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„My Chancellorette“ – Tracey Ullman parodiert Angela Merkel


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Sicher, „wir“ mögen der amtierende Fussball-Weltmeister, mittlerweile wieder Export-Weltmeister und irgendwann einmal Pabst gewesen sein. Für unseren schallenden Humor sind „wir Deutsche“ allerdings nicht sonderlich berühmt. Mal ehrlich: Mario Barth, Atze Schröder, Cindy aus Marzahn, Carolin Kebekus, Bülent Ceylan, Olaf Schubert, Dieter Nuhr, Michael Mittermeier, Kaya Yanar? Euer Ernst? (Und vergebt mir, wenn ich da eure marginalen Favoriten nicht mit hinein geschmuggelt habe, das Lachen habe ich selbst mir bei meinen Landsleuten weitestgehend abgewöhnt.) Da wünscht man sich fast schon die seligen Zeiten zurück, als bei Altvorderen wie Loriot, Otto Waalkes, Hape Kerkeling, Mike Krüger oder Helge Schneider noch über Unschuldig-witziges gegrinst werden durfte. Geben wir’s zu: Wenn es um distinguierten, pointierten Humor mit Tiefgang geht, ist Deutschland längst drittklassig…

Wer auf dieser Seite des Atlantiks Besseres zur Lachmuskelmassage sucht (und ein wenig Fremdsprache nicht scheut), wird längst in Großbritannien – und da vor allem bei der altehrwürdigen BBC – fündig. „Mr. Bean„? Klar, ein sicherer Klassiker – quasi Londons Antwort auf Otto Waalkes. „The Office“ – die originale Steilvorlage für das, was wir Deutsche weniger später mit „Stromberg“ zweitverwertet haben (und das – auch dank Christoph Maria Herbst – zugegebenermaßen gar nicht mal sooo übel). „Little Britain“ – trotz seiner leider nur drei Staffeln immer noch genial.

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Aktuell dürfte Tracey Ullman wohl die beste und lustigste Comedy-Waffe sein, die die BBC zu bieten hat. Eine Newcomerin ist sie jedoch keineswegs, schließlich weist ihre Vita in den Achtzigern den ein oder anderen Erfolg als Sängerin auf (etwa mit den Songs „They Don’t Know About Us„, „Move Over Darling“ oder „Breakaway„), bevor sie ihrem späteren Ehemann, dem Produzenten Allan McKeown, in die USA folgte und dort mit der „Tracey Ullman Show“ und ihrem zweiten – und noch weitaus erfolgreicheren – Standbein, der Comedy, für Furore sorgte (und dafür etwa 1988 mit einem Golden Globe Award, mehrfachen Emmy- sowie American Comedy Award-Auszeichungen belohnt wurde).

Und mit ebenjener „Tracey Ullman Show“ (beziehungsweise, leicht abgewandelt in „Tracey Ullman’s Show“ und „Tracey Breaks the News“) ist Ullman nun seit 2016 – und nach 30 Jahren Abstinenz – wieder zurück bei der BBC. Darin verkörpert die mittlerweile 57-Jährige unter anderem Prominente wie Judi DenchCamilla Parker-Bowles oder Renée Zellweger und nimmt diese herrlich pointiert aufs Korn.

Ihre Paraderolle hat Tracey Ullman jedoch auf der anderen Seite des Ärmelkanals und im piefig-deutschen Bundeskanzleramt gefunden. Denn wie die Engländerin – im beigefarbenen Jackett und mit nahezu identischer Mimik – Angela Merkel nachahmt und zu Comedyzwecken noch ruppig-deutsches Verhalten und Seitenhiebe auf politische Weggefährten hinzufügt, sucht aktuell seinesgleichen. Stets begleitet von ihrer Assistentin Birgit (oder „Börgit“), welche das deutsche Regierungsoberhaupt immerzu mit „my Chancellorette“, „Angela, you are a true total hottie Frau“ oder „She is the white Beyoncé“ umschmeichelt, geraten Treffen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, Skype-Meetings mit US-Präsident Donald Trump oder Scharmützel mit ihrer schottischen Möchtegern-Doppelgängerin zu echten Attacken auf die Lachmuskeln. Selbst – oder gerade – für uns Sauerkrauts

(Wer mehr über Tracey Ullman wissen mag, dem sei dieser Artikel der „Welt“ aus dem vergangenen Jahr empfohlen.)

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Frightened Rabbit – „Fields Of Wheat“


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Die Frage, wo Frightened Rabbit politisch anzusiedeln sind, dürfte nicht schwer zu beantworten sein, immerhin stammt die Band aus der schottischen Arbeiterklasse. Von daher dürften Scott Hutchison und Co. nicht eben die größten Anhänger der britischen (Noch-)Premierministerin Theresa May sein…

Kaum verwunderlich ist auch, dass der Fünfer aus dem schottischen Selkirk, dessen aktuelles Album „Painting Of A Panic Attack“ im April letzten Jahres erschien, mit einem neuen Song (s)einen ganz eigenen Kommentar zur Großbritannien-Wahl vor ein paar Tagen abgibt, getagged mit #fuckthetories.

