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Song des Tages: Fynn Kliemann – „Zuhause“


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„Fynn Kliemann (* 1. Mai 1988 oder 1990) ist ein deutscher Webdesigner, Unternehmer, Musiker, Autor, Schauspieler und YouTuber. Er ist vorwiegend für seine drei YouTube-Kanäle ‚Fynn Kliemann‘ (Der Heimwerkerking), das ‚Kliemannsland‘ und ‚Fynn Kliemann Musik‘ (ursprünglich ‚fimbim‘) bekannt. Er ist Geschäftsführer und Webdesigner in seiner eigenen Agentur Herrlich Media sowie Inhaber, Gesellschafter und Geschäftsführer einiger weiterer Unternehmen.“ Schon ordentlich, was man da auf Wikipedia über die bisherige Vita des passionierten Kopfbedeckungsträgers Fynn Kliemann erfährt. Zumal der Endzwanziger scheinbar als ernsthafte Alternative zu all den Moneten scheffelnden, bei jungen YouTube-Junkies für Kreischorgien sorgenden Dagi Bees, LeFloids, Lochis und Bibis taugt: „Alle Kanäle von Fynn Kliemann sind werbefrei und werden nicht durch bezahlte Produktplatzierungen unterstützt.“

61KKBajsk4L._SS500Und wenn Kliemann, der – natürlich – vor einiger Zeit auch schon bei Böhmermann zu Gast war, nicht gerade versucht, als „Heimwerkerking“ oder in (s)einem eigenen „Kliemannsland„, einem weitläufigen Hof im niedersächsischen Rüspel, seine kreativen (Schnaps)Ideen zu verwirklichen, so scheint der stets etwas hyperaktiv wirkende Tausendsassa noch ausreichend Zeit fürs Musikalische zu finden. Und hat nun sein Debütalbum „Nie“ veröffentlicht.

Doch auch da geht Fynn Kliemann die Sache etwas anders an:

„Ich werde das Album nur ein einziges Mal physisch produzieren, weil ich die verschwenderische Produktion von Musik nicht so geil finde und nicht möchte, dass die Platte wegen Überproduktion irgendwann bei nem Discounter in der Grabbelschütte liegt.“

Soll heißen: Bis zum Erscheinungstermin am 28. September konnten geneigte Kliemann-Fascinados die Platte physisch – ob nun auf Vinyl oder Compact Disc – beim eigens gegründeten Selbstvertriebslabel „TwoFinger Records“ vorbestellen, und genau diese Anzahl (welche immerhin bei stolzen 80.000 Vorbestellungen lag) ließ der gar nicht mal so neue Newcomer, der bereits seit der Jugendzeit mal hier, mal da Musik macht, dann produzieren. Somit wird das Album, das laut eigener Aussage „eigentlich nie fertig werden“ sollte, „nie“ in Massen in irgendwelchen Elektroketten-Regalen zu finden sein oder „nie“ von Online-Versandriesen verramscht werden. Dem Digitalen gehört ja ohnehin längst ein guter Teil des Musikmarktes… Ein Schelm mit Sinn für Doppeldeutungen, der Fynn Kliemann.

500x500 zuhauseUnd wie klingen die Songs? Nun, weitaus weniger spektakulär als man zunächst vermuten dürfte. Das Grundgerüst der elf Stücke zimmert „Bastel-Brother“ Kliemann aus elektronischen Laptop-Beats, und akzentuiert dieses – wie aus dem Farbeimer des Albumcovers – hier und da mit handgemachten Tupfern (etwa durch Piano und Bläser). Heraus kommen Songs, die weder liedermacher’esk (á la Clueso) noch wirklich im HipHop beheimatet sind – vielmehr Indiepop, vorgetragen mit einer Stimme, so windschief, rau und whiskey-rauchig wie die Nordsee (was ja bei artverwandten Künstlern wie Casper, Faber oder Marteria schon nicht geschadet hat). Kliemann singt meist von kleinen, melancholisch-optimistischen Alltagsbeobachtungen,  sendet Grüße an den traurigen Säufer ums Eck („Dunkelblau„), seine Freundin („Zuhause“), die Freunde vom erinnerungswürdigen Sommerurlaub („Sardinien„) oder seinen Vater („Der Mann und das Meer„). Die Endergebnisse geraten zwar nicht immer großartig, aber stets dann am besten, wenn der umtriebig-authentische Indie-Multimedia-Star ins balladeske Downtempo-Fach wechselt – etwa bei den erwähnten „Sardinien“ oder „Zuhause“.

Zu letztgenanntem Song hatte Fynn Kliemann – wen wundert’s – denn auch eine weitere feine (Schnaps)Idee fürs Musikvideo: er brachte sich selbst das Tätowieren bei und fand tatsächlich 43 Freunde, die sich dazu bereit erklärten, vom singenden Tausendsassa-Künstler vor laufender Kamera die Songzeilen unter die Haut stechen zu lassen.  Toll anzusehen, aber darauf kommt wohl nur der nonchalante Herr des „Kliemannslandes“…

 

 

 

 

Rock and Roll.

