Schlagwort-Archive: Pop

Song des Tages: Anna Coddington – „Little Islands“


16053-13979-34

In einem Land mit knapp fünf Millionen Einwohnern (zum Vergleich: Berlin kommt aktuell auf etwa 3,8 Millionen) mag die Musikszene recht überschaubar sein. Man kennt sich, man trifft sich, man arbeitet und jammt irgendwann, irgendwo, irgendwie schonmal zusammen. So auch in Neuseeland. Kaum verwunderlich also, dass auch Anna Coddington ab und an mit dem populären Kiwi-Künstlerkollektiv Fly My Pretties, von denen kürzlich in Zusammenhang mit der Künstlerin A Girl Named Mo bereits die Schreibe war, gemeinsame Sache macht (wenn sie denn nicht gerade mit dem Blackbird Ensemble Songs von Björk im Orchestergewand zum Besten gibt).

a3871270034_16Stilistisch könnte man beim Gros der Stücke der 38-jährigen Singer/Songwriterin zur fixen Orientierung meinen, dass diese klingen, als hätten Natalie „Torn“ Imbruglia (der Coddington auch optisch gar nicht mal eben fern steht) und ihre Studio-Band sich an einem lauschigen Sonntagnachmittag den Songkatalog eines Dave Matthews vorgenommen – handgemachter RockPop, der keineswegs wehtut, und auch im Formatradio des Vertrauens keinen schlechten Eindruck hinterlassen würde. Freilich mag man bemängeln, dass dies im Endeffekt dazu führen mag, dass sich keiner der Songs für länger als seine durchschnittlich dreieinhalb Minuten Spieldauer in den Gehörgängen aufhält (so geschehen etwa bei dieser Review zum jüngsten, 2016 erschienenen Album „Luck/Time„). Andererseits liefert die überzeugte Vegetarierin und zweifache Mutter, die nebenbei auch in Te Reo Māori (also in der Sprache der Māori) schreibt und singt, gefällige Songs, welche sich gängigen Pop-Strukturen zwar nicht verweigern, aber manchmal – wie beim zweiten, 2011 veröffentlichten Werk „Cat & Bird“ – auch schonmal dezent rockig ausfallen können. Damit startet Frau natürlich recht selten eine Weltkarriere. Aber hey – in Neuseeland ist’s ja auch ganz schön…

 

 

„I’m frustrated
I’m not losing my mind
I’ll give my money away
Trade it for an escape
And leave my boredom behind

I contemplated
Giving my guitar away
Moving out of my house
Throwing all my stuff out
But what difference would it make

I know there must be more
Than my bedroom and the video store
From these little islands
All I see are stars

I wasn’t looking
Wasn’t looking for a fight
If anybody asks
I’m out the back on the grass
Looking up at the sky

I see you up there
Hanging out in the clouds
Shaking aeroplanes
Listening to radio waves
Can you hear me now

I know there must be more
Than my bedroom and the video store
From these little islands
All I see are stars

It’s complicated
It’s really hard to explain
I love the blue and the green
But somewhere in between
My fucking hair’s turning grey

Maybe I don’t need any more
Than my bedroom and the video store
From these little islands
I can see all those stars“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: The 1975 – „Jesus Christ 2005 God Bless America“


csm_the-1975-tour-tickets-1_4363faff5c

Mag sein, dass ich es in den letzten Jahren in bestimmten Momenten scheinbar vorgezogen habe, das ein oder andere Mittagsschläfchen unter einem schalldichten Stein zu halten, aber: bis vor wenigen Tagen habe ich noch nie (nie nie nie nie) einen Song von The 1975 gehört – und das, obwohl die englische Indie-Pop-Rock-Band bereits seit ein paar Jährchen mit HitsHitsHits, Charts-Spitzenplazierungen hüben wie drüben, sowohl im heimischen UK als auch in den USA, Kanada, Australien oder Neuseeland, sowie so einigen prominenten Fans wie Taylor Swift (der sogar ein Techtelmechtel mit Frontmann Matthew Healy nachgesagt wurde) für Furore sorgt. Vielleicht befinde ich mich nur außerhalb des The 1975’schen Zielgruppen-Radius, vielleicht bin ich einfach auch zu alt dafür, jeden „hippen Scheiß“ mitzumachen. Trotzdem: nie gehört.

71uGnJmp2vL._SS500_Außerdem scheinen Matthew Healy, George Daniel, Adam Hann und Ross Macdonald ein Händchen dafür zu haben, ihre Hörerschaft bei Laune zu halten, wie sich aktuell zeigt: Zunächst sollte ihr viertes Album „Notes On A Conditional Form“, der Nachfolger zum erfolgreichen 2018er Werk „A Brief Inquiry Into Online Relationships“ im Februar erscheinen, dann im April. Anfang der Woche meldete sich die vierköpfige Band aus Manchester erneut und kündigte eine weitere Verschiebung um einen Monat an. Zuvor hatten The 1975 bereits die Songs „The 1975“, „People“, „Frail State Of Mind“, „Me & You Together Song“ und „The Birthday Party“ veröffentlicht. Die Wartezeit wird nun erneut verkürzt durch die neue Single „Jesus Christ 2005 God Bless America“ (welch‘ enigmatischer Titel!), in der sich Sänger Matthew Healy in ein Duett mit Phoebe Bridgers begibt. Eine zufällige Zusammenarbeit? Keineswegs, denn die umtriebige US-Indie-Singer/Songwriterin sollte die Band eigentlich auf ihrer Nordamerika-Tour begleiten.

Die neuste Vorab-Single zeigt außerdem: The 1975 lieben allem Anschein nach das Unberechenbare. Während „People“ beispielsweise von punkigen, gitarrenlastigen Riffs lebte und „The 1975“ ein Spoken-Word-Feature von Umweltaktivistin Greta Thunberg (!) aufbot, bringt einen „Jesus Christ 2005 God Bless America“ zurück in die wohligen Nuller-Jahre – die Zeit der Bands und Künstler wie Bon Iver, Fleet Foxes, Laura Marling, Sufjan Stevens oder Noah and the Whale. Deshalb verwundert es kaum, dass sich Healy und Co. ausgerechnet Phoebe Bridgers „schnappten“, die selbst erst vor kurzem mit ihrem neuen Stück „Garden Song“ erneut tief in die Indie-Folk-Welt eintauchte. Der Viereinhalbminüter „Jesus Christ 2005 God Bless America“ ist ein bewegender Song über die Liebe und den Glauben geworden, welcher mit seiner weitestgehenden Reduktion auf Akustikgitarre und Trompeten musikalisch auch locker ein Bonus Track auf Bon Ivers melancholischem Album-Geniestreich „For Emma, Forever Ago“ hätte sein können…

 

 

„I’m in love with Jesus Christ
He’s so nice
I’m in love, I’ll say it twice
I’m in love (I’m in love)

I’m in love, but I’m feeling low
For I am just a footprint in the snow
I’m in love with a boy I know
But that’s a feeling I can never show

Fortunately I believe, lucky me
I’m searching for planes in the sea, that’s irony
Soil just needs water to be, and a seed
So if we turn into a tree, can I be the leaves?

(Ooh, ooh)

I’m in love with the girl next door
Her name’s Claire
Nice when she comes ‚round to call
Then masturbate the second she’s not there

Fortunately I believe, lucky me
I’m searching for planes in the sea, that’s irony
Soil just needs water to be, and a seed
So if we turn into a tree, can I be the leaves?

(Ooh, ooh)“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Birds Of Tokyo – „Two Of Us“


birds-of-tokyo-band-1748684769-1579218686564

Dass man hierzulande kaum je von Birds Of Tokyo gehört hat, könnte unterschiedliche Gründe haben. Zum einen liegen Deutschland und Perth, die Heimat der fünfköpfigen Aussie-Band, knappe, schlappe 14.000 Kilometer entfernt. Gilt in Zeiten von Spotify, Amazon Music, Apple Music und Co. nicht als Argument? Fair enough. Nichtsdestotrotz legen Ian Kenny, Adam Spark, Adam Weston, Ian Berney und Glenn Sarangapany seit Bandgründung vor gut 15 Jahren ihr Hauptaugenmerk auf den heimischen Musikmarkt – und das auch, schenkt man mehrfachen Auszeichungen mit diversen nationalen Awards sowie etlichen Gold- und Platin-Verleihungen Glauben, recht erfolgreich. Trotz alledem sind selbst Karnivool, die zweite Band von Frontmann Ian Kenny, bei der er (und das sogar bereits seit den späten Neunzigern) alternative-proggend am Mikro steht, in good ol‘ Europe bekannter…

cover0hjtoUnd: Es darf berechtigterweise bezweifelt werden, dass sich daran mit dem Erscheinen ihres neuen, sechsten Studioalbums „Human Design“ im April etwas ändern wird. Das liegt schon allein am Musikalischen, denn den radiopoppigen Alternative Rock, den Birds Of Tokyo im Gros anbieten, bekommt man im schlimmst-nichtssagendsten Fall auch von Formatpop-Retorten wie Imagine Dragons, Twenty One Pilots, The Script oder Thirty Second To Mars geliefert. Erfreuliche Ausnahmen wie der 2016er Vorgänger „Brace„, welcher unter der Ägide von Produzent David Bottrill (Tool, Muse, Silverchair) ungewöhnlich heavy und angenehm unpoppig ausfiel, bestätigen leider selten die Regel (Interessierten sei ungeachtet davon die 2015 veröffentlichte Best Of „Playlist“ empfohlen).

Eines muss man Ian Kenny und seinen Bandkumpanen jedoch zugute halten: sie wissen im Zweifelsfall, wie man einen guten Ohrwurm hinbekommt. Man höre etwa „Two Of Us“, ein triumphales, über beide Backen grinsendes Liebeslied, das Keyboarder Glenn Sarangapany als eine dreieinhalbminütige „celebration of finally finding your happy place“ beschreibt und das – neben einem nicht zu überhörenden jubilierenderen Gospelchor – ein kreativ abgedrehtes One-Shot-Musikvideo zu bieten hat, bei dem die Band Unterstützung von Regisseur Zac Lynch-Woodlock bekam. Eine schöner, durch und durch positiv gestimmter Kontrast zu anderen Albumvorboten wie dem theatralisch überladenen Heartbreak-BangerGood Lord„, die unlängst noch weitaus weniger gut in den Gehörgängen haften blieben…

 

“‘Two Of Us’ is a homage to love. The one you love. I thought I had lost love and would never find it again, never thought I’d be ready again. I spent a couple of years rebuilding my head, heart and soul – then an old friend came back into my life and we both found love again, there and then. We found something we had both been missing for so long. Sometimes everything you need has been there all along – it’s just the universe can take you on a detour to get there. In the end it’s all worth it.” (Ian Kenny)

 

Hier gibt’s das Musikvideo zu „Two Of Us“ für Augen und Ohren…

 

…einen Blick hinter die Kulissen…

 

…sowie das Stück in einer „Dressing Room Version“:

 

„The two of us
Have seen it all
Our story’s been heartache and wonder
This universe
Ain’t big enough
To keep us apart no not ever

How many times did we stumble
How many times was it worth every fall
There’s just something that keeps us together
Whenever my world moves from yours

I will always be with you
Got your name on my heart
In the shape of a tattoo
It’s my favourite piece of art
There is nothing like you in this world that I know
Darling I will never let you go
I will always be with you
You will always be here in my heart

The two of us
We got it all
Don’t need no designer distractions
Cos in the end
I found a friend
My one and my only obsession

How many times did we stumble
How many times was it worth every fall
There’s just something that keeps us together
Whenever my world moves from yours

I will always be with you
Got your name on my heart
In the shape of a tattoo
It’s my favourite piece of art
There is nothing like you in this world that I know
Darling I will never let you go
I will always be with you
You will always be here in my heart

Come and join me in this dance
An impossible romance
Take one step at time and don’t let go

I will always be with you
Got your name on my heart
In the shape of a tattoo
It’s my favourite piece of art
There is nothing like you in this world that I know
Darling I will never let you go
I will always be with you
You will always be here in my heart…“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Ein weltbekannter Zebrastreifen im März 2020…


Wenn schon frische Luft schnappen, dann doch bitte mit ausreichend Sicherheitsabstand:

89940178_10158911826634460_1084796416984875008_n

 

Vielmehr dürfte es beim (sowie um den) bekanntesten Zebrastreifen der Welt, der auch auf ANEWFRIEND bereits an der ein oder anderen Stelle zu sehen war, aktuell jedoch so aussehen (im Zweifel kann man’s auch mit Live-Bildern checken):

90027642_10157548652754262_2403146670125613056_o

(beide Bilder: gefunden bei Facebook)

 

In diesem Sinne: Mal wieder „Abbey Road“ hören – und das in jedermanns Sinne am besten zuhause!

#StayTheFuckHome

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Damien Rice – „Chandelier“


124338-fitandcrop-717x437

Sias „Chandelier“ ist ein rundum gelungener, im Grunde nahezu perfekter Popsong – bisher mehr als zwei Milliarden (!) Streams allein bei YouTube sowie zigfache Gold- und Platin-Auszeichnungen rund um den Musikglobus seit der Veröffentlichung vor ziemlich genau sechs Jahren sagen zwar nicht alles, sprechen jedoch absolut für sich. Braucht’s also eine Coverversion? Nope. (Nicht, dass das, was Sia Fowler damals bereits im ikonischem Bewegtbildvideo mit der zu der Zeit 11-jährigen Maddie Ziegler und den dazugehörigen Tönen so formvollendet in hymnischen Pop gegossen hat, andere Künstler wie The Script, Charlie Puth, James ArthurSara Bareilles oder diese A-Cappella-Musikerin davon abgehalten hätte, dem Song mal mehr, mal weniger eigene Noten zu verleihen…)

Songs_For_Australia_Cover_BMGAnders sieht’s natürlich – zumindest durch meine Fanboy-Brille (ich geb’s ja zu!) – aus, wenn sich ein gewisser Damien Rice das Stück von Sias Album „1000 Forms Of Fear“ vornimmt – und das auch nicht ohne Grund. Einerseits stammt Sia Kate Isobelle Furler aus dem australischen Adelaide, andererseits nahm Rice seine Variante für einen guten Zweck auf: für die in dieser Woche erscheinende Charity-Compilation „Songs For Australia“, deren Erlöse den Rehabilitationsbemühungen des jüngst übel von Feuer heimgesuchten Landes down under zugute kommen werden (und von jener es hier vor wenigen Tagen bereits die The National-Version des INXS-Klassikers „Never Tear Us Apart“ zu hören gab). Unter den Händen des sowie legendären Singer/Songwriters, der es wie kaum ein anderer versteht, spielend leicht im Spagat zwischen nahebarem Normalo und enigmatischem Troubadour zu wandeln, dem geschätzten Hörer mal die Emotionen der Weltgeschichte in lauten, in leisen Tönen zu Füßen zu legen, nur um sich selbiger (der Welt) hernach mal für Monate, ja gar – Gott bewahre, dass uns dies erneut blühen möge! – für Jahre zu entziehen (don’t let me get deeper into that, it’s gonna be an all-night-long monologue, kids), verwandelt sich der Popsong in eine melancholische Piano-Ballade der stillen Zwischentöne, die ihr Heil nicht im die Menschheit und Menschlichkeit umarmenden Furor, sondern im Innehalten sucht. Ja, einer wie Damien Rice haucht mit wenigen Mitteln (den weißen und schwarzen Tasten) selbst einer tausendundein Mal gehörten Nummer wie „Chandelier“ noch etwas selten Großes, Besonderes ein…

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Auf dem Radar: Flora Cash


flora-cash-1-1024x576

Es waren einmal eine Schwedin und ein US-Amerikaner, die beide mit Leidenschaft Musik machten. Sie teilten ihre Songs über Soundcloud und stießen irgendwann – dem Word Wide Web sei Dank – auch auf die kreativen Ergüsse des jeweils anderen. Aus gegenseitiger Bewunderung wurde ein loser Kontakt und dann ein erstes Treffen, gemeinsame Musik und ein Jahr später gar eine Hochzeit. Was sich lesen mag wie ein modernes Internet-Märchen, bei dem sich ein findiges Soap-Opera-Team mit Schlafmangel und Koffeinüberschuss wild ausgetobt hat, ist tatsächlich die gemeinsame Geschichte von Shpresa Lleshaj und Cole Randall, die seit 2012 Partner sind – sowohl musikalisch als auch romantisch. Als Duo wählen die Dame aus Stockholm und der Herr aus Minneapolis den zwar kryptischen, jedoch dennoch stylish-vielsagenden Namen Flora Cash und veröffentlichen noch im selben Jahr eine erste gemeinsame EP titels „Mighty Fine“ – eine Fusion aus Folk, Country und Singer/Songwriter-Pop auf drei durchaus ansprechenden Songs. Dabei überzeugen Shpresa und Cole jeweils mit starken Einzelstimmen, die sich in bester Fleetwood Mac-Manier (Stevie Nicks! Lindsey Buckingham!) abwechseln oder im Duett übereinander legen. Neu mag diese Idee mit all ihren weiteren Beispielen von The Civil Wars über Angus & Julia Stone, Isobel Campbell und Mark Lanegan oder jüngst Lola Marsh zwar kaum sein, jedoch seit Jahr und Tag recht erfolgreich.

Bis zur nächsten EP „Can Summer Love Last Forever?“ lässt man sich immerhin vier Jahre Zeit, in denen die beiden mit weiteren Singles an der richtigen Indie-Pop-Melange feilen. Dafür geht es dann Schlag auf Schlag: 2017 erscheint das Debütalbum „Nothing Lasts Forever (And It’s Fine)“. Bereits der Titel legt schon nahe: Flora Cash beschäftigen sich eingehend mit zwischenmenschlichen Beziehungen, ganz besonders natürlich mit romantischen. Dieser Themenkosmos wird mal mit gezupften akustischen Gitarren vertont, die man – ja klar – vor dem Folk-Background der beiden erwarten kann, aber auch für große Dramatik- und Pathos-Bühne mit Streichern und schallenden Drums haben Flora Cash ein Faible – Lana Del Rey und ihre bittersüß-sepiafarbenen Californian Sixties’n’Seventies lassen nett grüßen…

Man höre etwa…

Gerade in der heutigen – vor allem im Musikgeschäft – oft schnelllebigen Zeit, welche selbst aktuell (Jung-)Stars wie Billie Eilish im Zweifel schnell fressen wird, als man „kontemporäre Eintagsfliege“ buchstabieren kann, könnte man meinen, dass Flora Cash mit jenen ersten Veröffentlichungen bereits den persönlichen Stil-Zenit erreicht hätten, aber ihre größten Hits landet das Duo danach, vor allem nach Aufritten in James Cordens „The Late Late Show“ (im Jahr 2018) sowie mit der im letzten Jahr erschienenen, fünf Songs starken „Press EP“. Mit den schweren Klavierakkorden von „I Wasted You“ und „They Own This Town“ gibt es einmal mehr Melancholie und Dramatik im Pop-Gewand, doch vor allem „You‘re Somebody Else“ ist dann der Song, der so richtig einschlägt. Der Folk-Blueprint trifft auf Rhythmen aus der Drum-Machine, während Cole sich mit seiner Kopfstimme an Justin „Bon Iver“ Vernon orientiert und eine Person besingt, die er nicht wiedererkennt. Das Video zum Song sammelt fleißig Millionen von Klicks auf YouTube und trotzdem geht das Duo für diesen Erfolg keine musikalischen Kompromisse ein, im Gegenteil: In der Bridge stottert Coles Stimme rückwärts und beweist einiges an Experimentierfreude.

Obendrein funktioniert der Song auch in reduzierter Form:

Auch danach geht es für Flora Cash im großen Format weiter: Mit „Missing Home“ wünscht man sich von den Tourbühnen in die heimischen vier Wände und landet einen weiteren (Mini-)Hit, mit „Born In The Slumber“ platziert man einen Song auf dem Soundtrack für das erfolgreiche Blockbuster-Konsolen-Spiel „Death Stranding“. Gerade letzteres Stück deutet an, was auch die Single „You Love Me“ bestätigt: Die gemeinsame Reise geht weiter in Richtung gefühligen Synthesizer-Pop.

81BKOfbofaL._SY355_Das Tasteninstrument kommt auf den Neulingen von Flora Cash mehr denn je zur Geltung und leiten „You Love Me“ dröhnend ein. Zu den Synthie-Klängen passt auch der verschleppte, gewichtige Schlagzeug-Rhythmus, der an den Dream-Pop von Bands wie Beach House erinnert. Inhaltlich verhandelt das schwedisch-amerikanische Paar ein komplexes romantisches Thema: Man fühlt sich nicht gut genug für die andere Person, wünscht ihr etwas Besseres, aber die Liebe ist zu stark, um loszulassen. Die beiden Strophen zeigen auf spannende Weise, wie verschieden die Stimmen von Cole und Shpresa sind, nur um dann in der Hookline trotzdem wieder mit gemeinsamen Harmonien aufeinander zu treffen. Mit „Born In The Slumber“, „You Love Me“ oder dem wunderbar aufs Nötigste reduzierten Pop-Song „Honey Go Home“ haben Flora Cash ihren – vermeintlich – bisher wohl größten musikalischen Sprung gewagt, nun bleibt abzuwarten, ob es mit dem dieser Tage erscheinenden zweiten Langspieler „Baby, It’s Okay“ weiter in diese elektronische Richtung oder zurück zum Folk-Sound geht…

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: