Archiv der Kategorie: Zeitgeist

Moment! Aufnahme.


(gefunden bei Facebook)

Der Mann auf dem Bild ist der viel zu früh, viel zu tragisch verstorbene Singer/Songwriter Elliott Smith – klare Sache, erkennt man. Doch wer hätte gedacht, dass das Baby von damals heute ein selbst von der „VOGUE“ gefeierter Rockstar ist? Ist tatsächlich so, handelt es sich doch um Arrow de Wilde, ihres Zeichens Tochter von Schlagzeuger Aaron Sperske (Father John Misty, The Pernice Brothers) und Fotografin sowie Regisseurin Autumn de Wilde (die sich zu Zeiten des obigen Schnappschusses, um die Jahrtausendwende, für einige von Elliott Smiths Artworks und Musikvideos wie „Son Of Sam“ verantwortlich zeichnete). Die heute 22-jährige Arrow ist Frontfrau der 2015 gegründeten LA-Rocker Starcrawler.

Rock and Roll.

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Song des Tages: The Dead South – „People Are Strange“


„People are strange when you’re a stranger / Faces look ugly when you’re alone…“

Kaum ein Song dürfte besser in die aktuelle Gesellschaftslage passen als „People Are Strange“ von The Doors – und das, obwohl das Stück vom zweiten Studiowerk „Strange Days“ bereits mehr als 54 Lenze auf dem musikalischen Buckel hat.

Wohl auch der derzeitigen – gefühlten – Weltlage wegen hat sich das US-Folk-meets-Bluegrass-meets-Roots-Rock-Quartett The Dead South (von denen vor etwa zwei Jahren bereits die Schreibe war) den Evergreen aus der Feder von Jim Morrison und Co. vorgenommen und ihn in einen waschechten Hillbilly-Smash-Hit verwandelt, inklusive einem humorigen Musikvideo mit Aliens und einem fliegenden Banjo. Mit feinem, typischem Fingerpicking an Banjo, Mandoline, Cello und Gitarre schafft es der Vierer aus Regina, Saskatchewan, das Fehlen eines Schlagzeugers in der Band wett zu machen und sorgt obendrein für einen echten Fußwipp-Rhythmus.

Die Coverversion wird Teil der EP-Reihe „Easy Listening for Jerks, Pt. 1 & 2“ sein, welche im März erscheinen und auch weitere Interpretationen von Stücken von Bands wie System Of A Down oder Cold War Kids enthalten wird (während das Cover-Artwork den Klassiker einer kalifornischen Punk-Rock-Band zitiert).

„People are strange when you’re a stranger
Faces look ugly when you’re alone
Women seem wicked when you’re unwanted
Streets are uneven when you’re down

When you’re strange
Faces come out of the rain
When you’re strange
No one remembers your name
When you’re strange
When you’re strange
When you’re strange

People are strange when you’re a stranger
Faces look ugly when you’re alone
Women seem wicked when you’re unwanted
Streets are uneven when you’re down

When you’re strange
Faces come out of the rain
When you’re strange
No one remembers your name
When you’re strange
When you’re strange
When you’re strange
Alright, yeah

When you’re strange
Faces come out of the rain
When you’re strange
No one remembers your name
When you’re strange
When you’re strange
When you’re strange“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Kevin Devine – „Albatross“


Regelmäßige Leser von ANEWFRIEND wissen es freilich: Kevin Devine ist seit Jahr und Tag ein regelmäßiger Gast auf diesem bescheidenen Blog, wannimmer es Neues über den 42-jährigen Singer/Songwriter aus Brooklyn zu berichten gibt.

