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Die Krux mit dem Musikstreaming – Arte beleuchtet die Ungerechtigkeiten des Musikgeschäfts


„Was passiert mit den Streaming-Milliarden?“, so lautet der Titel einer neuen Dokumentation des Arte-Formats „Tracks„. Darin befasst sich der französisch-deutsche Kultur-Sender mit der Verteilung der Gelder auf Spotify. Denn vom schnöden Kapitalismus-Triebmittel Mammon ist, so scheint es, mehr als genug vorhanden, schließlich wächst und wachsen die Streaming-Plattformen – ganz im Gegensatz zu manch physischem Datenträger – Jahr um Jahr. Ein paar Zahlen gefällig? Gern: So erwartet allein Spotify bis Ende 2021 zwischen 402 und 422 Millionen Nutzer, 172 bis 184 Millionen zahlende Abo-Kunden sowie einen Jahresumsatz zwischen 9,11 und 9,51 Milliarden Euro. Schon im ersten Quartal 2021 fiel ein Quartalsgewinn von immerhin 23 Millionen Euro an. Und Spotify-Günder Daniel Ek? Der ist inzwischen längst Milliardär und gerade in den Schlagzeilen, weil er an eine Übernahme der englischen Premier League-Größe FC Arsenal denkt.

Die Leidtragenden in diesem monopoly’esken Spiel aus „Höher! Schneller! Weiter!“ sind am Ende die Kunstschaffenden selbst, bei denen schlussendlich nur ein Bruchteil der Einnahmen ankommt (eine Beispielrechnung kann man anhand von Drakes neuerlichem Weltrekord von 50 Milliarden Streams gern selbst aufmachen). Denn die Auszahlung erfolgt im Grunde nicht per Stream, sondern per Marktanteil. Hierzu werden die Einnahmen in einen großen Topf geschmissen und je nach Anteil verteilt, den jemand an den Gesamtstreams hat – ein Verfahren, welches sich „Pro Rata“ nennt.

Kaum verwunderlich also, dass mittlerweile auch immer mehr Stimmen laut werden, die das schwedische Unternehmen, ebenso wie „Kollegen“ wie Apple Music oder Amazon Music, kritisieren – weltweite öffentliche Demonstrationen dies- wie jenseits des weltweiten Internets inklusive. Gefordert wird etwa bei der Protestaktion „Justice At Spotify“ 1 Cent pro Stream – derzeit liegt man zwischen 0,0025 und 0,0042 Euro. Ist diese Forderung allerdings zielführend oder sollte es nicht vielmehr (und viel mehr) sinnvolle Alternativen zu Spotify und Co. geben? Etwa das „User-Centric-Payment-System“, kurz UCPS, welches laut Spotify keine Alternative sei, aber zum Beispiel von Deezer bereits angeboten wird. Eine Unterstützung von den Majors? Bisher Fehlanzeige. Der Frage nach zielführenden Alternativen ist etwa auch dj-lab.de hier auf den Grund gegangen.

Die Dokumentation von „Tracks“ beschäftigt sich jedoch nicht nur mit dem Geldfluss, sondern schaut sich auch die Auswirkungen des Streamings auf die Gestaltung der Musik selbst an und wie Künstler*innen ihre Fans zum gemeinsamen Streamen mobilisieren. Zum Schluss versucht die sehenswerte halbstündige Doku noch einen Blick in die Zukunft zu wagen: Was müsste sich ändern um für mehr Gerechtigkeit in der Musikindustrie zu sorgen und wie sieht es mit Alternativen wie den Plattenläden oder Bandcamp aus? Zu Wort kommen Stimmen aus den Major-Labels und Indie-Künstler*innen wie die Art-Pop Sängerin Balbina, Juse Ju oder Mat Dryhurst.

Die gesamte „Tracks“-Dokumentation „Was passiert mit den Streaming-Milliarden?“ lässt sich aktuell in der Mediathek von Arte oder via YouTube – joppa, natürlich – streamen.

Rock and Roll.

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Zitat des Tages


(Stephen William Hawking, 1942 – 2018, britischer theoretischer Physiker und Astrophysiker)

Rock and Roll.

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„Live at Red Rocks Unpaused“ – Phoebe Bridgers und Band spielen „Punisher“ in kompletter Länge


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Für alle, die – ebenso wie ich – aktuell gar nicht genug von Phoebe Bridgers‚ fulminant-besonderem Album „Punisher“ bekommen können, gibt’s nun Nachschub in fast schon unerwartbarer Form, denn die US-amerikanische Indie-Singer/Songwriterin und ihre Band bekamen im Rahmen der „Red Rocks Unpaused„-Reihe die Gelegenheit, in dieser doch so eigenartigen Zeit eine Live-Show vor besonderer Kulisse zu spielen: dem Red Rocks-Amphitheater in der Nähe von Morrison, Colorado.

How Red Rocks’ virtual festival is trying to replicate a live concert

Und anstatt ihrem (natürlich lediglich digital anwesenden) Publikum „nur“ eine schnöde zusammengewürfelte Stunde voller Songs aus ihren bislang zwei Alben zu bieten, spielten Phoebe Bridgers und Band – neben Fan-Favoriten wie „Motion Sickness“, „Scott Street“ (vom Debüt „Stranger In The Alps“) sowie „Me & My Dog“ (von der boygenius-EP) – mal eben „Punisher“ in Gänze und am Stück! So bekommt man 2020 unverhofft doch die Möglichkeit, sich von der heimischen Couch aus einen Eindruck davon zu machen, wie „Garden Song“, „Kyoto“, „Chinese Satellite“ oder – vor allem – der krönende Album-Abschluss „I Know The End“ auf Bühnenbrettern klingen…

(Das komplette Konzert kann man sich via Vimeo in gewünschter Bild-Qualität zwischen SD 240p und HD 1080p auch für den Offline-Genuss laden, während man hier die Show im mp3-Format fürs heimische Abspielgerät findet…)

 

(oder via YouTube)

 

Rock and Roll.

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„2018“ – Mogwai verschenken zum heutigen „Bandcamp Friday“ ein neues Live-Album


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Foto: Brian Sweeney / Promo

Zum heutigen „Bandcamp Friday„, an welchem die Online-Musikplattform seit März an jedem ersten Freitag des Monats auf seine Verkaufsgebühren verzichtet und dadurch bislang Millionen von US-Dollar direkt an die – vor allem wegen ausgefallener Tourneen –  besonders von der Corona-Pandemie betroffeneren Bands und Künstler*innen vergab, zeigen sich auch die vier Schotten-Post-Rocker von Mogwai von ihrer spendabelsten Seite und hauen mit dem recht simpel „2018“ benannten Live-Album mal eben eine zwölf Stücke starke digitale Live-Compilation als „name your price“ unters Hörervolk, welches sich nach Monaten (fast) ohne jegliche Live-Shows wohl ebenso nach schwitzigen Musik-Erlebnissen und dröhnenden Ohren sehnt wie Stuart Braithwaite, Barry Burns, Dominic Aitchison und Martin Bulloch.

Super Sache von den lauten Lads aus Glasgow – zugreifen, bitte! 🤟

 

„Next month it will have been a year since we last played a live concert. I don’t think I’ve really gotten used to life without live music, both playing it and hearing it. 

I hope that this situation doesn’t last for much longer for a lot of reasons. Everyone’s health and safety being the biggest concern obviously, but also so that gigs can finally resume. It’s a cliche but you really don’t realise how much you miss something until it isn’t there.

With that in mind, we thought it’d be a good time for us to share with you a new live album recorded on our last tour in 2018. 

We realise that many people are struggling financially during the pandemic so we have made it available on Bandcamp on a pay-what-you-can basis. 

We hope you enjoy it.“

(Stuart Braithwaite, September 2020)

 

 

Rock and Roll.

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Moment! Aufnahme.


