Schlagwort-Archive: Dave Grohl

Moment! Aufnahme.


Dave Grohl und Shane Hawkins in London. (Foto gefunden bei Facebook)

„Meine Damen und Herren, wir haben uns heute Abend hier versammelt, um das Leben, die Musik und die Liebe unseres lieben Freundes, unseres Bandkollegen, unseres Bruders Taylor Hawkins zu feiern“, leiteten Dave Grohl und seine restlichen Foo Fighters-Bandmates Nate Mendel, Chris Shiflett, Pat Smear und Rami Jaffee am Samstag sichtlich bewegt das erste Tribute-Konzert zu Ehren ihres verstorbenen Bandkollegen und Freundes ein – ein Abend, der mit seinen zahlreichen einmaligen Auftritten im ausverkauften Londoner Wembley-Stadion in vielerlei Hinsicht kaum denkwürdiger hätte ausfallen können…

„Wir haben uns heute Abend mit seiner Familie und seinen engsten Freunden, seinen musikalischen Helden und größten Inspirationen versammelt, um euch eine verdammt gigantische Nacht für einen verdammt gigantischen Menschen zu bieten. Also singt und tanzt und lacht und weint und schreit und macht verdammt noch mal Lärm, damit er uns jetzt hören kann! Denn wisst ihr was? Es wird eine verdammt lange Nacht werden“, fuhr der Foo Fighters-Frontmann fort. Über sechs Stunden folgten Auftritte wie etwa von Ex-Oasis-Lautsprecher Liam Gallagher, Brian Johnson (AC/DC), Lars Ulrich (Metallica), Stewart Copeland (The Police), Brian May und Roger Taylor (beide Queen), Justin Hawkins (The Darkness), Josh Homme (Queens Of The Stone Age), Wolfang Van Halen, Kesha, Chris Chaney, Greg Kurstin, Supergrass, Geddy Lee und Alex Lifeson (beide Rush), den Pretenders oder Nile Rogers, um Hits der jeweiligen Künstler oder Cover-Versionen mal gemeinsam mit den Foo Fighters als souverän aufspielende Backing-Band, mal in amtlicher All-Star-Besetzung zu performen. Beinahe immer an irgendeinem Instrument dabei: Dave Grohl.

Buddies for life: Taylor Hawkins und Dave Grohl. (Foto: Danny Clinch)

Für alle Freunde des durchaus weitreichenden kreativen Schaffens des 53-jährigen Musiker-Tausendsassas dürfte vor allem die Reunion von Them Crooked Vultures von Interesse gewesen sein, jener Supergroup bestehend aus Grohl, Queens Of The Stone Age-Kopf Josh Homme und John Paul Jones von Led Zeppelin. Nach einer Videobotschaft von Elton John betrat die kurzlebige Band, deren einziges Album 2009 erschienen war, zusammen mit Alain Johannes (Eleven, Queens Of The Stone Age) erstmals seit zwölf Jahren gemeinsam die Bühne, eröffnete mit dem Elton-John-Song „Goodbye Yellow Brick Road“ und spielte dann ihren Song „Gunman“ sowie „Long Slow Goodbye“ von den Queens Of The Stone Age.

Dass Talent scheinbar vererbt werden kann, bewies Dave Grohls 16-jährige Tochter Violet, die ebenfalls in London anwesend war und Coverversionen von Jeff Buckley („Last Goodbye“ und „Grace“, angesichts der nicht eben simplen Originale durchaus amtlich abgeliefert) sowie „Valerie“ (The Zutons) zum Besten gab. Bei letzterem war übrigens ein gewisser Mark Ronson an der Gitarre dabei, der dem Song anno dazumal als Coverversion der ebenso großen wie früh verstobenen Amy Winehouse zu neuen Bekanntheitshöhen verhalf.

Gegen Ende des Tribute-Abends betraten dann erneut die Foo Fighters die Bühne des Wembley-Stadions und spielten während ihres ersten offiziellen Auftritts nach dem Tod von Taylor Hawkins im März diesen Jahres insgesamt zehn Songs mit wechselnden Schlagzeugern, darunter Session-Drummer Josh Freese (A Perfect Circle, Nine Inch Nails, Weezer, Sting), Travis Barker (blink-182), die 12-jährige Erzfeindin“ von Grohl, Youtuberin Nandi Bushell (welche angesichts ihres zarten Alters von gerade einmal zwölf Jahren fantastisch aufspielte), sowie Rufus Taylor, dem Sohn von Queen-Schlagzeuger Roger Taylor, bei dem man schon zwei Mal genauer hinschauen musste, ob da nicht Taylor Hawkins aus dem Rocker-Jenseits hinabgestiegen sei, so sehr ähnelt die Optik des 31-Jährigen der des verstorbenen Foos-Drummers – wenig verwunderlich also, dass sich nicht wenige Anhänger der Band ausgerechnet ihn als Hawkins‘ Nachfolger wünschen. Ebenso wenig überraschend dürfte denn auch gewesen sein, dass Grohl, der im Juli diesen Jahres (und während der Vorbereitungen zu den Tribute-Shows) auch noch seine Mutter verlor, bereits während des eröffnenden „Times Like These“ mit den Tränen kämpfte und sichtlich bewegt innehalten musste. Glücklicherweise war auf die Anwesenden verlassen: Das Publikum sang für ihn, bis er sich wieder gefangen hatte.

