Archiv der Kategorie: TV

Flimmerstunde – Teil 36


Wer ANEWFRIEND auf Facebook folgt, dem dürften die unterstehenden Zeilen wohlmöglich bekannt vorkommen. Der Rest findet hier jeweils zwei Film- und Serien-Empfehlungen meinerseits aus der letzten Zeit…

Nomadland“ (2020)

Fern (Frances McDormand) hat vor einiger Zeit ihren Mann verloren, aber dennoch ist sie in dem gemeinsamen Haus in Empire, Nevada wohnen geblieben. Nun allerdings hat die United States Gypsum Corporation, ein Baustoffhersteller und der einzige große Arbeitgeber der Kleinstadt, dicht gemacht und es gibt keine Jobs mehr. Nicht einmal eine Postleitzahl hat Empire mehr, weswegen Fern sich schließlich dazu entscheidet, in ihrem kleinen Van zu leben, durch die Vereinigten Staaten zu fahren und sich von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob treiben zu lassen. Sie besteht allerdings darauf, dass sie nicht obdachlos, sondern einfach nur hauslos ist. Wohlmöglich könnte die Frau in ihren Sechzigern aufgrund ihrer Qualifikationen jederzeit wieder ein relativ „normales“ Leben führen, doch sie bevorzugt den Alltag auf der Straße mit seiner Freiheit, den anderen Menschen und den vielen Bekanntschaften, die man irgendwann wieder trifft. So arbeitet sie mal in einem Versandlager, hilft mal der Ernte, arbeitet in einem Diner oder in einer Wohnwagensiedlung, nie so ganz wissend, was die nächsten Tagen bringen werden…

Mit „Nomadland“ entwickelt „The Rider“-Regisseurin Chloé Zhao – trotz ihres zwischenzeitigen Marvel-Blockbuster-Gigs mit dem kommenden „Eternals“ – ihre ganz eigene Art des Filmemachens konsequent weiter. Der Film, welcher lose auf dem Sachbuch-Bestseller „Nomadland: Surviving America In The Twenty-First Century“ basiert, für den sich Autorin Jessica Bruder ein Jahr lang sogenannten „Arbeitsnomaden“ angeschloss, lebt nicht nur von seinen vielen Laiendarstellern, sondern vor allem vom konsequent uneitlen Mimenspiel der zweifachen Oscar-Preisträgerin Frances McDormand („Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“), die selbst den kleinen, melancholisch-stillen Momenten eine erstaunliche Tiefe und Würde verleiht. Der bewusst „kleine“ Film, welcher bei seiner Premiere bei den Filmfestspielen in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde und somit als einer der Geheimfavoriten in die anstehende Oscar-Saison geht, stilisiert die modernen Nomaden weder zu Opfern noch zu Helden – und setzt ihnen und ihren klapprigen Heimat-Vehikeln gerade deshalb ein so eindringliches Denkmal, das den Zuschauer mitsamt seinen Protagonisten von Stop zu Stop, von Jahreszeit zu Jahreszeit treiben lässt. Ein berührendes, bildgewaltiges und trotzdem durch und durch bescheidenes Roadmovie voll von Poesie und flüchtigem Glück, das gerade deshalb so tief berührt, weil es nicht auf die Tränendrüse drückt (und somit quasi die Antithese zu klassischen Oscar-Projekten wie „Green Book“ & Co. darstellt). Ebenso toll auch: der einmal mehr wunderbar subtile Score des italienischen Komponisten Ludovico Einaudi.

The Postcard Killings“ (2020)

Es ist ein grauenvoller Anblick, der sich Jacob Kanon (Jeffrey Dean Morgan) da bietet: Seine Tochter und ihr Ehemann wurden während ihrer Hochzeitsreise in London grausam ermordet, zerstückelt und auf bizarre Weise neu zusammengesetzt. Aber wer könnte eine solche furchtbare Tat begangen haben? Und aus welchem Grund? Als der New Yorker Polizist nach möglichen Hinweisen sucht, führt ihn die Spur nach Madrid, München und Stockholm, wo bald darauf ganz ähnliche Morde geschehen. Gemeinsam mit dem deutschen Kommissar Bubeck (Joachim Król) und der schwedischen Journalistin Dessie Leonard (Cush Jumbo) jagt er einem Phantom hinterher, das es zu seiner Methode gemacht hat, seine Verbrechen stets mit Postkarten anzukündigen…

Eines muss man „The Postcard Killings„, der filmischen Adaption eines Romans von Liza Marklund und James Patterson, lassen: Es gibt doch – dem blutigen Sujet zum Trotz – während der 104 Minuten den einen oder anderen Moment, über den man schmunzeln darf. Wenn etwa Kanon ganz frustriert ist, dass es in Europa Reisefreiheit gibt und die Menschen deshalb nicht ständig überwacht werden können, ist einer davon (während in seiner Heimat, genauer betrachtet, nicht einmal eine Meldepflicht herrscht). In einem anderen wird trocken entgegnet, dass es in den US of A eben üblich sei, erst zu schießen und danach zu fragen… Möglich gemacht wird beides durch eine Mörderjagd, die quer durch Europa führt und auch noch einen US-Polizisten mit hineinzieht. Das soll für internationales Flair sorgen und führt so zu dem ein oder anderen Konflikt, wenn sich Behörden und Mentalitäten gegenseitig in die Quere kommen. Und auch wenn der Mystery-Killer-Thriller an so einigen Stellen keinen gesteigerten Wert aufs kleinste Detail legt und eine Unstimmigkeit zugunsten des Kurzweils mal eben eine Unstimmigkeit sein lässt, unterhält der Film mit Jeffrey Dean Morgan (vielen wohlbekannt als Negan aus „The Walking Dead“) in der Hauptrolle. Daher: Tipp für alle Genre-Freunde. (Wer nicht gespoilert werden mag, der sollte übrigens die digitalen Griffel vom deutschen Trailer lassen…)

La Révolution“ (2020)

Frankreich im Jahr 1787: Das Volk hungert, die Unruhen auf den Straßen nehmen zu und eine Revolution bahnt sich an. Doch die adlige Elise de Montargis (Marilou Aussilloux) hat ganz andere Sorgen – seit ihr Vater vor Monaten nach Versailles gereist ist, beschleicht sie der Verdacht, dass ihm etwas zugestoßen sein könnte. Außerdem wird ihre kleine Schwester Madeleine (Amélia Lacquemant) von schlimmen Albträumen und Visionen geplagt, weswegen ihr Onkel sie in eine Nervenheilanstalt stecken will. Währenddessen häufen sich in der Bevölkerung die Fälle mysteriöser und brutaler Morde. Gefängnisarzt Joseph Guillotin (Amir El Kacem) untersucht einen Verdächtigen und kommt Unstimmigkeiten auf die Spur. Auf eigene Faust beginnt er zu ermitteln, damit der Verdächtige nicht unschuldig gehängt wird. Seine Wege kreuzen sich bald mit denen von Elise, die eine gemeinsame Vergangenheit mit Josephs Bruder Albert (Lionel Erdogan) hat. Sie stellen fest, dass die Dinge, die sie beide umtreiben, auf ungeahnte Weise zusammenhängen – und alle Spuren führen zu einer Infektion, die das Blut der Infizierten blau färbt und sie in mörderische Raserei verfallen lässt…

