein. Dennoch kann sich der kundige Alternative Rock-Freund ein Zungenschnalzen zur wohl auf ewig zeitgemäßen Mystik eben jener Alben kaum verkneifen, während auf „eMOTIVe“ A Perfect Circles Inspirationen offenbar wurden. Und obwohl man, wenn schon nicht geahnt, dann doch zumindest immer gehofft hatte, dass jene (einmaligen?) Comeback-Shows eines Tages ihre Veröffentlichung erfahren würden, so ist es doch umso toller, diese nun tatsächlich hören zu dürfen. Fans greifen also digital zu, und ziehen den gut dreistündigen Live-Rundumschlag damit der parallel erscheinenden Werkschau „Three Sixty“ vor, die Neulingen zwar einen recht guten Überblick über die lediglich drei veröffentlichten Alben bietet, Neues jedoch „nur“ in Form der – nichtsdestotrotz tollen – Studioversion des Songs „By And Down“ bereit hält (ohnehin erfüllte die Band damit lediglich ihren Plattenvertrag). Der Workaholic-Motor des erfolgreichen Hobby-Winzers und musikalischen Grenzgängers Maynard James Keenan, er läuft also tatsächlich auf Hochtouren. Hoffen wir, wenn schon nicht auf ein neues A Perfect Circle-Album, dann doch wenigstens auf ein neues Tool-Gesamtkunstwerk in baldigster Zukunft…

Mer de Noms LIVE

Thirteenth Step LIVE

eMOTIVe LIVE

 

 

 

 

 

 

 

Hier gibt es den kompletten (!), 15 Songs straken Auftritt von A Perfect Circle beim diesjährigen Lollapalooza-Festival für Augen und Ohren…

 

…sowie das neue Stück „By And Down“, einmal als Liveversion, mitgeschnitten in diesem Jahr in Brasilien…

 

…und als Studioversion für die Gehörgänge:

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Portugal. The Man – Evil Friends (2013)

Evil Friends (Cover)-erschienen bei Atlantic/Warner-

That’s what we call „Arbeitsethos“: da trat 2006 von Knall auf Fall eine Band aus Wasilla, Alaska mit dem höchst eigentümlichen Namen Portugal. The Man auf den Plan, haute mit „Waiter: ‚You Vultures!‘“ ein nicht weniger eigenartig betiteltes Debütalbum raus – und ließ Hörer wie Musikjournalie mit einem Mix, der den Geist von The Mars Volta aufschnappte und diesen flux durch eine kreative Tretmühle aus der guten Seite des Pop und der dunklen Seite von hasenartigen Hakenschlägen aus Psychedelia-Geniestreichen zog, lobhymnenartig ausflippen. Doch anstatt diesen Weg weiterzugehen, erweiterte die mittlerweile nach Portland, Oregon – heutzutage die heimliche kreative Brutstätte der USA und für Außenstehende mit seiner Mischung aus organic living und Hipstertum (man schaue sich hierfür die grandiose Episoden-Sitcom „Portlandia“ an!) nur schwerlich zu fassen – übergesiedelte Band ihr Klangspektrum und fügte mit ihren im Jahresrhythmus (!) erscheinenden Alben beinahe spielend leicht neue Stile hinzu. Mal verspielter, mal muskelbepackter Rock, gepaart mit fragilen Eigenarten, gar mit psychedelischen, souligen, angebluesten, begospelten und balladesk-hippie’esken Noten? Kein Problem! Und obwohl nicht alles in den Fingern von Sänger und Frontmann John Gourley & Co. zu Gold wurde (das fünfte, 2010 erschienene Album „American Ghetto“ war dann doch vergleichsweise medioker), büssten Platten wie „Church Mouth“ (2007), „The Satanic Satanist / The Majestic Majesty“ (2009 – der Doppeltitel macht daher Sinn, als dass die Band für die Erstausgabe des Albums alle Songs einmal in Full-Band- und Akustikversionen einspielte) oder „In The Mountain In The Cloud“ (2011) auch nach x-maligem Hören wenig bis nichts von ihrer Spielfreude ein – eine Errungenschaft, die dieser noch jungen Band, die mit emsigen Clubtourneen dies- und jenseits des Atlantiks zusätzliche qualitative Eigenwerbung betrieb, gar nicht hoch genug anzurechnen ist und von der sich einige Kollegen gern eine kreative Scheibe abschneiden dürften. Dass nun verhältnismäßig lange zwei Jahre bis zu Album Nummer sieben vergingen? Nun, an mangelnder Kreativität und/oder ausgebliebenen Ideen kann es wahrlich nicht gelegen haben! Der Grund hierfür dürfte schon eher im Fakt zu suchen sein, dass dem mittlerweile beim Majorlabel untergekommenen Quintett kein Geringerer als Brian „Danger Mouse“ Burton als Produzent zur Seite gestellt wurde – ein höchst sonderbarer Kreativling, der Anfang des Jahrtausends mit seinen Jay-Z-meets-Beatles-Samples quasi im Vorbeigehen den „Bastard Pop“ erfand (mit dem sagenumwobenen „Grey Album“ von 2004), und seinen Ruf als Denkzentrum von Gnarls „Crazy“ Barkley sowie als Produzent der Gorillaz, der Black Keys, aber auch von The Good, The Bad & The Queen, Beck oder Norah Jones stetig festigte. Klar, nach Bekanntwerden dieser Konstellation mag man erst einmal verwundert die Augen gerieben haben. Möchte eine große Plattenfirma da ihren Schäfchen auf Krampf mehr Kredibilität und Massentauglichkeit verleihen? Aber hört man nun „Evil Friends„, so hätten Portugal. The Man wohl kaum einen passenderen kreativen Antreiber finden können…

Portugal. The Man #1

Und es geht denn auch fulminant los: Der Opener „Plastic Soldiers“ mausert sich vom Synthesizer-und-Akustikgitarren-Intro alsbald zum mehr als ordentlichen kleinen Instant-Pophit. Und doch zeigen Portugal. The Man dem Vermarktungsdenken der Plattenfirma bereits hier die Grenzen auf – wenn, dann geht’s nach unseren Regeln und Vorstellungen! Heißt: Sänger John Gourley bringt seine markant hohe Stimme ins Spiel, der Rest des Quintetts besorgt gemeinsam mit Burton – anhand so einiger ausgefuchster Spielereien und Reglerdrehungen – das äußerst interessante Gesamtambiente. Dem steht auch „Creep In A T-Shirt“ in nichts nach: „I’m sorry Mr. Policeman / If I wanted to talk I would’ve called a friend /…/ I’m just a creep in a t-shirt, jeans / I don’t fucking care / It’s not because the light here is brighter / And it’s not that I’m evil; I just don’t like to pretend / But I could ever be your friend“ – zu Bläsersätzen sieht Gourley sein eigenes Außenseiterdasein mit einem lachenden Auge und zaubert einen „Uh oh, uh oh“-Refrain aus dem Ärmel, der der Band in einer besseren Musikwelt zum sommerlichen Hit reichen würde. Das Titelstück greift anfangs noch das Thema des Vorgängersongs auf und steigert sich mit Hives-Akkorden und bewusst unschönem Gesang zum fiesen kleinen Rifffuzzrocker. Das ganze Gegenteil davon ist „Modern Jesus“: luftig-leicht, positiv und offen – und dem Himmel und der Hölle der Fremdbestimmtheit mit Zeilen wie „You don’t need sympathy / They got a pill for everything / Just take that dark cloud / Ring it out to wash it down, but / Don’t pray for us / We don’t need no modern Jesus / To roll with us / The only rule we need is never / Giving up / The only faith we have is faith in us“ einerseits eine Absage zu erteilen und gleichzeitig mit Streicherkonserven gen Himmel zu stürmen? Muss man auch erst einmal hinbekommen! Und der Reigen der verqueren Eingängigkeit ist damit keineswegs zu Ende: „Hip Hop Kids“ führt verstärkt rockend Textzeilen wie „Yeah, the punks are done / Fuck those rock’n’rollers / All the hip hop kids think we give a shit / Well, we don’t / We don’t“ ad absurdum, „Atomic Man“ pendelt zwischen polterndem Schlagzeug, Muckertum, Backgroundchören und einem fragilen Piano-Mittelteil („After you I don’t know what I believe in / After you, hell should be easy / After you I don’t know what I believe in / After you, hell will be easier“) hin und her, bevor Burton Gourleys Selbstzweifeln mit einem Luftabschnittsrückkopplung ein Ende setzt, „Sea Of Air“ ist ein erneuter Versuch der Band, eine sanfte, hippie’eske Mitklatschballade zustande zu bringen – und doch fährt auch hier ein kurzer Orchesterzug in die beschauliche Parade. Aus ähnlichem Musikalienholz ist auch „Waves“, das sich partout nicht zwischen Ballade und schrägem Gitarrenrocker entscheiden mag. „Holy Roller (Hallelujah)“ trägt seinem Titel Rechnung und schmuggelt eine Ahnung von Gospel’n’Soul aufs Album. Dass sich „Someday Believers“ und „Red Yellow Red And Blue“ darauf für acht Minuten ein wenig in der Mittelmäßigkeit verlieren? Macht nichts, denn der großartige Abschluss „Smile“ ist mit Abstand einer der – bisher – besten Songs im nicht eben schlechten Portugal. The Man-Backkatalog. In seinen fünf Minuten schwingt sich dieses Mini-Epos vom Akustikgitarren-Intro, dem schon bald ein Piano, ein elektronisch verfremdet hallendes Schlagzeug und eine Armada aus Streichern folgen, bis zu einem (viel zu kurzen) Gitarrensolo auf, bei dem vorm finalen Fade-out noch einmal alle musikalischen Dämme brechen. Grandios auch Gourleys Zeilen: „When I wake up early in the morning I don’t watch the news / I just wake up read the smile by you / And I don’t wanna talk about the world / I just wanna smile and smile some more / We watched the sun come up / But take it down to hide it / Seems like this spring has come and gone / Felt like forever“. Schön. Und wahr. Wahrlich schön also? Sowas von!

Portugal. The Man #2

Schlussendlich ist „Evil Friends“ wohl genau das, was man sich als Idealvorstellung von der Zusammenarbeit von Portugal. The Man und Brian „Danger Mouse“ Burton erhofft haben dürfte, denn den zwölf neuen Stücken des siebenten Portugal The. Man-Albums in acht Jahren hört man die „klassischen“ Trademarks der Band ebenso an wie den Input des Produzenten, der hinlänglich dafür bekannt ist, mehr als einmal über den kreativen Tellerrand zu schielen. Und obwohl sich Portugal. The Man auch für „Evil Friends“ keinesfalls großartig verbiegen lassen (und das kann auch nicht im Sinne des Produzenten gewesen sein), fügt Burton dem psychedlisch rockenden ProgPop der Band, der nach wie vor beliebig durch die Jahrzehnte und Musikstile hoppelt und blubbert und sich ebenso bei britischen Artverwandten wie den Beatles, The Verve oder Oasis Ideen holt wie US-amerikanischen Kollegen wie den Shins, eben jene Komponenten hinzu, die den 49 Minuten eben jenes Quäntchen Eingängigkeit verleihen, die „Evil Friends“ zu einem der verquersten Indie-ProgPop-Alben des Sommers machen wird. Dabei wollten Portugal. The Man anfangs eine „düstere“ Platte einspielen… Eigensinn siegt, und die Sonne scheint. Außenseiter, Spitzenreiter? In einer gerechten Musikwelt würde es für diese zwölf „Evil Friends“ sicherlich Freundschaftsanfragen hageln…

(Einen Abzug in der B-Note bekommt die Band übrigens für die überraschend lieblose Albumgestaltung. Eine CD im Pappdigipack – ohne die schönen, verspielten Gimmicks, die Alben wie „The Satanic Satanist“ oder „In The Mountain In The Cloud“ noch zu solch‘ feinen optischen Hinguckern machten? Dazu gar ohne Booklet?!? ANEWFRIEND erwartet hierfür zwar keine Erklärung, jedoch baldigst Besserung! Immerhin: die kargen Produktionsinfos verlautbaren, dass irgendwo auf dem Album die beiden Haim-Schwestern Danielle und Este Gastauftritte haben sollen…)

Tracklist...

 

Hier kann man sich die Musikvideos zum Titelsong von „Evil Friends“…

 

…sowie zu „Purple Yellow Red And Blue“…

 

…und zu „Atomic Man“ ansehen…

 

…und hier die Track-By-Track-Erklärungen der Band zu ihrem neusten Kreativstreich lesen (über ampya.com).

 

 

Und als gewohnt besonderen Service hat euch ANEWFRIEND zum Einstieg in den Bandkosmos das – natürlich – höchst subjektiv Beste aus acht Jahren und sieben Alben von und mit Portugal. The Man auf insgesamt etwa 110 Minuten zusammengestellt:

 

Best Of (Cover)CD 1

1.  So American

2.  Plastic Soldiers

3.  How The Leopard Got Its Spots

4.  All My People

5.  My Mind

6.  The Home

7.  Atomic Man

8.  And I

9.  Gold Fronts

10. Stables & Chairs

11. Seventeen

12. Dawn

13. Senseless

 

CD 2

1.  Church Mouth

2.  Hip Hop Kids

3.  Aka M80 The Wolf

4.  Salt

5.  The Devil

6.  Elephants

7.  Children

8.  Shade (Purevolume Acoustic Session)

9.  Modern Jesus

10. Do You

11. Smile

12. Let You Down

13. Mornings

14. Share Me With The Sun

15. Created

16. People Say (acoustic)

 

…von „Waiter: ‚You Vultures!'“ (2006): 3, 9, 10 (CD1) + 3, 6 (CD2)

…von der „Devil Say I, I Say AIR“ EP (2007): 5 (CD2)

…von „Church Mouth“ (2007): 5, 12 (CD1) + 1, 7 (CD2)

…von der „My Mind“ Single (2007): 11 (CD1)

…von „Censored Colors“ (2008): 8 (CD1) + 4, 15 (CD2)

…von „The Satanic Satanist / The Majestic Majesty“ (2009): 6 (CD1) + 10, 12, 13, 16 (CD2)

…von „American Ghetto“ (2010): 4 (CD1)

…von „In The Mountain In The Cloud“ (2011): 1, 13 (CD1) + 14 (CD2)

…von „Evil Friends“ (2013): 2, 7 (CD1) + 2, 9, 11 (CD2)

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Yeah Yeah Yeahs – Mosquito (2013)

Yeah Yeah Yeahs - Mosquito (Cover)-erschienen bei Polydor/Universal-

Niemand kann behaupten, nicht ausreichend vorbereitet gewesen zu sein…

Immerhin feiern die Yeah Yeah Yeahs, jenes sehr New York’sche Trio um Frontfrau Karen O, in diesem Jahr das dreizehnte Jubiläum ihres Bestehens. Und was war das damals, Anfang des neuen Jahrtausends, für ein Getöse um all diese jungen, aufstrebenden Bands aus den Künstlervierteln des „Big Apple“: The Strokes, TV On The Radio, The Hold Steady – all diese hippen, frischen, aufregenden Bands drohten England, dem Mutterland von Pop’n’Rock, plötzlich den Rang abzulaufen (ein im Grunde unnötig angeheizter Wettstreit, der jedoch dem ständigen Neuerungsgedanken der Musikszene nur dienlich sein konnte). Wer angesagt und dabei sein wollte, den zog es in den kommenden Jahren konsequent nach Brooklyn oder Williamsburg, wo fortan Mieten und neue Proberäume fröhlich hochgezogen wurden. Gitarrist Nick Zinner, Schlagzeuger Brian Chase und ihre charismatische Frontchanteuse Karen O waren als – mindestens – Langzeit-New Yorker natürlich mittendrin im Geschehen. Und die drei hätten zu dieser Zeit auch kaum einen besseren Startplatz finden können, schließlich stießen bereits ihre ersten, 2001 beziehungsweise 2002 veröffentlichten EPs (die „Yeah Yeah Yeahs“ EP und die „Machine“ EP) auf dermaßen neugierige Ohren, dass ihr 2003 auf den dürstenden Musikmarkt geworfenes, von TV On The Radio-Chefsoundtüftler David Andrew Sitek produziertes Debüt „Fever To Tell“ quasi nur ein indie-öffentlichkeitswirksamer Start-Ziel-Siegeszug werden konnte. Zu recht? Nun, allein Songs wie „Date With The Night“, „Cold Light“ oder „Y Control“, in denen die Yeah Yeah Yeahs den Punkrock mit all seinem Schweiß, Dreck und Rotz von den schäbigen Miefclubs und Garagenproberäumen direkt auf die mittelgroßen Bühnen von Los Angeles, Berlin oder Tokyo transportierten, sollten für sich sprechen. Ganz nebenbei zeigte sich Miss O wie selbstverständlich auch von ihrer verletzlichen Seite – und brachte mit „Maps“ einen dieser großen Dreieinhalbminüter an den Start, deren zeitloser Intensität man wohl nie überdrüssig wird. Überhaupt: Karen O – er muss ihr wohl im halb koreanisch- (Mutter), halb polnischstämmigen (Vater) Blut liegen, dieser beinahe sekundenschnelle Wechsel von fauchendem Biest zu introvertiertem Liebchen. Und sollte man sich je fragen, wo der kreisende Stilzeiger der Yeah Yeah Yeahs gerade steht, so muss man sich nur den aktuellen Look der 35-Jährigen anschauen. Waren zum Debüt noch punk’sche Lederkluft, Schlabbershirt und zerrissene Jeans angesagt, so wurde Karen Os Look immer verspielter, schriller, mutiger – ja: selbstbewusster. Denn von Album zu Album wuchsen die innere wie äußere Sicherheit der Yeah Yeah Yeahs stetig, verwandelte sich Karen O von der rotzenden Rockröhre zur stilsicher den Trends vorauseilenden Indie-Ikone, die sich gern auch auf musikalischen Nebenschauplätzen abseits ihrer Hauptband betätigte (etwa beim Soundtrack zur Spike Jonze-Kinderbuchadaption „Where The Wild Things Are“ oder beim gemeinsamen Covern des LedZep-Klassikers „Immigrant Song“ mit Trent Reznor und Atticus Ross, welches auf dem Soundtrack zu „The Girl With The Dragon Tattoo“ zu finden ist). Und: ja, dies sollte erwähnt werden, denn mit diesem Wissen ergeben die Nachfolger zum weltweit mehr als eine Million Mal über die Ladentische gewanderten „Fever To Tell“ erst richtig Sinn… Schlich sich die Band mit dem 2007er Zweitwerk „Show Your Bones“ noch heimlich aus den Punkschuppen und öffnete ihren Stil langsam für mehr Eingängigkeit und Vielfalt, wurde bereits auf dem 2009 veröffentlichten „It’s Blitz!“ ausgiebig mit Synthesizern und großen, fiesen Diskokugelhymnen experimentiert. Dem bedauerlichen Fakt, dass dabei für einen Moment ebenso der Gitarrenvirtuose Nick Zinner wie auch Karen Os ohnehin beständig faszinierende Textkunst in den Hintergrund gedrängt wurden, darf man wohl zugute halten, dass sich die Yeah Yeah Yeahs stets auf die Bandfahnen geschrieben haben, Stillstand oder Wiederholungen tunlichst zu vermeiden. Löblich, allemal.

YYYs Promo #1

Und auch das neue, vierte Album „Mosquito„, bei dem neben den beiden Stammproduzenten Nick Launay und David Andrew Sitek erstmal Ex-LCD Soundsystem-Chef James Murphy hinter den Reglern saß, weicht nicht vom Kurs des stetigen Neuerungswillens von Karen O & Co. ab, denn auch hier steckt hinter beinahe allem noch ein zweiter, größerer Hintergrundgedanke. Das fängt bereits beim Coverartwork an, das wohl auch in der Endabrechnung 2013 zum gleichsam Hässlichsten wie Faszinierendsten zählen wird, was in diesem Jahr ein Plattencover „zieren“ durfte: die Grafik des südkoreanischen, in Los Angeles lebenden Künstlers Beomsik Shimbe Shim, kurz „Shimbe“ genannt, zeigt ein herzzerreißend schreibendes Baby, das gerade noch von einem grellgrünen Brei genascht hat, und dessen Fuß sich nun im Griff eines Moskitos befindet, der soeben zum fiesen Stich in den kleinkindlichen Allerwertesten ansetzt. Darunter der Schriftzug der Band, der nicht zufällig an den des Ekel-Kultfilms „Garbage Pail Kids“ erinnert. Von Karen O stammen die Ideen, Karen O beaufsichtigte die Ausführung, Karen O und ihre Jungs hatten das letzte Wort. Und so absurd dieses Frontgebilde anmuten mag, so herrlich muten die die 48 beiliegenden Musikminuten an. „Fallen for a guy, fell down from the sky / Halo round his head / Feathers in a bed / In our bed, in our bed / It’s sacrilege, sacrilege, sacrilege, you say“ – Knallt der Opener „Sacrilege“ dem Hörer noch unvermittelt sündige Textzeilen zu Indierockgitarren und einem mächtigen Gospelchor vor den Latz, hält das darauf folgende „Subway“ bereits direkt unter einer gotischen Kathedrale – schlurfende Beats und herrlich mulmige Melancholieschwälle inklusive. Doch auf Gitarrenwände sollte man sich auf „Mosquito“ nicht allzu sehr einschießen, denn auch hier setzen die Yeah Yeah Yeahs ihren unbedingten Willen zum Experiment fort, mischen mal gemäßigte („Always“), mal derbe Elektronikwände („Under The Earth“) in ihren Bandsound, oder bitten in „Buried Alive“ Rapper Kool Keith (oder dessen alter ego Dr. Octagon) ins Studio – ein Versuch, der leider nur mäßig gelungen ausfällt, und umso mehr an jene Rap-meets-Punk-Gehversuche der Neunziger Jahre erinnert. Dass die Yeah Yeah Yeahs tatsächlich noch Punk können, zeigt das von Gitarrist Zinners „Area 51“-Besuch inspirierte „Area 52“ (sic!), dass rotzfrech riffend aus dem Boden gestampft wird, und bei dem Karen O lautstark fleht: „I wanna be your passenger / Take me as your prisoner! / I wanna be an alien! / Take me please, oh alien“. Dass bei allen Gegenläufen manche Songs einfach nur richtig gut sein wollen (und können!), zeigt „Despair“. Und dass sich das Trio stets mindestens ein großes Stück fürs Ende aufhebt, beweist „Wedding Song“, welches in fünf Minuten flirrend leicht gen Himmel aufsteigt. „In flames I sleep soundly / With angels around me / I lay at your feet / You’re the breath that I breathe“ – Karen Os Stimme begleitet uns hinfort, bis von Fern nur noch das selige Läuten der Kirchenglocken zu vernehmen ist…

Yeah-Yeah-Yeahs-Pressebild-2013-5

Auch mit ihrem vierten Album „Mosquito“ gelingt es den Yeah Yeah Yeahs zwar nicht, ein zwingend kohärentes Album fertig zu stellen, jedoch fragt sich der Kenner der Vorgänger und Bandhistorie berechtigtermaßen, ob dies je die Absicht des Trios war. Denn wie schon in der Vergangenheit machen Karen O, Nick Zinner und Brian Chase nichts anderes, als ein Potpourri aus Stilen und Einflüssen zu einem großen Ganzen zusammenzufassen. Und auch wenn „Mosquito“ beileibe kein zeitloses Album sein mag, so ist es doch umso zeitgemäßer, selbstbewusster und unterhaltsamer. Die Yeah Yeah Yeahs schaffen damit etwas, was New York-Rockwellen-Zeitgenossen wie den Strokes mittlerweile abhanden gekommen scheint: sie bleiben als Band stilsicher zeitgemäß, ohne sich in Retro-Schleifen zu wiederholen (beim neuen Album von Julian Casablancas & Co. mag zwar irgendwo eine Band anwesend sein, sie tritt jedoch reichlich seelenlos auf). „Mosquito“ ist schlussendlich wie ein spätsommerlich schwüler Abend in New York: brodelnd, faszinierend, anziehend, abseitig und gefährlich. Mit Hochhäusern und Türmen und Schluchten und fiesen, kleinen Moskitos. Nicht jeder Song sticht hier – aber wenn, dann tut’s so schön höllisch weh. Niemand kann behaupten, nicht ausreichend vorbereitet gewesen zu sein…

 

Szene aus "Sacrilege"

Da einem großen Song meist auch ein großes Video nicht schaden kann, darf Schauspielerin Lily Cole in den bewegten (respektive: bewegenden) Bildern zu „Sacrilege“ als äußerlich unschuldige femme fatale allen (!) Bewohnern einer bigotten US-Kleinstadt den Kopf verdrehen. Prädikat: großartig.

 

Für alle, die tiefer in den Klangkosmos und Backkatalog der Yeah Yeah Yeahs eintauchen möchten, hat ANEWFRIEND einen bewusst subjektive, knapp zweistündige Werkschau der besten Stücke von 2002 bis 2013 zusammengestellt, welche ihr euch anhand der nachfolgenden Tracklist gern nachbasteln dürft:

YYYCD 1

1.  Maps

2.  Y Control

3.  Modern Romance

4.  Sacrilege

5.  Down Boy

6.  Heads Will Roll

7.  Isis

8.  Sealings

9.  Sheena Is A Punk Rocker

10. Subway

11. Machine

12. Cold Light

13. Miles Away (John Peel Session)

14. Date With The Night

15. Despair

16. Countdown

17. Gold Lion

18. Cheated Hearts

19. 10×10

20. Runaway

21. Wedding Song

 

YYY #2CD 2

1.  Little Shadow

2.  Turn Into

3.  Tick (live session version)

4.  Let Me Know (demo)

5.  Hyperballad (live)

6.  Diamond Sea (iTunes Live Session)

7.  Hysteric (acoustic version)

8.  Cheated Hearts (iTunes Live Session)

9.  Runaway (iTunes Originals version)

10. Maps (iTunes Originals version)

 

Song 11 (CD 1) – von der „Machine“ single (2002)

Songs 1-3, 12, 14 (CD 1) – von „Fever To Tell“ (2003)

Songs 13, 16 (CD 1) – von der „Maps“ single (2003)

Songs 17, 18 (CD 1) + 2 (CD 2) – von „Show Your Bones“ (2006)

Songs 6, 20 (CD 1) + 1 (CD 2) – von „It’s Blitz!“ (2009)

Songs 5, 7, 19 (CD 1) – von der „Is Is EP“ (2007)

Song 8 (CD 1) – vom „Spiderman 3“ Soundtrack (2007)

Song 7 (CD 2) – von der Deluxe Edition von „It’s Blitz!“ (2009)

Songs 4, 10, 15, 21 (CD 1) – von „Mosquito“ (2013)

Song 4 (CD 2) – von der „Gold Lion“ single (2006)

Songs 6, 8 (CD 2) – von der „iTunes Live Session“ (2006)

Songs 9, 10 (CD 2) – von der „iTunes Originals“ Session (2009)

 

 

Und da wohl jeder Artikel über die Yeah Yeah Yeahs ohne das tränenreich tolle Video zum Evergreen „Maps“ unvollständig erscheinen würde, gibt’s hier das Video…

(Hintergrundgeschichte: Karen Os damaliger Freund Angus Andrew sollte beim Videodreh anwesend sein. Als dieser jedoch nicht erschien und die Band das Video in dessen Abwesenheit drehen musste, brach die Sängerin vor laufender Kamera – songdienlich – in Tränen aus… „Wait… they don’t love you like I love you“)

 

…sowie die nicht minder feinen Kamerawerke zu den Singles „Heads Will Roll“…

 

…und „Y Control“:

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
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