Es folgte – nach energetischen Performances von Foo-Evergreens wie „All My Life“, „The Pretender“ oder „Best Of You“ – ein Überrschungs-Auftritt von Paul McCartney, der die Foo Fighters letztes Jahr in die legendäre „Rock And Roll Hall Of Fame“ aufgenommen hatte. Er betrat die Bühne zusammen mit Pretenders-Frontfrau Chrissie Hynde und kündigte einen Song an, „den ich nicht mehr gespielt habe, seit ich ihn vor 100 Jahren aufgenommen habe – ich habe ihn noch nie im Duett gesungen, aber wir werden ihn heute Abend zum ersten Mal singen“. Zusammen mit Grohl, Pat Smear und Jazz-Schlagzeuger Omar Hakim in der Band performten McCartney und Hynde – mit 80 beziehungsweise 70 Lenzen allein schon altersbedingt Rock-Legenden und dementsprechend nicht mehr ganz so gut bei Stimme wie in jungen Jahren – dann „Oh! Darling“ von den Beatles – immerhin die erste Performance des Songs von McCartney seit 1969.

Zum Finale spielten die Foo Fighters „Aurora“ mit Omar Hakim (das Stück war der erklärte Foo-Fighters-Backkatalog-Liebling von Taylor Hawkins) und danach „My Hero“ mit Taylor Hawkins‘ Sohn Oliver Shane Hawkins am Schlagzeug. Dass der 16-Jährige seligen drauf hat, bewies Shane bereits im Juli, als er den Song vom zweiten, 1997 veröffentlichten Foo-Album „The Colour And The Shape“ mit seiner Schulband bei einem öffentlichen Auftritt zu Ehren seines Vaters spielte. In den sozialen Medien schwärmten Fans von einem der „berührendsten Momente in der Rockgeschichte“. Der Auftritt des Jungen sei „unglaublich“ und „beeindruckend“ gewesen, hieß es bei Twitter unter dem Hashtag #TaylorHawkinsTribute. Ein Nutzer schrieb recht treffend nur: „Gänsehaut“. Was darauf noch folgen konnte? Klar: Als letzten Song des Abends performte Grohl das nahezu unvermeidliche „Everlong“ solo (und damit kaum weniger reich an Gänsehaut), bevor er (fast) alle Teilnehmenden des Abends zur finalen Verabschiedung auf die Bühne holte. Uff. Wahnsinn. Großartig. Vonwoauchimmer Taylor Hawkins dem ganzen, amtlich rockenden Konzert zu seinen Ehren gelauscht haben mag, es wird ihm gefallen haben, denn sein Surfer-Dude-Grinsen war in jedem verfickten Moment spürbar.

Das erste offizielle Bild der Foo Fighters ohne Taylor. (Foto: Danny Clinch via Facebook)

Wer (wie ich) nicht in der englischen Hauptstadt anwesend war, der hatte Glück, denn die komplette Show wurde unter anderem auf YouTube gestreamt (und kann auch noch nachträglich über Paramount+ angesehen werden). Die Ticket- und Merchandise-Einnahmen der beiden „Taylor Hawkins Tribute Concerts“ kommen auf Wunsch der Hawkins-Familie den Organisationen Music Support und Musicares zugute, die sich der Gesundheit und dem Wohlergehen der Musikgemeinschaft widmen. Das zweite Tribute-Konzert findet am 27. September in Los Angeles mit vielen weiteren Gästen statt. 

Taylor Hawkins war am 25. März während der Südamerika-Tour der Foo Fighters tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden worden. Die Todesursache wurde nicht öffentlich bekannt gegeben. Bei einer Untersuchung wurden allerdings verschiedene Substanzen in Hawkins‘ Körper festgestellt, die auf die Umstände seines Todes hinweisen.

— SETLIST: Taylor Hawkins Tribute Concert (Wembley Stadium, London, Sept 3, 2022) —

Liam Gallagher & Foo Fighters

„Rock ‚N‘ Roll Star“ (Oasis)
„Live Forever“ (Oasis) 

Nile Rodgers, Chris Chaney & Omar Hakim

„Let’s Dance“ (David Bowie) (mit Josh Homme)
„Modern Love“ (David Bowie) (mit Gaz Coombes) 

Chevy Metal

„Psycho Killer“ (Talking Heads)
„Children Of The Revolution“ (T. Rex) (mit Kesha) 

Justin Hawkins, Josh Freese & The Coattail Riders

„Louise“ (Taylor Hawkins & The Coattail Riders)
„Range Rover Bitch“ (Taylor Hawkins)
„It’s Over“ (Taylor Hawkins & The Coattail Riders) 

Wolfgang Van Halen, Dave Grohl, Justin Hawkins & Josh Freese

„On Fire“ (Van Halen)
„Hot For Teacher“ (Van Halen) 

Violet Grohl, Dave Grohl, Alain Johannes, Chris Chaney, Greg Kurstin & Jason Falkner

„Last Goodbye“ (Jeff Buckley)
„Grace“ (Jeff Buckley) 

Supergrass

„Richard III“ (Supergrass)
„Alright“ (Supergrass)
„Caught By the Fuzz“ (Supergrass) 

Them Crooked Vultures

„Goodbye Yellow Brick Road“ (Elton John)
„Gunman“ (Them Crooked Vultures)
„Long Slow Goodbye“ (Queens Of The Stone Age) 

Pretenders & Dave Grohl

„Precious“ (Pretenders)
„Tattooed Love Boys“ (Pretenders)
„Brass In Pocket“ (Pretenders) 

James Gang

„Walk Away“ (James Gang)
„The Bomber: Closet Queen / Bolero / Cast Your Fate to the Wind“ (James Gang)
„Funk #49“ (James Gang) (mit Dave Grohl) 

Violet Grohl, Mark Ronson, Chris Chaney & Jason Falkner

„Valerie“ (The Zutons) 

Brian Johnson, Lars Ulrich & Foo Fighters

„Back In Black“ (AC/DC) (mit Justin Hawkins)
„Let There Be Rock“ (AC/DC) 

Stewart Copeland & Foo Fighters

„Next To You“ (The Police) „Every Little Thing She Does Is Magic“ (The Police) (mit Gaz Coombes)

Geddy Lee & Alex Lifeson

„2112 Part I: Overture“ (Rush) (mit Dave Grohl) „Working Man“ (Rush) (mit Dave Grohl) „YYZ“ (Rush) (mit Omar Hakim)

Brian May, Roger Taylor, Rufus Taylor & Foo Fighters

„We Will Rock You“ (Queen) (mit Luke Spiller)
„I’m in Love With My Car“ (Queen)
„Under Pressure“ (Queen) (mit Justin Hawkins)
„Somebody To Love“ (Queen) (mit Sam Ryder)
„Love Of My Life“ (Queen) (Brian May solo) 

Foo Fighters

„Times Like These“ (mit Josh Freese)
„All My Life“ (mit Josh Freese)
„The Pretender“ (mit Travis Barker)
„Monkey Wrench“ (mit Travis Barker)
„Learn To Fly“ (mit Nandi Bushell)
„These Days“ (mit Rufus Taylor)
„Best Of You“ (mit Rufus Taylor) 

Paul McCartney, Chrissie Hynde, Dave Grohl, Omar Hakim & Pat Smear

„Oh! Darling“ (The Beatles) & „Helter Skelter“ (The Beatles)

Foo Fighters

„Aurora“ (mit Omar Hakim)
„My Hero“ (mit Oliver Shane Hawkins)
„Everlong“ (Dave Grohl solo)

Rock and Roll.

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„There goes my hero…“ – Taylor Hawkins ist tot.


Foto: Oliver Halfin

Am frühen Samstagmorgen veröffentlichten die Foo Fighters eine schlichte Textkachel in den sozialen Medien, mit der sie die traurige Nachricht überbrachten: „Die Foo-Fighters-Familie ist am Boden zerstört wegen des tragischen und viel zu frühen Verlustes von Taylor Hawkins. Sein musikalischer Geist und sein ansteckendes Lachen werden in uns allen für immer weiterleben. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau, seinen Kindern und seiner Familie, und wir bitten darum, ihre Privatsphäre in dieser unvorstellbar schwierigen Zeit im höchsten Maße zu respektieren.“

Zu den Todesumständen von Hawkins machte die Band selbst keinerlei Angaben. Die Foo Fighters waren auf Welttournee und hätten am selben Abend in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá beim Festival Estéreo Picnic auftreten sollen; noch am 20. März 2022 hatten sie in Argentinien beim Lollapalooza Festival gespielt. Laut einem Bericht des kolumbianischen Nachrichtenmagazins „Semana“ sei der Schlagzeuger tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden worden. Zuvor hatte das Hotelpersonal den Rettungsdienst gerufen, nachdem der Musiker über Schmerzen in der Brust geklagt hatte. Als dieser eintraf, soll Hawkins bereits tot gewesen sein. Die kolumbianische Polizei teilte am Samstag mit, dass „laut den ihm nahestehenden Personen der Tod mit dem Konsum von Drogen zusammenhängen“ könnte, wenngleich die genaue Todesursache aber „noch geklärt werden“ müsse.

Bereits im Jahr 2001 lag Hawkins nach einer versehentlichen Überdosis Heroin in London kurzzeitig im Koma. Sein Konsum sei für eine Weile außer Kontrolle geraten, so der Musiker 2021 im Gespräch mit der Musikmagazin „Kerrang“ – „und es hat mich fast umgebracht.“ Er habe versucht, sein starkes Lampenfieber mit Alkohol und Drogen zu bekämpfen und einst an den in Musikkreisen leider nicht unüblichen Mythos „Live fast, die young“ geglaubt. „Ich glaube nicht, dass es gut ist, so einen Lifestyle zu verherrlichen – wirklich nicht. Es gibt kein Happy End mit harten Drogen“, sagte er 2018, lehnte es aber ab zu erklären, wie er seit der Überdosis clean geblieben ist…

Oliver Taylor Hawkins wurde 1972 in Fort Worth, Texas geboren und wuchs anschließend im kalifornischen Laguna Beach auf. Und wohlmöglich wurde ihm, der auch optisch als recht entspannter Surfer Dude hätte durchgehen können, die spätere Berufung bereits in die Wiege gelegt, schließlich benannten ihn eine Eltern nach niemand Geringerem als Queen-Schlagzeuger Roger Taylor – und da sich Kreise meist irgendwann schließen, war Taylor Hawkins als einer der prominentesten Queen-Fans bekannt und auch gut mit seinem Namenspatron befreundet, der den plötzlichen Tod auf Instagram mit dem Verlust eines jüngeren Lieblingsbruders verglich: „Er war ein freundlicher, brillanter Mann und ein inspirierender Mentor für meinen Sohn Rufus und der beste Freund, den man haben kann. Am Boden zerstört.“

Der tragische Verlust ihres Taktgebers zwingt nun vor allem seine Band, die Foo Fighters, zum Innehalten. Und angesichts der besonders engen Verbundenheit innerhalb der US-Alternative-Rocker, die im vergangenen Jahr ihr zehntes Studioalbum „Medicine At Midnight“ veröffentlicht hatten, ist nun auch die Frage berechtigt: Wie wird es mit den Foo Fighters weitergehen? Wird es überhaupt ein Weiter geben? Vor allem, wenn man weiß, dass besonders Bandchef Dave Grohl und Taylor Hawkins sich nahezu geschwisterlich verbunden fühlten. Immer wieder sprachen sie voneinander als „brother from another mother“, als Duo führten sie meist gemeinsam Interviews für die Foo Fighters. Obwohl es streng genommen Dave Grohls Band ist (oder war?), wurde Taylor Hawkins seit seinem Einstieg im Jahr 1997, der erfolgte, nachdem sich Grohl bei den Aufnahmen zu „The Colour And The Shape“ im Jahr zuvor mit dem bisherigen Foo-Fighters-Schlagzeuger William Goldsmith überwarf, ein zweifellos unersetzlicher Teil der Gruppe, schrieb zahlreiche Hits wie „Learn To Fly“, „All My Life“ oder „Best Of You“ mit. Es muss also Schicksal gewesen sein, dass Hawkins, der davor Teil von Alanis Morissettes Liveband war, für die Foo Fighters einen Job hinterm Schlagwerk der Guns N‘ Roses ablehnte. Deren Frontmann Axl Rose wollte ihn als Bestandteil seiner Rhythmusfraktion und ließ 1999 über sein Management eine entsprechende Anfrage an Taylor Hawkins‘ Mutter (!) schicken. Der gefragte Mann? Fragte seinerseits Brian May von Queen um Rat. Und Mays Einschätzung sollte sich als rückblickend als goldrichtig erweisen: „Ich habe dich und Dave auf der Bühne gesehen, da ist etwas zwischen euch, das kein Geld der Welt kaufen kann.“ Einer ehemals größten Stadionrockband für eine der – damals – kommenden größten absagen? Kann man so machen.

Foto: IMAGO/ZUMA Press

Dave Grohl und Taylor Hawkins verband naturgemäß ihre gleichsame Liebe zum Schlagzeugspielen (immerhin wurde Grohl einst als Trommelderwisch von Nirvana berühmt), aber auch zwischenmenschlich passte es sofort: „Das erste Mal, als wir uns trafen, waren wir bei einer Radioshow hinter der Bühne, und er kam mit einem Bier in der Hand auf uns zu“, erinnerte sich Grohl einst in einem Interview. „Er sagte: ,Hey, Mann, wie geht’s? Ich bin Taylor, ich spiele mit Alanis Morissette. Alter, ich liebe deine Platte, sie ist so cool!‘ Er war so ein Dödel. Ich dachte mir: ,Wow, du bist entweder mein Zwilling oder mein Seelenverwandter oder mein bester Freund!‘ In den ersten zehn Sekunden, in denen ich ihn traf! Und natürlich hatte ich ihn schon Schlagzeug spielen sehen und fand, dass er ein toller Schlagzeuger war.“

Auch Taylor Hawkins‘ bereits erwähnte Überdosis im Jahr 2001 schweißte die Musiker noch mehr zusammen. Die emotionale Belastung, nach dem tragischen Drogenabsturz und späteren Suizid von Nirvana-Frontmann Kurt Cobain abermals einen Bandkollegen und Freund auf ähnliche Weise zu verlieren, brachte den Gründer der Foo Fighters fast dazu, sich ganz aus der Musik zurückzuziehen. „Als Taylor im Krankenhaus landete, war ich bereit, mit der Musik aufzuhören“, erklärte Grohl einst. „Denn für mich fühlte es sich so an, als wäre Musik gleichbedeutend mit Tod. Ich fing an zu beten. Ich war noch nie in meinem Leben in einer Kirche, und nun lief ich jede Nacht von Taylors Krankenhaus zu unserem Hotel zurück und betete laut auf Londons Straßen.“

Hawkins, der abseits der Foo Fighters mit seiner Band Taylor Hawkins & The Coattail Riders sowie dem Hardrock-Prog-Projekt The Birds Of Satan insgesamt vier Alben veröffentlichte, war außerdem das einzige Bandmitglied, das auch selbst geschriebene Songs für die Alben seiner Hauptband einbringen durfte (etwa „Cold Day In The Sun“ oder „Sunday Rain“). Seine Stücke sowie einige ebenfalls von ihm gesungene Queen-Coversongs waren seit Jahren fest in den Foo’schen Live-Sets verankert. Die „Bromance“ von Grohl und Hawkins war auch live stets zu spüren – sie umarmten sich und lobten das musikalische Talent des anderen. „Als er in die Band kam, war sein Schlagzeugspiel der unwichtigste Faktor – ich dachte nur, dass ich mit diesem Typen die Welt bereisen möchte, ich möchte auf die Bühne springen und mit ihm Bier trinken“, erinnerte sich Grohl vor einigen Jahren.

Wannimmer der etatmäßige Schlagzeuger und der Foo-Frontmann bei Konzerten die Plätze tauschten, nahm Grohl nur allzu gern Hawkins‘ Drumsticks zur Hand, während dieser dann Queen-Hits wie „Somebody To Love“ zum Besten gab. So auch bei der Show im argentinischen Buenos Aires beim Lollapalooza Festival, die nun einer ihrer letzten gemeinsamen Momente auf der Bühne bleiben wird. Zunächst gaben sich die beiden eine herzliche Umarmung, dann erklärte Taylor Hawkins: „Ich liebe Dave Grohl! Ich würde Pizzas ausliefern, wenn es ihn nicht gäbe… Ich würde in der Schlagzeugecke eines Musikladen arbeiten, wenn er nicht wäre… Wollt ihr ihn Drums spielen hören?“

Da während der ein oder anderen Foo-Fighters-Bandpause nahezu naturgemäß immer mal wieder Gerüchte über ein potentielles Ende des US-Alternative-Rock-Sextetts aufkamen, versprach deren umtriebiger Bandleader, dass sich die Foo Fighters nie trennen würden, schließlich würde sich das anfühlen, „als wenn sich deine Großeltern scheiden lassen“, so der Musiker. Angesichts der unerwartet tragischen Umstände muss nun jedoch geklärt werden, ob und wie es mit den Foo Fighters weitergehen kann…

Taylor Hawkins, der sich mit (s)einem breiten Surferboy-Grinsen auf der natürlich höchst subjektiven, natürlich nach beiden Seiten sperrangelweit offenen, von Lou Reed bis Dave Grohl reichenden Sympathieskala stets hartnäckig hinter seinem Bandchef einsortierte, wurde nur 50 Jahre alt. Er hinterlässt eine Frau und drei Kinder. Mach’s gut, Taylor. 🤟

Rock and Roll.

