Archiv der Kategorie: Zeitgeist

Zitat des Tages


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(Peter Henry Fonda, 23. Februar 1940 – 16. August 2019, US-amerikanischer Schauspieler und Filmregisseur)

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Frank Turner – „Eye Of The Day“ (live at Earth Hackney, London)


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Ich zitiere mich mal eben selbst:

Frank Turner – jedem Freund bierseligen Pub-Punksrocks mit akustischer Schlagseite (und nicht nur denen!) dürfte längst klar sein, wofür der mittlerweile 33-jährige Musiker seit Jahr und Tag steht: Authentizität, Bodenständigkeit, Herzlichkeit, britische Working-Class-Consciousness – und, ja, neben all diesen für Lau verschleuderten Schimpfwörtern (das Augenzwinkern denkt ihr euch bitte) auch ein wenig sympathische Naivität. Denn wie sonst kann man es sich erklären, dass ein Mensch diesseits der Vierzig all seine Energie in ein Leben von, mit und für die Musik steckt?“

Diese Zeilen – verfasst vor ziemlich genau vier Jahren anlässlich Turners sechstem Langspieler „Positive Songs For Negative People“ – mögen zwar bereits einige Monde zurück liegen, großartig anders könnte ich es allerdings auch heute nicht formulieren. Jedoch muss auch ich zugeben: Leicht hatte es einem „Be More Kind„, der „Positive Songs“-Nachfolger aus dem vergangenen Jahr, tatsächlich nicht gemacht. Zwar waren die heheren Absichten des mittlerweile 37-jährigen nimmermüden Kreativlings, der in letzter Zeit – nebst Platten, Tourneen sowie einer Quasi-Autobiografie auch die Familiengründung anging, angesichts der zusehends verrohenden, hasserfüllten politischen Debatte für mehr Respekt in der Kommunikation, für Menschlichkeit und Miteinander zu werben, aller Ehren wert – das Ergebnis, bei dem der englische Musiker ein ums andere Mal ungewohnt direkt mit dem Pop flirtete, wusste jedoch meist weniger zu überzeugen, sodass sich vor allem langjährige Fans des „Pub-Punk-Darlings“ die berechtigte Frage stellten: Quo vadis, Frank Turner?

nomansland.jpgNun, eine mögliche Antwort lässt sich in und zwischen den Zeilen des neuen, achten Albums „No Man’s Land“ finden – und doch auch wieder nicht. Denn Frank Turners frisch(st)e Stücke tanzen – wenn schon nicht vom Ton her, dann wenigstens aufgrund ihres Hintergrundes – ein klein wenig aus der Reihe. Warum? Weil „Englands sympathischste Antwortmöglichkeit auf Dave Grohl“ einmal nicht Wort gehalten hat und 2019 tatsächlich ein Konzeptwerk in die Plattenregale stellt…

Auf „No Man’s Land“ erzählt Turner, seines Zeichens bekennender Geschichts-Nerd, der  einen Bachelor in Europäischer Geschichte sein Eigen nennt, sowie (zwangsläufig) einer der Vertreter des vermeintlich „starken Geschlechts“ inmitten einer – zumindest in den wichtigsten Positionen – noch immer von Männern dominierten Musikszene und der (ebenfalls) von Männern dominierten Weltgeschichte mal ergreifende, mal skurrile, mal tragische, jedoch durchweg erstaunliche Geschichten über größtenteils weniger bekannte, jedoch umso faszinierendere Frauen. Dreizehn Stücke, dreizehn Damen – und die entstammen höchst unterschiedlichen sozialen, geografischen und historischen Kontexten.

