Archiv der Kategorie: Free Stuff

Song des Tages: The Screenshots – „Wir lieben uns und bauen uns ein Haus“


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Die „Generation Internet“ fördert ja vor allem im musikalischen Bereich so einige interessante Entwicklungen und – gerade durch die Brille gesetzterer Semester – gruselige Neuschöpfungen zutage. Da werden Charts derart durch Klick-Baits und Streaming-Eintagsfliegen verunstaltet, dass selbsternannte „Künstler“, von denen wohl außerhalb ihres Genres (geschweige denn ihrer digitalen Fan-Crowd) bislang kein – pardon my French!Schwein je gehört hat, plötzlich als mehrfache Nummer-eins-Hit-Lieferanten geführt werden. Wo interessierte Hörer früher noch vor Plattenläden Schlange stehen mussten, reichen heute drei, vier Klicks, um Zugang zu ganzen Diskografien zu erlangen. Regnet’s draußen? Stört mich nicht. Keine saubere Hose? Brauch‘ ich nicht. Ach du schöne neue Netzwelt…

Ebenso frisch ins Sortiment der tönenden Neuschöpfungen genommen: Die „Twitter-Band“. Gibt’s nicht. Doch, doch. Und wer nun ebenso Unsägliches befürchtet wie etwa beim Thema „Cloud Rap“, den belehren The Screenshots eines Besseren.

Deren drei Teile, die sich relativ nonchalant Kurt Prödel, Susi Bumms und Dax Werner nennen, lernten sich vor nicht allzu langer Zeit dank ihres jeweils recht regen Mitteilungsbedürfnisses auf dem US-Mikrobloggingdienst mit dem hellblauen Vögelchen im Logo kennen. Und da alle rein zufällig Hausschlüssel für Türen in der „Powerstadt“ Krefeld besaßen, beschlossen sie, denn mal eben eine Band zu gründen.

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So viel breitbandbetriebener Sinn für schnellschießende Slogans und Schnapsideen kann schnell schal bis – jawoll! – scheiße klingen – tut es jedoch im Fall von The Screenshots nicht (oft). Im besten Fall liefern Kurt Prödel, Susi Bumms und Dax Werner auf ihren im vergangenen Jahr via Bandcamp veröffentlichten (Mini-)Alben „Ein starkes Team“ und „Übergriff“ (beide liegen mit Längen von gerade einmal 18 beziehungsweise 24 Minuten ganz im Trend aller urbanen ADHS-Hipster-Fashionistas und stehen via Bandcamp wahlweise kostenneutral zur Verfügung) zu rumpeligem Punkrock und mit sich überschlagender Stimme mantraartig vorgetragene Plattitüden aus der digitalen Welt und offenbaren an manch einer Stelle durchaus tiefenscharfe Analysen des Jetzt.

Da ist einiges an ähnlich intelligentem Stumpfsinn, der einst zu den Geburtshelfern des deutschen Punk (Duftmarken: Hans-A-Plast, Abwärts) gehörte, viel Lust an dezent dadaistischem Sarkasmus, eine Prise Lebenswichtigkeit, die Rockmusik hin und wieder für sich reklamiert, das schmelzig-schroffe „Duhuhu“ des Schlagers, aber auch eine an „Hamburger Schule“-Bands wie etwa Tocotronic oder Blumfeld erinnernde Ahnung von Wut und Irritation, die die Songs proberaumig rumpeln lässt. Denn was irgendwo rumort, muss schließlich raus, die wahren Themen liegen ja auf der Straße: Liebe, Geld, Europa, Fußball. „Manchmal ist auch eine WM in einem anderen Land, dann grillen wir dicke Würstchen, und zünden dann was an.“ Viele kleine Antithesen zu den Tweets eines Donald J. Trump…

