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Was kommt, was ist angekündigt? – Der Veröffentlichungskalender 2023


Same procedure as every year – Das neue Jahr ist erst wenige Tage jung, wirft jedoch bereits – auch in Punkto Albumneuerscheinungen – den ein oder anderen langen Schatten voraus. Damit ihr auch 2023 nicht ganz und gänzlich den Überblick verliert, fasst ANEWFRIEND als kleinen Service für euch wieder so einige relevante Ankündigung knapp und übersichtlich zusammen.

Nachdem sich die Kulturbranche im vergangenen Jahr so langsam von der knapp zwei Lenze andauernden Pandemie erholte und wieder so einige Konzerte und Festivals stattfanden (wenngleich etwa steigende Kosten ganz neue Problemfelder eröffneten), zeigte sich auch im 2022er Veröffentlichungskalender, dass Künstler*innen und Bands seit 2020 – beinahe zwangsläufig, denn irgendwie mussten wir alle ja ungewohnt viel Zeit „totschlagen“ – deutlich mehr Stunden, Tage und Wochen in Proberäumen und Aufnahmestudios verbracht haben (und das ein oder andere tolle Album mehr aufgenommen haben). Den Hörer, den Fan, den Musikliebhaber freut so etwas freilich – da bleibt zu hoffen, dass ein paar kreative Ideen übrig geblieben sind und auch die Tage bis Dezember 2023 wieder das ein oder andere fulminant tönende Glanzlicht bereit halten werden… Also denn: ANEWFRIEND ist gespannt, ANEWFRIEND bleibt auch im elften Blogjahr (oder sogar schon zwölften – je nachdem, wie man’s betrachtet) maximal neugierig!

JANUAR 2023

Iggy Pop – Every Loser (VÖ 06.01.2023)

The Baboon Show – God Bless You All (VÖ 13.01.2023)

Belle and Sebastian – Late Developpers (VÖ 13.01.2023)

Staring Girl – Schräg fällt das Licht (VÖ 13.01.2023)

The Subways – Uncertain Joys (VÖ 13.01.2022)

John Cale – Mercy (VÖ 20.01.2023)

July Talk – Remember Never Before (VÖ 20.01.2023)

Riverside – ID. Entity (VÖ 20.01.2023)

We Are Scientists – Lobes (VÖ 20.01.2023)

Friedemann – Naiß (VÖ 27.01.2023)

Fucked Up – One Day (VÖ 27.01.2023)

Pascow – Sieben (VÖ 27.01.2023)

FEBRUAR 2023

DeWolff – Love, Death & In Between (VÖ 03.02.2023)

Donots – Heut ist ein guter Tag (VÖ 03.02.2023)

The Go! Team – Get Up Sequences Part Two (VÖ 03.02.2023)

George Hennessey – If You Can’t Find What You’re Looking For Please Ask (VÖ 03.02.2023)

The Notwist – Vertigo Days – Live from Alien Research Center (VÖ 10.02.2023)

Paramore – This Is Why (VÖ 10.02.2023)

Schrottgrenze – Das Universum ist nicht binär (VÖ 10.02.2023)

Yo La Tengo – This Stupid World (VÖ 10.02.2022)

dEUS – How To Replace It (VÖ 17.02.2023)

Rhonda – Forever Yours (VÖ 17.02.2023)

Screaming Females – Desire Pathway (VÖ 17.02.2023)

Algiers – Shook (VÖ 24.02.2023)

Death Valley Girls – Islands In The Sky (VÖ 24.02.2023)

Elderbrook – Little Love (VÖ 24.02.2023)

Gorillaz – Cracker Island (VÖ 24.02.2023)

Hundred Reasons – Glorious Sunset (VÖ 24.02.2023)

Philip Selway – Strange Dance (VÖ 24.02.2023)

Shame – Food For Worms (VÖ 24.02.2023)

Team Scheisse – 042124192799 (VÖ 24.02.2023)

MÄRZ 2023

AnnenMayKantereit – Es ist Abend und wir sitzen bei mir (VÖ 03.03.2023)

