Schlagwort-Archive: Song des Tages

Song des Tages: Aubrey Logan – California Dreamin‘ (feat. Casey Abrams)


Aubrey Logan wurde von Kritikern oft genug als „The Queen of Sass“ bezeichnet, und es fällt nicht eben schwer zu erkennen, warum. Ihre Konzerte sind eine Mischung aus exzellenter Musikalität, umwerfendem Gesang, gekonntem Posaunenspiel, einer feinen Auswahl an Originalen und originellen Coverversionen und, nun ja … Spaß! Ihre herzzerreißenden musikalischen Geschichten rühren das Publikum nicht selten zu Tränen, bevor ihre komödiantischen Einlagen es wiederum zum Lachen bringen. Was mehr mag man von einer Live-Show erwarten?

Die in Seattle geborene und am Berklee College of Music ausgebildete Posaunistin zog es, wie so viele, schon am Anfang ihrer Karriere mit dem Traum vom Durchbruch im Koffer nach Los Angeles. Dort angekommen, schlug die talentierte Sängerin und Posaunistin alsbald ihren eigenen Weg ein, der sie bereits mit so unterschiedlichen Künstlern wie den Boston Pops, Quincy Jones, Smokey Robinson, Pharrell Williams, Josh Groban, Seth McFarlane oder Meghan Trainor zusammenarbeiten ließ, während sie sich gleichzeitig dank ihrer Auftritte mit dem YouTube-Phänomen gewordenen Musiker-Kollektiv Postmodern Jukebox, das allseits Pophits von Lady Gaga und Co. in die Genres Jazz, Ragtime und Swing transportiert, eine große, weltweite Online-Fangemeinde aufbaute. Und der Erfolg gab der 33-järhigen Pop’n’Jazz-Künstlerin recht, denn bereits ihr zweites Soloalbum „Where The Sunshine Is Expensive„, welches in Live Sessions in den legendären EastWest Studios in Los Angeles entstand, erreichte 2019 Platz 1 der Billboard-Charts für zeitgenössische Jazz-Alben. Jede Wette, dass ihr neustes Werk „Standard“ daran anknüpfen wird…

Dass Aubrey Logan nicht nur solo, sondern auch als Duettpartnerin zu überzeugen weiß, beweist die wunderbare, gemeinsam mit Casey Abrams aufgenommene Version des The Mamas & The Papas-Evergreens „California Dreamin‘„, welche wiederum auf Logans 2017er Debüt „Impossible“ zu finden ist:

Rock and Roll.

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Song des Tages: The Distillers – „City Of Angels“ (live)


Na da hör‘ her! The Distillers haben ein Live-Album titels „Live In Lockdown“ veröffentlicht, welches ab sofort digital erhältlich ist. Die insgesamt neun Songs, die während eines Livestreams gegen Ende des vergangenen Lockdown-Jahres aufgenommen wurden, werden am 21. November 2021 über Rise Records auch auf Vinyl erscheinen.

Zwölf Jahre nach ihrer Auflösung kündigte die Band 2018 etwas überraschend ihr Comeback an, dem das Punk-Rock-Quartett einige Live-Auftritte in den US of A sowie der Single „Man vs. Magnet / Blood In Gutters“ die ersten neuen Songs nach immerhin 14 Jahren Sendepause folgen ließ. The Distillers gründeten sich 1998 um Frontfrau Body Dalle im kalifornischen Los Angeles und lösten sich 2006 auf, nachdem sowohl Schlagzeuger Andy Granelli als auch Bassist Ryan Sinn die Band verlassen hatten. In jenen acht Jahren veröffentlichte die Band drei Alben und erlangte mit diesen (sowie eventuell dem Fakt, dass ihre Frontfrau bis 2020 mit Queens Of The Stone Age-Vorsteher Josh Homme liiert war) weltweit Kultstatus. Brody Dalle und Gitarrist Tony Bevilacqua gründeten nach Auflösung der Distillers mit Spinnerette eine neue Band, welche jedoch recht kurzlebig geriet. Brody Dalle ist seitdem auch als Solo-Künstlerin aktiv und veröffentlichte im Jahr 2014 mit „Diploid Love“ bislang ein Album unter eigenem Namen.

