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Song des Tages: Harmony Woods – „Best Laid Plans“


Bevor Sofia Verbilla begann, als Harmony Woods Musik zu machen, schleppte sie Freunde zu Konzerten in ihrer Heimatstadt Philadelphia, brachte Gleichaltrige mit der lokalen DIY-Szene in Berührung oder sehnte sich aus vollstem Teenagerherzen danach, ihre lokalen Indie-Rock-Helden zu treffen. Inspiriert von denselben Bands, zu deren Musik sie gern selbst durch den Moshpit sprang, schrieb Verbilla schließlich im Alter von 16 Jahren ihre ersten eigenen Songs. Und spielte bereits kurze Zeit später, mit 18, Solosets in derselben Location, das auch die Mitglieder von Modern Baseball einst ihr Homebase bezeichneten. Angesichts der umtriebigen DIY-Szene Phillys ist es so kaum verwunderlich, dass einige der Bandmitglieder ihr sogar bei den Aufnahmen zu Harmony Woods‘ 2017er Debütalbum „Nothing Special“ halfen. Jenes fand durchaus schnell Anklang, denn entgegen des tief stapelnden Albumtitels hatte Verbilla nämlich sicherlich etwas Besonderes an sich – mit ihrer kristallklaren Stimme und ihren aufrüttelnden Mitten-aus-dem-Teenagerleben-Texten schien sie bestens darauf vorbereitet, eine feste Größe in der Emo-meets-Indie-Rock-Szene von Philadelphia zu werden…

Der Titel von Harmony Woods‘ 2019 erschienener Nachfolger-LP „Make Yourself At Home“ ist bei genauerer Betrachtung weitaus weniger einladend, als es zunächst scheint: “So make yourself at home / Although you weren’t invited”, singt Verbilla in der Leadsingle „Best Laid Plans“. Es ist die Art von passiv-aggressivem Kommentar, den man jemandem entgegnen könnte, der nach einer gut gemeinten Einladung ein paar Nächte zu viel auf der eigenen Couch verbracht hat, aber auch die recht treffende Zusammenfassung eines Albums, welches sich zu einem guten Teil mit Selbstsabotage beschäftigt. Verbilla singt darüber, dass sie zu viel emotionale Aufmerksamkeit an Menschen verschwendet, die es nicht unbedingt verdienen, oder – in ihren eigenen, Meme-gerechten Worten – deren toxisches Verhalten romantisiert. Schritt für Schritt lernt auch sie, ihr eigenes Wohlbefinden in den Vordergrund zu stellen, und „Make Yourself At Home“ zeigt manches Mal die hässliche Seite dieses Lernprozesses auf.

Verbilla ist eine berührende Lyrikerin; ihre Worte sind unverblümt, unglamourös und oft anschauliche, tagebuchgleiche Erinnerungen an erlebte Traumata. “I can’t feel safe around you / Not when you’re like this“, klagt sie etwa in „Misled“, als würde sie den Schmerz direkt aus ihrer Kindheit kanalisieren: “When I was young / My mother’s lover acted the same exact way”. Das Album beschreibt auch den quälenden Prozess der Aufarbeitung einer missbräuchlichen Beziehung, mit Anspielungen auf häusliche Gewalt und Gaslighting. “You slam the car door shut accidentally / Profusely apologize / You say, ‘That’s not like me’”, singt sie in „The City’s Our Song„, mit genug Weitsicht, um zu erkennen, dass dies tatsächlich charakteristisch für ihr Thema war. „Now all I want is the truth / But you’re frightening me instead / You say, ‚I think you’ve been misled'“, wie es in „Misled“ heißt. Verbilla setzt regelmäßig die Dialoge ihrer emotionalen Antagonisten ein, und wohl auch deshalb fühlt sich „Make Yourself At Home“ genauso sehr nach einem Album aus deren Blickwinkel an wie aus ihrem.

