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Klassiker des Tages: Enik – „The Seasons In Between“


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Was macht eigentlich Enik mittlerweile? Zugegebenermaßen ist das weder eine Frage, die ich mir in den vergangenen Jahren tattäglich gestellt habe, noch eine, die mich spät nachts schweißgebadet aufwachen ließ…

Würde man nicht tief(er) graben, so könnte man den Eindruck bekommen, der vielseitige 39-jährige Indie-Musiker, auf dessen Münchner Klingelschild wohl eher der Name „Dominik Schäfer“ notiert sein dürfte, hätte den kreativen Künsten längst abgeschworen. Doch bereits eine kleine Netz-Recherche zeigt, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Nach ersten musikalischen Ausrufezeichen 2004 als Co-Songwriter (falls man diesen Begriff im IDM-Fach verwendet kann) für vier Stücke auf dem Funkstörung-Werk „Disconnected“, mit den 2006 beziehungsweise ein Jahr drauf erschienenen Enik-Alben „The Seasons In Between“ und „Chainsaw Buddha“ (mehr dazu gleich) sowie einer Kollabo mit Fanta4’s Esoterik-Vorsteher Thomas D für den Song „Vergiftet im Schlaf“ (welcher wiederum gar Teil des Soundtracks für den mäßig erfolgreichen Hollywood-Film „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ war) standen dem Indie-Newcomer plötzlich so einige Türen offen. Und doch entschied sich Dominik „Enik“ Schäfer dazu, zuerst sein kreatives Heil im Jazz (mit dem Chris Gall-Trio), danach im Theaterfach, in dem er über die Jahre mehr als ein Dutzend Theaterstücke als Komponist und musikalischer Leiter im deutschsprachigen Raum mit seinem Sound bereicherte, unlängst sogar als Soundtrack-Komponist („Five Years“ – der 2018 veröffentlichte Score zur Dokumentation „5 Jahre Leben“von Regisseur Stefan Schaller über den unschuldigen Guantanamo-Sträfling Murat Kurnaz) zu suchen. Beinahe logisch, dass der aufs Vorsortieren abonnierte Mainstream-Hörer von alledem kaum etwas mitbekam…

the-seasons-in-between.jpgUnd doch liegen Eniks wohl kreativste Glanzlichter bereits mehr als eine Dekade zurück: seine Alben „The Seasons In Between“ und „Chainsaw Buddha“ (das 2011er Werk „I Sold My Moon Boots To A Girl From Greece“ soll zwar nicht unerwähnt bleiben, kann jedoch in Gänze kaum mit den beiden mithalten). Eines sollte jedoch stets klar sein: Fordernd ist Eniks Kunst zu jedem Zeitpunkt, denn wer eines der erwähnten Alben hört, der könnte (vor)schnell den Eindruck bekommen, dass soeben gefühlte siebzehn Langspieler gleichzeitig abgespielt werden: derber Garagenpunk, schleppende Industrial-Beats, torkelnde Jazzstreicher, sanft säuselnder Folk, schwülwarmer Funk, Kraut- und Glamrock, nerdige Zappa-Klassik, indietroniges Elektroblubbern, feinstes Düster-Crooning – Unterforderung darf man getrost anderswo suchen. „Da meint man fast Bon Ivers Stimmwelt, Nick Caves Abgründe, Radioheads Elektronik und Bowies spätes Timbre rauszuhören.“ (Der aktuelle Presstext fasst es dankenswerterweise recht gut zusammen, vergisst eventuell sogar noch, mit Referenzen wie Tom Waits, Prince, Faith No More oder Peter Gabriel weitere Ränder abzustecken.)

Und doch ist einer der schönsten, einer der berührendsten Momente in Eniks bisherigem Schaffen gerade in der Reduktion, im Titelstück von „The Seasons In Between“ zu finden: „I’m a stranger in autumn / I was born in spring / I forgot the name / Of the seasons in between“ – eine einsame Akustikgitarre und Streicher umgarnen Schäfers so wunderbar unperfekte, windschief-raue Stimme, erst gen Ende darf das Schlagzeug dazu poltern, und schließlich alles in sich zusammen stürzen. Ich meine: Gelungener kann man seit 2006 den nahenden Herbst kaum einläuten.

[Übrigens meldet sich Enik in Kürze – genauer: am 8. November – tatsächlich mit (s)einem neuen Album „The Deepest Space Of Now“ zurück. Der erste Höreindruck anhand des Songs „99th DREAM“ ist ein durchaus positiver, und lässt mit (s)einer Vier-Minuten-Irrfahrt von TripHop über Indietronica bis hinein in die Siebziger (immerhin wartet der Schlussteil mit glamourösen Streichern auf!) auf einen ganz ähnlichen musikalischen Freifahrtsschein in die kreative Nervenheilanstalt wie Eniks erste Werke schließen…]

 

 

„Excuse me, I forgot your face
Was it love or just a passing through the dark?
I’m a stranger in autumn
I was born in spring

I forgot the name of seasons in between
Someone said it’s good for growing
Someone said it’s good for going
Someone said it’s good for growing

I love you, that’s why I can’t see you fail
And I swear, I won’t stand here to the essence of your heart’s fade away
I’m a stranger in autumn
I was born in spring

I forgot the name of seasons in between
Someone said it’s good for growing
Someone said it’s good for going
Someone said it’s good for growing

Someone said it’s good for growing
Someone said it’s good for going
Someone said it’s good for growing
Someone said it’s good for…..“

 

Rock and Roll.

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Dreizehn Lenze in Tools Wartezimmer (und die Folgen) – die hollywoodreife Chronologie eines Leaks


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Ein Schelm, wem bereits damals Böses schwante – im April 2006 gaben Tool mit dem Titel ihres vierten Albums „10,000 Days“ den perfide hintersinnigen Startschuss zum wohl bislang größten Treppenwitz und Sitzfleischtest der (Rock)Musikgeschichte. Und manch ein Fan erwartete mittlerweile, dass Sänger Maynard James Keenan, Gitarrist Adam Jones, Bassist Justin Chancellor und Schlagzeuger Danny Carey den Allzeit-Rekord von Guns N’Roses pulverisieren würden, die ihre Langhaar-meets-Bandana-Anhänger geschlagene 15 (!) Jahre auf das ewig sagenumwobene – und schlussendlich erwartbar enttäuschende – „Chinese Democracy“ warten ließen…

Nun, „10.000 Tage“ (oder eben gut 27 Jahre) sollten es glücklicherweise nicht werden – „Fear Inoculum„, das neue, fünfte Tool-Machwerk, welches – innen wie außen – einmal mehr so gigantomanisch daher kommen wird, wie man es von den Alternative-Proggern aus Los Angeles erwarten konnte, erscheint tatsächlich in wenigen Tagen. Andererseits wären die dreizehn Lenze mit all ihren (nicht selten von der Band selbst erschaffenen) Enten, falschen wie richtigen Fährten, Finten und Halb-Neuigkeiten durchaus für einen (wohl nur für hartgesottene Fans, die ohnehin jedes New-Fitzelchen begierig-schweißgebadet aufschnappten, interessanten) Roman gut. Und ebendiesem fiktiven Prog-Rock-Wälzer wird nun, kurz vor Ladenöffnung, eines seiner letzten Kapitel beschert – Verbrechen und Drama inklusive. (Drunter machen’s weder Tool noch Hollywood.) Der Titel? „Wie ein Reddit-User seinen Job aufs Spiel setzte, ‚Fear Inoculum‘ ins Netz stellte und so über Nacht zum Helden des Internets wurde.“

Bereit? Here. We. Go!

Das – aufgepasst, dezente Untertreibung! – lange erwartete Comeback-Album „Fear Inoculum“ der Prog-Legenden von Tool erscheint zwar erst kommenden Freitag, doch schon am Wochenende wurde es – und das ist selbst in den heutigen allerorts digitalen Zeiten bei einer stets penibelst auf Geheimhaltung bedachten Band wie Tool doch beachtlich – vorzeitig geleakt. Wenig verwunderlich daher, dass der von Tools Fanbase als Held gefeierte Reddit-Nutzer dafür eine wahre Odyssee auf sich nahm…

Zunächst tauchte am vergangenen Freitag ein Unboxing-Video der aufwendigen gestalteten physischen Ausgabe von „Fear Inoculum“ auf Youtube auf (Zur „Limited Edition“ meint der Pressetext: „Darin enthalten sind die CD in einer Dreifach ‚Soft Pack Video Brochure‘ sowie ein wiederaufladbarer 4 HD Screen mit exklusivem Video-Footage, ein USB Ladekabel, ein Zwei-Watt-Lautsprecher, ein 36-seitiges Booklet und eine digitale MP3-Download-Card.“). Das Tool-Label versah das Video mit einem Copyright-Strike, der Clip war sofort offline. Nur wenige Stunden später posteten allerdings erste Mitarbeiter von Supermärkten und Plattenläden via Reddit Bilder der bereits gelieferten, aufwendig designten CD-Boxen.

Positiv aufgeschreckte Nutzer der Plattform versuchten darauf, diese Mitarbeiter dazu zu bewegen, das begehrte Album vorzeitig zu leaken. (Schließlich versucht man auch den letzten Vormann beiseite zu schubsen, nachdem man drei Stunden in der Schlange vor der einzigen öffentlichen Toilette weit und breit verbracht hat, oder?) Natürlich – zunächst – ohne Erfolg…

Kurz vor Mitternacht postete der Target-Mitarbeiter und Reddit-User CircleofN9ne (der mittlerweile alle Posts gelöscht hat) ein Bild der CD mit der Unterschrift „might be able to get this for you guys in the next 2 hours„. Die Community zeigte sich skeptisch, doch besagter User hielt tatsächlich sein Versprechen und postete ein weiteres Bild – dieses Mal außerhalb seines Arbeitsplatzes und in seinem fahrbaren Vehikel: „Guys I fucking have it„. Selbst alle Abbrecher des Volkshochschul-Dramatik-Kurses merken wohl: Nun wurde es ernst! (Man denke sich an dieser Stelle langsam anschwellende, dramatische musikalische Untermalung…) Doch während sich der gesamte Tool-Subreddit die globalen Tipp-Finger abkaute, realisierte benannter Reddit-User, dass das CD-Laufwerk seines Laptops – natürlich, nur so nimmt ein waschechter Hollywood-Blockbuster nun einmal Fahrt auf! – nicht funktionierte und er die Platte, den „heiligen  Gral aller Alternativ-Prog-Jünger“ nicht rippen konnte. Auf seinen Hilferuf „SOMEBODY IN VEGAS!!! FUCKING HELP!!!“ antwortete der User briznitch, der ihn – konspirativ, konspirativ! – ins Mirage Hotel einlud, um dort dessen – freilich mit einem funktionierenden CD-Laufwerk ausgestatteten – Personal Computer zu benutzen und das Album endlich zu leaken. (Welch‘ Wink des Schicksals! Welch‘ göttliche Wendung!)

Gesagt, getan! Die beiden treffen sich, briznitch rippt und leakt das Album. End of Story? Rockendes Happy End? Vorzeitige globale Listening Session im Sonnenuntergang? Nicht ganz, denn das Album tauchte wider Erwarten nicht online auf! Stattdessen teilte CircleofN9ne der gebannt wartenden und auf Reflex refreshenden Community mit, dass dies nun ebenfalls außerhalb seiner Kontrolle sei. Kurzzeitig herrschte Verwirrung, da briznitch, der andere User (wir erinnern uns: der mit der funktionablen Technik), seinen Account plötzlich gelöscht hatte – da ging der Leak doch noch online! (Ha! Nimm das, du Geheimnisse krämende Prog-Rock-Insitution!) Die weltweite Musik-Geek-Community feierte CircleofN9ne alsbald wie einen Helden á la Edward Snowden, betitelte ihn als „The Chosen One„, widmete ihm zahlreiche „Appreciation Threads“ und öffnete sogar eine Petition, um ihm ein besonderes Reddit-Logo zu beschaffen.

Doch nun wird es richtig kurios: Dem „Chosen One'“ dämmerte urplötzlich, dass er vielleicht ja etwas hochgradig Illegales getan hat. (Sie erinnern sich: Metallica vs. Napster und so…) Daher teilte er seinen neu gewonnenen zahlreichen Digital-Buddies mit, dass er sich Sorgen um seine Zukunft mache. Die Community des Tool-Subreddits bot ihm daraufhin an, im Falle einer Klage ein GoFundMe-Projekt zu starten, sollte er in eine Notlage geraten oder seinen Job verlieren.

Aktuell finden sich (noch) keine Updates zu CircleofN9nes Netz-Piraten-Abenteuer, jedoch erinnert mich diese Geschichte an seligen Zeiten rund um die Jahrtausendwende, als man noch nicht komplette musikalische Lebenswerke innerhalb weniger Sekunden abrufen konnte. (Hach!) Und: sie ist nicht nur der Nachweis, dass uns Maynard James Keenan und seine Mannen endlich, endlich nicht an der Nase herum geführt haben („Fear Inoculum“ existiert! „Fear Inoculum“ existiert!), sie beweist einmal mehr, wozu das Internet (und die Quadrataugen-Menschen dahinter) fähig ist. User beez trifft es wohl ganz gut: „Manchmal denke ich, Musik hat ihre Magie verloren. Dann passiert so etwas. Komplett Fremde kleben vor ihren Bildschirmen und bauen eine Verbindung aufgrund eines Las Vegas Tool-Heists zueinander auf. Wir sind alle verrückt.

Was knapp 5.000 Tage – und das lange, bange Warten im Tool’schen Wartezimmer – eben mit einem anrichten können…

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Thees Uhlmann – „Fünf Jahre nicht gesungen“


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Uhlo ist back! Satte sechs Jahre nach dem zweiten Solowerk „#2“ hat Thees Uhlmann (s)einen neuen Song „Fünf Jahre nicht gesungen“ veröffentlicht und gibt damit einen ersten musikalischen Vorgeschmack auf sein vor kurzem angekündigtes drittes Album „Junkies und Scientologen“, welches am 20. September – natürlich beim heimischen Grand Hotel Van Cleef – erscheinen wird (und in der Box-Set-Variante – nebst Vinyl sowie etlichen Gimmicks – wahlweise auch eine Bonus-Platte mit „8 unveröffentlichten deutschsprachigen Coverversionen“ enthält).

funf-jahre-nicht-gesungen.jpg„Fünf Jahre nicht gesungen“ nun beginnt mit einem hart angeschlagenen Keyboard, dessen Rhythmus verdammt an Foreigners „Cold As Ice“ erinnert – schon der Pressetext warnt davor, dass das aber auf die falsche Fährte führt. Wenn Uhlmanns unverkennbarer Gesang, der seit jeher die Lager spaltet, einsetzt, wird das viereinhalbminütige Stück in der Tat zum vertraut umarmenden Liedermacher-Indierock Uhlmann’scher Bauart. Im Text reflektiert der ehemalige Tomte-Frontmann und Jetzt-auch-Romanautor (das tatsächlich tolle „Sophia, der Tod und ich“ erschien 2015) die vergangenen paar (turbulenten) Jahre seines Lebens und stellt in Passagen wie „Und dann kam Silvester und mir wurde klar / Wenn der Sommer beginnt stirbt ein weiteres Jahr“ fest, wie vergänglich und schnell wandelbar alles ist.

Die Idee dazu kam dem Vertreter der Hamburger Schule nach eigener Aussage, als ihm im vergangenen Jahr klar wurde, dass er seit fünf Jahre keine neuen Songs geschrieben hatte und lange nicht mehr vor Publikum musizierte: „Wobei aus fünf Jahren ja schon fast sechs geworden sind, aber vor einem Jahr habe ich eben darüber nachgedacht, warum mir seit fünf Jahren nichts mehr eingefallen ist. Von daher mögen mir die Mathelehrer verzeihen, wie sie mir schon so viel verziehen haben.“ Der 45-jährige Wahl-Berliner empfiehlt augenzwinkernd: „Wenn Sie schlechte Laune haben, dann wird das genau Ihr Song sein. Und wenn Sie gute Laune haben, dann werden Sie sich freuen, wie schön es ist, keine schlechte Laune zu haben, aber auch gut, wenn bei den anderen so ein Song dabei raus kommt. So ist das eben. Das Leben ist kein Highway, es ist die B73!“

Und schon wird einem klar, wie sehr der ebenso trockene wie fein austarierte norddeutsche Humor des bekennenden St.-Pauli-Fans in den letzten Jahren gefehlt hat – dem tut die einmal mehr seeeehr spezielle Tracklist von „Junkies und Scientologen“ freilich keinen Abbruch:

01. Fünf Jahre nicht gesungen
02. Danke für die Angst
03. Avicii
04. Was wird aus Hannover
05. 100.000 Songs
06. Ich bin der Fahrer, der die Frauen nach Hip Hop Videodrehs nach Hause fährt
07. Junkies und Scientologen
08. Katy Grayson Perry
09. Menschen ohne Angst wissen nicht, wie man singt
10. Ein Satellit sendet leise
11. Die Welt ist unser Feld
12. Immer wenn ich an dich denke, stirbt etwas in mir

 

 

Im August, September und Dezember sind Thees Uhlmann und Band denn auch auf ausgedehnter Tour:

03.08. Hamburg, Theaterschiff (solo, ausverkauft)
13.08. Reutlingen, Franz.K
14.08. Worpswede, Music Hall
15.08. DK – Rømø, Cruise van Cleef (ausverkauft)
16.08. Kassel, Kulturzelt
17.08. Grosspösna, Highfield Festival
23.08. Essen, Zeche Carl Open Air

25.09. Rostock, Mau Club
26.09. Cottbus, Glad-House
27.09. Hamburg, Große Freiheit 36 (ausverkauft)
28.09. Berlin, Lido (ausverkauft)
29.09. München, Ampere (ausverkauft)
30.09. Köln, Stadtgarten (ausverkauft)

06.12. A – Wien, Gasometer
07.12. München, Tonhalle
08.12. Saarbrücken, Garage
10.12. Erlangen, Heinrich Lades Halle
11.12. Dortmund, FZW
12.12. Wiesbaden, Schlachthof
13.12. Stuttgart, LKA Longhorn
14.12. Berlin, Columbiahalle
16.12. Hannover, Capitol
17.12. Hamburg, Große Freiheit 36
18.12. Hamburg, Große Freiheit 36
19.12. Bielefeld, Lokschuppen
20.12. Bremen, Pier 2
21.12. Köln, Palladium

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Faber – „Das Boot ist voll“


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Bild: Facebook

Eine gefühlte Ewigkeit hat’s gedauert, nun jedoch meldet sich Faber endlich zurück: Nachdem er bei Konzerten in diesem sowie dem vergangenen Jahr schon einige neue Stücke gespielt hat, zieht der 26-jährige Schweizer Liedermacher jetzt mit der überfälligen Album-Ankündigung nach. So wird “I Fucking Love My Life”, der Nachfolger des 2017er Langspiel-Debüts “Sei ein Faber im Wind” (seinerzeit völlig zurecht ANEWFRIENDs „Album des Jahres„) am 1. November erscheinen.

das-boot-ist-vollUnd bereits bei der ersten Single aus dem neuen Werk – dieses Stück dürfte Konzertbesuchern nicht gänzlich unbekannt sein – hält sich Julian „Faber“ Pollina, Sohn des italienischen Liedermachers Pippo Pollina, einmal mehr kaum mit klugen Anspielungen und provokant-politischen Aussagen zurück und verdient sich das Explicit-Label ebenso bewusst wie eindeutig: Bühne frei für “Das Boot ist voll” und das dazugehörige Musikvideo!

Und: Der talentierte Schweizer hat sich für die Vorbesteller seines neuen Albums etwas Besonderes ausgedacht: Wer hier ordert, bekommt das Album auf Vinyl und CD, ein eigens erstelltes Faber-Gossip-Magazin sowie ein Ticket für die Release-Tour in intimer Atmosphäre. Für die Konzerte, die zwischen dem 3. November und 9. Dezember stattfinden werden, kann man auf keinem anderen Weg Tickets kaufen (was bedauerlicherweise die berechtige Frage aufwirft, wieso alle, die mit einer weiteren Person teilnehmen wöllten, dann gegebenenfalls das Gesamtpaket doppelt und dreifach bestellen müssten).

Nichtsdestotrotz: Willkommen zurück, Faber! Deine musikalischen fiesen Spitzen werden auch 2019 kaum weniger wichtig sein als noch vor zwei Jahren…

 

 

„Früher war auch nicht alles schlecht
Das sieht man an der Autobahn
Ihr wärt auch traurig, gäbe es keinen Volkswagen
Wolfsburg – Geniestreich
Logisch denkt man da manchmal zurück ans Dritte
Das mit den Juden
Das muss man erst beweisen
Den Scheiß aus den Geschichtsbüchern muss man dir nicht zeigen
Du lässt dich nicht für dumm verkaufen
Wie schlau von dir

‚Das Boot ist voll!‘ schreien sie auf dem Meer
‚Ja, das Boot ist voll!‘ schreist du vor dem Fernseher

Wer schneller glaubt, wird schwerer klug
Das weißt du schon lang
Drum traust du keinen Medien in diesem Scheißland
Asylzentrum
Oops, das Haus brennt
Mal sehen wer hier am schnellsten
Am schnellsten rausrennt
Die wollten dich für dumm verkaufen
Aber nicht mit dir

Besorgter Bürger‚ ja
Ich besorg’s dir auch gleich
Geh auf die Knie, wenn ich dir meinen Schwanz zeig‘
Nimm ihn in den Volksmund
Blond‚ blöd‚ blau und rein

Besorgter Bürger, ja, ich besorg’s dir auch gleich

‚Jedem das Seine‘
Ja, das seien weise Worte
Haben die kein Brot zu essen?
Warum essen die nicht Torte?
Niemand ist mehr ehrlich
Nur der Horst hat dich nicht angelogen
Zu seinem Geburtstag werden sie alle
Alle abgeschoben

Du fühlst dich nicht mehr wohl in deiner Haut
Und manchmal auch allein
Ja‚ fremd im eig’nen Land
Ich fühl mich nicht mehr wohl in meiner Haut
Und manchmal auch alleine
So fremd wie du war mir noch keiner

Besorgter Bürger, ja
Ich besorg’s dir auch gleich
Geh auf die Knie wenn ich dir meinen Schwanz zeig‘
Nimm ihn in den Volksmund
Blond, blöd‚ blau und rein

Besorgter Bürger, ja, ich besorg’s dir auch gleich…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Noah Gundersen – „Robin Williams“


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Zu weit, so bekannt (und am Ende doch kaum übertrieben): Gäbe es einen Preis für Deutschlands inoffiziellen Noah Gundersen-Fanboy-Blog, ANEWFRIEND hätte am Schluss des Abends recht gute Chancen, die Trophäe mit ins heimische Nest zu nehmen…

Und wer noch immer – schließlich lege ich euch den 30-jährigen US-Musiker bereits recht kontinuierlich seit 2014 und dem Debütwerk „Ledges“ wärmstens ans Hörerherz (und werde auch in Zukunft keinesfalls davon absehen) – von bloßer Schwärmerei ausgeht, der hat bis heute wohl keines der drei Solo-Alben des vielseitigen Singer/Songwriters aus Seattle, Washington gehört. Und bekommt nun eine weitere Chance…

Denn Noah Gundersen hat für den 23. August Album Nummer vier angekündigt: Dieses wird den Titel „Lover“ tragen (ein netter Spaß am Rande dürfte sein, dass eine gewisse Taylor Swift für den selben Tag ein neues Werk selben Titels angekündigt hat) und – laut Gundersen – weitaus „introspektiver“ ausfallen als noch der 2017 erschiene Vorgänger „WHITE NOISE„. Wird das was? Nun, schenkt man der ersten, einmal mehr herzzerreißenden Single „Robin Williams“ Glauben, welche nach ebenjenem Weltklasse-Comedian und -Schauspieler, der sich im August 2014 das Leben genommen hatte, benannt ist und in der Noah Gundersen die Erinnerung an Williams mit einer gewohnt großartigen Meditation über die Endlichkeit von allem sowie die Frage nach dem Sinn des Lebens und der Kunst verknüpft, könnten die 13 Stücke von „Lover“ genau an jener Herzschnittstelle andocken, der bereits ein Großteil des Debütalbums sowie einige Songs der nachfolgenden „Carry The Ghost“ und „WHITE NOISE“ (wie etwa „Heartbreaker“ oder „Cocaine, Sex & Alcohol (From A Basement In Los Angeles)„) ganz, ganz nahe gekommen sind…

Dock keine Sorge: der Fanboy bleibt an einem der besten und talentiertesten Singer/Songwriter der letzten zehn Jahre (Isso.) dran.

 

161595-lover.jpgNoah Gundersen über das neue Album „Lover“:

„On Valentines Day, 2019, I was in bed with my girlfriend, in a hotel room in Seattle, tripping on mushrooms. I was showing her bits and pieces of the album in its then unfinished form. at the time it was going to be called ‚I hope you meet everything you fear.‘ I guess it still could be. but as I was hearing the songs outside of my own ego, I began to see a pattern. or more so a person. A boy. A boy who had tried really hard for a long time to fill a space in his heart. A boy who didn’t know how to be alone, but regardless spent most of his time floating in his own head. A boy who really, really wanted to experience love – a majestic love, an epic love. And in the end, a boy who didn’t have anything to prove anymore.

It’s been a challenging couple years for me. I’ve had expectations shattered, relationships fail. I’ve felt the mortality of my own body. I’ve been hurt and caused hurt. I’ve spiraled into periods of substance abuse. But along the way I’ve sidled up to myself. I’ve been able to look in the mirror with more grace and be ok with who I see there, with all his flaws and imperfections.

Some of these songs are very old. Someone told me once that songwriters are like prophets (though he said you should never say that in an interview. Sorry John). We’re meant to see things that others can’t. Sometimes those ‚others‘ are ourselves. There are songs on this record that I wrote years ago, without really grasping their meaning until now. My therapist says art is the self talking to the self. I guess i was trying to get a message across, cast out into the sea of songs like a message in a shipwrecked bottle.

I imagine this album as a sci-fi movie, where a man travels through the infinite darkness of space, alone in his ship. He eventually goes mad, is visited by some interstellar being of light who bestows on him a revelation. He falls into a dream state and makes love with an angel and is made whole for a moment. Later he wakes up, alone in his cockpit, with that sort of sad but beautiful certainty that comes from accepting one’s aloneness.

This record is deeply personal. it’s about love, it’s about failure, it’s about drugs, it’s about sex, it’s about age, it’s about regret, it’s about itself (very meta, I know) and it’s about finding peace. I think it’s the most I’ve ever put of myself into something. It’s been cathartic. I’ve cried a lot.

My close friend and producer Andy Park also poured his soul into this record. We spent 2 years, mostly in his apartment, carving away at it. Sometimes it felt like we had poured a slab of concrete, with the blind faith that somewhere inside was a beautiful sculpture. This is just as much his record as it is mine. Also shoutout to his lovely girlfriend Tess for letting me invade their space constantly and making them miss Game of Thrones because of last minute mix recalls.

To all the people in these songs, I love you. I’m sorry for the hurt I’ve caused.

And to you, the listener, I hope you find a space for this record. I hope it moves you. I hope above all that it can remind you to be kind to yourself, to find patience and grace.

‚I do not know what I may appear to the world, but to myself I seem to have been only like a boy playing on the seashore, and diverting myself in now and then finding a smoother pebble or a prettier shell than ordinary, whilst the great ocean of truth lay all undiscovered before me.‘
– Isaac Newton“

 

robin-williamsNoah Gundersen über die Vorab-Single „Robin Williams“, welche auch das Album eröffnen wird:

„I wrote someone a letter once, apologizing for how things had gone down, handing it off to her outside an Alex Cameron show. She responded by saying, ‚You can’t lose what you don’t own.‘ I think this applies to a lot of things.

Things come to you in their own time. As I’ve gotten older, the less I really know and the more I’ve become ok with that. Dylan probably said it best in, ‚I was so much older then, I’m younger than that now.‘ I’ve tried so hard to change and shape myself around external and internal expectations, yet always seem to come back to the same place. I’m learning to accept this.

Death comes for us all, no matter how talented we are, no matter how much work we make. I had just finished the Robin Williams documentary when I wrote this and was deeply moved by his spirit and enormous talent. I had also been reading about the expansiveness of DMT in Tao Lin’s ‚Trip‘. Art is both everything and nothing. Living is the same.“

 

 

„One way or another, it’s gonna make its presence known
From one monkey to another, you can’t lose what you don’t own
It’s okay if you get anxious, just please don’t call the cops
There’s a couple things I’m sure of, and a whole lot more I’m not

There’s a sentimental value to the memory of love
It’s a pretty looking rainbow, what does it remind you of?
Is it somewhere there’s a heart of gold that’s never gonna rust?
Or it’s a hard rain, honey, but it’s never gonna flood

Despite all my reservations, I’ve been doing this for years
Hoping that some magic touch would finally make it clear
But when it all comes crashing down, I’m still standing here
Looking at the same face in the same place, just a different kind of mirror

Well, nothing lasts forever, and every other trope
I guess it just depends how much DMT you smoked
But when I think of Robin Williams at the end of his rope
It makes no difference what you’re making, the reaper makes the final joke

So I gather my impressions of the universal sigh
And hope that someone’s listening to their radio tonight
Though it doesn’t really matter with so many come before
And who the hell are we fooling? No one buys records anymore“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages #2: Enno Bunger – „Ponyhof“


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Foto: Promo / Dennis Dirksen

Ich hätte in dieser Phase eigentlich dringend einen Psychotherapeuten aufsuchen müssenAber ich wollte mich durch das Schreiben selbst therapieren. So können aus den traurigsten Anlässen die berührendsten Lieder entstehen. Die größte Scheiße, durch die man gehen muss, kann der beste Dünger für berührende Kunst sein.“

Keine Frage – diese Worte versprechen eines der wohl besten, in jedem Fall emotionalsten und berührenden deutschsprachigen Alben dieses (Musik)Jahres.

Dementsprechend herrscht seitens ANEWFRIEND immer noch große Vorfreude auf Enno Bungers am 26. Juli erscheinendes neues Album „Was berührt, das bleibt.„. So groß, dass euch hier erneut ein Stück des kommenden vierten Werkes ans Hörerherz gelegt sei.

ponyhof„Ponyhof“ heißt dieser, und ist nach „Bucketlist“ und „Stark sein“ (dieser wiederum handelt von Bungers Lebensgefährtin und wie beide mit einer Nachricht, die keiner will umgingen) bereits die dritte Vorab-Auskopplung aus dem Nachfolger zum freilich immer noch tollen 2015er Album „Flüssiges Glück„.

„Es erzählt die Geschichte von vier Menschen, die durch Liebe und Freundschaft verbunden sind, durch Schicksalsschläge und Krankheiten noch näher zusammenstehen und den Tod getrennt werden“, heißt es dazu – und der Song hat als Rede auf dem Festtag seines Schlagzeugers Nils tatsächlich so stattgefunden.

Wie auch die Vorgänger haben Bunger und sein Kreativteam, bei dem sich Dennis Dirksen für Kamera, Schnitt und Regie, Sarah Muldoon fürs Helfen beim Drehbuch, Stefan Mückner für Artwork und Assistenz sowie Nils Dietrich und Max Reckleben – nebst dem umsichtigen 32-jährigen Musiker – in Rollen vor der Kamera zuständig zeichneten, den dritten Teil vom Kurzfilm zu „Was berührt, das bleibt.“ auf Madeira und in Deutschland gedreht.

 

„Der Song Ponyhof ist meine gesungene Trauzeugenrede an den besten Freund, den man sich vorstellen kann. ‚Du bist da, wenn auch nichts im Leben sicher scheint – wenn ich von Freundschaft sprach, hab ich immer Dich gemeint.‘ Ich wünsche jedem von Euch einen Nils an Eurer Seite.“ (Enno Bunger)

 

Hier gibt’s das dazugehörige Musikvideo zum mit etwa sechs Minuten beinahe schon epischen Song, welcher einer von zwei auf dem neuen Album sein wird, die gemeinsam mit dem ehemaligen Voltaire-Frontmann Roland Meyer de Voltaire (der sich nun hinter dem Projekt SCHWARZ verbirgt und vornehmlich elektronischere Musik produziert) entstanden:

 

Bereits Ende des vergangenen Jahres hatte der norddeutsche Liedermacher für den kommenden Herbst eine ausführliche Deutschland-Tour angekündigt. Das hier sind die Daten:

08.10.19 – Essen, Zeche Carl
09.10.19 – Hannover, Musikzentrum
10.10.19 – Dresden, Beatpol
13.10.19 – München, Ampere
16.10.19 – Leipzig, Werk 2
17.10.19 – Göttingen, Musa
18.10.19 – Hamburg, Große Freiheit 36
19.10.19 – Berlin, Festsaal Kreuzberg
21.10.19 – Würzburg, Cairo
22.10.19 – Frankfurt am Main, Mousonturm
23.10.19 – Stuttgart, Im Wizemann
24.10.19 – Heidelberg, Halle 02
26.10.19 – Freiburg, Jazzhaus
28.10.19 – Erfurt, Franz Mehlhose
29.10.19 – Bremen, Schlachthof
30.10.19 – Köln, Gloria
01.11.19 – Osnabrück, Rosenhof
02.11.19 – Magdeburg, Moritzhof
03.11.19 – Rostock, Helgas Stadtpalast

 

Rock and Roll.

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