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Song des Tages: Bryde – „Algorithms (cyber)“


Foto: Promo / Cae Candal Sato

Bryde – das ist vor allem Sarah Howells. Eine Frau und ihre elektrische Gitarre, auf der sie mal wilde, mal zarte Songs spielt. Ihre Musik wechselt dabei von unnachgiebig zu verletzlich innerhalb von Strophe und Refrain, mit Botschaften, die schon melancholisch, aber auch lebensbejahend und trotzig zugleich sind. Fasziniert von der menschlichen Psyche und zwischenmenschlichen Dynamiken, schafft Bryde ehrliche und furchtlos authentische Lieder, die aus guten Gründen als „verworren und entblößend“ gleichzeitig beschrieben wurden.

Und obwohl der Name bislang vor allem auf der Agenda von findigen Indie-Poppe-di-Rock-Eingeweihten aufgetaucht sein dürfte, ist die aus dem walisischen Pembrokeshire stammende und in London beheimatete Musikerin keineswegs eine „Newcomerin“ im klassischen Sinne, denn Howells macht bereits seit gut und gern zwei Jahrzehnten Musik – und das nicht als Beruf, sondern vielmehr als Berufung (was sich nach Phrasenmäherei lesen mag, aber wohl tatsächlich so ist). So schwänzte sie etwa die Uni, um mit ihrer High-School-Rockband auf einem in einen rostigen Transit gequetschten alten Sofa durch das Vereinigte Königreich zu touren. Aufgewachsen im Grunge der Neunziger und Emo der Nullerjahre und kurz vor der Unterschrift eines Plattenvertrags, geriet die Welt der vier eng befreundeten Musiker*innen jedoch arg ins Wanken, als bei Bassistin und Gründungsmitglied Nia Leukämie diagnostiziert wurde. Und es kam noch schlimmer: Nach einem 18-monatigen Kampf gegen die Krankheit starb sie auf tragische Weise und die Band löste sich auf.

Also schlug auch Howells neue Wege ein. Der Verlust ihrer Freundin und ein Umzug von Milford Haven nach Cardiff führten dazu, dass sich ihr Musikgeschmack vom Powerpop ihrer Jugend hin zum introspektiven Emo Folk als Teil des Duos Paper Aeroplanes entwickelte und sie – zumindest vorübergehend – ihre E-Gitarre gegen die akustische Variante tauschte. An der Seite von Bandmate Richard Llewellyn tourte sie ausgiebig durch Großbritannien und Deutschland, verkaufte Venues wie die legendäre Union Chapel oder die Hamburger Prinzenbar aus, spielte auf dem angesagten US-Showcase-Festival SXSW, veröffentlichte drei Alben in Eigenregie und ließ – Krebibilität lässt sich eben nicht kaufen – dennoch ein Majorlabel nach dem anderen abblitzen.

Allen Erfolgen zum Trotz stand jedoch alsbald der nächste Richtungswechsel an. Während einer Bandpause im Jahr 2016 verspürte Sarah Howells das Bedürfnis, Songs abseits von Paper Aeroplanes zu kreieren und sich wieder ihrer E-Gitarre zu widmen – dies war der Beginn ihres Solo-Projekts Bryde, das von der renommierten „Sunday Times“ alsbald mit „wilde Gitarre…sensationell“ angepriesen wurde.  

Mit ihrem 2018 erschienenen Debütalbum „Like An Island„, welchem drei EPs vorangingen, wurde Bryde im selben Jahr für den Welsh Music Prize nominiert, tourte durch Europa und zierte die Bühnen von Festivals wie dem Latitude, Boardmasters, Camden Rocks oder Live at Leeds. Die Songs der Erstlingsplatte erzählten von Emanzipation und vom Lernen, nach einer Trennung wieder allein zu existieren und auf eigenen Füßen zu stehen, während das Musikalische irgendwo zwischen sanftem Dreampop der Marke The xx, dem teils recht spröden Sound von Feists „Metals“ und einem Timbre à la Fiona Apple oszillierte. Obendrein umschiffte die Singer/Songwriterin die gröbsten Schmalz-Klippen ebenso schlicht wie galant mit ihrer entlarvenden Ehrlichkeit.

Es folgte – man ahnt’s wohl bereits – einmal mehr eine Richtungskorrektur, denn dem zweiten, 2020 erschienenen Album „The Volume Of Things“ gingen die explosiven Elemente, die das Debüt in seinen besten Momenten so spannend tönen ließen, fast vollständig ab. Geschrieben und aufgenommen zwischen London sowie den Studios verschiedener Freunde in Berlin und produziert von Thomas Mitchener (Frank Carter & The Rattlesnakes, The Futureheads) wurde das Zweitwerk während der ersten Phase der vermaledeiten Corona-Pandemie veröffentlicht und handelte von der Bombardierung des modernen Lebens, der Lawine von Nachrichten, Mitteilungen, Ratschlägen und Ideen, zu denen wir (zumindest im recht freien Teil der westlichen Welt) jeden Tag Zugang haben, sowie dem Versuch, aus all dem weißen Rauschen einen echten, tieferen Sinn herauszufiltern. Klar, die Amplitude der tönenden Erschütterungen mochte eine andere sein als auf „Like An Island„, das dezent vulkanische Brodeln mochte vermehrt Platz gemacht haben für ein Gefühl der Entschleunigung und des Loslassens, aber eitel Sonnenschein war auch auf „The Volume Of Things“ nie so ganz.

Folgt nun, mit dem kommenden dritten Langspieler „Still„, die beinahe obligatorische nächste Kehrtwende? Überraschenderweise: nein. Vielmehr Setzt Sarah „Bryde“ Howells den auf dem Vorgänger eingeschlagenen Weg in Musik und Gedankenwelt fort, schließt sich bei ersterem, der Musik, der Welle an talentierten Bedroom-Pop-Künstlerinnen an, die – mit Phoebe Bridgers an der Spitze – die Welt außerhalb des eigenen Schlafzimmers mit grandiosen Platten bereichern, während zweiteres, das Thematische, mit so viel- wie alles und nichts sagenden Begrifflichkeiten wie Spiritualität, Liebe, Religion, Heilung und der Macht des Geistes spielt – all das ja Themenkomplexe, denen man auch schon auf den ersten beiden Platten begegnen konnte, und die nun, im Jahr 2022, in mannigfaltiger Hinsicht relevanter denn je scheinen. Auf das introspektiv-entschleunigte Grundgefühl weist bereits das Coverartwork hin, auf den Rest von „Still“ darf man sich einmal mehr gern einlassen.

„So viele Liebeslieder verherrlichen die Idee, sich jemandem an den Hals zu werfen, das Drama und den Schmerz der Liebe. Ich wollte zugeben, dass ich das tue, aber auch anerkennen, dass es viele andere, gesündere Arten gibt, über die Liebe nachzudenken, und dann ein Gespräch darüber beginnen.“ (Sarah „Bryde“ Howells)

Rock and Roll.

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Song des Tages: Blaufuchs – „Mauern“


So tönt es wohl, das durchaus gelungene Beispiel dafür, wie eine Band ihren Unmut der letzten Jahre, die ja vor allem durch eine beschissene Pandemie und eine damit verbundene – gefühlt elendig lange – auftrittsfreie Zeit geprägt waren, in kämpferische und mitreißende Klänge verwandeln kann: „Daran wird es nicht scheitern“, erschienen auf Aggressive Punk Produktionen (ein Fakt, den man nicht wirklich zur klanglichen Einordnung nutzen sollte), das Debütalbum der Hildesheimer Punkband Blaufuchs, die hier zwar ein ums andere Mal gekonnt über Genregrenzen springt, jedoch politisch ganz genau weiß, wo sie steht.