Außerdem erweist sich die damals 20-Jährige auch als Fan des „Recyclings“ eigener Songtextzeilen: „Seasons change, people stay the same“, sinniert sie sowohl in „Best Laid Plans“ als auch im Abschlussstück „Halt“. „One day we will die / And only ghosts will be our friends„, singt sie in „The City’s Our Song“, nur um diesen melancholisch getränkten Gedanken im anschließenden „Ghosts“ wieder aufzugreifen. Auf den ersten Blick mag das vielleicht etwas einfallslos wirken, aber bei wiederholtem Hören wird klar, dass genau das Gegenteil der Fall sein dürfte und dies einfach Verbillas Mantren über Menschlichkeit und Sterblichkeit sind. Je mehr Schmerz sie offenbart („Another trauma I’ll have to unpack“, emo-klagt sie in „Burden“), desto mehr Gewicht haben ihre wiederkehrenden Worte. Wer hier an Singer/Songwriterinnen wie Julien Baker, Phoebe Bridgers oder Lucy Dacus denkt, der liegt wohl gar nicht mal so falsch.

Perfekt ist ihr zweites Album dabei keineswegs. Während Verbilla im Poetischen ihre Stärken beweist, muss sie als Musikerin hier erst noch in Schwung kommen. „Best Laid Plans“ und „The City’s Our Song“ mögen mit dynamischen Refrains überzeugen, auf Albumlänge sind ihnen nur wenige Momente ebenbürtig. Kompositorisch ist „Make Yourself At Home“, welches von Chris Teti (The World Is A Beautiful Place and I Am No Longer Afraid To Die) produziert wurde, im Gros eher einfach gehalten: Es gibt mehr Powerchords als vertrackte Riffs, und die meisten Hooks sind ein wenig zu simpel, um länger hängen zu bleiben. Doch so leicht es sein mag, Harmony Woods die fehlende Komplexität im Musikalischen anzukreiden, so einfach ist es, Sofia Verbilla zu verzeihen, wenn man tiefer im Herzblut ihrer Erzählungen gräbt und abschließende, so, so wahre Zeilen wie “Somebody else won’t make me feel at ease / I had to love myself before you could love me” hört. (Übrigens dürfte sich die Indie-Musikerin diesen Kritikpunkt tatsächlich auch selbst zu Herzen genommen haben, schließlich klingt das in diesem März erschienene dritte, von Bartees Strange produzierte neue Album „Graceful Rage“ deutlich indierockig-komplexer und mehr nach Full Band denn nach einsamem Kämmerlein…)

„Fancy seeing you here
All by yourself
Sitting in the low light
The fractals in your eyes dancing around

Say, are you lonely?
You look like you could use some company
But I’m not one to make the first move
Then again neither are you

So make yourself at home although you weren’t invited
Seasons change, feelings stay the same
Incapable of thoughtful, conscious choices
Seasons change, people stay the same
But I think that’s for another day

So I ask how you’ve been
You snicker and say
‚It can always be worse
But shit’s been pretty rough these days‘

By now, I’ve detected
You’re slurring your speech
You’re grabbing your keys
You’re starting to leave
I impulsively say, ‚You should come with me‘

So make yourself at home although you weren’t invited
Seasons change, feelings stay the same
Incapable of thoughtful, conscious choices
Seasons change, people stay the same
But I think that’s for another day

‚The best laid plans of mice and men often go awry‘
Despite all this, I still want you here by my side“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Adult Mom – „Sober“


Foto: Promo / Daniel Dorsa

Stevie Knipe meldet sich mit ihrem DIY-Soloprojekt Adult Mom zurück und wird in wenigen Tagen „Driver„, ihr erstes neues Album seit der Trennung von ihrem mittlerweile auf Eis liegendem Label Tiny Engines und den Nachfolger zum 2017er Werk „Soft Spots„, veröffentlichen. Mit der Auskopplung „Sober“, welches ebenso wie die bereits im Februar 2020 erschienene Single „Berlin“ auf dem neuen, dritten Album zu hören sein wird, kann man sich bereits jetzt einen ersten Eindruck von den neuen Songs des Indie-Pop-Projekts aus Purchase, New York machen.

