Schlagwort-Archive: Indie Rock

Song des Tages: Frances Quinlan – „Rare Thing“


CREDIT- Julia Khorosilov

Foto: Promo / Julia Khorosilov

Frances Quinlan, ihres Zeichens bisher vor allem als ebenjenes wütende Frontfrauen-Feuer, das im Zentrum der Philadelphia-Indierock-Lieblinge Hop Along lodert, in Erscheinung getreten, geht’s gut, das darf man so wohl vermuten, wenn man die Songs der ersten Platte hört, die sie solo und unter eigenem Namen aufgenommen hat. „Likewise„, für welches die vielseitig Kreative auch das Coverartwork besorgte, ist über weite Strecken sehr sonnig und wandelt damit auf dem Pfad, den bereits das vierte, 2018 erschienene Hop-Along-Werk „Bark Your Head Off, Dog“ so halbwegs eingeschlagen hatte (das Album fand seinerzeit bereits auf ANEWFRIEND Erwähnung). Einerseits vermisst man dabei die verzweifelt-aggressiven Ausbrüche Quinlans, die sie durch ihr massives Organ immer zu ganz besonderen Musikmomenten machte, andererseits will man ihr es auch gönnen, dieses Hochgefühl fernab jeglicher Teenage Angst-Gefühligkeit. Denn es ist schon arg schön, wie Quinlan in der Erstauskopplung „Rare Thing“ ihrer kleinen Nichte im Traum erklärt: „There is love that doesn’t have to do with taking something from somebody“. Der Sound wabert dabei in weltbester Eighties-Manier mit Synthies und elektronischem Beatschlag um den Gesang. Da kann man dann zum Beispiel an die Schotten von CHVRCHES denken, insbesondere im Refrain, wo gesampelte Saiten Quinlans Verse umschwingen. Die zweite Strophe gibt sich darauf organischer, und auch das passt super, vor allem das Schlagzeug spielt recht angenehm auf.

0648401029826Ansonsten ist das musikalische Setting auf „Likewise“ näher an dem, was man so wenn Quinlans Freischwimmversuch von ihrer Hauptband erwarten konnte. Zwar scheinen die Songs im Vergleich zu Hop Along weniger voll aufgezogen, dennoch fährt die 33-jährige Indie-Musikerin einen angenehmen indie-pop-rockigen Bandsound auf, an dem auch Hauptbandkollege Joe Reinhart mitgearbeitet hat. Das Debütalbum beginnt mit „Piltdown Man“ und undeutlichem Kinderstimmengewirr, bevor Quinlan mit einer verzerrten Orgel einsteigt und den anfangs leicht zerfetzten Sound immer mehr zu einer Melodie formt, die schließlich so großartig ist, dass man direkt – jawoll! – Bock auf dieses Album bekommt. Anderswo ist es, wie in der dritten Single, dem frühlingshaften „Your Reply„, ein Piano, das den Song prägt (und den Song, wenn man so mag, zu Quinlans „Joni-Mitchell-Moment“ macht), im verträumten „Detroit Lake“ hingegen sind Glockenspiele und Streicher mit von der musikalischen Partie, die auch im romantischen „Lean“ eine Hauptrolle spielen. In „A Secret“ untermalt bis kurz vor Schluss nur eine gezupfte Gitarre oder Autoharp die Zeilen Quinlans. An dieser Stelle zeigt sich die Stimmgewalt der Philly-Künstlerin auch einmal ganz wunderbar, wenn ihr sie ihr Gemüt ganz dem gesungenen Text unterordnet und schneller wird, dann wieder langsamer, lauter und leiser.

Noch mehr gilt das für „Went to LA“, dessen Melodie an den späten Elliott Smith erinnert, das aber zwischendurch all das von sich wirft und sich in der gesanglichen Ausmalung immer weiter ins Bodenlose steigert. „Heaven is a second chance“ kreischt Quinlan frohen Mutes zum Ende des Songs, wenn sie in Los Angeles endlich wieder ihren Glauben wiederfindet. Das einzige etwas düsterere Stück ist die zweite Auskopplung „Now That I’m Back„, in welcher Quinlan durch den Vocoder keift, während drumherum ein ordentlicher Wind aus Synthies pfeift wie der Kater-Kopfschmerz aus der ersten Strophe. Nach knapp zwei Minuten bricht der Sound, die Drummachine drückt nach vorn, mit der Gefühlslage werden auch die Synths weicher, Ballons steigen auf. Ähnlich präsentiert sich zunächst auch der Closer „Carry The Zero“ (übrigens eine Coverversion, deren Original von den US-Indierockern Built to Spill stammt), zumindest bis eine heftig verzerrte E-Gitarre die luftige Atmosphäre zerschneidet und in der Folge ein funkiger Basslauf den Sound dominiert. In dream-poppiger Atmosphäre und mit „Ba-ba-ba, ba-ba-ba“-Chören bringt Quinlan „Likewise“ würdig zu Ende.