“Die Pandemie hat uns natürlich zurückgeworfen, aber wir sind wahnsinnig froh endlich wieder auf Tour zu gehen und das Album mit der Welt teilen zu können. Das ist es, wofür wir diese Band gegründet, haben: ein Ausbruch aus dem Alltag.“ (Johannes König)

Zudem scheuen sich Frontmann Johannes König und seine Bandmates nicht davor, persönlichere Töne anzuschlagen. Fast schon beruhigend wirken die ehrlichen Worte: Es ist ok, noch auf dem Weg nach irgendwohin zu sein, sich noch nicht angekommen zu fühlen und natürlich auch, ab und an mal zu scheitern. In seinen besten Momenten reißt das Album mit und ermutigt dazu, nicht zu kapitulieren, sondern zu kämpfen – und zwar zusammen! So wirken etwa bei „Keine Angst“ Joshi von ZSK und Rodi von 100 Kilo Herz mit und erinnern daran, dass wir nicht allein sind mit unserer Wut auf den ganzen rechtspopulistischen und reaktionären Bullshit (pardon my French), der zwar mit jedem Tag verrückter scheinen mag, jedoch einfach nicht in irgendeinem gottverdammten bodenlosen Loch verschwindet. Diese klare Kante, welche sich durch alle zehn Stücke zieht, unterstreichen bereits die ersten Sekunden des Intros, das mit einem Drehen am Radio-Empfänger daherkommt und verschiedene Satzfetzen zwischen Nachrichtenmeldungen über rechte Anschläge und Greta Thunbergs populäres „How dare you?“ zum Besten gibt. Da scheint fast schon absehbar, dass sich das krachende „Schöner Tag“ selbst Lügen strafen wird, bevor „Unterwegs“ hymnisch übernimmt und „Scheitern“, bei dem mit Cosmo Thunder anderer langjähriger Freund und Wegbegleiter mit von der Partie ist, zunächst ruhigere Töne anschlägt. Direkt darauf macht „Verpasst“ wieder ordentlich Tempo und räumt mit dem Irrglauben auf, dass „Ich liebe dich“ die drei wichtigsten Worte im Leben seien, sondern vielmehr „Wir müssen reden“. Da ist was dran? Da ist was dran. Akustische Gitarren erwarten alle geneigten Hörer*innen dann beim ruhigen „Dilemma“, wohingegen das selbstreflektierende „Fischer“ erneut in die Vollen geht. Derweil leihen die Hannoveraner Ska-Punks von Wisecräcker dem druckvollen „Angekommen“ eine Trompete, ehe das finale „Mauern“ mit viel kämpferischem Schmackes (und einer Geige!) gegen Fremdenhass und Krieg anspielt – aktueller geht’s leider kaum.

Freilich darf man sich alles in allem durchaus daran reiben, dass die Blaufuchs’schen Songs oftmals im einfach gestrickten, eingängigen Emopunk-Gewand daher tönen, andererseits ist ebenjenes aber so effektiv, dass man sich ihm kaum entziehen kann, während der Gesang rüberkommt wie ein Kreuz aus Farin Urlaub und Thees Uhlmann und die Band dahinter munter ballert und drückt wie Matula oder Captain Planet. Auf ihrem Label Aggressive Punk Produktionen nehmen Blaufuchs als klangliche Schnittstelle zwischen Punk Rock und Indie Pop zwar eine musikalische Sonderstellung ein, passen aber durch ihr antifaschistisches Engagement dennoch bestens zwischen Kapellen wie Alarmsignal, Fahnenflucht oder Missstand. Neben politischen und gesellschaftlichen Themen machen persönliche Geschichten und Songs, die sich gern mal den kleineren Aspekten des Lebens zuwenden, das Album aus. „Daran wird es nicht scheitern“ ist – wie der Titel ja schon andeutet – ein ebenso lautstarkes wie von optimistischen Hoffnungsschimmern durchzogenes, durchaus abwechslungsreiches Album, das jedoch nichts schönredet – und aus vielerlei Gründen nun auf den Konzertbühnen des Landes gehört werden sollte.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Pianos Become The Teeth – „Genevieve“


Obwohl Teile von Pianos Become the Teeth in jüngster Zeit noch mit dem ein oder anderen Nebenprojekt beschäftigt waren (bei Interesse einfach mal „The Shenandoah Electric Company“ googeln), haben die US-Post-Hardcore-Indierocker dennoch Zeit gefunden, um am Nachfolger des 2018 erschienenen Albums „Wait For Love“ zu arbeiten. Selbiger wird „DRIFT“ heißen und am 26. August über Epitaph Records erscheinen.

Dafür ging das Quintett aus Baltimore, Maryland gleich in mehrfachem Sinne auf Wurzelsuche, denn nicht nur nahmen Kyle Durfey, David Haik, Chad McDonald, Zac Sewell und Mike York ihren fünften Langspieler zu einhundert Prozent auf analogem Band auf, sie taten sich dafür auch mit Produzent Kevin Bernsten zusammen, mit dem sie an ihren ersten beiden Alben gearbeitet hatten. „Kevin weiß, woher wir kommen, er wusste genau, was wir mit dieser Platte erreichen wollten – und er war bereit, mit uns verrückte Dinge zu versuchen“, so Frontmann Kyle Durfey, der auch erklärt, dass dies das erste Album sei, das die Band im Studio und nicht in ihrem Proberaum geschrieben habe. „Kevin weiß, wer wir früher waren und er weiß, wer wir jetzt sind. Er war wirklich bereit, zu experimentieren und alles im Studio auszuprobieren, um zu sehen, wie es funktionieren würde.“

„Für mich ist alles auf dieser Platte so persönlich und so spezifisch, auch wenn die Leute keine Ahnung haben, wovon ich rede“, fügt Kyle hinzu über die neun neuen Songs des Albums. „Ich weiß, dass das viel verlangt ist, aber ich hoffe einfach, dass die Leute sich hinsetzen und die Platte als Ganzes anhören, denn für mich ist diese Platte wie ein einziges Stück. Es sind keine einzelnen Songs, es ist eine Reise und dann kommt man aus ihr heraus…“

Einen ersten Vorgeschmack aus „DRIFT“ bekommt man anhand von „Genevieve“, welches den atmosphärischen, post-rockigen Weg ihrer letzten beiden Platten fortsetzt. Und obwohl man – zum Glück – keineswegs befürchten muss, dass Pianos Become The Teeth zurück in alte Post-Hardcore-Raudau-Zeiten zurückverfallen (dafür gibt’s andere und bessere Kapellen), ist schon diese Kostprobe ein durchaus spannender, gen Ende dynamisch kulminierender Song, welcher von David Haiks charismatisch-markantem Schlagzeugspiel angetrieben und von Kyle Durfeys Gesangsdarbietung gekrönt wird, die ebenso abwechslungsreich und leidenschaftlich gerät wie das, was bereits „Wait For Love“ sowie – vor allem! – „Keep You“ so faszinierend machte. Dem steht auch das Musikvideo, bei welchem sich PBTT-Gitarrist Michael York, zusammen mit Amanda Adams, für Regie und Schnitt verantwortlich zeichnet, in nichts nach.

(Und so freut sich der Autor dieser Zeilen mit einem tiefen, melancholisch unterfütterten Seufzen auf jenes angekündigte Album…)

Rock and Roll.

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Song des Tages: Housewife – „Patrick Bateman“


Zuvor hießen sie Moscow Apartment – so steht es auch noch auf ihrer Facebook-Seite -, aber aus guten, triftigen Gründen haben die Newcomer sich mittlerweile umbenannt. Jetzt nennen sie sich zwar Housewife, dahinter stecken jedoch immer noch Brighid Fry und Pascale Padilla, zwei queere, bereits mit etlichen kanadischen Musikpreisen ausgezeichnete Songwriter*innen aus Toronto, die gerade einmal 19 und 20 Jahre jung sind.

