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Song des Tages: Travis – „Nina’s Song“


Foto: Promo / Ryan Johnston

Einer der größten Fehler im Leben von Fran Healy war mit Sicherheit, seinen grauen Rauschebart wieder abzurasieren. Stand ihm irgendwie. Nein, nicht einmal das relativ maue, mittlerweile mehr als vier Jahre zurückliegende Album „Everything At Once“ seiner Stammband Travis war ein größerer Fauxpas… Aber Gesichtshaar hin oder her, im Rückblick darf festgehalten werden: Healy, der mitsamt der Familie vor drei Jahren von Berlin nach Los Angeles übersiedelte, und seine drei Kumpanen haben in 25 Jahren Bandgeschichte ganz schön viel richtig gemacht. Ehrlich und nüchtern betrachtet haben die vier Schotten damals um die Jahrtausendwende mit ihrem auch heute noch über jeglichen Zweifel erhabenen, von turmhoher Melancholie gesäumten Meisterwerk „The Man Who“ und Evergreens wie „Why Does It Always Rain On Me?“ Coldplay ermöglicht, die ja zumindest drei recht ordentliche Alben ablieferten, oder Keane mit immerhin einer soliden Platte. Aber vor allen Dingen haben Fran Healy, Andy Dunlop, Dougie Payne und Neil Primrose auch danach alle paar Jahre selbst recht zuverlässig geliefert – selten weltbewegend, jedoch immer grundsympathisch. Trotzdem war es für nicht wenige wohl eine halbwegs mittelgroße Überraschung, als die Schotten im Juni 2020 mit „A Ghost“ eine derart wuchtige Single veröffentlichten. Und man höre auf: „10 Songs„, das im Oktober erschienene neunte Album der Band, bietet einige solcher Nummern.

Obwohl ja sowohl der Vorgänger als auch der nicht eben mit Kreativpreisen dekorierte, möglichst wenig aussagekräftige Albumtitel die Messlatte der Erwartung zunächst verdammt erdbodennah ansetzen. Aber das altbekannte Prinzip „Never judge a book by its cover” gilt wohl auch hier – und schließlich kommt es auf die inneren Werte an. Also genau auf das Genannte: die zehn Songs. Die präsentieren eine Band, die tatsächlich bereits ein geschlagenes Vierteljahrhundert gemeinsame Sache macht, die sich mit dem neuen Werk auch mehr als vier Jahre Zeit gelassen hat, aber einen wissen lässt: Das Warten hat sich durchaus gelohnt! Es sind die unverkennbaren Travis, die sowohl eine rockige Seite als auch eine ruhigere Seite haben – und auch dazwischen so einiges können…

Das Spannungsfeld hört man schon in den Vorab-Singles. Das erwähnte „A Ghost“ macht als treibende Rock-Nummer auf sich aufmerksam und belebt den Sound, wie man ihn im Frühwerk à la „Good Feeling“ (1997), aber auch den Stücken der „Ode To J. Smith“ (2008) kannte: druckvoll-treibend, klare Gitarrenlinien und ein hohes Tempo – so kennt man Travis. Hört man wiederum „The Only Thing„, für welches der Glasgow-Vierer keine Geringere als Bangles-Sängerin Susanna Hoffs fürs Duett gewinnen konnte, so merkt man: auch so kennt man Travis. Eine ruhige Indie-Pop-Nummer mit ordentlich Gefühl an Bord. Noch keine Ballade, da so etwas wie Tempo vorhanden ist, jedoch verdammt nah dran. Und dabei zudem zu berührend gestaltet, um Gefahr zu laufen, komplett irrelevant zu werden.

Das ist der Spielraum, in dem sich Travis bewegen, teils vergrößert, teils dazwischen. „Waving At The Window“ beispielsweise vereint Tempo mit ruhigen Pianoläufen und wirkt durch Fran Healys unverwechselbaren Gesangstil auch sehr einfühlsam. Auf der anderen Seite lassen sind neben „A Ghost“ aber auch Stücke finden wie etwa die zweite Single „Valentine“ finden, die langsam einsteigt und dann deftig lospoltert. Mit Gitarre und Schlagzeug, welche seit dem wahnsinnigen Riff aus „Happy To Hang Around“ von „12 Memories“ (2003) nicht mehr derart aufdrehen durften, die sich im letzten Song-Drittel noch mal mehr in Ekstase spielen. Solange, bis der Song schließlich endet, wie er begonnen hat – dem Tode ins Auge blickend, aber in aller Gemütlichkeit: „If I lie here / I might die here / I may lay here for a while.“ Ganz egal, wie es sich musikalisch äußert: Man hört, dass hier eine Band agiert, die für sich nie stehen geblieben ist, die ihren Stil stets in Nuancen weiterentwickelt und sich dabei auch darauf versteht, die verschiedenen Dynamiken gut unter einen Hut zu bekommen.

Wenn „No Love Lost“ das Album beendet, erklingt eine sehr ruhige Piano-Ballade zu einem Titel, der auch inhaltlich stimmt: Wer Travis liebt und der Band über all die Jahre die Stange gehalten hat, der wird diese Liebe auch mit dem neusten Langspieler – einfallsloser Albumtitel mal außen vor, den irgendwie gehören die ja fast schon zur Travis’schen Tradition – nicht verlieren. Wenn man nun unbedingt etwas bemängeln wollen würde, könnte man mutmaßen, dass ein, zwei weitere rockigere Stücke dem Zehnerpack Songs wohl keineswegs geschadet hätten, aber allein mit kritischem Jammern auf recht hohem Niveau würde man der Band schlichtweg nicht gerecht. Fran Healy und Co. ist mit „10 Songs“ ein erwachsenes Album gelungen, wie man es von vier Endvierzigern auch erwarten darf. Keineswegs weltbewegend, noch immer grundsympathisch. „This is no rehearsal, this is the take“, heißt es gleich zu Beginn – wenn die Fünfzig schon am Horizont schimmert, wird das Leben in manchem Moment nun wirklich ein wenig ernster. Das Schöne dabei: das Träumen, die Verträumtheit will sich das Quartett auch 21 Lenze nach „The Man Who“ nicht verbieten lassen, immer garniert mit der Travis-typischen Melancholie, zu der ein gemütliches Kneipenbier genauso gut mundet wie ein warmer Kakao.

Gleichsam wunderschön ist „Nina’s Song“ in seiner Verneigung vor dem Spätwerk der Beatles gelungen. Klare Sache: mit einer singenden Katze im Musikvideo kann nunmal so gar nichts schief laufen, oder? Und mit 47 Jahren auf dem Zeitkonto haben Fran Healy und seine Lads längst verstanden, dass Aufgeben keine Alternative ist. Dann lieber mit einem Liedchen auf den Lippen ins Gefecht: „There’s nothing wrong / With a song / Sung into battle.“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Julien Baker – „Hardline“


Foto: Promo / Alysse Gafkjen

Nach der bereits im vergangenen Oktober veröffentlichten ersten Vorabsingle „Faith Healer“ durfte man durchaus (noch) gespannt(er) sein, wohin es Julien Baker musikalisch auf dem Nachfolger zum 2017er Langspieler „Turn Out The Lights“ so zieht: Der Song entwickelte sich ausgehend von Bakers typisch zerbrechlich perlenden Gitarren zu einem üppigen Bandsound, in dessen Zentrum stets der einmalige Gesang der 25-jährigen Indie-Singer/Songwriterin stand.

Das gilt so ähnlich nun auch für „Hardline“: Sacht schwellen zu Beginn ein paar Orgeltöne und Synthesizer an, dann singt Baker feingliedrig wie eh und je. Nach fünfzig Sekunden wirkt es kurz, als würde der Song nun im Bandsound mit einer Pop-Bassdrum in den Mainstream übertreten. Doch der Titel bewahrt sich seine Indie-DNA, kehrt noch einmal zurück zu nichts als Gitarre und Gesang, schwillt wieder opulent an, beruhigt sich leicht und mündet schließlich in ein tosendes Finale, das manch einen eventuell flüchtig an ihren Beitrag im Touché Amoré-Song „Skyscraper“ erinnern könnte. Klar ist: So groß, so weitschweifig klang Julien Rose Baker noch nie.

Das fast noch tollere dazugehörige Stop-Motion-Video zeigt eine mysteriöse gehörnte Figur und ihren Hund in einer beinahe postapokalyptischen Pappmaché-Welt, die an einer einsamen Tankstelle Benzin stehlen, einen seltsamen Apparat testen, auf einem Kirchendach sitzen – und schließlich im stürmischen Schlussakt den Sound des Songs treffend in Bilder übersetzen. Der Look des Clips geht dabei laut Regisseur Joe Baughman, der mehrere hundert Stunden Arbeit in den liebevoll arrangierten, herzerwärmenden Clip steckte, auf eine Skulptur zurück, die Baker selbst gestaltet hatte. „Vor ein paar Jahren habe ich angefangen, Gegenstände von meinen Reisen aufzuheben, mit dem vagen Hintergedanken, daraus ein Kunstwerk zu machen“, meint Baker selbst. „Ich habe das alles dann in einer Collage in Form eines Hauses und eines Vans verarbeitet. Das wollte ich irgendwie auf der neuen Platte einbinden und als wir über Ideen für ein Video gebrütet haben, sind wir auf Joe Baughman gekommen.“

„Hardline“ wird auf „Little Oblivions“ zu hören sein, Julien Bakers mit Spannung erwarteten drittem Studioalbum, welches am 26. Februar erscheint. Die vorherige Single „Faith Healer“ hatte die junge Musikerin kürzlich in einer mitreißenden Version auch in der US-Late-Show von Stephen Colbert vorgestellt; zuvor hatte sie bereits die einzelnen Spuren des Tracks für Remixe freigegeben. Noch toller war da eigentlich nur ihr Besuch bei „KEXP at Home“, bei dem sie im Gespräch mit Moderatorin Cheryl Waters nicht nur aus ihrem Leben und vom neuen Album erzählte, sondern auch – mal solo, mal mit Band – Live-Session-Versionen von „Faith Healer“, „Hardline“, dem neuen Stück „Song In E“ sowie einer zu Tränen rührenden Coverversion des Soundgarden-Klassikers „Fell On Black Days“ zum Besten gab…

„A few years ago I started collecting travel ephemera again with a loose idea of making a piece of art with it. I had been touring pretty consistently since 2015 and had been traveling somuch that items like plane tickets and hotel keycards didn’t have much novelty anymore. So I saved all my travel stuff and made a little collage of a house and a van out of it. I wanted to incorporate it into the record and when we were brainstorming ideas for videos we came across Joe Baughman and really liked his work so we reached out with the idea of making a stop-motion video that had similar aesthetic qualities as the house I built did. I don’t know why I have the impulse to write songs or make tiny sculptures out of plane tickets. But here it is anyway: a bunch of things I’ve collected and carried with me that I’ve re-organized into a new shape.“ (Julien Baker)

„Man, even after having spent 600 hours immersed in ‘Hardline’ and having listened to it thousands of times, I am still moved by it. It was a fun and ambitious challenge creating something that could accompany such a compelling song. The style of the set design, inspired by a sculpture that Julien created, was especially fun to work in. I loved sifting through magazines, maps, and newspapers from the 60s and 70s and finding the right colors, shapes, and quotes to cover almost every surface in the video.“ (Joe Baughman)

„Blacked out on a weekday
Still, something that I’m trying to avoid
Start asking for forgiveness in advance
For all the future things I will destroy
That way I can ruin everything
When I do, you don’t get to act surprised
When it finally gets to be too much
I always told you you could leave at any time
Until then I’ll split the difference
Between medicine and poison
Take what I can get away with
While it burns right through my stomach
I’m telling my own fortune
Something I cannot escape
I can see where this is going
But I can’t find the brake

Knocked out on a weekend
Would you hit me this hard if I wеre a boy?
See, I don’t need you to defend mе
‚Cause it’s just the sort of thing that I enjoy
Took the fallout, draw a hard line
When I cross it, it’s the third time
Say my own name in the mirror
And when nobody appears
Say it’s not so cut and dry
Oh, it isn’t black and white
What if it’s all black, baby?
All the time

Oh, all the time…“

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Raye Zaragoza – Woman In Color (2020)

-erschienen bei Rebel River Records-

Raye Zaragoza weiß ziemlich genau, wie es ist, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die außerhalb des amerikanischen Mainstreams existiert. Ihr Vater hat indianische Wurzeln, ihre Mutter ist japanischer Abstammung. Zaragoza selbst wuchs in der Enge eines kleinen New Yorker Apartments auf. In einem sehr realen Sinne brachte ihr ihre Erziehung also eine Verbindung zu anderen, die sich ausgegrenzt, diskriminiert und an den Rand der modernen Gesellschaft gedrängt fühlen – da scheint der Fakt, dass ihr Vater in ihrer Kindheit den Sioux-Häuptling Sitting Bull im Broadway-Stück „Annie Get Your Gun“ gab, nur allzu gut ins nicht eben klischeefreie Bild zu passen. Wenig verwunderlich also, dass die 27-jährige Folk-Musikerin, die bereits seit einiger Zeit im sonnigen Kalifornien lebt, diese Erlebnisse, Erfahrungen und Gedanken in ihre Songs einfließen lässt.

Ebenso wenig verwunderlich ist es, dass auch ihr aktuelles, recht programmatisch „Woman In Color“ betiteltes Album vom aktuellen Kampf für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung all jener inspiriert wurde, die in den US of A der Gegenwart auf so viele verschiedene Weisen ausgegrenzt, verleumdet und generell gemieden werden – ein Thema, auf das Zaragoza im Laufe des Albums immer wieder zurückkommt, vor allem in Songs wie „They Say„, „Fight Like A Girl„, The It Girl“ oder „Warrior“, die sich, jeder für sich, bei genauerem Hinhören zu essentiellen kleinen Hymnen erheben, die erhaben sind und doch in sich ruhen, während sie andererseits vor Leidenschaft und Zielstrebigkeit nur so strotzen. Dennoch wählt Raye Zaragoza nie die Lautstärke als Mittel zum Kampf, ihre im Americana-Folk angesiedelten Melodien bleiben meist zurückhaltend und verführerisch tänzelnd, in jeder Sekunde durchdrungen von einer geradezu hypnotischen Aura, die den Hörer in ihren Bann zu ziehen vermag, ohne die Botschaften außer Acht zu lassen. Neben den oben genannten umschmeicheln besonders zwei Stücke, „Ghosts Of Houston Street“ und dem ihrer Mutter gewidmeten „Change Your Name“, in diesem Sinne den Hörer und hinterlassen so einen nachhaltigen Eindruck.

(Foto: Promo / Cultivate Consulting)

„Meine Erziehung und meine ethnische Identität waren immer eine treibende Kraft für meinen Wunsch, eine Geschichtenerzählerin sein zu wollen“, betont Zaragoza. „Farbige Frauen werden so oft aus der amerikanischen Erzählung ausgeklammert, und das möchte ich mit meiner Musik ändern. Bei dieser Platte geht es vor allem darum, wie wichtig es ist, diejenigen Geschichten zu erzählen, die so oft übersehen werden – vermisste und ermordete indigene Frauen, die Darstellung in den Medien, Gentrifizierung, Immigration und so weiter. Ich hoffe, dass meine neue Platte die Wichtigkeit des Erzählens verschiedener Geschichten hervorhebt.“

Raye Zaragoza, die als frühe musikalische Einflüsse Harry Chapin, Jewel, Selena oder Avril Lavigne nennt, sagt, sie sei auf einem mehr oder weniger großen Umweg zu der Entscheidung gekommen, Musik zu machen. „Ich habe in der Dienstleistungsbranche als Kellnerin, Barkeeperin und Hostess gearbeitet“, erinnert sie sich. „Dabei ging es darum, das Publikum, welches in diesem Fall am Tisch saß, glücklich zu machen und dafür ein Trinkgeld zu bekommen. In dieser Zeit wurde mir klar, dass ich das Gleiche als Musikerin tun konnte, indem ich einfach in einem anderen Teil des Raumes stehe und eine Gitarre in den Händen halte. Von da an spielte ich fünf bis sechs Tage pro Woche in Restaurants, Weingütern, Brauereien und auf Bauernmärkten. Das war meine erste Erkenntnis: dass ich, wenn ich hart arbeite, so viel verdienen kann, wie ich in einem Restaurant als Kellnerin verdiene, indem ich stattdessen für die Menschen Musik mache. Ich spiele keine Restaurant-Gigs mehr, aber es war eine erstaunliche Brücke, die mich dahin gebracht hat, wo ich jetzt bin.“

Produziert von Tucker Martine, einem Grammy-nominierten musikalischen Tausendsassa, der unter anderem bereits für Bands und Künstler wie die Decemberists, R.E.M., My Morning Jacket, Neko Case, Modest Mouse, First Aid Kit oder Sufjan Stevens hinter den Reglern saß, ist das im vergangenen Oktober erschienene Album typisch für Zaragozas entschlossene Haltung: Sie gräbt mit beiden Händen tief im Erbe des US-Folk, lässt politischen Aktivismus sowie ihre eigenen Erfahrungen mit einfließen und fördert so solide ausgefeilte Americana-Songs mit dezenten Indie-Rock-Noten zutage, die oft von funkelnden E-Gitarren, lebendigem Bass und beherzt zupackenden Perkussion-Instrumenten flankiert und manchmal gar von sparsamen Bläser-Arrangements und anschwellenden Streichern untermalt werden. Zaragozas eindringliche, wunderbar dunkel schimmernde Stimme bahnt sich ihren Weg durch starke, nicht selten feministisch geprägte Hymnen und zärtelnde Balladen, die in ihrem Unterboden Biografisches ebenso wie Historisches zu tragen scheinen, der Melancholie jedoch auch ausreichend Luft und Raum zum Tagtraum bieten. Politisch und persönlich, mutig und aufrichtig – Raye Zaragozas unerschütterlich ermutigende Story-Songs stellen sich allen Ungerechtigkeiten mit sorgenvoller Gewissheit und festem Glauben. Alles fürwahr keineswegs neu, dennoch schafft sie es im Herzen ihrer Songs, sowohl ihrem Stil als auch ihren Mantren treu zu bleiben.

(Fotos: Promo / Ursula Vari)

„Ich habe das Gefühl, dass meine früheren Veröffentlichungen das Sprungbrett zu ‚Woman In Color‘ waren“, reflektiert die Folk-Musikerin, welche hierzulande immer noch als Geheimtipp zählen darf. „Mit [dem 2017 veröffentlichten Vorgängeralbum] Fight For You‚ war ich immer noch dabei herauszufinden, wer ich bin und wie ich meine Geschichte erzählen will. Es war ein gutes Album, um meine Stimme zu finden. ‚Woman In Color‘ fühlt sich wie eine Fortsetzung dieser Platte an, aber auch wie ein Abschluss mit allem, was ich in den Jahren, in denen ich ‚Fight For You‘ schrieb, zu finden versuchte. Ich habe mein eigenes Plattenlabel Rebel River Records auf Patreon gegründet, um dieses Album zu verwirklichen, und ich bin allen so dankbar, die diese Platte unterstützt haben und sich mit mir für diese zwar indie’eske, jedoch wichtige Veröffentlichung zusammengetan haben.“

Letztendlich ist Raye Zaragozas Engagement offensichtlich, und das ist auch die Botschaft, die bei jedem einzelnen Song des Albums mitschwingt. Die Musikerin möchte einen, anstatt, wie es etwa der – zum Glück! – scheidende 45. US-Präsident in den vergangenen vier Jahren seiner Amtszeit getan hat, zu spalten. Sie sucht nach Unterstützung für eine gemeinsame Sache und für all jene Gruppen, welche darum kämpfen, in der aktuell so vielfältigen US-amerikanischen Malaise gehört anstatt mit tumbem Nonsens übertönt zu werden.

„Ich denke, jede Bewegung, die für Gerechtigkeit und Gleichheit kämpft, hilft sich gegenseitig“, so Zaragoza. „Die ‚Black Lives Matter‘-Bewegung hilft der ‚Indigenous Rights‘-Bewegung und so weiter. Wir alle kämpfen darum, gehört und gesehen zu werden, und der Sieg für einen von uns ist ein Sieg für uns alle. Ich habe absolut das Gefühl, dass wir alle ein Teil einer größeren Gemeinschaft sind, die Gerechtigkeit fordert.“ Außerdem sie ihre Hoffnung, dass die Menschen aufhören ihr Leben von Habgier bestimmen zu lassen, denn „Habgier verblendet und verleitet Menschen dazu, schreckliche Dinge zu tun. Habgier wird unseren Planeten zerstören. Wir müssen dankbar für unsere Mutter Erde sein und ihr mit Respekt begegnen.“ Raye Zaragozas Songs leisten in jedem Fall ihren kleinen Beitrag zum großen Ganzen.

Via Bandcamp gibt’s „Woman In Color“ im Stream…

…und hier Musikvideos zu „They Say“…

…“Rebel Soul“…

…“Fight Like A Girl“…

…“The It Girl“…

…“Warrior“…

…oder „Run With The Wolves“:

Rock and Roll.

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Sunday Listen: The Wrens – „The Meadowlands“


Dies ist das Album einer desillusionierten Band. Es besteht von Anfang an kein Zweifel daran. Vier Männer, Mitte Dreißig bis Anfang Vierzig, haben es aufgenommen. Nach Feierabend und ein paar starken Kaffee, nachdem sie ihren Nachwuchs ins Bett gebracht hatten. Sie klingt so unglaublich schwer, diese Platte, so verdammt spröde und im besten Sinne intim und indie’esk, als sei es die Pest gewesen, sie zu machen. Müde, ausgelaugt, fertig mit der Welt. Sie ist das letzte bißchen Seele, das diese Band noch zu geben hatte. Ein aussichtsloser, unmöglicher, ein absolut großartiger Kraftakt. Nach sieben Jahren, die die Hölle waren. Was mit den Wrens währen dieser Zeit passiert ist? Nun, es ist, wie leider so oft, eine Geschichte des Geldes. Oder vielleicht eher: eine Geschichte, in der der schnöde Mammon keine Rolle spielen sollte.

Es ging damit los, dass Alan Meltzer, seinerzeit ein respektabler, unerhört wohlhabender Musiktycoon, sich buchstäblich in die Band verguckte (oder eben verhörliebte). Es war 1996, und er wollte sie haben – koste es, was es wolle. Also kaufte Meltzer mal eben das Label der Band auf, bot ihr einen Millionen-Dollar-Vertrag an und verlangte im Gegenzug, sie fit machen zu dürfen für Radio, Charts und Superstardom. Die Chancen standen damals gar nicht schlecht. Gerade erst hatte das 1989 gegründete Indie-Rock-Quartett aus New Jersey das übersprudelnd spritzige und schlagfertige „Secaucus„, eine vergleichsweise ausgesprochen leichte Platte, veröffentlicht. Man war jung, voller Hoffnung und strebte nach oben. Nur die eigene Seele, die wollte man halt doch gern behalten. Also lehnten die Wrens ab. Und ihr Schicksal war durch dieses „No Deal!“ sowie einige darauf folgende juristische Streitigkeiten erst einmal besiegelt…

Man landete zunächst auf dem Abstellgleis, später auf der Straße. Handelte zwei neue Plattendeals aus, die jeweils in letzter Sekunde platzten. Und gewöhnte sich nebenbei schonmal an die harte Realität des geplatzten Rockstar-Traums, an Bürojobleben und Steuererklärungen. Daß Charles Bissell, Jerry MacDonald sowie die Brüder Greg und Kevin Whelan trotzdem nie zum Abschluss kamen mit ihrer Musik, weiterhin Songs schrieben, obwohl es immer schwerer fiel und frustrierender wurde, sollte sich erst 2003 bezahlt machen. Ein Album war fertig, ein Album von seltsam kraftstrotzender Bitterkeit und unwirklich antriebsstarker Resignation, auf dem die Band kaum wiederzuerkennen war. Sie klang wie vier innerlich scheintote Menschen und war doch seit sieben Jahren nicht mehr so lebendig gewesen. Das US-Indie-Label Absolutely Kosher griff zu (und meldete – auch das passt ja irgendwie ins von Fatalismus geprägte Bild – seinerseits ein paar Jahre darauf ebenfalls Konkurs an). „The Meadowlands“ wurde vielerorts die Indie-Platte des Jahres, wohlmöglich sogar der Nuller-Jahre (das jedoch nach wie vor eher im Geheimtipp-Fach).

Dass darauf noch einmal zwei Jahre vergingen, bis es das Album schließlich 2005 auch nach good ol‘ Europe schaffte? Eine Randnotiz in seiner doch schon besonderen Entstehungsgeschichte, ebenso wie der Fakt, dass Freunde der Band nun schon seit geschlagenen 17 (!) Jahren auf einen Nachfolger warten (obwohl dieser seit 2014 fertig sein soll). Gerahmt wird „The Meadowlands“ von zwei neunzigsekündigen Liedern, die klingen, als wären sie nie so ganz fertig geworden. Sie zerbrechen nach der Hälfte, sortieren sich neu und zeigen die Richtung auf für alles, was zwischen ihnen passiert: „Per Second Second“ mit der dreckigsten Verzerrer-Gitarre, die gerade noch in einen Song der ähnlich tragischen Neutral Milk Hotel passen würde. „Everyone Chooses Sides„, das als potentieller Carefree-Hit des Albums ziemlich abrupt vor einer Betonwand endet. Und „13 Months In 6 Minutes“, aus dessen Trostlosigkeit beinahe unbemerkt ein zweiter Song herauswächst. Welch‘ Wunder – auch dem geht es natürlich nicht besser…

Dabei gibt es auch Stücke auf „The Meadowlands“, die sehr viel besser als etwa das zerfressene „Boys, You Won’t“ verstecken, durch welchen Mist die Wrens da gegangen sein mögen. „Hopeless“ mit seinen quirligen Gitarren und himmelschreienden Refrains könnte man – nomen non omen est – etwa für einen fröhlichen Zwischenruf halten (oder meinetwegen für das sehnsuchtsvollste Stück, das Jimmy Eat World nie geschrieben haben), würde es nicht diese verlorene Beziehungsgeschichte vor sich hertragen. Die Melodie schlingert, der Sänger nölt in seltsamen Nuancen, das Akkordeon irritiert und will doch nur helfen. In „She Sends Kisses“ dauert es drei Minuten, bis die Wrens den ersten Refrain richtig ausarbeiten, und wie wohlig aufgehoben fühlt man sich schließlich in diesem komischen Liebeslied über die Briefe einer gewissen Beth. Und „This Boy Is Exhausted“ tarnt sich als nostalgischer Sixties-Pop-Bengel, obwohl es doch eigentlich der große, unmißverständliche Abrechnungssong des Albums ist: „Every win on this record’s hard won“. Es ist wirklich nichts Versöhnliches in dieser Musik. Keine Genugtuung. Es muss viel zu zermürbend gewesen sein, diese vertonte Autobiographie der oft genug bleischweren Gefühle, Ängste und schließlich der Selbsterkenntnis zu machen.

Abgesehen davon ist „The Meadowlands“ ein traumwandlerisches Zeugnis begnadeter Songwriter- und Arrangierkunst für Menschen ohne jedes Budget. Ein Werk, das Zeit und Muße einfordert. Es würde nicht verwundern, wenn die Band die Songs in dem alten, von den Makeln der Vergänglichkeit gezeichneten Häuschen vom Coverfoto aufgenommen hätte. So aus der Zeit gefallene, schwermütige Songs schreibt und produziert man nur, wenn die Milch morgens vor der Tür liegt, genug Zigaretten und Whiskey im Haus sind und längst keine verdammte Plattenfirma der Welt mehr irgendetwas von einem erwartet. Indie eben. Aber selten klang dieser so stimmig und formvollendet windschief-winterlich wie hier.

Rock and Roll.

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Auf dem Radar: Circus Trees


Foto: via Bandcamp

Mit dem Alter ist’s immer so eine Sache. Denn in der Tat waren viele große Talente noch ziemlich jung, als sie ihre ersten wichtigen Alben aufnahmen. Kurt Cobain ist 22 Jahre alt, als das Nirvana-Debüt „Bleach“ erscheint. Paul McCartney ist 21, als die Beatles anno 1963 ihr Erstlingsalbum veröffentlichen. Robert Plant ist noch 20, als Led Zeppelins monumentales erstes Werk erscheint. Und Gitarrist John Frusciante gerade einmal zarte 19 Lenze, als er mit den Red Hot Chili Peppers „Mother’s Milk“ an den Start bringt.

Darüber können die drei Schwestern hinter Circus Trees, Giuliana, Finola und Edmee McCarthy, wohl nur milde lächeln, schließlich sind sie 18, 16 und 14 Jahre jung, und können trotzdem bereits jetzt auf die ein oder andere Erfahrung im Haifischbecken Musikgeschäft zurückblicken. Schon bemerkenswert? Türlich, türlich! Noch erstaunlicher ist jedoch, dass ihr Debütalbum „Delusions„, welches im vergangenen August erschien, dabei nicht einmal das erste Material des Trios aus Marlborough, Massachusetts ist. Bereits die EP „Sakura“ von 2019 war ein starkes Ausrufezeichen, mal abgesehen vom 8:20 Minuten langen ersten Song „Floating Still“ von 2018 (aufgenommen von Jay Maas von Defeater) – da war das familiäre Dreiergespann 16, 14 und 12! Und bereits jenes Stück enthält im Grunde alles, was die Newcomer-Band so stark macht: erschütternde Traurig- und Ernsthaftigkeit sowie ein dramaturgisch ausgeklügeltes Gespür, über die lange Strecke mit lauten und leisen Passagen zu fesseln. Sie nennen es selbst Sadcore – und haben damit vor einer ganzen Weile bereits Szene-Größen wie Caspian überzeugt, für die sie in Boston eröffnen sollten, hätte ihnen nicht COVID-19 einen Strich durch die Tour-Planung gemacht. Dafür teilten sie bereits die Bühnen mit Bands wie O’Brother, Holy Fawn oder Spotlights – ebenso amtlich.

Eventuell liegt ein Teil des Erfolgsgeheimnisses von Circus Trees ja in den durch und durch familiären Strukturen: So erschien das Debüt über Five By Two Records, einem Label, das mit Robert McCarthy der Vater der Musikerinnen betreut – ein ehemaliges Punk-Kid, das in der Tech-Industrie zu Geld gekommen ist und sich von der Arbeit zurückgezogen hat, um sich voll und ganz um die Band seiner Töchter und ihre Kreativunternehmungen zu kümmern. Der ältere Bruder Eoghan, selbst Musiker, und der jüngste, Declan, helfen als Roadies bei den Shows mit. Was jedoch unterm Strich zählt, sind natürlich die vier- bis achtminütigen Songs von Circus Tree, die mal melancholisch-introspektiv, mal laut sind, die mal walzen und mal zart fließen, als würden Songwriterinnen wie Julien Baker oder Emma Ruth Rundle den Shoegaze-Metal-Helden Hum als Sängerin(nen) vorstehen.

Dennoch wollen Finola, Giuliana und Edmee McCarthy keinen Welpenschutz, kein gönnerhaftes Schulterklopfen und erst recht keinen Außenseiterbonus – und „Delusions“ ist passenderweise genau das Biest von einem Album geworden, das seinem Publikum dieses Ansinnen auch recht unmißverständlich einhämmert. Die Schrottkarren vom Cover geben einen ersten Ausblick auf die Musik, die nach einem kurzen gesprochenen Snippet mit „Wasted Air“ beginnt. Ein skandinavisch anmutender, bleischwerer Gitarrenschleier wird kurz für Finolas jetzt schon abgeklärt wirkenden Gesang geöffnet, dann bekommen wir es mit dem Schlagzeug zu tun. Circus Trees haben die Laut-leise-Dynamik des Post Rock verinnerlicht, spielen ihren atmosphärischen Slowcore hart und heftig wie eine erfahrene Doom-Metal-Band und arrangieren die sechs teils mehrgliedrigen Songs auch noch souverän durch. Im Gegensatz zur 2019er EP neigt „Delusions“ bereits zur Verfeinerung dieses überraschend brachialen Sounds. Bestes Beispiel ist etwa das siebenminütige „Breath“, welches ganze Klanglandschaften und eine komplette Palette von windstillen wie stürmischen Klangwelten durchmisst. „Wir machen Musik, die nicht zu unserem Alter, unserem Geschlecht oder unseren Lebensumständen passt“, lässt die Band dazu ausrichten. „Wir sind jung, wir sind Schwestern, wir verbringen unser Leben in der Vorstadtwüste.“ Extrem persönlich sei das Album geworden, besessen von „Schmerz, Trauer und Verlust“, eine emotionale Fallhöhe, die sich beim Hören auch ohne konkretes Insider-Wissen vermittelt. „Was kann man als pausbäckiger Teenager schon Dramatisches erlebt haben?“, mag der Zyniker fragen – nun, für die Antwort(en) kann man sich in der Regel bei so gut wie jedem Teenager dies- wie jenseits des Atlantiks erkundigen… Oder man kann die sechs Songs dieses verblüffenden Debüts auflegen, in denen gefühlt einmal alle drei Minuten die juvenile Welt untergeht, nur um dann kraftvoll, nass geschwitzt und vor Selbstbewusstsein strotzend wiedergeboren zu werden. Die Vorstadtwüste hat bei der (Ver)Formung junger angepisster Menschen jedenfalls wieder einmal ganze Arbeit geleistet. Jugend forscht? Jugend tönt forsch!

Hier gibt’s das Debütalbum „Delusions“ im Stream…

…sowie Musikvideos zu „Wasted Air“…

…und „Confronting Time“:

Rock and Roll.

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Song des Tages: Carla Geneve – „The Right Reasons“


Alle Freunde gefühligen weiblichen Indierocks à la Courtney Barnett oder Phoebe Bridgers sollten nun hellhörig werden und sich den Namen Carla Geneve fürs kommende Jahr fein säuberlich in ihrer „Artists to watch“-Liste notieren. Wieso, weshalb, warum? Nun, zur Eliminierung aller Fragezeichen höre man gern ihre neuste, ebenso wunderschöne wie zutiefst persönliche Single „The Right Reasons„, die zweite nach „Don’t Wanna Be Your Lover„, welche wiederum Anfang des Jahres veröffentlicht wurde, und einen weiteren passablen Appetithappen für ihr Debütalbum abgibt, das – nach einigen Singles sowie einer EP im März 2020 – im Jahr 2021 erscheinen soll.

Passend zur Stimmung des Songs geben sich der Gesang der im australischen Perth beheimateten Singer/Songwriterin und die Begleitband um einiges zurückhaltender als noch bei „Don’t Wanna Be Your Lover“. Mehr sogar: Gitarren- und Rhythmusbegleitung schmiegen sich sanft und sinnig an Geneves fast schon schüchternen Gesang in einem Song, mit dessen um Themen wie Beziehungen und Mental Health kreisenden Textzeilen sich wohl durchaus einige identifizieren können. Das Songwriting zeugt von beeindruckender Reife, trägt gar ein paar zart-lässige Springsteen-Vibes in sich, sodass es schwer zu glauben sein mag, dass Geneve erst 21 Jahre jung ist.

Carla Geneve schreibt über den Hintergrund des Songs: „Ich habe sehr lange gebraucht, um ‚The Right Reasons‘ zu schreiben – ich glaube, ich habe wahrscheinlich sechs oder sieben völlig verschiedene Versionen geschrieben. Obwohl so viel Kunst durch das Thema psychische Krankheiten inspiriert und auf kathartische Weise geschaffen wird, ist es immer noch eine schwierige Sache, darüber zu schreiben und sich darüber auszutauschen. Dieser Song ist ziemlich direkt. Ich wollte ein helles Licht auf einige meiner dunkelsten Erfahrungen werfen, weil es für mich Sinn macht, dass radikale Verletzlichkeit der erste Schritt zu radikaler Selbstakzeptanz sein kann. Und ohne Selbstakzeptanz ist es meiner Meinung nach sehr schwierig, tiefe und bedeutungsvolle Verbindungen zu den Menschen um einen herum aufzubauen.“

Das dazugehörige Musikvideo wurde in Geneves Haus von ihrem engen Freund Duncan Wright gefilmt. „In dem Song geht es um verletzliche und unbequeme Dinge, deshalb wollte ich mich während der ziemlich einschüchternden Erfahrung, mein Gesicht zu zeigen, sicher und zu Hause fühlen.“

„Mixing antibiotics with alcohol
When you kiss me, you say that I taste like methanol
Tell me that it’s a crying shame
Drinking through the night and sleeping in the day

It’s not me, it’s not you
Sometimes we all do the wrong thing
For the right reasons
I’ve been going through the seasons

Mixing escitalopram
With the person that I am
Didn’t wanna change myself
But sometimes it takes a little more than self-help

It’s not me, it’s not you
Sometimes we all do the wrong thing
For the right reasons
I’ve been going through the seasons

An emotional iron deficiency
I get so tired of bruising so easy
‚Cause I know it’s a crying shame
Closing the blinds on another day

It’s not me, it’s not you
Sometimes we all do the wrong thing
For the right reasons
I’ve been going through the seasons“

Rock and Roll.

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