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Song des Tages: Yellowknife – „A Saturday“


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Foto: Sebastian Igel / Promo

Nee, die berühmtem „Melodien für Millionen“ wird Tobias „Tobi“ Mösch in diesem Musikerleben kaum mehr schreiben. Geschieht wohl auch ganz freiwillig, und ist daher schon okay so…

„Der Indie-Rock-Pop, den die zehn Titel hier abfeiern, ist an sich ein alter Schuh, doch er macht heute wie vor 25 Jahren großen Spaß.“

(Review auf plattentests.de)

41PJQyYKUAL._SS500.jpgTrotz alledem werfen die zehn Songs von „Retain„, dem kürzlich bei Grand Hotel Van Cleef erschienenen zweiten Album von Yellowknife, das wildeste Assoziationen-Bingo an: Grundsympathischer Indierock wie um die Jahrtausendwende herum – schroff, direkt und unaufdringlich. The Promise Ring. Maritime. Home Of The Lame. The Weakerthans. In euphorischeren Moment eventuell auch Friska Viljor. Lange Herbstspaziergänge durch laubbedeckte, bunt-wuselige Großstadtstraßen, während einem die letzten warmen Sonnenstrahlen auf der Nase herum tanzen und diese Lieder aus den Kopfhörern klingen. Der gute Freund, den man zwar nicht mehr allzu oft sieht (und weder du noch er große Anstalten machen, dies zu ändern), den man jedoch immer noch rund um den Zeiger anrufen kann, um ihm denn 15 Minuten später sein rotzgetränktes Leid ins kühle Bier zu heulen. Die Nacht, die du durchgefahren bist – ohne Ziel, einfach nur mit dem Wunsch, irgendwo anders anzukommen. Diese Musik lief. Oder klang so?

Nee, aufdrängen ist nicht das Ding von „In Basements„, „A Saturday“ und Co. Vielmehr präsentieren sich die neusten Stücke des nach einem Umzug von Köln nach Hamburg – mit Carsten Thumm am Bass und Christoph Nolte am Schlagzeug – zum Trio angewachsenen ehemaligen Schlafzimmer-Projektes von Tobias Mösch, für das dieser einst eine wohlklingende 20.000-Einwohner-Stadt im kanadischen Nordwesten als Namensgeber wählte (noch so ein Indiz dafür, dass Mösch, der einem – abseits von Yellowknife – eventuell bereits als Frontmann der Post-Hardcore-Schreihälse von Ashes Of Pompeii über den musikalischen Weg gelaufen sein könnte, ein Fan von John K. Samsons leider nicht mehr aktiver Kapelle sein mag), gestrafft und mit ordentlich rumpelnden Ecken und Kanten. Und bringen alles, was es zu sagen gilt, in feinen dreieinhalb Indierockpop-Minuten unter. Kribbelt. Rockt. Macht Laune. Umarmt. Wer braucht da schon diese „Melodien für Millionen“?

(Noch besser, schöner, wortreicher und persönlicher bringen’s übrigens die Rezensionen von und auf stayclosetoyoursoul.com und prettyinnoise.de auf den Punkt. Gern also da weiter lesen…)

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Restorations – „Nonbeliever“


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Keine Frage, Restorations sind Halunken! Da kündigt die fünfköpfige Indierock-Band aus dem US-amerikanischen Philadelphia, Pennsylvania – nach immerhin vier Jahren Wartezeit – ihr neues Album an – und am Ende stehen schlappe sieben Songs und knapp 25 Minuten Spielzeit zu Buche… Die gute Nachricht: Das ist wohl beinahe das einzige, was man Restorations aktuell vorwerfen kann.