81uHkPLy6hL._SY355_Wenig verwunderlich also, dass The Screenshots, die beide Digital-Werke im vergangenen Dezember ganz großstädtisch und hipster-esk noch einmal auf der „Europa LP“ gebündelt veröffentlicht haben (obwohl laut eigener Aussage keiner der drei einen Plattenspieler besitzt), vor allem in der digitalen Welt allerhand Kuss-Emojis zufliegen. So bescheinigt „ZEIT Online“-Schreiberling Lars Weisbrod den Krefeldern “Diskurspop auf der Höhe der Zeit”, „Rolling Stone“-Redakteur Jens Balzer hörte in Stücken wie „Deutschland„, „Fußball ist cool„, „Cornetto“ oder „Männer“ gar den “aufregendsten deutschsprachigen Gitarrenrock der Stunde”, der sich „unironisch ins Mark der Postinternet-Generation” (sehrsehrgutetexte.com) spielt. Und Jan Böhmermann? Der holte die Band, nachdem sich diese zu Stammgästen in seiner Spotify-Playlist entwickelten, gar für ihren ersten TV-Auftritt überhaupt in sein „NEO Magazin Royale“, wo The Screenshots im vergangenen Dezember den Song „Google Maps“ zum Besten gaben. Wenn man bedenkt, dass das Trio mit seinem Liedgut, bei dem man sich nie so ganz sicher sein kann, ob da nun übermäßig viel oder besorgniserregend wenig Ironie mit an Bord ist, ähnlich oft auf der humorigen Rasierklinge tanzt wie ebenjener Jan Böhmermann und sein Kreativteam, passt das bestens.

Nee, The Screenshots wollen ganz sicher keine ewiglichen Meisterwerke liefern. Aber mit ihren Zeitgeist-Kommentaren aus der Post-Internet-Punk-Perspektive surfen Kurt Prödel, Susi Bumms und Dax Werner verdammt stilsicher auf ihrem tönenden hellblauen Vögelchen…

 

 

Für das Musikvideo zum neuen Song haben The Screenshots – Newcomer hin, Newbies her – echte Starpower versammelt, schließlich stehen da Indieschuppen- und Stadionrock-Größen wie Thees Uhlmann, Judith Holofernes, Olli Schulz, Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg oder Die Ärzte in piefiger Baumarkt-Kulisse Spalier – irgendwie. Glaubste nicht? Schauste hier:

 

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Rock and Roll.

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Song des Tages: Dodie Clark – „Golden Slumbers“


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Foto: Parri Thomas

Abbey Road“ – Dieser Name ist wohl jedem Musikfan ein Begriff, schließlich versteckt sich dahinter nicht nur eine Straße im Londoner Stadtteil St. John’s Wood im Stadtbezirk City of Westminster, in welchem sich die legendären Tonstudios der EMI selben Namens befinden, sondern auch elfte Studiowerk der Beatles (insofern man all die Compilations einmal außen vor nimmt). Ein Klassiker zeitlosen Ausmaßes – und das nicht nur, weil es 1969 den gemeinsamen Schwanengesang von John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr als „Pilzköpfe“ bedeutete (auch, wenn die vier ein Jahr später noch „Let It Be“ mit Aufnahmen, welche zu großen Teilen bereits vor „Abbey Road“ entstanden, nachschoben). „Abbey Road“, jenes Album mit dem ikonographischen Coverartwork, zeigt die Beatles auf dem absoluten Höhepunkt ihres kreativen Schaffens: „Come Together“, „Something“, „I Want You (She’s So Heavy)“, „Here Comes The Sun“, „Because“, „Golden Slumbers“, „The End“ – Lennon, McCartney, Harrison und Starr mögen dem popmusikalischen Kanon natürlich noch viele weitere Evergreens hinzugefügt haben, doch stimmiger und wie aus einem Guss ist sowohl davor als danach kein anderes Beatles-Werk geraten (was freilich aufgrund der Tatsache überrascht, dass die Band damals bereits als reichlich zerstritten galt, und vor allem McCartneys Fähigkeiten als Songschreiber geschuldet sein dürfte – mehr Infos findet man etwa in diesem Artikel).

