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Song des Tages: Kettcar – „Weit draußen“


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Foto: Promo / Andreas Hornoff

Ich weiß sehr genau, dass ich mich mit solchen vollkommen wahren Thesen zum x-ten Mal wiederhole, aber: wenn es eine Band im deutschsprachigen Raum recht verlässlich beherrscht, teilweise schonungslos direkte Sozialkritik in tolle indierockende Musik und diese wiederum instant in einen Kloß im Hals zu verwandeln, dann sind es wohl Kettcar (und falls diese einmal verdient pausieren, wird’s wohl deren Frontmann Marcus Wiebusch gewesen sein).

50b774f7-KettcarEP2019Final.jpgDas war auf dem letzten, 2017 veröffentlichten Album „Ich vs. Wir“ (welches es unter ANEWFRIENDs „Alben des Jahres“ schaffte) so, und ist auch auf der im März (digital) beziehungsweise vor wenigen Tagen (physisch) nachgereichten EP „Der süße Duft der Widersprüchlichkeit (Wir vs. Ich)„, die an die gesellschaftskritischen Inhalte des Albums auf der Mikroebene anknüpft, kaum anders. Songs wie „Palo Alto“ oder „Scheine in den Graben“ (bei dem die illustre Gästeliste im Verlauf des Songs Schorsch Kamerun von Die Goldenen Zitronen, Jen Bender von den Electro-Trashern Großstadtgeflüster, Die Ärzte-Schlagzeuger Bela B., Jörkk Mechenbier von Love A, Rapperin Sookee, Kraftklub-Sänger Felix Brummer, Marie Curry von den Hamburger HipHoppern Neonschwarz, Gisbert zu Knyphausen, Safi und David Frings von Fjørt in Kurz-Features abarbeitet) mögen zwar (bewusst) mit dem ein oder anderen Klischee spielen, sind aber vor allem: wichtig. Ebenso wie die 2001 gegründete Hamburger Band, wenn man so mag das gute schlechte Gewissen des deutschen Indierocks (was wiederum auch schon für Wiebuschs etwas mehr Richtung Schrammel-Punk angesiedelte Vorgängertruppe …But Alive galt). Neustes – und wohl der EP bestes – Beispiel ist der Abschlusssong „Weit draußen“.

Musikalisch sowie von seiner Grundstimmung her bewegt sich das Stück  wohl irgendwo zwischen „Erinnert sich jemand an Kalle Del’Haye“ von …But Alive und „48 Stunden“ von Kettcar: Im Zentrum stehen eine Akustikgitarre und Marcus Wiebuschs eindringlicher (Sprech-)Gesang, drumherum strickt die fünfköpfige Band vorsichtig etwas reduziertes Beiwerk. Der Text ist dafür umso niederschmetternder: Der Erzähler besucht eine alte Freundin, die mit ihrem behinderten Sohn vor dem Mitleid ihrer Umgebung aufs Land geflohen ist und nun Sätze sagt wie „Ich schwör‘, ich liebe mein Kind / Aber ich hasse mein Leben“. Sätze, die einem die Kehle zuschnüren. Die nachwirken. All die Wut, die Scham, die Verzweiflung und Verlogenheit einer solchen Situation wird immanent spürbar. Kloß im Hals? Ad hoc.

Das nun an die Hand gegebene dazugehörige Musikvideo setzt seines Zeichens ganz auf Kontemplation: Der Clip zeigt einfach nur die Autofahrt der Hauptfigur (Marcus Wiebusch) zu besagter Freundin aufs Land – und automatisch macht sich der Zuschauer auch jene Gedanken des „Elendstouristen“, der daran verzweifelt, wie er mit der Situation umgehen soll – und als Außenstehender – glücklicherweise – nie so ganz dieses Leben eines Elternteils eines behinderten Kindes nachvollziehen können wird. Mit all seinen Entbehrungen, aber auch schönen Tagen voll kleiner Freuden. „Zeig‘ mir einen Helden / Und ich schreib dir ’ne Tragödie…“ Uff.

 

 

„Ich weiß, du meintest, es wäre sehr weit draußen
Aber so weit draußen? Ist doch völlig verrückt!
Hier zieht man hin, wenn man nie mehr gefunden werden will
Es ist so still…

Der Garten ein Urwald, das Haus eine Hütte
Fenster und Türen mit dem Mut zur Lücke
Du trittst raus, dezentes Makup, einfach schön
Eine lange Umarmung
Es tut so gut, dich zu seh’n!

Und dann sitzen wir mit unseren wiederkehrenden Gefühlen
Auf so etwas wie Gartenstühlen, aus dem letzten Jahrhundert
Aus der Zeit gefallen, und für immer verändert
Und du fragst mich: ‚Welcher Tag ist eigentlich heute?‘
Das Babyphone zwischen uns macht so friedliche Geräusche
Der Kleine schläft, so leise und friedlich

‚Ich konnt‘ dein Mitleid nicht mehr ertragen.‘
Der Satz von dir aus dem Nichts
‚Wie ihr mein Kind angesehen habt, und dann mich
Nicht zu ertragen.‘

Du sagst: ‚Manchmal ist es hart, doch meistens OK.‘
Und ich weiß, dass du dir das nicht vorstellen kannst
Mit wie wenig man lernt, auszukommen
Wenn man nichts mehr verlangt
Wir erkennen die Lügner, wenn wir sie sehen
Nicht an der Stimme, nur an den Augen
Im Sturm auf schwankendem Boden
Und fehlendem Glauben
Du bist keiner von ihnen
Du bist niemand von denen
Wenn du Sätze sagst, wie:
‚Ich schwör‘, ich liebe mein Kind
Aber ich hasse mein Leben!‘

Auf der Rückfahrt mitten in der Nacht rechts ran
Auf einer Landstraße im Niemandsland
In der Dunkelheit jeden einzelnen Gott verflucht
Und trotzdem fast zu beten versucht
Die Fäuste aufs Lenkrad, der Kopf hinterher
Wo kommen jetzt bitte die Scheißtränen her?
Nur ein Elendstourist, der nur ahnt wie es ist
Und das Ganze ganz schnell vergisst

Aber deine Sätze noch im Ohr
Deine Sätze, wie Handgranaten
Die Chance war halt Eins zu zwei Millionen
Dass der Kleine genau damit geboren wird
Die Chance war da und wir waren halt dran
Und nun durchhalten
Und tun, was man kann

Ja, jeder kann glücklich werden, ja ja
Aber nicht alle
Ja, jeder kann glücklich werden
Aber nie, nie, nie alle

Und beim Abschied dann der übliche Scheiß:
‚Wir sehen uns bald wieder!‘
Und ich weiß, dass du weißt, dass das nicht passieren wird
Nicht so bald
Der Elendstourist weiß, wie das ist
Wir erkennen die Lügen nicht an der Stimme
Nur an den Augen

Du sagst: ‚Manchmal ist es hart, doch meistens OK.‘
Und ich weiß, dass du dir das nicht vorstellen kannst
Mit wie wenig man lernt, auszukommen
Wenn man nichts mehr verlangt
Wir erkennen die Lügner, wenn wir sie sehen
Nicht an der Stimme, nur an den Augen
Im Sturm auf schwankendem Boden
Und fehlendem Glauben
Du bist keiner von ihnen
Du bist niemand von denen
Wenn du Sätze sagst, wie:
‚Ich schwör‘, ich liebe mein Kind
Aber ich hasse mein Leben!‘

Zeig‘ mir einen Helden
Und ich schreib dir ’ne Tragödie…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Enno Bunger – „Bucketlist“


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Enno Bunger: guter Typ. Ja, im Ernst – bereits seit Bestehen dieses bescheidenen Blogs ist der Hamburger Liedermacher ein gern gehörter Gast in meinen Lauschern sowie sicherer Kandidat für den ein oder anderen Besuch in meiner Playlist…

60346108_10157507537598783_1118283628451725312_oInsofern bin ich dementsprechend gespannt auf das nun für den 26. Juli angekündigte vierte Album „Was berührt, das bleibt.„, seines Zeichens Nachfolger des 2015er Werks „Flüssiges Glück„, welches seinerzeit unter anderem den auch heute noch großartigen – da mit klarer Kante und Meinung vorgetragenen – Song „Wo bleiben die Beschwerden?“ enthielt. Wohin die musikalische Reise von und für Enno, der den neuen Longplayer vor wenigen Tagen mit den Worten „Uff. Mir fällt ein Riesenalbum vom Herzen.“ ankündigte, gehen wird? Das Vorbote „Bucketlist“ gibt ein erstes, nicht eben schlechtes Indiz…

Zu kraftvoller, mal gen Indiepop, mal gen Indierock pendelnder Instrumentierung, welche sich irgendwo zwischen seinen letzten Alben oder etwa Caspers tolle Durchbruchswerken „XoXo“ und „Hinterland“ parkt, jedoch immer noch das geliebte Piano im Vordergrund belässt, singt Enno Bunger – völlig zu unrecht immer noch mehr Geheimtipp, als er es sein sollte – darüber, nichts mehr nach hinten zu schieben, um sich an jeden Schritt in seinem Leben mit einem Lächeln erinnern zu können. Scheiß auf die ewige Bucketlist – carpe diem, Baby! Ein durch und durch vorwärtsgerichtetes Lied, das durchaus zum Nachdenken anregt und das bei dem politisch interessierten und gesellschaftskritisch denkenden 32-jährigen Musiker sicherlich nicht nur auf die eigene Privatleben-Nabelschau zu übertragen ist – und mächtig Laune aufs kommende Album macht.

 

„Eine Bucketlist ist eine Liste, auf die man all die Dinge schreibt, die man im Leben noch machen will, bezugnehmend auf die englische Redewendung ‚to kick the bucket‘, auf deutsch: den Löffel abgeben. Der Song handelt von meiner Erfahrung, nach mehreren einschneidenden Erlebnissen nichts mehr (auf die Bucketlist) aufschieben zu wollen, sondern die Zeit, die mir gegeben ist, jetzt zu nutzen, für alles, was mir wirklich wichtig ist. ‚Kein Kompromist mehr, kein Platz mehr für halbe Sachen – das was Du wirklich willst, das musst Du alles machen.'“

 

Hier gibt’s das dazugehörige Musikvideo, welches laut Enno Bunger der erste Teil einer Geschichte zum neuen Album sein soll und somit mit den nächsten Videos fortgesetzt werden wird:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Gisbert zu Knyphausen – „Hurra! Hurra! So nicht.“ (live bei TV Noir)


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Geht immer: Die großartige Stinkefinger-an-den-oder-die-Ex-Hymne „Hurra! Hurra! So nicht.“ von Gisbert zu Knyphausen, bekanntlich erschienen vor nunmehr acht Jahren auf dem zweiten Album desselben Namens (welches nicht nur mein liebstes des deutschen Liedermachers ist, sondern unter Garantie eines der besten deutschsprachigen musikalischen Werke der letzten zehn Lenze). Gespielt hat sie der Gisbert, den wohl nur gute Freunde scherzhaft bei seinem vollen Namen „Gisbert Wilhelm Enno Freiherr zu Innhausen und Knyphausen“ rufen, in einer speziellen Version im vergangenen Jahr bei TV Noir gemeinsam mit Stücken seines aktuellen 2017er Albums „Das Licht dieser Welt“ sowie – alle Achtung! – einer Coverversion des Songs „Bagagedrager“ der niederländischen Indietronic-Band Spinvis – natürlich stilecht auf Holländisch!

 

 

 

— Gisbert zu Knyphausen LIVE — (* Duo mit Karl Ivar am Vibraphon)
07.06.2019 Oberhausen, Druckluft *
09.06.2019 Karlsruhe, Café NUN *
29.06.2019 Leipzig, Parkbühne Geyserhaus
31.07.2019 Jena, Kulturarena

01.08.2019 Plauen, Malzhaus Open Air
02.08.2019 Darmstadt, Merck Sommerperlen @ Centralstation
03.08.2019 Böblingen, Böblinger Songtage
04.08.2019 Freiburg, Zelt-Musik-Festival ZMF
09.08.2019 Königs Wusterhausen, Bergfunk Open Air
10.08.2019 Saarburg, Station K Pop Festival
11.08.2019 Hamburg, Wutzrock Festival

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Adel Tawil – „Lieder“


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Regelmäßige Leser von ANEWFRIEND wissen bereits: Ich mag kaum etwas weniger als vorhersehbare – vor allem deutsche – Pop-Musik ohne Sinn, Verstand, Botschaft, dafür aber mit einer Extraladung „Schema F“. Von daher käme ich schon – zumindest freiwillig, irgendwo dudelt ja meist ein Formatradio die immergleichen zehn Songs – gar nicht auf den Gedanken, mir auch nur ein Stück von Mark Foster, Max Giesinger oder wiesiealleheißen anzutun. Nervt einfach nur. Da finde ich selbst Rammstein lustiger…

Ins selbe Horn stoßen auch Ich + Ich. Da mag das männliche Ich des Duos, Adel Tawil, noch so viele Sympathiepunkte als Patrick Owomoyela-Lookalike sammeln (für alle Unkundigen: ein ehemaliger deutscher Fussballspieler mit BVB-Vergangenheit in der Vita), ungeknebelt würde jeder Song des 40-jährigen Musikers mit Boygroup-Hintergrund von mir sträflichst desinteressiert mißachtet werden. Isso.

0602537585113Dennoch gebe ich gern zu, dass der Mann zumindest ein brauchbares Stück in der Diskografie besitzt – auch wenn mich kürzlich erst meine Freundin darauf hinweisen musste (danke also dafür!). „Lieder“ heißt’s und stammt von Tawils gleichnamigem, bereits 2013 erschienenem Solo-Debütalbum. Klar ist das Stück – verflucht eingängige Melodie hin oder her – fürs Formatradio zurecht gemischt. Das Besondere fällt einem jedoch schnell ins Ohr: Jede Zeile der knapp vier Minuten, an denen auch Indie-Musiker und -Produzent Tobias Kuhn mitgeschrieben hat, nimmt in irgendeiner Form Bezug zu Songs, Alben oder Künstlern, die Adel Tawil in seinem Leben sowie musikalischer Sozialisation wichtig waren – von Bob Dylan über Grönemeyer, Nirvana, Rage Against The Machine, Prince oder Rio Reiser geht der musikalische Geschichtstrip und spart selbst Tawils ehemalige Boygroup, „The Boyz“ nicht aus. Popmusik? Sicher. Aber ebenso recht persönlich. Und wenn man wie ich selbst in den Neunzigern aufgewachsen ist, wird aus Adel Tawils „Lieder“ schnell eine Reise in die eigene musikalische Vergangenheit…

(Wer übrigens, wie meine Freundin und ich, ein Ratespiel nach Tawils musikalischen Bezugnahmen im Text veranstaltet, jedoch nicht alle Lösungen ad hoc gefunden hat, findet etwa hier die Auflösungen…)

 

 

„Ich ging wie ein Ägypter
Hab‘ mit Tauben geweint
War ein Voodoo-Kind
Wie ein rollender Stein

Im Dornenwald sang Maria für mich
Ich starb in deinen Armen, Bochum ’84

Ich ließ die Sonne nie untergehen
In meiner wundervollen Welt

Und ich singe diese Lieder
Tanz‘ mit Tränen in den Augen
Bowie war für’n Tag mein Held
Und EMF kann es nich‘ glauben
Und ich steh‘ im lila Regen
Ich will ein Feuerstarter sein
Whitney wird mich immer lieben
Und Michael lässt mich nich‘ allein

Ich war willkommen im Dschungel
Und fremd im eigenen Land
Mein persönlicher Jesus
Und im Gehirn total krank
Und ich frage mich, wann
Werd‘ ich, werd‘ ich berühmt sein
So wie Rio, mein König für die Ewigkeit

Ich war am Ende der Straße angelangt
War ein Verlierer, Baby, doch dann
Hielt ich ein Cover in der Hand
Darauf ein Mensch, der in Flammen stand
Kurt Cobain sagte mir, ich soll kommen wie ich bin

Und ich singe diese Lieder
Tanz‘ mit Tränen in den Augen
Bowie war für’n Tag mein Held
Und EMF kann es nich‘ glauben
Und ich steh‘ im lila Regen
Ich will ein Feuerstarter sein
Whitney wird mich immer lieben
Und Michael lässt mich nich‘ allein

Ich war einer von fünf Jungs
‚One Minute‘, aus, dann war’s vorbei
Ich sang nur noch für mich, für ne unendlich lange Zeit
Und dann traf ich auf sie
Und sie erinnerte mich
Wir waren Welten entfernt
Und doch vom selbem Stern

Ich ging wie ein Ägypter
Hab‘ mit Tauben geweint
War ein Voodoo-Kind
Wie ein rollender Stein

Ich ließ die Sonne nie untergehen
In meiner wundervollen Welt

Und jetzt singe ich meine Lieder
Tanz‘ mit Tränen in den Augen
Bowie war für’n Tag mein Held
Und EMF kann es nich‘ glauben
Und ich steh‘ im lila Regen
Ich will ein Feuerstarter sein
Whitney wird mich immer lieben
Und Michael lässt uns nich‘ allein

Denn wir singen diese Lieder
Tanzen mit Tränen in den Augen
Bowie war für’n Tag ein Held
Und EMF kann es nich‘ glauben
Und wir stehen im lila Regen
Wir wollen Feuerstarter sein
Whitney wird uns immer lieben
Und Michael lässt uns nich‘ allein“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Hi! Spencer – „Nicht raus, aber weiter“


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Im vergangenen Herbst haben Jupiter Jones – nach immerhin 16 gemeinsamen Jahren dies- wie jenseits von Club- und Festivalbühnen sowie einem Sängerwechsel – einen vorläufigen Schlussstrich unter das Kapitel Bandhistorie gezogen. Werden sie vermisst? Schon ein klein wenig. Muss also Ersatz her? Nicht unbedingt. Und falls doch: Hi! Spencer bewerben sich hiermit um den Job.

Denn immerhin bringt die fünfköpfige Band aus Osnabrück – zumindest dem ersten Höreindruck nach – alles mit, was schon Jupiter Jones eine recht treue Fanbase beschert hat: Rockmusik der Marke „Indie meets Punk“, eine Prise Pop, ein bisschen Rebellion und hier und da eine verzerrte Gitarre. Dazu deutschsprachige, mit massig Emotion – und den richtigen persönlich-befindlichen Schlagworten – aufgeladene Texte. Des Öfteren konnte man gar Verweise auf Bands wie Turbostaat, Muff Potter oder Kettcar lesen. Well… Machen wir’s kurz und direkt: In meinen Augen hinkt dieser Vergleich. Denn erstens kommt – zumindest im im deutschsprachigen Raum – kaum jemand an das Storytelling von Marcus Wiebusch heran und zweitens waren Muff Potter in schöner Vorzeit wirklich mal rotzig produzierter, herrlich dreckiger Punkrock – mit Widerhaken und Attitüde. Und Turbostaats nordische Räudigkeit scheint ohnehin meilenweit entfernt.

hi-spencer-nicht-raus-aber-weiter-198488Hi! Spencer suchen vielmehr ihr Heil in der Eingängigkeit. Nicht immer gelingt das Sven Bensmann (Gesang), Janis Petersmann (Gitarre), Malte Thiede (Gitarre, Gesang), Jan Niermann (Bass, Keyboard, Gesang) und Niklas Unnerstall (Schlagzeug) auf ihrem zweiten, im Februar erschienenen Album „Nicht raus, aber weiter“ so gut wie im Titelstück, in welchem die Band Themen Angst, Panikattacken und innere Konflikte (ohnehin alles Sujets, die sich durchs Album ziehen) aufgreift, oder im ruhigem „Hinter dem Mond„, in dem Bensmann und Co. das heikle Thema Rechtsruck auf ihre Art anpacken – anstatt eines wütenden „In-die-Fresse-Punk-Songs” als nachdenkliche Ballade mit Tiefgang. In anderen Songs jedoch (etwa „Angst ist ein Magnet“ oder „Wo immer du bist„) schlingern Hi! Spencer mit allzu vielen recht hohlen Phrasen und pathetisch-dickem Schmalz bedenklich nahe an das Nullsummen-Spiel-Niveau von Max Giesinger und Konsorten heran.

Alles in allem ist „Nicht raus, aber weiter“ ein zweischneidiges musikalisches Schwert mit recht vielen Tief- wie Höhepunkten. Ein kleines Ausrufezeichen, welches all jenen, die Jupiter Jones ebenso sehr vermissen und deutschsprachigen Indierock mit erhöhtem Pop-Faktor nicht scheuen, durchaus zu empfehlen ist. Nicht mehr, aber keinesfalls weniger.

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Kante – „Im ersten Licht“


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„Kante ist eine Band, die sich im Jahr 1995 in Hamburg gründete. Ihr Sound ist geprägt von der sogenannten ’Hamburger Schule’ mit Einflüssen von Jazz- Pop- und Indie-Rock. Textlich geben sie sich meist nachdenklich und melancholisch.

Kante wurde gegründet von Peter Thiessen (Gesang, Gitarre, Texte), Andreas Krane (E-Bass, Kontrabass) und Sebastian Vogel (Schlagzeug, Percussion) und wurden nach und nach ergänzt von Multi-Instrumentalist Felix Müller (u.a. Gitarre, Keyboards, Percussion, Kalimba, Raps..), Thomas Leboeg (Klavier, Synthesizer, Elektronik) und Florian Dürrmann (Bass).

Im Jahr 1997 veröffentlichten sie auf dem Berliner ’Kitty-Yo’-Label ihr Debüt-Album ’Zwischen den Orten’, das noch von hauptsächlich instrumentaler Musik dominiert wurde. Bei Album Nummer zwei von 2001, kamen nachdenkliche, ausgefeilte Texte hinzu – 2004 dann der vorläufige Höhepunkt, auf ’Zombi’ perfektionierten sie die den Sound der ersten Alben, auch wenn es insgesamt etwas ruhiger ausfiel.

Die Kritikerlieblinge wurden 1998 von den ’SPEX’-Lesern zur zweitbesten Newcomer-Band gewählt. Bei ’Spiegel-Online’ wurde ’Zombi’ zur wichtigsten CD 2004 gekürt und ’Die Tiere sind unruhig’ war im ’Musikexpress’, Platte des Monats August 2006.“

413hcL+fCUL._SY355_.jpg– So weit, so informativ. Langjährige Leser dieses bescheidenen Blogs wissen außerdem, dass Kantes bisher letztes Studiowerk „In der Zuckerfabrik: Theatermusik“ im Februar 2015 ANEWFRIENDs „Album der Woche“ war…

Und wer sich – wie ich gerade – noch ein klein weniger älter fühlen mag, dem sei in Erinnerung gerufen, dass das zweite Album „Zweilicht“ am 8. Januar 2001 – und damit vor exakt 18 Jahren – erschien. *hach* „Im ersten Licht“. *hach*Die Summe der einzelnen Teile„. Evergreens, und das dazugehörige Album noch immer ein formvollendetes Indie-Meisterwerk aus deutschen Landen (übrigens kaum weniger als seine Nachfolger). Und genau daher wäre es schön, nach Jahren des Wartens mal wieder etwas von den vier Hamburgern um Peter Thiessen zu hören…

 

 

„Manchmal redest du im Schlaf
Meistens keine ganzen Sätze
Einzelne Worte oder Fetzen
Die ich kaum verstehen kann
Manchmal verdrehst du deine Augen
Unter den verschlossenen Lidern
Machst eine Geste dann und wann
Die ich nicht erwidern kann
Was sich aus deinen Träumen
In unserer beide Tage trägt
Hat keinen Ort in der Erinnerung
Nur ein stiller Schmerz
Bleibt zurück in deinem Herz
Im ersten Licht des Morgens

Manchmal redest du im Schlaf
Von noch nie betretenen Orten
Mit noch unverwandten Worten
In mir unbekannten Sprachen
Wenn wir bei Tageslicht aufwachen
Und bevor wir ganz aufsteh’n
Redest du manchmal von Sachen
Von denen ich nicht viel versteh‘
Nur ein stiller Schmerz bleibt
Zurück in meinem Herz

Wir reden manchmal wie im Schlaf
Von noch nie betret’nen Orten
Von einer Zeit in ferner Zukunft
In einer Sprache deren Worte
Wir noch lange kaum beherrschen
Der wir uns blindlings anvertrauen
Gegen die Regeln der Vernunft
Reden wir manchmal wie im Traum
Was sich aus unseren Träumen
In jeden unserer Tage trägt
Hat keinen Ort in der Erinnerung
Nur ein stiller Schmerz
Bleibt zurück in unser’m Herz
Im ersten Licht des Morgens

Manchmal redest du im Schlaf
Von noch nie betret’nen Orten
Mit noch unverwandten Worten
In mir unbekannten Sprachen
Wenn wir bei Tageslicht aufwachen
Und du vor mir ganz aufstehst
Redest du manchmal von Sachen
Von denen ich nicht viel versteh’…“

 

Rock and Roll.

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