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Song des Tages: Lina Maly – „Als du gingst“ (Akustik Session 2020)


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Schon laut.de wusste 2016, als das Debütalbum „Nur zu Besuch“ erschien:

„Die Songs der Sängerin und Musikerin Lina Maly aus der Nähe von Hamburg besitzen schon früh eine eigene melancholische und authentische Handschrift. In ihren Texten verhandelt sie die Sorgen und Nöte einer heranwachsenden Generation.“

5054197188428Und in der Tat war das ein oder andere darauf enthaltene Stück, wie etwa „Schön genug“ oder der Titelsong (vor allem in deren reduzierten Akustik-Versionen), durchaus herzerwärmend anzuhören, eben weil die damals 19-jährige Newcomerin den Versuch wagte, sich wohltuend vom deutschsprachigen Durchschnitts-Poprock-Einheitsbrei eines ForsterBouraniGiesingerBendzko abzuheben. Klar, die Gedankenwelten, in denen sich Maly zuweilen bewegt, muss ein Mittdreißiger wie ich gar nicht (mehr) unbedingt nachvollziehen können. Klar, mit spielerischen Moll-Akzenten am Klavier, sanfter Gitarrenbegleitung und ab und an stampfendem Pop-Arrangement (oder gar einer Jazz-Trompete) unterscheiden sich die vornehmlich melancholischen Songs untereinander zwar nicht nennenswert, drängen sich dem Hörer nicht allzu sehr auf, bleiben aber stets hörbar. Dazu Texte, die in ihren besten Momenten zum Nachdenken anregen. Gibt freilich Schlimmeres…

Übrigens ist mir der Erstling lieber als der im vergangenen August veröffentlichte Nachfolger „Könnten Augen alles sehen„, auf dem die mittlerweile 23-jährige Maly, die, wie man liest, sympathischerweise unter anderem Fiona Apple, Bob Dylan, Otis Redding, Franz Schubert oder The Cure zu ihren Haupteinflüssen zählt, ihre Musik gewordene Gefühligkeit ein wenig mehr in Richtung studentischer Radio-Pop bewegt (obwohl man ihr nichtsdestotrotz zugute halten kann, von den Konfetti-Kalendersprüchen einer Julia Engelmann noch ein gutes Stückweit entfernt zu trällern). Oder wie auf plattentests.de im Zuge der dazugehörigen Rezension zu lesen war: „In erster Linie richtet sich die Musik der Lina Maly an Altersgenossen. Raus aus dem Nest, rein ins Leben. Dass da durchaus noch Naivität im Spiel ist, liegt in der Natur der Sache.“ File under: Niedliche Erstsemestlermucke à la AnnenMayKantereit. Kann man jedoch definitiv auch nett anzuhören finden, wenn die eigenen Studienversuche längst hinter einem liegen…

 

 

„Das, was du bist
Wird immer bleiben
Ganz wortlos wirst du
Auf alles nur zeigen
Das, was du denkst
Wird einfach leiser
Der Wind und der Regen
Tragen es weiter
Erzählen von der Angst und der Liebe
Dem Kampf und dem Tag, als du gingst
Das, was du bist
Werd‘ ich behalten
Die Art, wie du lachst
Wird mich immer begleiten
Das, was du glaubst
Geht nie verloren
Ich heb‘ alles auf
Und halt es geborgen
Den Mut und die Kraft
Deine Weisheit und auch
Den Moment, als du gingst
Wenn die Blätter sich färben
Sind wir immer noch da
Du bleibst in mir
Und ich bleib‘ in dir
Es ist egal, was sich ändert
Wir sind immer noch wir
Auch wenn keiner uns findet
Bleiben wir
Bleiben wir ewig…
Wenn die Blätter sich färben
Sind wir immer noch da
Du bleibst in mir
Und ich bleib‘ in dir
Es ist egal, was sich ändert
Wir sind immer noch wir
Auch wenn keiner uns findet
Bleiben wir
Bleiben wir ewig…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Paolo Nutini – „Iron Sky“


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Manchmal wundere ich mich schon ein klein wenig über mich selbst. Da versuche ich tagein, tagaus möglichst viel Musik aus allen Genres und Bereichen zu hören und wie ein Ton gewordener Schwamm in mich aufzusaugen – und trotzdem geht auch mir – ja, ja – manch wahrlich großartiger Song durch die musikalischen Lappen. So geschehen etwa bei Paolo Nutinis „Iron Sky“.

Denn obwohl ich den schottischer Sänger und Singer/Songwriter italienischer Herkunft anno 2006, zu Zeiten seines Debüts „These Streets„, als er mit fluffig-gefälligen Pop-Nummern wie „Jenny Don’t Be Hasty„, „New Shoes“ oder „Last Request“ auf sich aufmerksam machen konnte, durchaus kurzzeitig auf dem Schirm hatte, ebbte das Interesse spätestens mit dem drei Jahre darauf erschienenen mediokren Album „Sunny Side Up“ (man höre etwa beispielhaft das recht egale „Candy„) merklich ab, einfach weil das Gros der Songs mit Einflüssen aus Indierock, Soul, Pop, Jazz, Ska und Folk zwar ordentlich in die Gehörgänge rutschte, jedoch auch schneller, als man „radiotauglich“ pfeifen konnte, wieder hinaus war. File under: gähn.

71o66HBqbgL._SS500_Folglich entging mir – bisher – das in Gänze durchaus überzeugende 2014er Drittwerk „Caustic Love„. Auf dem verlagert der mittlerweile 33-jährige Musiker aus dem schottischen Paisley, Sohn eines Fish’n’Chips-Buden-Besitzers, der sich einst weigerte, den Braterladen seines Vaters zu übernehmen, viel lieber sein Heil im Käfig Musikgeschäft suchte und dort schnell von niemand Geringerem als Ahmet Ertegün, dem legendären, amerikanisch-türkischen Musikmogul, der das Label Atlantic gründete, welches mit Künstlern wie Ray Charles und den Drifters, später gar Led Zeppelin reüssierte, entdeckt wurde, sein klangliches Spektrum von zwar überzeugendem, am Ende doch recht zahnlosem Radio-Pop auf durchaus zeitlose Soul-Nummern. Auf Songs wie „Let Me Down Easy„, das im 1965er Original von Bettye LaVette stammt. Das Bewundernswerte mag kaum sein, dass ein schottischer Wuschelkopf Anfang Dreißig mit den Stücken der US-Blues’n’Gospel’n’Soul-Grand Dame etwas anzufangen weiß, sondern vielmehr, dass Nutini stimmlich mitzuhalten versteht. Denn obwohl der Mann mit einer unverkennbaren Stimme gesegnet ist, die nach zwanzig langen, nachtschwarzen Jahren Whisky- und Zigarettenkonsum klingt, die in ihrer Gewalt an Größen wie Sting, Janis Joplin, Joe Cocker, Robert Plant oder Amy Winehouse erinnert, verleiht die Konzentration aufs Soulige, Funkige, auf Gospel, Rhythm’n’Blues seiner eigenen Musik deutlich mehr Authentizität, Groove und Kante. Coachella war gestern. Das hier? Ist mit all seiner tief empfunden Liebe und seinem Glauben an die Macht der Musik deutlich näher an Woodstock ’69.

https---images.genius.com-9f9dd2a27995e7d1b4dfdb047f1f6391.1000x1000x1Ein nahezu perfektes Beispiel hierfür ist „Iron Sky“, ohne jeglichen Zweifel die Über-Nummer auf „Caustic Love“. Eine verausgabende Hommage, die mit Soul, Kraft und explosiven Streichern scheinbar nicht zu (s)toppen ist. Die ruhigen Anfangstöne könnten dabei noch von den britischen Proto-Hippie-Rockern Procol Harum stammen, doch dann gewinnt der Song emotional und vokal an Intensität und reicht obendrein sogar noch ein wahres Orchesterfeuerwerk nach. Und wäre all das noch nicht Tränenkitzler genug, wird dazu eine berühmte Rede eingespielt, die von Freiheit und dem schönen Leben erzählt – und zur Abwechslung eben nicht vom oft genug bemühten Martin Luther King stammt. Es ist die herrlichste Gutmensch-Rede aller Zeiten, die Charlie Chaplin alias der jüdische Friseur in seinem Film „Der große Diktator“ von 1940 offenbart (ebenjene fand auf ANEWFRIEND bereits Erwähnung). Mit den Worten „…you the people have the power to make this life free and beautiful. To make this life a wonderful adventure. Let us use that power. Let us all unite“ trägt Paolo Nutini die satte Stimmung von „Iron Sky“ weiter und hinterfragt später im Songtext die Grenzen von Freiheit im Hier und Jetzt. Ein dramatischer und rundum perfekter Song, der alles kann. Der mehr zu sagen hat als ein ganzer verdammter Tag im Formatradio mit seinem ach so „Besten aus den Achtziger, Neunzigern und von heute“.

Und gerade dieser Song wäre mir beinahe durch die Lappen gegangen…

 

„Eine Stimme wie die von Paolo Nutini gibt es nur selten innerhalb einer Generation.“ (New York Daily News)

„Paolo Nutini ist ein Retromaniac, hoffnungslos gefangen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Idolatrie und eigenem Anspruch. In dieser Zwischenwelt aber singt er wie ein junger Gott.“ (Rolling Stone, April 2014)

 

Das dazugehörige Kurzfilm-Musikvideo liefert obendrein noch einige visuelle Botschaften zu Musik und Text…

 

…während die „Abbey Road Live Session“ von „Iron Sky“ den Song noch einmal im Live-Gewand glänzen lässt. Sängerin Adele soll, nachdem sie zufällig zur gleichen Zeit in den Londoner Abbey Road Studios zugegen war und somit Zeugin von Paolo Nutinis Einspielung wurde, übrigens Folgendes getwittert haben: „Fuck!!! This is one of the best things I’ve ever seen in my life . . .“ – auch eine Art popkultureller Ritterschlag…

 

„We are proud individuals
Living for the city
But the flames
Couldn’t go much higher

We find Gods and religions
To paint us with salvation
But no one, no nobody
Can give you, the power

To rise, over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into freedom

Oh, that’s life
That’s dripping down the walls
Of a dream that cannot breathe
In this harsh reality
Mass confusion spoon fed to the blind
Serves now to define our cold society

From which we’ll rise, over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into freedom

You’ve just got to hold on
You’ve just got to hold on

‚To those who can hear me, I say, do not despair. The misery that is now upon us is but the passing of greed. The bitterness of men who fear the way of human progress. The hate of men will pass, and dictators die, and the power they took from the people will return to the people and so long as men die, liberty will never perish. Don’t give yourselves to these unnatural men – machine men with machine minds and machine hearts! You are not machines! You are not cattle! You are men! You, the people, have the power to make this life. Free and beautiful. To make this life a wonderful adventure. Let us use that power – let us all unite!‘

And we’ll rise
Over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into freedom
Into freedom

From which we’ll rise, over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into
Freedom, freedom
From which we’ll rise, over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into freedom
Freedom, freedom

Oh, rain on me
Rain on me“

 

Rock and Roll.

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Bond… Blunt… Egal.


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(gefunden bei Facebook / Michael Holtschulte)

 

Bond… Blunt… Hauptsache, es ist endlich Ruhe! Wenn schon Daniel Craig demnächst in den wohlverdienten Geheimdienst-Ruhestand gehen möchte, darf sich der – zumindest musikalisch – gar nicht mal so erträgliche „You’re Beautiful“-Popseuselbarde daran gern ein Beispiel nehmen…

 

Rock and Roll.

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Kalendersprüche fürs Radio…


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(gefunden bei Facebook / Cartoon: Oli Hilbring)

 

Mark Forster? Ganz, ganz schlimm. Schema-F-Musik ohne jeden tieferen Sinn und bar jeder wertvollen Botschaft. Der Ton gewordene Ausschaltbefehl von einem grundunsympathischen Dauergrinsehansel mit Basecap. Ich hätte denn lieber nur den Sprüchekalender…

 

Rock and Roll.

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Song des Tages #2: Josh Kumra – „Stubborn Love“


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Man könnte meinen, Josh Kumra hätte alles erreicht, wovon so ziemlich jeder Singer/Songwriter träumt, nachdem er die UK-Charts anführte, bei „Later With… Jools Holland“ aufgetreten und ausgiebig durch Europa getourt ist. Als „Don’t Go„, seine Zusammenarbeit mit dem Rapper Wretch32, 2011 in Großbritannien zu einer Nummer Eins wurde, fand sich das Nachwuchs-Talent aus dem englischen Swindon, Wiltshire im Alter von zarten 19 Jahren plötzlich mit einem Plattenvertrag ausgestattet bei einem Majorlabel wieder. Die meisten würden jetzt vielleicht denken, dass das als Musiker die Definition von „es geschafft zu haben“ sei. Für Josh Kumra, dessen Name bereits seine indischen Wurzel erahnen lässt (sein Großvater stammt aus Neu-Delhi), brachte der plötzliche Erfolg den Druck mit sich, das vielbeschworene Momentum zu nutzen, anstatt ausreichend Zeit zu haben, an seinen Songs zu feilen, die seine Lebenserfahrungen widerspiegeln und schlussendlich ein „ehrliches“ Album zu erschaffen, so, wie er, der Künstler wie Tracy Chapman oder Jimi Hendrix zu seinen wichtigsten Einflüssen zählt, es sich immer vorgestellt hatte.

„Auf halber Strecke, als ich mein Album fertig stellte, merkte ich, dass ich versuchte, zu vielen Leuten zu gefallen. Aber ich realisierte, dass es bereits zu spät war, etwas dagegen zu unternehmen“, sagt Kumra über sein 2013 erschienenes Debütalbum „Good Things Come To Those Who Don’t Wait“.

Nach der Veröffentlichung des Albums und einer Tournee durch Europa rang Kumra mit der Idee, der Musiker oder der Popstar zu sein, den die Leute in ihm sahen. Der ursprüngliche Wunsch, Musik aus seinem Herzen zu schreiben, ging so zunächst auf erwähnter „halber Strecke“ und aufgrund der Vielzahl an Meinungen und Erwartungen unter. Das traurige Zwischenfazit: Er zog aufs Land und veröffentlichte lange Zeit keine neue Musik.

„Ich hatte immer im Kopf, dass ich mich nach der Veröffentlichung des Albums aus der Stadt zurückziehen, mein eigenes kleines Studio gründen und ein paar Songs für mich schreiben und aufnehmen würde. Ich habe nur etwas länger gebraucht als erwartet.“

josh-kumra-stubborn-loveDie Songs seiner für April 2020 angekündigten „Pull Me Back In EP“ werden seine ersten musikalischen Lebenszeichen seit sechs Jahren sein – vier Songs, die genau das sind, was sie sind, und genau das tun, was der Titel erahnen lässt: Josh zurückzubringen.

„Mein Wunsch war es, auf die Anfänge als Autor zurückzugreifen, als Leidenschaft und Freude meine einzigen Gründe für das Musizieren waren. Es gibt Songs, die ich singen könnte und die ich nie ernst nehmen würde, aber nicht diese.“ Und so wird deutlich zu hören sein, dass diese EP einen persönlicheren, intimeren und reiferen Ansatz haben wird als sein poplastiges Debüt. Die EP aufzunehmen war Josh Kumras therapeutische (aber auch nicht eben stressfreie) Art, seinen angestauten Zweifeln zu begegnen und seine Ängste anzuerkennen. Die Musik mag voller Verletzlichkeit sein, aber genau das soll man auch hören.

„‚Stubborn Love‘ erkennt das Problem an, sich komplett für etwas aufzugeben, allerdings aus den falschen Beweggründen heraus. Es geht nicht darum, was du verfolgst, sondern warum.“, so der mittlerweile 28-jährige Musiker über seine neue Single und der ersten Hörprobe aus der kommenden EP.

 

 

Rock and Roll.

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