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Wo ist Bono? – BBC veröffentlicht Allstar-Version von „God Only Knows“


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Die britische BBC hat ein Cover des Beach Boys-Klassikers „God Only Knows“ veröffentlicht. Eingespielt wurde die Neuinterpretation vom Impossible Orchestra, an dem neben dem BBC Concert Orchestra und dem Tees Valley Youth Choir auch internationale Größen des Musikgeschäfts wie Foo Fighters-Vorsteher Dave Grohl, Florence „and the Machine“ Welch, Lorde, Coldplay-Frontmann Chris Martin, Jamie Cullum, Jake Bugg, Pharrell „Happy“ Williams und die Boygroup One Direction beteiligt sind. Auch altgediente Musiklegenden wie Stevie Wonder, Queen-Gitarrist Brian May, Sir Elton John und natürlich Brian Wilson, der Komponist des Originals, haben an den Aufnahmen mitgewirkt und sind im Video – in der Regel nur für einen wenige Sekunden währenden Einsatz – zu sehen. Klassische Musiker wie Alison Balsom, Martin James Bartlett und Nicola Benedetti sowie Moderatoren wie Jools Holland trugen ebenfalls ihren Teil zur Neuinterpretation des beinahe 50 Jahre alten Welthits bei. Brian Wilson selbst zeigte sich geehrt: „Alle Künstler haben so einen herrlichen Job gemacht, ich kann ihnen gar nicht genug danken. Ich fühle mich sehr geehrt, dass ‚God Only Knows‘ ausgesucht worden ist.“ Mit der Aktion wirbt die BBC für ihre neue Sparte BBC Music sowie die hausinterne Charity-Kampagne „BBC Children in Need„. Dem kundigen Popmusikfreund stellen sich da wohl ganz automatisch zwei Fragen: Ja, ist denn scho‘ wieder Weihnachten? Und: Wo zur Hölle steckt Bono? Da war der U2-Fronter wohl noch zu beschäftigt damit, via Apple Freialben zu verteilen

p0285pkrTrotz der Tatsache, dass man bei der Aufzählung all jener Künstler, die nicht dabei sind, fast schneller fertig wäre als bei der Liste der beteiligten Künstler – hier der Vollständigkeit halber der gesamte Cast:

„God Only Knows features the song’s original writer and creator, Brian Wilson, alongside 26 award-winning musicians including popular music stars Sir Elton John, One Direction, Stevie Wonder, Pharrell Williams, Jake Bugg, Lorde, Emeli Sandé, Chris Martin, Kylie Minogue, Paloma Faith, Sam Smith and Florence Welch; rock musicians Chrissie Hynde, Brian May and Dave Grohl; classical musicians Alison Balsom, Martin James Bartlett, Danielle de Niese and Nicola Benedetti; folk performer Eliza Carthy; Senegalese singer Baaba Maal; jazz performer Jamie Cullum; British Asian Music star Jaz Dhami; the BBC’s Zane Lowe, Lauren Laverne, Katie Derham, Gareth Malone and Jools Holland; with the youthful vocals of the Tees Valley Youth Choir and the BBC Concert Orchestra at its heart.“

 

 

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Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Video- und Songneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

Haim – If I Could Change Your Mind

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Neues von der Front der drei Haim-Schwestern Alana, Danielle und Este gibt es in Form des Musikvideos zur neuen Single „If I Could Change Your Mind“, in welchem das Trio dem Song in bester Seventies-Studioatmosphäre und mit fein einstudierten Tanzschritten den – falls noch benötigten – Beweis nachreicht, dass Haim eben genauso sehr vom Westcoast-Rock á la Fleetwood Mac beeinflusst wurden wie von Girlgroup-R’n’B der Güteklasse TLC oder Destiny’s Child – oder wie’s die Vogue ausdrückt: „stripped-back nu-folk–meets–nineties-R&B-pop“. Als individuelle Single lässt sich das freilich super durch die Gehörgänge spülen, auf Albumlänge (man höre das im vergangenen Jahr erschienene Debüt „Days Are Gone„) wirkt die Indiepop-Melange jedoch leider etwas weniger homogen. Wenn ihr mich fragt: Dann doch lieber die Rockismen der Haim’schen Liveshows…

 

 

 

Judith Holofernes – Ein leichtes Schwert

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Ganz ähnlich verhält es sich auch bei „Ein leichtes Schwert„, dem Solo-Debüt von Wir sind Helden-Frontfrau Judith Holofernes. Denn obwohl ich als Fan des letzten Albums ihrer Stammband („Bring mich nach Hause„, von 2010), auf welchem die heute 37-jährige „Heldin“ besonders mit großen Melancholieanklängen glänzte, Holofernes‘ – freilich längst überfälligem – Alleingangserstling mehr als wohlwollend gegenüber stand, so tat sich doch beim ersten, beim zweiten, bei dritten Durchgang: herzlich wenig. Zwar hat das Album auch seine Glanzlichter – etwa „Brennende Brücken“ oder das große „Havarie“ -, im Gros überwiegt jedoch das lyrische Einerlei aus geschildertem Windelchaos, Dada-Textlego und großstädtischer Latte-Machiatto-Poesie, zu welchem Frau Holofernes – man mag’s Selbstironie nennen – die Argumente für’s sympathische Scheitern auf hohem Niveau gleich selbst liefert: „Als du keine Brüste hattest / Warst Du eine coole Sau / Seit du dir der Brust bewusst bist / Bist du lieber eine Frau“ (aus „Platz da“).

