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Song des Tages: ABAY – „Different Beds“ (Off The Road Sessions)


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An Aydo Abay scheiden sich seit jeher die Geister. Das war schon damals bei Blackmail so, bei denen Abay stolze 14 Lenze hinter dem Mikro stand, während derer sich die Koblenzer Indierock-Band durch wahre Ochsentouren kreuz und quer durch die Indieclubs der Republik langsam aber stetig ihr Publikum erspielte. Allen voran: Aydo Abay, seines Zeichens eine der wohl launischsten und unberechenbarsten Frontmann-Diven, die das bundesdeutsche Indierock-Genre seit eh und je zu bieten hat. Andererseits war es auch die quengelige Stimme des türkischstämmigen Musikers, die Blackmail so besonders, so markant, so einzigartig machte. Dass ihn seine Launenhaftigkeit – begleitet von so einigem bösen Blut und vieler gemeinsamer Jahre sowie sechs recht erfolgreichen Alben zum Trotz – seinen Platz hinterm Blackmail-Mikrofon kostete? Längst Geschichte…

Denn seit einigen Jahren ist Aydo Abay – nach dem einen oder anderen mal mehr, mal weniger fruchtbaren Versuch mit der Vorgängerband Ken – mit seiner eigenen *hust* Kombo unterwegs. Dass die ganz ungeniert ABAY heißt, darf man als Größenwahn interpretieren. Oder eben massig Gespür fürs Ironische hinter der Namenswahl vermuten. Im Grunde führt ihr Frontmann all das, was ihm der Egos seiner anderen ehemaligen (Blackmail-)Bandkollegen wegen damals verwehrt blieb, nun zur Perfektion: mehr Düsternis, mehr poppige Süßlichkeit. Alles in einem Stück? Ja, gern doch! Und ab und an darf’s sogar mal ein komplett ironiebefreites Scooter- oder ABBA-Cover sein…

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Und ebenjene ABAY, welche im Juni ihr neues Album „Love And Distortion“ veröffentlichen werden und zu denen – nebst ihrem namensgebenden (und natürlich noch immer polarisierenden) Frontmann – auch der ehemalige Juli-Gitarrist Jonas Pfetzing zählt, waren 2016 in die Leipziger Off The Road Studios zu Gast, um dort eine Session aufzunehmen und den Song „Different Beds“ (vom zweiten Album „Everything’s Amazing And Nobody Is Happy„) zum Besten zu geben.

Bei „Different Beds“ – wie immer bei den „Off The Road Sessions“ ebenso augenzwinkernd-ironisch wie bissig-unterhaltsam anmoderiert von Schauspieler Axel Thielmann, der sich hier anfangs an Abays „Jammern“ und der Vergangenheit seines musikalischen Partners Jonas Pfetzing bei Juli abarbeitet – krachen nach dem atmosphärischen Intro aber doch die Gitarren, später dürfen ABAY sogar allein zu einem milden Mondschein-Alternative-Solo ausholen, während Aydo Abay in den Off The Road Studios rauchend am Mikro steht…

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages #2: Das Paradies – „Goldene Zukunft“


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Muss deutschsprachige Popmusik in der heutigen Zeit immer gleich aufs volle Risiko hin existenzialistisch daher wanken?

Für all diejenigen, die diese Frage mit einem klaren „Ja!“ beantworten würden, liefert Das Paradies eine kleine Antithese zu Casper, Kraftklub und Co. Das Para…wer?

Hinter dem Pseudonym, unter welchem bereits im Mai die erste Single „Goldene Zukunft“ erschien, versteckt sich der Leipziger Florian Sievers, der bisher als männlicher Teil des Indiefolk-Duos Talking To Turtles in Erscheinung getreten ist. Und: Sievers hatte unter neuem Namen scheinbar auch mehr Bock auf Indiepop als auf den melancholischen LoFi-Folk, welchen er gemeinsam mit Duo-Partnerin Claudia Göhler auf insgesamt drei Alben (zuletzt erschien 2014 „Split„) zu Tönen gemacht hat.