Passenderweise konzentriert sich auch „Sober“ auf die Nachwirkungen einer zerbrochenen Beziehung, wobei Knipes Erzählerin sich von jemandem entfernt, den sie schlicht nicht mehr liebt. Ihr Keyboard und ein Drum-Machine-Beat geben zunächst den Ton an, während Knipe die Situation mit unerschrockener Ehrlichkeit und einer Prise schwarzem Humor einschätzt: „The only thing that I’ve done / This month is drink beer and / Masturbate, and ignore / Phone calls from you / What else am I supposed to do?“. Treibende Indie-Rock-Gitarren treten darauf den Song vorwärts, bis Knipe schließlich einen letzten Schlussstrich zieht: „Now I don’t even think of you / When I am sober“. Das Musikvideo zu „Sober“, bei dem Maddie Brewer Regie führte und das von Noah Gallagher animiert wurde, zeigt in ruhigen, lebendigen Bildern, wie jemand schmerzhafte Erinnerungen und ungesunde Trinkgewohnheiten hinter sich lässt und sich auf eine Reise der Selbstfindung begibt, die sich langsam aber sicher in etwas ziemlich Surreales verwandelt. Und passend findet auch musikalisch eine Reise statt: das Stück beginnt als reduzierter Bedroom Pop und wandelt sich dann zum angenehmen Power-Pop-Understatement.

Knipe hat „Driver“ zusammen mit Kyle Pulley (Shamir, Diet Cig, Kississippi) co-produziert, während befreundete Künstler wie Olivia Battell und Allegra Eidinger bei der Arbeit an den zehn Stücken halfen. Das Album, welches „den Soundtrack zu jener queeren Liebeskomödie liefert, von der sie seit 2015 träumte“, wie es in einer Pressemitteilung heißt, folgt auf das 2015er Debüt „Momentary Lapse Of Happily„, das gut drei Jahre zurückliegende Zweitwerk „Soft Spots“ sowie einige EPs, die Stevie Knipe zwischen 2012 und 2014 veröffentlichte. „Driver“, das auf Epitaph erscheint, wird außerdem die erste Langspieler-Veröffentlichung von Adult Mom auf einem anderen Label als Tiny Engines sein, das zusammenbrach, nachdem Stevie Knipe und eine Reihe anderer Unterzeichner*innen die Label-Macher im Jahr 2019 beschuldigten, unter anderem Zahlungen an die unter Vertrag stehenden Künstler*innen zurückzuhalten. Nun wagt Stevie „Adult Mom“ Knipe einen Neustart, und dieses Mal sitzt sie am Steuer.

Rock and Roll.

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Der Jahresrückblick – Teil 2


(Illustration: Rae Pozdro)

Wie zum Ende bisher jeden Jahres seit… – Ja, wann eigentlich? Gefühlt bereits seit etwa 20 Lenzen! – gingen auch in den letzten Tagen von 2020 meine mittlerweile “traditionellen” Jahresmixtapes an die ersten Empfänger raus. Einziges Konzept, wie immer: die Songs mussten nicht zwingend von 2020 stammen, mich jedoch in diesem Jahr begeistert, erfreut, bewegt etc. haben. Und das ist bei diesen 62 Stücken beziehungsweise mehr als drei Stunden Musik zweifellos der Fall. Außerdem dürften auch hier die regelmäßigen Blogwärte – sorry für den kleinen infantilen Wortwitz, der musste mal eben wieder an die frische Luft – aufmerken, denn der ein oder andere Song könnte ihnen natürlich durchaus bekannt vorkommen…

Drei Mal querbeet durch meinen Kosmos der gehobeneren musikalischen Unterhaltung 2020, á la ANEWFRIEND – hier die Tracklists zum Nachjagen, Aufstöbern und Nachbasteln…

Vol. 1

1.  Intro

2.  Craig Alan Hughes – Nature Boy

3.  Bright Eyes – Persona Non Grata

4.  The Drew Thomson Foundation – A Little More Time

5.  Martha – Love Keeps Kicking

6.  Frances Quinlan – Rare Thing

7.  Daði og Gagnamagnið – Think About Things

8.  Man Man – Cloud Nein (edit)

9.  City At Dark – One By One

10. Sleigh Bells – Where Did You Sleep Last Night?

11. Anna Coddington – Little Islands

12. The Birthday Suit – A Bigger World (feat. Scott Hutchison)

13. Spanish Love Songs – Beach Front Property

14. Dogleg – Ender

15. VAR – Where To Find You

16. The Howl & The Hum – Godmanchester Chinese Bridge

17. Cascade Lakes – Two Of Us

18. Gabby’s World – I Admit I’m Scared

19. Love – Everybody’s Gotta Live

20. Gerry Cinnamon – Sun Queen

21. Matt McGinn – Bubblegum (feat. Ciara O’Neill)

22. Paolo Nutini – Iron Sky (Abbey Road Live Session)

23. Outro

Vol. 2

1.  Intro

2.  Sleeping At Last – Lullaby

3.  Phoebe Bridgers – Punisher

4.  Fenne Lily – Berlin

5.  Petal – Comfort

6.  Asaf Avidan – The Labyrinth Song

7.  Blueneck – Pneumothorax

8.  Alex Lahey – Welcome To The Black Parade (live on Triple J)

9.  The Raconteurs – Blank Generation

10. José Feliciano – California Dreamin’

11. Nancy – I Wanna Be Your Dog

12. The Struts – Could Have Been Me

13. King Hannah – Crème Brûlée

14. The Mynabirds – Glory Box

15. Michael Shynes feat. Anica – Heart Of Glass

16. SASAMI – Toxicity

17. Lotte Kestner – True Faith

18. Staring Girl – In einem Bild

19. Lina Maly – Zauberland

20. Fugitive Dancer – Autumn Sky

21. Brittany Howard – You’ll Never Walk Alone

22. Phoebe Bridgers – I Know The End

23. Outro

Vol. 3

1.  Intro

2.  KennyHoopla – ESTELLA// (feat. Travis Barker)

3.  Fuel Fandango – Salvaje (live)

4.  Lizzy Farrall – Sabotage

5.  The Black Sherrys and Jade Castrinos – I Don’t Want You

6.  Motorkopp – Maradona

7.  KARLSSON – Hundeleben

8.  Touché Amoré – Limelight (feat. Andy Hull)

9.  Sperling – Über Regen

10. Young Elk – Murrender

11. Cry Monster Cry – Things We Can’t Take Back

12. Chris Cornell – Patience

13. Bruce Springsteen – House Of A Thousand Guitars

14. Deep Sea Diver – Impossible Weight (feat. Sharon van Etten)

15. Matt Berninger – One More Second

16. Chip Taylor & The New Ukrainians – Fuck All The Perfect People

17. Sløtface – New Year, New Me

18. John K. Samson – Fantasy Baseball At The End Of The World

19. Talitha Ferri – Tribute To Her (live session)

20. Fuel Fandango – Toda la vida (acoustic session)

21. Elayna Boynton – Cone Healing

22. Outro 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: „A Brief Smile – Tribute to Elliott Smith“


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Fast 17 Jahre sind seit dem tragischen Tod von Singer/Songwriter Elliott Smith vergangen, erst vor wenigen Tagen erschien eine „Expanded 25th Anniversary Edition“ seines 1995 – vor eben einem Vierteljahrhundert – veröffentlichten selbstbetitelten zweiten Solo-Albums, und nach all dieser Zeit wissen Freunde gepflegt-melancholischer Songwriterkunst die Schönheit seiner Musik noch immer zu schätzen (in Musikerkreisen bewies dies unlängst etwa Phoebe Bridgers auf ihrem aktuellen Album „Punisher„). Und auch die durchaus namenhafte Künstlerriege, die zu „A Brief Smile – Tribute to Elliott Smith“ beitrug, einer 2017 von der Berliner „creative diy music company“ Funk Turry Funk veröffentlichten Tribute-Compilation, deren Erlöse dem Elliott Smith Memorial Fund, einer Stiftung, die sich sowohl für Opfer von Kindesmissbrauchs als auch für jugendliche Obdachlose einsetzt, zugute kommen, tut dies gewiss…

Klar, ein wenig Ehrfurcht mag man an mancher Stelle schon heraushören, wenn sich einige der zwanzig Beiträge nicht allzu weit von Smiths Originalkompositionen weg bewegen und sich damit zufrieden geben, „einfach nur Coverversionen“ zu sein. Logischerweise wird es gerade dann interessant, wenn Künstler versuchen, dem ein oder anderen Smith’schen Evergreen neue Aspekte abzugewinnen. The Smoking Popes etwa machen aus „Let’s Get Lost“ eine schlagkräftig-fröhliche Punk-Nummer, während Daria „Waltz #1“ einen Doom-Metal-Stempel aufdrücken – und bei aller Genre-Abweichung damit durchkommen.

Für aufgestellte Lauscher sorgt auch SEA+AIRs Variante von „Everything Means Nothing To Me“, welche ebenso zurückhaltend wie wirbelnd psychedelisch daher kommt. Das deutsche Indie-Pop-Duo verändert das eigentliche Arrangement nicht allzu sehr und spielt vielmehr auf effektiv-spookige Art und Weise mit selbigem, was für eine dezent beunruhigende Atmosphäre sorgt. Auf der anderen Seite tönt etwa Ducking Punches‘ „Needle In The Hay“ etwas enttäuschend, denn Dan Allens Gesang kann in keinem Moment das Pathos von Elliott Smiths ursprünglicher Darbietung vermitteln.

John Allens „Between The Bars“ und Franz Nicolays „Everything Reminds Me Of Her“ werden von den gewohnt großartigen Darbietungen der beiden Sänger getragen, während Rob Moirs „Bled White“ ein schönes Duett mit Abigail Lapell bietet. Andrew Paleys Version von „Waltz #2“ wirkt durch seine vorsichtig fließenden Synthesizer und das leise klingende Klavier etwas romantischer als das Original. Ebenjene Beiträge beweisen, dass es durchaus möglich ist, dem emotionalen Gefühlsgewicht hinter Smiths Gesang gerecht zu werden – kein ganz leichtes Unterfangen, denn auch heute noch wird der Musiker von nicht wenigen als John Lennon seiner Generation gefeiert.

Alles in allem schlägt „A Brief Smile“, welches via Bandcamp im Stream sowie als „name your price“-Download zu finden ist (während man hier etwas mehr über die Hintergründe erfährt), in eine recht ähnliche Kerbe wie die ein Jahr zuvor erschienene Tribute-Compilation „Say Yes!“ und wird weder Kenner der Elliott Smith’schen Diskographie noch Neulinge des wegweisenden, zu früh gestorbenen  Singer/Songwriters über alle Maßen überraschen. Dennoch gibt es auch hier die ein oder andere durchaus gelungene Würdigung zu hören. Und wem das nicht reichen mag, der sei daran erinnert, dass alle Erlöse einem guten Zweck zugute kamen (und kommen).

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Rock and Roll.

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Der Jahresrückblick – Teil 2


Wie zum Ende bisher jeden Jahres seit… – Ja, wann eigentlich? Gefühlt bereits seit etwa 20 Lenzen! – gingen auch in den letzten Tagen von 2019 meine mittlerweile “traditionellen” Jahresmixtapes an die ersten Empfänger raus. Einziges Konzept, wie immer: die Songs mussten nicht zwingend von 2019 stammen, mich jedoch in diesem Jahr begeistert, erfreut, bewegt etc. haben. Und das ist bei diesen 62 Stücken beziehungsweise mehr als drei Stunden Musik zweifellos der Fall. Außerdem dürften auch hier die regelmäßigen Blogwärte – sorry für den kleinen infantilen Wortwitz, der musste mal eben wieder an die frische Luft – aufmerken, denn der ein oder andere Song könnte ihnen natürlich durchaus bekannt vorkommen…

Drei Mal querbeet durch meinen Kosmos der gehobeneren musikalischen Unterhaltung 2019, á la ANEWFRIEND – hier die Tracklists zum Nachjagen, Aufstöbern und Nachbasteln…

 