Der Titel des neuen Stücks, welches Frontmann Hutchison größtenteils allein an der Akustischen zum Besten gibt, hat die Band einer der vielen heuchlerischen Äußerungen Mays entnommen, welche diese in den Tagen vor der Wahl in die britischen Mikrofone palaverte: „Well, nobody is ever perfectly behaved, are they? I mean, you know, there are times when… I have to confess, when me and my friend, sort of, used to run through the fields of wheat. The farmers weren’t too pleased about that.“

Frightened Rabbit selbst gaben „Fields Of Wheat“ vor wenigen Tagen, als sie den Song via SoundCloud ins weltweite Netz stellten, folgende Worte mit auf den Weg:

„We made this today. It felt like the song should go out now, because it’s about what’s happening now, it’s about where we live and if we waited too long the sentiment could go stale. We don’t want to be too descriptive or conclusive here, our only hope is that you listen, enjoy and share it.

Thank you
FR“

 

 

 

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Rock and Roll.

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Song des Tages: Ten Fé – „Born Slippy .NUXX“


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Born Slippy“ von Underworld – schlappe 22 Jahre alt und doch ebenso zeitgeistig wie zeitlos wie die Szenen aus jenem Film, der den Song und Sound der britischen Elektro-House-Pioniere berühmt gemacht hat (oder war’s doch andersherum?): „Trainspotting„. Ach, was waren das doch für Zeiten! Musik aus „Cool Britannia“ war – von Oasis über Blur, The Verve und wenhastenochnichgehört – in aller Ohren, Kunst und Mode aus London, Manchester oder Liverpool waren der heißeste Scheiß ever und Tony Blair noch kein Kriegstreiber, Heuchler und Arschkriecher, sondern ein (scheinbar) cooler Typ, der sich mit den Spice Girls fotografieren ließ und die (Rock)Stars von morgen bereits heute in der Downing Street hofierte. Längst vorbei, das alles…

Und trotzdem passt es doch nur zu gut, dass Mark „Rent Boy“ Renton, „Spud“ Murphy, Begbie und „Sick Boy“ kürzlich mit „T2 Trainspotting“ ihre Leinwandrückkehr feierten. Erneut von Kultregisseur Danny Boyle in Szene gesetzt, ist die ehemalige Heroin-Gang aus dem schottischen Edinburgh zwar etwas grauhaariger und mehr in der Lebensmitte angekommen als noch im ersten Teil (zu dem ein gewisser Irvine Welsh 1993 die Romanvorlage lieferte), doch mindestens noch genauso neben der Spur.

Was also würde zu diesem Revival besser passen als eine Coverversion von „Born Slippy“? Okay, okay – braucht kein Mensch. Das Londoner Duo Ten Fé hat’s trotzdem getan. Und kommen mit ihrer Idee, die geradezu ikonische Synthiemelodie mit beinahe romantischen Gitarrenrifflinien zu ersetzen, in einer Kulisse an, in der New Order mit den Killers vereint werden. Außerdem kann die Tatsache, dass Ben Moorhouse und Leo Duncan ihr Debütalbum „Hit The Light“ just am gleichen Tag, an dem „T2 Trainspotting“ seine UK-Premiere feierte, veröffentlicht haben (es war der 3. Februar diesen Jahres), kein Zufall sein, oder?

 

 

Rock and Roll.

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Bandshirt des Tages


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(gefunden bei Facebook)

 

Irgendetwas ist doch faul an diesem Shirt, oder? Irgendetwas… aber ich komm‘ nicht drauf.

 

Rock and Roll.

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„Choose Love“ – Denn hinter anonymen Zahlen stecken Menschen und ihre Schicksale


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„Refugees, activists and actors come together to #chooselove

Bei all den Debatten über Flüchtlingsquoten, Migranten in einer für sie komplett neuen, westlichen Kultur sowie das generelle Für und Wider der Tatsache, dass wir nun plötzlich nicht mehr ganz für uns sind in unserer Wohlstandsgesellschaft vergessen wir oft, dass hinter all den anonymen Zahlen tatsächlich Menschen stecken. Menschen, die oft ihre Familien zurück gelassen oder – schlimmer noch – zu großen Teilen verloren haben. Menschen mit tragischen Schicksalen, die ohne das Zutun der westlichen Welt wohl nie und nimmer aus ihrer Heimat geflohen wären. Dass verachtenswerte Arschkrampen – Pardon my French – wie die Hohlköpfe von AfD und Co. die Ängste deutscher Bundesbürger ausnutzen und mit diesen böses Spiel treiben, macht das Ganze nur noch bitterer (soll hier aber nicht weiter ausgeführt werden, Diskussionen dazu gibt’s bereits anderswo zur Genüge)…

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Glücklicherweise gibt es jedoch Organisationen wie „Help Refugees„, welche es sich auf die Fahnen geschrieben haben, den etwa in Griechenland und im französischen Calais gestrandeten Flüchtlingen so gut es denn geht zu helfen – sowohl, was die Erstversorgung mit Nahrungsmittel betrifft als auch die medizinische Hilfe. Denn die Situation ist noch immer alles andere als unter Kontrolle:

„We are currently living in a refugee crisis unseen since the Second World War. The UN estimates that 65.3 million people are now refugees, seeking asylum, or internally displaced.“

Wer also gegen Ende des Jahres noch den ein oder anderen Euro übrig haben sollte und – gerade zu Weihnachten – mal etwas Sinnvolleres geben möchte das das x-ten Paar Socken oder den y-ten Flakon Parfüm, der darf sich gern folgenden Spot von „Help Refugees“ in Gedächtnis rufen und spenden, denn auch kleine Summen können viel bewirken – und sei es nur, um das eigene Karma ins Lot zu bringen. Danke gegebenenfalls schonmal von mir.

 

 

 

Rock and Roll.

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Auf dem Radar: Rag’n’Bone Man


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Mal ein kleines Experiment: Schaut euch den Herrn auf dem Bild an. Welchem musikalischen Genre würdet ihr ihn ganz spontan und per erstem optischen Eindruck zuordnen? HipHop vielleicht? Elektronische Gefilde gar? Bildet euch eure eigene Meinung… Und dann schaut euch das Musikvideo zur aktuellen Single „Human“ an (welches ihr auch weiter unten findet) – und seid wohlmöglich ebenso überrascht wie ich…

 

Ganz klar: Das Optische mag bei Rory Graham aka Rag‘n’Bone Man trügen. Die Stimme keinesfalls. Denn mit seinem herrlich rauen Gesangsorgan und einem umwerfenden Gespür für den richtigen Groove changiert der aus dem englischen Brighton stammende Newcomer scheinbar mühelos zwischen Blues, Soul, HipHop oder Funk hin und her.

Überhaupt: das Phänomen Blues. Entstanden in der afroamerikanischen Gesellschaft der USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts und in den folgenden Jahrzehnten von jeder Musikergeneration immer wieder neu interpretiert, verändert, wiederbelegt, modernisiert, aufgehübscht, recycled und wieder auf seine wesentlichen Bestandteile reduziert (u.a. wären da Gun Club, die White Stripes, die Black Keys, Kanye West oder Kendrick Lamar zu nennen), ist die amerikanische Ur-Musik, aus der einst Soul, Jazz, Rock’n’Roll, Jazz oder HipHop erwuchsen und immer mehr mit dem popkulturellen Massengeschmack verschmolzen, auch 2016 lebendig wie eh und je. Immer wieder widmen sich junge Musiker auf der ganzen Welt der Aufgabe, das musikalische Erbe der Muddy Waters, John Lee Hookers, Bo Diddelys, Howlin‘ Wolfs, Son House oder Big Bill Broonzys in der Gegenwart fortzuführen und dem Genre neue Wege in die Zukunft weisen. Einer der großen Hoffnungsträger und Erneuerer diesseits des Atlantiks trägt – ganz stilecht bluesig – den Namen Rag’n’Bone Man (deutsch: Lumpensammler).

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Zu seinem Künstlernamen ließ sich Graham von der britischen TV-Serie „Steptoe & Son“ inspirieren, welche in Großbritannien in den Sechzigern und Siebzigern gezeigt wurde. An diese Zeit erinnern auch seine vielen Tätowierungen, die man auch im bereits erwähnten Musikvideo zu „Human“ bestauen kann (auf den Knöcheln seiner Hände sind übrigens die Worte „Soul“ und „Funk“ unter die Haut gebracht). Der Song, welcher mit einem schleppenden Beat und Südstaaten-Blues-Samples startet, ist der erste Vorgeschmack aus dem Major-Debütalbum, das in Kürze erscheint (mit „Wolves“ erschien 2014 bereits sein Indie-Einstand, welchem 2015 die „Disfigured EP“ folgte). Dass der Mann Einiges an in die Wiege gelegtem Talent (die Mutter ist selbst Sängerin, der Vater Gitarrist), Charisma und Live-Präsenz mitbringt, welche sich kaum auf ein Genre beschränken mag, war ebenso beim Hamburger „Reeperbahn Festival“ im vergangenen Jahr zu sehen wie im kürzlich stattgefundenen „Montreux Jazz Festival„.

Ganz klar: Menschlichkeit hat viele Gesichter. Das von Rory „Rag’n’Bone Man“ Graham lehrt uns, einen Menschen nicht gleich auf dem ersten Eindruck fest und ad acta zu legen, während seine Stimme hoffentlich dafür sorgen wird, dass man ihn so schnell nicht wieder vergisst.

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Hier gibt’s das Musikvideo zur aktuellen Single „Human“…

 

…zum ebenfalls tollen Song „Bitter End“…

(alternativ hier ein Vimeo-Link)

 

…sowie selbiges Stück noch einmal in einer Live-Session-Varinate, mitgeschnitten während dem letztjährigen „Reeperbahn Festival“:

 

Rock and Roll.

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