Nichtsdestotrotz ist das Musikvideo zum Titelstück des Album äußerst niedlich geraten: Holofernes kämpft sich im Ritterkostüm und mit Stoffpferdchen durch den Berliner Großstadtdschungel – „Where The Wild Things Are“ meets „Der Himmel über Berlin“. Und die Holofernes’sche Melancholie fährt in der S-Bahn nebenher.

„Gib‘ mir ein leichtes Schwert für meine schwere Hand / Eins das führt, wenn ich folge und folgt, wenn ich führe…“

 

 

 

Damon Albarn – Lonely Press Play

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Auch Damon Albarn ist als dauerbeschäftigter On/Off-Frontmann der Britpop-Institution Blur, als audiovisueller Kopf der Gorillaz, als singender Vorstand der Allstar-Band The Good, The Bad & The Queen, Opernkomponist oder Weltmusik-Weltenbummler quasi auf Jahre hin gut und ausfüllend beschäftigt. Eventuell mag das der Grund sein, wieso der 45-Jährige – nach immerhin mehr als zwanzig Jahren im Musikgeschäft – erst jetzt auch unter eigenem Namen den Solo-Auftritt startet. Bevor das Debütalbum „Everyday Robots“ im April erscheint, schickt Albarn mit „Lonely Press Play“ einen weiteren Song voraus (den Titelsong und „Photographs (You Are Taking Now)“ gab’s bereits zu hören). Und der erinnert mit seinen stimmungsvollen Bildern einer Japan-Tour und der sanften Instrumentierung – im besten Sinne – frappierend an die große Entschleunigungshymne „Out Of Time“ vom bislang letzten, auch schon wieder elf Jahre zurückliegenden Blur-Album „Think Tank„…

 

(Alternativ kann man sich das Musikvideo zu „Press Lonely Play“ auch via Vimeo anschauen…)

 

 

Band Of Horses – Heartbreak On The 101 (live on the Hollywood Sign)

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Dass Seattle in der Vergangenheit nicht nur kulturell wertvolle Grunge-Heroen wie Nirvana oder Pearl Jam, sondern auch tollen Southern Indierock hervor brachte, dürfte spätestens seit 2004 durch das Quintett Band Of Horses bekannt sein. Dass sich die Vorliebe für deutsche Basketballspieler und das Tragen von Stetson-Hüten und waschechten Cowboy-Boots keineswegs ausschließen, ebenso. Und überhaupt hat sich die Band um Sänger und Frontmann Ben Bridwell mit Evergreens wie „The Funeral“ und „No One’s Gonna Love You“ längst unsterblich gemacht… Nach vier Alben kann man sich durch das kürzlich erschienene „Acoustic at the Ryman“ nun auch einen akustischen Eindruck von den Live-Qualitäten der Band verschaffen.

Und auch das Musikvideo zu „Heartbreak On The 101“, welches im Original vom letzten, 2012 veröffentlichten Studioalbum „Mirage Rock“ stammt, passt irgendwie wunderbar ins Klangbild der Band Of Horses, dienten doch ausgerechnet die weltbekannten Hollywood-Buchstaben von Los Angeles als Kulisse…

 

 

 

Manchester Orchestra – Top Notch + Every Stone

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Groß, mächtig, pathetisch – all diese Begriffe konnte man in der Vergangenheit auch auf die Songs und Alben von Manchester Orchestra anwenden. Dass die Band aus Atlanta, Georgia mit dem vierten, im April erscheinenden Album „COPE“ nicht eben eine 180-Grad-Wende begehen würde, dürfte als gesichert gelten. Nachdem es den ersten Vorgeschmack „Top Notch“ bereits als Song zu hören gab, reicht die Band nun ein Musikvideo nach, zu dem Frontmann Andy Hull folgende Worte fand: „The song is about two brothers trying to escape a fire. We tried to create something that told less of an immediate story and caused more of a gut reaction. Something to be interpreted without laying it all out in front of you. It’s also quite terrifying. Like somebody was digging and found this VHS artifact in the ground.“ 

 

 

Zur Überbrückung der Wartezeit bis zum Erscheinen des Albums geben Manchester Orchestra allen Freunden und Fans mit einem kurzen Making Of noch einen Einblick in den Schaffensprozess von „COPE“ und lassen mit dem Dreieinhalbminüter „Every Stone“ sogar noch einen weiteren Song des Albums aufs weltweite Netz los…

 

 

Sophia –  It’s Easy To Be Lonely

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Auch Robin Proper-Sheppard und seine One-Man-Show Sophia zeigen sich in Geberlaune. Dabei war es – zumindest veröffentlichungstechnisch – sehr lange ruhig um die Band, immerhin liegt das letzte Album „There Are No Goodbyes“ bereits satte fünf Jahre zurück. Nun meldet sich Proper-Sheppard mit dem Song „It’s Easy To Be Lonely“, der, wie vergangene Großtaten auch, mit sehr viel Gefühl und Melancholie auf sanften Pfötchen daher schlurft, zurück. Im März stehen für Sophia erst einmal drei Shows in Belgien an, die die Band gemeinsam mit den Schweden New Found Land spielen wird. Wann genau der Nachfolger zu „There Are No Goodbyes“ erscheinen wird, ist im Moment noch nicht klar. Auch über Artwork und Titel hält sich Proper-Sheppard bisher bedeckt. Eines ist jedoch sicher: das sechste Sophia-Album ist auf dem Weg. Und bis dahin kann man sich „It’s Easy To Be Lonely“ auf der reichhaltigen Bandcamp-Seite zu Gemüte führen und bei Gefallen sogar kostenlos aufs heimische Abspielgerät laden…

 

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Video- und Songneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

Bruce Springsteen – High Hopes (2013 Version)

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Der Mann macht zum Herbst seiner Karriere noch mal so richtig Dampf… Zumindest gefühlt liegt die Veröffentlichung des letzten Springsteen-Albums – „Wrecking Ball“ erschien im März vergangenen Jahres – noch nicht all zu lange zurück, da kündigt der „Boss“ bereits das nächste an. Wobei man bei „High Hopes„, dem am 10. Januar erscheinenden 18. Studioalbum Springsteens, wohl kaum von einem komplett „neuen“ Album sprechen kann. Vielmehr versammelt das nimmermüde US-amerikanische Heiligtum darauf zwölf Stücke, die er in kleinen Tourneepausen irgendwo zwischen New Jersey, Los Angeles, Atlanta, Australien und New York City aufnahm, und welche in Gänze einen Mix aus neuem Material, Covern und Neufassungen eigener Songs ergeben. So dürfte etwa das titelgebende Stück eingefleischten Fans bekannt vorkommen, immerhin gab es „High Hopes“, ein Cover der LA-Band Havalinas, in einer früheren Version bereits 1996 auf der „Blood Brothers EP“ zu hören. Auch „Dream Baby Dream“, Springsteen gelungene Variante eines Suicide-Stückes, wurde in anderer Form bereits vor zehn Jahren veröffentlicht. Und „High Hopes“ dürfte auch für Freunde der Polit-Rocker von Rage Against The Machine interessant werden, immerhin ist Gitarrist Tom Morello auf einem Großteil der Songs als Gastsaitenschwinger mit von der Partie – natürlich ebenso wie Springsteens E Street Band…

Wer wissen möchte, was Springsteen selbst zur anstehenden Veröffentlichung von „High Hopes“ zu sagen hat, findet hier mehr Informationen.

 

 

 

 

Judith Holofernes – Liebe Teil 2 (Jetzt erst recht)

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Das alte Spiel: An einer Band wie Wir sind Helden scheiden sich bereits seit deren unvermitteltem Einschlag in die bundesdeutsche Poplandschaft – man erinnere sich an das rotzfreche Liedchen „Guten Tag“ aus dem Jahre 2003 – die musikalischen Gemüter. Mir selbst war die selige Melancholie, die sich vor allem durch die letzten Alben der Band zog, stets lieber als die irgendwie aufgesetzt protestige Gute Laune der Anfangszeit. Und doch braucht jede Gruppe auch mal eine Auszeit… Klar kann man die dann etwa zur Familiengründung nutzen. Doch selbst der schönste Berliner Kinderspielplatz wird wohl irgendwann zu langweilig… Also beschloss Wir sind Helden-Frontfrau Judith Holofernes, dass es nach der ein oder anderen Kollaboration (zum Bespiel mit der Höchsten Eisenbahn) Zeit für’s erste Soloalbum sei: „Ein leichtes Schwert“ wird ab dem 7. Februar 2014 in den Läden stehen, schon jetzt kann man sich mit „Liebe Teil 2 (Jetzt erst recht)“ einen ersten Vorgeschmack darauf holen, wie Judith denn ohne ihre drei männlichen „Stammhelden“ so klingt. Und auch für alle Helden-Hasser dürfte das dazugehörige Musikvideo ein wahrer augenzwinkernder Augenschmaus sein, immerhin lässt sich die 37-jährige Musikerin darin von zwei kleinen Engeln (!) aufs Übelste zurichten…

 

Hier gibt’s das Video zu „Liebe Teil 2 (Jetzt erst recht)“…

 

…und das Making Of:

 

 

Metric – Mother

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Dass die Kanadier von Metric nicht nur die großen Indiediskostampfer, sondern auch die ganz ruhigen Töne aus dem Effeff beherrschen, hat die Band in ihrer langjährigen Karriere bereits in unzähligen Sessions, in denen sie sich selbst einfach mal den elektrifizierten Stecker zog und ihre Songs in abgesteckten Akustik-Versionen darbot, bewiesen. Kürzlich machten Metric in den New Yorker Magic Shop Recording Studios Halt, um ihre Variante des bewegenden John Lennon-Songs „Mother“ aufzunehmen und sich selbst als versierte Beatles-Fans zu outen. Für die Coverversion setzte sich Gitarrist James Shaw an Piano und Mikrofon, während die eigentliche Frontfrau Emily Haines lediglich die Backing Vocals beisteuerte…

 

Hier gibt die Metric-Variante von „Mother“ in Bild…

 

…und Ton:

 

 

Kanye West – Bound 2

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Wer heutzutage im HipHop-Geschäft noch etwas reißen mag, der sollte gefälligst auch wirklich etwas zu bieten haben. Denn längst ist der mit Beats und Rhymes beladene Rap-Express in Richtung der Reime-Kolchose Odd Future Wolf Gang Kill Them All, welcher unter anderem so kontroverse Künstler wie Tyler, The Creator, Earl Sweatshirt oder Frank Ocean angehören, nach Los Angeles weiter gezogen – da kann sich jemand wie „Hova“ Jay Z (Mann besteht neuerdings auf die Entfernung des Bindestrichs!) noch so fest an seinen sicher geglaubten Klassenbestenthron ketten, da kann das Milchbrot Eminem mit dem unlängst erschienenen „The Marshall Mathers LP 2“ noch so verzweifelt versuchen, an die – künstlerisch wie kommerziell – erfolgreichen Anfangstage anzuknüpfen…

Nur einer lebt noch immer in seiner Welt des überhöhten Selbstverständnisses: Kanye West. Klar, wer mit einem Society-Sternchen wie Kim Kardashian anbandelt, dem gemeinsamen Kind ernsthaft den Namen North (also: North West!) gibt und sich in künstlerischem Sinne auf Augenhöhe mit Visionären wie Picasso, Walt Disney und Steve Jobs sieht, der darf – in welchem Sinne auch immer – schon als höchst besondere Persönlichkeit gelten. Natürlich beweist das der 36-jährige Rap-Star immer wieder aufs Neue, ob nun mit besonders weinerlichen Autotune-Veröffentlichungen (das beinahe gänzlich aus der Spur geratene vierte Album „808s & Heartbreak“ von 2008), indem er Megalomanie auf bedeutsame Megalomanie schichtet (das noch immer auf bescheuerte Weise großartige „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ zwei Jahre darauf), indem er sich mit Buddy Jay Z zum Aufsehen erregenden Gipfeltreffen begibt (das gemeinsame Album „Watch The Throne“ von 2011) oder dem verdutzten Zuschauer seiner Musikvideos mal eben alles an optischen Reizen vor den Latz knallt, was man in der Kürze der Zeit für Abertausende von Dollar gerade so kaufen konnte (man schaue sich zum Beweis den „lediglich“ 35-minütigen Protz-Overkill „Runaway„, einen kaum als Kurzfilm – eher: Kunstfilm – zu titulierenden Geniestreich zu „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“, an). Dass Wests aktuelles Album „Yeezus“ (!) einerseits zwar mit für seine Verhältnisse recht konventionellem HipHop aufwartet, andererseits zwischen den Zeilen erneut abseitige Größe beweist, dürfte klar sein. Der Mann ist schließlich um keinen Superlativ verlegen…

Und: Auch West versteht es wie kaum ein Zweiter, immer und immer wieder für mediale Schlagzeilen zu sorgen. Ob nun durch seine Beziehung mit Kardashian, die ein oder andere kontroverse und/oder schwulenfeindliche Äußerung oder den allseits bekannten Größenwahn. Neuerlich mag es Kanye West aber wohl besonders plakativ. Wie anders ließe sich das Musikvideo zur neusten „Yeezus„-Auskopplung „Bound 2“ deuten, in welchem zuerst Pferde durch eine uramerikanische Kulisse stapfen, bevor West erscheint, um seine (Beinahe-)Angetraute während einer Motorradfahrt (!) und unter freiem Himmel (!) mit dem (wohl ebenso megalomanischen) „Mini-West“ zu beglücken? Klischees aus der Ramschkiste, die direkt auf die Frontseite der Klatschmagazine abzielen… Erfreulicherweise ist ein Video wie dieses natürlich auch ein gefundenes Fressen für Parodien. Und wenn sich dann sogar Schauspielgrößen wie Seth Rogen und sein Kollegenkumpel James Franco dazu hinreißen lassen, höchst ironisch und überzeugend die Parts von West und Kardashian zu übernehmen, dann ist das Ergebnis ebenso lustig wie Aufsehen erregend… Kanye West dürfte das nur recht sein. Und wie man unlängst hörte, mochte er die Parodie seiner parodistischen Selbstdarstellung durchaus…

Hier gibt’s das Original…

 

…und die Parodie:

 

Und da beliebte Internetscherze im virtuellen Zeitalter selten unter sich bleiben, musste man logischerweise selbst auf die Parodie der Parodie nicht lange warten:

 

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Videoneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

Haim – The Wire

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Da hat sich eine der vielversprechendsten Bands des Jahres Zeit gelassen… Bevor am 27. September endlichDays Are Gone„, das langerwartete Debütalbum der drei Haim-Schwestern Este, Danielle und Alana in den Regalen stehen wird, spendiert die kalifornische Band ihrer neusten Single „The Wire“ ein Musikvideo, in welchem sie ihren nah am Wasser gebauten Boyfriends mal eben die Herzen brechen…

 

 

 

Travis – Where You Stand

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Man hatte ja viel befürchten können, als die Schotten von Travis ihre Rückkehr nebst dem neuen Album „Where You Stand“ ankündigten. Schließlich sind seit dem letzten Album „Ode to J. Smith“ bereits fünf Jahre vergangen, seit ihrem bis heute besten Album „The Man Who“ gar ganze 14 Jahre. Kriegen Travis nochmal ein halbwegs gelungenes Album zustande? Stimmt die Chemie zwischen den Jungs noch? Am Ende darf man beruhigt feststellen: „Where You Stand“ macht als Album Nummer sieben eine gute Figur im Travis’schen Backkatalog. Zwar erfinden sich Fran Healy, Dougie Payne, Andy Dunlop und Neil Primrose keinesfalls neu – aber darin waren die Schotten eh nie gut. Dafür: eine Menge toller Melodien, ein paar verspielte Einfälle, Wohlfühlatmosphäre und Altersweisheiten an allen Ecken und Ende.

Stellvertretend für den aktuellen Bandsound darf gern der Titelsong des neuen Albums genommen werden. Das dazugehörige Video habt das schottische Quartett im heimatlichen Glasgow gedreht. Und wer sich wundert: Ja, um den Rotschopf im Video handelt es sich tatsächlich um die deutsche Schauspielerin Marleen Lohse

 

 

Wer mag, bekommt im Making Of mehr Informationen zum Videdreh von „Where You Stand“:

 

 

Black Rebel Motorcycle Club – Rival (live)

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Es bleibt dabei: Black Rebel Motorcycle Club, die beiden Herren nebst weiblicher Begleitung am Schlagwerk, sind vor allem auf der Bühne großartig. Dieser Mitschnitt des Songs „Rival“, welcher in Zusammenarbeit mit Converse während eines Konzerts der Band im Londoner „100 Club“ am 23. Juli diesen Jahres entstand, dürfte dafür Beleg genug sein… Wer jedoch vorerst nicht die Gelegenheit hat, in den Genuss eines Liveauftritts der Lederjackenträger zu kommen, dem sei an dieser Stelle auch das aktuelle Album „Specter At The Feast“ wärmstens empfohlen…

 

 

 

Rise Against – The Ghost Of Tom Joad (live)

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Am über die Jahre zum Klassiker avancierten Bruce Springsteen-Song „The Ghost Of Tom Joad“ haben sich ja schon viele Interpreten mehr (Junip) oder minder (Nickelback) gelungen versucht und/oder vergriffen. Neuster Kandidat in dieser Reihe sind die US-amerikanischen Hardcore-Punker von Rise Against, die ihre gemeinsam mit Tom Morello (Rage Against The Machine), Brian Fallon (The Gaslight Anthem) und Wayne Kramer (MC5) live dargebotene Version am 6. September im Rahmen der B-Seiten-Sammlung „Long Forgotten Songs: B-Sides & Covers 2000-2013“ veröffentlichen.

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Über diesen Link kann man bereits ein Ohr riskieren…

 

 

Slut – Holy End (Zündfunk Unplugged)

Slut #2

Welch‘ besseren Abschluss hätte diese Wochenrückschau in Bild und Ton finden können als einen letzten Blick zurück auf ANEWFRIENDs aktuelles „Album der Woche“, Sluts neustes Werk „Alienation„? Welch‘ besseren Abschluss daraus hätten man wählen können, wenn nicht die vor wenigen Tagen von Sänger Chris Neuburger für die Radiosendung „BR Zündfunk“ aufgenommene Version des getragenen Piano-Schlusssongs „Holy End“? Keinen? Eben!

 

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Editors – „The Weight Of Your Love“ (2013)

The Weight Of Your Love (Cover)-erscheint bei PIAS/Rough Trade-

Eines muss man den Editors zugute halten: einfach hatten sie es nie. So wurden bereits die ersten öffentlichen musikalischen Gehversuche der Band aus dem englischen Birmingham kritisch beäugt, ihr 2005 erschienenes Debütalbum „The Back Room„, trotz auch im Rückblick noch immer famoser Ausnahmesingles wie „Munich“, „Blood“ oder „Bullets“, von nicht wenigen berufsmäßigen und selbstberufenen Kritikern als bloße Interpol-meets-Joy Division-Kopie abgetan und dem Quartett keine allzu großen Perspektiven in Aussicht gestellt. Den feinen Unterschied zu all den anderen Bands, die vor allem zum Anfang des neuen Jahrtausend – und vor allem in Großbritannien – wie Pilze aus dem Boden schossen und es sich auf die Fahnen geschrieben zu haben schienen, unbedingt und auf jeden Fall wie das next big New Wave-thing klingen zu müssen, machte wohl das prägnante Bariton-Organ von Sänger Tom Smith aus. Nur klang dieses eben jenem des Interpol-Frontmanns Paul Banks ziemlich ähnlich, in besonders lebensfeindlichen Passagen gar wie das des seligen Joy Divison-Fronters Ian Curtis. Dennoch gab der Erfolg Tom Smith (Gitarre, Piano und Gesang), Chris Urbanowicz (Gitarre, Keyboard), Russell Leetch (Bass) und Ed Lay (Schlagzeug) recht: „The Back Room“ heimste 2006 auf Anhieb eine Nominierung für den begehrten Mercury Prize ein und kletterte im Anschluss bis auf Platz zwei der UK-Charts. Und während viele ihrer damals klanggleichen Kollegen bereits beim stets als kritisch beschriebenen Nachfolger einknickten (oder gar schon vorher in der Versenkung der Bedeutungslosigkeit verschwanden), legten Smith & Co. 2007 mit „An End Has A Start“ noch eins drauf. Ihr Sound verließ die dunkle Ecke der Indiedisko, um sich zu zehn hymnisch großen Stücken und zu ebenso traurig wie aufgeregt hüpfenden Herzschlägen in den ersten Reihen die nachtkalten Füße wund zu tanzen. Pathos! Gitarren! Rocksongs! Gefühl! Die Editors empfahlen sich für Arena-Auftritte und fanden genug begeisterte Hörer, die „An End Has A Start“ auf den Spitzenplatz der UK-Charts bugsierten. Dass sich die Band danach – wollten sie nicht auch noch zu Kopisten ihrer selbst abgestempelt werden – soundtechnisch in eine neue Richtung entwickeln musste, war klar. Gemeinsam mit Produzent Flood verzog man sich also 2008 ins Studio und überließ dort den Keyboard- und Synthesizerobzessionen von Chris Urbanowicz die Oberhand. Heraus kam man ein Jahr später mit „In This Light And On This Evening„, einem mal bedrohlich kalten, mal – lyrisch – schutzlos am offenen Herzen der technoiden Metropole London operierenden Monolithen von Album, in welchem die Editors wohl endgültig aus dem Schatten von Interpol heraus schwammen. Vielmehr boten sich nun noch deutlicher Referenzpunkte der Achtziger an: Erasure, (erneut) Joy Division, Depeche Mode oder The Cure. Ein befremdlicher Fiebertraum von Caspar David Friedrich im Elektronebel? Yessir! Brutal direktes Vor-den-Kopf-stoßen von Erwartungshaltungen – und dennoch erreichte auch „In This Light…“ Platz eins im UK. Nächster Halt: erneute Endstation. Während Frontmann Tom Smith 2011 gemeinsam mit ehemaligen Razorlight-Schlagzeuger als „Smiths & Burrows“ – pünktlich zum Weihnachtsgeschäft – ein ebenso liebliches wie gelungenes Weihnachtsalbum namens „Funny Looking Angels“ in die Regale stellte, liefen die parallelen Versuche der erneuten Neuausrichtung seiner Hauptband weniger flüssig. Also trennte man sich 2012 – offiziell „aufgrund musikalischer Differenzen“ – von Chris Urbanowicz, nahm mit Justin Lockey (Gitarre) und Elliott Williams (Piano und Keyboard) zwei neue Mitglieder ins Bandgefüge auf und begab sich nach Nashville (!) und in die Obhut von Produzent Jacquire King, einem Grammy-prämierten Fachmann für Rocksongs mit Tiefe und Wucht, bei dem sich Namen wie die Kings Of Leon, Tom Waits, Norah Jones, aber auch Modest Mouse, Josh Ritter oder Lissie bereits die Studiotürklinke in die Hand gaben…

Editors #1

“[The Weight of Your Love] is a band record, a musical record, a rock record… with a foot in that alt-rock / Americana world.” – beschreiben Selbsteinschätzungen wie eben jene von Sänger Tom Smith getroffene also das vierte Album „The Weight Of Your Love“ adäquat? Eindeutig: jein. Denn obwohl die neu formierten Editors für die elf neuen Stücke einen erneuten – teilweisen – Richtungswechsel unternahmen, bleiben schon noch ein paar Konstanten: So zählt Tom Smiths unverwechselbarer Bariton noch immer zum größten Pfund, welches die Band in die musikalische Waagschale zu werfen vermag. So bleiben sie doch am Ende des Stückes noch immer eine recht straighte Rockband – allen früheren Wave-Anleihen und Synthesizer-Orgien zum Trotz. Und eben jene Synthesizer scheinen mit dem geschassten Gitarristen Chris Urbanowicz über Bord gegangen zu sein – der Vorgänger „In This Light And On This Evening“ könnte stilistisch kaum ferner liegen.

Das erste Stück „The Weight“ eröffnet ein Akustikgitarren-Bluesriff zum Stampfbeat von Ed Lays Schlagzeug, bevor Streicher und „Ohoohoo“-Chöre dem Song einen „I Feel You“-artigen Depeche Mode-Touch geben und Tom Smith bereits zur lyrischen Eröffnung „For A Moment I felt the strength of your love / It was lightning / It was lightning / Strike down / On me“ den Dave Gahan von Birmingham gibt. Auch „Sugar“ groovt anfangs wie eine dieser typisch dunklen Depeche Mode-Schmerzenshymnen der Neunziger und artet mehr und mehr in ein Duell zwischen sägenden E-Gitarren und Konserven-Streichern aus. Die erste Vorab-Single „A Ton Of Love“ macht es dann besonders deutlich: die Editors setzen auch 2013 alles auf eine Karte – und auf der steht in dicken Edding-Lettern das Wort „Stadion“. Fette Gitarrenfanfaren? An Bord! Smith singt mit breiter Brust von „Desire“ und man meint bereits, Michael Stipe und Bono milde lächelnd vom Bühnenrand applaudieren zu sehen. Und zu eben jenen Rocksongs, die sich nun – wie bereits auf dem zweiten Album „An End Has A Start“, und um nicht wenige Streichersätze ergänzt – wieder ihren Weg in den aktuell vorherrschenden Bandsound gebahnt haben, bietet das Quintett einiges an Gegengewicht auf. So ist „What Is This Thing Called Love“ eine zartfühlige, streicher- und pianogetragene Ballade, zu welcher Smith mit unerwartet hohem Falsettstimmchen aufwartet, wird „Nothing“ introspektiv und beinahe ausschließlich von Streichern gen Firmament getragen, oder stellt das ansonsten recht dröge „Formaldehyde“ ein feines Bassmotiv in den Vordergrund. Kurz vor Schluss lösen die Editors – in „The Phone Book“ und vierenhalb schunkeligen Minuten – sogar Smiths Americana-Versprechen ein, bevor „Bird Of Prey“ erst zu Stampfbeat und Piano von eben jenen Greifvögeln im Backgroundchor begleitet wird, um sich schließlich von Dannen tragen zu lassen. Als klarer Fixpunkt dürfte Fans und Kennern der englischen Band auch 2013 Tom Smiths mit reichlich Pathos („Desire“ – aus „A Ton Of Love“), Weltschmerz („I’m a lump of meat / With a heartbeat“ – aus „The Weight“), Altersweisheiten („You gotta learn to be thankful / For the things that you have“ – aus „A Ton Of Love“), Falsch-vs.-Richtig-Metaphorik („Two Hearted Spider“) oder Liebeslyrik („Sing me a love song / From your heart or from the phone book / It don’t matter to me“ – aus „The Phone Book“) beladenen Texte sein. Geschmackssache? Natürlich. Wie das komplette Album (bei dem übrigens des Öfteren Platten von Echo And The Bunnymen im Studio gelaufen sein dürften)…

Editors #2

Die wichtigste – da entscheidendste – Frage zu „The Weight Of Your Love“ scheint wohl, ob Album Nummer vier für die Editors einen Schritt vor oder zurück bedeutet. Dabei ist es umso erfreulicher, dass es die Band überhaupt geschafft hat, sich aus der kreativen Synthesizersackgasse, in welche sie sich nach „In This Light…“ begeben hatten, heraus zu manövrieren. Dass nicht jeder Song auf „The Weight Of Your Love“ gleich tief sticht? – Geschenkt. Dass hier eine Band bewusst auf die Headliner-Plätze von Größen wie U2, R.E.M. (die freilich selbst längst Geschichte sind) oder Depeche Mode schaut, und so auch ein paar kreative Untiefen á la Coldplay oder den Kings Of Leon mitnimmt? – Kann man den Editors kaum verdenken. Denn mal ehrlich: wer, der die Stimme von Tom Smith anno 2005 hörte, dachte denn ernsthaft, dass solch‘ ein markantes Organ auf Dauer nur kleine Indie-Clubs beschallen würde? Die Editors sind mit ihren Songs, in denen die Hymnenhaftigkeit von dringlicher Klimax zu noch dringlicher Klimax jagt, für die große Bühne bestimmt – wer Herz und Ehrlichkeit und kreatives Wachstum sucht, der wird all das finden, solange er tiefer gräbt und genauer hinhört. Mit „The Weight Of Your Love“ untermauern Tom Smith & Co. ihren Anspruch auf den großen Wurf. Und obwohl sie aktuell eher groß als großartig tönen, ist eines sicher: dieser Wurf wird kommen. An end has a start…

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Anhand dieser beinahe halbstündigen „Making Of“-Dokumentation kann man sich einen Eindruck über den Entstehungsprozess von „The Weight Of Your Love“ verschaffen…

 

…und sich hier die Videos der ersten beiden Singles „A Ton Of Love“…

 

…und „The Weight“ anschauen:

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
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