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Foto: dpa

 

Eine Demonstrantin kniet vor bewaffneten Einsatzkräften in den Straßen des weißrussischen Minsk – wenn ein Bild mehr zum Ausdruck bringt als viele (nichtsdestotrotz wichtige) Berichte…

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: „A Brief Smile – Tribute to Elliott Smith“


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Fast 17 Jahre sind seit dem tragischen Tod von Singer/Songwriter Elliott Smith vergangen, erst vor wenigen Tagen erschien eine „Expanded 25th Anniversary Edition“ seines 1995 – vor eben einem Vierteljahrhundert – veröffentlichten selbstbetitelten zweiten Solo-Albums, und nach all dieser Zeit wissen Freunde gepflegt-melancholischer Songwriterkunst die Schönheit seiner Musik noch immer zu schätzen (in Musikerkreisen bewies dies unlängst etwa Phoebe Bridgers auf ihrem aktuellen Album „Punisher„). Und auch die durchaus namenhafte Künstlerriege, die zu „A Brief Smile – Tribute to Elliott Smith“ beitrug, einer 2017 von der Berliner „creative diy music company“ Funk Turry Funk veröffentlichten Tribute-Compilation, deren Erlöse dem Elliott Smith Memorial Fund, einer Stiftung, die sich sowohl für Opfer von Kindesmissbrauchs als auch für jugendliche Obdachlose einsetzt, zugute kommen, tut dies gewiss…

Klar, ein wenig Ehrfurcht mag man an mancher Stelle schon heraushören, wenn sich einige der zwanzig Beiträge nicht allzu weit von Smiths Originalkompositionen weg bewegen und sich damit zufrieden geben, „einfach nur Coverversionen“ zu sein. Logischerweise wird es gerade dann interessant, wenn Künstler versuchen, dem ein oder anderen Smith’schen Evergreen neue Aspekte abzugewinnen. The Smoking Popes etwa machen aus „Let’s Get Lost“ eine schlagkräftig-fröhliche Punk-Nummer, während Daria „Waltz #1“ einen Doom-Metal-Stempel aufdrücken – und bei aller Genre-Abweichung damit durchkommen.

Für aufgestellte Lauscher sorgt auch SEA+AIRs Variante von „Everything Means Nothing To Me“, welche ebenso zurückhaltend wie wirbelnd psychedelisch daher kommt. Das deutsche Indie-Pop-Duo verändert das eigentliche Arrangement nicht allzu sehr und spielt vielmehr auf effektiv-spookige Art und Weise mit selbigem, was für eine dezent beunruhigende Atmosphäre sorgt. Auf der anderen Seite tönt etwa Ducking Punches‘ „Needle In The Hay“ etwas enttäuschend, denn Dan Allens Gesang kann in keinem Moment das Pathos von Elliott Smiths ursprünglicher Darbietung vermitteln.

John Allens „Between The Bars“ und Franz Nicolays „Everything Reminds Me Of Her“ werden von den gewohnt großartigen Darbietungen der beiden Sänger getragen, während Rob Moirs „Bled White“ ein schönes Duett mit Abigail Lapell bietet. Andrew Paleys Version von „Waltz #2“ wirkt durch seine vorsichtig fließenden Synthesizer und das leise klingende Klavier etwas romantischer als das Original. Ebenjene Beiträge beweisen, dass es durchaus möglich ist, dem emotionalen Gefühlsgewicht hinter Smiths Gesang gerecht zu werden – kein ganz leichtes Unterfangen, denn auch heute noch wird der Musiker von nicht wenigen als John Lennon seiner Generation gefeiert.

Alles in allem schlägt „A Brief Smile“, welches via Bandcamp im Stream sowie als „name your price“-Download zu finden ist (während man hier etwas mehr über die Hintergründe erfährt), in eine recht ähnliche Kerbe wie die ein Jahr zuvor erschienene Tribute-Compilation „Say Yes!“ und wird weder Kenner der Elliott Smith’schen Diskographie noch Neulinge des wegweisenden, zu früh gestorbenen  Singer/Songwriters über alle Maßen überraschen. Dennoch gibt es auch hier die ein oder andere durchaus gelungene Würdigung zu hören. Und wem das nicht reichen mag, der sei daran erinnert, dass alle Erlöse einem guten Zweck zugute kamen (und kommen).

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Rock and Roll.

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