Für alle anderen als kleiner Service hier einmal (s)ein Indie-Rock-Werdegang im Schnellabriss: Devines Karriere begann in den frühen Nullerjahren mit der Emo-Indie-Rock-Band Miracle of 86. Anschließend veröffentlichte er erste Soloalben, tourte mit seinem ständig wechselnden Backing-Kollektiv The Goddamn Band (welche ihrerseits unter anderem aus ehemaligen Mitgliedern von Miracle Of 86 besteht) und gründete mit Manchester Orchestra-Frontmann Andy Hull zudem das Projekt Bad Books. Neben seiner Solokarriere, welche zuletzt, 2016, die Alben “Instigator” sowie “We Are Who We’ve Always Been” (das 2017 erschien und Akustik-Versionen der “Instigator”-Songs beinhaltete) hervorbrachte, war Kevin Devine, der sich zudem auch politisch engagiert und oft genug Wort gegen soziale Missstände ergreift, auch Tourmusiker in zahlreichen anderen Bands und tourte weltweit, sowohl solo als auch mit befreundeten Bands und Musker*innen wie Frightened Rabbit, John K. Samson oder Julien Baker. Neuerdings beschritt der US-Musiker außerdem neue digitale Wege und bietet seinen treuesten Fans via Patreon exklusiven Content sowie Livestream-Shows.

Und: Kevin Devine hat, wie so einige andere Kollegen, die Corona-bedingte Zwangspause scheinbar recht kreativ genutzt und ein neues Album aufgenommen. Selbiges – es ist bereits sein nunmehr zehntes Solo-Werk – hört auf den Titel „Nothing’s Real, So Nothing’s Wrong“ und wird am 25. März via Triple Crown Records erscheinen. Wie der begleitende Pressetext – zugegebenermaßen recht blumig – wissen lässt, strahlen die elf Stücke des neuen Albums eine anmutige Reife aus. In einer Welt, die um einen herum zerfällt, ist „Nothing’s Real, So Nothing’s Wrong“ ein Rettungsboot in einem stürmischen Meer von kulturellen, familiären, spirituellen und gesellschaftlichen Krisen. Musikalisch verschmelzen Psych Folk mit Orchesterarrangements, Bedroom Pop und Indie Rock zu einem ungemein dichten Sound. Die Leadsingle „Albatross„, welche Devine nun als ersten Eindruck hören lässt, beschreibt im Refrain das bereits thematische Fundament des kommenden Albums: „If you’re sinking / Sing along / Nothing’s real, so nothing’s wrong“.

Kevin Devine über den neuen Song: „‚Albatross‘ steht für einen harten Reboot. Der Song beschreibt eine Entladung für all die, die mit den vorgefertigten Lösungen und Wundermitteln des 21. Jahrhunderts zu kämpfen haben. Wo findet man noch Trost, wenn das allgemeine Wertesystem und der Diskurs degradiert und grotesk sind? Vielleicht müssen wir loslassen, und dann noch mehr loslassen: Von der Last, etwas zu kommunizieren, für das es keine noch keine passende Worte gibt. Von den Ad-Hoc-Antworten auf unbeantwortbare Fragen. Von einer pervertierten und auf den Kopf gestellten Realität, die einen glauben lassen will, Dinge reparieren zu müssen, die gar nicht kaputt sind.“

Devine malt auf „Nothing’s Real, So Nothing’s Wrong“ ein komplexes, jedoch optimistisches Porträt eines Lebens, das größer ist als sein eigenes. Er findet, wohlmöglich sogar besser denn je, ein Gleichgewicht zwischen eigenen Mikroerfahrungen und den Makrostrukturen unserer Gesellschaft. Alte und neue Hörer*innen werden eingeladen, sich mit ihm auf eine intime Reise zu begeben, in der das Verständnis über das eigene Innenleben eine der letzten – aber vielleicht besten – Methoden des Widerstands wird.

Liest sich, als hätte Kevin Devine auch 2022 viel mit dieser Welt da draußen zu teilen. Man darf – nein, sollte – also mächtig gespannt aufs neue Album sein…

„In simplest terms: ‚Nothing’s Real, So Nothing’s Wrong‘ is a grown-up break-up (or break-ups, as it were) record, for strugglers by strugglers, a kitchen-sink 10th album pivot, painstakingly brought to life by two career-long collaborators and their shared (& split) obsessions. 

The mission: alchemize a chainsmoked series of destabilizing life experiences into something musically dynamic & progressive & expansive; be lyrically evocative & excavating & unflinching without irresponsibly printing your journals; navigate two successive endings, and the “how did I get here,” and the dark night of honestly assessing the soul, and digging a tunnel, and the stubborn humanity in beginning again. 

(It’s also sort of a fatherhood record.) 

And now: to get people to hear it.“

Rock and Roll.

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Auf dem Radar: Grace Cummings


Während vielerwebs die Jahresbestenlisten von 2021 noch lauwarm glühen, deutet sich bereits an, wer die Pop-Feuilletons der kommenden Monate einhellig verzaubern könnte. Grace Cummings etwa. Zwar hat die in Melbourne geborene Songwriterin in ihrem Heimatland mit „Refuge Cove“ bereits 2019 ein vielbeachtetes Debüt vorgelegt, abseits Australiens ist sie jedoch ein noch recht gut behütetes Geheimnis. Und man muss keineswegs der Ahnenreihe eines Nostradamus entstammen, um die risikoarme Prognose zu wagen, dass sich das in diesem Jahr und mit dem kommenden Album „Storm Queen“ schlagartig ändern könnte.

Dabei liest sich Grace Cummings‘ bisheriger Werdegang irgendwo zwischen Umtriebigkeit und gepflegter Down-Under-Langeweile. So begann die ausgebildete Schauspielerin ihre musikalische Laufbahn als Schlagzeugerin in einer Reihe von Highschool-Bands, deren Repertoire hauptsächlich aus AC/DC- und Jimi-Hendrix-Covern bestand. Als Cummings begann, eigene Songs zu schreiben, ließ sie sich vermehrt von Acts wie Paul Kelly, Bob Dylan, J Spaceman sowie traditioneller irischer Folkmusik inspirieren, die ihr Vater oft zu Hause spielte. Vor allem die Ehrerbietungen an den ewig großen Dylan hörte man an vielen Ecken der Eskapismus-Kleinode von „Refuge Cove“ heraus.

Einer weiteren Eigenart bleibt Cummings auch auf dem neuen Werk treu: sie behält die künstlerischen Zügel gern in der eigenen Hand. So übernimmt die Newcomerin, wie schon auf dem Debütalbum, auch auf “Storm Queen” das Ruder als Produzentin. Die minimalistischen Arrangements werden von einer Reihe von befreundeten Künstler*innen aus Melbourne mit unerwarteten Verzierungen geschmückt: prunkvolle Geigenmelodien, gespenstische Theremin-Töne oder das frenetische Heulen eines Baritonsaxophons, welche das Album, getreu seines Titels, in ein ganz eigenes, unbändiges Klima hüllen.

„Storm Queen“ beginnt mit der majestätischen Vorab-Single „Heaven“ und offenbart sofort die ungezähmte Intensität von Cummings‘ ebenso eigenwilliger wie mächtiger Stimme sowie ihre Vorliebe für poetische und zugleich seltsam direkte Texte. Oft genug lässt die geübte Bühnenmimin dabei die Theatralik einer Aldous Harding mit der stimmlichen Präsenz von Marlene Dietrich unikal verschmelzen. Außerdem auffällig: religiöse Anklänge. Aber auch hier verhält es sich etwas anders, als man im ersten Moment zunächst denken könnte. „Der Refrain von ‚Heaven‘ enthält zwar die Worte ‚Ave Maria‘ – aber nicht, weil ich in irgendeiner Weise religiös bin“, erklärt die Australierin, die kürzlich erst die Hauptrolle in einer Joanna Murray-Smith-Produktion an der Melbourne Theatre Company spielte. „Für mich ist das Reden und Singen über Gott oder Mutter Maria eine Art, etwas Schönes zu benennen, das ich nicht verstehe, etwas, das nicht ganz zu der Welt gehört, in der wir leben“, fügt Cummings hinzu, die ihre eigenwillige Musikalität mit einer bewusst spontanen Herangehensweise an das Songwriting kombiniert. „Ich habe ‚Heaven‘ tatsächlich in der gleichen Zeit geschrieben, die man zum Singen braucht. Ich habe gehört, dass man in alten Cowboy-Filmen immer weiß, wer der Held ist, weil er einen Zehn-Gallonen-Stetson trägt. Der Himmel könnte eine Person sein. Oder ein Ort. Oder mein Vater oder eine winzig kleine Raupe oder der Klang des Lachens eines Kookaburra. Der Kookaburra ist ein Held, ich bin es nicht.“ Mit dieser Erklärung zwischen Augenzwinkerei und heiligem Ernst begründet Cummings, warum ihr Spiel mit christlicher Symbolik der ohnehin schon überbordenden Affektkulisse ihres eigenartig reduzierten Songwritings noch eine weitere Ebene einzieht.