Obwohl die Finessen wohl zwischen den Zeilen und Tönen versteckt scheinen, ist der markanten Frontstimme von Hop Along in Gänze ein feines, einnehmend-kurzweiliges Solodebüt voll mit kleinen, emotionalen Geschichten gelungen… Wurde schon erwähnt, dass es ihr gut geht?

 

 

„My love in the dream, you were already speaking
I was too shocked to make any one of my tired speeches
Listen, that’s a rare thing for me
Sunlight touches on the plants that I’ve been torturing
Yet when I come over I love that quick delay before your face lights in recognition

I know there is love that doesn’t have to do with taking something from somebody
Was so much for me not real?
I only managed to stay small by making giants out of strangers
Through the chaos I can see
All afternoon you inhale every bouquet you meet

Come to think of it
The dream was a nightmare with no one who knew me just then
You were there
Two-foot tall little bear
You took my hand and introduced me to everybody
I watched as you were named on that mid-February morning

I know there is love that doesn’t have to do with taking something from somebody
Was so much for me not real?
I only managed to stay small by making giants out of strangers
Through the chaos I can see
All afternoon you inhale every bouquet you meet
I have to stop myself and admit I am happy

There is love that doesn’t have to do with taking something from somebody
Was so much for me not real?
I only managed to stay small by making giants out of strangers
Through the window you look out at me
I have to stop myself and admit you make me happy“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: KOLARS – „King of Carrot Flowers, Pt. 1“


KOLARS_Press_Photo_1-1024x683

Dass man einem im Grunde durch so Vieles recht schwer wiegenden Stück mit wenig sublim stampfende Flügel verleihen kann, bewiesen KOLARS bereits vor einiger Zeit mit ihrer Variante des  Neutral Milk Hotel-Songs „King of Carrot Flowers, Pt. 1„.

Das in Los Angeles ansässige Duo – Rob Kolar an Gesang und Gitarre und Lauren Brown am Standup-Schlagzeug – beschreibt seinen Sound als „Desert Disco. Glam-a-Billy. Space Blues“, und genau das ist es wohl, was die beiden mit ihrer ungestüm-knappen Interpretation von „King of Carrot Flowers, Pt. 1“, einem der ebenso beliebtesten wie eingängigsten Titel von Jeff Mangum und seiner Band, abliefern.

In einem Interview vor knapp zwei Jahren erzählten Kolar und Brown von der Inspiration, die sich hinter ihrer Coverversion verbirgt:

king-of-carrot-flowers„‚King of Carrot Flowers‘ hat bei uns immer einen emotionalen Ton angeschlagen. Der Text und Jeffs Vortrag haben etwas, das diese großartige Kombination aus Herzschmerz, Humor und Verletzlichkeit ausmacht. Für uns hat es sich auch immer wie ein ergreifendes Spiegelbild der amerikanischen Kultur angefühlt. Wir wollten dem Song huldigen, aber etwas Unerwartetes damit machen. Das Original ist zu 3/4 wie ein Walzer, daher dachten wir, es wäre interessant, ihm dieses 4/4-Rock-and-Roll-Gefühl zu geben und etwas Biss und Frechheit in die Darbietung zu bringen.“

Anno 2017 veröffentlichten KOLARS ihr selbstbetiteltes Debütalbum. Das musizierende Ehepaar, welches zuvor als Teil des Glam-Folk-Fünfers He’s My Brother She’s My Sister (über den hier bereits bei ANEWFRIEND zu lesen war) in Erscheinung trat, war seitdem nicht eben faul, spielte seit 2016 mehr als 400 Shows – so unter anderem bei Musikfestivals wie dem SXSW, Treefort Festival, Rolling Stone Weekender, London Calling, Gasparilla, Cornbury, Savannah Stopover, Dot to Dot oder The Great Escape – und veröffentlichte unlängst mit „Here Comes The Night“ (dessen Siebziger-Original von Nick Gilder stammt und bei dem ihnen so einige befreundete Musiker von Shakey Graves über Tashaki Miyaki bis hin zu He’s My Brother She’s My Sister unter die Arme griffen) einen weiteren Beweis dafür, dass dem gut aufeinander eingespieltem Zweiergespann Coverversionen liegen.

Neutral Milk Hotels sagenumwoben-ungewöhnliches Indie-Rock-Meisterwerk „In The Aeroplane Over The Sea„, das mit der (Doppel-)Nummer „King of Carrot Flowers“ eröffnet wird, mag zwar schon mehr als zwei Dekaden auf dem musikalischen Buckel haben, tönt jedoch – zumindest in meinen bescheidenen Öhrchen – noch so faszinierend abgründig wie eh und je. Und die KOLAR’sche Neuinterpretation des Openers mag man mit Fug und Recht als weiteres Beispiel dafür werten, wie einflussreich „Aeroplane…“ auch mehr als zwanzig Jahre nach seiner Veröffentlichung noch immer ist…

 

 

„When you were young, you were the king of carrot flowers
And how you built a tower tumbling through the trees
In holy rattlesnakes that fell all around your feet
And your mom would stick a fork right into daddy’s shoulder
And dad would throw the garbage all across the floor
As we would lay and learn what each other’s bodies were for

And this is the room one afternoon, I knew I could love you
And from above you how I sank into your soul
Into that secret place where no one dares to go
And your mom would drink until she was no longer speaking
And dad would dream of all the different ways to die
Each one a little more than he could dare to try“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Jawknee Music – „California’s Call“


4742_BASE-783x350

In den musikalischen Gefilden der Singer/Songwriter wiegt das Herz bekanntlich beinahe schon naturgemäß schwer. Die Themen, die in den Tönen der persönlichen Entfaltung transportiert werden, beleuchten in der Hauptsache die melancholischen Seiten des Seins. Dazu passt das klassische Konstrukt des Musikers (oder eben der Musikerin) mit Akustikgitarre. Dass Johannes Steffen alias Jawknee Music auf seinem dritten, programmatisch „Heavy Heart“ betiteltem Album von dieser Maßgabe abweicht, mag zunächst überraschen. Doch der Trierer, der auch bei A Hurricane’s Revenge am Mikro steht und bei Matches am Schlagzeug Platz nimmt, zelebriert auf dem Nachfolger zum 2015er Werk „Backgrounds“ den formalen Ausbruch nicht als grundlegenden Stilwandel, sondern nutzt die Erweiterung zum Bandkonstrukt zur homogenen Anreicherung seines Karohemd-Oeuvres.

4251443500787Das verbundene Plus an Volumen unterstreicht bereits die kritisch gegen die Scheinwelt der Influencer in den sozialen WiWaWorldWideWeb-Netzwerken austeilende Vorab-Single „California’s Call“, zugleich der Opener der Platte. Melodisch luftig, mit zart poppigen Tendenzen und doch angenehm auf das Wesentliche reduziert, gibt der Startschuss die Richtung für die folgenden neun Stücke vor. Die geben sich mal dynamischer und mal rockiger („Sorrows“, „Down The Drain“), halten daneben aber in vornehmlich zurückhaltender Manier immer wieder inne (die feine, warmherzige Folk-Ballade „Through The Eyes Of A Child“, „Don’t Give Up On Us“). Beim Refrain von „Kings For A Day“ kommen überdies alternativ-rockige Elemente zum Tragen. Dabei beschreitet „Heavy Heart“ zwischen Indie-PopRock und Americana-Anklängen, für die gut und gern Bands wie The Hold Steady, der Solokram von The Gaslight Anthem-Fronter Brian Fallon oder die selbstschreibende Einzigartigkeit vom „Boss“ Bruce Springsteen als Inspirationen herhalten dürfen, Wege, die gern mit mehr Ecken und Kanten serviert werden dürften. Spektakulär ist das Album damit keineswegs. Aber das musikalisch raubardige Heartland-Herz wiegt in Summe auch diesmal auf dieser Musik gewordenen Halbstunden-Roadtrip-Reise mit vielen Tagträumen und Sehnsuchtsorten hörenswert schwer…