Nachdem The Distillers, die aktuell auch am Nachfolger zum 2003 erschienen jüngsten Langspieler „Coral Fang“ arbeiten, ursprünglich 2020 die ersten Europa-Shows nach ihrem Comeback spielten wollten, bestätigte die Band um Frontfrau Brody Dalle erst vor kurzem die neuen Tour-Termine für 2022. Da „Live In Lockdown“ im vergangenen Dezember aufgezeichnet wurde, mutet das Video zum Repertoire-Klassiker „City Of Angels“, welches den Vierer zwischen Weihnachtsbäumen, Kunstschnee, Schneemännern und Zipfelmützen zeigt, aktuell, Mitte Juli, zwar etwas eigenartig an, nichtsdestotrotz kann man sich damit bestens davon überzeugen, dass Brody Dalle und ihre Männer auch nach über einer Dekade Funkstille recht wenig von ihrer punkrockenden Energie verloren haben…

— The Distillers live —

02.06.22 Berlin, Zitadelle
06.06.22 Hamburg, Fabrik
10.06.22 UK-Donington, Download Festival
12.06.22 AT-Nickelsdorf, Nova Rock Festival
14.06.22 NL-Amsterdam, Melkweg
15.06.22 NL-Amsterdam, Melkweg
18.06.22 BE-Antwerpen, Trix
19.06.22 LU-Luxemburg, Den Atelier

Rock and Roll.

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Song des Tages: Ida Maria – „Dirty Money“


Ida Maria mag Rock’n’Roll durch und durch sein, der richtig große internationale Durchbruch blieb der norwegischen Punkrockerin by heart trotz damaliger positiver Kritiken von „Pitchfork“ oder dem „Rolling Stone“ bislang verwehrt. Dabei könnten einem Mini-Hit-Singles aus ihrem 2008er Debütalbum „Fortress Round My Heart“ wie „Oh My God“ oder „I Like You So Much Better When You’re Naked“ durchaus bereits zu Ohren gekommen sein, immerhin waren diese seinerzeit in zahllosen TV-Serien wie „Grey’s Anatomy“, Gossip Girl“ oder „Big Mouth“ zu hören. Doch nach so einigen vielfältig desillusionierenden Erfahrungen im gleichsam wuseligen wie irgendwie anonymen Los Angeles und im Haifischbecken Major-Industrie kehrte Ida Maria Børli Sivertsen, der die Liebe zur Musik schon in die Wiege gelegt wurde (ihr Vater ist Ska- und Jazzmusiker, ihre Mutter singt bei festlichen Anlässen, beide sind Lehrer) nach der Veröffentlichung ihres zweiten, weithin (zu) wenig beachteten Langspielers „Katla“ im Jahr 2013 nach Norwegen zurück, wurde Mutter und veröffentlichte mit „Love Conquers All“ (2013) und „Scandalize My Name“ (2016) noch zwei weitere Alben, bei denen sie sich vermehrt in anderen musikalischen Spielarten versuchte (auf letzterem etwa knietief im Gospel und in Spirituals). Danach verschwand die mittlerweile 36-Jährige jedoch von der musikalischen Bildfläche – nur um sich nun mit der EP „Dirty Money“ zurückzumelden. Und um eines vorweg zu nehmen: Man kann durchaus das Gefühl entwickeln, dass Ida Maria noch nie so sehr nach sich selbst klang – ängstlich, energiegeladen und laut.

Noch vor der Veröffentlichung der kompletten EP veröffentlichte die Norwegerin Ende 2020 die erste Single „Sick Of You“ – nicht nur ein feines „Hallo zurück!“, sondern auch eine Art abschließender Mittelfinger an das chaotische zurückliegende Jahr und ihre eigenen persönlichen Fallstricke. Wie bei den anderen neuen Stücken auch könnte man bei „Sick Of You“ glatt vermuten, dass Maria für die Klangästhetik tief aus den Annalen des Garage-Rock-Revivals der 2000er Jahre geschürft hat (zu dem sie selbst ja auch ihren Teil beigetragen hat). Zu derben, bluesig-schweren Gitarren, die an Zeitgenossen wie The Black Keys oder The White Stripes erinnern, schmettert Maria immer und immer wieder „I’m so sick of you“ in dem für sie so typischen Heulen. Die im April erschienene zweite Single „I’m Busy„, die sie gemeinsam mit Mark Ronson produzierte und mit Oscar-Preisträger Anthony Rossomando, der unter anderem „Shallow“ auf Lady Gaga und Bradley Cooper maßschneiderte, schrieb, besitzt ein paar eingängige Hooklines, ist aber auch eines der mutigeren künstlerischen Statements in Marias bisheriger Karriere. Über glitzernde, verzerrte Gitarren-Licks und einem stetigen Schlagzeugbeat singt Maria über gedankenlosen Sexismus und Frauenfeindlichkeit.

Irgendwo aus diesem Spektrum ziehen die neuen Stücke auch ihre entschiedene thematische Energie: feministische Unabhängigkeit, Sex, Drogen und Rock’n’Roll. Bei Ida Maria jedoch kommt all das eher als echter Ausdruck denn als übertriebener, kunstvoll aufgesetzter Bombast daher, weil die Songs die sehr realen Emotionen, mit denen sie sich auseinandersetzt, mal unumwunden ansprechen, mal galant touchieren. Und: Die Songs erzählen nicht nur Geschichten über bedeutungslose Beziehungen oder dem Stinkefingerzeig an alle machistischen Idioten, sondern unternehmen auch den Versuch, die Objektivierung von Frauen in der Musikindustrie zu thematisieren und sich von den geschlechtsspezifischen Fesseln zu befreien, die in der (Musik)Welt, in der Maria (nun wieder) agiert, auch heute noch – und auch nach #MeToo – zum zwangsläufigen Gepäck gehören – eine Welt, von der sie in der Vergangenheit sehr öffentlich, sehr offensichtlich desillusioniert war.

Denn, wie bereits erwähnt, passte Ida Maria nie so richtig, nie so ganz ins leicht verdauliche, leicht zu formende Superstar-Schema F der Musikindustrie. Zwar brachte die Preisträgerin des prestigeträchtigen Spellemannprisen einiges an Talent und Soundoutfit mit, aber nichts von den gut bekömmlichen Persönlichkeitsvorstellungen, denen die an Profit und Prestige interessierten Anzugträger der Major-Plattenfirmen jedes Jahr bei den Preisverleihungen nur allzu gern die roten Teppiche ausrollen. „Ein Mädchen kann keine Musik auf einer großen Plattform herausbringen, ohne irgendein verdrehtes, verrücktes Schönheitsideal zu erfüllen – was wiederum nicht mit meinen eigenen Vorstellungen davon übereinstimmt, was eine Frau sein kann“, sagte Maria selbst dazu. „Eine Frau ist eine komplexe Kreatur. Und es gibt derzeit nicht genügend komplexe weibliche Vorbilder da draußen.“

Durchaus kritisch – und die fünf Songs der neuen EP, welche im Laufe der letzten zwei Jahre in diversen Studios zwischen Los Angeles und Norwegen entstanden, gehen in Punkto Kritik und Introspektivität noch ein paar Schritte weiter. Das Titelstück etwa, das mit „Dirty Money“ das Sujet im Namen quasi bereits selbsterklärend vorwegnimmt, relativiert Marias individuelle Existenz und ihr Verhältnis zur Klimakrise. Sie kritisiert sowohl die großen Plattenlabels, die auch in nicht eben umweltfreundlichen Geschäftsfeldern wie dem Ölmarkt Geld scheffeln, als auch sich selbst, weil sie als kleiner staubkorner Teil der Musikindustrie indirekt davon profitiert und dieses im wahrsten Sinne dreckige Geld mitverdient.

Die „Dirty Money EP“ gerät so vielschichtig und persönlich, dass der sonst so triviale Randnotenfakt, dass diese unabhängig von Altitude Music veröffentlicht wird, plötzlich relevant erscheint, weil in diesem noch einmal Ida Marias Verachtung der großen Labels deutlich wird. Dennoch können all die, die weniger an Tiefschürendem, Systemkritischem interessiert sind, die Songs auch ohne allzu große Hirnzermaterei genießen, derart getränkt wurden diese im dickwandigen Fass des Garage Rock, derart versetzt wurden diese mit euphorisierendem Shout-Sing-Gesang. Klares Ding: mit dem ersten vollwertigen Release nach mehrjähriger Pause meldet sich Ida Maria in absoluter Bestform zurück und präsentiert allen, die sie vermisst haben, eine perfekte Melange aus sommerlich-rock’n’roll’nem Spaß und bedeutungsvollen Botschaften.

(Bei Paste findet man zudem ein ausführliches Interview mit der norwegischen Indie-Musikerin…)

(via Vimeo)

„Pay me, all your dirty money
I’m your favorite monkey, watch me go (help, help, help)
Cocaine, shoulda seen the coke get
Lined up in the backstage at my show

Everybody wanna be full makeup and on TV
Talking ‚bout your jealousy
Mum, I know I look insane, but they all promised me champagne
Swear they want me for my brain

Pay me, all your dirty money
I’m your favorite monkey, watch me go
Cocaine, shoulda seen the coke get
Lined up in the backstage at my show

Girls in line wanna be a star, honey, you’re not getting far
Not with psychotherapy
Please, don’t put your parents through, naughty days in Malibu
Coming off your ecstasy

Pay me, all your dirty money
I’m your favorite monkey, watch me go
Cocaine, shoulda seen the coke get
Lined up in the backstage at my show

What’s it feel like? Devil emotion
Find my body, bottom of the ocean
What’s it feel like? Devil emotion
Find my body, bottom of the ocean

Pay me, all your dirty money
I’m your favorite monkey, watch me go
Cocaine, shoulda seen the coke get
Lined up in the backstage at my show

Pay me, all your dirty money (shoulda seen the coke get)
I’m your favorite monkey, watch me go

Cocaine, shoulda seen the coke get
Lined up in the backstage at my show

Pay me, all your dirty money
I’m your
favorite monkey, watch me go
I’m your favorite monkey, watch me go
Cocaine, shoulda seen the coke get
Lined up in the backstage at my show

Rock and Roll.

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Song des Tages: Holly Humberstone – „Haunted House“


Holly Humberstone ist gerade mal 21 Jahre alt und wird – ihrer noch jungen Karriere zum Trotz – im heimischen UK bereits mit Musikgrößen wie Taylor Swift, Phoebe Bridgers und HAIM verglichen. Nach der Veröffentlichung ihrer Debüt-EP „Falling Asleep At The Wheel“ begleitete die Newcomerin Anfang des vergangenen Jahres Lewis Capaldi als Support auf dessen Europa-Tournee (also gerade noch rechtzeitig, bevor die Pandemie jeglichen Konzertbetrieb stilllegte). So stand sie etwa im Münchner Zenith in Blue Jeans und Oversize-Hoodie mit nichts Weiterem als einer E-Gitarre um den Hals vor knapp 6.000 Menschen auf der Bühne und spielte eine halbe Stunde lang ihre Lieder. Capaldi, die schottische Babyface-Sensation, bot der jungen Engländerin damit die perfekte Karriere-Sprungschanze.

Nun veröffentlichte Humberstone im April ihre neue Single „Haunted House“ mitsamt Musikvideo. Klar, nachdem sie dieses Jahr auf nahezu jeglichen „Artists to Watch 2021“-Listen landete (und selbst vom ehrwürdigen „Guardian“ als “most hyped new artist” bezeichnet wurde), waren die Erwartungen nicht eben gering. Doch mit ihrer sanfter Stimme sowie ihrer durchaus talentierten Art zu texten, die vielerwebs aus gutem Grund als „Tattoo Lyric Songwriting“ beschrieben wird, schaffte sie es auch mit dem neuen Song, von sich zu überzeugen.

„Haunted House“ handelt von Hollys Elternhaus und dem Abschied davon. Beinahe liest es sich wie eines dieser Gruselfilm-Klischees, denn jenes Elternhaus ist der Inbegriff eines gruseligen, seltsamen Hauses, diente es doch früher als Dienstbotenhaus für ein nahegelegenes Schloss – und wurde nun derart baufällig, dass die Familie es verlassen musste. Jedoch verabschiedet sich die Senkrechtstarterin in ihrer neuen Single nicht nur von den so lieb gewonnenen vier Wänden, sondern gleichzeitig von einem Teil ihrer Kindheit. Das Musikvideo fängt den morbiden Charme des Hauses ein und unterstreicht die schaurig-schöne Deep-Pop-Ballade. Sie selbst sagt:

„Obwohl Veränderungen notwendig sind, hat es sich oft so angefühlt, als würde mir meine Kindheit entgleiten. Mein Elternhaus ist ein seltsames altes Haus auf dem Lande, das um uns herum in sich zusammenfällt. ‚Haunted House‘ habe ich geschrieben, kurz nachdem uns gesagt wurde, dass wir es verlassen müssen. Der Song fühlte sich wie eine Art Abschied und eine Hommage an all die Erinnerungen, die ich dort über die Jahre gesammelt habe, an.“

Doch bekanntlich ist es ja so: wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue. „Haunted House“ kann also durchaus als Beginn einer blühenden Karriere verstanden werden…

„They say this house is haunted
But all these ghosts I’ve grown with
As it slips away from me
I still hold on hopelessly
I lay my head to sleep and say goodnight

Bringing up four daughters
Made a house a fortress
Dirty knees and honey bees
Nowhere else would sting as sweet
Can’t believe we’re turning off the light

And one day I’ll drive past you
If I recognize you
I’ll try not to stay too long
See the soil I grew upon
In a couple years I’ll be alright

So darling, pull the curtains
And in the morning
Let me lie here with you
Don’t say that I’m leaving
In the morning
Let me lie here with you“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Cuffed Up – „Small Town Kid“


Foto: Justin Cook

Da hat sich wohl jemand in die neue Welle der englischen Post-Punk-Bands verguckt und will diese Kraft, diesen Klang in die Stadt der Engel holen…

Jene jemande, Cuffed Up, stammen aus Los Angeles und gehören ihrerseits zu den vielversprechendsten Newcomern der US-amerikanischen Alternative-Szene. Aufgrund der derzeitigen frustrierenden Situation hapert es – fast schon logischerweise – noch ein wenig mit dem Durchbruch, aber was die drei Jungs und ein Mädel bereits im Februar 2020 mit ihrer selbstbetitelten EP vorgelegt haben, dürfte mehr als ein dickes Faustpfand sein. Vier eigene Songs sowie eine Coverversion, die durch die Bank zu überzeugen wissen und nicht nur einmal die Augenbrauen vor Bewunderung gen Haaransatz hochgehen lassen. Die Band selbst entstand 2019 durch eine eher zufällige Begegnung auf einer Party, bei der sich Sapphire Jewell und Ralph Torrefranca zum ersten Mal trafen und sich schnell über ihre Liebe zur UK-Punk-Szene mit Bands wie Idles und Shame austauschten. Wenige Monate später wurden Cuffed Up durch Schlagzeuger Joe Liptock und Bassist Vic Ordonez komplettiert.

Auf ihrer Debüt-EP begeistert bereits der Opener „Small Town Kid“ mit (s)einem gut durchgehangenen Gitarren-Riff und einem wunderbar-unwiderstehlichen Wechselgesang von Sapphire Jewell und Ralph Torrefranca, welcher spätestens im Refrain dermaßen catchy daherkommt, als würden hier Placebo und The Subways gemeinsame Sache machen. Sänger und Gitarrist Ralph Torrefranca äußert sich zu dem Song folgendermaßen: „‚Small Town Kid‘ started off as a little riff that I set aside in 2018, not really knowing where it could go. It wasn’t until Cuffed Up formed at the beginning of 2019 where we all collectively shaped the song into the wall of sound that it is today. The song is about a punk kid who moves from a small city, with ambitions bigger than his own ego. Rightfully, the big city ends up eating him alive but he learns to love the struggle and manages to find humility in his mistakes.“

Mit „French Exit“ folgt das zweite Stück der EP. Den Gesangspart übernimmt hier in erster Linie Sängerin und Gitarristin Sapphire Jewell. Die Nummer zeigt das Quartett von einer ganz anderen Seite als noch der Opener. Shoegaze und somnambule, reduzierte Dreampop-Klänge schmiegen sich dem Hörer zu einem feinen Erzählsog ins Ohr, bevor „Danger, Danger“ vor allem die Punk-Einflüsse der Band ausleben darf (und stellenweise sogar nach den frühen Kasabian klingt). Wer immer noch nicht von der Vielseitigkeit der kalifornischen Band überwältigt ist, der bekommt mit „Mother/Father“ ein abschließendes eigenes Argument inklusive scharf schneidender Gitarren und knackigem Rhythmus zwischen die Gehörgänge gepfeffert (wer hier Referenzen zu Neunziger-Größen wie Sonic Youth oder den Pixies findet, der darf diese gern behalten), bevor das im vergangenen Oktober nachgereichte Cover des Death-Songs „Politicians in My Eyes“ das Mini-Album in bester Protopunk-Manier beendet.

Sollte es Cuffed Up gelingen, diese vielfältigen Einflüsse beizubehalten und weiterhin in qualitativ hochwertige, frisch tönende Songs umzumünzen, so dürfte einer großen, kleinen Indie-Musikkarriere und energetischen Live-Shows wohl nicht mehr viel im Weg stehen – außer einer vermaledeiten Pandemie, freilich…

„Leave the money on the table, testify if I am stable
Drag me by mouth until I wanna bleed it out of here

Cause for concern is natural, big dreams for a small town kid
I save it for myself, I don′t want nobody’s help

Outside is a little more substance
Inside is a little big lie
Northwest is a little more comfort
East coast living on the west end side
Right hand is its own temptation
Left hand is a sign of gold
I wanna feel it out, I wanna feel it out again

My compass is flawed by nature
Wrap my head around the greater good
But it’s waste of time, these stripes don’t bleed anymore

I′m a poser and a loner
Triple check my persona
Bad dreams from a simple place
So I can spin my wheels over and over again

Outside is a little more substance
Inside is a little big lie
Northwest is a little more comfort
East coast living on the west end side
Right hand is its own temptation
Left hand is a sign of gold
I wanna feel it out, I wanna feel it out again“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Lucas Uecker – „Der König tanzt nicht mehr“


Foto: Promo / Christine Lipski

Man kennt ihn vor allem als Gitarre spielenden Teil der Hamburger Akustik-Indiepop-Band Liedfett, eventuell ist dem einen oder der anderen von euch sogar schon sein feines, 2019 erschienenes Solo-Debüt „Unterm Teppich“ zwischen die Lauschmuscheln gekommen (welches seinerzeit auch auf ANEWFRIEND Erwähnung fand). Nun hat Lucas Uecker mit „Der König tanzt nicht mehr” (s)eine neue Single veröffentlicht und mit „Schöne Dinge“ sein zweites Soloalbum in Aussicht gestellt (wenn auch noch ohne fixen Release-Termin).

Der erste Höreindruck gerät dabei ebenso energetisch wie düster: Der König tanzt nicht mehr“ ist eine Geschichte vom Fall und Sturz eines Monarchen. Ein kleines, Rocksong gewordenes Drama über eine Sucht und ihre Kinder. Über einen Protagonisten, den die Welt vergessen hat. Einen Schwindler, der an sich selbst zu Grunde geht. Verpackt in einem rauen, orchestralen Sound sowie in ein Schwarz-weiß-Video, in welchem Schauspieler Wolf-Dietrich Sprenger eindrucksvoll den gealterten Protagonisten verkörpert, entführt Lucas Uecker den Zuhörer in die Welt, die hinter den Kulissen liegt. Vorhang auf für „Der König tanzt nicht mehr“! 

Rock and Roll.

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