In jedem Fall schwimmt Sievers‘ „Goldene Zukunft“ zwischen all den Nachrichten über Bankenpleiten, Anschlägen, Regierungskrisen und Flüchtlingswellen mit beinahe eskapistisch veranlagten Zeilen wie „Ich sehe eine goldene Zukunft und nicht viel mehr“ oder „Keiner wird sich gestört fühlen, alles wird allen gefallen / Und ich attestierte blind, dass die Zeiten rosig sind“ bewusst gegen den Strom. Anderswo im weltweiten Netz werden diese gerade einmal dreieinhalb Minuten als „himmlischer, luftiger Pop mit Hamburger-Schule-Abschluss, Exerzitienreisen nach Weilheim und neuer Anwärterschaft auf den Whitest-Boy-Alive-Award“ beschrieben sowie ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Single-B-Seite „Du, die anderen und ich“ – wenn man so will die zwar weitaus melancholischere, aber nicht minder interessante Wochentagsschwester von „Goldene Zukunft“ – „mindestens Pflicht für alle Netflix- und HBO-Abonnenten“ sein sollte. Lassen wir’s mal so stehen…

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Balthazar – „Leipzig“


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„There’s a place / I think that you could take me there / If you only showed me where / ‚Cause I’ve been waiting in despair“ – Es fällt zugegebenermaßen schwer, sich vorzustellen, dass das seit 2004 bestehende Indierock-Quintett Balthazar in den Anfangszeilen ihres im Januar veröffentlichten Songs „Leipzig“ tatsächlich von einer der schönsten und interessantesten Städte meiner sächsischen Heimat singt, immerhin stammen Maarten Devoldere (Leadgesang, Gitarre, Keyboard), Jinte Deprez (Leadgesang, Gitarre), Patricia Vanneste (Gesang, Violine, Keyboard), Simon Casier (Bass, Gesang) und Michiel Balcaen (Schlagzeug) – man ahnt es, auch in Zeiten von globalisierter Multikuli, wohl bereits – nicht aus der 500.000-Einwohnerstadt im Osten Deutschlands, sondern aus dem beschaulichen belgischen Gent. Vielmehr ist anzunehmen, dass sie ein Tourstopp in Leipzig, als Balthazar als Vorgruppe der Editors Abend für Abend Konzerte eröffnen durften, dazu bewog, ihre aktuelle Single schlicht und ergreifend „Leipzig“ zu nennen – macht ja sonst niemand…

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Und auch das Musikvideo gibt herzlich wenig Anhaltspunkte auf die Antwort nach dem Warum, denn statt Völkerschlachtdenkmal oder Nikolaikirche gibt es während der recht knackigen zweieinhalb Minuten Schwarz-weiß-Impressionen aus dem Touralltag der Band zu sehen, der im vergangenen Jahr von der belgischen Zeitung „De Standaard“ der Titel „Hardest Working Band Of Belgium“ für ihre Leistung von ganzen 123 Shows in 21 Ländern verliehen wurde. Ob der knietief in melodischem, zuweilen kammermusikalischem Indierockpop á la Arcade Fire oder Get Well Soon stehende Song auf dem Nachfolger zum 2012 erschienenen zweiten Album „Rats“ zu finden sein wird? Ob den Landmännern von dEUS Konkurrenz um die Indierock-Krone Belgiens droht? Ob Balthazar eine ihrer kommenden Tourneen zurück nach Leipzig führt? Wir werden sehen…

 

 

 

 

Rock and Roll.

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Bruce Springsteen & The E Street Band live in der Red Bull Arena, Leipzig, 7. Juli 2013: Zum Solo, Schätzchen…


Foto: M. Friedrich

Foto: M. Friedrich

„It’s so great to be in East Berlin. I want to tell you, I’m not here for or against any government. I came here to play rock and roll for you East Berliners in the hope that one day all the barriers will be torn down…“

(Bruce Springsteen, 19. Juli 1988)

 

Bruce Springsteen und der östliche Teil Deutschlands – beide teilen wunderbare Erinnerungen aneinander…

Beinahe 25 Jahre ist es nun her, dass der „Boss“ und seine E Street Band am 19. Juli 1988 ein Konzert an der Berliner Radrennbahn Weissensee gaben – im östlichen Teil der damals noch geteilten Hauptstadt, und mit dem offiziellen Anlass der „Eröffnung des 5. Rocksommers der FDJ“. So weit, so unspektakulär? Ganz im Gegenteil! Immerhin war Springsteen bereits damals eines der Idole der US-amerikanischen Arbeiterklasse, ein hard working man, ein self-made superstar. Einer, der die Sorgen und Nöte des einfachen Mannes auf der Straße und am Fließband besang, obwohl er längst in den größten Stadien der Welt auftrat. Vielleicht mag es an diesen entfernt sozialistisch vertretbaren Tugenden Springsteens gelegen haben, dass die SED-Führung das Konzert bewilligte. Oder war es gar eine Verzweiflungstat; ein – auch und vor allem finanzieller – letzter Kraftakt aus dem Gefühl heraus, der Jugend unter Hammer und Sichel einen Superstar von der anderen Seite des „eisernen Vorhangs“ präsentieren zu müssen? Wie dem auch sei – am 19. Juli erlebten über 200.000 (!) Zuschauer eine umjubelte Show von Springsteen und seiner E Street Band, und wer dabei sein konnte, wird wohl auch nun noch, Jahrzehnte später, seine Kinder und Enkelkinder mit feuchten Augen und allerhand Anekdoten und Schilderungen an diesem historischen Tag teilhaben lassen…

Natürlich war jenes Konzert, dass der „Boss“ am gestrigen 7. Juli in der Leipziger Red Bull Arena gab, nicht ansatzweise mit solch großer historischer Tragweite unterlegt. Doch nichtsdestotrotz werden sich wohl alle der etwa 45.000 anwesenden Zuschauer im nahezu ausverkauften Stadionrund noch lange an diesen Abend erinnern. Denn immerhin 14 Jahre hatten sich Springsteen und Band seit 1999, als sie am 13. Juni ihr bisher letztes Konzert in der sächsischen Großstadt gaben (damals noch im Bruno Plache Stadion), Zeit gelassen, um Leipzig wieder einen Besuch abzustatten. Insofern blickte man rund um das Stadion, wo sich bereits Stunden vor Beginn lange Schlangen an den Einlasstoren bildeten, bei bestem Sommerwetter in allerhand erwartungsfrohe Gesichter. Der „Boss“ ruft zum vorerst letzten Deutschland-Konzert seiner nun bereits seit März 2012 andauernden „Wrecking Ball“-Welttournee zur Messe? Alt und jung, Grauhaar und Milchbart streiften ihre Fanshirts über und kamen…

Und bereits der erste von insgesamt 27 Songs des Abends besaß ordentlich Zunder: „Roulette“, im Original ursprünglich für das Album „The River“ (1980)  vorgesehen, nun auf der Raritätensammlung „Tracks“ zu finden und auch live selten dargeboten, peitschten Springsteen und seine E Street Band mit ordentlich Druck und Lautstärke ins Stadionrund. Leider schien auch der Tontechniker von dieser musikalischen Kraft überrascht gewesen zu sein, und benötigte noch mindestens zwei weitere Stücke, um eine halbwegs akzeptable Soundabmischung hinzubekommen. Schade eigentlich? In der Tat. Doch Springsteen und seine Mitmusiker, die in all den Jahren – und bei der Behauptung übertreibt man keineswegs – zu dessen zweiter Familie geworden sind, ließen sich davon keineswegs ihre Spiellaune vermiesen. Und sie waren auch dieses Mal wieder alle an Bord: Schlagzeuger Max Weinberg, Bassist Garry Tallent (übrigens das einzig verbliebene Gründungsmitglied), Pianist Roy „The Professor“ Bittan, Violinistin Soozie Tyrell, das soullastige Backgroundsänger-Dreiergespann, die Bläsersektion – und natürlich die beiden Gitarristen Nils Lofgren und Steven „Little Stevie“ Van Zandt (der mit Bandana und Killerblick stets wie einer dieser üblen Auftragsitaliener aus der TV-Serie „Sopranos“ wirkt – nur zu passend, dass er da bereits mitspielte!) sowie Jake Clemons, der nach dem Tod seines Onkels Clarence „Big Man“ Clemons den für viele Stücke ungemein wichtigen Posten des Saxofonisten mittlerweile würdig übernommen hat – einzig Springsteens Frau Patti Scialfa musste wohl wieder „die Kinder hüten“… Gemeinsam mit ihrem „Boss“ zeigten sie, wonach ihnen der Sinn stand: Rock and Roll – wobei man besonders gestern gut und gern das „Rock“ betonen durfte. In drei Stunden griffen sie kreuz und quer in den Springsteen’schen Songfundus, zogen Evergreens wie „Lucky Town“ oder „Murder Incorporated“ heraus und versahen diese Stücke dann mit ausufernden Endlos-Gitarrensolos, die nach so vielem klangen – Vitalität, Spielfreude, Abstimmung, Erfahrung, BOCK! -, nur eben nicht nach Musiker „Ü60“, denen der Beruf eine stattliche Bezahlung einbringt. Nein, Bruce Springsteen ist seit jeher – und auch nach 40 Jahren, die er mehr dies- als jenseits der Bühne verbracht hat – einer, der zwar eine gewisse Routine schätzt, aber auch wirklich dieser vergötterte Kerl aus der Arbeiterklasse ist. Ein Typ mit Macken, Marotten und Meinung, der gar nicht anders kann und will, als den Massen eine gute Show zu bieten. Und obwohl eben diese Show auch am gestrigen Sonntag wieder alle derzeit typischen Elemente zu bieten hatte (ich denke, das mit immerhin drei Springsteen-Shows innerhalb eines Jahres gut beurteilen zu können) – das Abklatschen mit den ersten Reihen, das Bad in der Menge, der spontane Tanz mit der Rotkreuz-Helferin zu „Hungry Heart“, die Tanzeinlage mit einer jungen Frau aus dem Publikum zu „Dancing In The Dark“, das kleine Mädchen, das zum Ende von „Waiting On A Sunny Day“ ein paar Zeilen des Refrains in feinstem Kinderenglisch zu Besten geben durfte, die Videoeinspieler bei „Tenth Avenue Freeze-Out“ zu Ehren der beiden verstorbenen E Street-Mitglieder Clarence Clemons (Saxofon) und Danny Federici (Piano), das Einsammeln und Erfüllen von Songwünschen durch den Bandleader persönlich -, weiß auch Springsteen noch Band wie Publikum zu überraschen. So wurden die Bühne im Vorfeld des Chuck Berry-Covers „You Never Can Tell“, das Springsteen laut eigener Aussage „zum letzten Mal im Alter von 16 Jahren“ zum Besten gegeben hatte, zum öffentlichen Proberaum, holte der mittlerweile 63-Jährige bei „Light Of Day“ das Letzte aus den Gitarrenverstärkern heraus und versetzte den Song anfangs mit schwermetallischen Elementen, bei denen sogar Metallica- oder Iron Maiden-Anhänger ins freudige Kopfnicken gekommen wären oder widmete den Klassiker „Born In The USA“ all jenen, die beim eingangs erwähnten 1988er Ostberlin-Konzert, das für ihn eines der denkwürdigsten seiner Karriere gewesen sei, dabei gewesen waren. Und auch die Gänsehautmomente kamen, neben all dem Rock and Roll, nicht zu kurz: so schickte die Sommersonne bei der Live-Rarität „Back In Your Arms“ letzte intensive Strahlen gen Bühne, lässt Springsteen im Alter immer mehr Soul-Qualitäten á la James Brown durchblitzen, wurde das legendäre Songtrio aus „Born To Run“, „Bobby Jean“ und „Dancing In The Dark“ gen Ende hin frenetisch bejubelt und getanzt – vor und auf der Bühne. Doch das wohl für viele größte Highlight – insofern man nicht schon vor Ablauf der dreistündigen Show das Stadion verlassen hatte – kam, als der „Boss“ schon all seine Mitmusiker schulterklopfend auf der Bühne verabschiedet hatte. Denn Springsteen griff danach noch einmal zu Mundharmonika und Akustischer und gab solo eine reduzierte Version von „Thunder Road“ zum Besten. Wem in diesem Moment nicht einer dieser selten schönen Schauer über den Rücken lief, der darf sich berechtigterweise fragen, was zur Hölle er am 7. Juli 2013 in der Leipziger Red Bull Arena zu suchen hatte…

Mein Fazit: große Rockshow, mal wieder. Natürlich weiß sich Springsteen, die alte Rampenrockersau US-amerikanischer Güteklasse, gekonnt in Szene zu setzen – immerhin macht er diesen Job seit vielen Jahrzehnten, immerhin war der Auftritt in Leipzig die 120. Show seiner „Wrecking Ball“-Welttournee. Doch man muss ihm zu gute halten, dass er alles dafür tut, um seinem Publikum eine gute Show zu liefern – auf eine grundehrliche, grundsympathische Art, die beinahe ohne plumpe Effekte auskommt. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass Springsteen je eine miese Show gespielt hat – und das in all den Jahren! Value for money – bekommt man beim „Boss“. Kredibilität und Solos gab es auch in Leipzig obendrauf.

Zum Abschluss noch eine Bitte an die Organisatoren und Veranstalter rund um die Leipziger Red Bull Arena: Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr noch nie eine Veranstaltung (respektive: Konzert) dieser Größenordnung in eurem Stadion hattet (Erinnerung: im vergangenen September spielten Coldplay an gleicher Stätte). Von daher ist die bewusste Unfähigkeit beim Ablauf von An- und Abreise aller Besucher, die mit dem Auto zur Red Bull Arena gekommen waren, ein definitives Armutszeugnis (auch und vor allem für die Stadt Leipzig!) und so nicht hinnehmbar. Ich erbitte Besserung! Danke.

Bruce Springsteen Tour 2013

 

Hier noch die komplette Setlist des Leipzig-Konzerts…

Roulette
Lucky Town
Badlands
Death to My Hometown
Sherry Darling
You Never Can Tell (Chuck Berry Cover)
Back in Your Arms
Hungry Heart
Spirit in the Night
Wrecking Ball
We Take Care of Our Own
Murder Incorporated
Human Touch
Open all Night
Cadillac Ranch
Shackled and Drawn
Waiting on a Sunny Day
Lonesome Day
Land of Hope and Dreams
Light of Day
Born in the USA
Born To Run
Bobby Jean
Dancing In The Dark
10th Avenue Freeze-Out
Rockin’ All Over The World
Thunder Road

(Quelle: stonepony.eu)

 

Wer weitere Bilder vom Konzert in Leipzig sehen möchte, wird etwa hier fündig…

…und wer noch einmal nachlesen möchte, was ANEWFRIEND über die Springsteen-Auftritte im Berliner Olympia-Stadion sowie beim Roskilde Festival (dieser fand übrigens auf den Tag genau ein Jahr vor dem Konzert in Leipzig statt) im vergangenen Jahr zu berichten hatte, der kann dies hier und hier tun.

Allen, die mehr über den Menschen hinter dem Mythos vom „Boss“ – also über Bruce Springsteen selbst – erfahren möchten, sei „Bruce„, die erste offizielle, kürzlich erschienene Springsteen-Biografie von Peter Ames Carlin ans Leserherz gelegt.

Und wer sich für die filmische Variante der Ergründung ebenjenes Mythos‘ interessiert, der sollte sich den 22. Juli dick im Kalender markieren. Denn an diesem Tag kommt „Springsteen & I„, eine von Ridley Scott produzierte Dokumentation, die innerhalb von 105 Minuten – und anhand von Fanvideos aus allen Teilen der Welt – versucht, dem Faszinosum Springsteen auf die Schliche zu kommen, weltweit in die Kinos…

 

Rock and Roll.

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Dillon im Centraltheater, Leipzig, 16. Februar 2012 – oder: Stroboskopdramen


Ich habe lange überlegt, ob ich ein paar Zeilen über das Dillon-Konzert, welches am vergangenen Donnerstag stattfand, schreiben soll, ja kann – war es doch kein gerade einfaches Konzert, um Worte darüber zu verlieren…

Doch von Anfang an: das ausverkaufte Konzert wurde kurzfristig von der Leipziger Skala ins benachbarte Centraltheater verlegt. Eine gute Entscheidung? Nun, warum nicht dort, wo sich sonst vor allem Theaterdramen abspielen, auch einmal introspektive, zweifelnde, mit Dunkelheit und Elektronik flirtende Piano-Miniaturen aufführen? Ungewöhnlich und spannend, auf jeden Fall. Gleich am Treppenaufgang fällt das Schild mit der Aufschrift „Keine Fotos und Tonaufnahmen!“ ins Auge, welches, laut meiner gut informierten Begleitung, für das Centraltheater als durchaus ungewöhnlich zu werten ist. Das Publikum ist bunt gemischt und garantiert um einiges jünger als bei den sonst in dieser Lokalität stattfindenden Veranstaltungen. Hier mittelalte Herrschaften in feiner Abendgarderobe, dort Studenten, Musikinteressierte und allerhand Bilderbuch-Hipster. So weit, so erwartungsgemäß…

Vom Glockenläuten werden alle kurz nach 20 Uhr darüber in Kenntnis gesetzt, dass das Konzert gleich anfangen wird. Und so ist es auch. Die Lichter gehen aus und die Nebelmaschinen treten ihren Dienst für diesen Abend an. Bei zunächst spärlicher Beleuchtung erscheint zuerst Dillons Bühnenbegleiter Tamer, für die elektronische Note in Form von Beats und Samples zuständig, dann, ganz in Schwarz, mit langem Mantel, 90er-Jahre-Plateauschuhen und ins Gesicht hängenden Haaren, Dominique Dillon de Byington selbst. Während der kommenden knapp anderthalb Stunden bleibt dem Publikum keine Zeit für Entspannung. Zu bissig fahren die Beats in die Gehörgänge, zu laut die beeindruckende Stimme der gebürtigen Brasilianerin, die jedoch seit ihrem vierten Lebensjahr in Köln aufwuchs, aus den Lautsprechern. Zugegeben, Dillon gibt schon ein schaurig-schönes Bild ab, wie sie so mit hängendem Kopf hinter ihrem Keyboard steht und ihre traurigen Lieder – nur ihre Silhouette sieht man im Scheinwerfernebellicht… Doch ein ums andere Mal mag der Funke nicht von der Künstlerin in den ausverkauften Saal überspringen. Nicht beim tollen „Thirteen Thirtyfive“, nicht beim Stroboskopgewitter während „Abrupt Clarity“, nicht einmal, als Dillon  – für ihre Verhältnisse – aus sich heraus geht und das Publikum bei „Tip Tapping“ zum Mitsingen animiert. Man merkt: das hier ist zwar ungewöhnlich, künstlerisch durchaus anspruchsvoll und interessant, jedoch eins definitiv nicht: schön. Dafür jedoch unterbewusst emotionalisierend, abstoßend und anziehend, schaurig-faszinierend. Dillon gab einmal in einem Interview zu ihrem im letzten Jahr erschienenen und von massig Vorschusslorbeeren begleitetetn Debütalbum „This Silence Kills“ zu Protokoll, dass für sie „Musikmachen wie Kotzen“ sei. Zumindest ich konnte dieses Unwohlsein, diese Unruhe emotional spüren. Ein recht krasser Kontrast zum am Dienstag besuchten Moritz Krämer- und We Invented Paris-Konzert… Nach einem Zugabenblock von vier Songs, von denen die 23-jährige drei solo am Piano zum Besten gab, war Schluss – und das auch keine Minute zu früh. Versteht mich nicht falsch, Dillon und ihr Begleiter haben ihre Sache gut gemacht, nur hätten ihre Songs in dieser Form vom Gefühl her wohl besser ins Berliner Berghain gepasst als zu einem Sitzkonzert im Theatersaal.

Draußen ergoss sich der Regen über das das Centraltheater verlassende Publikum, über mittelalte Herrschaften in feiner Abendgarderobe, Studenten, Musikinteressierte und Bilderbuch-Hipster. Wie passend, irgendwie. Hände in den Taschen, sich mit Kapuzen und Schirmen schützend, diese Stimme noch im Kopf nachhallend, entschwanden alle in den Leipziger Abend…

Da, wie ihr bereits gelesen habt, keine Fotos erlaubt waren – und ich, um ehrlich zu sein, während des Konzerts auch nicht den Drang verspürt habe, zu fotografieren – hier nur der Link zu Bildern von ihrem Auftritt in der Leipziger Skala im vergangenen Dezember…
 
Natürlich habe ich auch hier einige Hörproben von Dillon für euch. Die nachfolgenden Songs wurden 2011 während einer Live Session im Studio 8 in São Paulo, Brasilien aufgenommen:
 

 

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