 

Folgendes mag einem bei „California’s Call“ und seinem Musikvideo durch die Synapsen schießen: Der laute, schrille Ruf aus der schönen (Schein)Welt der Beauty-Queens und Influencer, der sich tief ins Mark der Teenies bohrt, der Perfektion vorgaukelt, wo Selbstzweifel herrschen – und bei den Heranwachsenden Gräben der Unsicherheit so tief wie das Death Valley hinterlässt. Es ist schwer, man selbst zu sein und zu verstehen was wirklich zählt, wenn Selbst-Optimierung und die ständige Suche nach der vermeintlich besten Version seines Selbst alles sind, was zu zählen scheint… „Go with the flow, don’t stay behind!” – Höchste Zeit, dem Fake den Mittefinger zu zeigen und seinen eigenen Weg zu gehen! Amen.

 

–Jawknee Music live auf Tour–

19.02. Zürich – Hafenkneipe
20.02. Stuttgart – Juha West
21.02. Trier – Mergener
22.02. Bochum – Trompete
23.02. Hamburg – Astra Stube Musikkultur e.V.
26.02. Frankfurt – Nachtleben
27.02. Hannover – LUX
28.02. Berlin – Cassiopeia
29.02. Mönchengladbach – Astoria

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: TWINS – „Bathroom“


79281017_805386429905637_1850715156036714496_o

Foto: Facebook

Es ist noch keine zehn Lenze her, da galt eine Band aus der sächsischen Provinz als Newcomer-Speerspitze wenn es darum ging, juvenile Emo-Gefühligkeit mit ausreichend verqueren Elementen aus Punk, Indie Rock, Screamo und Post Hardcore zu einen: MIKROKOSMOS23. Im Jahr 2005 in der recht beschaulichen Porzellan-und-Hahnemann-Stadt Meißen gegründet, entwickelt sich das aus Peter Löwe (Gesang, Gitarre), Tom Pätschke (Schlagzeug), Mathias Starke (Gitarre) und Steffen Oks (Bass) bestehende Quartett schnell zum potenten Geheimtipp der bundesdeutschen Alternative Rock’n’HC-Szene, produziert bereits den 2010 erschienenen zweiten Langspieler „Memorandum“ mit niemand Geringerem als Blackmails Sechs-Saiten-Schwinger Kurt Ebelhäuser, tourt fleißig durch die Indie-Clubs und AJZs der Republik, schiebt alsbald, 2013, mit „Alles lebt. Alles bleibt.“ Album Nummer drei nach (beide Werke gibt’s übrigens via Bandcamp im Stream sowie als „name your price“-Download). Gerade jenes wusste mit seiner Mischung aus frühen Kettcar und Captain Planet, mit seiner klanglichen Melange aus Blackmail, Muff Potter oder Adolar und den mal persönlich anmutenden, mal intellektuell müffelnden Texten, bei denen sich damals nicht nur die VISIONS fragte, „was so schief gelaufen ist, dass man sich sein Leben von einem anti-altklugen Campuspoeten wie Löwe erklären lassen muss“ (obgleich die anderswo gezogenen Vergleiche zu Kettcar-Vorsteher Marcus Wiebusch wohl nicht allzu weit an den Emotional-Harcore-Härchen herbei gezogen waren), zu überzeugen. Ja, da war man sich allerorten unisono einig: MIKROKOSMOS23 dürfte eine vielversprechende Zukunft bevorstehen. Nur kam Löwe, Pätschke und Co., die ihre musikalische Homebase mittlerweile ins deutlich größere, deutlich bekanntere, indie-szenisch deutlich besser vernetzte Dresden verlagert hatten, wohl der schnöd-unrockenrollige Alltag dazwischen, was dazu führte, dass der Vierer zwar mal hier, mal da versprach, an Album Nummero vier zu werkeln, schließlich allerdings – eine One-Time-Show bei der Hochzeit ihres Schlagzeugers mal außen vor – ihre gemeinsamen Aktivitäten bis heute aufs kreative Abstellgleis schob. „Life is what happens to you while you’re busy making other plans.“ – das wusste schon der olle Lennon-John…

a1551146331_16Umso überraschender, dass MIKROKOSMOS23 nun irgendwie und ebenso unerwartet ihr Comeback feiern. Obwohl: mit Tom Pätschke und Steffen Oks sind lediglich zwei Viertel der einstigen Anfangszwanziger-Indie-Radau-Hoffnungsträger bei den Quasi-Newcomern TWINS mit am Start. Und ebenjenes Vierergespann mit Zentrale in der sächsischen Landeshauptstadt und weiteren kreativen Zelten in Leipzig und Berlin knüpft mit (s)einer Mischung aus Indie-, Noise- und Mathrock sowie Hardcore gleich auch bestens an die gesteckten Pfade der Vorgänger-Band an. Hinter jeder Ecke lauert eine weitere Ecke und dann noch eine und dann brüllt einer heiser und dann twinkeln die Gitarren ein bisschen und dann ist man bereits nach den ersten Vorboten „Library“ und „Bathroom“ schnell überzeugt: Mit dem für den 14. Februar angekündigten Debüt „Soon“  kommt eine der vielversprechendsten Platten des noch jungen Musikjahres auf die versammelte Post-Hardcore-Gemeinde zu. Bekannteste Verwandte: Blood Brothers, At The Drive-In, die alten Pianos Become The Teeth. Ja klar, meinetwegen könnte der Gesang ein bisschen cleaner sein, ansonsten gefällt’s: sehr.

 

Schlagzeuger Tom meint zur Entstehung des frisch veröffentlichten Musikvideos zu „Bathroom“: “Für unser erstes Musikvideo, welches wir komplett selbst geschrieben und produziert haben, sind wir 3 Tage voll beladen, mit Greenscreens unter den Armen zwischen unzähligen Locations hin und her gesprungen. Und dank all der Szenen, die dabei entstanden – irgendwo zwischen Supermärkten, Basketballfeldern, Clubs, Bibliotheken, Wäldern usw. – ist das ganze Video nun eine Art Kaninchenbau geworden, der letztlich wunderbar zu uns passt: alles ist wild und durcheinander – wie ein komischer, mitreißender Strudel. Und tatsächlich ist das sogar eine ganz gute Analogie für die gesamte Art wie wir als Band denken und schreiben: durchdenken, ausprobieren, verwerfen, von vorn anfangen, neu denken, wiederholen. Wie kreisende Gedanken – Viel. Zu. Kompliziert.”

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Spanish Love Songs – „Kick“


SPANISH-LOVE-SONGS-by-Katie-Neuhof-min

Erstes Jahreshighlight, ick hör‘ dir trapsen – Spanish Love Songs haben mit „Kick“ einen neuen Song veröffentlicht und mit diesem ihr kommendes Album angekündigt. Der Nachfolger zum vielerorts gefeierten „Schmaltz“ (welches auch bei ANEWFRIEND unter den liebsten Alben des Jahres 2018 landete) erscheint sogar schon bald…

0010744144_350Genauer gesagt: am 7. Februar. Nur genau einen Monat darf man sich also noch gedulden, dann erscheint mit „Brave Faces Everyone“ das dritte Studiowerk der US-Emo-Punkrocker aus Los Angeles. Dylan Slocum (Gesang, Gitarre), Kyle McAulay (Gitarre), Trevor Dietrich (Bass), Meredith Van Woert (Keyboard) und Ruben Duarte (Schlagzeug) hatten sich nach dem Release von „Schmaltz“ im März 2018 mit leidenschaftlichen Liveshows auch in Europa eine große Fangemeinde erspielt, unter anderem auf eigenen Headliner-Tourneen, mit Auftritten auf größeren Festivals, aber auch als Support von Bands wie Hot Water Music oder den Menzingers, mit denen sie noch diesen Monat live im deutschsprachigen Raum unterwegs sein werden (die Termine findet ihr weiter unten).

„Kick“ ist der erste eindrucksvolle Vorgeschmack auf das neue Album und verspricht, dass jenes nicht weniger erschütternd und euphorisch sein wird als sein Vorgänger. Jeder der zehn Songs auf „Brave Faces Everyone“ soll eine Geschichte von verschiedenen Protagonisten in kleinen Dörfern und großen Metropolen der USA erzählen. „Persönliche Skizzen und die allgemeine Lebensrealität der 2010er“ sollen die Stücke abbilden, immer vermischt mit den eigenen Erfahrungen von Sänger Dylan Slocum.

