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Eine gute Idee für den guten Zweck – Hi! Spencer veröffentlichen eine Akustik-EP


Schon lange eine gute Idee, nun kommt’s endlich: Hi! Spencer veröffentlichen mit „Bei den Hunden“ eine Akustik-EP und machen damit die intime(re) Interpretation ihres Sounds hörbar, die der gefühlvollen Musik der Osnabrücker Indiepunk-Band schon lange innewohnt. Fünf seiner Songs hat das Quintett um Frontmann Sven Bensmann neu aufgenommen und setzt sich damit gleichzeitig für einen wichtigen Zweck ein: Mit dem Erwerb der exklusiv im „Uncle M“-Shop als Pre-Order erhältlichen limitierten CD fordern Hi! Spencer ihre Fans gleichzeitig dazu auf, eine Spende an die zivile Seenotrettungsorganisation „Seebrücke“ zu entrichten – eine Aktion, die eigentlich ja immer und jederzeit, aber vielleicht, vielleicht ganz besonders jetzt nach den Bränden im Flüchtlingslager in Moria unheimlich wichtig ist.

Die Inspiration zu diesem Rahmen der EP kam Hi! Spencer, von denen auf ANEWFRIEND bereits im vergangenen Jahr, als ihr zweiter Langspieler „Nicht raus, aber weiter“ erschien, die Schreibe war, als sich Sven Bensmann (Gesang), Janis Petersmann (Gitarre), Malte Thiede (Gitarre, Gesang), Jan Niermann (Bass, Keyboard, Gesang) und Niklas Unnerstall (Schlagzeug) ihre eigenen Songs für das Projekt noch einmal unter die Lupe nahmen. „Durch die Akustikaufnahmen haben wir teilweise Jahre alte Songs neu aufgerollt,“ erzählt die Band. „Dabei sind wir über die Textzeile ‚Ich hab geschlafen bei den Hunden‘ aus dem Song ‚Trümmer‚ regelrecht gestolpert. Als der Song geschrieben wurde, war die Stelle eine Metapher für uns. Mit den Jahren als Band haben wir aber mit vielen wahnsinnig tollen Menschen zusammenarbeiten dürfen – darunter auch ‚Pfand gehört daneben‚, eine Organisation, die den Blick auf Obdachlosigkeit schärft. Hören wir die Zeile jetzt, sehen wir darin Menschen, für die der Satz keine Metapher, sondern vielmehr Realität ist. Mit unserer EP Aufmerksamkeit, Bewusstsein und Sensibilität für diese Menschen herstellen zu können – das wäre großartig.“

Dass die Songs von Hi! Spencer so nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch immer wieder neue Facetten offenlegen können, belegt „Bei den Hunden“ so deutlich wie noch nie. Eine Handvoll Songs aus dem Backkatalog hat die Band hierfür komplett neu arrangiert. In der besonderen Studioatmosphäre und mit wohligen Pianoklängen entfalten alle Stücke eine ganz andere Wirkung, die Hi! Spencer – im besten Fall, in den tollsten Momenten – ganz neu erfindet, ohne je den Pop-Appeal außer Acht zu lassen und ohne so ganz die rauen Wurzeln der Band zu vergessen. Und ebenso viel Liebe wurde auch in Design und Aufmachung des Projekts gesteckt. So zeichnet sich Lucas Meyer für das Artwork verantwortlich, der schon für Bands wie Heisskalt und Fjørt gearbeitet hat. Die CD kommt außerdem in einer direkt bei Homesick Merch per Siebdruck gedruckten Naturpapier-Klapptasche daher, die nicht nur für eine besondere Optik sorgt, sondern obendrein ganz ohne Plastik auskommt. Heraus kommt: eine rundum gelungene Sache – in Bild, Ton und Zweck. 👍

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Rock and Roll.

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Song des Tages: Miley Cyrus – „Communication“ (MTV Unplugged)


Klar, Taylor Swift mag die größte Pop-Karrierefrau der letzten Jahre, wohl gar Jahrzehnte sein – vom niedlichen Country-Girlie über einen unfreiwilligen Zwist mit Hippe-di-Hopp-Großmaul Kanye West und zig Nummer-eins-Alben bis hin zu den jüngsten Indie- Kredibilitätsweihen mit dem diesjährigen gediegenen Folk-Überraschungswerk „folklore(sic!). Natürlich, eine wie die ehemalige Disney-Sidekickerin Ariana Grande („Victorious“) mag mit einer (wohl sorgsam antrainierten) stimmlichen Bandbreite gesegnet sein, die ihresgleichen sucht. Freilich, personifiziert-talentierte Fräuleinwunder wie Lorde („Royals“) oder Billie Eilish („bad guy“) mögen dem Pop in den letzten Jahren ein paar ebenso interessante wie dringend benötigte Verjüngungsspritzen verpasst haben. Und Miley Cyrus? Nun, bestenfalls sortiert diese sich irgendwo dazwischen ein…

Schließlich hat die mittlerweile 27-Jährige als „Hannah Montana“-Darstellerin ebenso eine amtliche Disney-TV-Vergangenheit vorzuweisen, war im Anschluss mit allerlei Hollywood-Boyfriend- und gleichgeschlechtlichen Liebeleien sowie den (leider) fast schon obligatorischen Abstürzen jahrelang ein Liebling der Paparazzi und der Yellow Press und landete bezeichnenderweise ihren größten Hit, als sie sich anno 2013 leichtbekleidet auf einer Abrissbirne räkelte.

Was die US-Musikerin, die als bekennende Veganerin 2015 von PETA zur „Sexiest Vegetarian“ gewählt wurde, jedoch von den anderen oben genannten Kolleginnen unterscheiden dürfte, ist ihr fast schon (gefühlt) zwanghafter Wille zur musikalischen Neuerung. War früher seicht-belangloser Pop à la „Party in the U.S.A.“, dem bestens bekannten „Wrecking Ball“ oder „Malibu“ eher das Metier von Miley, suchte sie sich den den letzten Jahren immer wieder neue Kooperationspartner, brachte etwa 2018 mit Mark Ronson den ebenso gefälligen wie erfolgreichen Radio-Hit „Nothing Breaks Like A Heart“ an den Start oder arbeite sich mit Moby und den Psychedelic-Rockern The Flaming Lips an einer Coverversion des Beatles-Evergreens „Lucy In The Sky With Diamonds“ ab.

Apropos Coverversion: Seit jeher liebt es Miley Cyrus, große Songs der Musikgeschichte zu covern und ihnen ihre eigene, besondere Note zu verleihen – ihre unverwechselbare raue, aber eben auch wandelbare Stimme gibt’s freilich mit Leichtigkeit her. So adaptierte sie beispielsweise schon vor acht Jahren mit „Jolene“ den zweifellos berühmtesten Song ihrer Patentante Dolly Parton. Das dazugehörige Video hat mittlerweile über 277 Millionen Aufrufe auf YouTube vorzuweisen.

Im vergangenen Sommer sang sie sich dann unter anderem durch ihre Lieblings-Rocksongs wie „Head Like A Hole“ von den Nine Inch Nails sowie Pink Floyds „Comfortably Numb“ und „Wish You Were Here“. Anschließend legte sie mit Led Zeppelins „Black Dog“, The Doors‘ „Roadhouse Blues“, Blondies „Heart Of Glass“ oder „Help!“ von den Beatles nach (welches sie inmitten der Corona-Pandemie im Sommer im verwaisten Rose-Bowl-Stadion in Los Angeles zum Besten gab). Bei ihrem kürzlichen Auftritt im Rahmen des #SOSFEST, dessen Einnahmen unabhängigen Musikveranstaltern zugute kamen, nahm Cyrus mit „Boys Don’t Cry“ von The Cure und dem nahezu unkaputtbaren Cranberries-Evergreen „Zombie“ zwei weitere namhafte Songs in ihr Cover-Repertoire auf.

Mit ihrer jüngsten, zweiten Beteiligung bei „MTV Unplugged“ (die erste fand 2014 statt) schließt nun auch ein klein wenig ein Kreis, immerhin fand diese wie auch schon der Mitschnitt des „Jolene“-Covers – COVID-19 sei dank – als „The Backyard Sessions“ im hauseigenen Garten der Sängerin statt. Denn während bei uns in Deutschland aktuell recht herbstliches Wetter herrscht, hat man’s in Los Angeles im Oktober mit durchschnittlich 26 Grad noch recht sonnig-warm. Ideale Voraussetzungen also für ein kleines mediales Gartenkonzert, oder? Und genau aus diesem Grund öffnete Miley Cyrus am 16. Oktober ihre (Garten-)Tore und veranstaltete einen Unplugged-Gig direkt hinter ihrem eigenen geräumigen Häuschen.

Und man musste keineswegs hellseherisch begabt sein um zu vermuten, dass Miley Cyrus – neben einer Unplugged-Variante ihrer aktuellen (im Original dezent an Eighties-Disco und Glamrock andockenden) Single „Midnight Sky“ – auch hier munter drauflos covern würde: „Gimme More“ von Bitney Spears, „Just Breathe“ von Pearl Jam, „Sweet Jane“ von The Velvet Underground“ oder „I Got So High That I Saw Jesus„, geschrieben von ihrer ebenfalls im Musik-Bizz tätigen Schwester Noah (bei welchem sie passenderweise auch gleich von ebenjener stimmliche Unterstützung bekam). Besonders famos geriet jedoch Mileys Version des Cardigans-Songs „Communication“. Dem Stück, dessen Original vom fünften, 2003 erschienenen Album „Long Gone Before Daylight“ (für nicht wenig Freunde der schwedischen Rock-Band um Frontfrau Nina Persson gilt es bis heute als ihr bestes) stammt, verleihen Cyrus und ihre Begleitband (die sich, den Begleitumständen entsprechend, recht passend The Social Distancers nennen) gar ein paar tolle neue Nuancen.

Und wer nun um Miley Cyrus‘ unbedingten Willen zu Neuem und zu interessanten Coverversionen weiß, den dürfte die neuste Nachricht, dass die Musikerin aktuell an einem kompletten Metallica-Cover-Album arbeiten soll, wohl kaum noch verwundern, sondern eher gespannt bis hellhörig machen…

Rock and Roll.

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„Imagine“ – John Winston Ono Lennon wäre heute 80 geworden…


„Yesterday / All my troubles seemed so far away / Now it looks as though they’re here to stay / Oh, I believe in yesterday…“

In Danny Boyles zwar manchmal etwas plakativer, jedoch dennoch dank sanfter Nostalgie wunderbar unterhaltsamer Musikkomödie „Yesterday“ gibt es eine wunderbare Gänsehaut-Szene, in der ein 78-jähriger John Lennon auftritt. Möglich macht’s die Grundidee des 2019 erschienenen Films, schließlich spielt dieser in einer (Parallel)Welt, in der es die größte Band aller Zeiten, die Beatles, nie gegeben hat. Und Lennon? Der hat ein einfaches Leben als Seemann geführt und genießt nun seine Tage in einer kleinen Hütte am Meer.

Gekonnt – und oft genug gewitzt – stellt Boyles Film die Frage „Was wäre wenn?“. Für die Zuschauer ergibt sich der offensichtliche Reiz daraus, dass sie nunmal wissen, was war, was in dieser unserer Musikwelt passierte. Dass John Lennon am 8. Dezember 1980 von Mark David Chapman erschossen wurde – mit gerade einmal 40 Jahren. Und am heutigen 9. Oktober 2020 stolze 80 Jahre alt geworden wäre.

Doch hätte man sich – ähnlich wie der schottische Regisseur Danny Boyle („Trainspotting“, „Slumdoy Millionäre“) – Lennon wirklich als einfachen, bescheidenen englischen Seemann vorstellen können? Den Lennon, dessen zweiter Vorname „Winston“ lautet – nach dem in England als Lichtgestalt verehrten ehemaligen Premierminister Winston Churchill? Wohl kaum, wohl kaum…

Denn zeitlebens war Lennon ein Getriebener. Ein wandelnder Widerspruch. Ein Sinnsuchender, der ausbrechen wollte aus der kleinbürgerlich-britischen Enge, aus der er entstammte. Der von Selbstzweifeln geplagt nach immer neuen Ausdrucksmöglichkeiten suchte. Er war Rebell, Querdenker und Provokateur. Er war Teenie-Idol und Avantgarde-Künstler. In einer Bombennacht 1940 geboren, wurde er später zum Friedensaktivisten, unterstützte jedoch gleichzeitig auch die nordirische Untergrundarmee IRA. Er war auf den Bühnen der Welt zu Hause (die er nie so ganz mochte) und lebte jahrelang als Großstadt-Eremit. Er war gleichsam nachdenklicher Griesgram und ironischer Spaßmacher. 

Schon in der Schule im heimischen Liverpool gab John Winston Lennon oftmals den Klassenclown. Er schrieb sich an der Kunsthochschule ein, fühlte sich jedoch fehl am Platz und seinen Kommilitonen unterlegen. Also gründete er – angefixt von Elvis Presley und dem Rock’n’Roll – mit den Quarrymen seine eigene Band. Zufällig lernte er bald darauf auf einer Party einen gewissen Paul McCartney kennen. Im Rückblick wissen wir: Es war der Beginn der bahnbrechendsten Songwriting-Partnerschaft der Popgeschichte (ein dickes „Sorry“ an Mick Jagger und Keith Richards, aber an diesem Fakt lässt sich nunmal nicht rütteln).

Natürlich ist allein schon Lennons ewiges popmusikalisches Vermächtnis übermächtig. ʺHelp!ʺ, ʺAll You Need Is Love”, „A Hard Day’s Night”, ʺStrawberry Fields Forever”, „Come Together”… – die Liste der von ihm initiierten und komponierten Superhits ist bereits zu Beatles-Zeiten lang.

Doch als sich Lennon mit den Beatles auf dem künstlerischen Höhepunkt befand, verließ er die Gruppe – aus Langeweile, wie er in einem Fernsehinterview einige Jahre später erklärte (über das Wie und Wann und Warum lässt sich freilich auch 50 Jahre danach noch trefflich spekulieren).

Denn zu diesem Zeitpunkt strickte der Rastlose, der meist ein wenig Unberechenbare und Unstete längst wieder an einem anderen John Lennon. Mit seiner neuen Partnerin, der Fluxus-Künstlerin Yoko Ono, nahm er nach dem Ende der Beatles im Jahr 1970 experimentelle Solo-Alben auf. Produzierte Filme. Und veranstaltete Happenings wie die legendären „Bed-ins for Peace„.

Doch bald wurde es ruhiger um Lennon. Sicher, da war die großartig-utopische Friedenshymne „Imagine„. Mit „Instant Karma! (We All Shine On)„, „Working Class Hero“ oder „Jealous Guy“ landete er noch so einige Hits mehr. Doch die musikalische Entwicklung ging immer mehr über ihn hinweg. Der Punk wütete und gröhlte, Disco zappelte und stampfte – einer wie Lennon wirkte da ein wenig wie aus der Zeit gefallen.

Doch anstatt daran zu verzweifeln, zog sich John Lennon schließlich vollständig ins Private zurück. Fast fünf Jahre lang lebte er mit Yoko und dem gemeinsamen, 1975 geborenen Sohn Sean ein Leben als Hausmann in New York City. Erst 1980 meldete er sich mit einem neuen Album zurück. Als die tödlichen Schüsse fielen, war „Double Fantasy“ gerade drei Wochen auf dem Markt.

Inzwischen ist John Lennon genauso lange tot wie er gelebt hat. Doch sein Einfluss auf nachfolgende Musikergenerationen kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Denn der beschränkt sich nicht allein auf die Tatsache, dass Lennon mit den Beatles quasi die Blaupause für alles geschaffen hat, was wir heute „Popmusik“ nennen.

Und: Es war bezeichnenderweise Lennon, der zum ersten Mal in einem Popsong seine eigene Unzulänglichkeit thematisierte, seine Selbstzweifel und seinen Schmerz in den Fokus stellte. „I’m A Loser“ sang er 1964 – in einer Zeit, in der Popsongs bitteschön von Liebe, Herzschmerz und unbeschwerten Sommertagen zu handeln hatten. John Lennon, der bei seiner Tante Mary aufwuchs, seine Mutter Julia im Alter von 18 Jahren durch einen Autounfall verlor und zu seinem Vater, einem Matrosen, kaum je Kontakt hatte, sei sein ganzes Leben auf der Suche nach Hilfe gewesen, sagte Paul McCartney 2015 in einem Interview mit dem „Rolling Stone„. Einer seiner größten Hits – „Help!“ – bringt diese Tatsache auf den Punkt, eines seiner berührenden Lieder widmete er offenkundig seiner Mutter: „Half of what I say is meaningless / But I say it just to reach you, Julia“.

Lennons Witwe Yoko Ono pflegt den musikalischen Nachlass ihres Mannes bis heute (und just heute erscheint mit „Gimme Some Truth.“ eine neue Retrospektive seiner bekanntesten Solo-Songs, deren größter Anreiz wohl in der klanglichen Neubearbeitung liegt). 1983 stellte sie das letzte geplante Lennon-Album „Milk And Honey“ fertig. Bereits 1981 hatte sie mit „Season Of Glass“ ihr erfolgreichstes eigenes Album veröffentlicht. Auf dem Cover war die blutverschmierte Brille Lennons zu sehen. Nicht wenige Beatles-Fans, die in ihr vorher auch den wahren Grund für die Trennung der „Fab Four“ ausgemacht zu haben glaubten, warfen Ono daraufhin vor, den Mord an ihrem Mann für ihre eigene Zwecke zu missbrauchen.

Dass das Lennon-Erbe auch schwer wiegen kann, zeigt sich bei seinen Söhnen, die ihren berühmten Vater schon allein rein optisch kaum verleugnen können. Beide starteten Musikkarrieren mit zwar überzeugendem, aber dennoch vergleichsweise überschaubarem Erfolg. Julian Lennon, der aus Sohns erster Ehe mit seiner Ex-Frau Cynthia stammt (und übrigens im Evergreen „Hey Jude“ besungen wird), hatte in den Achtzigerjahren einige mittelgroße Hits, der bekannteste wohl „Too Late For Goodbyes“. Sean Lennon wiederum probierte sich in unterschiedlichsten Genres aus, ohne die ganz großen kommerziellen Erfolge zu feiern. Dabei kollaborierte er unter anderem mit Größen wie Thurston Moore, John Zorn, Ryan Adams, Soulfly, Rufus Wainwright oder Lana Del Rey. 2006 formte er mit Les Claypool, dem Bassisten der Funk-Rock-Legende Primus, das bis heute aktive Duo The Claypool Lennon Delirium.

John Lennons Geschichte wird also weitergeschrieben, sicher noch viele Jahre. Seine Songs selbst werden ohnehin Generationen überdauern, sind längst im kulturellen Erbe der Menschheit verwachsen. Vielleicht ist das Paralleluniversum aus dem Film „Yesterday“ also doch keine völlig undenkbare Vision. Der unbekannte Lennon aus dem Film erzählt, dass er ein rundum glückliches Leben geführt habe. Und dass es die Liebe ist, die für ihn immer die wichtigste Rolle gespielt hat. Frei nach dem Motto: „All You Need Is Love“.

You may say I’m a dreamer / But I’m not the only one…

Happy Birthday zum Achtzigsten, John Lennon. ✌️

Rock and Roll.

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Song des Tages: Celina Bostic – „Nie wieder leise“


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Foto: Matt Frik / Promo

„Ich schau‘ in den Spiegel und will jemand anderes sein“ – so beginnt der neue Song von Celina Bostic. Es geht um den Kampf des Aufwachsens in einer weißen Mehrheitsgesellschaft. Und um das Hadern mit dem eigenen Spiegelbild. Die Zeilen ihres Songs sind ehrlich, sie sind verletzlich, sie sind stark. Aber der Song ist auch ungewöhnlich ernst für die sonst eher heitere Berliner Pop-Singer/Songwriterin.

Celinas Karriere begann als festes Bandmitglied vom Farin Urlaub Racing Team und als Backgroundsängerin von Max Herre, Udo Lindenberg oder Herbert Grönemeyer. Als Solokünstlerin wurde sie bekannt mit der eher humorvollen Single „Papa“ (vom 2014 erschienenen Debütalbum „Zu Fuss„). Doch seitdem hat sich vieles verändert…

celina-bostic_nie-wieder-leise_cover_final_credit_janvonholleben_jenbender-992x992Der eigentliche Wendepunkt kam mit der Geburt ihrer beiden Kinder. Celina Bostic, die als Tochter einer deutschen Mutter und eines afro-amerikanischen Vaters in Berlin-Charlottenburg aufwuchs und eigenen Angaben zufolge schon früh lernte, „Menschen immer freundlich und lächelnd zu begegnen, um nicht als ‚schlechter Ausländer‘ zu gelten“, wollte nicht die Künstlerin und Mutter sein, die alles Unangenehme weg lächelt. Die 40-jährige Musikerin wollte auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen und sie in ihren Songs verarbeiten. „Ich habe im Laufe der Zeit gemerkt, wenn die Leute nach meinen Konzerten irgendwie so glücklich waren, dass ich gar keine Lust mehr hatte, sie mit so einem guten Gefühl zu entlassen“, sagt Celina. Also entschloss sie sich, laut zu sein.

Das Ergebnis ist die Single „Nie wieder leise“, eine empowernde Hymne für Schwarze Menschen im Konkreten und People of Color im Allgemeinen. Aber auch ein Plädoyer für Zusammenhalt: „Mein Fokus war fast mein ganzes Leben lang die weiße Mehrheitsgesellschaft. Ich habe mich beim Schreiben der Songs für mein neues Album ganz bewusst dafür entschieden, sie für marginalisierte Menschen zu schreiben“, so Celina.

In ihrer Single singt sie sehr persönlich: „Ich bin doch so klein, warum fall‘ ich trotzdem auf? Ich fühle mich so, so unwohl in meiner Haut.“ Sie beschreibt ihre Entwicklung vom verunsicherten Mädchen zur selbstsicheren Frau, die sich nicht mehr „auf die Zunge beißt“ während ihr eigentlich „nach Schreien ist“.

Im Musikvideo zur Single lässt Celina Bostic prominente Gesichter ihre Hymne mitsingen: Samy Deluxe, Teddy Teclebrhan, Tyron Ricketts, Aminata Touré, Annabelle Mandeng, Tupoka Ogette, Alice Hasters, Aminata Belli, Tarik Tesfu oder Thelma Buabeng sind dabei. In einem Statement zum Video der Single meint Antirassismus- und Diversity- Trainerin Tupoka Ogette: „Schwarzsein ist nicht eine Stimme, sondern ganz, ganz viele verschiedene Stimmen, intersektional – und all diese Stimmen sollten gehört werden.“ ✊

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: FINNEAS – „Let’s Fall In Love For The Night (1964)“


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Fotos: Luke Fenstemaker / Promo

Finneas O’Connell mag zwar erst 23 Jahre jung sein, kann jedoch bereits auf den ein oder anderen beachtlichen Erfolg als Songwriter, Multiinstrumentalist, Produzent und Teilzeit-Schauspieler zurückblicken, der einem Gros seiner Kollegen in ihrer kompletten Vita vergönnt sein dürfte. So ist er schon jetzt fünffacher Grammy-Gewinner, unter anderem als „Producer of the Year“, für das „Album of the Year“ und den „Song of the Year“. Wieso sein Name trotzdem bislang eher am Rande als auf Titelblättern auftauchte? Nun, das wiederum dürfte daran liegen, dass Finneas ebenjene Erfolge als Produzent und Co-Songwriter für und mit seiner Schwester feierte. Die heißt Billie Eilish, deren Songs man spätestens seit dem letzten Jahr – dem Erfolgsdebüt „WHEN WE ALL FALL ASLEEP, WHERE DO WE GO?“ und Hits wie „Bad Guy“ sei dank – kaum entkommen konnte (und ANEWFRIEND weist an dieser Stelle galant darauf hin, dass dieser bescheidene Blog die junge Dame bereits Anfang 2018 auf dem Schirm hatte).

1*ppy_UmdpP2O5w9BX1Db0xgUnd obwohl FINNEAS durchaus stolz auf den Erfolg (mit) seiner knapp fünf Jahre jüngeren Schwester ist, versucht er mit der „Blood Harmony EP„, welche zuerst im vergangenen Oktober erschien und nun ihren Re-release mit zwei weiteren Songs erfuhr, durchaus in die Emanzipation von ebenjener unvermeidlichen familiären Assoziation zu marschieren. Eines wird jedoch bereits recht schnell klar: Auf seinem Debüt-Mini-Album präsentiert sich der aufstrebende Musiker aus Los Angeles im Gros vorerst lediglich mit gut gemachtem und an sich rundum solidem, aber auch dezent medioker austauschbarem Formatradio-Pop.

Ohnedies will die Abgrenzung zur prominenteren kleinen Schwester keineswegs radikal vollzogen sein, wie alleine die Namensgebung der EP andeutet: „The title is to remain ambiguous to listeners, and for everyone to be able to imbue it with their own meaning and justification“, doch „blood harmony is an expression for what it sounds like when siblings sing together, that biologic chemistry – I think that speaks for itself“, so Finneas O’Connell.

Der Abnabelungsprozess ist also eher ein vorsichtiger, wenn die betont modernere Inszenierung von beispielsweise der 2016er Single „New Girl“ näher an „When We All Fall Asleep…“ veranlagt ist, während FINNEAS auf der „Blood Harmony EP“ einen etwas klassischeren, weniger auf Pop-Neuerungen abzielenden Ansatz zu verfolgen scheint, auch wenn er sich den aufgeräumten Minimalismus, den detaillierten Simplizismus und die ausbalancierte Reduktion in den Nuancen beibehalten hat, die Billie Eilishs Musik gerade auf ihrem weltweit erfolgreichen Debütalbum so sehr prägte.

Ein bisschen klingen nicht wenige Stücke der EP deshalb so, als wäre schwedische Pop-Qualitätsware unter dem Eindruck von „When We All Fall Asleep…“ entstanden, hätten sich dann aber mit subtiler Handschrift näher hin zu jenen Charts bewegt, in denen sich in den letzten Jahren auch mittlere Coldplay, aktuelle Mumford & Sons oder Hozier ganz allgemein antreffen lassen. Das gibt FINNEAS im zwangsläufigen Vergleich mit seiner Schwester durchaus eine wenn schon nicht komplett eigenständige (wie auch?), dann zumindest andere Handschrift, lässt das Verwandtschaftsverhältnis allerdings eben doch stets klar ersichtlich – im Sounddesign, aber auch im Songwriting.

Alleine das charmant mit subversiver Tanzbarkeit orgelnde Stop-and-Go-Schwelgen „I Don’t Miss You At All“ wirkt wie eine weniger plakative Nachbearbeitung der „When We All Fall Asleep…“-Nummer „Wish You Were Gay„, wohingegen das schüchtern plätschernde „Partners In Crime“ mit seinem wogenden Zeitlupen-Rhythmus, der warmen Gitarre und feinen Melodie als ästhetischer Nachhall von dem – übrigens von FINNEAS im Alleingang verfassten – Eilish-Song „When The Party’s Over“ erscheint.

Gerade hier wird dann auch überdeutlich, dass die Performance und Präsenz von Billie Eilish – ganz gleich, ob man’s selbst nun mag oder nicht – eine markanter nachhallende ist, der hinterlassene Zeitgeist-Eindruck gewichtiger und merklich weniger austauschbar ausfällt. FINNEAS agiert im Alleingang harmloser und kantenfreier, zeigt in seinen Stücken nicht dieselbe Spannung und Eindringlichkeit wie seine Schwester.

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Die Songs der EP transportieren insofern (zu) oft keinen allzu hohen Erkenntniswert: O’Connell mag zweifellos ein grandioser Zeitgeist-Produzent sein, ist allerdings selbst nur ein okayer Sänger – man vergisst die meisten Nummern noch während sie wohlwollend an den eigenen Gehörgängen vorbei laufen, so angenehm unaufdringlich lassen diese sich hören. Technisch mag man dem Ganzen keinen Vorwurf machen, emotional will aber nichts aufwühlend packen. Im Umkehrschluss pflegt FINNEAS so jedoch auch (s)ein grundsolides, durch und durch geschmackvolles Songwriting, das sich im Formatradio elegant überhalb der englischsprachigen Masse behaupten könnte.

Vor allem als Ganzes weiß die „Blood Harmony EP“, welche einen runden Spannungsbogen mit gefühlvoll variierter Dynamik beschreitet, also zu überzeugen. „I Lost A Friend“ startet melancholisch und zurückgenommen, ein sehnsüchtiges Piano begleitet FINNEAS, bevor die Nummer mit schimmernden Synthies und Handclaps sowie latent wuchtigen Synthies seine Fäuste gen Himmel ballt, die Dramatik aber ohne jede Penetranz sanft hält. Am anderen Ende (des regulären Oktober-Releases) beschließt „Die Alone“ den Rahmen inhaltlich stimmig und musikalisch kohärent als mit Autotune instensivierter Ambient-Pop in souliger Grundierung, abermals fehend und tröstend – quasi Bon Iver im trendigen Mainstream. Dazwischen stampft „Shelter“ abgedämpft zu flippigen Gitarren und dringlich pulsierender Percussion, pulsierend und dringlich, wohingegen das ätherisch-balladeske „Lost My Mind“ einen harmonischen Drive bekommt und – wie jede Nummer hier – erhebend cineastisch aufgehen möchte. Selbst wenn „Let’s Fall In Love For The Night“ – als sommerliche Akustiknummer, die einen generischen Beat erhält und gar nicht mehr sein möchte als souveräne Hintergrundmusik für glamouröse Yachten im Sonnenuntergang – dezent abfällt, erlaubt sich FINNEAS auf der an vielen Stellen etwas zu identitätsunsicheren „Blood Harmony EP“ keinen wirklichen Ausfall und kommt tatsächlichen Ohrwürmern, wie wir sie von seiner Schwester kennen, schon verdammt nahe. Damit zeigt er das Potential, solo bald auch mehr als das liefern zu können. Bis dahin muss sich FINNEAS notgedrungen wohl (noch) damit begnügen, hier sieben (beziehungsweise neun) recht gefällige Füller für die Zeit zwischen den trendsettenden Hits von Billie Eilish im Heavy Rotation-Programm zu liefern…

 

Positiv auffällig auf der neuen Version seiner Debüt-EP ist FINNEAS‘ alternative Version des One-Night-Stand-Abgesangs „Let’s Fall In Love For The Night“, welches nun den Nachtrag „(1964)“ im Titel trägt und mit Marimba und Fingerschnippen eine dezente, fein sezierte Frank Sinatra-meets-Lounge Classics-Atmosphäre vermittelt. Finneas O’Connell meint über die Neuaufnahme: “When I was originally producing this song, it took me down two different directions. One inspired by the rhythms I loved in Outkast and Gorillaz songs, which became the original production, and the other, which became this. A production inspired by the vinyl loved and listened to throughout my childhood. I wanted to make a lullaby version and give it to the people.”

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: LP – „Halo“ (live)


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Eine Powerfrau im wahrsten Sinne. Familiäre Wurzeln sowohl in Italien (ihr Vater) als auch in Irland (ihre Mutter, obendrein noch Opernsängerin) – somit durchdringt nicht nur Temperament, sondern auch Musikalität ihre DNA. Aufgewachsen in New York und mittlerweile ins Showbizz-Mekka Los Angeles übergesiedelt. Jahrelange Ghostwriting-Einsätze für Songs von Künstlern wie wie Rihanna, Christina Aguilera, Rita Ora oder The Backstreet Boys, weil die eigene Karriere zunächst nicht wirklich in Gang kommen wollte. Wer nun denkt, hier einen Auszug aus dem Lebenslauf von Linda „What’s Up“ Perry zu lesen, der liegt zwar nicht komplett falsch – schließlich haben beide Frauen in der Vergangenheit bereits das ein oder andere Mal zusammen gearbeitet und stehen jeweils offen zu ihrer Homosexualität. Dennoch ist hier von LP – alias Laura Pergolizzi – die Schreibe.

4050538287011Nun mag die 39-jährige US-Musikerin mit der durchdringend röhrigen, mit einem dezent souligen Tremolo ausgestatteten Stimme, die von der „Vogue“ bereits als „mit einem Hauch Elektro-Dylan“ umschrieben wurde (nicht gänzlich unpassend, denn auch optisch hat sich die androgyne Wuschelmähnenträgerin wohl etwas von His Bobness abgeschaut), zwar – noch – keinen Radiohit-Evergreen wie die ehemalige 4 Non Blondes-Frontfrau in petto haben. Dennoch dürfte vielen das feine, 2016 erschienene „Lost On You“ durchaus bekannt vorkommen (welches sich übrigens in Ländern wie Griechenland, Polen, Frankreich, Italien und Belgien ganz vorn in den Charts platzierte). Über das gleichnamige, im selben Jahr veröffentlichte Album sagte sie: „Wenn meine letzte Platte die Party war, ist mein neues Album so etwas wie der Kater danach.“ – Wenig verwunderlich, schließlich handelten die geschickt zwischen Rock und Pop, Dramatik und Pathos, Kraft und Gefühl pendelnden Songs in erster Linie vom Herzschmerz nach einer zerbrochenen Beziehung.

Und in der Tat ist Laura Pergolizzi, die bereits 2011 mit ihrem Song „Into The Wild„, welcher in einem Werbespot verwendet wurde, ein erstes Ausrufezeichen setzen konnte, während andere Stücke bereits in TV-Serien wie „Orange Is The New Black“ (Klischee! Klischee!) zu hören waren, eine durchaus beachtliche, charismatische Erscheinung mit Haltung und einem Gespür für die richtige Melodie, welche vor allem live auf der Bühne zu imponieren weiß – was man leider weniger von ihrem jüngsten, fünften, 2018 erschienenen Studiowerk „Heart To Mouth“ behaupten kann, da es seine Fühler wohl ein ganzes Stück zu weit in Richtung Westcoast-Seventies-Pop à la Eagles oder Fleetwood Mac und Radiopop-Beliebigkeit ausstreckt. Da sei allen, die mit der Dame und ihren Songs warm werden möchten, viel eher der oben benannte Vorgänger oder das im Mai erschienene Live-Album „Live in Moscow“ ans Hörerherz gelegt, welche die im April 2019 mitgeschnittene Show von Pergolizzi (die ab und an übrigens auch an der Ukulele zu brillieren weiß) und Band vor 6.000 Fans in der russischen Landeshauptstadt dokumentiert (wer mag, der findet hier das bereits erwähnte „Lost On You“ als Hörprobe).

 

Dass es Laura „LP“ Pergolizzi ebenso versteht, die Kompositionen anderer großer Pop-Künstlerinnen für sich einzunehmen, bewies die Musikerin bereits 2012, als sie sich ihm Rahmen ihrer EastWest Studio-Session nichts Geringeres als „Halo“ von Beyoncé vornahm – und dem Song mal eben einen siebenminütigen Powerrock-Anstrich verlieh…

 

Rock and Roll.

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