Vol. 1

1.  Intro

Vol. 1 Kopie

Coverfotografien: Tim Swallow Photo

2.  Karen O – Bullet With Butterfly Wings

3.  Frittenbude – Die Dunkelheit darf niemals siegen (feat. Jörkk Mechenbier)

4.  The Bates – Helter Skelter

5.  BRUTUS – War

6.  Antillectual – Truth Hits Everybody

7.  Lo Tom – Overboard

8.  SWMRS – Lose It

9.  The Moth & The Flame – The New Great Depression

10. ANOHNI – In My Dreams

11. Hozier – Movement

12. Caracara – Evil

13. MakeWar – Don’t Panic

14. Rogers – L’amour toujours

15. Mark Ronson & Miley Cyrus – Nothing Breaks Like A Heart (acoustic)

16. Dan Mangan – Fool For Waiting

17. Sidsel Endresen & Bugge Wesseltoft – Try

18. Advance Base – Dolores & Kimberly

19. Bear’s Den – Crow

20. Schreng Schreng & La La – Mit dem Rücken zur Nacht

21. Karen O – Anti-Lullaby

22. Outro

 

Vol. 2

1.  IntroVol. 2 Kopie

2.  Fences – Songs About Angels

3.  Why? – These Few Presidents

4.  David Ros – Take A Walk On The Wild Side

5.  Wintersleep – The Lighthouse

6.  A.T. White – Racehorse (feat. Ghostlight)

7.  Mosa Wild – Night

8.  Black Pumas – Colors (live at The Current)

9.  An Horse – This Is A Song

10. Frank Turner – The Lioness

11. Norbert Buchmacher – Laut geträumt

12. Matt Simons – Amy’s Song

13. Lennon Stella – Kids

14. David O’Dowda – The World Retreats

15. Daughter – Poke

16. Seafood – Porchlight

17. Jade Bird – Love Has All Been Done Before

18. Noah Cyrus – July

19. Jeanette Biedermann – iD

20. 8kids – Dein Zuhause

21. Dodie Clark – Golden Slumbers

22. Christian Lee Hutson – Northsiders

23. Lana Del Rey – Hope Is A Dangerous Thing For A Woman Like Me To Have – But I Have It

24. Outro

 

Vol. 3

1.  IntroVol. 3 Kopie

2.  Cherry Glazerr – Ohio

3.  Sam Fender – Will We Talk?

4.  Thees Uhlmann – Fünf Jahre nicht gesungen

5.  Lilly Hiatt – Records

6.  Joseph – Green Eyes (live session)

7.  Better Oblivion Community Center – Dylan Thomas

8.  Josienne Clarke – Slender, Sad & Sentimental

9.  R.E.M. – Let Me In (Remix)

10. Roxy Music – In Every Dream Home A Heartache

11. Future Teens – Emotional Bachelor

12. Greet Death – You’re Gonna Hate What You’ve Done

13. Steiner & Madlaina – Groß geträumt

14. Mick Flannery – Fuck Off World

15. Fayzen – Von ganz allein (feat. Clueso)

16. Schrottgrenze & Sookee – Traurige Träume

17. Sam Fender – Dead Boys

18. Stereo Jane – Love Me Tender

19. Cross Record – I Release You

20. Tua – Wenn ich gehen muss

21. Cookie Baker – No Need To Argue

22. Outro

 

Rock and Roll.

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„Girls to the front!“ – Die Dokumentation „The Punk Singer“ über „Riot Grrrl“-Sprachrohr Kathleen Hanna


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Sie gilt als „Rebel Girl“ und „Punk Feminist“. Als die Symbolfigur der Riot Grrrl-Bewegung Anfang der Neunzigerjahre und vereint feministische „Pro Choice!“-Revolution mit lautstarkem Punk Rock: Kathleen Hanna. Die 2013 erschienene Dokumentation „The Punk Singer“ zeichnet ein gleichsam persönliches wie einzigartiges Bild der Frontfrau von Bikini Kill, Le Tigre und The Julie Ruin.