„Es ist tröstend zu wissen, dass wir uns alle auf dem selben sinkenden Schiff befinden“, so der Frontmann. „Wir wollen uns das mit dem Album eingestehen und die Welt damit ein kleines bisschen erträglicher machen, auch wenn es nur für 40 Minuten ist.“

 

„THIS ALBUM IS US HONING IN ON WHAT WE THINK MAKES OUR BAND RESONATE WITH PEOPLE – NAMELY, THE FEELING THAT YOU’RE NOT ALONE. THESE ARE SONGS ABOUT LOOKING OUTWARD AND FINDING THAT, FOR ALL OUR DIFFERENCES, MOST OF US ARE JUST TRYING TO GET BY AS THE WORLD IS GOING TO HELL AROUND US. WE DON’T HAVE ANY GRAND AMBITIONS BEYOND THAT – WE JUST WANT PEOPLE TO FEEL ACKNOWLEDGED. THERE’S COMFORT IN KNOWING WE’RE ON THE SAME SINKING SHIP. WE WANT THE ALBUM TO BE A KNOWING NOD AND A WAY TO MAKE THE WORLD A SLIGHTLY MORE BEARABLE, EVEN IF IT’S JUST FOR 40 MINUTES.“

(Dylan Slocum)

–Tracklist–

01. Routine Pain
02. Self-Destruction
03. Generation Loss
04. Kick
05. Beach Front Property
06. Losers
07. Optimism
08. Losers 2
09. Dolores
10. Brave Faces, Everyone

 

 

–The Menzingers + Spanish Love Songs + Mannequin Pussy live–

25.01. Hamburg – Gruenspan
26.01. Berlin – Bi Nuu
28.01. Wien – Wuk
29.01. Zürich – Dynamo
30.01. Stuttgart – Universum
31.01. München – Technikum
01.02. Köln – Kantine

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Martha – „Love Keeps Kicking“


martha-band_durham

„Ich glaube nicht, dass ich auf meinem Sterbebett denken werde: ‚Hätte ich mal lieber an meinem Lebenslauf gearbeitet anstatt auf Tour zu gehen’“, sagte Nathan Stephens-Griffin von der britischen Band Martha 2014 im Interview mit dem Radiosender NPR. Sicher, datt: Martha sind „Punk“ durch und durch – vegan, (teils) straight edge, antirassistisch und antikapitalistisch. J.C. Cairns (Gitarre, Gesang), Daniel Ellis (Gitarre, Gesang), Naomi Griffin (Bass, Gesang) und Nathan Stephens-Griffin (Schlagzeug, Gesang) sind auch: recht krasse Musik- und Literatur-Nerds, mit einem stets augenzwinkernd nordenglischen Sinn für Humor und Fatalismus.

5060366787101Auf „Love Keeps Kicking„, ihrem im April erschienenen dritten Album, spickt das Quartett aus dem Durham’schen Vorort Pity Me (ja, der heißt tatsächlich so!) ihre Songs – zwischen Eighties-Jangle, Power-Pop und Indie-Rock – mit Anspielungen und Referenzen – etwa an die afroamerikanische Schriftstellerin Maya Angelou, die Schweizer Proto-Feministin Isabelle Eberhardt oder den Weird Fiction-Giganten H.P. Lovecraft. Im Musikvideo zum luftigen Titelsong kickt ein überdimensionaler Fuß in weltbester Fifties-SciFi-Filme-Persiflage-Manier fortwährend Menschen durch die Gegend oder trampelt sie platt, während die Band dem Treiben vom Sofa aus zusieht und sich uneins ist, was das alles zu bedeuten hat – bis Gitarrist Daniel Ellis eingreift…

Aber eigentlich geht es um das, was schon im Albumtitel, bei dem das große Four-Letter-Word ganz am Anfang steht, angedeutet wird: die kleinen und großen Schmerzen, die wir uns selbst zufügen, indem wir uns auf andere Menschen einlassen. Die neuste Platte des Power-Pop-Punk-Quartetts versteht sich als Trennungsalbum, begreift die olle Liebe allerdings nicht allein als Auslöser von Schmerz, sondern auch als dessen wirkungsvollstes Heilmittel.