Diese Musik mag keineswegs gefälliger Einweg-Radiopop für Familie Jedermann sein, aber eines ist sie in jedem Fall: besonders. Ave Maria, a star is born.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Cristin Milioti – „715 Creeks“


Cristin Milioti kennen die meisten vor allem wegen ihrer Rollen in Serien wie „How I Met Your Mother“ (als die ominöse „Mutter“), „Palm Springs“, „Fargo“ oder „Black Mirror“ sowie Filmen wie „The Wolf Of Wall Street“. Dass die 36-jährige US-Künstlerin nicht nur ein hübsches Mattscheibengesicht, sondern auch ein formidables Stimmchen besitzt, bewies Milioti zudem als Teil der Broadway-Musical-Adaptierung von „Once„, was ihr 2012 sogar eine Tony-Award-Nominierung einbrachte.

Dennoch fand die vielseitige Mimin erst kürzlich Zeit, um ihr Debütalbum aufzunehmen, und als ersten Vorgeschmack auf die Richtung, in die selbiges gehen soll, veröffentlichte Cristin Milioti im vergangenen Jahr ein wunderschöne Coverversion von Bon Ivers „715 Creeks“.

Kenner des Künstlers des Originalstücks wissen freilich: Wenn es um anspruchsvolle Coversongs geht, bekommt so ziemlich alles aus dem Katalog von Bon Iver einen Extrapunkt für den Schwierigkeitsgrad, aber „715 – CRΣΣKS“ (so die Schreibweise des Originals aus der 2016 erschienenen Elektro-Folk-Album-Wundertüte „22, A Million„) geht sogar noch einen Schritt weiter, schließlich stellt das Bon Iver’sche Ausgangsstück Justin Vernons Gesang, der mit einem Prismizer-Effekt autotune’esk stark modifiziert wurde, ohne jede weitere Begleitung in den Vordergrund – der Text sowie Vernons emotionale Darbietung benötigen in diesem Fall einfach keinerlei Schmückwerk.

Milioti hingegen entscheidet sich bei ihrer Interpretation dafür, ihre Stimme weitaus natürlicher und ohne derlei Verfremdung auskommen zu lassen, nur begleitet von einem Klavier und einigen Streichern. Versehen mit ausreichend Fallhöhe zunächst wohlmöglich ein gewagter Plan, der jedoch aufgeht, denn mit ihrer Stimme weiß sie voll und ganz zu überzeugen. Wenngleich der Höhepunkt des Originalsongs so kraftvoll daherkommt, dass es unmöglich scheinen mag, ihn ohne Vernons spezielle Gesangseffekte nachzubilden, macht sich Cristin Milioti mit ihrem Talent das Stück dennoch zueigen. Es schwillt an den richtigen Stellen an und hält sich an anderen Stellen wiederum zurück, um die Stille sprechen und der Melancholie Raum zu lassen. Wundersam berührend. Und macht gerade deshalb durchaus gespannt auf ihr zwar versprochenes, aber noch nicht erschienenes Debütalbum…

Rock and Roll.

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Zitat des Tages


(via quotescover.com)

(Thomas Stearns „T.S.“ Eliot, 1888-1965, englischsprachiger Lyriker, Dramatiker und Kritiker, der als einer der bedeutendsten Vertreter der literarischen Moderne gilt und im Jahr 1948 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde)

Rock and Roll.

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