Wer hier eine tatsächliche Auseinandersetzung mit den Ereignissen im Frankreich des späten 18. Jahrhunderts erwartet, der wird schnell eines Besseren belehrt. Dafür bietet die Netflix-Serie „La Révolution“ ein ebenso faszinierenden wie kruden Mix aus Historiendrama und Fantasy-Elementen, der zuweilen auch in Richtung detektivischer Spurensuche sowie Horror-Slasher geht und an mancher Stelle sichtlichen Spaß an der gezielten Übertreibung hat. Das mag einerseits ziemlicher Schund sein, ist gleichzeitig aber eben auch faszinierend. Vor allem ist diese erste Staffel durchaus hübsch bebildert. Vieles sieht künstlich aus, zudem wird mal wieder ganz übertrieben mit Grautönen gearbeitet, sodass jeder Anflug von Farbe falsch und auffällig im Kontrast wirkt. Auch an diesen Stellen legte man also so gar keinen Wert auf Authentizität. Aber diese Kombination aus Noblesse und Trash, aus Blut, Dreck und Okkultem ist auf ihre Weise derart fesselnd in ihrer Kühnheit, dass man sich die acht Folgen doch ganz gut (am Stück) anschauen kann. Zwischenzeitlich kommt es zwar zu kleineren Hängern, wenn die Geschichte mal wieder derart konfus umherirrt, als befände sie sich selbst in einem Virus-Wahn. Zu sehen gibt es jedoch auch dann noch genug.

Zu viel sollte man an der Stelle nicht vorab verraten, da ein Teil des Spaßes bei „La Révolution“ darin liegt, dass die Geschichte immer und immer abstruser wird. Da gibt es Abarten gewohnter Genrekreaturen, Ausflüge in die Zauberwelt, garniert mit einer Prise Sherlock Holmes und etwas Pseudo-Wissenschaft. Geradezu prophetisch mag sein, dass hier ein Virus eine große Rolle spielt, welches höchst ansteckend ist und wofür eilig nach einem Heilmittel gesucht wird. So als hätte man das Jahr 2020 mal so eben rund 230 Jahre nach vorne verlegt. Polternde Populisten gibt es in der Serie zwar nicht, dafür andere Adelsschurken, denen minderwertige Menschen – sprich: alle aus dem schnöden Volk – herzlich egal sind.Unterm Strich ist „La Révolution“ also für Genre-Freunde durchaus empfehlenswert. Und aufgrund des Erfolgs kurz nach dem Serienstart im vergangenen Oktober ist – so Corona und Netflix es denn zulassen – eine 2. Staffel durchaus denkbar…

Years and Years“ (2019)

Es ist 2019, die Welt steht in Flammen. Die von BBC One und HBO produzierte sechsteilige Mini-Serie „Years and Years“ zeigt, wie eine Familie aus dem englischen Manchester – teils im Zeitraffer – ihren Weg aus dem globalen Übel sucht, und in den immer wirreren Zeiten versucht, nicht sich selbst (und einander) zu verlieren…

Auch wenn absurd Komisches die Serie glücklicherweise immer wieder auflockert, ist Wegschauen – besonders gen Ende – schlicht unmöglich: Das Szenario von „Years and Years“ mag zwar dystopisch und (noch) fiktiv sein, ist mit all seinen bitteren Konklusionen bis ins Detail jedoch so verdammt realitätsnah und gut vorstellbar, dass es richtig weh tut zuzusehen, wie die Welt von Jahr zu Jahr mehr vor die Hunde geht. Außerdem ist vor allem Nebendarstellerin Emma Thompson einmal mehr schlichtweg fabelhaft.

Wer übers Wochenende (oder an ein, zwei Abenden) nur eine Serie schauen mag, der sollte definitiv diese wählen – zudem flimmern sich die knapp sechs Stunden, welche man aktuell in der ZDF-Mediathek findet, quasi in einem Binge-Rutsch. Ohne viele Worte, kurzum: Unbedingte Empfehlung!

Rock and Roll.

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Zitat des Tages


(gefunden bei Facebook)

(Oprah Gail Winfrey, * 29. Januar 1954, US-amerikanische Moderatorin, Schauspielerin und erfolgreiche Unternehmerin, die vor allem durch ihre wöchentliche Talkshow „The Oprah Winfrey Show“ bekannt wurde)

Rock and Roll.

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Zitat des Tages


In seinem stets ganz eigenen Stil interviewte er zahllose Superstars, Präsidenten, Könige und angenehme wie weniger angenehme Zeitgenossen, war bei seinem Stammsender CNN jahrzehntelang einer der profiliertesten Talkshowgastgeber der US of A und als „König der Warum-Fragen“ bekannt. Jetzt ist Larry King im Alter von 87 Jahren nach einer Covid-Erkrankung gestorben – und hat sich (s)eine Schweigeminute im wahrsten Sinne redlich verdient.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Highasakite – „God Don’t Leave Me“ (live)


Im Jahr der Bandgründung direkt ein komplettes Debütalbum zu veröffentlichen und damit im Heimatland die Charts zu entern, ist schon beeindruckend genug. Erfolgreiche Genre-Wechsel und ein starkes Feingefühl für bewegende Sound-Landschaften haben der Kunst von Highasakite außerdem bereits mehrfach die Krone aufgesetzt. 2012 trafen sich Sängerin Ingrid Helene Håvik und Schlagzeuger Trond Bersu auf der Trondheim Jazz Conservatory und beschlossen schnell, zukünftig zusammen Musik zu machen – die Geburtsstunde der norwegischen Indie-Pop-Band.

„Rare musical landscapes, a place of long dark shadows, sudden flashes of glittering light, brooding silences and unexpected explosions of fierce percussion…“ (Highasakite über Highasakite)

Man braucht auch kein Geheimnis draus zu machen, man hört’s ohnehin schnell – ausschweifend atmosphärisch ging es bei Highasakite schon immer zu. Doch setzte das Duo, welches vor allem auf der Bühne manches Mal zum Quintett anwachsen kann, diese Fähigkeit bei den von Electro-Folk durchdrungenen ersten Langspielern „All That Floats Will Rain“ und „Silent Treatment“ noch auf sehr malerische Weise ein, wurden ihre Songs auf dem 2016er Album „Camp Echo“ deutlich vielschichtiger und elektronischer, ja: düsterer. Anstatt länger in melancholischen Traumbildern zu schwelgen, thematisierten Ingrid Helene Håvik und Trond Bersu in vielen Stücken verdammt weltliche Ängste in Verbindung mit Krieg, Terror oder der Klimaerwärmung. Findige Füchse lesen dies bereits aus dem Albumtitel „Camp Echo“ heraus, schließlich handelt es sich hierbei um den Namen eines Gefangenenlagers in Guantanamo Bay. Passend dazu verlagerten Highasakite die dazugehörige Soundkulisse hin zu Neunziger-R’n’B, Trance und sinistrem Synthie-Pop mit tonnenschweren Tastentönen, Drumbeats und Verfremdungseffekten – kühl, aggressiv und aufgewühlt klingen hier viele Momente, in einer Manier, die oft genug an The Knife erinnert. Diesen Weg setzte die Band, die bereits mehrfach den renommierten norwegischen „Spellemannsprisen“ einheimsen konnte und 2016 sogar beim „Nobel Peace Prize Concert“ auftrat, unlängst auch mit dem 2019 erschienenen Album „Uranium Heart“ fort: Schlagzeug, Gitarre, Synthesizer und allerlei elektronische Elemente bilden vornehmlich den Rahmen für die hingebungsvoll-epischen Klangflächen der Norweger.

Was auf Konserve zwar recht gut als Kopfkino-Untermalung funktioniert, an mancher Stelle jedoch auch schnell überfrachtet wirkt und – zumindest nach meinem Gusto – zu electronica-lastig gerät, bekommen Highasakite live wesentlich wirkungsvoller hin. Bestes Beispiel ist etwa die „Acoustic Versions EP„, auf der die Band vier Songs von „Camp Echo“ in reduziertem Gewand präsentiert. Oder eben diese 2019er Live-Variante des tollen Songs „God Don’t Leave Me“ (hier und hier gibt’s weitere Auszüge von jener Show). Auch dieser stammt vom 2016 erschienen dritten Album und verhandelt zum Widerhall von Synthies und Chor einen verzweifelten Ruf an Gott, den laut Band ein Soldat in seiner größten Not ausstoßen könnte…

(Auf den Song aufmerksam geworden bin ich übrigens durch seinen Einsatz in der zwar etwas vorhersehbaren, jedoch dennoch sehenswerten norwegischen Nordic-Noir-Serie „TWIN„, welche auch für alle Freunde von „Game Of Thrones“ einen Binge-Versuch wert sein dürfte, immerhin ist Kristofer „Tormund Riesentod“ Hivju hier in einer Doppelhauptrolle zu sehen. Die insgesamt acht Folgen findet man bei Interesse in der ARD-Mediathek…)

„God, don’t leave me, I’ll freeze
I panic in my bedroom half asleep
God, don’t tempt me, I’m weak
And either way, it’s a shitty way to leave
Creator of my awful mind
You crossed the line this time
You crossed the line this time
It’s been a long time since the phone rang and it was you
God, don’t leave me, I’ll freeze
If only ‚bout a second of your time
If only ‚bout a second of your time

God, don’t leave me, I’ll freeze
Like the last summer
God, don’t leave me, I’ll freeze
Like the last summer (God, don’t leave me out)
God, don’t leave me, I’ll freeze
Like the last summer (God, don’t leave me now)
God, don’t leave me, I’ll freeze
Like the last summer (God, don’t leave me now)
Like the last summer (God, don’t leave me now)
Like the last summer (God, don’t leave me now)
Like the last summer…“

Rock and Roll.

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Olli Dittrich in „House of Trumps“ – Wenn der deutsche Cousin des US-Präsidenten erzählt


Der Schauspieler und unter anderem mit „RTL Samstag Nacht“ und seiner Rolle als „Dittsche“ bekannt gewordene Spitzenklassehumorist Olli Dittrich hat sich wieder einmal in eine erfundene und doch völlig authentisch wirkende Figur verwandelt: den in Hessen lebenden Cousin des in wenigen Tagen scheidenden US-Präsidenten, Peter Trump. Man merke an: Das „U“ wird dabei deutsch ausgesprochen. „House of Trumps – Peter, ein deutsches Geheimnis“ ist bereits die elfte Produktion in einer Reihe fingierter Fernsehsendungen, der sogenannten Mockumentaries. Die Inspiration zu dem knapp halbstündigen Betrag lieferte der US-Präsidentschaftswahlkampf, wie Dittrich erzählt, und die Überlegung sei Folgende gewesen:

„Wie könnten wir jemanden erfinden, der neben all den Parodien, den Gags, den Nachrichten und so weiter, die jeder kennt, rund um die Uhr auch im Netz findet, wie könnten wir jemanden finden, der etwas erzählen kann aus einer Zeit und einer Gegend über Donald Trump, von der niemand etwas weiß?“

So entstand die Figur des Cousins, der sich in einem ARD-Fernsehstudio wiederfindet, wo er von dem echten Talkmaster Günther Jauch befragt wird. Es ist also ein klassisch anmutendes Talkformat mit Einspielfilmen. Dittrich hat sich nach eigenem Bekunden für seine Rolle einem kompletten „Transformationsprozess“ unterworfen: „Ich bin dann wirklich auch jemand anderer.“ Peter Trump erzähle Anekdoten aus der Kindheit und Jugend zwischen 1954 und 1959, die er mit Donald Trump im hessischen Würmelingen verbracht habe. Dabei sei er auch aufgeregt. Jauch sei „natürlich ein absolutes Ass“, findet Dittrich, „einer der besten TV-Journalisten, die wir haben, und darüber hinaus so ein Pokerface“. Deshalb sei auch der Talk echt, sodass Dittrich meint: „Es ist ja kein Spiel, es ist ja dann wahres Leben!“ Und mit dieser absolut sehenswerten Persiflage einmal mehr großes Kino (wie auch die Süddeutsche und der Spiegel finden).

Rock and Roll.

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„The Masked Singer“ – Darum ist die Show so einzigartig


Bei RTL dürfte man sich heute immer noch ärgern. Seinerzeit schnappte Konkurrent ProSieben aus dem beschaulichen Unterföhring dem Kölner Sender die Rechte an „The Masked Singer“ vor der medialen Nase weg, wie DWDL berichtet. Für ProSieben ein Glücksfall, denn die Zahlen der Show, gerade die Marktanteile in der so wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen, waren seit dem Start im Juni 2019 fast durchgängig herausragend – das Finale der zweiten Staffel etwa erreichte die höchste jemals gemessene Zuschauerquote einer ProSieben-Show.

Kaum verwunderlich also, dass RTL jüngst versuchte, den Erfolg von „The Masked Singer“ mit einem ähnlichen Konzept – dezent verspätet – zu kopieren. Ebenso wenig verwunderlich war auch, dass „Big Performance“ seinem Titelversprechen eher weniger gerecht wurde und als mauer, müder Abklatsch deutlich hinter den Zahlen des Originals zurück blieb. Aber warum lieben die Zuschauer „The Masked Singer“ eigentlich so sehr? Nun, das hat freilich so seine Gründe…

Zunächst einmal: Wir Menschen lieben Unterhaltung. Und noch mehr lieben wir Menschen Überraschungen. Zumindest die positiven. Deshalb steht das Kolosseum in Rom, deshalb gibt es Überraschungseier seit bald fünfzig Jahren, deshalb verpackt man Geschenke und deshalb freut man sich eben auch, wenn sich irgendwann die Kandidatinnen und Kandidaten bei „The Masked Singer“ ihre Masken vom Kopf ziehen und man selbst endlich Gewissheit hat, ob der eigene Tipp richtig war – oder ob man eben (s)eine Überraschung erlebt. Kein Wunder also, dass die Show, welche 2015 als „King of Mask Singer“ in Südkorea startete (und unter anderem gar Hollywood-Mime Ryan Reynolds als trällerndes Einhorn aufbot) und nach weiteren Ablegern in Asien und in den US of A im vergangenen Jahr ihr deutsches Debüt feierte, schnell zum internationalen Mattscheibenrenner entwickelte (in diesem Jahr zogen denn auch die Nachbarn aus Österreich nach).

Da stört es eigentlich nur die ganz Eifrigen, wenn die Jury teilweise ein bisschen sehr bemüht versucht, die Spannung aufrecht zu halten, obwohl sie eigentlich schon relativ sicher ist, wer denn nun unter einer der Masken steckt. Vielleicht wäre hier tatsächlich ein bisschen weniger Ehrgeiz spannender für den Zuschauer, aber so oder so bleibt eine Überraschung nicht ausgeschlossen, denn so ganz sicher kann man eben nie sein, solange der singende Furry-Fetisch noch die vornehmlich plüschige Kopfbedeckung über dem Antlitz trägt.

Aber auch, jawollja: die Kostüme! Denn die sind zweifellos das Markenzeichen der Show – und gleichzeitig einer der wichtigsten Erfolgsgründe. Die tollen, individuell gestalteten Fantasie-Verkleidungen sind nicht nur verdammt aufwendig, sondern bedienen auch so ziemlich jeden Geschmack. Sei es das drollige Monsterchen, der imposante Engel, der agile Grashüpfer oder das sympathische Faultier (unter dem in Staffel zwei Tom Beck gewann) – hier kann sich jeder Zuschauer, jede Zuschauerin recht schnell mit seinem oder ihrem Favoriten identifizieren. Auch in der morgen startenden dritten Staffel sind wieder absurd-witzige Kostüme dabei: ein Ballerina-Flusspferd, ein Baywatch-Frosch, eine fesche Biene oder ein Influencer-Alpaka.

Besondere Hingucker in diesem Jahr dürften aber das gruselig-faszinierende Skelett und der beeindruckende Anubis sein. Dass die Kostüme so einzigartig und originell sind, hat jedoch in wahrsten Sinne seinen Preis. Zwischen 15.000 und 20.000 Euro kostet eines der Kostüme. Hergestellt werden sie im bayerischen Altötting von einem Team um Theaterschneiderin Alexandra Brandner. Ganze ein bis zwei Wochen und zwölf Personen braucht es, um allein ein einziges Kostüm in Handarbeit herzustellen.

Und man vergesse nicht das unterhaltsame Mitraten! Denn egal, ob Quizshow, Escape-Room oder Krimi: Menschen lieben es, mitzuraten. Wie lautet die Antwort, wie geht es aus dem Zimmer, wer ist der Täter – und eben: Wer zur Hölle steckt denn nun unter der Maske? Die vielen versteckten Hinweise mögen manchmal (bewusst) in die Irre führen, bieten aber schlussendlich einen zusätzlichen Reiz, sind sie doch so etwas wie eine kleine abendliche Schatzsuche.

Diese Interaktivität ist auch das große Plus, das die Show von der (Kopisten-)Konkurrenz abhebt. Bei ähnlichen Gesangswettbewerben wie „The Voice of Germany“ und Co. fehlt dieses Mitraten freilich völlig – dort ist klar, wer singt, es zählt (fast) nur der Gesang. Damit gibt es bei „The Masked Singer“ wieder diese typischen oldschooligen Kaffeeküchen-Gespräche, bei denen man sich im Büro – oder über die sozialen Medien – trefflich über die eigenen Vermutungen austauschen kann.

Wir stellen also fest: die Kostüme, der Überraschungseffekt, das Mitraten – „The Masked Singer“ hat im Vergleich zu anderen Shows so etliche Elemente, die das Format so spannend, so unterhaltsam, so einzigartig machen. Sieht man jedoch genauer hin, gibt es aber doch Einiges, das – mal Butter bei die Fische – so ganz und gar nicht einzigartig ist. Denn Kern der Show sind Gesangsacts, die im Anschluss von einer Jury, in diesem Fall dem Publikum, bewertet und nach und nach hinausgewählt werden bis ein Sieger übrig bleibt.

Das gibt es in vielen anderen Shows auch, genauso wie den Umstand, dass auch „The Masked Singer“ nicht ohne die obligatorischen Promis auskommt. Das ergibt hier aber tatsächlich auch einen Sinn, schließlich müssen unter den Masken Menschen stecken, die einem breiteren Publikum bekannt sind (und deren Identität bis zur Demaskierung strengster Geheimhaltung unterliegt). Mit Max Mustermann und Lieschen Müller würde die Show einfach nicht funktionieren.

Dass „The Masked Singer“ aber in vielen Bereichen gar nicht so einzigartig ist, wie man vielleicht denkt, ist gar nicht negativ – im Gegenteil. Eine Show mit einem völlig einzigartigen Konzept hat zwar immer den Reiz des Neuen und des Unbekannten, birgt aber auch immer das Risiko der Überforderung.  Wir Menschen brauchen Vertrautes, selbst in so Banalem wie einer allwöchentlichen abendlichen Fernsehshow. Der Show-Friedhof der TV-Geschichte ist jedenfalls voll mit gescheiterten Sendungen, die zu viel vom Zuschauer verlangt haben. „The Masked Singer“ mit Moderator Matthias Opdenhövel hat ganz offenbar die richtige Mischung aus Neuem und Vertrautem erwischt.

Und: Aufwendige Masken hin oder her – „The Masked Singer“ wäre lediglich eine Show mit viel Tamtam (und noch mehr Werbeunterbrechungen, die vor allem in der vergangenen Staffel so einiges vom Spannungsbogen wegfraßen – aber irgendwie muss ProSieben ja die Kohle, die für Promi-Gagen und Kostüme rausgeschmissen wurden, wieder reinholen), gäbe es keine Auftritte, die, in welcher Weise auch immer, die Herzen der Zuschauer berühren. Seien es die Bülent-Ceylan-Versionen verschiedener Schlager- und Metal-Titel oder die Auftritte von Gil Ofarims Grashüpfer und von Max Mutzkes Sieger-Astronauten, bei denen schon in Staffel eins so manches Jury- und Zuschauer-Auge vor Rührung ganz feucht wurde: Wenn die Kandidaten Vollgas geben, dann würde man sich die Auftritte wohl auch ansehen, wenn Ceylan (der konsequenterweise dieses Mal neben Sonja „Dschungelcamp“ Zietlow, die in der letzten Staffel im „Hasen“ steckte, auf dem Ratestuhl Platz nehmen wird), Mutzke und Co. nur in Jogginghosen auf der Bühne stünden…

Rock and Roll.

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