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Und ebenjenes „Abbey Road“ feierte dieser Tage, am gestrigen 26. September, seinen mittlerweile 50. Geburtstag – und erhielt aus diesem Anlass ein Re-release als „Super Deluxe Edition„, welche nicht nur durch seinen neuen Mix zu überzeugen weiß, sondern außerdem etliche Bonus Tracks in Form alternativer Takes und Demo-Versionen enthält, anhand derer man weitere Einblicke in den Aufnahmeprozess enthält. Braucht’s alles nicht unbedingt, da man eine runde Sache nicht noch runder machen kann – schadet jedoch auch nicht.

Und natürlich gibt es auch von den Songs von „Abbey Road“ Coverversionen wie Sandkörner am Strand – die einen mal mehr, die anderen mal weniger gelungen (eine feine Zusammenstellung findet man etwa hier). Eine der schönsten Neuinterpretationen, die ich seit langem hören durfte, ist Dodie Clarks Variante von „Golden Slumbers“ (welches sich in der Vergangenheit auch schon Elbow oder Ben Folds vorgenommen hatten). In der Interpretation der englischen Singer/Songwriterin und Youtuberin, Jahrgang 1995, gerät das einst von Paul McCartney verfasste Schlummerstück emotional rau, ja beinahe schon einzigartig schön und in seiner zerbrechlichen Stimmung geradezu tränenreich fragil. Tollere Musik kann man fast nicht in knapp zwei Minuten fassen. “Golden slumbers fill your eyes…”

 

 

 

Die Coverversion gibt’s wahlweise auch via Bandcamp im Stream und kostenlosen Download:

 

„Once there was a way
To get back homeward 

Once there was a way
To get back home
Sleep, pretty darling
Do not cry
And I will sing a lullaby

Golden slumbers
Fill your eyes
Smiles await you when you rise
Sleep pretty darling
Do not cry
And I will sing a lullaby

Once there was a way
To get back homeward

Once there was a way
To get back home
Sleep, pretty darling
Do not cry
And I will sing a lullaby“

 

Rock and Roll.

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„Girls to the front!“ – Die Dokumentation „The Punk Singer“ über „Riot Grrrl“-Sprachrohr Kathleen Hanna


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Sie gilt als „Rebel Girl“ und „Punk Feminist“. Als die Symbolfigur der Riot Grrrl-Bewegung Anfang der Neunzigerjahre und vereint feministische „Pro Choice!“-Revolution mit lautstarkem Punk Rock: Kathleen Hanna. Die 2013 erschienene Dokumentation „The Punk Singer“ zeichnet ein gleichsam persönliches wie einzigartiges Bild der Frontfrau von Bikini Kill, Le Tigre und The Julie Ruin.

 

„I’ve always thought that ‚punk‘ wasn’t really a genre. My band started in Olympia where K Records was and K Records put out music that didn’t sound super loud and aggressive. And yet they were punk because they were creating culture in their own community instead of taking their cue from MTV about what was real music and what was cool. It wasn’t about a certain fashion. It was about your ideology, it was about creating a community and doing it on your own and not having to rely on, kinda, ‚The Man‘ to brand you and say that you were okay.“

(Kathleen Hanna)

 