 

„I’ve always thought that ‚punk‘ wasn’t really a genre. My band started in Olympia where K Records was and K Records put out music that didn’t sound super loud and aggressive. And yet they were punk because they were creating culture in their own community instead of taking their cue from MTV about what was real music and what was cool. It wasn’t about a certain fashion. It was about your ideology, it was about creating a community and doing it on your own and not having to rely on, kinda, ‚The Man‘ to brand you and say that you were okay.“

(Kathleen Hanna)

 

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Zwanzig Jahre Filmmaterial visualisieren mit collagenhaften Rückblenden sowie zahlreichen Interviews und Konzertausschnitten den Kampf für Frauenrechte und weibliche Selbstbestimmung sowie gegen Gewalt, Sexismus und männlichen Machismus. Die via Kickerstarter finanzierte Dokumentation von Regisseurin Sini Anderson taucht noch einmal ein in den DIY-Zeitgeist der frühen Neunziger und in eine ebenso wilde wie kreative Keimzelle, welche während dieser Zeit im US-amerikanischen Nordwesten um Portland, Olympia und Seattle herum entstand, und aus der eben nicht nur Bands wie Pearl Jam, Soundgarden oder Nirvana hervorgingen, sondern eben auch Bikini Kill. (Übrigens: Der Legende nach hätte es Nirvanas Grunge-Evergreen „Smells Like Teen Spirit“ ohne Kathleen Hannas Zutun so nie gegeben, schließlich entstand der Songtitel, als Hanna, die damals gut mit Frontmann Kurt Cobain befreundet war, den Satz „Kurt Smells Like Teen Spirit“ – auf deutsch: „Kurt riecht nach Teen Spirit“ – an eine Wand in dessen Wohnung schrieb, da Cobain nach dem Deodorant namens „Teen Spirit“ roch, welches seine damalige Freundin Tobi Vail benutzte. Cobain gefiel die Implikation des Satzes, also verwendete er ihn schließlich als Songtitel. Der Rest? Ist allseits bekannte Musikgeschichte.) Und obwohl gerade Bikini Kill zwar einflussreich, bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1997 jedoch lediglich leidlich kommerziell erfolgreich waren, machte gerade ihr Wirken Bands wie Pussy Riot (gerade bei den radikalen russischen Aktivistinnen ist der Einfluss unverkennbar), Gossip, Petrol Girls, War On Women oder Screaming Females erst möglich, während auch bei mit Lust die Grenzen der Konventionen sprengenden Künstlerinnen wie Amanda Palmer, Kate Nash und Miley Cyrus Hanna’sche Einflüsse deutlich erkennbar sind…

MV5BMjEzNzQxNzUxNF5BMl5BanBnXkFtZTgwMDY5MTY1MDE@._V1_UY1200_CR90,0,630,1200_AL_.jpgNeben Hanna selbst lässt Regisseurin Sini Anderson in ihrer 80-minütigen Dokumentation auch Freunde und Wegbegleiter wie Kim Gordon (Sonic Youth), Joan Jett (The Runways, Joan Jett & the Blackhearts), Carrie Brownstein und Corin Tucker (Sleater-Kinney), Johanna Fateman (Le Tigre) oder Ehemann Adam Horovitz (Beastie Boys) zu Wort kommen. Kathleen Hanna selbst nutzte vor einigen Jahren den Film, um ihr langjähriges Schweigen zu beenden und den tatsächlichen Grund ihres Rückzugs aus dem Rampenlicht im Jahr 2005, als sich ihre neue Electropunk-Band Le Tigre anschickte, größere Erfolge zu feiern und als neues Sprachrohr der LGBTQ-Bewegung zu etablieren, zu erklären. Denn obwohl es um das einstige Gesicht der Riot Grrrls still geworden sein mag (ihr letztes kreatives Lebenszeichen war 2016 das The Julie Ruin-Album „Hit Reset„), macht „The Punk Singer“ eines deutlich: heute wie damals nimmt die mittlerweile 50-jährige Ex-Bikini Kill-Frontfrau (politisch) kein Blatt vor den Mund. All girls to the front!

(Übrigens: Für all diejenigen, denen der Name Kathleen Hanna bislang rein gar nichts sagte, haben die Kollegen des ByteFM Blog eine musikalische Übersicht von „Kathleen Hanna in fünf Songs“ zusammengestellt. Feine Sache, das. Allen anderen sei so oder so der Soundtrack zu „The Punk Singer“ empfohlen.)

 

Hier gibt’s den Trailer…

 

…und hier „The Punk Singer“ komplett im Stream:

 

 

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Foto: Allison Michael Orenstein

 

Rock and Roll.

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