Version 2

Schnörkellos und mit nahezu durchweg hohem Tempo jagt der Vierer durch die elf Songs, allerdings mit einem so griffigen Songwriting, das man trotz des ein oder anderen Drehwurms nie die Orientierung verliert sowie mit stürmischen Power-Pop-Punk, der mit Mehrstimmigkeit und eingängigen Gitarren-Hooks keinen Muskel unbewegt lässt. Da landen sie etwa bei „Sight For Sore Eyes“, einem der besten Stücke der Platte, das die perfekte Balance zwischen Melancholie und Euphorie findet. Oder auch beim freudig-folkloristischen Einstieg „Heart Is Healing“ sowie dem bereits erwähntem Titelstück, nur echt mit beklopptem B-Movie-Video samt riesigem Monsterfuß. In der zweiten Hälfte beweisen Martha indes, dass ihre Philosophie auch ein paar stilistische Ambitionen zulässt. Zwar gibt es hier, wie noch beim 2016er Vorgänger „Blisters In The Pity Of My Heart„, keinen Siebenminüter à la „Do Nothing“, dafür aber „Brutalism By The River (Arrhythmia)“, das nach anderthalb Minuten plötzlich in einen Shoegaze-Part kippt und zu einer großartigen Klimax zusammenläuft. „Orange Juice“ erinnert mit seiner sehnsuchtsvollen Epik sogar an ewige Indie-Emo-Größen wie The Weakerthans oder Jimmy Eat World – dass eine nordenglische Provinz-Band je so amerikanisch klang, darf bezweifelt werden.

Was Martha mit Genre-Kollegen wie den Muncie Girls verbindet? Dass bei all dem Hochleistungsbetrieb die wirklich tollen Texte manchmal etwas unterzugehen drohen. Daran ändert sich auch auf „Love Keeps Kicking“ wenig – gerade „Mini Was A Preteen Arsonist“ (das seine Ramones-Referenz voller Stolz im Titel trägt) ist mit seiner süßen, aber auch bestimmten Geschichte von kindlicher Rebellion ein aufmerksames Ohr wert. Selbst allereinfachste Zeilen wie „I don’t know what to do now“ können dann tief ins Fleisch drücken, gipfelnd in „The Only Letter That You Kept“, dem wohl bislang herzzerreißendsten Song der Band: Bassistin Naomi Griffin singt nur von ein paar Gitarren begleitet von früher Heirat und falscher Liebe, bis ihre Kollegen im finalen Chor den Haken hinter die Vergangenheit setzen. Martha zählen nicht nur deshalb zur Genre-Spitze ihres Landes, weil sie so großartige, mitreißende Musik machen, sondern weil sie jeden Ton und jedes Wort absolut aufrichtig rüberbringen. Wer sich nicht am mit breitem nordenglischen Slang vorgetragenen, charakteristisch zweistimmig-quietischigen Gesang der Doppelspitze aus Naomi Griffin und Nathan Stephens-Griffin sowie den hell krachenden Slacker-Gitarren stört, mag sich positiv an Bands wie Belle & Sebastian, The Replacements, Cheap Trick, Ted Leo and the Pharmacists oder The Vaselines erinnert fühlen. Wäre auch zu schade gewesen, wenn mir die Band 2019 komplett durch die Lappen gegangen wäre…

 

 

„Ooh yeah

Things got weird the night you burned the hair to seal the hex
I need a paid interpreter to decipher your midnight texts
You were tripping fractals from the pills you took with Paul
Sometimes I feel so empty I just wanna leave it all

Love keeps kicking, ooh yeah…

Dressed for the reception, you were coping with the blues
When you got smashed and tried to mosh to Huey Lewis and the News
When granny took a tumble you were exiled to the Crown
You played the one armed bandit till the landlord chucked you out and he said

Love keeps kicking (Love keeps kicking), ooh yeah…

You said love keeps kicking the shit out of me and there’s no solution I can see
No happy pill, no drinking bleach, no permanent lobotomy
Oh I tried living, I tried giving, I tried fibbing, I tried kidding
I tried wishing, I tried switching, I tried sitting, and I tried drifting
I tried quitting, I tried splitting, I tried shifting, I tried committing
Tried to make it, tried resisting, tried insisting
You’re not listening

Love keeps kicking (Love keeps kicking), ooh yeah…“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: