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„Beware of Mr. Baker!“ – Ginger Baker feiert acht Jahrzehnte mies gelaunte Schlagzeug-Urgewalt


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Led Zeppelins wildes „Animal“ John Bonham, The Whos Schlagwerkderwisch Keith Moon – beide ebenso jung wie tragisch verstorben, beide auf ewig Musiklegenden (da bedingt – bei allem Talent – wohl einmal mehr das eine das andere). Und hätten sich die Naturgesetze der Musikgeschichte auch nur für einen Moment ihren Regeln gebeugt, so hätte auch Ginger Baker längst lautstark den Sensenmann begrüßen dürfen. Stattdessen scheint der Mann, der in den Sechzigern gemeinsam mit Gitarrengott Eric Clapton und Bassist Jack Bruce die (leider recht kurzlebige) „Superband“ Cream gründete, das Schlagzeugspiel quasi zigfach neu erfand, erst Millionen verdiente und dann wieder verlor sowie bis heute für sein aufbrausendes Temperament berüchtigt ist, mit den unverwüstlichen Genen eines Keith Richards oder Mick Jagger gesegnet zu sein. Und feiert heute seinen achtzigsten Geburtstag…

Ginger Baker gilt als einer der besten Schlagzeuger der Welt. Seine wilde Energie, seine innovativen, vertrackten Rhythmen, gepaart mit afrikanischen und Jazz-Einflüssen, haben ihn längst zu einer lebenden Legende gemacht. Geboren wurde der Rotschopf – daher der naheliegende Spitzname „Ginger“ – 1939 als Peter Edward Baker in Südlondon. Sein Vater starb im Zweiten Weltkrieg, als der junge Peter vier Jahre jung war. Baker trainierte als Teenager, um Profi-Radrennfahrer zu werden – erst ein Unfall brachte ihn zufällig zum Schlagzeug. Und siehe da: Er war ein Naturtalent.

Der einflussreiche britische Jazz-Schlagzeuger Phil Seamen nahm ihn unter seine Fittiche: „Er war Gott“, sagte Baker der Zeitschrift „Forbes“ später. „Er hörte mich eines Nachts spielen und sagte danach: ‚Setz dich, ich möchte mit dir reden. Du bist der einzige Schlagzeuger, den ich kenne, der es drauf hat.’“

Und lange Zeit – wohl viel länger als einige seiner Kollegen, die scheinbar mit weitaus weniger fähigen Schutzengeln gesegnet waren – war der auch abseits des Schlagwerks unberechenbare Charakterkopf auch drauf (sprich: er frönte – wie ein nicht eben kleiner Teil seiner Berufsgenossen zu jener Zeit – ausschweifend dem Drogenkonsum). Erst 1981 schaffte Baker es, vom Heroin loszukommen, wie er in einem Interview zugab. Er hatte ein Vermögen in Nigeria verloren, sein Schlagzeug stand ungenutzt in der Scheune, und er selbst baute inzwischen in Italien Olivenbäume an: „Es war wahrscheinlich das Beste, was mir je passiert ist. Ich habe die Drogenwelt komplett hinter mir gelassen.“

quoteDa lagen auch seine größten Erfolge bereits einige Jahre zurück: 1966 gründete er mit Gitarrenlegende Eric Clapton und dem 2014 verstorbene Jack Bruce das Trio Cream. Bis zu ihrer Auflösung 1968 hatte die damalige britische All-Star-Band Rock-Klassiker wie „Sunshine Of Your Love“, „White Room“ oder „Crossroads“ herausgebracht und millionenfach verkauft. Dass Claptons Gitarre bei diesem Dreiergespann meist nicht das größte Spektakel war, sagte wohl Einiges – an Bakers polyrhythmischen Soli, seinen neu entwickelten Rhythmen und Techniken, die den Songs einen einzigartigen Groove verliehen, messen sich Schlagzeuger bis heute.

Ginger Baker erinnerte sich in „Forbes“ an das Ende der Kultband 1968: „Eric [Clapton] kam zu mir und sagte: ‚Ich habe es satt.’ Und ich sagte: ‚Ich auch.’ Und das war’s.“ Am meisten fehlte ihm die Herausforderung: Das Publikum jubelte, noch bevor die Musiker ihre ersten Noten gespielt hatten. Baker musste acht oder neun Drinks in sich hineinschütten, „um ins Studio gehen zu können und niemanden zu schlagen. So sauer war ich geworden.“

Keinesfalls zuträglich war dabei, dass er mit Jack Bruce, mit dem auch vorher auch bereits bei der The Graham Bond Organization zusammen spielte, immer wieder im Jähzorn auf der Bühne aneinander geriet – einer der Gründe für die schnelle Trennung. Selbst als Cream 2005 in Originalbesetzung nach 37 Jahren wieder in London und New York auftrat, stritten sich Baker und Bruce. Zu einer weiteren Wiedervereinigung kam es nicht mehr.

Nach dem Ende von Cream gründete Baker mit Eric Clapton die – erneut, wen wundert’s – kurzlebige Superband Blind Faith sowie das Jazz-Rock-Kollektiv Ginger Baker’s Air Force. In dem afrikanischen Superstar Fela Kuti fand er eine verwandte musikalische Seele, baute (schlussendlich erfolglos) ein Aufnahmestudio im nigerianischen Lagos auf oder steckte sein Geld in den Pferde- und Polosport – kein Wunder also, dass der schnöde Mammon ihn bei so vielen Hobbys auch im hohen Alter noch auf die Bühne zieht…

Der frühere Weltstar ist mittlerweile zum vierten Mal verheiratet und hat drei Kinder – darunter Sohn Kofi Baker, der ebenfalls Schlagzeug spielt. Im „Rolling Stone“ (der ihn übrigens unlängst auf dem Bronzeplatz der „besten Schlagzeuger aller Zeiten“ sah) erinnerte sich Kofi nur ungern an die Lehrstunden mit seinem Vater: „Wenn ich nicht sofort etwas richtig machte, schrie er mich an, beschimpfte mich und haute mir eine runter.“ Bakers Temperament ist mit den Jahren nicht besser geworden – er ist auch heute noch bekannt für seine chronisch schlechte Laune und Wutausbrüche. Ein 2012 veröffentlichter – und im Übrigen sehr sehenswerter – Dokumentarfilm über sein Leben trägt den Titel „Beware Of Mr. Baker“ (und kann hier gestreamt werden).

Ginger Baker lebt inzwischen im englischen Canterbury und hat – Geldsorgen hin oder her – nach gesundheitlichen Problemen in den vergangenen Jahren nur noch wenige Konzerte gegeben. Anlässlich eines Auftritts in Brighton nahm die Schlagzeuglegende eine Videomessage auf: „Wir werden eine gute Show auf die Beine stellen, nur um es zu beweisen. Denn es gibt Leute, die sagen, dass ich nicht mehr spielen kann. Ich kann noch! Und ich werde spielen.“

Alles Gute zum 80. Geburtstag, Mr. Ginger Baker.

 

 

Recht sehenswert, vor allem für jene, denen Ginger Baker bislang weniger ein Begriff war: „5 Momente des zornigsten Drummers„, veröffentlicht bei den „Stuttgarter Nachrichten“…

Auch zu empfehlen: Ein aktueller Audio-Beitrag des WDR, welcher Ginger Bakers bewegte Biografie innerhalb einer Viertelstunde auf den Punkt bringt…

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Frank Turner – „Eye Of The Day“ (live at Earth Hackney, London)


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Ich zitiere mich mal eben selbst:

Frank Turner – jedem Freund bierseligen Pub-Punksrocks mit akustischer Schlagseite (und nicht nur denen!) dürfte längst klar sein, wofür der mittlerweile 33-jährige Musiker seit Jahr und Tag steht: Authentizität, Bodenständigkeit, Herzlichkeit, britische Working-Class-Consciousness – und, ja, neben all diesen für Lau verschleuderten Schimpfwörtern (das Augenzwinkern denkt ihr euch bitte) auch ein wenig sympathische Naivität. Denn wie sonst kann man es sich erklären, dass ein Mensch diesseits der Vierzig all seine Energie in ein Leben von, mit und für die Musik steckt?“

Diese Zeilen – verfasst vor ziemlich genau vier Jahren anlässlich Turners sechstem Langspieler „Positive Songs For Negative People“ – mögen zwar bereits einige Monde zurück liegen, großartig anders könnte ich es allerdings auch heute nicht formulieren. Jedoch muss auch ich zugeben: Leicht hatte es einem „Be More Kind„, der „Positive Songs“-Nachfolger aus dem vergangenen Jahr, tatsächlich nicht gemacht. Zwar waren die heheren Absichten des mittlerweile 37-jährigen nimmermüden Kreativlings, der in letzter Zeit – nebst Platten, Tourneen sowie einer Quasi-Autobiografie auch die Familiengründung anging, angesichts der zusehends verrohenden, hasserfüllten politischen Debatte für mehr Respekt in der Kommunikation, für Menschlichkeit und Miteinander zu werben, aller Ehren wert – das Ergebnis, bei dem der englische Musiker ein ums andere Mal ungewohnt direkt mit dem Pop flirtete, wusste jedoch meist weniger zu überzeugen, sodass sich vor allem langjährige Fans des „Pub-Punk-Darlings“ die berechtigte Frage stellten: Quo vadis, Frank Turner?

nomansland.jpgNun, eine mögliche Antwort lässt sich in und zwischen den Zeilen des neuen, achten Albums „No Man’s Land“ finden – und doch auch wieder nicht. Denn Frank Turners frisch(st)e Stücke tanzen – wenn schon nicht vom Ton her, dann wenigstens aufgrund ihres Hintergrundes – ein klein wenig aus der Reihe. Warum? Weil „Englands sympathischste Antwortmöglichkeit auf Dave Grohl“ einmal nicht Wort gehalten hat und 2019 tatsächlich ein Konzeptwerk in die Plattenregale stellt…

Auf „No Man’s Land“ erzählt Turner, seines Zeichens bekennender Geschichts-Nerd, der  einen Bachelor in Europäischer Geschichte sein Eigen nennt, sowie (zwangsläufig) einer der Vertreter des vermeintlich „starken Geschlechts“ inmitten einer – zumindest in den wichtigsten Positionen – noch immer von Männern dominierten Musikszene und der (ebenfalls) von Männern dominierten Weltgeschichte mal ergreifende, mal skurrile, mal tragische, jedoch durchweg erstaunliche Geschichten über größtenteils weniger bekannte, jedoch umso faszinierendere Frauen. Dreizehn Stücke, dreizehn Damen – und die entstammen höchst unterschiedlichen sozialen, geografischen und historischen Kontexten.

Da wäre etwa die byzantinische Prinzessin Kassiani („The Hymn Of Kassiani“). Die aus Ägypten stammende feministische Aktivistin Hudā Schaʿrāwī, welche als erste Frau ihres Landes den Schleier ablegte („The Lioness“) Die Imperiumserbin Nica Rothschild, die in der Free-French-Bewegung während des Zweiten Weltkriegs kämpfte und in den 1950ern und 60ern als geradezu besessene Jazz-Mäzenin galt („Nica“). Dora Hand, Mitte des 20. Jahrhunderts eine singende Vaudeville-Sensation in den Bars der Wild-West-Stadt Dodge City. Sie war nicht nur eine außergewöhnliche Sängerin, sie war ebenso berühmt für ihre Großzügigkeit – bis eines Tages ein rüpelhafter Kleinstadt-Ganove den Bürgermeister der Stadt erschießen wollte, versehentlich aber Dora Hand traf und tötete („The Death Of Dora Hand„). Eine um 1900 in der Pariser Seine ertrunkene namenlose Jungfrau, deren heutzutage als „Resusci-Anne“ aus jedem Erste-Hilfe-Kurs bestens bekanntes Gesicht später als Modell für medizinische Reanimationsübungspuppen auf der ganzen Welt genutzt wurde („Rescue Annie“). Sister Rosetta Tharpe, eine 1915 geborene US-Amerikanerin, die auch als „Godmother Of Rock’n’Roll“ bekannt ist und als eine der ersten E-Gitarristinnen der Welt schon sehr früh großzügig Gebrauch von Verzerrer-Effekten machte – ihre 1944er Aufnahme des Spirituals „Strange Things Happening Every Day“ gilt als wichtiger Wegbereiter für die Rockmusik und beeinflusste eine ganze Heerschar heutiger Legenden von Elvis Presley bis Johnny Cash („Sister Rosetta„). Nannie Doss, eine Serienmörderin aus den tiefen Südstaaten der USA, die ihre Opfer über Kontaktanzeigen in der Zeitung suchte („A Perfect Wife“). Die sagenumwobene exotische Tänzerin Mata Hari, die im Ersten Weltkrieg als Spionin für den deutschen Geheimdienst aktiv war und 1917 wegen Doppelspionage und Hochverrats in Vincennes bei Paris hingerichtet wurde („Eye Of The Day„). Catherine Blake, eine Zeit ihres Lebens verkannte Ehefrau, die schlussendlich wohl die wahre Triebfeder hinter dem Erfolg des dichtenden Ehemanns war („Believed You, William Blake„). Die Wahrsagerin Jinny Bingham, welche einst in einem Verschlag auf dem Grund des heutigen Underworld-Clubs in Camden Town lebte und den Londoner Club angeblich immer noch heimsucht („Jinny Bingham’s Ghost„). Die Lehrerin Christa McAuliffe, welche 1986 an Bord des Space-Shuttles Challenger war, das kurz nach dem Start in Cape Canaveral, Florida zerbrach („Silent Key“). Und zum Schluss wird Frank Turner noch einmal persönlich, als er mit „Rosemary Jane“ einen Song der eigenen Mutter sowie deren Mut widmet, sich gegen den emotionalen Missbrauch durch ihren Mann und Turners Vater zu wehren.

Was ’ne Liste, oder? Wobei: So ganz neu ist das Thema der „unbekannten Frauen mit spannenden Geschichten“ im Werk des emsigen Musikers, der 1981 in Bahrain geboren wurde, nicht, denn immerhin erschien etwa „Silent Key“ – wenn auch als alternative Version – bereits 2015 auf seinem Album „Positive Songs For Negative People“. Und auch Frank Turners Hang dazu, sich für soziale Belange einzusetzen und gegen Ungerechtigkeiten jedweder Art stark zu machen, dürfe Fans hinlänglich bekannt sein. Trotzdem wagt der britische Barde auf „No Man’s Land“ konsequent Neues, denn schließlich wirkten – bis auf ihn – sonst nur Frauen an dem Werk mit: Produzentin Catherine Marks (Manchester Orchestra, Foals, The Killers, The Wombats) an den Reglern, eine ausschließlich aus Damen bestehende Backing Band an den Instrumenten. Zusätzlich bringt der Turner-Frank auch noch einen eigenen Podcast an den Start, bei welcher er sich vertiefest und ausführlichst zu jedem der Songs äußert. Herausgekommen ist – im Windschatten von #metoo, „Mansplaining“ und all den Gender-Diskussionen – eine geballte Faust in Richtung Feminismus. Dass diese ausgerechnet von Sympath Frank Turner kommt, der mit dem stilistisch an das tolle „Postcards From Ursa Minor“ seines Buddies Will Varley erinnernden „No Man’s Land“ eine zumeist auf mit Akustikgitarre vorgetragenem Folk sowie mit Streicher-Arrangements und Jazz-Elementen angereicherte Rückbesinnung an ältere Großtaten wagt (einzig beim tollen „The Lioness“ darf hymnisch gerockt werden) und das gelungenste Album seit – mindestens – „Tape Deck Heart“ abliefert, ist umso erfreulicher. So machen Geschichtsstunden Spaß.

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Fences – „Songs About Angels“


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Immer diese Vorurteile… Wenn man sich Christopher Mansfield so anschaut, könnten einem in der Tat so einige Assoziationen durch Hirn schießen: Gehört der 35-jährige Musiker etwa – mit Vollbart sowie einem ordentlichen Plus an Gesichtstätowierungen – zur neusten Riege dieser Instagram-affinen Cloud Rapper? (Die Frage sei erlaubt, schließlich bin ich bei diesem Sub-Genre so ganz und gar nicht Teil der Zielgruppe…) Wird man ihn schon bald hinter dem Tresen einer großen US-Kaffeehauskette inmitten der aktuell freshsten Hipster-Community antreffen? Oder bahnt sich bei Blink-182  – oder einer x-beliebigen klanglich nahestehenden Kapelle – ein Besetzungswechsel am Mikrofon an? Hm… Wie bereits erwähnt: Vorurteile, Assoziationen, Hirnspinnerei.

81rz+zkVpkL._SY355_Doch weit gefehlt, vielmehr verkörpert Christopher Mansfield, dieser gesichtstätowierte Mützenträger, eine neue Generation vorgeblicher Bad Boys, die in (gefühlter) Wahrheit sonntags brav bei Schwiegermutti aus dem Blümchenporzellan schlürfen. Und ist an den anderen sechs Wochentagen schon seit gut acht Jahren Gesicht, Stimme und Hirn der aus Seattle, Washington stammenden Band Fences, hat unter diesem Alias unlängst Album Nummer drei, „Failure Sculptures„, in allen gut sortierten lokalen wie digitalen Plattenläden platziert. Darauf zu hören: zehn Stücke, die mit ihrer Mixtur aus poppigen Melodien und introspektiv-melancholischem Singer/Songwritertum in den besten Momenten an die frühen Lord Huron, (im Ansatz) Damien Rice, Elliott Smith, José González, Syd Matters oder die zurückgenommesten Lagerfeuermomente von Death Cab For Cutie (á la „I Will Follow You Into The Dark“) erinnern, in schwächeren Minuten ebenso zerfahren wirken, wie Mansfields enigmatische Begleitworte und die aus Ex-Death-Cab-Gitarrist Chris Walla, Jacquire King (Of Monsters And Men, Kings Of Leon, Norah Jones, Cold War Kids, Tom Waits…) sowie Ryan Lewis (die andere Hälfte des Macklemore-Phänomens) bestehende Produzentenliste vermuten lassen. Wäre „Failure Sculptures“ ein Film, dann wohl eine Art Road Movie über einen jungen Mann, der gern der Jack Kerouac des 21. Jahrhunderts wäre, am Ende des Streifens – und nach tausenden Kilometern, die er in (s)einer zerbeulten Schrottkiste allerlei Käffer dies- wie jenseits der US-Westküste entlang geschlichen ist – jedoch einfach von Leben und Liebe enttäuscht in Los Angeles ankommt – da hilft auch ein Gastauftritt von Mars Volta/At The Drive-In-Kopf Cedric Bixler-Zavala nicht weiter, ein wenig ratlos sind schlussendlich alle. You may sense a whole lotta indie-cred, I may call it half-baked Emo…

Und wenn’s schon etwas von Fences, zu denen noch Benjamin Greenspan (Gitarre), Lindsey Starr (Bass, Gesang) und Elliott Garm Chaffee (Schlagzeug) zählen, sein soll, darf man lieber zum 2010er selbstbetiteltem Debütalbum (dessen gefühlige, reduziert-balladeske Songs einen unweigerlich an Dallas Greens City And Colour denken lassen) sowie zum vier Jahre darauf erschienenen zweiten Werk „Lesser Oceans“ greifen, welches – nebst massig feinen Indie-Pop-Melodien – wiederum den (Zurecht-)Mini-Hit „Arrows“ enthält, bei dem ein gewisser Macklemore poppig-satte Rap-Parts beisteuerte. Oder die grandiose Eröffnungsnummer „Songs About Angels“, dessen Hooklines und Refrain man im Nachhinein tagelang kaum aus den Gehörgängen bekommen wird…

 

 

„Well, this life can be such a devil
So I wrote the songs about angels
I took my coat I went to the city
I drank and I dropped and isn’t it pretty

For you I would do anything…

I think that death is coming around
I like it, I like it…

Well, this life can be such a devil
So I wrote the songs about angels
A nightmare stuck in the catcher I’m weaving
So I sat in the car and dreamed about dreaming

For you I would do anything…

I think that death is coming around
I like it, I like it…

Chalk it up to bad luck
Just chalk it up to the lightness

I think that death is coming around

I think that death is coming around
I think that death is coming around
I like it, I like it…

Chalk it up to bad luck
Just chalk it up to the lightness…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Ra Ra Riot – „Dying Is Fine“ (Live Attic Sessions)


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Zugegeben: Es gibt auch in meinem musikalischen Kosmos massig Künstler und Bands, die ich noch gefühlt ewig in der „Ferner liefen“-Schublade liegen habe, einfach weil ebenjene bei den ersten zwei, drei Mal Reinhören klangen, als hätten sich Band A und B zur feuchtfröhlichen Jam-Session verabredet, bei der denn vor allem Stücke von Band C durchgeklöppelt wurden. Meint: irgendwie alles schon mal irgendwo gehört. Und selbst wenn’s am Ende zwar keineswegs schlecht tönen mag, klang doch wenig Neues an (oder zumindest nicht genug, um mich zum Weiterhören bewegt zu haben).

Ein kleiner Teil dieses Schubfachs war bislang stets für Ra Ra Riot reserviert. Denn obwohl die fünfköpfige Indierock-Band aus Syracuse, New York sich in den beinahe 15 Jahre ihres Bestehens als durchaus wandlungsfähig erwiesen hat, klingt ein Großteil ihrer Songs, die Frontmann Wes Miles (Gesang, Keyboard), Milo Bonacci (Gitarre), Mathieu Santos (Bass), Rebecca Zeller (Violine) und Kenny Bernard (Schlagzeug) auf nunmehr fünf Langspielern verteilen (zuletzt erschien erst vor wenigen Tagen „Superbloom„), als hätten sich die New Yorker Kosmopoliten von Vampire Weekend und die weltgrößten Stadionrock-Freaks von Arcade Fire eines sonnigen Sonntags zum teeseligen Jam getroffen, bei dem dann die – gefühlt – komplette Disco-taugliche und Classic-Rock-affine Pop-Historie dran glauben musste. Indie Rock meets Baroque Pop meets Indie Disse. Der Grat zwischen Kopfnicken und Lied wegskippen ist in diesem Fall ein recht schmaler…

600x600bfNichtsdestotrotz gibt es auch bei Ra Ra Riot Perlen im gefälligen Mittelmaß zu entdecken. Den Song „Dying Is Fine“ etwa, der durch seine Inspiration von einem Gedicht des US-Schriftstellers und -Dichters E. E. Cummings ebenso an Tiefe gewinnt wie durch eine dunkelironische wie tragische Randnotiz aus den Anfangstagen der Band, schließlich kam der damalige Schlagzeuger von Ra Ra Riot, John Ryan Pike, kurz vor Fertigstellung des dazugehörigen Debütwerks „The Rhumb Line“ bei einem (Bade)Unfall ums Leben. Ob man aus dem Stück, bei dem sich ein sonnig daher stapfender Indierock-Refrain mit der durch Rebecca Zellers Violine und Alexandra Lawns Cello geschaffenen Melancholie duelliert, oder aus den neun weiteren von „The Rhumb Line“, eine Art Abschiedsgruß an den verstorbenen Drummer (der übrigens „Dying Is Fine“ sowie weitere Songs noch selbst eintrommelte) heraushören mag, bleibt jedem freilich selbst überlassen – Hinweise würden Wes Miles‘ Texte zuhauf bieten. Andererseits waren es schon immer tragische Geschichten wie diese (bei der man etwa Parallelen zu „The Lost Riots“, dem grandiosen Erstling von Hope Of The States, ziehen mag), die der Musikhistorie große Werke außerhalb jeder „Ferner liefen“-Schublade geschenkt haben…

 

 

„To settle our thoughts
Never minding what for
Nothing of a harm to dread on my mind

Tell me what belies
Oh, tell me what I could have
Oh, tell me what for

No more of this living, dying
Just scientific analyzing
Forgive us, oh life
The sin of

Death, oh baby
You know that dying is fine but maybe
I wouldn’t like death if death were good
Not even if death were good

Is this it
Maundering about and
All I have is too much time to understand

That one can only love
Life until its ending
Oh, and I can’t forget

No more of this living, dying
Just scientific analyzing
Forgive us, oh life
The sin of

Death, oh baby
You know that dying is fine but maybe
I wouldn’t like death if death were good
Not even if death were good…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Thees Uhlmann – „Fünf Jahre nicht gesungen“


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Uhlo ist back! Satte sechs Jahre nach dem zweiten Solowerk „#2“ hat Thees Uhlmann (s)einen neuen Song „Fünf Jahre nicht gesungen“ veröffentlicht und gibt damit einen ersten musikalischen Vorgeschmack auf sein vor kurzem angekündigtes drittes Album „Junkies und Scientologen“, welches am 20. September – natürlich beim heimischen Grand Hotel Van Cleef – erscheinen wird (und in der Box-Set-Variante – nebst Vinyl sowie etlichen Gimmicks – wahlweise auch eine Bonus-Platte mit „8 unveröffentlichten deutschsprachigen Coverversionen“ enthält).

funf-jahre-nicht-gesungen.jpg„Fünf Jahre nicht gesungen“ nun beginnt mit einem hart angeschlagenen Keyboard, dessen Rhythmus verdammt an Foreigners „Cold As Ice“ erinnert – schon der Pressetext warnt davor, dass das aber auf die falsche Fährte führt. Wenn Uhlmanns unverkennbarer Gesang, der seit jeher die Lager spaltet, einsetzt, wird das viereinhalbminütige Stück in der Tat zum vertraut umarmenden Liedermacher-Indierock Uhlmann’scher Bauart. Im Text reflektiert der ehemalige Tomte-Frontmann und Jetzt-auch-Romanautor (das tatsächlich tolle „Sophia, der Tod und ich“ erschien 2015) die vergangenen paar (turbulenten) Jahre seines Lebens und stellt in Passagen wie „Und dann kam Silvester und mir wurde klar / Wenn der Sommer beginnt stirbt ein weiteres Jahr“ fest, wie vergänglich und schnell wandelbar alles ist.

Die Idee dazu kam dem Vertreter der Hamburger Schule nach eigener Aussage, als ihm im vergangenen Jahr klar wurde, dass er seit fünf Jahre keine neuen Songs geschrieben hatte und lange nicht mehr vor Publikum musizierte: „Wobei aus fünf Jahren ja schon fast sechs geworden sind, aber vor einem Jahr habe ich eben darüber nachgedacht, warum mir seit fünf Jahren nichts mehr eingefallen ist. Von daher mögen mir die Mathelehrer verzeihen, wie sie mir schon so viel verziehen haben.“ Der 45-jährige Wahl-Berliner empfiehlt augenzwinkernd: „Wenn Sie schlechte Laune haben, dann wird das genau Ihr Song sein. Und wenn Sie gute Laune haben, dann werden Sie sich freuen, wie schön es ist, keine schlechte Laune zu haben, aber auch gut, wenn bei den anderen so ein Song dabei raus kommt. So ist das eben. Das Leben ist kein Highway, es ist die B73!“