Im Juli 2020 erschien ihre Debüt-EP mit sechs Folk-informierten Indie Rock-Songs. Mit „Patrick Bateman“ gibt es jetzt ein neues Stück, an dem Hank Compton und Savannah Conley mitgeschrieben haben – und das nicht im heimischen Maple-Leaf-Staat, sondern im US-amerikanischen Nashville, Tennessee (welches, nebst Los Angeles, längst als „the place to be“ für aufstrebende Musiker*innen gilt). Der Song widmet sich dem Umstand, dass wir dazu neigen, das Böse zu romantisieren – daher auch der namentliche Bezug auf Patrick Bateman, die Hauptfigur aus Bret Easton Ellis‘ 1991 erschienenem Kultroman „American Psycho„, welcher durch seine derb schwarzhumorige 2000er Verfilmung mit Christian Bale in der Hauptrolle zusätzliche Bekanntheit erlangte. Doch, anders als dort, muss hier niemand in stylisch-kaltem Hochglanzambiente zu den Klängen von Phil Collins sein Leben lassen – Freunde von Snail Mail, Beabadoobee oder Soccer Mommy dürfen also gern ein Ohr riskieren…

Rock and Roll.

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Song des Tages: NHC – „Feed The Cruel“


Das Hallo war durchaus groß, als NHC im vergangenen September erste musikalische Lebenszeichen sendeten, immerhin verstecken sich hinter den recht kryptischen drei Buchstaben nicht etwa Noname-Novizen, sondern das National Hurricane Center der US of A sowie drei große Namen des US-Alternative-Rocks: Dave Navarro, Taylor Hawkins und Chris Chaney. Hatte sich das Trio also eher per Kumpel Zufall zu gemeinsamen Jam-Sessions zusammengefunden? Nope, keineswegs – NHC verbindet durchaus einiges an gemeinsamer Geschichte…

So bildeten ersterer (Navarro) und letzterer (Chaney) lange Zeit 50 Prozent der kalifornischen Psychedelic-Alternative-Rocker Jane’s Addiction, Chaney seinerseits war zusammen mit Hawkins ein paar Jahre in der Liveband von Alanis Morissette aktiv, bevor der Schlagzeuger zu den Foo Fighters weiterzog und dort eine amtliche Weltkarriere startete. Zudem war der Bassist bereits in der Vergangenheit Mitglied bei Taylor Hawkins & The Coattail Riders, dem Soloprojekt des Foo Fighters-Schlagzeugers. Und Navarro dürfte man außerdem als zwar lediglich kurzzeitigen, dafür jedoch jedoch recht einflussreichen Gitarristen der Red Hot Chili Peppers kennen, deren 1995er Album „One Hot Minute“ er seinerzeit mit seinen ebenso düster wie funky dröhnenden Saitenfähigkeiten veredelte. Auch über ihn war Hawkins voll des Lobes, nannte ihn den „besten Leadgitarristen im Alternative Rock“. Ja, da kam nun bei NHC gut etwas an respektabler Rockmusikgeschichte zusammen.

„So klingt es einfach, wenn ich, Dave und Chris uns zusammensetzen und Musik machen. Sehr demokratisch, alle Songs wurden auf eine andere Art geschrieben. Chaney schrieb die Basslinien. Es gab auch überhaupt keinen Bullshit wie ‚Das ist mein Song, so soll er klingen.'“ (Taylor Hawkins im Gespräch mit „Forbes“ über den Sound des Trios)

Bereits im vergangenen Jahr ließ das Dreiergespann, bei denen Hawkins nicht nur das Schlagwerk, sondern auch den Gesang übernahm, mit dem feinen Rocker „Feed The Cruel„, dem etwas gemäßigteren „Better Move On„, mit „Devil That You Know“ und „Lazy Eyes“ eine knappe Handvoll erster Songs hören, ließen wissen, dass man 2020 sogar schon ausreichend Material für ein komplettes Album aufgenommen habe, sowie im November 2021 ein erstes Konzert in Los Angeles und im Februar diesen Jahres zuletzt die EP „Intakes & Outtakes“ folgen, welche neben den zwei eigenen neuen Stücken „One And The Same“ und „I Could Be Somebody Else“ auch Coverversionen von Pink Floyd („Fearless„) sowie der britischen Jazzfunk- und New Wave-Band Level 42 („Something About You„) enthielt. Die Musikwelt schien im Grunde verdammt bereit für eine weitere Alternative-Rock-Supergroup. Dann starb Taylor Hawkins am 25. März gleichsam unerwartet wie mit lediglich 50 Jahren zu früh. Und dürfte die Zukunft von NHC ebenso in Frage stellen wie die der Foo Fighters…

Rock and Roll.

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Song des Tages: Alex Henry Foster – „The Power Of The Heart“


Es ist vielleicht einer der am meisten unterschätzten Songs von The Velvet Underground-Gründungsmitglied Lou Reed: „The Power Of The Heart„. Der 2013 verstorbene US-Musiker schrieb das Stück 2008 für seine Hochzeit mit Laurie Anderson. Ganz ähnlich wie etwa Peter Gabriel vor ihm, machte sich Alex Henry Forster den Song bereits Anfang Mai zu eigen und brachte ihn in eine völlig neue Form. Aufgenommen in seinem The Upper Room Studio verlieh der 32-jährige kanadische Musiker, der abseits seiner Solo-Aktivitäten, welche zuletzt „Windows In The Sky“ sowie das Live-Album „Standing Under Bright Lights“ abwarfen, der Alternative-Rock-Band Your Favorite Enemies vorsteht, dem Stück mit entrückten Streichern und sanften Pianoklängen eine imposante Kulisse. Die umfassende Umstrukturierung beschreibt Foster wie folgt: „Die Befreiung von der Angst, als das gesehen zu werden, was ich bin, ist der Grund dafür, dass ich weder den Druck verspürte, Reeds Verkörperung des Liedes zu imitieren, noch wurde ich durch die Last, seine intime Absicht nachahmen zu müssen, eingeengt.“ Diese Befreiung ist deutlich zu spüren – Foster scheint sich dem (vor allem für den zu Lebenszeiten stets als äußerst verschroben und unzugänglich bekannten Lou Reed) zärtlichen Liebeslied im Verlauf immer weiter hinzugeben und lässt den Song mit Chorgesängen anschwellen – und damit noch weiter vom Reed’schen Original abdriften. „Geräusche wurden zu Klängen, und musikalische Arrangements entwickelten sich für mich zu einer Art spiritueller Erhebung“, ergänzt Foster.

Die besungene Kraft des Herzens lässt sich genauso gut im dazugehörigen Musikvideo wiederfinden, denn schließlich muss man in Paris, der Stadt der Liebe, nicht lange nach den entsprechenden aufs Romantischste einladenden Straßen als Kulisse suchen. Doch wie in jeder Großstadt gibt es auch in der französischen Metropole die Kehrseiten – die Einsamkeit, die Isolation, das Stehen am Rande der Gesellschaft – unter den vielen tausenden Gesichtern, sodass fast automatisch die Frage nach dem passenden Gegenstück im Raum steht. Damit fügt sich Alex Henry Fosters aufrichtige und gefühlvolle Coverversion dem Bild der Stadt, ein tagträumerisches Gesamtkunstwerk entsteht…

„You and me, we always sweat and strain
You look for sun, I look for rain
We’re different people, we’re not the same
The power of the sun

I look at treetops, you look for caps
Above the water, where the waves snap back
I flew around the world to bring you back
Ah, the power of your heart

You looked at me and I looked at you
The sleeping heart was shining through
The wispy cobwebs that we’re breathing through
The power of the heart

I looked at you and then you looked at me
I thought of past, you thought of what could be
I asked you once again to marry me
Ooh, the power of the heart

Everybody says love makes the world go around
I hear a bubbling and I hear a sound
Of my heart beating and I turn around
And find you standing at the door

You know me, I like to dream a lot
Of this and that and what is not
And finally I figured out what was what
It was the power of the heart
The power of the heart

You and me, we sweat and strain
The result’s always the same
You think somehow we’re in a game
The power of the heart

I think I’m dumb, I know you’re smart
The beating of a purebred heart
I say this to you and it’s no lark
Marry me today

You know me, I like to dream a lot
Of what there is and what there’s not
But mainly I dream of you a lot
The power of your heart
The power of your heart“

Rock and Roll.

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