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Sunday Listen: Frère – „Void“


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Nur mit seiner Gitarre und einer Handvoll Songs stand Alexander Körner unter dem Namen Frère jahrelang allein auf Bühnen, mal mit etwas mehr, mal auch mit deutlich weniger Publikum davor. Seine einfühlsamen Songs, die anstatt nach Depression und bedauerlichem Ruhrpott-Alltag irgendwo zwischen U-Bahn-Stationen und schalem Pils vielmehr nach Gelassenheit und unaufgeregter Vertrautheit klingen, werden mit einer dünnen Haut skandinavischer Kälte überzogen, die empfindsam erscheint und sich ohne größere Umschweife warm in die Hörerherzen einspielt. Was der junge Bochumer in den ersten drei Jahren – seit Erscheinen der 2014er EP „GHOST“ – im Alleingang fabrizierte, wurde spätestens beim 2017 veröffentlichten Debütalbum „Void“ zu einem Quartett aufgestockt. So bekommt der eigenbenannte Post-Folk durch seine Mitstreiter – Multi-Instrumentalist und Produzent Alessandro Marra, Jazz-Schlagzeuger Sebastian Grönheit sowie Gitarrist und Bassist Alan Kasab – noch mehr kreative Möglichkeiten, die die vier Musiker wie Brüder miteinander verbinden – Frère eben.

„’Void‘ vereint die Verspieltheit Efterklangs und den Postrock von This Will Destroy You mit der kompositorischen Finesse Bon Ivers.“

(Intro, Oktober 2017)

a0991223031_16Schon das Intro des Debüts mit seinen schmeichelnd-mystischen Synthesizer-Anklängen weist darauf hin, dass die nächsten Stücke nicht in Punkto Lautstärke überzeugen werden, sondern eine fragile Klangwelt langsam und dynamisch zum Blühen erwecken wollen, während die Schönheit des Moments in ausladende, clever umherwogende Arrangements gekleidet wird. Die Gitarre lenkt mit dem sanften Einsetzen der Elektronik und den taktbetonten Drums die Melodien in Richtung verträumten Indie-Pops wie dem Opener und Titelsong „Void“ oder fixiert den ausdrucksvollen Gesang der kleinen erzählerischen Geschichten, die oft sehnsüchtig bis melancholisch (mit sentimentalen Tränchen im Knopfloch) tönen. Die wortkarg betitelten acht Songs dazu, die in ihren besten, folkigsten Augenblicken an besinnliche Schwerenöter wie José González oder Ben Howard erinnern, spielen sich zumeist jenseits der ausladenden Fünf-Minuten-Marke ab und entführen Körners fordernde und doch einfühlsame Stimme in durchaus spannende, ungewöhnliche Gefilde. Das bereits erwähnte Titelstück etwa bemüht sich um Minimalismus mit dezent jazzigen Untertönen, und scheint trotzdem – und fast schon im Gegensatz dazu – immer noch eine Schippe bei Lautstärke und Eindringlichkeit zulegen zu können. Das kurze, jedoch intensive Noise-Finale ist die logische Konsequenz dieses Aufbaus, dem mit „Trains“ ein rein folkiger, herrlich unschuldiger Gegenpol zur Seite gestellt wird – ein auf seine reduzierte Art und Weise wunderschönes Stück Musik.

Wenn sich „Portugal“ weitestgehend ungestüm-laut und ins Weite blickend gibt und somit Einflüsse von Mogwai über Vega4 bis hin zu Caspian Sea Monster (ANEWFRIEND stellte die Chemnitzer Band vor ein paar Jahren vor) miteinander vermengt, ist das mindestens so unerwartet und doch urtypisch wie das düstere „Ghost“ oder das knappe, folkig-poppige „Child“ mit feinen Hall-Effekten und schüchterner Suche nach dem Sinn des Seins. „Book“ schlägt dem sprichwörtlichen Fass schließlich den Boden aus, lässt dabei erfreulicherweise – trotz stattlicher acht Minuten Spielzeit – kaum nennenswerte Längen entdecken und verneigt sich im grandiosen Finale sogar kurz vor Post-Rock-Kopfkinomeistern wie Godspeed You! Black Emperor oder Sigur Rós.

Auf gewisse, manchmal leicht unorthodoxe Weise bleibt „Void“ stets unberechenbar und geht vielleicht gerade deshalb so gut und traumhaft leicht ins Ohr. Der Hang zu ausladenden Arrangements bringt fast durchgehend kleine, charmante musikalische Perlen hervor – überraschende Wendungen, intime Folk-Momente sowie das ein oder andere kleine elektronische Experiment inklusive. Alexander Körner und seine Buddies von Frère zäumen das minimalistische Indie-Singer/Songwriter-Pferdchen von einer anderen, vergleichsweise weniger vertrauten Seite auf und fahren damit recht gut. Die Bochumer Band begeistert und bewegt von der ersten bis zur letzten Sekunde. Zerbrechlichkeit und Stärke müssen sich eben nicht zwingend gegenseitig ausschließen. Und da ebenjenes Debütlangspielwerk von Frère auch schon wieder knapp drei Lenze auf dem Buckel hat, wird’s wohl höchste Zeit, dass deutlich mehr Freunde der oben genannten Bands und Künstler das ein oder andere Ohr riskieren…

 

 

 

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Holy Hive – „Float Back To You“


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Homer Steinweiss, ein Soul/Funk-Schlagzeuger aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn, hatte schon immer ein Faible für Folk Music. Paul Spring, ein junger, idealistischer Folk-Sänger, der mit seiner Gitarre bereits durch das Land reiste, hatte in all diesen Bildern von einem bleichgesichtigen Sixties-Troubadour-HoBo à la Bob Dylan oder Hank Williams, die sich nun wohl unweigerlich vorm inneren Auge auftun, stets ein wunderschönes Falsettgesangsass in seiner Gesäßtasche. Und wie das Schicksal es manchmal, manchmal so will, trafen sich die Cousins im richtigen Moment bei einer Familienfeier. Zunächst produzierte Homer Steinweiss einige Soloplatten von Paul Spring, schließlich gründete das Duo Holy Hive. Für etwas mehr Rhythmus engagierten sie Joe „Tone“ Harrison am Bass und begannen, ihre ersten Stücke als Band aufzunehmen. Eine Tournee mit Soul-Legende Lee Fields sollte einen unerwarteten Effekt auf ihren Sound haben, da sie ihr Material nun vor einer Menge tanzwütiger Soul-Fanatiker testen konnten. Und brachte die ein oder andere Erkenntnis mit sich, die den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung bewirkte und einen Sound hervorbrachte, der in mach einem Moment nahezu einzigartig wirkt. Einen Sound, dessen Harmonien beinahe so formvollendet tönen, dass schlussendlich gar ein neues Genre dabei herausspringt: Folk-Soul (man korrigiere mich bitte, falls es das schon geben sollte!).

HolyHive_FloatBacktoYou-Cover_200319Und obwohl heute mit „Float Back To You“ das Debütalbum von Holy Hive erscheint, hat man es hier keineswegs mit noviziellen Newcomern zu tun. So trommelt Homer Steinweiss bereits seit 2000 professionell und hat seitdem den Backbeat zu Platten von Amy Winehouse, Bruno Mars, den Jonas Brothers oder Lady Gaga (um nur einige zu nennen) geliefert und mit Soul-Acts wie Sharon Jones & The Dap Kings und The Arcs die ganze weite Welt bereist. Trotz all diesen Erfahrungen ist Holy Hive die erste Band, die wirklich ihm gehört, und wer die Lauscher spitzt, der kann hören, wie sehr sie ihm am Herzen liegt. Paul Spring wiederum stammt aus einem kleinen Kaff in Minnesota, wo er seine prägenden Jahre damit verbrachte, altgriechische Mythologie zu studieren und Songs auf seiner Akustischen zu üben. Mit selbiger im Schlepptau tourte er anschließend jahrelang durch die heimatlichen Vereinigten Staaten, spielte mal hier, mal da Solo-Shows, um über die Runden zu kommen, oder gelegentlich Auftritte in Bibliotheken, um seine selbst veröffentlichte Kinderplatte „Home Of Song“ zu promoten.

Beim Hören ihres Debütalbums zeigen sich ihre unterschiedlichen Erfahrungen und Einflüsse denn auch recht schnell. Vom heftigen Downbeat der das Werk eröffnenden Lead-Single „Broom“ bis hin zum intimen Cover des Honeybus-Stücks „Be Thou By My Side“ zeigt „Float Back To You“ sowohl ihre jeweiligen Fähigkeiten als Songschreiber als auch ihre tadellose Musikalität. Auch Springs Vorliebe für die antike Mythologie zeigt sich an einigen Stellen des Albums und fügt dem Werk so eine weitere recht interessante Ebene hinzu. Auf „Embers To Ash“ etwa adaptieren Holy Hive das „Fragment 31“ des griechischen Dichters Sappho fürs Musikalische oder überarbeiten die irische Volksweise „Red Is The Rose“ vollständig zu einem modernen Two-Stepper. Ein weiterer herausragender Song ist der Fast-schon-Klassiker „Oh I Miss Her So„, welcher erstmals auf ihrer 2018 erschienenen „Harping EP“ zu hören war und auf dem die versierte Harfenistin Mary Lattimore und die Trompete von Dave Guy (The Roots) zu hören sind.

Freilich steht stets die prägnante symbiotische Verknüpfung des mal funky, mal bullig platziertem Drummings und der flatternden Folkgitarre, zu der sich neben Springs beseelt-zartem, aber auch gleichzeitig folk-affinen Gesang gerne vom Jazz geküsste Bläser(sätze) gesellen, im Zentrum der Songs, in denen es – bei aller Luftigkeit – massig zu entdecken gibt. Wenn man so mag, sind Holy Hive in der Tat Meister der Ebenen, einige davon tauchen stante pede an der Oberfläche auf, andere wiederum sind wie der Titelsong des Albums: zunächst meint man lediglich ein wunderschönes Liebeslied zu hören (und daran ist ja auch nix auszusetzen), nur um später herauszufinden, dass es im Grunde um das Nachhausekommen zu einer geliebten Katze geht. Und das mag vielleicht das Schönste und Aufschlussreichste an den Songs von Holy Hive sein: sie machen es einem gleich beim ersten Hören leicht, sie zu mögen, aber wenn man etwas mehr Zeit mit ihnen verbringt, fügen sich immer mehr Puzzleteile zu einem größeren Ganzen zusammen…

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: The Dears – „I Know What You’re Thinking And It’s Awful“


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Montréal. Rockband. Da denkt wohl fast jede(r) sofort an Arcade Fire, Post-Rock-Degustinatos eventuell noch an Godspeed You! Black Emperor. Dabei sollte – ja: müsste – Connaisseuren der kanadischen Musikszene schon seit Jahren der Name The Dears weitaus mehr als nur ein Randbegriff sein. Ein sattes Vierteljahrhundert gibt es die Band bereits, 2003 erschien ihr – gerade im retrospektiven Rückspiegel – gigantisches Debütalbum „No Cities Left“, das im Grunde ausschließlich aus epochalen Post-9/11-Hymnen bestand, deren Mixtur aus herbstlich-melancholischem, britisch gefärbtem Indie Rock und hinreißenden Streichern-Orchestrierungen mutmaßlich wohl sogar Größen wie Pulps Jarvis Cocker vor Rührung die Hornbrille beschlagen ließ.

Und wie so oft liegt hier die Crux: der große Anfangswurf bildet von nun an gleichzeitig die Messlatte. Wer wie die Band um das Ehepaar Murray A. Lightburn und Natalia Yanchak bereits so früh sein Limit erreicht, ja vielleicht sogar überschreitet, der hat’s von nun an verdammt schwer. Konnte der Nachfolger von 2006, „Gang Of Losers“, noch mit gesteigertem Popappeal und fantastischen (Einzel-)Songs glänzen (und stellenweise einmal mehr entzücken), wurde die Quote an richtig gelungenen Songs kleiner und die der durchschnittlichen und recht lieblosen Lieder von Veröffentlichung zu Veröffentlichung leider größer (wobei ich hier das fünfte, 2011 erschienene Studiowerk „Degeneration Street“ lobend von dieser Kritik ausnehmen möchte).

Ja, selbst als großer, langjähriger Fan dieser Band war es schwer, da stets mitzugehen. Erschwerend kam hinzu, dass Lightburn, Yanchak und Co. auch immer seltener durch Deutschland tourten. Zwischen den letzten beiden Berlin-Shows etwa, die jeweils 2006 und 2017 stattfanden, verging zu viel Zeit, um ein neues Indie-Publikum mit Musik zu füttern, und so war die letzte Show im Berliner Privatclub schlecht besucht und auch die Band „glänzte“, wie man vielerwebs las, mit derart erschreckender Lustlosigkeit, aufgesetzten Rockposen und gruseligem Live-Sound, dass wohl nicht wenige der Besucher diese Show zur letzten der Band (zumindest mit ihnen) erklärten. In diese Phase fielen auch die letzten zwei, 2015 beziehungsweise 2017 veröffentlichten Alben „Times Infinity Volume One“ und „Volume Two“, denen man im Gros passenderweise ebenjene fehlende Spannung und innere Konsistenz anhörte.

71cXE1KekwL._SS500_Nachdem sich der zum Workaholic neigende Frontmann Murray A. Lightburn im vergangenen Jahr auf seinem zweiten Solo-Werk „Hear Me Out“ deutlich reduzierter und bluesiger austoben konnte, kehrt die Band, die im Grunde nur aus besagtem Kreativ-Ehepaar und einer permanent wechselnden Belegschaft an Mitmusiker*innen besteht (seit 1995 wechselten sich sage und schreibe 21 verschiedene Kreative an den Instrumenten ab), mit ihrem nunmehr achten Album „Lovers Rock“ zurück. Und nach dem eher mäßigen Output der letzten Jahre (sowie dem jüngst im britischen NME erschienenen Quasi-Verriss) war es wohl keinem zu verdenken, dem Ganzen mit guter Skepsis zu begegnen. Jedoch: hört hört – das neue Album ist richtig, richtig gut geworden! Und wäre nicht Corona über die Welt, die Lightburn und seine The Dears hier einmal mehr mit düster-dystopischen Bildern besingen, gekommen, so hätte man bereits im April Montréals schönste Band – sorry, Arcade Fire! – mit diesem Werk auf deutschen Bühnenbrettern bewundern dürften – Spielfreude und Motivation freilich vorausgesetzt.

Lovers Rock“ benötigt mit dem Opener-Doppel aus „Heart Of An Animal“, einem epischen Stück, wie maßgeschneidert für eine Pandemie, und „I Know What You’re Thinking And It’s Awful“ auch keinerlei Anlaufzeit, bis sich die Ohrwürmer in den Gehörgängen entfalten. Der grundlegende Sound gerät rauer als zuletzt und wie mit einem kaputten Radiergummi scheinen alle überladen-schmalzigen, leidlich gelungenen Popskizzen der Vorgängeralben zu einem jugendlich-brillanten Werk verschmiert. Die Songs verlaufen nicht mehr linear oder gewollt verkünstelt. Angetrieben von dichten Gitarrenriffs wird so eine Stimmung erzeugt, die oft genug an Rock-Hymnen der Neunziger und Nuller-Jahre erinnert. Auch „No Place On Earth“ befasst sich mit der Tragik der Vergänglichkeit, der Unwissenheit, wohin das alles führen wird, und komplementiert damit das Gesamtbild der Gesamtsituation. Noch treffender wird es dann in „Play Dead“, einem apokalyptischen Love-Song, welcher eine unsagbare Schwere ausstrahlt. Das jazzige „Stille Lost“ als Dreh- und Angelpunkt der zehn neuen Stücke ist raffinierter Darling und beinahe erdrückend schön, und der feine Abschluss „We’ll Go Into Hiding“ hat genug Drive, um einen für eine längere Weile – einem Satelliten gleich – um den bandinternen Backkatalog kreisen zu lassen.

Klare Sache, das – da hat eine Band wieder Blut geleckt und keinerlei Lust (mehr), irgendwem gefallen zu wollen. Das tut jeder Sekunde des auch mit 43 Minuten verdammt kurzweilig geratenen Albums gut, welches thematisch mit Themen-Komplexen wie Isolation und Überlebenskampf unerwartet auf der Höhe des Zeitgeists operiert und schlussendlich an so viele geliebte Einflüsse erinnert: Soul’n’Jazz, Morrissey und The Smiths, die Weezer der frühen Jahre, Blur (Lightburns Gesang ist da ohnehin naturgemäß verwandt) – und The Dears selbst zu ihrer Anfangszeit. „Orchestral Pop Noir“ nennt das die Band seit eh und je selbst. Wir verbuchen’s unter: Rückkehr zu alter Stärke.

 

 

„A true crime
It happened here
Better lay low till the coast clears

Your mother weeps
Your father cries
Out why in the middle of the night

Innocent
Can’t prove it
Malevolent hearts are seething

Entanglement
Web-weaving
Is there anybody
Worth deceiving here

I know what you’re thinking
And it’s awful
An abomination

Ooh I can’t forget it
I can’t forget it
I’m not over you…

Waited long
Maybe years
Fear against hope, hope against fear

But you and I
It’s do-or-die
Right now in the middle of the night

I know what you’re thinking
And it’s awful
An abomination

I’ll never let it go
I’m entitled
Even though you’re long gone

Ooh I can’t forget it
I can’t forget it
I’m not over you…

I know what you’re thinking
And it’s awful
An abomination

But I’ll never let it go
I’m entitled
Even though you’re long gone

Ooh I can’t forget it
I can’t forget it
I’m not over you…

I know I’m not over you
I said I’m not over you
I said I’m not over you
I’m not over you“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Matt Berninger – „Serpentine Prison“


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Als Sänger von The National ist Matt Berninger schon länger ein Name, den man auf dem Schirm hat (oder, falls bislang unerklärlicherweise noch nicht, dringend haben sollte). Nun hat der 49-Jährige US-Musiker sein erstes Soloalbum angekündigt, das am 2. Oktober erscheinen wird. Vorab veröffentlicht der dauermelancholische Brummler bereits heute den Titelsong „Serpentine Prison“ als Single.

29135Der Song entstand im Dezember 2018, kurz nachdem Berninger die Aufnahmen zum jüngsten The National-Album „I Am Easy To Find“ beendet hatte.  „Ich habe lange Musik für Film, Musials und andere Projekte geschrieben, bei denen ich in den Kopf einer anderen Person eindringen und ihre Gefühle vermitteln musste“, erzählt der umtriebige Musiker, der im vergangenen Jahr außerdem einen gemeinsamen Song mit Indie-Singer/Songwriterin Phoebe Bridgers veröffentlichte, über das Stück. „Das hat mir gefallen, aber ich war bereit, vor meiner eigenen Tür zu kehren, und das war die erste Sache, die dabei herausgekommen ist.“

Den Titel der Platte sowie des Titelstücks erklärt er denn wie folgt: Er „stammt von einem gewundenen Abwasserrohr, das in der Nähe des LAX (Los Angeles International Airport) in den Ozean abfließt. Am Rohr befindet sich ein Käfig, der verhindert, dass Menschen aufs Meer hinausklettern. Ich habe mit Sean O’Brien und Harrison Whitford an dem Song gearbeitet und ihn ungefähr sechs Monate später mit Booker T. Jones aufgenommen. Es fühlt sich an wie ein Epilog, also habe ich die Platte danach benannt […].“

Beim Musikvideo zum Song, in welchem Berninger mit andern Musikern bei der Arbeit im Studio zu sehen ist und dessen Aufnahmen im Earthstar Creation Center in Venice entstanden, war konsequenterweise sein Bruder Tom Berninger für die Regie zuständig. Über die recht komplizierte Beziehung der beiden in recht unterschiedlicher Art und Weise Kreativen gibt es sogar bereits einen abendfüllenden, 2014 erschienenen Doku-Film titels „Mistaken For Strangers„. Auch hier der Tipp: Wer es noch nicht getan hat, sollte sich selbigen unbedingt zu Gemüte führen…

Für das neue Album arbeitete Berninger neben seinen Bandkollegen von The National unter anderem mit Drummer Matt Barrick (The Walkmen, Jonathan Fire*Eater), Bassistin Gail Ann Dorsey (David Bowie, Lenny Kravitz), Multiinstrumental-Singer/Songwriter Andrew Bird sowie Brent Knopf zusammen, mit dem er bereits 2015 als EL VY ein Album veröffentlicht hatte. Produziert wurde „Serpentine Prison“ von Produzent und Multiinstrumentalist Booker T. Jones.

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Roger Waters – „Mother“ (quarantine version)


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Roger Waters hat am gestrigen Sonntag eine neue Version von Pink Floyds „Mother“ auf Twitter und Co. veröffentlicht. Ganz im Einklang mit den aktuellen Ausgangsbeschränkungen spielte der 76-jährige legendäre Rock-Musiker den Song, welcher seit langem fester Bestandteil von Waters Solo-Konzerten ist und vom 1979 erschienenen monumentalen Pink-Floyd-Konzeptwerk „The Wall“ stammt, gemeinsam mit den Musikern seiner aktuellen „Us+Them“-Tour-Band von deren aktuellen Rückzugsorten aus ein.

Waters teilte die neu aufgenommene Quarantäne-Version des Pink-Floyd-Evergreens zunächst auf seinem Twitter-Account und schrieb dazu: „Soziale Distanzierung ist ein notwendiges Übel in der Covid-Welt. Wenn ich mir ‚Mother‘ ansehe, erinnert es mich daran, wie unersetzlich die Freude ist, in einer Band zu spielen.“ 

„Mother“ ist jedoch längst nicht der erste Song, den Waters während der letzten Wochen in seiner Heimquarantäne aufgenommen hat. Im vergangenen Monat gab der ehemalige Pink-Floyd-Bassist bereits zwei andere Coverversionen zum Besten, darunter Victor Jaras „The Right To Live In Peace“ sowie John Prines „Paradise“, mit welchem er der kürzlich verstorbenen US-Country-Legende Tribut zollte.

Wie die meisten Künstler war auch Roger Waters aufgrund der globalen Coronavirus-Beschränkungen gezwungen, einige seiner Live-Konzerte in diesem Jahr abzusagen. Seine für Juli geplante „This Is Not A Drill“-Tour durch die Vereinigten Staaten wurde auf 2021 verschoben. Auf Twitter schrieb er dazu: „Ich musste meine Tournee auf nächstes Jahr verschieben. Schade, aber wenn es ein Leben rettet, ist es das wert.“

 

 

„Mother, do you think they’ll drop the bomb?
Mother, do you think they’ll like this song?
Mother, do you think they’ll try to break my balls?
Mother, should I build the wall?

Mother, should I run for President?
Mother, should I trust the government?
Momma, will they put me in the firing line?
Is it just a waste of time?

Hush now, baby, baby – don’t you cry
Momma’s gonna make all of your nightmares come true
Momma’s gonna put all of her fears into you
Momma’s gonna keep you right here under her
She won’t let you fly but she might let you sing
Momma’s gonna keep baby cozy and warm
Of course Momma’s gonna help build the wall

Mother. do you think she’s good enough… for me?
Mother, do you think she’s dangerous… to me?
Momma, will she tear your little boy apart?
Mother, will she break my heart?

Hush now, baby, baby – don’t you cry
Momma’s gonna check out all your girlfriends for you
Momma won’t let anyone dirty get through
Momma’s gonna wait up till you get in
Momma will always find out where you’ve been
Momma’s gonna keep baby healthy and clean
You’ll always be baby to me

Mother did it need to be so high?“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: The Lazy Susans – „R U OK?“


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Ein weiser Mensch sagte einmal, dass man Songs, die einen vom ersten Moment an gefangen nehmen, bis man völlig in ihnen aufgegangen und eins mit jedem Ton, jeder Sekunde geworden ist, festhalten, bewahren und für immer nah am Hörerherzen tragen sollte. Denn Songs, die eine solche fast schon einzigartige Reaktion in einem selbst hervorrufen, sind dazu bestimmt, geschätzt und weitergetragen zu werden und stellen eine der wenigen gleichsam direkten wie einfachen Freuden dar, die uns alle daran erinnern, wie gut es sich anfühlt, zu leben…

Ohne jetzt gleich ins Pastorale zu verfallen: Nicht wenige Musik-Geeks werden im vergangenen Sommer ein recht ähnliches Gefühl gehabt haben, als sie einen Song hörten, bei dem sie dieses vertraute Ziehen in und dieses Kribbeln auf der Haut spürten. Bei dem ihnen im ersten Moment die Worte fehlten, um zu erklären, warum er eine solche Wirkung auf sie hatte. Warum sie sich innerhalb weniger Augenblicke so sehr mit jenem Stück verwoben fühlten, das ihnen drei Minuten zuvor noch nichts bedeutet hatte. Und ebenjener Song war „R U OK?“, eine Single von The Lazy Susans.

a2364620560_16Was ein Bandname überhaupt… The Lazy Susans. Der hat wohl eher weniger etwas mit „einem drehbaren, im Allgemeinen kreisförmigen Tablett, das in der Tischmitte platziert wird, um das Bewegen der Speisen zu allen Gästen auf allen Seiten des Tisches zu erleichtern“ zu tun als mit der Tatsache, dass Frontfrau Antonia Susan (Gesang, Gitarre) und ihre Bandmates Kieren Turnbull (Gitarre), Wesley Reyes (Bass) und Ashlee Giblin (Schlagzeug) wohl einfach einen griffigen Bandnamen brauchten, der einerseits cool, andererseits jedoch auch slackermäßig genug war. Aaaaaand… that was it. Ihre Anfänge nahm die vierköpfige Band anno 2016 in den Blue Mountains Australiens, etwa eine Autostunde entfernt von Sydney (damals noch als Antonia & The Lazy Susans), und bevor sie ins wesentliche trubelhaftere Melbourne zogen, hatten sich The Lazy Susans bereits mit der „Closure EP“ und Songs, die ihre juvenilen Herzen allzeit auf der Zunge vor sich her trugen, einen Namen gemacht. Mit „Now That The Party’s Over“ haben die vier Emo-Indierocker im vergangenen August ihr Debütalbum veröffentlicht. Und es wäre doch gelacht, wenn von den oft genug recht persönlichen Geschichten lediglich ein paar nah am Tränensack geparkte Musik-Geeks Wind bekommen sollten…

Den Anfang macht gleich besagtes „R U OK?“, ein Song, der es einem mit seinen simplen Melodien und seinem ebenfalls einfachen, jedoch definitiv zu Herzen gehenden Zeilen leicht macht, sich an jenen Moment zurück zu erinnern, in dem man den Dreieinhalbminütiger zum ersten Mal hörte. An die Gänsehaut, die Antonia Susans Stimme bereits damals hervorrief. Aber auch an den Trost, das Verständnis dafür, dass jeder ab und an schwere Tage hat, an denen sich jeder Schritt wie unter Bleigewichten anfühlt. In die Kerbe „Coming of Age“ schlagen auch die nächsten Stücke, „Reaching Out“ und „If I Hurt You“, zweiteres gar mit bittersüß-sehnsüchtig ausgestreckten Armen, gen Firmament stürmenden Melodien und nahezu herzzerreißenden Zeilen wie „I don’t want you to think I’m a monster / Even though I am“ (ersteres trägt das Herz mit „Nobody ever told me how lonely being an adult would be“ kaum weniger leicht in der adoleszenten Brust). Mehr wild in selbiger Pochendes gefällig? Im bitteren Goodbye-Song „Nice Bones“ singt Susan „What gives you the right to say I’m wrong / When all I did was love someone different to you?“. Und auch das abschliessende „Joy“ erzählt davon, dass das Leben der Liebe manchmal in die Parade fährt: „Find what fills you with joy and hold on till you die / That’s the answer to having a good life“ (was anhand von das Stück eröffnenden Zeilen wie „I want you to know / I miss you more each day“ noch herzergreifender gerät).

Manch einer wird beim bewusst auf der guten Seite der Poppigkeit balancierenden Indie Rock des Melbourne-Vierers eventuell an eine Melange aus den Neunziger-Power-Alternative-Rock-Avancen von Everclear und der Direktheit einer jungen Courtney Love denken, wohl nicht wenige auch an Paramore (schließlich sind stimmliche Ähnlichkeiten zwischen deren Frontfrau Hayley Williams und Antonia Susan nur schwerlich zu überhören). Und dass die Australier ihrem musikalischen Nachwuchs irgendwelche Großartigkeitsvitaminchen ins Trinkwasser mischen, vermutet ANEWFRIEND aufgrund so vieler weiterer – und kaum weniger tollerBeispiele sowieso schon länger. Höchste Zeit also, dass noch mehr auf emotionalen Indie Rock geeichte Musik-Geeks Wind von The Lazy Susans bekommen, denn für Antonia Susan und ihre Bandmates hat die Party wohl gerade erst begonnen…

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„Waiting for time to pass, for your train to come, so you can head home
The cities filled with people are the loneliest of places, just looking for distraction but it’s just emotionless faces

Do you feel okay, my friend? I can see it in your face. That your peace of mind is slipping away

Is it okay to ask if you’re okay?
Is it okay to ask if you’re okay?
Is it okay to ask if you’re okay?
Is it okay to ask if you’re okay?

You light up a cigarette to try to ease the pain, it never goes away, it never goes away
Your lungs hurt because you self medicate twenty times a day
Do you feel comfort in empty spaces? Did you make it home? I hope you feel safe

Do you feel okay, my friend? I can see it in your face. That your peace of mind is slipping away

Is it okay to ask if you’re okay?
Is it okay to ask if you’re okay?
Is it okay to ask if you’re okay?
Is it okay to ask if you’re okay?

Your self, self destructive state
Your self destructive ways
Dear friend, I hope you’re okay“

 

Rock and Roll.

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