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Zwanzig Jahre Filmmaterial visualisieren mit collagenhaften Rückblenden sowie zahlreichen Interviews und Konzertausschnitten den Kampf für Frauenrechte und weibliche Selbstbestimmung sowie gegen Gewalt, Sexismus und männlichen Machismus. Die via Kickerstarter finanzierte Dokumentation von Regisseurin Sini Anderson taucht noch einmal ein in den DIY-Zeitgeist der frühen Neunziger und in eine ebenso wilde wie kreative Keimzelle, welche während dieser Zeit im US-amerikanischen Nordwesten um Portland, Olympia und Seattle herum entstand, und aus der eben nicht nur Bands wie Pearl Jam, Soundgarden oder Nirvana hervorgingen, sondern eben auch Bikini Kill. (Übrigens: Der Legende nach hätte es Nirvanas Grunge-Evergreen „Smells Like Teen Spirit“ ohne Kathleen Hannas Zutun so nie gegeben, schließlich entstand der Songtitel, als Hanna, die damals gut mit Frontmann Kurt Cobain befreundet war, den Satz „Kurt Smells Like Teen Spirit“ – auf deutsch: „Kurt riecht nach Teen Spirit“ – an eine Wand in dessen Wohnung schrieb, da Cobain nach dem Deodorant namens „Teen Spirit“ roch, welches seine damalige Freundin Tobi Vail benutzte. Cobain gefiel die Implikation des Satzes, also verwendete er ihn schließlich als Songtitel. Der Rest? Ist allseits bekannte Musikgeschichte.) Und obwohl gerade Bikini Kill zwar einflussreich, bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1997 jedoch lediglich leidlich kommerziell erfolgreich waren, machte gerade ihr Wirken Bands wie Pussy Riot (gerade bei den radikalen russischen Aktivistinnen ist der Einfluss unverkennbar), Gossip, Petrol Girls, War On Women oder Screaming Females erst möglich, während auch bei mit Lust die Grenzen der Konventionen sprengenden Künstlerinnen wie Amanda Palmer, Kate Nash und Miley Cyrus Hanna’sche Einflüsse deutlich erkennbar sind…

MV5BMjEzNzQxNzUxNF5BMl5BanBnXkFtZTgwMDY5MTY1MDE@._V1_UY1200_CR90,0,630,1200_AL_.jpgNeben Hanna selbst lässt Regisseurin Sini Anderson in ihrer 80-minütigen Dokumentation auch Freunde und Wegbegleiter wie Kim Gordon (Sonic Youth), Joan Jett (The Runways, Joan Jett & the Blackhearts), Carrie Brownstein und Corin Tucker (Sleater-Kinney), Johanna Fateman (Le Tigre) oder Ehemann Adam Horovitz (Beastie Boys) zu Wort kommen. Kathleen Hanna selbst nutzte vor einigen Jahren den Film, um ihr langjähriges Schweigen zu beenden und den tatsächlichen Grund ihres Rückzugs aus dem Rampenlicht im Jahr 2005, als sich ihre neue Electropunk-Band Le Tigre anschickte, größere Erfolge zu feiern und als neues Sprachrohr der LGBTQ-Bewegung zu etablieren, zu erklären. Denn obwohl es um das einstige Gesicht der Riot Grrrls still geworden sein mag (ihr letztes kreatives Lebenszeichen war 2016 das The Julie Ruin-Album „Hit Reset„), macht „The Punk Singer“ eines deutlich: heute wie damals nimmt die mittlerweile 50-jährige Ex-Bikini Kill-Frontfrau (politisch) kein Blatt vor den Mund. All girls to the front!

(Übrigens: Für all diejenigen, denen der Name Kathleen Hanna bislang rein gar nichts sagte, haben die Kollegen des ByteFM Blog eine musikalische Übersicht von „Kathleen Hanna in fünf Songs“ zusammengestellt. Feine Sache, das. Allen anderen sei so oder so der Soundtrack zu „The Punk Singer“ empfohlen.)

 

Hier gibt’s den Trailer…

 

…und hier „The Punk Singer“ komplett im Stream:

 

 

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Foto: Allison Michael Orenstein

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Maybeshewill – „Live at Koko“


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Foto: Facebook

Post-Rock-Bands gibt es – und das nicht erst seit den großen Vorbildern Godspeed You! Black Emperor, Tortoise, Explosions In The Sky oder Mogwai – wie den sprichwörtlichen Sand am Strand. Und während ich einen Zehner ins musikalische Phrasenschwein stecke, könnt ihr ja gern einmal den Versuch unternehmen, diese zu zählen… (Spoiler: Beim Sand wärt ihr vermutlich eher durch.)

Doch selbst unter der Vielzahl ihrer Genre-Genossen stachen die fünfköpfigen Maybeshewill aus dem englischen Leicester stets hervor. Woran das lag? Nun, gerade diese Antwort ist eine schwierige, wälzen sich im Post Rock „Songs“ doch gut und gern einmal jenseits der Zehn-Minuten-Marke mal höchst dezent Spannungen auftürmend, mal vehement-dynamisch Berge einreißend voran, während man meist vergeblich nach Texten sucht. Emotionen entstehen aus Momenten heraus, die man selbst nach dem tausendsten Durchrauschen durch die eigenen Ohrmuscheln kaum dingfest machen kann. Tiefe. Schwere. Schweben. Rauschen. Versinken. Abermillionen an Emotionen, gebündelt in dem einem besonderen Moment… Logisch genug? Eben.

Eventuell waren es ja die Petitessen, die die zwischen 2008 und 2014 erschienenen vier Alben von James Collins, Matthew Daly, John Helps, Robin Southby und Jamie Ward zu so großartigen Kopfkino-Erlebnissen machten: die Verweise und Samples aus Film- und Popkultur, die die Band stets geschickt in ihre Instrumental-Stücke einbaute (etwa aus Filmen wie „Network“, „The Rules Of Attraction“ oder „Vanille Sky“). Ihr ausgezeichnetes Gespür für die nahezu perfekte Balance, die richtige Note im richtigen Moment. Kleine kreative Ideen wie Electronica-Spielereien, Bläser, ein Glockenspiel, Streicher, ab und an sogar ein kleiner Chor, welche den „Songs“ nicht selten das gewissen Extra gaben.

Und so ist es keine Lüge (und darüber hinaus freilich auch ein Kompliment), dass man das UK-Quintett seit dem letzten Album „Fair Youth“ sowie dem finalen Bühnen-Schwanengesang an einem regnerischen Apriltag 2016 im Londoner Koko (hier findet man ein ausführliches Review) ein klein wenig vermisst – jeglicher Vielzahl an Post-Rock-Bands zu Trotz. Schön jedoch, dass Maybeshewill ihre letzte Show filmen ließen, und man die abschließenden, mitreißenden 90 Minuten des Band-Kapitels somit noch einmal Revue passieren lassen kann, bis das grandiose „He Films The Cloud, Pt. 2“ (seinerzeit erschienen auf dem Debütwerk „Not For Want Of Trying„) verklungen ist… *hach*

 

 

— Setlist —
Opening
Take This To Heart
Co-Conspirators
Red Paper Lanterns
All Things Transient
…In Another Life When We Are Both Cats
Accolades
In Amber
Sanctuary
Critical Distance
In The Blind
To The Skies From A Hillside
Not For Want Of Trying

(Zugaben: Seraphim & Cherubim + He Films The Clouds Pt. 2)

 

Rock and Roll.

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The National denken wie immer größer – der Kurzfilm zum neuen Album „I Am Easy To Find“


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All jene, die den Werdegang der fünfköpfigen Band aus Cincinnati, Ohio über die Jahre begleitet haben, wissen: The National waren ja ohnehin nie eine Band, die es darauf anlegt, kleine kreative Brötchen zu backen. Egal, ob man die Reife vom elegisch-melancholischen Indie Rock der Anfangstage hin zu den vertrackten, dezent elektronischen Experimenten des fordernden letzten, 2017 erschienenen Albums „Sleep Well Beast“ als Indiz nimmt, die Suche von Frontmann Matt Berninger nach spannenden Kollaborationen mit anderen Künstlern oder die scheinbar gleichsam nimmermüden Dessner-Zwillinge Bryce und Aaron (bei The National an den Gitarren, Keyboards sowie am Mischpult zu finden), die nebenbei noch andere Künstler produzieren, sich mit klassischen Kompositionen oder ganzen Film-Scores beschäftigen. Wird nie langweilig bei The National. Schlaf? Atempausen? Scheinbar überschätzt…

nationaleasyUnd so wundert es kaum, dass Matt Berninger, Aaron Dessner, Bryce Dessner, Scott Devendorf und Bryan Devendorf (erneut Brüder hinter Bass und Schlagzeug) schon wieder mit dem nächsten groß gedachten Stück Kreativität ums Eck biegen: Das dieser Tage erscheinende achte Studioalbum „I Am Easy To Find“ ist als audiovisuelles Gesamtkunstwerk gedacht, zu welchem die 1999 gegründete US-Band – nebst prominenter Unterstützung an allen Fronten – einen 27-minütigen Kurzfilm mit an Hand, Auge und Ohr gibt.

Der mit Matt Berninger und Co. befreundete Arthouse-Regisseur Mike Mills („Thumbsucker“, „Beginners“, „Jahrhundertfrauen“), im Übrigen weder verwandt noch verschwägert mit dem gleichnamigen Bassisten von R.E.M., begann die Arbeit an „I Am Easy To Find“ kurz nachdem The National 2017 das Vorgängeralbum „Sleep Well Beast“ veröffentlicht hatten. Der Film, den die Band bereits bei einigen Konzerten gezeigt hatte, zeichnet das Leben einer weiblichen Person, welche wiederum von Alicia Vikander („Ex Machina“, „Tomb Raider“) gespielt wird, von der Geburt bis zum Tod nach – ein Leben mit all seines Hochs und Tiefs in effektiv 24 Stunden, quasi.

„The National gaben mir Teile ihrer bisherigen Songs, einige waren erste Entwürfe, andere bereits fertig, und ermutigten mich, die Stücke so zu transformieren, dass ich sie als Soundtrack für den Film nutzen kann“, erklärte Mills den kreativen Prozess in einem offiziellen Statement.

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Zuvor gab es mit dem Video zur Vorabsingle „Light Years“ einen Zusammenschnitt zu sehen (während Mike Mills mit der Band auch zum Albumsong „Hairpin Turns“ ein Musikvideo drehte). Der Kurzfilm enthält nun Ausschnitte, Alternativ-Versionen oder die volle Spielzeit von Songs aus „I Am Easy To Find“. „Light Years“ schließt dabei sowohl das Album als auch den Film ab. Außerdem hört man „Quiet Light“, den seit Jahren live gespielten Fan-Favoriten „Rylan“, „The Pull Of You“, „Oblivions“ sowie das Titelstück. Als Gastsängerinnen sind Lisa Hannigan und Kate Stables von This Is The Kit vertreten (während der Hörer auf dem kompletten Album noch weitere Gastmusikerinnen wie Sharon Van Etten, Mina Tindle oder Gail Ann Dorsey zu Ohren bekommt – in dieser Häufigkeiten ein weiteres Novum bei der Band).

The National tauchen nicht nur als Musikgebende aus dem Off auf, auch zitieren einige Charaktere Zeilen aus Songs der Band, etwa wenn der Vater seiner Tochter etwas vorliest. Manchmal unterbrechen farbige Texttafeln die ansonsten in Schwarzweiß gehaltete Handlung, um auf besonders wichtige Ereignisse hinzuweisen. Zusätzlich zur regulären Version des Films gibt es eine mit Audiokommentar von Mills und eine, in der Sänger Matt Berninger und seine Frau Carin Besser über den Entstehungsprozess berichten. Besser schrieb einige Songtexte für „I Am Easy To Find“, welches mit 16 Songs noch dazu kaum an Spielzeit geizt, und ist noch dazu als Backgroundsängerin zu hören.

The National bleiben kreativ? The National bleiben atemlos? The National bleiben spannend? Quod erat demonstrandum.

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„I Am Easy To Find“ – A Film by Mike Mills / An Album by The National:

 

„I Am Easy To Find“ – Audiokommentar von Regisseur Mike Mills:

 

„I Am Easy To Find“ – Audiokommentar von Matt Berninger und Carin Besser:

 

Rock and Roll.

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