The Veils – …And Out Of The Void Came Love (VÖ 03.03.2023)

Miley Cyrus – Endless Summer Vacation (VÖ 10.03.2023)

Fever Ray – Radical Romantics (VÖ 10.03.2023)

Rival Sons – Darkfighter (VÖ 10.03.2023)

Tristan Brusch – Am Wahn (VÖ 24.03.2023)

Lana Del Rey – Did You Know That There’s A Tunnel Under Ocean Blvd (VÖ 24.03.2023)

Fall Out Boy – So Much (For) Stardust (VÖ 24.03.2023)

Niels Frevert – Pseudopoesie (VÖ 24.03.2023)

Herbert Grönemeyer – Das ist los (VÖ 24.03.2023)

Kele Okereke – The Flames Pt. 2 (VÖ 24.03.2023)

boygenius – the record (VÖ 31.03.2023)

City and Colour – The Love Still Held Me Near (VÖ 31.03.2023)

Erik Cohen – True Blue (VÖ 31.03.2023)

DMA’s – Everybody’s Saying Thursday’s The Weekend (VÖ 31.03.2023)

The Hold Steady – The Price Of Progress (VÖ 31.03.2023)

The New Pornographers – Continue As A Guest (VÖ 31.03.2023)

Puscifer – Existential Reckoning: Re-Wired (VÖ 31.03.2023)

APRIL 2023

Daughter – Stereo Mind Game (VÖ 07.04.2023)

Mudhoney – Plastic Eternity (VÖ 07.04.2023)

Fenne Lily – Big Picture (VÖ 14.04.2023)

Metallica – 72 Seasons (VÖ 14.04.2023)

The Robocop Kraus – Smile (VÖ 14.04.2023)

Patrick Wolf – The Night Safari EP (VÖ 14.04.2023)

Accidental Bird – The Old News Shrug (VÖ 21.04.2023)

The Smashing Pumpkins – Atum: A Rock Opera In Three Acts (VÖ 21.04.2023)

Louise Distras – Beauty After Bruises (VÖ 28.04.2023)

Dave Hause – Drive It Like It’s Stolen (VÖ 28.04.2023)

The National – First Two Pages Of Frankenstein (VÖ 28.04.2023)

Josh Ritter – Spectral Lines (VÖ 28.04.2023)

MAI 2023

Fake Names – Expendables (VÖ 03.05.2023)

Esben And The Witch – Hold Sacred (VÖ 12.05.2023)

The Intersphere – Wanderer (VÖ 26.05.2023)

Arlo Parks – My Soft Machine (VÖ 26.05.2023)

JUNI 2023

Noel Gallagher’s High Flying Birds – Council Skies (VÖ 02.06.2023)

UND SONST?

Alberta Cross – tba. (2023)

The Cure – Songs Of A Lost World (2023)

The Distillers – tba. (tba.)

Dredg – tba. (tba.)

The Libertines – tba. (2023)

My Bloody Valentine – tba. (2023)

Rock and Roll.

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Song des Tages: The Natural Lines – „Monotony“


Foto: Promo / Jesse Dufault

Mit “Monotony” kündigen The Natural Lines ihr selbstbetiteltes, im kommenden März erscheinendes Debütalbum an. Die US-amerikanische Indie-Rock-Band um Frontmann Matt Pond, der vorher (und das bereits seit Ende der Neunziger) vor allem als Matt Pond PA auftrat, veröffentlichte im Oktober mit der “First Five EP” bereits ein erstes musikalisches Lebenszeichen und startet mit „Monotony“ eine Art Neuanfang, der sich in knackig-kurzen zwei Minuten durch Einflüsse aus dem Folk manifestiert und obendrein mit einem gewissen Hang zur schwelgerischen Hymnik gesegnet ist. Zudem hat sich das Quintett aus New York für das dazugehörige Musikvideo (zumindest wohl für US-Begriffe) prominente Unterstützung besorgt, denn in selbigem gastiert Stand-up-Comedienne Nikki Glaser als Therapeutin von Matt Pond.

„In den letzten Jahren habe ich versucht, mich auf meine Atmung zu konzentrieren – um eine bessere Sänger zu werden und um ein besserer Mensch zu sein. Aber es ist schwer, still zu sitzen und langsamer zu werden, wenn die Welt um einen herum so unruhig zu sein scheint. ‚Monotony‘ ist daher eine Hymne über den täglichen Drahtseilakt, die Suche nach dem richtigen Weg zwischen Leidenschaft und Apathie. Die ganze Zeit über habe ich mit Nikki Glaser gearbeitet. Ihre Unerschrockenheit ist ansteckend. Da sie nie zögert, mir zu sagen, was sie wirklich denkt, hielt ich es für sinnvoll, dass Nikki in dem Video meine Therapeutin darstellt.“ (Matt Pond)

Rock and Roll.

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Song(s) des Tages: PALE – „Bigger Than Life“ / „Man Of 20 Lives“


Das kam unerwartet: PALE, 2009 aufgelöst und zuletzt 2012 noch einmal für eine Abschiedsrevue auf der Bühne, werden Ende 2022 unverhofft ein letztes Album veröffentlichen. „The Night, The Dawn And What Remains“ ist dabei nicht nur der überraschende Nachfolger zum 2006 erschienenen „Brother.Sister.Bores!„, sondern wurde buchstäblich vom Leben geschrieben. Und wie wir wissen, sind die Geschichten, die das Leben schreibt, meist die schönsten. Aber eben oft genug auch die traurigsten…

Der 25. November 2019 ist der Tag, an dem sich alles ändert. Bei Gitarrist und Sänger Christian Dang-Anh wird ein Hirntumor entdeckt. Am selben Tag erhält Stephan Kochs, Schlagzeuger der Band und Bruder von Sänger Holger, ebenfalls eine Diagnose, die ihn dazu zwingt, sein komplettes Leben umzukrempeln, wenn er leben möchte.

Trotz aller Fassungslosigkeit und Sorge in dieser Zeit führen die zwei so eng beieinander liegenden Schicksalseinschläge dazu, dass die verschiedenen Bandmitglieder, die zwischen 1993 und 2009 bei PALE spielten, wieder den Kontakt zueinander suchen. Schnell entsteht die Idee, noch einmal gemeinsam Musik zu machen. Nicht, damit sie jemand jemals hört, sondern um gemeinsam nochmal die Zeit aufleben zu lassen, in der man gemeinsam so lebendig und endlos war. Nur Stephan Kochs muss aus gesundheitlichen Gründen bereits früh entscheiden, seinen Platz am Schlagzeug nicht mehr einzunehmen.

Trotz der intensiven Krebstherapien schreibt, spielt und singt Christian Dang-Anh auf neuen Songs, die gemeinsam mit nie da gewesener Leichtigkeit entstehen. Vielleicht würde man ja sogar noch mal einen Song gemeinsam veröffentlichen können, vielleicht noch einmal zusammen auf Tour gehen? Doch die Endlichkeit wird schmerzhaft bewusst, als Dang-Anh im Mai 2021 mit nur 45 Jahren den Kampf gegen die Krankheit verliert.

Die verbliebenen PALE-Mitglieder Holger Kochs, Jonas Gervink, Philipp Breuer und Jürgen Hilgers entscheiden sich dazu, die noch gemeinsam begonnenen Aufnahmen abzuschließen. Insgesamt stecken über zwei Jahre Arbeit und Liebe in den Songs, welche bereits in dem Bewusstsein entstanden, dass es die letzten sind, die sie jemals zusammen schreiben werden. Am 25. November 2022 – wie der (freilich nicht existierende) Zufall es will auf den Tag genau drei Jahre nach den beiden Diagnosen – wird das fünfte offizielle – und definitiv letzte – Album der Aachener Band erscheinen: „The Night, The Dawn And What Remains“, welches ab sofort über Grand Hotel van Cleef auf Vinyl, CD sowie als Bundle vorbestellt werden kann, ist eine Feier des Lebens und dessen, was war.

„Bigger Than Life“ und „Man Of 20 Lives“, die ersten beiden Vorgeschmäcker daraus, sind Christian Dang-Anh und Stephan Kochs gewidmet. Das soul-poppige „Bigger Than Life“ ist als berührender Abschied an Dang-Anh zu verstehen und gleichzeitig ein „Versprechen, seine Erinnerung für immer zu wahren“. Keine traurige Ballade, sondern ein vor Gitarren, Klavieren und Bläsern pulsierender kleiner Hit. Mit klassischem Indie Rock in „Man Of 20 Lives“ wendet sich Texter und Sänger Holger Kochs an seinen älteren Bruder: Es ist ein „Danke an den, der immer voran geht, mit dem man aneinandergerät und trotzdem immer liebt. Für den, der überlebt hat.“ Es sind zwei Musik gewordene Denkmäler, für Freundschaft und Liebe. Und obwohl die verbliebenen Bandmitglieder in Aussicht stellen, dass man für „Anfang 2023“ sogar noch ein (allerallerletztes?) Konzert plane, stellt der Pressetext als formvollendetes Schlussstatement noch einmal klar: „Das ist keine Reunion, das ist die verdiente Ehrenrunde.“

Hier gibt’s das Video zu den ersten beiden Songs des PALE’schen Abschiedsalbums. Es empfiehlt sich, selbige mit Kopfhörern, Vollbild und sieben Minuten Zeit zu genießen.

Rock and Roll.

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Song des Tages: BRUTUS – „Victoria“


Foto: Promo / Eva Vlonk

Gut drei Jahre hat sich das belgische Trio Zeit gelassen, nun werfen BRUTUS immer mehr vielversprechende Songschatten ihres dritten Langspielers voraus. Der neuste hört auf den Titel „Victoria“ und ist nach „Liar“ und „Dust“ bereits der dritte Appetithappen vom kommenden, am 21. Oktober erscheinenden Album „Unison Life„.

Sängerin Stefanie Mannaerts verrät, worum es in der neuen Single geht: „‚Victoria‘ handelt vom Älterwerden. Man weiß, dass das Erwachsenenleben hinter der Ecke lauert, aber man hat keine Angst vor dem, was kommt, weil wir alle gemeinsam untergehen werden.“ Zudem enthält ‚Victoria“ die Zeile „This is our unison life, my friend / This is the end“, welche Bassist Peter Mulders dazu inspirierte, „Unison Life“ als Titel für den Nachfolger des 2019er Langspielers „Nest“ vorzuschlagen. Peter verrät: „‚Victoria‘ hat sich für uns immer nostalgisch angefühlt. Zurück zu den alten BRUTUS-Tagen! Das Gitarrenriff gibt es schon seit 2013, aber erst jetzt erstrahlt es in einem kompletten Song. Was als ruhigerer Song mit normaler Songstruktur gesehen werden kann, hat sich für uns als großer Schritt herausgestellt. Wir können uns nicht hinter Effekten, Tempowechseln, Shouts oder Blasts verstecken.“

Für das Musikvideo zu ‚Victoria“, welches musikalisch einmal mehr mit gebündelter Intensität aufwartet und in seinen viereinhalb Minuten zwischen Post Rock, Progressive Rock, Alternative Rock und Post Hardcore pendelt, reisten BRUTUS mit Regisseur Jonas Hollevoet durchs heimische Belgien, um für das Visuelle das nostalgische Gleichgewicht zwischen Jung und Alt, Alleinsein und Zusammensein zu suchen. Zu sehen sind die Bandmitglieder (und einige Gäste), wie sie Schilder mit einzelnen Textzeilen an Orten hochhalten, an denen die Menschen einfach nur im Moment leben. Die Reaktion des Publikums um sie herum ist durchweg faszinierend: einige schauen neugierig zu, andere ignorieren sie völlig, und gelegentlich gibt es Gruppen, die verzweifelt versuchen, an der Aktion teilzunehmen.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Pianos Become The Teeth – „Genevieve“


Obwohl Teile von Pianos Become the Teeth in jüngster Zeit noch mit dem ein oder anderen Nebenprojekt beschäftigt waren (bei Interesse einfach mal „The Shenandoah Electric Company“ googeln), haben die US-Post-Hardcore-Indierocker dennoch Zeit gefunden, um am Nachfolger des 2018 erschienenen Albums „Wait For Love“ zu arbeiten. Selbiger wird „DRIFT“ heißen und am 26. August über Epitaph Records erscheinen.

Dafür ging das Quintett aus Baltimore, Maryland gleich in mehrfachem Sinne auf Wurzelsuche, denn nicht nur nahmen Kyle Durfey, David Haik, Chad McDonald, Zac Sewell und Mike York ihren fünften Langspieler zu einhundert Prozent auf analogem Band auf, sie taten sich dafür auch mit Produzent Kevin Bernsten zusammen, mit dem sie an ihren ersten beiden Alben gearbeitet hatten. „Kevin weiß, woher wir kommen, er wusste genau, was wir mit dieser Platte erreichen wollten – und er war bereit, mit uns verrückte Dinge zu versuchen“, so Frontmann Kyle Durfey, der auch erklärt, dass dies das erste Album sei, das die Band im Studio und nicht in ihrem Proberaum geschrieben habe. „Kevin weiß, wer wir früher waren und er weiß, wer wir jetzt sind. Er war wirklich bereit, zu experimentieren und alles im Studio auszuprobieren, um zu sehen, wie es funktionieren würde.“

„Für mich ist alles auf dieser Platte so persönlich und so spezifisch, auch wenn die Leute keine Ahnung haben, wovon ich rede“, fügt Kyle hinzu über die neun neuen Songs des Albums. „Ich weiß, dass das viel verlangt ist, aber ich hoffe einfach, dass die Leute sich hinsetzen und die Platte als Ganzes anhören, denn für mich ist diese Platte wie ein einziges Stück. Es sind keine einzelnen Songs, es ist eine Reise und dann kommt man aus ihr heraus…“

Einen ersten Vorgeschmack aus „DRIFT“ bekommt man anhand von „Genevieve“, welches den atmosphärischen, post-rockigen Weg ihrer letzten beiden Platten fortsetzt. Und obwohl man – zum Glück – keineswegs befürchten muss, dass Pianos Become The Teeth zurück in alte Post-Hardcore-Raudau-Zeiten zurückverfallen (dafür gibt’s andere und bessere Kapellen), ist schon diese Kostprobe ein durchaus spannender, gen Ende dynamisch kulminierender Song, welcher von David Haiks charismatisch-markantem Schlagzeugspiel angetrieben und von Kyle Durfeys Gesangsdarbietung gekrönt wird, die ebenso abwechslungsreich und leidenschaftlich gerät wie das, was bereits „Wait For Love“ sowie – vor allem! – „Keep You“ so faszinierend machte. Dem steht auch das Musikvideo, bei welchem sich PBTT-Gitarrist Michael York, zusammen mit Amanda Adams, für Regie und Schnitt verantwortlich zeichnet, in nichts nach.

(Und so freut sich der Autor dieser Zeilen mit einem tiefen, melancholisch unterfütterten Seufzen auf jenes angekündigte Album…)

Rock and Roll.

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Song des Tages: Muff Potter – „Ich will nicht mehr mein Sklave sein“


Foto: Promo/Bastian Bochinski

Im Jahre 2009 – nach immerhin 16 gemeinsamen Jahren – offiziell aufgelöst, spielten Muff Potter im August 2018 überraschend beim antifaschistischen Festival Jamel rockt den Förster, im Anschluss gab die 1993 in Rheine und Münster gegründete Deutschpunk-Band ein paar Tourdaten bekannt. Sieben Shows im Januar 2019, kaum Werbung, keine weitere Verpflichtungen, eigentlich keine große Sache.