Und schon wird einem klar, wie sehr der ebenso trockene wie fein austarierte norddeutsche Humor des bekennenden St.-Pauli-Fans in den letzten Jahren gefehlt hat – dem tut die einmal mehr seeeehr spezielle Tracklist von „Junkies und Scientologen“ freilich keinen Abbruch:

01. Fünf Jahre nicht gesungen
02. Danke für die Angst
03. Avicii
04. Was wird aus Hannover
05. 100.000 Songs
06. Ich bin der Fahrer, der die Frauen nach Hip Hop Videodrehs nach Hause fährt
07. Junkies und Scientologen
08. Katy Grayson Perry
09. Menschen ohne Angst wissen nicht, wie man singt
10. Ein Satellit sendet leise
11. Die Welt ist unser Feld
12. Immer wenn ich an dich denke, stirbt etwas in mir

 

 

Im August, September und Dezember sind Thees Uhlmann und Band denn auch auf ausgedehnter Tour:

03.08. Hamburg, Theaterschiff (solo, ausverkauft)
13.08. Reutlingen, Franz.K
14.08. Worpswede, Music Hall
15.08. DK – Rømø, Cruise van Cleef (ausverkauft)
16.08. Kassel, Kulturzelt
17.08. Grosspösna, Highfield Festival
23.08. Essen, Zeche Carl Open Air

25.09. Rostock, Mau Club
26.09. Cottbus, Glad-House
27.09. Hamburg, Große Freiheit 36 (ausverkauft)
28.09. Berlin, Lido (ausverkauft)
29.09. München, Ampere (ausverkauft)
30.09. Köln, Stadtgarten (ausverkauft)

06.12. A – Wien, Gasometer
07.12. München, Tonhalle
08.12. Saarbrücken, Garage
10.12. Erlangen, Heinrich Lades Halle
11.12. Dortmund, FZW
12.12. Wiesbaden, Schlachthof
13.12. Stuttgart, LKA Longhorn
14.12. Berlin, Columbiahalle
16.12. Hannover, Capitol
17.12. Hamburg, Große Freiheit 36
18.12. Hamburg, Große Freiheit 36
19.12. Bielefeld, Lokschuppen
20.12. Bremen, Pier 2
21.12. Köln, Palladium

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Elliott Smith – „Say Yes“


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Dem regelmäßigen Leser dieses bescheidenen Blogs dürfte über die Jahre ja bereits meine zeitweise manische Hingezogenheit zur Musik eines gewissen Elliott Smith unter die Augen gekommen sein. Und da ich bereits zigfach an der ein oder anderen Stelle darüber geschrieben habe, möchte ich hierüber auch gar nicht mehr allzu viele Worte verlieren, und – gerade heute, da aus aktuellem Anlass – natürlich lieber seine Songs selbst sprechen lassen, denn an diesem Tag wäre Steven Paul Smith, der wohl auf ewig immens einflussreiche, leider viel zu früh verstorbene Singer/Songwriter, 50 Jahre alt geworden.

(Aus diesem Grund erschienen just heute auch erweiterte – digitale – Deluxe Editions der Alben „XO“ und „Figure 8“ – mehr Infos hier…)

Wer denn mehr lesen mag: hier gibt es einen ausführlichen Artikel, welcher sich auf Spurensuche in alle möglichen – sowohl biografischen als auch künstlerischen – Richtungen begibt, sowie hier einen recht lesenswerten anlässlich des 2017er Re-releases von Smiths wegweisendem Werk „Either/Or„. Oder eben die ausführliche Biografie „Torment Saint: The Life of Elliott Smith“ von William Todd Schultz in Buchform.

Wer mehr schauen mag: die 2015 erschienene Dokumentation „Heaven Adores You“ ist eine gute Anlaufstelle – sowohl für Smithologen als auch für Neueinsteiger.

Happy Birthday, Elliott. Und, ja klar: Danke für deine Musik. Du wirst vermisst. Gone but not forgotten. 🖤

 

 

Rock and Roll.

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