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Song des Tages: Phoebe Bridgers – „Funeral“


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„Gäbe es die Serie ‚Scrubs‘ noch, würden die Produzenten zu ‚Funeral‘ greifen, um eine traurige Szene zu untermalen, wie einst ‚Winter‘ von Joshua Radin.“

Oha. Das, was der „Musikexpress“ da mit wenigen Worten ins digitale Musikdickicht wirft, setzt doch schon so einige Assoziationen, oder?

Übrigens genauso wie die Liste der Förderer und Bewunderer von Phoebe Bridgers: So veröffentlichte kein Geringerer als Ryan Adams 2015 die ersten Songs der aus Los Angeles stammenden Musikerin auf seinem Label Pax Am Records, während das ewige Folk-Wunderkind Conor Oberst Bridgers bei einem der Songs ihres heute erscheinenden Debütalbums „Stranger In The Alps“ unterstützt und die ebenfalls gerade allerorten gefeierte Sadcore-Singer/Songwriterin Julien Baker zu ihren Best Buddies zählt (und sie im vergangenen Jahr als Support Act mit auf Tour nahm). Den Initialkick für ihre Karriere bekam Phoebe Bridgers, die die Los Angeles County High School for the Arts an der California State University besuchte, jedoch wohl 2014, als Apple sie in einem iPhone-Werbespot den Pixies-Evergreen „Gigantic“ spielen ließ. Die Webseite des neuen Indie-Folk-Sternchens lässt, der URL wegen, eine dezente Bewunderung für Amanda Palmer vermuten und informiert gleich auf der Titelseite darüber, dass Bridgers in den kommenden Wochen und Monaten Bands und Künstler wie Conor Oberst, Noah Gundersen, The War On Drugs oder Japanese Breakfast auf Tournee begleiten wird.

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Soviel zum Namedropping. Doch wie tönt die 22-jährige Musikerin nun? Nun, die einen basteln sich ein galantes „Elliott Smith meets Gillian Welch“ zurecht, der sowieso nie um einen verschrobenen Superlativ verlegene Ryan Adams sprach von ihr gar als „neuen Bob Dylan“ (was ja nun auf so vielen Ebenen keinerlei Sinn ergibt). Vielmehr bieten die Songs von „Stranger In The Alps“ allerlei Folksongs, die mal introspektiv flüstern (das feine „Smoke Signals“ mit Zeilen wie „And you must have been looking your me / Sending smoke signals / Pelicans circling / Burning trash out on the beach“), mal urban schillern, um dann in der Ferne Fleetwood Mac zu grüßen („Motion Sickness„). Irgendwo erklingt, wie in „Funeral“, eine jenseitige Fiddle, während im bereits 2015 erschienenen „Killer“ Pianomelodien zirkulieren oder sich Bridgers anderswo eine Gitarrenlinie von Heliumstimmen-Waldschrat Justin „Bon Iver“ Vernon besorgt und davon singt, dass sie nicht mehr stoned, nicht mehr allein sein mag (man höre -sic!- „Demi Moore“). Und wäre all das nicht genug, wagt sich die Newcomerin zum Albumabschluss noch an einen der größten Textmeister unserer Zeit heran und nimmt sich – zum Glück erfolgreich – den Mark-Kozelek-Song „You Missed My Heart“ zur Brust.

Und trotzdem wird es mit den Stücken von „Stranger In The Alps“ nicht zum ganz großen Wurf reichen. Das Problem dürfte sein, dass Bridgers, die mit ihrer blonden Mähne aussieht wie die kleine Schwester von Neunziger-Jahre-Riot-Rock-Heldinnen wie Liz Phair oder Folk-Professorinnen wie Aimee Mann, zwar ausreichend Schwermut in den Kofferraum ihres verranzten US-Oldtimers geladen hat (immer dieses Kopfkino!), es all das Indie-Folk-Drama und die schönen Zeilen jedoch in den schnelllebigen Zeiten von Facebook, Twitter, Instagram und Co. schwer haben werden. Dafür fließt das Album einfach zu antiquiert, zu durchschnittlich durch die Gehörgänge. Schlimm ist das aber keineswegs, denn wenn alles nach Plan läuft, dürfte man Bridgers‘ Stücke noch als spezielle Hintergrunduntermalung in so einigen TV-Serien wiederhören…

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: listener – „Add Blue“


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Ach, Jungs – wieso spannt ihr uns mit euren Appetithäppchen nur so auf die Folter?

Nachdem Dan Smith (Worte, Trompete, Bass), Jon Terrey (Gitarre) und Kris Rochelle (Schlagzeug) bereits kürzlich mit dem großartigen „There’s Money In The Walls“ und der 7“-Vinyl-Single „Being Empty, Being Filled Vol. 1“ die ersten neuen Songs seit vier Jahren hören ließen, legen listener, das Trio aus dem US-amerikanischen Kansas City, nun erneut nach.

„Add Blue“ ist dabei Teil der nächsten, morgen erscheinenden 7“-Single „Being Empty, Being Filled Vol. 2„. Während der Song über vier Minuten lang recht atemlos seiner eigenen Post-Rock-Klimax hinterher jagt und Dan Smith seine Spoken-Word-Salven ins Mikrofon feuert, zeigt das dazugehörige Musikvideo die Band on the road während ihrer kürzlich absolvierten Europa-Tournee (welche wegen irgendwelcher Arschgeigen leider nicht eben reibungslos ablief). listener-Schlagwerker Kris Rochelle über das Video:

“We met Lars a few years back in Belgium at a show where he shot video for us. After our last video had portrayed the more laid back off-time of touring, we decided it would be cool to try and capture the hectic nature of being on the road. We gave Lars very little direction, but told him a bit of our vision and I think he nailed it with the quick cuts and semi-chaotic sequences.”

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Julien Baker – „Appointments“


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Die aktuell weltbeste Sadcore-Singer/Songwriterin kommt aus Memphis, Tennessee und hört auf den Namen Julien Rose Baker. Isso. Wer etwas anderes behauptet, der pfeift in seiner kargen Geschmacksfreizeit wohl immer noch „Despacito“. Oder hat deren Debütalbum „Sprained Ankle“ noch nicht gehört…

ole-1129_julienbaker_turnoutthelights_1Da die Veröffentlichung ebenjenes Albums bereits knappe zwei Jahre zurückliegt, wird es nun langsam aber sicher Zeit für neue Trauerkloß-Songs der erst zarte 21 Lenze jungen Musikerin. Und genau deshalb erscheint am 27. Oktober mit „Turn Out The Lights“ der Nachfolger zu „Sprained Ankle“.

Einen ersten Vorboten vom neuen Album veröffentlichte Julien Baker mit dem gewohnt wunderschönen „Appointments“ bereits im August im Stream, und reicht nun das dazugehörige Musikvideo nach. Der Clip zeigt die Singer/Songwriterin zunächst auf dem Boden liegend in einem Haus, dann in einem Café und am Ende an einem See. Begleitet wird sie dabei von Tänzerinnen, die nicht von ihrer Seite weichen.

Und wäre das noch nicht genug, so hat Baker jüngst ein Duett mit Frightened Rabbit aufgenommen: Im Song „How It Gets In„, welches die schottische Band am gestrigen Freitag als einen von insgesamt drei Teilen der „Recorded Songs EP“ veröffentlicht hat, hört man die US-Musiskerin an der Seite von Angsthasen-Frontmann Scott Hutchison.

 

 

„I’m staying in tonight
I won’t stop you from leaving
I know that I’m not what you wanted
Am I?
Wanted someone who I used to be like
Now you think I’m not trying
Well, don’t argue it’s not worth the effort to lie
You don’t want to bring it up
And I already know how we look
You don’t have to remind me so much
How I disappoint you
It’s just that I talked to somebody again
That knows how to help me get better
Until then I should just try not to miss anymore
Appointments

I think if I ruin this
That I know I can live with it
Nothing turns out like I pictured it
Maybe the emptiness is just a lesson in canvases
I think if I fail again
That I know you’re still listening
Maybe it’s all gonna turn out alright
And I know that it’s not, but I have to believe that it is

I have to believe that it is
I have to believe that it is
(I have to believe it, I have to believe it)
I have to believe that it is
(Probably not, but I have to believe that it is)

And when I tell you that you that it is
Oh, it’s not for my benefit
Maybe it’s all gonna turn out alright
Oh, I know that it’s not, but I have to believe that it is“

 

Rock and Roll.

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Der „deutsche Steve Albini“ – Guido Lucas ist tot.


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Ein herber Verlust für die hiesige Indie-Szene: Guido Lucas, Besitzer des Blubox Tonstudios in Troisdorf, Mitte der Neunziger Gründer des Indie-Labels bluNoise Records und vor allem selbst auch Musiker aus Leidenschaft, ist überraschend im Alter von 53 Jahren gestorben.

Lucas hatte unter anderem Platten von Blackmail, Muff Potter, Donots, Urlaub in Polen, Thomas D, Union Youth oder Harmful produziert und selbst von 2000 bis 2008 als Bassist bei den Indierockern Scumbucket sowie bei Ken, Genepool und weiteren Truppen wie Les Hommes Qui Wear Espandrillos gespielt. Seiner direkten, nicht selten knochentrockenen Produktion wegen wurde der Rheinländer, den man gut an seinem breiten Schnauzer und der altmodischen Hornbrille erkennen konnte, nicht selten als „deutscher Steve Albini“ bezeichnet, sein Zögling Kurt Ebelhäuser (Blackmail, Scumbucket) nannte ihn einst ehrfürchtig den „deutschen Indie-Pabst“.

Zu den Umständen wurde zunächst nichts bekannt, Lucas‘ Tod scheint aber selbst für enge Freunde und langjährige Weggefährten, die die Nachricht in den sozialen Medien verbreiteten, völlig unerwartet gekommen zu sein.

Mach’s gut, Guido.

 

Ein kurzes Videoportät über Guido Lucas aus dem Jahr 2013 könnt ihr euch hier anschauen:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Fiskur – „Too Slow, Too Far“


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Ross Clark, ehemals Frontmann des schottischen Indierock-Trios Three Blind Wolves, hat mit Fiskur ein neues Soloprojekt. Erster Gedanke, sicherlich: Kennste Wayne?

Natürlich stehen die Chancen gut, dass selbst findigste Musiktrend-Aficionados weder von Clark noch von dessen bisheriger Band je einen Ton gehört haben. Selbst Google spuckt in seiner Suche nach Fiskur kaum mehr als den Twitter-Account aus, und bei noch 150 Facebook-„Likes“ von „Geheimtipp-Status“ zu schreiben, ist wohl auch keineswegs vermessen.

Trotzdem klingt die just heute online gestellte Single von Ross Clarks neustem, übrigens gemeinsam mit Frightened-Rabbit-Keyboarder Andy Monaghan aus der Taufe gehobenen musikalischem Baby, „Too Slow, Too Far“, einfach zu interessant, um ungehört zu bleiben. Gut vier Minuten schroff produzierter Indierock mit deutlich britischer Färbung, dezent-unterkühltem Eighties-Einschlag und einer feinen Prise Ohrwurm-Potential, der dezent an schottische Kollegen wie We Were Promised Jetpacks erinnert. Da trifft es sich doch, dass der aus Glasgow stammende Musiker ebenjene Band bei deren Shows in Edinburgh, Glasgow, Manchester und London im November im Vorprogramm unterstützen wird…

 

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: East


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Was macht eigentlich der Tigeryouth-Tilman, wenn er gerade mal nicht kreuz und quer durch die Bundesrepublik düst, um hier einen Indieclub, da ein AJZ mit akustischem Singer/Songwriter-Punkrock zu bespielen und das anwesende Publikum mit seiner Reibeisen-Stimme in seinen Bann zu ziehen?

Wahrscheinlich die Stimmbänder ölen. Und sich mit ein paar Kumpels zu einer gemeinsamen Band zusammenzutun, denn auf Dauer wird es selbst auf der kleinsten AJZ-Bühne der Nation irgendwann langweilig…

Wohl aus diesem Grund sind irgendwann in den letzten Jahren East entstanden. Vielmehr jedoch als die Vorliebe für winzige Indieclub-Bühnen eint Tilman Benning und seine Mitstreiter Mertes, Pauly, Wondra und Kansy die gemeinsame Liebe zum guten alten Neunziger-Emo-Rock. Nee, nicht zu dem, was sich aus dem Genre über die Jahre, -und durch Comic-Abziehbildchen á la My Chemical Romance, Fall Out Boy, Panic! At The Disco und Co. – daraus entwickelt hat. Man denke eher an Bands wie Sunny Day Real Estate, Jawbreaker, The Promise Ring, Texas Is The Reason, The Get Up Kids oder Mineral. An teilweise schroff und indie und mit wenig Mastering aufgenommene Alben, die juvenilen Weltschmerz zu lauten Schrammelgitarren, rumpeligem Schlagzeug und tief tönendem Bass direkt in die eigene Kopfhörerwelt transportieren. An Gefühl statt Kajal und Attitüde. Nostalgie? Sicher, jedoch auf die gute Art und Weise. Oder wie es East – leicht pathetisch, dezent überhöht – selbst ausdrücken:

„East kommen aus Trier und Berlin und machen Emo. Und zwar die Sorte, die Anfang der Nullerjahre dem Punk entwuchs und Befindlichkeiten zum Gegenstand ungeschliffener Rocksongs machte. Bevor der Begriff zwischen scheiteltragenden Modepuppen und testosterongeschwängertem Griffbrettgewichse zur Realsatire mutierte. Man fühlt sich beim Hören dann auch nicht zufällig an die Helden jener Tage erinnert. Da trifft die Wucht von Hot Water Music auf die Sprödigkeit der Get Up Kids, während die durch unzählige Touren seines Soloprojekts Tigeryouth geschulte und gewetzte Stimme von Sänger Tilman gekonnt zwischen der Eindringlichkeit eines Brian Fallon von The Gaslight Anthem und der Zerbrechlichkeit Taking Back Sundays zu oszillieren scheint. Dabei sind East weit davon entfernt in der Nostalgie vergangener Tage zu verharren. Stattdessen machen sie klar, dass das letzte Jahrzehnt Gitarrenmusik nicht spurlos an ihnen vorbei gegangen ist. Ausgefuchstes Songwriting, verflochtene Gitarrenriffs und treibender Rhythmus atmen Progressive Rock genauso wie Indie. Damit zeigen East, dass Emo auch im Jahre 2016 weit davon entfernt ist, tot zu sein.“

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Die ersten drei Songs der im Januar veröffentlichten Demo-Aufnahmen kann man bereits via Bandcamp hören. Ein Schelm, der dem Tigeryouth-Tilman sein mit breitem deutschen Akzent durch die Kehle gepresstes Englisch zur Last legen würde…

 

Rock and Roll.

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