Dachten sie zumindest, denn nun brach beinahe die Hölle los: Sämtliche Shows waren binnen Minuten ausverkauft und mussten in größere Hallen verlegt werden. Es gab zwar keine Interviews, keine aktiven Social-Media-Kanäle, keine neue Musik, aber offenbar – nach all der langen Zeit – eine große Muff-Potter-Sehnsucht da draußen. Auch bei den Musikern selbst, das wurde schnell immer klarer. Ebenso klar war dem Quartett allerdings, dass ihnen Muff Potter zu wichtig ist, um „ewig die Nostalgiekuh zu melken“. Wohl auch deshalb wird es in Kürze zum ersten Mal seit 2009 wieder ein neues Album von Muff Potter geben, die nach dem Ausstieg von Gitarrist Dennis Scheider im Juli 2021 auch ein neues Bandmitglied in ihren Reihen begrüßen durften und unmittelbar danach Felix Gebhardt (Home Of The Lame, Hansen Band, auch schon Potter-Tourgitarrist) als dessen Nachfolger vorstellten. Mit dem im August 2022 erscheinenden „Bei aller Liebe“ hat die legendäre Indie-Rock-band nicht nur sich selbst, sondern ebenso ihre Liebe zur Musik wiederentdeckt. Mit Emphase, Dringlichkeit und bissiger Zeitgeist-Diagnostik gelingt Muff Potter, wie man bereits liest, eine überwältigende Neupositionierung. Und aus selbiger lassen Nagel und Co. nun den ersten Song hören.

Warm und voll, lediglich mit leichter Melancholie positioniert sich „Ich will nicht mehr mein Sklave sein“ dabei irgendwo zwischen Power Pop, Indie und Punk Rock – so ungefähr haben Muff Potter, die ihren Sound selbst stets als „Angry Pop Music“ beschrieben, auch zu Zeiten von „Von Wegen“ (2005) und „Steady Fremdkörper“ (2007) öfter geklungen, ihren Alben mit Rückendeckung des Majorlabels Universal. Doch nicht nur im Text klingt etwas Befreites, Ungezwungenes mit – spätestens mit dem rock’n’rolligen Gitarrensolo macht der Song klar, dass er sich nicht in Vorlagen pressen lassen will. Inhaltlich geht es gegen Selbstoptimierung und Selbstausbeutung – ein Themenkosmos, den Sänger Thorsten „Nagel“ Nagelschmidt zuletzt auch schon mit seinem jüngsten, 2020 erschienenen Roman „Arbeit“ bearbeitet hatte. Treffend analysiert Nagelschmidt im neuen Song, wie der Kapitalismus auch hinter der Illusion von Selbstbestimmtheit noch die Fäden zieht und Verzweiflung sät: „Auch die lange Leine ist noch eine / Schlag hier alles kurz und klein / Ich will nicht mehr mein Sklave sein.“

Im dazugehörigen Musikvideo von Regisseur Steph von Beauvais mühen sich die vier in einfarbige Overall gekleideten Potters in einer alten Turnhalle mit Retro-Flair an geradezu preußischen Leibesübungen ab. Erst mit Hilfe eines Zaubertranks und ihrer hervorbrechenden musikalischen Leidenschaft brechen sie aus dem Hamster- beziehungsweise Rhönrad aus.

„Ich will nicht mehr mein Sklave sein“ ist damit nach längerer Zeit der erste neue Song der Band und gleichzeitig ein Vorgeschmack auf das bereits angekündigte neue, größtenteils live eingespielte Album „Bei aller Liebe“, welches am 26. August beim bandeigenen Label Huck’s Plattenkiste erscheint und schon vorbestellt werden kann. Die Platte war seit Dezember 2019 in mehreren Sessions auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde entstanden, im April 2020 hatte eine erste Session bereits den Song „Was willst du“ hervorgebracht, der mit seinem zweifelnden Ton und Text eine Band auf dem Weg zurück zu sich selbst zeigte. Zudem werden Muff Potter im Herbst auch auf Tour gehen, die Termine findet ihr weiter unten. Damit wären sie denn mal so richtig wieder da – Willkommen zurück, ihr Potters!

Rock and Roll.

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