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Song des Tages: Kill Birds – „Cough Up Cherries“


Foto: Promo / Cheryl Georgette

Gerade als junge, zwar bereits aufstrebende, jedoch noch nicht über alle Maßen bekannte Band – vor allem aus dem wuseligen Los Angeles, wo die gefühlte Band-Dichte um einiges größer scheint als anderswo – ist es immer gut, prominente Förderer zu haben. So posaunt etwa The Black Keys-Chef Dan Auerbach seit einige Zeit bei jeder sich bietenden Gelegenheit heraus, in den Garage-Indie Rock von The Velveteers verschossen zu sein, während Größen wie Kim Gordon (Sonic Youth), Hayley Williams (Paramore) oder Dave Grohl jüngst die ein oder andere Empfehlungslanze für Kill Birds gebrochen haben.

Und der ohnehin recht umtriebige Foo Fighters-Vorsteher gab nicht nur emsig erhobene Daumen und Likes, sondern lud die Band um die bosnisch-kanadische Frontfrau Nina Ljeti kurzerhand auch ein, ihr zweites Album in seinem eigenen „Studio 606“ aufzunehmen – eine riesige Ehre für die Newcomer-Truppe, was zu dem Fakt führte, dass die Songs von „Married“ am selben Mischpult eingespielt wurden wie unter anderem Nirvanas legendärer Album-Meilenstein „Nevermind“. Das Coole ist, dass Nina Ljeti, Gitarrist Jacob Loeb, Bassist Fielder Thomas und (Studio-)Schlagzeuger Bosh Rothman auch stilistisch so einige Brücken schlagen und Songs abliefern, welche in der Tradition von Post Punk, Punk Rock und Grunge der späten Achtziger und frühen Neunziger stehen, fulminant ausgereizte Laut-Leise-Dynamik (wie etwa bei der Single „Cough Up Cherries“) inklusive. Aber auch anderswo holt sich das Trio Inspiration. So eröffnet „Glisten“ mit eiskalten Nu-Metal-Gitarren sowie doomigem Grundgestus und wirft sich in einen Refrain, der Ljeti, die sich nebenbei auch als Filmemacherin verdingt und unter anderen bereits Musikvideos für Phoebe Bridgers und Crowded House gedreht hat, als legitime Erbin von Kim Gordon und Courtney Love präsentiert. Da fällt es kaum ins Gewicht, dass das im Eiltempo frenetisch durchgedroschene „Woman“ oder die Noise-Orgie am Ende des Titelstücks (noch) wie spätpubertäre Posen wirken.

„There are a lot of themes to ‚Cherries‘, as it was written during the height of the pandemic in 2020. The song touches on feelings of loneliness, paranoia, and hopelessness that we all experienced.  In addition, ‚Cherries‘ also addresses the identity crisis we all face in the digital age. What our performative personas are vs. who we really are when we’re left alone, and if in the midst of great injustice, we are actually able to hold our own selves accountable.“ (Nina Ljeti über „Cough Up Cherries“)

Rock and Roll.

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Flimmerstunde – Teil 37


What Drives Us“ (2021)

Das Timing von Foo Fighters-Frontmann Dave Grohl könnte einerseits kaum eigenartiger, andererseits jedoch kaum besser sein. Seine neuste Dokumentation „What Drives Us“ ist eine Liebeserklärung an das Tourleben und dadurch ein Statement für die Livemusik. Denn mal ehrlich: Einen besseren Zeitpunkt als eine weltweite Pandemie, die nahezu jeglichen Vis-à-vis-Konzertbetrieb unterbindet, könnte es für diesen Film nicht geben.

Wie schon bei seinen vorangegangenen Musik-Dokumentationen wie „Sound City“ oder „Sonic Highways“ sind auch hier von der ersten Sekunde an die Liebe und das Herzblut spürbar, welche Grohl für das Thema mitbringt. Auf effektive Weise stellt der kreative Tausendsassa Szenen seiner frühen Band Scream jenem Moment gegenüber, in dem er den ersten Touring-Van der Foo Fighters zurück erhält und sich damit erneut auf eine Reise begibt. Nur dass es bei dieser Reise gerade nicht darum geht, Konzerte zu spielen…

Stattdessen macht er sich damit auf, faszinierende Tour-Stories zu sammeln. Die Liste der Gäste ist mehr als beeindruckend. Beatles-Trommler Ringo Starr, Metallicas Lars Ulrich, Aerosmith-Frontmann Steven Tyler, Slash und Duff McKagan von Guns N‘ Roses, U2-Gitarrist The Edge, AC/DC-Stimme Brian Johnson, Red Hot Chili Peppers-Bassist Flea, Ian Mackaye von Fugazi, Slayer-Schlagzeuger Dave Lombardo oder L7-Bassistin Jennifer Finch sind nur einige der illustren Namen, die diesem Film mit ihren Geschichten zwischen Rock’n’Roll und Punk Rock füllen.

Allesamt erinnern sie sich auf sympathische, oft herzerwärmende Art an ihre musikalischen Anfänge, ihre frühen Einflüsse und natürlich ihre ersten Tourerfahrungen – auch wenn Lars Ulrich scherzt, dass er zum eigentlichen Van-Touring-Thema des Films nicht viel beitragen könne: „I realized, I actually never toured in a van. So… can I go now?“ Grohl verbindet die Interviews mit zahlreichen Archivaufnahmen aus den frühen Tagen von Bands wie den Foo Fighters oder No Doubt, bei welchen man sich oft genug fragt, wo er die wohl aufgetrieben hat. Sehr unterhaltsam gerät zudem die Animation der Hardcore-Legenden von Black Flag und. D.O.A., welche das Van-Touring in den US of A mit einer Menge DIY-Spirit quasi einst aus den Angeln gehoben haben.

Doch Grohl wäre nicht Grohl, wenn er bei all den großen Namen die junge Garde ignorieren würde. In einer kurzen Sequenz erzählt er davon, wie frühe Foo Fighters-Interviews vor allem daraus bestanden, Fragen zur Vergangenheit der Mitglieder zu beantworten (beziehungsweise nach seiner Vergangenheit als Nirvana-Drummer) – und zeigt derweil, wie man’s besser macht. Obwohl das Schwelgen in den eigenen Historien logischerweise einen guten Teil der 90 Minuten einnimmt, gerät „What Drives Us“ nämlich mitnichten zur reinen Nostalgieveranstaltung, die nur dazu dient, von vermeintlich besseren, längst vergangenen Zeiten zu schwärmen.

Mit Radkey holt Grohl – neben Starcrawler, die er in seinem alten Tour-Van durch Los Angeles chauffiert – auch eine vergleichsweise neue, unbekannte Band vor die Kamera, die erst in den 2010ern zusammenfand. Die drei Jungspunde aus St. Joseph, Missouri zeigen, dass sich die Punk-Rock-Geschichte – digitaler Über-Nacht-Ruhm hin oder her – in manchen Fällen glücklicherweise eben doch wiederholt. Während etablierte Namen in der Vergangenheit schwelgen, leben Radkey, die seit Jahren von ihrem Vater/Manager/Mercher durch die Vereinigten Staaten gefahren werden, genau den Van-Lifestyle, der für alte Recken wie AC/DC-Sänger Brian Johnson längst nur noch eine Erinnerung ist. Auffallend ist, dass sich am Grundlegenden kaum etwas geändert hat. So lässt sich die Kunst des Van-Packens der Bad Brains perfekt mit dem heutigen tetris’esken Verstauen von Instrumenten in einem viel zu kleinen Gefährt vergleichen – wenn auch mit etwas mehr technischen Standards.

„Es kommt ein Moment im Leben eines jeden Musikers, in dem sein Engagement auf die Probe gestellt wird. Wenn ihr Wunsch, Musik für andere zu spielen, zu einem fast irrationalen Akt blinden Glaubens wird. Es ist kein Job, es ist eine Berufung. Der erste Schritt, um sich und der Welt zu beweisen, dass man in diesen Club gehört, ist, in den Van zu steigen. Du lädst deine Instrumente, dein Talent und deinen Mut ein, und bringst deine Musik in die Welt. Es spielt keine Rolle, ob du die Beatles oder Billie Eilish bist, oder irgendein bekannter oder unbekannter Künstler dazwischen. Du musst in den Van steigen, um herauszufinden, ob du das Zeug dazu hast. Das ist der Rock ’n‘ Roll-Ritus des Übergangs…“ (Dave Grohl über das Touren und Musikmachen)

Während der Interviews kommt Grohls Stimme immer wieder aus dem Off, um Nachfragen zu stellen. Manchmal schwenkt die Kamera sogar auf sein Gesicht, während der 52-Jährige zwischen dem Drehequipment sitzt. Das mag vielleicht nicht dem güldenen Handbuch für Dokumentationsinszenierung entsprechen, gibt „What Drives Us“ aber genau das nahbare Gefühl von Authentizität und Verbindung, von welchem Grohl und all die anderen Musiker*innen vor der Kamera sprechen. Es gibt keine Trennung zwischen dem Interviewer und den befragten Personen. Grohl ist als Musiker schließlich selbst Teil dessen, von dem er in seinem Film erzählt. Und: Alle Beteiligten sind sich weitestgehend einig, dass die Erfahrung, ständig und rund um die Uhr mit seinen Bandkollegen auf engstem Raum zusammengelebt zu haben, die einzelnen Mitglieder näher zusammengebracht hat. „Es ist nicht glamourös darüber zu reden. Aber es braucht wirklich eine gewisse Unreife und Unschuld, um in einem Van unterwegs zu sein. Aber auch eine gewisse Reife, um vieles tolerieren zu können, das große Ganze zu sehen, Geduld zu haben, seinen Mitmenschen gegenüber freundlich zu sein, die vielleicht Probleme haben“, wie es L7-Bassistin Jennifer Finch ausdrückt.

Damit sich nicht alles lediglich um das selige Schwelgen in den „good old days“ und um den heilen Tourwelt-Protz dreht (etwa dann, wenn No Doubt-Bassist Tony Kanal berichtet, dass sich die Touren von No Doubt von Mal zu Mal vergrößert haben und sich schlußendlich jedes Bandmitglieder seinen eigenen Luxusliner leisten konnte), schlägt Grohl zwischendurch auch den ein oder anderen ernsteren Ton an. So spricht etwa der ehemalige Dead Kennedys-Schlagzeuger D.H. Peligro über den schwelenden Rassismus, welcher ihm als einzigem schwarzem Bandmitglied bei frühen Shows der kalifornischen Punk-Ikonen immer wieder entgegenschlug, oder von seiner Drogenabhängigkeit während seines kurzen Intermezzos bei den Red Hot Chili Peppers.

Mit dieser Sprunghaftigkeit zwischen Leichte und Tiefe erzeugt „What Drives Us“ ganz ähnliche Gefühle wie die besten Konzerte – ganz gleich, ob diese nun im Station oder im kleinen Indie-Club stattfinden. Obwohl das Publikum stets auf gewisse Weise eine andere Position einnimmt als die Bands, die da auf der Bühne stehen, sorgen grandiose, erinnerungswürdige Shows dafür, dass sich eben doch alle im Saal miteinander verbunden fühlen. Selbst wenn der Austragungsort ein Stadion mit 50.000 Zuschauenden ist.

Dieses Stadiongefühl beschwört Grohl (der ja im Laufe seiner Karriere so einige Erfahrungen mit ebenjenen „Stadiongefühlen“ sammeln durfte) ebenfalls in der Eingangssequenz von „What Drives Us“ herauf: einen Zusammenschnitt diverser Tour- und Konzertaufnahmen unterlegt er mit AC/DCs „For Those About To Rock (We Salute You)“. Wer schon einmal selbst die brachialen, ikonischen Kanonenschläge erlebt hat, die den Song in der Live-Situation flankieren, der weiß, warum gerade diese die Konzertfaszination perfekt symbolisieren. Passenderweise beschließt denn der Foto Fighters-Evergreen „Everlong“, welches live ebenso zu fesseln und euphorisieren weiß, die Dokumentation. So saugt einen „What Drives Us“, dieser kleine Liebesbrief an das Leben auf Tour und für die Musik, förmlich ein – und unterhält mit einer Fülle aus Kurzweil, Anekdoten und teilweise recht persönlichen Geschichten aus dem Musiker-Leben bis zum Schluss.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Mick Jagger with Dave Grohl – „Eazy Sleazy“


Da seine Hauptband unlängst mit „Medicine At Midnight“ zwar ihr nunmehr zehntes Studioalbum veröffentlicht hat, aktuell – wie so ziemlich alle anderen Bands und Künstler*innen auch – der Tourfreiheit wegen zum Quasi-Stillstand gezwungen ist, hat sich Foo Fighters-Chef Dave Grohl schon wieder ein neues Lockdown-Projekt gesucht: Er ist am neuen, überraschend gestern veröffentlichten Song „Eazy Sleazy“ von Rolling Stones-Sänger Mick Jagger beteiligt. In der durchaus klassischen Rocknummer singt Jagger mit einem an schwarzem Humor über die (Post-)Corona-Welt. Fast schon logischerweise mag man im ersten Moment an „Dancing In The Street“ erinnert fühlen: Für selbigen Evergreen hatte der Rolling Stones-Frontmann 1985 gemeinsame Sache mit David Bowie gemacht und einen Nummer-Eins-Hit gelandet.

Und nun hat sich Jagger erneut mit einem der Großen des Gegenwarts-Rock zusammengetan: Dave Grohl sorgt bei Jaggers neuer, von Matt Clifford produzierter Single „Eazy Sleazy“ für Unterstützung an Bass, Schlagzeug und Gitarre, während das Rock-Urgestein selbst singt und ebenfalls Gitarre spielt. Dem klassischen Rocksong mit etwas Sixties-Flair verleiht der Foo Fighters-Frontmann dabei mit seinen Beiträgen (das charakteristische Powerhouse-Schlagzeug!) ordentlich Drive und erinnert damit an den musikalischen Output zu seiner Musik-Doku „Sound City„. Im Text kreist Jagger mit ironischem Augenzwinkern und satirischem Biss um die neue Normalität der Corona-Gegenwart mit dauerpräsenten Infektionsstatistiken, Tourabsagen, Masken-Tragen und Verschwörungsideologen – und malt sich im Refrain aus, wie paradiesisch schön die Welt „nach Corona“ werden wird, während das zugehörige Performance-Video zeigt im Zusammenschnitt Jagger zu Hause und Grohl im Studio der Foo Fighters zeigt.

„Ich habe den Song darüber geschrieben, wie es nach dem Lockdown werden wird, mit einer Portion dringend nötigem Optimismus“, so Jagger. „Danke an Dave Grohl dafür, dass er an Schlagzeug, Bass und Gitarre mitgemacht hat, es war ein großer Spaß.“ Grohl gibt das Kompliment potenziert zurück – wenig verwunderlich, schließlich kann er nach einer Zusammenarbeit mit Paul McCartney nun auch Mick Jagger von seiner Musiklegenden-Bucketlist streichen. „Ich kann nur schwer in Worte fassen, was es mir bedeutet, diesen Song mit Sir Mick aufgenommen zu haben. Es ist mehr als nur ein wahrgewordener Traum. Und ich dachte gerade, das Leben könne nicht mehr verrückter werden… und wir haben da den Song des Sommers gemacht, keine Frage!“

Ebenso wenig verwundert, dass der nimmermüde Grohl aktuell auch sonst sehr aktiv ist: Gerade erst hatte er sein autobiografisches Buch „The Storyteller: Tales of Life and Music“ für Oktober angekündigt, in dem der ehemalige Nirvana-Schlagzeuger und heutige Bandchef einer der besten und bekanntesten Stadionrock-Kapellen der Musikwelt Anekdoten aus seinem mehrere Jahrzehnte andauernden Rockstar-Leben erzählt. Außerdem kam gerade erst der Trailer für die Filmdoku „What Drives Us“ über das Touren von (jungen) Bands im Van heraus, bei der Dave Grohl Regie geführt hat und welche hierzulande am 30. April bei Amazons Streaming-Plattform Prime Video erscheinen wird.

"We took it on the chin
The numbers were so grim
Bossed around by pricks
Stiffen upper lips
Pacing in the yard
You’re trying to take the mick
You must think I'm really thick

Looking at the graphs with a magnifying glass
Cancel all the tours, football's fake applause
No more travel brochures
Virtual premieres
I've got nothing left to wear
 
Looking out from these prison walls
You got to rob Peter if you're paying Paul
But it's easy easy, everything’s gonna get really freaky
Alright on the night
Soon it'll be be a memory you're trying to remember to forget
 
That's a pretty mask
But never take a chance, tik tok stupid dance
Took a samba class I landed on my ass
Trying to write a tune, you better hook me up to zoom
See my poncey books, teach myself to cook
Way too much tv, it's lobotomising me
Think I've put on weight
I'll have another drink then I'll clean the kitchen sink
 
We escaped from the prison walls
Open the windows and open the doors
But it's easy easy
Everything's gonna get really freaky
Alright on the night
It's gonna be a garden of earthly delights
Easy sleazy, it's gonna be smooth and greasy
Yeah easy, believe me
It'll only be a memory you're trying to remember
To forget

Shooting the vaccine, Bill Gates is in my bloodstream
It's mind control
The earth is flat and cold, it's never warming up
The arctic's turned to slush
The second coming's late
There's aliens in the deep state
 
We'll escape from these prison walls
Now were out of these prison walls
You gotta pay Peter if you're robbing Paul
But it's easy easy, everything's gonna be really freaky
Alright on the night
Were all headed back to paradise
Yeah easy, believe me
It'll be a memory you’re trying to remember to forget
Easy cheesy, everyone sing please please me
It’ll be a memory you're trying to remember to forget"

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Stevie Nicks – „Show Them The Way“


Damals, in den Siebzigern, war Stevie Nicks so etwas wie das weibliche Rock-Business-Pendant zu Robert Plant: wunderschön und berühmt, unnahbar und irgendwie nicht von dieser Welt der Normalsterblichen, dazu noch gesegnet mit der besonderen, unverkennbaren Stimme eines Engels – ein weibliches, in Rockmusik gegossenes Sexsymbol, wenn man so mag. Dazu kamen freilich noch die Geschichten um all die internen Amourösitäten und Streitereien, die ihre Band Fleetwood Mac und Alben wie „Rumours“ oder „Tusk“ seit jeher so besonders, so interessant mach(t)en.

Mittlerweile ist es etwas ruhiger um Fleetwood Mac (deren Mitbegründer Peter Green in diesem Jahr verstarb) und die Grande Dame der Rockmusik geworden – kein Wunder, immerhin ist Stephanie Lynn „Stevie“ Nicks, die als erste (und bis dato einzige) Frau zweimal in der Rock’n’Roll Hall Of Fame vertreten ist, bereits 72 Jahre jung. Umso schöner ist es daher, ihre Stimme ab und an mal wieder hören zu können, etwa vor sieben Jahren, als Nicks dem feinen Song „You Can’t Fix This„, welcher auf dem Soundtrack für Dave Grohls (nach wie vor absolut sehenswertem) Doku-Film „Sound City“ erschien, ihre unnachahmliche Stimme lieh.

Passenderweise ist es nun auch Foo Fighters-Tausendsassa Dave Grohl, der Stevie Nicks auf ihrer ersten Single seit neun Jahren und der ersten Veröffentlichung seit dem 2014 erschienenen „24 Karat Gold: Songs From The Vault“ unterstützt – wenn auch „nur“ am Schlagzeug.

Und irgendwie könnte es – im Angesicht eines rassischstischen Medienclowns im Weißen Haus, den nahenden US-Präsidentschaftswahlen, Corona, #MeToo und der „Black Lives Matter“-Bewegung – kaum einen passenderen Zeitpunkt für einen durchaus politischen, jedoch positiv gestimmten Song wie „Show Them The Way“ geben. In einem Interview mit Associated Press erklärte Nicks, dass das gut sechsminütige Stück auf einem Traum aus dem Jahr 2008 basiert. Darin spielt sie auf einer politischen Benefizveranstaltung, die von Dr. Martin Luther King Jr., John Lennon, John Lewis, John F. Kennedy und Bobby Kennedy besucht wird.

Hier gibt’s das Musikvideo für welches Stevie Nicks (über die ihr hier noch ein paar recht interessante Anekdoten findet) keinen Geringeren als US-Regisseur Cameron Crowe („Almost Famous“, „Vanilla Sky“) gewinnen konnte:

Please God, show ‚em the way
Please God, on this day
Spirits all given the strength
Peace can come if you really want it

I had a fragile dream in a gray house in the Hamptons
I’d been there before, singing songs and doing benefits
Was in a room alone putting on my makeup
Like so many things that come to me, the dress came across the Persian carpet
As I fell into the dress, a thought came to me
Into my heart, I have a dream
And a door opened
I turned to face the music
I was ready for the Kennedys
I don’t know if it was 1960 or 1963
Everything was timeless, even me
I wasn’t old, I wasn’t young, I was just part of their dream
A shadow walked with me down the hall, it was Martin Luther King
All in shadow, all before me, overwhelmed by
Destiny, someone said, ‚Sing us a song
There’s a piano‘ and handed me a drink
The room was full of hope, a song would set them free

And I said
Please God, show ‚em the way
Please God, on this day
Spirits all given the strength
Peace can come if you really want it

I sat at the piano, stared out of the shadows
I sang the words, ‚I have a dream‘
He wasn’t my old friend John, I didn’t know him then
But he smiled at me, and I sang these words
Whatever it takes
Whatever it takes to be free
No, I didn’t know these men
But they knew me
It was all symbolic, nothing was as it seemed
They all left us in a single shot but they didn’t take the dream
They were there in that house, discussing the future
And drinking champagne, I was just a piano player
The voice, part of their dream
I was thirty five and maybe I was fifteen
It was just another night in the presence of Martin Luther King
I was just a dreamer, I was ready for the Kennedys

And I said
Please God, show ‚em the way
Please God, on this day
Light the fire, start it over
Tell the world about the dream
Start it up and make it real

Please God
Show him the way…

Back in the room where it all began
My heart began to heal, I believe it
I remember the beauty of the Hamptons
Shadows playing in the sun
A voice said, „The dream is not over, no
The dream has just begun“
I spun around to see another shadow
Slipping through the door
And my eyes opened wide, ‚What is this all for?‘
And the shadow said, ‚Don’t forget it, don’t forget
What we were fighting for, don’t forget it‘

And I said
Please God, show ‚em the way
(It’s just another night)
Please God, on this day
(Martin Luther King)
Spirits all given the strength
(Sing us a song)
Peace can come if you fight for it
(Don’t forget it)
Think we’re just in time to say
(Ooh, and said, oh said)
Please God, show ‚em the way
(All in shadow)
Please God, on this day
(All before me)
Spirits all given the strength
Peace can come if you fight for it
Think we’re just in time to say this
Set them free
Room was full of hope

Please God, show ‚em the way
(I believe it)
Please God, on this day
(Don’t forget it)
Spirits all given the strength
(Don’t forget what
We were fighting for)
Think we’re just in time to say
Peace can come if you fight for it
Peace can come if you try harder
Peace can come, ooh, if you really want it

The dream
Don’t forget it, please God
Show them the way“

Rock and Roll.

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