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Song des Tages: Chiefland – „Disappearing Act / Introspection“


Spätestens seit ihrem 2019er Debütalbum „Wildflowers“, das von der Presse als „mitreißend bis zum bittersüßen Ende“ („VISIONS„) durchaus positiv betrachtet wurde, ist die Göttinger Band Chiefland ein fester Bestandteil der deutschen Post-Hardcore-Szene. Nach einer kreativen Schaffenspause im Corona-Jahr 2020 und zwei Mitgliederwechseln präsentierte das Quartett nun (s)eine neue Single: „Disappearing Act / Introspection“ schlägt zwar überraschend ruhige Töne an, macht thematisch jedoch genau da weiter, wo das Debüt der Band vor zwei Jahren aufhörte…

Die Lyrics handeln vom Zwiespalt zwischen Selbstbild und gesellschaftlichen Erwartungen. Nicht selten sind Menschen gezwungen, sich verstellen zu müssen, um diesen Erwartungen gerecht zu werden. „My demons are here“ heißt es in einer Zeile des Songs, die direkt auf die mentalen Herausforderungen anspielt, welche damit zusammenhängen.

Und: „Disappearing Act / Introspection“ erscheint nicht im luftleeren Raum, denn Chiefland haben durch popNDS kürzlich eine Förderung erhalten. Als Stipendiaten des Förderprogramms entwickelten sie die Kampagne #identityisfluid, welche auf die Vielfalt geschlechtlicher und sexueller Identitäten aufmerksam macht. Zum einen geschieht dies über Info-Slides auf den Social-Media-Kanälen der Band, zum anderen möchten die Vier aktiv einen Beitrag für die Community leisten. Gänzlich neu ist das kaum, Chiefland haben sich in der Vergangenheit bereits häufiger zu dem Thema geäußert: „Jede unserer Shows soll einen safe space bieten, in dem sich Menschen vollkommen ungeachtet ihrer Herkunft und sexuellen Orientierung frei, respektvoll und vorurteilsfrei begegnen können“, so Sänger Corwin Sandiford. „Unsere Szene-Bubble schreibt sich Inklusivität auf die Fahne, setzt diese aber noch zu selten um.“

Im Zuge der Kampagne bietet die Band außerdem dem queeren Berliner Tätowierer Sven Eigengrau eine Plattform: Es entstand ein gemeinsames Soli-Shirt, das ab dem 2. Juli über den Onlineshop von Uncle M verfügbar sein wird und bereits vorbestellt werden kann. Nur folgerichtig, dass man mit auch dieser Aktion etwas Gutes tun möchte: Chiefland spenden pro verkauftem Shirt 5 Euro an das Queere Zentrum Göttingen. „Wir hoffen, dass wir mit dem T-Shirt, den Infos auf unseren Socials und nicht zuletzt der Single Menschen für das Thema sensibilisieren können. Es sollte zur absoluten Normalität werden, mehr als zwei Geschlechter und eine Vielfalt an geschlechtlichen Identitäten zu akzeptieren und seine Privilegien zu nutzen, um die Communities zu unterstützen“, betont Justus Elbers, seines Zeichens Schlagzeuger von Chiefland. Bis in den Sommer 2021 hinein sammelt die Band mit dem T-Shirt Spenden. Darüber hinaus sind weitere Aktionen geplant, wie zum Beispiel die Verlosung eines Tattoo-Gutscheins. Gute Sache!

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Pærish – „Fixed It All“


Foto: Promo / Nabila Mahdjoubi

Post-Hardcore-Experte Will Yip hat’s produziert, SideOneDummy Records hat’s veröffentlicht. So schlecht kann das, was Pærish hier an den Start gebracht haben, also kaum sein. Dass es aber an mancher Stelle dermaßen großartig tönt, überrascht dann aber doch. „Fixed It All“ – ab sofort ein neuer Lieblingsalbum-Kandidat für die Generation Post-Emo. Oder so ähnlich. 

Die 2010 von drei Filmstudenten gegründete Band kommt – ohlala! – aus Paris, klingt jedoch keineswegs nach Audrey Tautou, Café au Lait und dem Eiffelturm, sondern vielmehr nach der ganzen Alternative-Rock-Welt. Nach anno dazumal (meint: den frühen 2000ern) und heute. Man darf mit Fug und Recht vermuten, dass der Vierer von Bands wie Sparta oder Glassjaw und ganz sicher von Rival Schools bereits gehört hat (und das ein oder andere Werk ebenjener Kombos in der heimischen Plattensammlung hat). An mancher Stelle tönt gar der poppige Ohrwurm-Faktor von Weezer oder Jimmy Eat World durch, eingeweihte Szene-Füchse mögen zudem Vergleiche zu Bands wie Basement, Superheaven oder Narrow Head ziehen. Alternative Rock ist das, manchmal mit ein paar gut gemeinten Prisen Post Hardcore, mal eben auch das, was gemeinhin als Emo Punk durchs Rund rockt. Einfach eine unglaublich gute Mischung mit unglaublich guten Songs.

Da das Quartett vor allem in den vergangenen Jahren vornehmlich in Ton- statt in Filmstudios unterwegs war, lassen sich Pærish beim Schreiben ihrer Songs nun – mal mehr, mal weniger direkt – vom Kopfkino-Flimmern der weiten Filmwelt inspirieren (so etwa auch beim Bandnamen, zu welchem sich Pærish durch den von Robin Williams in „Jumanji“ verkörperten Charakter Alan Parrish inspirieren ließen). Newcomer sind die Franzosen aber keineswegs – bereits mit ihrem 2016 erschienenen Debüt „Semi Finalists“ schaffen sie es ins Vorprogramm von Bands wie Sum 41 oder den Silversun Pickups. Mit „Fixed It All“ dürfte es hoffentlich sogar noch höher hinausgehen, denn Will Yip (La Dispute, Pianos Become The Teeth, Tigers Jaw), der beim Erstling bereits fürs Mastern verantwortlich war, ist genau der Richtige, um ihre Songs mit seinem Trademark-Sound auf ein neues Level zu bringen. Gitarren und Bass klingen vor allem in den tiefen Tönen satt und wuchtig mit zeitlosem Grunge-Fuzz oder, wenn sie clean bleiben, mit leicht shoegazigem Hall wie bei den späteren Title Fight. Auch das Schlagzeug tönt groß und raumfüllend, wie im Intro von „Violet“, wo es allein für sich steht. Pærish scheuen keine dissonanten Akkordfolgen, die so aufgekratzt sind, wie es vor allem im Neunziger-Alternative-Rock üblich war. Diese Spannung geht fast immer in Refrains auf, in denen Sänger Mathias Court nicht nur ähnlich klingt wie Jim Adkins, sondern auch ein vergleichbares Talent für Melodien unter Beweis stellt wie der Jimmy Eat World-Frontmann. Klares Ding: Mit denen gehören Pærish als nächstes auf die Bühne. Ein Song wie „Archives“ wäre in einer besseren Musikwelt ein verdammter H.I.T., die „Journey Of The Prairie King“ dürfte gern niemals enden, „You & I“ punktet mit Patrick Miranda von Movements als Gast.

Unterm Strich steht ein Zweitwerk mit zehn eindringlichen, intensiven Stücken einer am internationalen Punkrock-Niveau schnuppernden Band, die weder die harten Gitarren noch das nötige Quäntchen Kitsch scheut. Je pense que ça me plaît.

Rock and Roll.

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Song des Tages: The Mars Volta – „Inertiatic Esp“ (unfinished original recording)


Nicht, dass The Mars Volta, das infernalische Duo bestehend aus Cedric Bixler-Zavala und Omar Rodriguez-López, seit 2012, also nachdem das bisher letzte Album „Noctourniquet“ erschien, unproduktiv gewesen wären. Nach dem (vorläufigen) Ende der progrockenden US-Santana-goes-Soft Machine-goes-At The Drive-In-Superband riefen die beiden Masterminds 2014 zunächst Antemasque ins Leben, veröffentlichten unter diesem Namen ein selbstbetiteltes Album, um anschließend – zur allseits großen Überraschung – tatsächlich (kurzzeitig) At The Drive-In wiederzubeleben und mit „In•ter a•li•a“ und „Diamanté“ ein Album sowie eine EP unter die Fanschar zu hauen.

Und da haben wir noch nicht von Bixler-Zavalas Supergroup Anywhere gesprochen, die 2012 und 2018 Alben veröffentlichte sowie natürlich von Rodriguez-López, dessen Album-Output seit 2012 satte 29 Alben umfasst – im Juli 2020 dann neu ausgelesen, arrangiert und inszeniert in der zusammenfassenden Vinyl-Box „The Clouds Hill Tapes Parts I, II & III“. Umtriebig? Du machst dir ja keine Vorstellungen…

Ebenjenes Hamburger Label Clouds Hill (und somit freilich die Leute dahinter) ist seit Jahren eng mit den zwei Protagonisten befreundet. Rodriguez-López hat im dazugehörigen Studio solo gearbeitet, mit seiner Partnerin Teresa Suaréz (alias Teri Gender Bender von Le Butcherettes) dort das Projekt Bosnian Rainbows ins Leben gerufen (und mit ihr und den Melvins als Crystal Fairy 2017 ein Album veröffentlicht), und auch At The Drive-In haben dort bereits aufgenommen.

Nun erschien bei Clouds Hill auch eine beachtliche LP-Box von The Mars Volta: „La Realidad De Los Sueños“ enthält alle Studio-Alben und EPs der Band in einer schick aufgemachten, auf 5.000 Stück limitierten 18-LP-Box – kaum verwunderlich, dass das hübsch anzusehende Teil mit seinen 180-Gramm-Vinyls sowie dem dazugehörigen Bildband trotz des stattlichen Preises von knapp 400 Euro ruckzuck ausverkauft war (und nun zu Mondpreisen via Ebay und Co. weiterverscherbelt wird).

Freunde der Band, die die komplette Mars Volta’sche Diskografie – in welcher Form auch immer – bereits in ihrer heimischen Sammlung haben, bietet die in intensiver Zusammenarbeit zwischen Band und Label konzipierte Box, deren deutscher Titel passenderweise soviel wie „die Wirklichkeit der Träume“ bedeutet, neben den erstmals speziell fürs Vinyl gemasterten sechs Studioalben und der 2002er Debüt-EP „Tremulant“ dennoch etwas Neues: die Erstveröffentlichung des mythenumrankten Albums „Landscape Tantrums“, von dessen Existenz Fans jahrelang im Unklaren gelassen wurden. Viel Lärm um ein Bootleg? Denkste! Bei selbigem handelt es sich um nicht weniger als die zwar unfertigen, jedoch nichtsdestotrotz interessanten Originalaufnahmen der Sessions zum wegweisenden Debütlangspielers „De-Loused In The Comatorium„, der 2003 den energischen Sound der Vorgängerband At The Drive-In in Richtung Prog, Salsa und gefühlt zehn weiterer Genres lenkte, zugleich zig emotionale Tiefen auslotete und bis heute völlig zu Recht als ein absolutes Meisterstück gilt.

Die als „Landscape Tantrums“ benannte Demo-Sammlung erschien dieser Tage glücklicherweise auch separat als digitale Version und versammelt fast alle Originalsongs. Ein kleiner Wermutstropfen mag sein, dass ausgerechnet das zentrale Epos „Cicatriz Esp“ und ferner das Interlude „Tira me a las arañas“ außen vor bleiben. Ein seltsamer dramaturgischer Move ist zudem das Vorziehen von „Roulette Dares (The haunt of)“ auf die Opener-Position – ist „Son et lumière“ nicht die stimmungsvollste Eröffnung der Gruppe? Ansonsten bleibt es bei der Reihenfolge des Originalalbums und weitgehend auch bei dessen Inhalt. Naturgemäß sind die Kanten ohne die spätere Bearbeitung von Star-Produzent Rick Rubin etwas weniger geschliffen, der Fokus liegt noch etwas mehr auf dem Post-Hardcore von früher, was besonders der Version von „Roulette Dares“ recht gut zu Gesicht steht. Nach wie vor reißen Rodriguez-López‘ ebenso genialistische wie saitengefährdende Freakouts mit, während Bixler-Zavala hier noch ungehinderter barmt und heult und stellenweise noch mit textlichen Platzhaltern und irren Effektfiltern kämpft.

Eine Offenbarung ist das alles zwar – fast schon logischerweise – nicht, zumal „De-Loused In The Comatorium“ etwas später gerade von der Verheiratung der unbändigen Energie mit klinischer Präzision lebte – letztere geht diesen Demos freilich ab. Dennoch sind die Songs selbst zweifellos unkaputtbar und „Landscape Tantrums“ lässt durchaus einen absolut lohnenswerten Blick in die Gedankenwelt sowie auf das frühe Schaffen der Band zu. Letztlich bieten vor allem die beiden Closer doch noch ein wenig Neues: „Televators“ verzückt als gänzlich akustische Fassung und zeigt, wie stark das Songwriting auch ohne Rubin und jede Effekthascherei war. „Take The Veil Cerpin Taxt“ hat derweil weniger Gesang, dafür mit zwölfeinhalb Minuten mehr Laufzeit und somit mehr psychdedelisches Wandern zu bieten – quasi als Ersatz für das fehlende „Cicatriz Esp“. Das große Finale bleibt allerdings das gleiche: „Who brought me here?“, schreit Bixler-Zavala wie ein dem Fatalismus anheim gefallener Mann am Ende seiner Kräfte. „De-Loused In The Comatorium“ bleibt das mystische, jedes Mal aufs Neue faszinierende Manifest von The Mars Volta. Und „Landscape Tantrums“ gibt statt dem „wer“ nun ein paar mehr Antworten auf das „wie“.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Marathonmann – „Flashback“ (Akustik)


Foto: Promo/Bernhard Schinn

Normalerweise hätte die Münchner Post-Hardcore-Combo Marathonmann im vergangenen Jahr ihr 2019er Album „Die Angst sitzt neben dir“ in etlichen Indie-Clubs und auf verschiedenen Festivals lautstark zum Besten gegeben. Ja, hätte… Doch dann kam Corona und den Jungs wurde – wie beinahe allen anderen Kunstschaffenden auch – sprichwörtlich der Stecker gezogen. Doch anstatt den Kopf in den Proberaumsand zu stecken, taten es Frontmann Michael „Michi“ Lettner, Jonathan Göres, Leo Heinz und Johannes Scheer dem Schicksal gleich: sie zogen die Stecker ihrer Instrumente und gingen, sobald es wieder möglich war, im Sommer 2020 gemeinsam mit ihren Gastmusikerinnen Saskia Götz (Geige) und Elisa von Wallis (Cello und Gesang) auf eine notgedrungen pandemiekonforme „Alles auf Null“-Akustik-Tour.

„Die Reaktionen waren ergreifend und haben wirklich gutgetan. Wir hatten einen Riesenspaß mit den Leuten, gleichzeitig war es aber auch so nah und emotional.“ (Michi Lettner)

Diese ungewöhnlichen Unplugged-Konzerte mit Abstand waren sowohl für das Publikum als auch für die Band ganz besondere Ereignisse, und weil Marathonmann nicht wollten, dass das Ganze (zu dem sich das Vierergespann hörbar von der „Skull And Bones“-Akustikshow der For Fighters inspirieren ließ) im Anschluss einfach wieder in Vergessenheit gerät, wurden sämtliche Shows mitgeschnitten. Zwölf der neu arrangierten Songs haben die Bajuwaren jetzt auf dem Akustik-Album „Alles auf Null“ verewigt und präsentieren sich nicht nur in ungewohntem Klanggewand, sondern auch auf besonders mitreißende Weise, schließlich hat die Punk-Kapelle nicht einfach nur – zumindest größtenteils – den Strom abgestellt, sondern ihren Songs ein ganz neues, bestenfalls zu Herzen gehendes Gewand verpasst. Einer der Favoriten dürfte ganz klar „Flashback“ vom bereits erwähnten Langspieler „Die Angst sitzt neben dir“ sein – die Nummer funktioniert einfach in jeder Darreichungsform. Und auch ein weiteres Stück ebenjener Langrille begeistert in Reduktion: „Die Bahn“ ist bereits in der Ursprungsversion ein leiserer Vertreter und verträgt es, noch ein wenig minimalistischer daherzukommen. Doch es gibt auch zwei Titel, die komplett neu mit auf diese ganz spezielle Konzertreise genommen wurden: „Hinter den Spiegeln“ und „Wo ein Versprechen noch was wert ist“ rücken ihre Textzeilen noch mehr in den Fokus und betonen die gefühlvolle Seite der Marathonmann-Lauthalse. „Rücklauf“ vom 2014er „…und wir vergessen was vor uns liegt“ zeigt sich beschwingt-rhythmusbetont, „Abschied“ (im Original von selbiger Platte) gerät zum berührenden Gänsehautmoment und „Wir sind immer noch hier“ vom Debüt „Holzschwert“ (2013) vermittelt dank der Streichinstrumente fast schon etwas Irish-Folk-Temperament. Einen gefühlvollen „Blick in die Zukunft“ wagt die Band mit dem Stück vom 2016er „Mein Leben gehört dir“, bevor „Am Ende nichts“ akustische Leidenschaft weckt und das finale „Die Stadt gehört den Besten“ nochmal bestens ins Bein geht.

Unterm Strich steht: Das Unplugged-Experiment, das Marathonmann im ersten Corona-Jahr mit ihrer „Alles auf Null“-Tour gestartet haben, darf zweifellos als geglückt bezeichnet werden und auch die Konservenkost, die sich daraus entwickelt hat (und deren Coverartwork übrigens die Urgroßmutter von Frontmann Michi zeigt), kann sich hören lassen, ist dieses Live-Album, das in einem Jahr entstand, in dem es eigentlich keine „normalen“ Konzerte geben konnte, doch ein kleiner Lichtblick in einer Zeit, in der wir alle jeden verdammten Hoffnungsschimmer gut gebrauchen können. Und wie meint Michi Lettner (mit dem hier unlängst ein Interview geführt wurde) so schön: „Benutzt euren Kopf und euer Herz!“ – dem ist im Grunde nichts mehr hinzuzufügen.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Nathan Gray feat. Red Tape Parade – „What You Mean“


So ganz geht man eben nie. Nach über sechs Jahren Funkstille sorgt ausgerechnet Nathan Gray, den die meisten als Frontmann der US-Post-Harcore-Band Boysetsfire kennen dürften, dafür, dass es wieder (beinahe) neues Material der legendären deutschen Emo-Punks Red Tape Parade zu hören gibt. Die Single „What You Mean“ ist dabei gleichzeitig Erinnerung und Hommage an Sänger Wauz, dessen Tod 2013 zum Ende der Band führte. Nathan Gray, der in jüngster Vergangenheit vor allem solo in Erscheinung trat, setzt damit im zweiten Teil seiner „Nathan and Friends“-Single-Reihe einen ganz besonderen Song um, der noch aus der Feder der befreundeten deutschen Hardcore-Punk-Band stammt, bislang aber nie vollendet wurde. Dabei zeigt sich: Red Tape Parade klingen heute noch immer so emotional und mitreißend wie damals – und gleichzeitig gipfelt ihr Sound mit Grays Gesang in ganz neuen Sphären, die unmissverständlich zeigen, welche Verbundenheit in Musik liegen kann.

Wie bereits erwähnt musste „What You Mean“ jedoch lange auf seine finale Verwirklichung warten. Eigentlich wollten Red Tape Parade den Song vor Jahren für ihr drittes Album verwenden, doch das bereits fertiggestellte Demo blieb lange ohne Gesang, weil Frontmann Wauz aufgrund seiner Krankheit leider nicht mehr zur Finalisierung kam. Dass das Stück nach all der Zeit nun doch das Licht der Musikwelt erblickt, ist nicht nur ein großes Geschenk an die Fans, sondern auch ein Akt der Verbundenheit Nathan Grays, der jahrelang eine enge Bindung zu Wauz pflegte. „Ich hatte Red Tape Parade immer gemocht, aber als ich Wauz wirklich kennenlernte, seinen Texten lauschte und ein Verständnis von ihm als Mensch gewann, gab mir das einen ganz neuen Respekt für ihn als Sänger, Texter und ganz generell als Person“, beschreibt es Nathan Gray.

Der umtriebige US-Musiker hat in den vergangenen Jahren seinem alten Freund immer wieder mit Hommagen bedacht. So stand er bei der Memorial-Show von Wauz auf der Bühne und hat den Red-Tape-Parade-Song „Leap Year Of Faith“ im Andenken längst in sein eigenes Repertoire aufgenommen. So erscheint es nur allzu logisch, mit „What You Mean“ dieses Vermächtnis noch ein Stück weiter zu tragen. Gemeinsam mit den verbliebenen Mitgliedern von Red Tape Parade entwickelte er das Demo der stürmisch-melodischen Punk-Hymne weiter, überarbeitete die Drum-Sektionen und schrieb einen eigenen Text. Der behandelt ein Thema, das ihn mit Wauz verbindet. „Die Lyrics feiern die Familie, die du dir selbst wählst – im Gegensatz zu der, in die du hineingeboren wurdest“, erzählt Nathan. „Sowohl der Song als auch das Video ehren das besonders innerhalb der LGBTQIA+-Community, von der ich weiß, dass sie Wauz ebenfalls sehr wichtig war. Der Track soll Menschen den Raum geben, glücklich zu sein und zu ihrer Wahrheit zu stehen. Du wirst nie in der Lage sein, dein Selbst zu finden, wenn du nicht ehrlich sagst, wer du bist.“

Parallel arbeitet Nathan Gray aktuell unter der Produktion von Battery-Sänger Brian McTernan an seinem neuen Album. Zuvor plant der Musiker mit der nahezu unverwechselbaren Stimme noch eine weitere „Nathan and Friends“-Single veröffentlichen, die in Kollaboration mit einer weiteren deutschen Band entstanden ist.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Lakes – „Must’ve Run All Day“


Bereits im vergangenen Jahr haben Lakes eine wunderbar schimmernde, atmosphärische Lo-Fi-Pop-Coverversion von Glassjaws „Worship And Tribute„-Klassiker „Must’ve Run All Dayveröffentlicht. Dabei übernimmt die sechsköpfige Band aus dem britischen Watford so einige Elemente des 18 Jahre alten Songs aus der Feder der legendären New Yorker Post-Hardcore-Expermental-Rocker um Daryl Palumbo, während an anderer Stelle ebenjene Mid-Western-Emo-, Alternative-Rock- und Indie-Pop-Trademarks durchschimmern, welche auch Lakes‘ 2019 erschienenes Album „The Constance LP“ zu einem durchaus feinen Hörvergnügen für alle Freunde dieser Genres macht… Well done, lads.

„If it makes you
It takes you
I don’t want to
If it makes you scared
In the bare, anyway
If it makes you, I don’t want to
See your face when you feel not alive

You’re lying in bed with the pride of a lion
You are there, you are there
If you’re shrewd enough to be underlined, then
You are there, you are there

A world premiere

If it makes you
It takes you
I don’t want to
If it makes you stare
In the bare, anyway
If it’s the last thing you do
If it’s the last thing you do
If it’s the last thing you do, plagiarize

You’re lying in bed with the pride of a lion
You are there, you are there
If you’re shrewd enough to be underlined, then
You are there, you are there

Where is my‘, I said, ‚where’s my Sandinista?‘
And he walked
A world premiere

You’re lying in bed with the pride of a lion
Are you there? Are you there?
If you’re shrewd enough to be underlined, then
You are there, you are there

My boss said to me
‚Take my advice, please‘
Instead, for one second, up off your knees
We are not the competition
When we strive, we strive
To be number one“

Rock and Roll.

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