Da wäre etwa die byzantinische Prinzessin Kassiani („The Hymn Of Kassiani“). Die aus Ägypten stammende feministische Aktivistin Hudā Schaʿrāwī, welche als erste Frau ihres Landes den Schleier ablegte („The Lioness“) Die Imperiumserbin Nica Rothschild, die in der Free-French-Bewegung während des Zweiten Weltkriegs kämpfte und in den 1950ern und 60ern als geradezu besessene Jazz-Mäzenin galt („Nica“). Dora Hand, Mitte des 20. Jahrhunderts eine singende Vaudeville-Sensation in den Bars der Wild-West-Stadt Dodge City. Sie war nicht nur eine außergewöhnliche Sängerin, sie war ebenso berühmt für ihre Großzügigkeit – bis eines Tages ein rüpelhafter Kleinstadt-Ganove den Bürgermeister der Stadt erschießen wollte, versehentlich aber Dora Hand traf und tötete („The Death Of Dora Hand„). Eine um 1900 in der Pariser Seine ertrunkene namenlose Jungfrau, deren heutzutage als „Resusci-Anne“ aus jedem Erste-Hilfe-Kurs bestens bekanntes Gesicht später als Modell für medizinische Reanimationsübungspuppen auf der ganzen Welt genutzt wurde („Rescue Annie“). Sister Rosetta Tharpe, eine 1915 geborene US-Amerikanerin, die auch als „Godmother Of Rock’n’Roll“ bekannt ist und als eine der ersten E-Gitarristinnen der Welt schon sehr früh großzügig Gebrauch von Verzerrer-Effekten machte – ihre 1944er Aufnahme des Spirituals „Strange Things Happening Every Day“ gilt als wichtiger Wegbereiter für die Rockmusik und beeinflusste eine ganze Heerschar heutiger Legenden von Elvis Presley bis Johnny Cash („Sister Rosetta„). Nannie Doss, eine Serienmörderin aus den tiefen Südstaaten der USA, die ihre Opfer über Kontaktanzeigen in der Zeitung suchte („A Perfect Wife“). Die sagenumwobene exotische Tänzerin Mata Hari, die im Ersten Weltkrieg als Spionin für den deutschen Geheimdienst aktiv war und 1917 wegen Doppelspionage und Hochverrats in Vincennes bei Paris hingerichtet wurde („Eye Of The Day„). Catherine Blake, eine Zeit ihres Lebens verkannte Ehefrau, die schlussendlich wohl die wahre Triebfeder hinter dem Erfolg des dichtenden Ehemanns war („Believed You, William Blake„). Die Wahrsagerin Jinny Bingham, welche einst in einem Verschlag auf dem Grund des heutigen Underworld-Clubs in Camden Town lebte und den Londoner Club angeblich immer noch heimsucht („Jinny Bingham’s Ghost„). Die Lehrerin Christa McAuliffe, welche 1986 an Bord des Space-Shuttles Challenger war, das kurz nach dem Start in Cape Canaveral, Florida zerbrach („Silent Key“). Und zum Schluss wird Frank Turner noch einmal persönlich, als er mit „Rosemary Jane“ einen Song der eigenen Mutter sowie deren Mut widmet, sich gegen den emotionalen Missbrauch durch ihren Mann und Turners Vater zu wehren.

Was ’ne Liste, oder? Wobei: So ganz neu ist das Thema der „unbekannten Frauen mit spannenden Geschichten“ im Werk des emsigen Musikers, der 1981 in Bahrain geboren wurde, nicht, denn immerhin erschien etwa „Silent Key“ – wenn auch als alternative Version – bereits 2015 auf seinem Album „Positive Songs For Negative People“. Und auch Frank Turners Hang dazu, sich für soziale Belange einzusetzen und gegen Ungerechtigkeiten jedweder Art stark zu machen, dürfe Fans hinlänglich bekannt sein. Trotzdem wagt der britische Barde auf „No Man’s Land“ konsequent Neues, denn schließlich wirkten – bis auf ihn – sonst nur Frauen an dem Werk mit: Produzentin Catherine Marks (Manchester Orchestra, Foals, The Killers, The Wombats) an den Reglern, eine ausschließlich aus Damen bestehende Backing Band an den Instrumenten. Zusätzlich bringt der Turner-Frank auch noch einen eigenen Podcast an den Start, bei welcher er sich vertiefest und ausführlichst zu jedem der Songs äußert. Herausgekommen ist – im Windschatten von #metoo, „Mansplaining“ und all den Gender-Diskussionen – eine geballte Faust in Richtung Feminismus. Dass diese ausgerechnet von Sympath Frank Turner kommt, der mit dem stilistisch an das tolle „Postcards From Ursa Minor“ seines Buddies Will Varley erinnernden „No Man’s Land“ eine zumeist auf mit Akustikgitarre vorgetragenem Folk sowie mit Streicher-Arrangements und Jazz-Elementen angereicherte Rückbesinnung an ältere Großtaten wagt (einzig beim tollen „The Lioness“ darf hymnisch gerockt werden) und das gelungenste Album seit – mindestens – „Tape Deck Heart“ abliefert, ist umso erfreulicher. So machen Geschichtsstunden Spaß.

 

 

Rock and Roll.

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Der musikalische Flachwitz zum Freitag


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(gefunden bei Facebook)

 

Rock and Roll.

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Moment! Aufnahme.


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(gefunden bei Facebook)

 

Nevermind all the plastic waste? – Grunge Rock in Zeiten des Klimawandels…

 

Rock and Roll.

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Des Künstlers Broterwerb – ein dezenter Hinweis


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(gefunden bei Facebook)

 

Heißt also: War das Konzert gut, dann – freilich neben ein paar netten Worten – auch ein paar Euronen am Merch-Tisch lassen, bitte.  Gerade in „Indie-Kreisen“ ist jedes verkaufte Shirt und jede an den Hörer (oder die Hörerin) gebrachte Platte tatsächlich überlebenswichtig, damit die Show weitergehen kann…

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Fences – „Songs About Angels“


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Immer diese Vorurteile… Wenn man sich Christopher Mansfield so anschaut, könnten einem in der Tat so einige Assoziationen durch Hirn schießen: Gehört der 35-jährige Musiker etwa – mit Vollbart sowie einem ordentlichen Plus an Gesichtstätowierungen – zur neusten Riege dieser Instagram-affinen Cloud Rapper? (Die Frage sei erlaubt, schließlich bin ich bei diesem Sub-Genre so ganz und gar nicht Teil der Zielgruppe…) Wird man ihn schon bald hinter dem Tresen einer großen US-Kaffeehauskette inmitten der aktuell freshsten Hipster-Community antreffen? Oder bahnt sich bei Blink-182  – oder einer x-beliebigen klanglich nahestehenden Kapelle – ein Besetzungswechsel am Mikrofon an? Hm… Wie bereits erwähnt: Vorurteile, Assoziationen, Hirnspinnerei.

81rz+zkVpkL._SY355_Doch weit gefehlt, vielmehr verkörpert Christopher Mansfield, dieser gesichtstätowierte Mützenträger, eine neue Generation vorgeblicher Bad Boys, die in (gefühlter) Wahrheit sonntags brav bei Schwiegermutti aus dem Blümchenporzellan schlürfen. Und ist an den anderen sechs Wochentagen schon seit gut acht Jahren Gesicht, Stimme und Hirn der aus Seattle, Washington stammenden Band Fences, hat unter diesem Alias unlängst Album Nummer drei, „Failure Sculptures„, in allen gut sortierten lokalen wie digitalen Plattenläden platziert. Darauf zu hören: zehn Stücke, die mit ihrer Mixtur aus poppigen Melodien und introspektiv-melancholischem Singer/Songwritertum in den besten Momenten an die frühen Lord Huron, (im Ansatz) Damien Rice, Elliott Smith, José González, Syd Matters oder die zurückgenommesten Lagerfeuermomente von Death Cab For Cutie (á la „I Will Follow You Into The Dark“) erinnern, in schwächeren Minuten ebenso zerfahren wirken, wie Mansfields enigmatische Begleitworte und die aus Ex-Death-Cab-Gitarrist Chris Walla, Jacquire King (Of Monsters And Men, Kings Of Leon, Norah Jones, Cold War Kids, Tom Waits…) sowie Ryan Lewis (die andere Hälfte des Macklemore-Phänomens) bestehende Produzentenliste vermuten lassen. Wäre „Failure Sculptures“ ein Film, dann wohl eine Art Road Movie über einen jungen Mann, der gern der Jack Kerouac des 21. Jahrhunderts wäre, am Ende des Streifens – und nach tausenden Kilometern, die er in (s)einer zerbeulten Schrottkiste allerlei Käffer dies- wie jenseits der US-Westküste entlang geschlichen ist – jedoch einfach von Leben und Liebe enttäuscht in Los Angeles ankommt – da hilft auch ein Gastauftritt von Mars Volta/At The Drive-In-Kopf Cedric Bixler-Zavala nicht weiter, ein wenig ratlos sind schlussendlich alle. You may sense a whole lotta indie-cred, I may call it half-baked Emo…

Und wenn’s schon etwas von Fences, zu denen noch Benjamin Greenspan (Gitarre), Lindsey Starr (Bass, Gesang) und Elliott Garm Chaffee (Schlagzeug) zählen, sein soll, darf man lieber zum 2010er selbstbetiteltem Debütalbum (dessen gefühlige, reduziert-balladeske Songs einen unweigerlich an Dallas Greens City And Colour denken lassen) sowie zum vier Jahre darauf erschienenen zweiten Werk „Lesser Oceans“ greifen, welches – nebst massig feinen Indie-Pop-Melodien – wiederum den (Zurecht-)Mini-Hit „Arrows“ enthält, bei dem ein gewisser Macklemore poppig-satte Rap-Parts beisteuerte. Oder die grandiose Eröffnungsnummer „Songs About Angels“, dessen Hooklines und Refrain man im Nachhinein tagelang kaum aus den Gehörgängen bekommen wird…

 

 

„Well, this life can be such a devil
So I wrote the songs about angels
I took my coat I went to the city
I drank and I dropped and isn’t it pretty

For you I would do anything…

I think that death is coming around
I like it, I like it…

Well, this life can be such a devil
So I wrote the songs about angels
A nightmare stuck in the catcher I’m weaving
So I sat in the car and dreamed about dreaming

For you I would do anything…

I think that death is coming around
I like it, I like it…

Chalk it up to bad luck
Just chalk it up to the lightness

I think that death is coming around

I think that death is coming around
I think that death is coming around
I like it, I like it…

Chalk it up to bad luck
Just chalk it up to the lightness…“

 

Rock and Roll.

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