Schlagwort-Archive: Pop

Song des Tages: Lorde – „Perfect Places“


DGVLvtlUAAAHPND

Vergesst all die Madonnas, Beyoncés, Katy Perrys, Rihannas, Lady Gagas, ja sogar all die Taylor Swifts – Ella Marija Lani Yelich-O’Connor ist im Jahr 2017 die nahezu perfekte, da gerade nicht perfekte Queen of Pop. Wohlmöglich sogar, ohne das wirklich zu wollen.

41X43hd--cLEin Geheimtipp ist die heute 20-jährige Neuseeländerin, besser bekannt als Lorde, freilich längst nicht mehr. Spätestens seit sie 2013 mit ihrer Debüt-Single „Royals“ quasi aus dem neuseeländischen Nichts die gesamte Popwelt auf links drehte und sich über Nacht vom Außenseiter zum Spitzenreiter mauserte: „And we’ll never be royals / It don’t run in our blood / That kind of lux just ain’t for us / We crave a different kind of buzz“. DIY-Pop aus einem Land, dass sonst eher für Hobbits und Schafzucht und betörende Backpacker-Romantik bekannt ist. Und obwohl die Songs des Debütalbums „Pure Heroine“ an vielen Stellen an den elektronischen Minimalismus von The xx, an die entrückt-laszive Alterslosigkeit von Lana Del Rey, an die unterschwellig sinistre Feier des Lebens einer Lykke Li erinnerten, war das, was da ein gerade mal 16-jähriges Pop-Kücken auf die vorderen Charts-Plätze rund um den Globus katapultierte, vor allem eines: anders. Less-is-more-Pop mit Herz und Hirn, mit coolen Beats und intelligent gesetzten Sounds, die kein Gramm zu viel hatten und so weit weg wie nur irgendwie möglich waren von all der Übersteigerung, von all der schmonziert-sexualisierten Übertreibung der Konkurrenz. Und da die Popkultur nicht nur gern ihre größten Stimmen zum Frühstück verspeist, bevor sie ihre vermeintlichen neuen  „Wunderkinder“ pünktlich zur Lunch Time feiert, liebte die Welt diese Lorde.

Doch auch die Kehrseite dieser plötzlichen Erfolgswelle ist keine neue: Wie geht Ella Marija Lani Yelich-O’Connor mit der Erwartungshaltung, die all die neuen Fans – sowohl unter der „normalen“ Hörerschaft als auch vom Feuilleton – an das berühmte „schwierige zweite Album“ hatten, um? Einfach den Stiefel durchziehen, und zehn, elf neue Songs der gleichen Machart noch einmal abliefern? Bereits im jungen Alter einen kompletten Richtungswechsel wagen?

Nun: beides. Oder keines von beiden?

lorde-perfect-places-video-31216b4a-3051-43c8-b772-ff4d6bfa0ef2

Natürlich tragen die elf neuen Stücke von „Melodrama„, dem im Juni erschienenen zweiten Album, die die mittlerweile 20-Jährige mal in Abgeschiedenheit ihrer neuseeländischen Heimat, mal im wuseligen New York City und gemeinsam mit Produzent Jack Antonoff (Bleachers, Fun.) schrieb, zunächst einmal vor allem ihre Handschrift. Doch war „Pure Heroine“ das schwärmerische Teenie-Dasein in einer vom Internet und Social Media geprägten Welt, so ist „Melodrama“ die Adoleszenz, das Erwachsenwerden. War „Pure Heroine“ die juvenile Chilling Zone in der Nachmittagssonne und die frisch verknallte Vorfreude auf die nächste Party, so ist „Melodrama“ die Nacht und der Morgen danach, der vernebelte Kater, der bittere Nachgeschmack der ersten Liebe: „I do my makeup in somebody else’s car / We order different drinks at the same bars / I know about what you did and I wanna scream the truth / She thinks you love the beach, you’re such a damn liar“ („Green Light“). Vor allem jedoch – und das ist neu – funktioniert „Melodrama“ als Gesamtkunstwerk, das zu keinem Zeitpunkt den Eindruck eines Kompromisses erwecken mag und bei dem subtile, durch moderne Trap-Rap-Beats und altbackenes Schulterpolster-Schlagzeug rhythmusgetriebene Knochengerüste der Marke The xx neben orchestralen Tränenziehern (mit dem ein oder anderen Powerballaden-Moment), Hochdruckhymnen aus der Windmaschinen-Ära und Handclap-Momenten für die nächste (verregnete) Festivalsaison funktionieren. Natürlich wollen diese Songs keine Welten bewegen, aber besser, zeitgeistiger als Lorde, die ebenso burschikos wie feminin erscheint, die gleichsam angepasst wie rebellisch daher kommt, die in Interviews schüchtern gackert, jedoch auch große Festival-Bühnen wie beim diesjährigen Glastonbury mit ihrer ganz eigenen Art in ihren Bann ziehen kann, wird es wohl 2017 nicht mehr. Eine Queen of Pop wider Willen, die ihrer Rolle mehr als gerecht wird.

 

Lorde_Melodrama_album_cover_2017_03_02Einer der besten Songs auf „Melodrama“ ist das ganz ans Ende gestellte „Perfect Places“, das mit Zeilen wie

„Every night, I live and die
Meet somebody, take ‚em home
Let’s kiss and then take off our clothes
It’s just another graceless night, ‚cause

All of the things we’re taking
‚Cause we are young and we’re ashamed
Send us to perfect places
All of our heroes fading
Now I can’t stand to be alone
Let’s go to perfect places“

die letzten Momente der ewig erscheinenden Jugend feiert, während die neuseeländische Sängerin im Musikvideo an ihren mutmaßlich „perfekten Orten“ zu sehen ist: Das ist mal ein vietnamesisches Reisfeld, ein karibischer Sommerstrand, ein Wald oder eine luxuriöse Hotel-Lounge mit Champagner.

 

Dass Lorde mit ihren neuen Songs auch im reduzierten Gewand zu bestehen weiß, zeigte die Sängerin kürzlich während einer in den berühmten New Yorker Electric Lady Studios mitgeschnittenen Live Session, bei der sie sechs Songs von „Melodrama“ mal zu Piano-Begleitung, mal mit Unterstützung eines Frauenchors, zum Besten gab – ein Stück, die Doppel-Nummer „Hard Feelings / Loveless“, gar auf dem Studiodach:

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Zitat des Tages


94107-Some-People-Feel-The-Rain-Others-Just-Get-Wet20476424_1550641104999796_2833164061160840144_ncadebbbacbe-1429420770k4gn8-770x770

 

(Robert Nesta „Bob“ Marley, 1945-1981, jamaikanischer Sänger, Gitarrist und Songwriter)

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Machine Gun Kelly – „Numb“


chester-bennington-mgk

Machine Gun Kelly dürften hierzulande wohl nur Eingeweihte und all jene, die so ziemlich jeder neuen Serie, die dank Netflix, HBO, Amazon und Co. derzeit aus dem digitalen Boden sprießt, eine Chance geben, kennen – trotz der Tatsache, dass der Künstler bereits 2012 bei den MTV Europe Music Awards einen Preis in der Kategorie „US Artist About To Go Global“ gewinnen durfte…

Denn trotz dreier Alben, die der Indiepop-HipHoper, welcher sich abseits der Bühnen Richard Colson Baker nennt, bisher veröffentlicht hat (das letzte, „Bloom„, erschien im Mai diesen Jahres), gilt er – zumindest diesseits des Atlantiks – noch immer als Geheimtipp. Bei wem jedoch die Musik des 27-jährigen Künstlers aus Cleveland, Ohio kein Glöckchen zum Klingen bringen sollte, der dürfte jedoch eventuell bereits über das durchaus markante Äußere des ambitionierten Tausendsassas gestolpert sein. So spielte Baker etwa in der von Regisseur Cameron Crowe 2016 geschaffenen und unter anderem von J.J. Abrams mitproduzierten Showtime-Serie „Roadies“ (welche leider nach Staffel 1 wieder ad acta gelegte wurde) den – ja klar – Roadie Wesley „Wes“ Mason. Auch in Filmen wie dem Action-Thriller „Nerve“ oder dem Sci-Fi-Horror-Streifen „Viral“ hinterließ Colson „MGK“ Baker 2016 bereits erste größere Hollywood-Visitenkarten. Dass da die Musik auch mal hinten an stehen muss, ist nur allzu verständlich.

Dass Machine Gun Kelly, der sich seinen nach massig Street Cred duftenden Künstlernamen übrigens bei einem US-amerikanischen Kriminellen der Prohibitionszeit „entliehen“ hat, allerdings noch mehr auf dem musikalischen Kasten hat als derbe Bühnenreime über Bros, Hoes, Bling-Bling und dicke Kisten, beweist der gut tätowierte Indie-Künstler nun mit einem Piano-Tribute an den vor etwa einer Woche verstorbenen Linkin-Park-Frontmann Chester Bennington, welches sich durchaus hören lassen kann.

 

Hier kann man sich Machine Gun Kellys Coverversionen des Linkin-Park-Evergreens „Numb“ via YouTube…

 

…und Soundcloud zu Gemüte führen:

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Ellen Page – „Lucky“


Ellen-Page-Top-Famous-Trolled-People-in-The-World-2019

Heute in der beliebten Rubrik „Wäre nicht nötig gewesen, ist aber schon irgendwie cool“: Ellen Page covert Britney Spears.

Ellen Page? Klar, die 30-jährige kanadische Schauspielerin kennt man aus Filmen wie „Juno“, „X-Men“, „Hard Candy“, „Roller Girl“, „Super“ oder jüngst der Netflix-Produktion „Tallulah“ sowie als eine der namenhaftesten LGBTQ-Aktivisten (nach ihrem eigenen Outing im Februar 2014). Und dass die überzeugte Veganerin und Atheistin auch ein wenig singen kann, bewies Page bereits 2007 in ihrem Durchbruchsfilm „Juno“, als sie mit Schauspielkollege Michael Cera eine schüchterne Covervariante des Moldy-Peaches-Songs „Anyone Else But You“ zum Besten gab.

Dass sich Ellen Page nun jedoch ausgerechnet „Lucky„, den auch schon wieder 17 Lenze alten Traurige-Mädchen-Pophit von Britney Spears, vorgenommen und in eine melancholische Akustik-Nummer á la Cat Power oder She & Him verwandelt hat, verwundert im ersten Moment schon. Auf der einen Seite eines der Darlings des US-Indie-Kinos, auf der anderen das einstige Teenie-Pop-Sternchen, das zu Anfang der Nuller-Jahre für so manchen Tabloid-Skandal gut war (Von Justin Timberlake getrennt! Blitzhochzeit in Las Vegas! Blitzscheidung! Abstürze! Glatze rasiert! Pummellook! etc. pp.). Und doch darf man Pages Version von „Lucky“, die dem Text, der von den Schattenseiten des Berühmtseins erzählt, zwar ein wenig den Pomp-Stecker zieht, jedoch auch eine ganz neue Ebene hinzufügt, als gelungen bezeichnen. Plus: Auch das dazugehörige, von Ellen Page vor ein paar Tagen gepostete Video, in dem sie von Tänzerin Emma Portner unterstützt wird und sich selbst mit der Akustischen im Schatten hält, ist schön anzusehen.

(Apropos „tolle Version einer Britney-Spears-Schnulze“: in diese Kategorie fällte auch Glen Hansards Neuinterpretation von „Everytime„. Aber der Mann macht ja ohnehin nie etwas falsch.)

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Pures Netzgold – Stings Reaktion zur José-Feliciano-Verhunzung von „Every Breath You Take“


Sting-Jose-Feliciano-Every-Breath-you-Take-920x584

Pures Netzgold, und für all jene, die auf „König Fremdscham“ stehen, dürfte das wohl eines der lustigsten Videos der Woche sein: Im weltweiten Netz machen Mitschnitte der diesjährigen Preisverleihung des schwedischen „Polar Music Prize“ die Runde, die einen Sting zeigen, der vier Minuten lang mutmaßlich lieber an jedem anderen Ort der Welt wäre, als dort im Publikum zu sitzen (übrigens neben der schwedischen Kronprinzessin Victoria und ihrem Mann Daniel).

Die Bewegtbilder zeigen Gordon „Sting“ Sumner, der sich eine Coverversion seines The-Police-Evergreens „Every Breath You Take“, live dargeboten vom eigentlich legendären puertoricanischen Gitarristen José Feliciano und der serbischen Sängerin Jelena Krstic, anhören muss. Seiner Gestik und Mimik nach zu urteilen, gefällt ihm so gar nicht, was er da sieht (und hört!):

Zur Ehrenrettung von Sting, Feliciano und Krstic muss man fairerweise jedoch schreiben, dass Sting am Ende der Coverversion dann doch gerührt scheint (oder eben froh, dass es vorüber ist). In seiner Dankesrede sagte er zudem: „I’m standing alongside … Mr José Feliciano, whose influence on my own music both as a singer and a guitarist has gone unsaid, until now.” Andererseits: Was sonst soll er denn auch sagen? Immerhin muss der 65-Jährige sein Image als englischer Gentleman und fairer Sportsmann wahren…

Der landläufig als „Nobel-Preis für Musik“ bekannte „Polar Music Prize“ wurde dieses Jahr am 15. Juni in Stockholm, neben dem US-amerikanischen Jazz-Saxophonisten Wayne Shorter, auch an Sting verliehen. Die Begründung: „As a composer, Sting has combined classic pop with virtuoso musicianship and an openness to all genres and sounds from around the world.“

Kann trotzdem mal bitte wer ein paar GIFs aus Stings Reaktionen basteln? Danke.

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Portugal. The Man – „Don’t Look Back In Anger“


Portugal_The_Man_News_Press_Picture_3301_BINARY_465732-992x560

Wer sein neustes Werk „Woodstock“ nennt, der sollte damit rechnen, dass dem Gegenüber dabei auch so einige Assoziationen durch die Hirnrinde schießen – welche im Fall von Portugal. The Man durchaus enttäuscht werden.

Denn so richtig politisch ist das achte Album der US-Indierock-Band nicht. Eher: Hipper Hipster-Electro-Soul-Rockpop, der die Blumen nicht (mehr) im Haar trägt, sondern die bunt beschienene Tanzfläche damit ausschmückt, und die Faust nicht wutentbrannt gen Firmament, sondern freudig tanzend gen Diskokugel reckt. Vielmehr entstammt der Titel des neusten Studiowerkes (dem ersten seit „Evil Friends“ von vor vier Jahren) einer Konversation von Heliumstimmen-Frontmann John Gourley mit dessen Vater, der damals, 1969, beim legendären Musikfestival mit dabei gewesen sein soll.

Und diejenigen, die die Karriere von Alaskas Finest seit den Anfängen vor über zehn Jahren (das Debüt „Waiter: ‚You Vultures!‘“ erschien 2006) stetig mitverfolgen, dürften wissen, dass gerade Portugal. The Man eine Band sind, die sich stetigem Wandel unterwirft. Da werden sowohl munter Bandmitglieder getauscht wie die musikalische Ausrichtung – vom zackigen, Pirouetten schlagenden Frickelrock á la The Mars Volta über verqueren Lagerfeuer-Folk bis hin zu von Danger Mouse produziertem psychedelischem Soul-Pop war bereits alles drin in der tönenden Wundertüte aus Wasilla, Alaska.

portugal-the-man-woodstock-main_image

Und nun eben: Psych-Electro-Soul (die Eröffnungsnummer „Number One„, welche wiederum mit einem beim „Woodstock“-Festival aufgenommen Sample von Richie Havens beginnt), Autotune und Rapeinlagen („Mr. Lonely“ mit LA-Hip Hopper Fat Lip), Neo-Glam („Live In The Moment“), satte Radio- („Feel It Still„) und Modern-Rock-Hits („Easy Tiger“). Mit der teilweise so schön dreckigen Gitarrenmusik der Anfangstage hat all das nur noch wenig zu tun. Pop-Act (im Kleinen) statt Rock-Combo (mit Indie-Cred). Sonnenbeschienene Nachmittags-Festivalbühne statt miefiger Indie-Club. Das darf man schade oder gar scheiße finden, man kann es aber auch begrüßen. Entscheiden Sie selbst…

 

Um ihr neustes Studioalbum „Woodstock“ ausreichend zu promoten, haben Portugal. The Man kürzlich auch Halt in der niederländischen Radioshow „Ekdom in de Ochtend“ (also: „Ekdom am Morgen“ – mit Moderator Gerard Ekdom, welche auf NPO Radio 2 läuft) gemacht. Dort präsentierte die fünfköpfige Band ihre Covervariante des Oasis-Gassenhauers „Don’t Look Back In Anger“ (welcher durch die Ereignisse in Manchester vor wenigen Wochen wieder aus der Versenkung geholt wurde)…

 

…und eine Akustik-Version den neuen Songs „Feel It Still“:

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: