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Songs des Tages: Julien Baker / Biffy Clyro – „The Modern Leper“


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Etwa ein Jahr nach dem ebenso frühen wie tragischen Tod ihres Frontmanns Scott Hutchison haben die verbliebenen Mitglieder der schottischen Indierocker Frightened Rabbit mit „Tiny Changes: A Celebration Of The Midnight Organ Fight“ einen Tribute-Sampler angekündigt. Und obwohl der Anlass im Grunde janusköpfiger kaum sein könnte – sprich: das logische traurige Ende der glasgower Band einerseits sowie das zehnjährige Jubiläum ihres zweiten (Durchbruchs)Albums im vergangenen Jahr andererseits – gibt es trotzdem gleich siebzehnfachen Grund zur Vorfreude, schließlich versammelt die Trackliste (findet ihr weiter unten) viele prominente Freunde, die sich der Songs von „The Midnight Organ Fight“ annehmen und ihre ganz eigenen Interpretationen präsentieren – und das auch noch für einen guten Zweck…

 

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So versammelt die Liste der Beitragenden naturgemäß einige schottische Lads wie Biffy Clyro, The Twilight Sad oder Fiskur, schließt aber auch so einige, ebenfalls befreundete Künstler aus Rest-Großbritannien (etwa Daughter) und Nordamerika (etwa Josh Ritter oder The Hold Steady-Stimme Craig Finn) mit ein. So covern die Kanadier Wintersleep „The Twist“, Manchester Orchestra nehmen sich „My Backwards Walk“ vor, Death Cab For Cutie-Vorsteher Benjamin Gibbard spielt „Keep Yourself Warm“ nach und The National-Gitarrist Aaron Dessner schließt sich mit CHVRCHES-Sängerin Lauren Mayberry zusammen, um „Who’d You Kill Now“ zu interpretieren. Bereits hören kann man zwei Versionen von „The Modern Leper“, einmal von Biffy Clyro, einmal von Julien Baker (gibt’s weiter unten auf die Öhrchen).

Obwohl Frightened Rabbit-Sänger und -Hauptsongwriter Scott Hutchison im Mai 2018 verstarb, war der charismatische Musiker die Triebfeder hinter dem „The Midnight Organ Fight“-Jubiläumsprojekt, dessen Planungen seit 2017 liefen. So schreiben etwa Wintersleep in einem Facebook-Beitrag, dass Hutchison sie gebeten habe, eines ihrer großen Drum-Fills in das Cover von „The Twist“ einzubringen. Außerdem zeichnete er das Cover des Tribute-Samplers. James Graham von The Twilight Sad wiederum erinnert sich (ebenfalls via Facebook) an persönliche Begegnungen mit Scott Hutchison und Frightened Rabbit während der Zeit um 2008 herum, als die Glaswegian Lads kurz vor dem Durchbruch standen.

In den Monaten nach Hutchisons Tod hatten ihm zahlreiche Musiker und Freunde gedacht. So fand bereits im vergangenen Dezember in New York ein Benefiz-Tribute-Konzert unter namenhafter Beteiligung statt (von denen nun einige Künstler wie Julien Baker, Craig Finn oder Aaron Dessner ebenfalls wieder mit von der Partie sind), welches ebenfalls „Tiny Changes“ hieß. Und auch Death Cab For Cutie hatten den „The Midnight Organ Fight“-Song „My Backwards Walk“ im September 2018 als Spotify-exklusive Single gecovert.

„Tiny Changes: A Celebration Of The Midnight Organ Fight“ erscheint am 12. Juli und kann im Webshop von Frightened Rabbit vorbestellt werden (oder eben hier digital). Ein Teil der Einnahmen geht an Tiny Changes, die Charity-Organisation, welche Hutchisons Familie vergangenen Monat gegründet hatte, um mit dieser auf psychische Probleme und den Umgang damit speziell bei Kindern und Jugendlichen aufmerksam machen.

 

 

— TINY CHANGES: A Celebration of Frightened Rabbit’s ‘The Midnight Organ Fight’ —

17708201 Biffy Clyro – “The Modern Leper”
02 Oxford Collapse – “I Feel Better”
03 Fiskur – “Good Arms vs Bad Arms”
04 Right On Dynamite – “Fast Blood”
05 Josh Ritter – “Old Old Fashioned”
06 Wintersleep – “The Twist”
07 Peter Katis – “Bright Pink Bookmark”
08 Craig Finn – “Heads Roll Off”
09 Katie Harkin & Sarah Silverman – “My Backwards Walk”
10 Benjamin Gibbard – “Keep Yourself Warm”
11 Jeff Zeigler – “Extrasupervery”
12 Daughter – “Poke”
13 The Twilight Sad – “Floating in the Forth”
14 Aaron Dessner & Lauren Mayberry – “Who’d You Kill Now”
15 Julien Baker – “The Modern Leper”
16 Piano Bar Fight – “The Twist”
17 Manchester Orchestra – “My Backwards Walk”

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Manchester Orchestra – „I Know How To Speak“


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Eines muss man den Jungs von Manchester Orchestra ja lassen: stilistischer Stillstand ist für die Indierock-Band aus Atlanta, Georgia ein absolutes No-Go. Das bewiesen Andy Hull, Robert McDowell, Tim Very und Andy Prince zuletzt mit ihrem im Juli 2017 erschienenen fünften Studiowerk „A Black Mile To The Surface„, das es zwar – wie auf ANEWFRIEND bereits im März krittelnd (auf freilich hohem Niveau) zu lesen war – nicht ganz mit früheren Album-Großtaten wie „Mean Everything To Nothing“ oder „Simple Math“ aufnehmen konnte, dafür allerhand Songs enthält, die einem aufgrund ihrer – nicht selten stillen – Tiefe und Vielschichtigkeit von Durchgang zu Durchgang näher ans Hörerherz wachsen können…

500x500Selbiges dürfte denn auch für die vor wenigen Wochen nachgereichte „The Black Mile Demos EP“ gelten, welche einige neue Stücke sowie Songs in alternativen Versionen enthält, welche bei den Aufnahmen zu „A Black Mile To The Surface“ entstanden waren. Etwa das tolle „I Know How To Speak“, zu dem Andy Hull und Co. nun wiederum weitere Versionen (wie eine akustische oder instrumentale) nachgereicht haben.

„This song was originally and roughly formed a few years ago, about the impending weight of the future; it almost made it onto Black Mile, but hadn’t fully formed yet. We spent some solid time this year revisiting and reworking and recording the song into its final state. I found it inspiring to work on this song right before the birth of my son, which was and is beautiful impending weight.“ (Andy Hull)

 

Hier gibt es den Song in der Studioversion…

 

…sowie in der akustischen Variante:

 

Außerdem haben Manchester Orchestra unlängst eine gut halbstündige Dokumentation ins weltweite Netz gestellt, welche die Band bei der Entstehung des letzten Albums, das das Quartett gemeinsam mit Produzentin Catherine Marks in den Echo Mountain Studios in Asheville, NC aufnahm, begleitet:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Manchester Orchestra – „No Hard Feelings“


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Foto: Nolan Knight

Eines darf man guten Gewissens feststellen: Manchester Orchestra beweise aktuell ein sehr gutes Händchen in Punkto Coverversionen.

Nicht nur unterzog der Indie-Rock-Vierer aus dem US-amerikanischen Atlanta, Georgia unlängst den Nada-Surf-Evergreen „Blizzard Of ’77“ einer dezent elektronisch angehauchten Eigeninterpretation (für den feinen Tribute-Sampler „Standing At The Gates: The Songs of Nada Surf’s Let Go„), sondern nahm auch – gemeinsam mit der kaum weniger großartigen Julien Baker – eine neue Version den Pedro-The-Lion-Songs „Bad Things To Such Good People“ auf, deren immanent meditative Melancholie durchaus das ein oder andere Tränken zum Rollen bringen könnte.

Dass „A Black Mile To The Surface„, das im vergangenen Juli veröffentlichte fünfte Studiowerk der Band um Frontmann Andy Hull, angesichts der – zumindest meinerseits –  früheren Album-Großtaten wie „Mean Everything To Nothing“ oder „Simple Math“ kaum einen Song enthielt, der wirklich über längere Zeit in den Gehörgängen haften blieb, mag man schade finden. Oder eben als Herausforderung sehen, dem neusten Werk noch weitere Durchgänge zu erlauben, um eventuell weiter zu wachsen…

Denn dass Andy Hull, Robert McDowell, Tim Very und Andy Prince auch 2018 noch für massive Gänsehaut sorgen können, beweisen sie nun erneut mit einer Coverversionen: „No Hard Feelings“ stammt im Original von den Avett Brothers (und derem 2016er Album „True Sadness“ und gerät in der Manchester-Orcherstra’schen Variante – und unter Einsatz von stripped back Synthie-Sätzen, über die sich Andy Hulls  markerschütternde Stimme spannt – zu einem melancholischen Ruhepol sondergleichen… Well done, guys!

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Manchester Orchestra – „The Alien“


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Obwohl es in den letzten Jahren etwas stiller um Manchester Orchestra geworden ist, dürfte es wohl kein Geheimnis sein, dass die vierköpfige Band aus Atlanta, Georgia zu meinen absoluten Herzensbands zählt und mindestens die beiden Alben „Mean Everything To Nothing“ (2009) sowie „Simple Math“ (2011) auch heute und in gefühlten einhundert Jahren noch über jeden Zweifel erhaben sind – man höre nur Songs wie „Shake It Out„, „Simple Math“ oder „Virgin“ und staune…

Dass „still“ nicht unbedingt „stillstehend“ bedeutet, zeigt sich nun, denn Frontmann Andy Hull, der nebenbei noch gut beschäftigt mit seinem Solo-Projekt Right Away, Great Captain!, dem zweiten Band-Projekt Bad Books (bei dem unter anderem auch der nicht minder tolle Kevin Devine mitspielt) sowie dem Soundtrack zum spleenigen Film „Swiss Army Man“ war, sowie Robert McDowell, Tim Very und Andy Prince haben fleißig am Nachfolger zum 2014 erschienenen Album-Doppelschlag „Cope“ / „Hope“ (das eine die stürmische, das andere die ruhige Seite) geschraubt.

0888072031326Glaubt man den ersten Vorboten zum am 28. Juli erscheinenden sechsten Werk „A Black Mile To The Surface„, welches von Catherine Marks (PJ Harvey, The Killers) und John Congleton (St. Vincent, Explosions In The Sky, Strand Of Oaks) produziert wurde, so hüllen sich die elf neuen Stücke in eine um einiges atmosphärischere Soundschicht als noch etwa „Cope“. „The Gold“ etwa treibt über viereinhalb Minuten gemächlich voran, ohne wirklich je auszubrechen. Zwischendurch schlagen die Gitarren leichte Wellen, lassen den Song luftig klingen und geben Sänger Andy Hull ausreichend Raum für dessen weiche Stimme.

Aus ganz ähnlich balladeskem Kerbholz haben Manchester Orchestra auch den zweiten Vorboten „The Alien“ geschnitzt: Ganz sacht erzeugen die Instrumente schüchterne Indierock-Melodien, über die Hull zerbrechlich singt. Der Song erzeugt mit Piano-Einsprengseln und hallenden Vocals eine leicht träumerische Atmosphäre, in seinen fünfeinhalb Minuten wagt auch „The Alien“ es nicht ein einziges Mal, auch nur kurz auszubrechen – wäre da nicht Hulls dezent hohes Gesangsorgan, man könnte glatt die Chef-Melancholiker von The National hinter dem Song vermuten (allerdings könnten die stimmlichen Unterschiede zwischen Andy Hull und Matt Berninger größer kaum sein). Inhaltlich geht es in dem Stück darum, welche kleinen und großen Effekte die eigene Familie auf einen ausübt. Der Clip setzt die Geschichte eines Mannes, der laut Hull „eine hochmütige Entscheidung mit schlimmen Konsequenzen fällt“, in einem erzählerischen Video um. Das Musikvideo läuft rückwärts und zeigt dabei alte Aufnahmen eines glücklichen kleinen Mädchens mit ihrer Mutter sowie Bilder aus der Gegenwart, in denen sie erwachsen ist. Zu Beginn liegt die junge Frau im Garten vor ihrem Haus, später zeigt das Video, wie sie dorthin herunterstüzte. Ein Mann wird dabei immer nur kurz, unzufrieden und leer aussehend eingeblendet.

Zwei Vorab-Songs von „A Black Mile To The Surface“, zwei Beweise, dass sich Manchester Orchestra klanglich dehnen und weiterentwickeln können, ohne auch in ruhigeren Gefilden allzu viel an Intensität einzubüßen. Ob denn die bisher so geliebten Alternative-Rock-Anwandlungen von Andy Hull und Co. ebenfalls aufs neue Album zurückkehren werden? Man darf gespannt sein…

 

 

„The lights were low enough you guessed
You swapped your conscience with your father’s medication
Limped from Rome to Lawrenceville
And on the way wrote out a self made declaration
And when you got to Pleasant Hill
You forced the traffic to erase your family demons
And made a pact with you and god
If you don’t move I swear to you I’m gonna make ya

Do you need me?

When the first officer arrived
It happened to be the high school bully of your brother
When you finally recognised
You felt some guilt that you had even let him touch you
„Can you hear me, what’s your name?“
You could not speak just laid amazed at all the damage
As the high school’s letting out
All the kids are saying the same thing that they used to

It’s an alien…

The lights are low enough you guessed
Hospital food, there’s never enough medication
The doctor asked about your ears
You said your mom said you were made from a revelation
The revelation never scares
Your fear came from your drunken dad and a pair of scissors
„Were you just finally letting go?“
„Did you mean to take out all those people with you?“

Didn’t mean to…

Oh I didn’t mean to…

Time is here to take your last amendments and believe them on your own
Time is here to take you by the hand, and leave you there alone
Time has come to take the last commandment and to carve it into stone
Time has come to take you by the hand, and leave you here alone“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Microwave – „Vomit“


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Sex, Kirchenchor, Shooting Range, knutschende Teenies, Rednecks beim Wrestling – es ist ein Panorama der kulturellen Gegensätze und des alltäglichen Wahnsinns der USA, das Microwave im Video zu „Vomit“ aufspannen. Dazu gibt es zunächst warm perlende Indie-Gitarren und den sehnsüchtigen Gesang von Nathan Hardy zu hören, bevor der Song nach der Hälfte in wüstes Posthardcore-Gebrüll zu hymnisch stürmenden Gitarren kippt.

Auch sonst pendeln Microwave, deren Bandname nicht unbedingt einen Preis für Kreativität einstreichen dürfte, auf ihrem Ende September erschienenen zweiten Album „Much Love“ zwischen wonnigem Neunziger-Jahre-Emo und feinfühligem Indierock, in den aber immer wieder Grunge und Posthardcore kleine Spitzen einflechten. Fans von Bands wie Dikembe oder Balance And Composure, aber auch Brand New oder Manchester Orchestra dürften mit diesem Sound gleichermaßen glücklich werden.

Während der Sound das Leben sonnig-sehnsuchtsvoll zu feiern scheint, steckt inhaltlich mehr Melancholie und Nachdenklichkeit in „Much Love“. „Die Platte handelt davon, das zu hinterfragen, mit dem man aufgewachsen ist“, erklärt Sänger und Gitarrist Nathan Hardy. „Ich bin strikt religiös aufgewachsen und entdeckte eines Tages, dass ich mich nicht mehr damit identifizieren kann. Ich erkannte, dass alles, was mir durch sechs Kirchenbesuche pro Woche und den Konsum von Disney-Filmen beigebracht wurde, die Idee der ‚Glücklich bis an ihr Lebensende‘-Romanze, eben keine universellen Wahrheiten sind. Ich habe festgestellt, dass es eben keinen klar definierten Sinn des Lebens gibt und dass ich eine neue Grundlage für mein Leben schaffen musste.“

Damit klingt die neue Platte der 2012 in Atlanta, Georgia gegründeten Band schwerer als der Vorgänger „Stovall“ von 2014 – aber doch immer ein wenig optimistisch.

 

 

Wer mag, der kann sich das neue Microwave-Album „Much Love“ via Bandcamp (genauso wie den Vorgänger „Stovall„) in Gänze zu Gemüte führen:

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Animal Flag – EP1 + EP2 (2014/2015)

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Kinder, wie die Zeit vergeht… Indiz No. 1: Die Veröffentlichung von „LIFTED or The Story is in the Soil, Keep Your Ear to the Ground“, dem vierten Album von Conor Obersts damaliger Haupt- und Herzensband Bright Eyes, liegt bereits mehr als dreizehn Lenze zurück. (Wirklich so lang schon? Ja, so lang schon!) a3729195544_5Indiz No. 2: Morgen jährt sich zum ersten Mal der Tag, an dem ANEWFRIEND ein Band gewordenes Ein-Mann-Projekt „auf den Radar“ schob: Animal Flag. Der regelmäßige Leser diesen bescheidenen Blogs (oder die mit ausgeprägt gutem Erinnerungsschatz… oder die, die um die Funktionalität eines Links wissen) ahnt es ja bereits: da besteht durchaus ein Zusammenhang.

Und natürlich lässt das nahezu entsetzte Räuspern der Conor-Oberst-Jünger bei Vergleichen mit ihrem „Messias“ nicht lang auf sich warten. Götzenschindluder! Blasphemie! Übertreibung! Anmaßung! Wer sich jedoch die Zeit und Ruhe nimmt, genauer hinzuhören, der wird in der Tat so allerhand Parallelen entdecken. Versprochen? Versprochen.

So hat auch Animal Flag, das aus Boston/NY stammende Bandprojekt von Frontmann Matthew „Matt“ Politoski, – ganz ähnlich wie Bright Eyes – seit seinen ersten (digitalen) Gehversuchen im Jahr 2009 so einige Wandlungen vollzogen, die mal lo-fi-instrumental verspielt (das Albumdebüt „Flood of Sunlight„), mal singer/songwriter-mäßig und in Bright Eyes’scher Tradition verhaftet (das Album „Everything Will Be Okay“ von 2012 – manch einer mag auch Elliott Smith raushören), mal wie eine folkloristische Variante von Sufjan Stevens mit einigen elektronischen Versatzstücken (das Album „The Sounds of Sleep“ von 2013) ausfielen. (S)Ein letztes Update erfuhr der Bandsound mit der Veröffentlichung der beiden „Animal Flag EPs“ (Teil eins erschien im September 2014, Teil zwei im November diesen Jahres), auf welcher Politoski und seine Bandkumpane – ordentlich produziert und abgemischt – den indierockenden Livesound von Animal Flag in den Fokus stellen. Einfache Begründung: „Mein Ziel bei der EP war es, etwas herauszubringen für die Leute, die zu unseren Shows kommen und danach noch etwas mit nach Hause nehmen können, das das Erlebnis während der Show repräsentiert. Für eine ganze Weile kamen Menschen zu unseren Auftritten und sahen da diese laute Rockband, oder wie auch immer du es nennen magst, und kauften eine CD von einem Folk- oder Elektronik-Album, die wir in der Vergangenheit aufgenommen haben, von denen wir jedoch keinerlei Songs gespielt haben.“.

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Foto: Nick DiNatale / Facebook

Mehr Parallelen gefällig? Gern! Man nehme nur Matt Politoskis Gesangorgan, das dem von Conor Oberst erstaunlich nahe steht. Oder dessen Texte, die mal zwischen Melancholie und Außenbetrachtung, mal zwischen Hoffen und Bangen, Lieben und Leiden pendeln, und auch – dies dürfte wohl Politoskis religiösem Elternhaus geschuldet sein – die ein oder andere nicht unkritische Glaubensmetapher nicht aussparen. Wer’s bei Conor Oberst und all seinen Haupt- und Nebenprojekten (solo, Bright Eyes, Desaparecidos, Monsters Of Folk) kritisch sieht, der darf gern behaupten, dass nicht wenige von Politoskis Songs die Qualität liefern, die der 35-Jährige (also Oberst) seit Jahren zu selten hinbekommt. Klar sollte man von einem Thirtysomething – obendrein glücklich verheiratet und Familienvater – nicht dieselben Teenage-Angst-Hymnen der Jugend erwarten. Klar verändern sich mit den Jahren Geschmäcker wie Weltsichten. Aber trotz allem ließen vor allem Obersts letzte (Solo-)Veröffentlichungen der letzten fünf Jahre – von „Outer South“ bis „Upside Down Mountain“ – den Schwung vermissen, den früher noch beinahe jedes Stück um die Ecke brachte (die letzten Bright-Eyes- und Desaparecidos-Alben waren glücklicherweise weitaus besser). Abschreiben sollte man Conor Oberst ja ohnehin nie. Aber wenn das eine Triebwerk versagt, so ist es durchaus legitim, sich Ersatz zu besorgen, oder?

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Und den bieten Animal Flag in der Tat in adäquater Weise, vereinen sie doch spätestens mit ihrem jüngst komplettierten EP-Doppel so ziemlich alle Klangwelten des großen (potentiellen) Vorbilds: Oberst Singer/Songwriter-lastige Alt.Folk-Ausflüge (der Anfang von „Borrowed Bones“ und das von Streichern getragene „Mercy“ auf EP1), der derb ausfransende Hauruck-Rock der Desaparecidos (der Großteil der EP2), die tiefe, stille Melancholie, die etwa dem zehn Lenze jungen Bright-Eyes-Werk „Digital Ash In A Digital Urn“ innewohnte („Prone“, das Schlussstück der EP2). An allen Ecken und Enden haben Politoski und seine Band Haken und Ösen versteckt, die jedes der zehn Stücke interessant machen – der Fahrtwind, den bereits „St. Cecilia’s“, der Opener der ersten EP, aufnimmt, vollmundige Bandchöre wie bei „Sensation“ oder „Mercy“, den Wandel vom Pedal-Steel-Alt.Folker zum Gitarrensolo-Brecher, welchen etwa „Borrowed Bones“ innerhalb seiner knapp fünf Minuten nimmt, die zehnminütige Stop-and-Go-Karthasis von „Cathedrals“, den stillen Ausklang mit „Prone“. Ausfälle? Fehlanzeige. Und auch für die, die Wert auf feines Textgut legen, hat Politoski Einiges an Bord, wie etwa in „St. Cecilia’s“ („Iʼve over heard a number of conversations  / Of people bitching about the rain / So Iʼve learned to love the storm clouds and hazy weather / Cause Itʼs just another thing we canʼt change / Iʼve been listening to prophets, the broken hearted Iʼve been learning something new everyday / And thereʼs a lesson thatʼs been ringing for weeks in my head / Donʼt ever trust a heart you canʼt break“) oder in „Cathedrals“ („I’ve been a slave for most of my life / 
To the things that I want, I am chained tight / It’s true that the punishment must fit the crime / Some call this living, I’m just doing time“).

Innerhalb der zusammengefasst ordentlichen Langspielerlänge einer Dreiviertelstunde decken Animal Flag damit eine gehörige klangliche Bandbreite ab und mausern sich mit diesen zwei EPs wohl endgültig von Politoskis Ein-Mann-Schlafzimmer-Projekt zur vollwertigen Band, die vor allem auf der zweiten EP Referenzen wie Manchester Orchestra näher steht als Conor Oberst. Aber lassen wir noch die Vergleiche – verstecken müssen sich Animal Flag mit diesen Songs nämlich keinesfalls.

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Auf der Bandcamp-Seite von Animal Flag kann man sich beide EPs in Gänze anhören…

 

…und für Freunde des schmalen Geldbeutels hält die Band alle Veröffentlichungen – die zweite EP einmal außen vor – im „Pay what you want“-Prinzip zum Download aufs heimische Abspielgerät parat.

 

Wer sich auch einen optischen Eindruck machen möchte: hier gibt’s das offizielle Musikvideo zur Eröffnungsnummer von EP1, „St. Cecilia’s“…

 

…und eine Live Performance von „Sensation“:

 

Rock and Roll.

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