Ungeachtet des Eindrucks, dass sich Jon Loudon (Gesang, Gitarre), Dave Klyman (Gitarre),  Ben Pierce (Keyboard, Gitarre), Dan Zimmerman (Bass) und Jeff Meyers (Schlagzeug) anno 2018 und auf ihrem neuen Album „LP5000„, für das die Band – nach den Vorgängern „Restorations“ (2011), „LP2“ (2013) und zuletzt „LP3“ (2014) – die im Grunde simple Plattentitel-Chronologie um einen überhöhenden Wortwitz ergänzt, mehr denn je in die ehrsame Riege der kumpeligen, Karohemd tragenden Bartresen-Springsteen-Epigonen einreihen, verbucht das Quintett Vieles an Pluspunkten für sich, was Referenzbands wie The Gaslight Anthem, The Hold Steady, Hot Water Music, Jimmy Eat World oder den Get Up Kids mit den letzten Veröffentlichungen abhanden gekommen schien. Etwa: ein feines Näschen für die richtige Melodie und spannende Song-Idee.

restorations-lp5000Denn obwohl kaum eines der gerade mal sieben Stücke von „LP5000„, welches die Band erneut gemeinsam mit Langzeit-Produzent Jon Low (The National, Frightened Rabbit, The War On Drugs) in Hudson, NY aufnahm, höchstens annähernd die Vier-Minuten-Marke kratzt (einzig der ruhig startende und gen Ende mächtig Post-Rock-Fahrt aufnehmende Albumabschluss „Eye“ bildet hier die Ausnahme), ziehen sie den Hörer von Hördurchlauf zu Hördurchlauf immer weiter in ihren mal mehr, mal weniger laut rockenden Bann. Der flotte Einstieg „St.“ etwa, in dem Frontmann Jon Loudon mit seinem markant-rauen Gesangsorgan voller Emphase beteuert: „I’ll tell you what you already know: you can’t do this all on your own“. Oder das bereits vor einigen Wochen vorab veröffentlichte „The Red Door“ (nebst einem feinen Musikvideo, das die Geschichte von zwei Hunden erzählt, die in die Natur fliehen und ihre neu gewonnene Freiheit feiern), in dem Loudon die Gentrifizierung seiner Heimatstadt anprangert: „Philadelphia (und möglicherweise auch deine Stadt) verändert sich rapide. Ich frage mich, wo die Leute hingehen werden, wenn sie es sich in Zukunft nicht mehr leisten können, in diesen neuen Nachbarschaften zu leben. Diese ‚roten Türen‘ an all diesen Gebäuden erscheinen mir wie eine Art Warnschild,“ wunderte sich der Sänger kürzlich in diesem Interview bei NPR.

Eines der Highlights des – der Kürze zum Trotz – kaum an Glanzpunkten armen Albums dürfte jedoch zweifellos „Nonbeliever“ sein. Durchzogen von schwebenden Emorock-Gitarrenriffs und angetrieben von einem – im besten Sinne – fies ohrwurmigen Refrain, dreht sich der Song um verschiedene Fragen, die sich laut Sänger und Gitarrist Jon Loudon viele Menschen Mitte Dreißig stellen: „An welchen Ort soll man noch ziehen? In welcher Branche kann man noch arbeiten, die nicht zusammenbrechen wird? Welche Möglichkeiten sind da, die nicht zu schrecklich sind?“ – Allesamt berechtigte Fragen, mit denen der selbst 35-jährige Musiker kaum allein auf weiter Flur dastehen dürfte…

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Alles in allem gehen Restorations den Weg ihrer letzten Werke mit „LP5000“ (welches NPR aktuell bereits im Stream bietet) weiter und bieten all jenen, die mächtig Bock auf eine kurzweilige Melange aus Indierock (mit den Zehen im seligen Neunziger-College- und Emorock), hemdsärmeligem Punkrock, etwas modernem Grunge, einer Prise Postrock sowie Blues haben, eine musikalische Alternative zu all jenen weiter oben genannten Referenzbands. Und: Geht es nur mir so, oder werden speziell bei diesem Philly-Quintett satte Erinnerungen an Pela wach, die sich nach dem 2007 veröffentlichten (und noch immer sträflichst unbekannten) Debüt „Anytown Graffiti“ leider viel zu früh trennten, sowie vor allem „Rise Ye Sunken Ships„, den darauf folgenden Erstling von We Are Augustines, der Pela-Nachfolgeband, die sich wenig später in Augustines umbenannte, nur um 2016 (und zwei weiteren Alben) vorerst ebenfalls die musikalischen Segel zu streichen? Schließlich sind raue Reibeisen-Gemeinsamkeiten bei den Stimmchen von Jon Loudon und Pela-/Augustines-Fronter William McCarthy kaum von der Hand zu weisen… Nevermind. Großartiges (Mini-)Album der Schlingel von Restorations, das in einer gerechten Musikwelt ausreichend Beachtung und den ein oder anderen vorderen Platz in der Jahresabschlussliste verdient hat – und, ganz nebenbei, eines der schönsten Albumcover-Artworks des Jahres stellt.

 

„Restorations have always been a band keenly aware of their surroundings and LP5000 is just that: Seven songs written and recorded during a time of transition. It’s a record about displacement. It’s about feeling complacent and coming to the sudden realization that maybe things aren’t as solid as they’d seemed—in politics, in personal relationships, and in the different corners of their hometown of Philadelphia. It’s about knowing now that if you don’t constantly work 24/7 to keep things together, they can easily fall apart. One long, sustained ‚Oh, fuck.'“

 

 

„This working thing just ain’t working for you
You just refresh the news and repeat it again
Said you’ve found the trick: just be bad at your job
If you burn all the fries, they’re gonna make you the king

There you’ll find this nonbeliever
On their non-believing knees

Said you’re doing much better living out in L.A
Far away from your parents and the concerns of the day
And you think about all your friends from school
What they’re doing now
If they remember

There you’ll find this nonbeliever
On their non-believing knees
You’ll find this nonbeliever asking for anything

I love your protest lines
Oh, but who has the time?
We all saw the same thing at the same time, okay?
Got a partner for starters
And a kid on the way
Can’t be doing all this dumb shit no more

There you’ll find this nonbeliever
On their non-believing knees
You’ll find this nonbeliever asking for anything

There you’ll find this nonbeliever
On their non-believing knees
You’ll find this nonbeliever asking for anything
Asking for anything

And you’re running out of things to give away…“

 

EDITH: Das Album gibt es mittlerweile via Bandcamp in Gänze im Stream:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Tomberlin – „I’m Not Scared“


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Weiß man mehr, dann wundert einen die beinahe sakrale Ruhe der neusten Singer/Songwriter-Sadcore-Entdeckung aus dem qualitativ ohnehin seit eh und je hochwertigen Label-Hause Saddle Creek kaum, schließlich steckt hinter Tomberlin die 23-jährige in Jacksonville, Florida, geborene Songwriterin Sarah Beth Tomberlin, die als Tochter eines Baptistenpredigers in einer streng religiösen Familie im tiefsten Süden von Illinois aufwuchs.

Trotzdem ist das, was Tomberlin da auf und in den zehn Songs des im August erschienen Debütalbums „At Weddings“ – zumeist auf Akustischer und Piano – ebenso entwaffnet, einem Seelenstriptease gleich ehrlich wie einfach in Wort und Ton bannt: fragil, bewegend, berührend, gar anmutig. Coming-Of-Age-Stücke aus der Erlebniswelt eines grüblerischen Twentysomethings, die all jene relevanten Dinge hinterfragen: die Identität, den eigenen Glauben, die vermaledeite Liebe und die Hoffnung auf das Morgen. Klar, dass da gleichsam melancholisch eingestellte Labelmates wie die (übrigens höchst würdig) gealterten Azure Ray quasi ums Eck lugen, während (zumindest gefühlt) Saddle-Creek-Impressionato Conor „Bright Eyes“ Oberst an den Studio-Reglern zu drehen scheint…

 

Mit „I’m Not Scared“ gibt es den wohl bewegendsten Song vom Tomberlin-Debüt „At Weddings“ in der Albumversion…

 

…sowie in der Live-Session-Variante, aufgenommen im August in den New Yorker Paste Studios:

 

„I’m not scared of you this time
And when you pick up the phone I’ll stay on the line
And I’ll do more than breathe this time
And I’ll let you in at least I’m gonna try

And it felt so strange when I said it out loud
That I look for redemption in everyone else
But funny thing is that I always hated church
Spend so much time looking that I forgot to search

And to be a woman is to be in pain
And my body reminds me almost every day
That I was made for another, but I don’t want to know that
Cause it happened once and I always look back

In my sentience I wear your judgement like a crown
Couldn’t look you in your eyes so I look to the ground
Then I took the drugs again last night
But pills have never brought me any kind of light

My eyes are heavy all I want to do is sleep
But I need to make money and I need to eat
And loving never made anybody I know happy
And loving only seems to make you bruise and to bleed

And to be a woman is to be in pain
And my body reminds me almost everyday
That I was made for another, but I don’t want to know that
Cause it happened once and I always look back“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: We Were Promised Jetpacks – „Repeating Patterns“


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Die gute Nachricht zum Sonntag, Teil 1: Der schottische Indie-Rock-Vierer We Were Promised Jetpacks enttäuscht auch mit seinem am Freitag erschienenen vierten Album „The More I Sleep The Less I Dream“ nicht – insofern der geneigte Hörer nicht erwartet, dass Adam Thompson (Gesang, Gitarre), Michael Palmer (Gitarre), Sean Smith (Bass) und Darren Lackie (Schlagzeug) exakte Kopien der Kopien all der Kopien der auch heute noch großartigst nervös rockenden Indiedisco-Hits ihres 2009 veröffentlichten Debütalbums „These Four Walls“ abliefern: „Quiet Little Voices„!  „It’s Thunder And It’s Lightning„! „Keeping Warm„! Tun sie nämlich nicht. Stattdessen bieten WWPJ all jenen, die bereits sehnsüchtigst auf den Nachfolger des 2014er Langspiel-Vorgängers „Unravelling“ gewartet haben, vor allem in der ersten Albumhälfte vermehrt ruhigere, introspektivere Zwischentöne an, bevor der Vierer aus Edinburgh in der zweiten Halbzeit und gen Ende die Zügel wieder deutlich gen des gewohnten Indierocks anzieht. Obwohl Adam Thompson und Co. ganze vier Lenze seit dem letzten Werk haben ins Land ziehen lassen (und laut eigener Aussage fast ein komplettes Album in die Tonne getreten haben, weil es „nicht richtig anfühlte“ und „alles überhaupt nicht gepasst“ habe), hört man der Band deutlich an, dass sie sich dieses Mal – akribische Studioarbeit hin oder her – deutlich mehr spannende kreative Freiheiten erlaubt haben (was möglicherweise auch an Produzent Jonathan Low gelegen haben dürfte, der in der Vergangenheit bereits mit Künstlern wie Sufjan Stevens, The National oder Frightened Rabbit zusammen gearbeitet hat).

51LC31j0ChL._SS500Die gute Nachricht zum Sonntag, Teil 2: Auch – und eventuell: vor allem – in der Post-MTV’n’Viva-Zeit entstehen noch tolle Musikvideos. Etwa jenes zur zweiten Album-Auskopplung „Repeating Patterns“, welches Soundkartell kurz und fein „als ob Mr. Oizo auf die Muppets trifft und allesamt schlechten Stoff dabei hatten“ beschreibt. Während der Clip eine Band aus Plüschtieren zeigt, deren Sänger sich heraus aus dem Konzert in die Wildnis wagt, trumpfen WWPJ im dazugehörigen musikalischen Vierminüter mit hypernervös schrammelnden, rauschenden Post-Rock-Gitarren derart groß auf, dass schon der Song an sich ein wahres Fest ist. Schockverliebt, innerhalb von Sekunden. ♥

 

„Repeating Patterns war einer der ersten Songs für das neue Album geschrieben haben. Live ist er direkt so gut angekommen, dass wir bei den Aufnahmen sehr darauf geachtet haben, dass wir ihn nicht zähmen, sondern genau so rau lassen.“

 

 

Wem die Böcke – feines neues Album hin oder her – mehr nach den Songs aus der Frühphase von WWPJ stehen, dem sei der Konzertmitschnitt einer Show im Londoner XOYO vom Oktober 2011 ans Hörerherz gelegt:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Muncie Girls – „Picture Of Health“


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Foto: Robin Christian / Promo

Ernste Songs müssen auch bitteschön ernst klingen? Bullshit, mate!

Das jedenfalls könnten sich die Muncie Girls gedacht haben. Denn scheinbar hat das Punkrock-Trio aus dem englischen Exeter großen Spaß dabei, dem geneigten Zuhörer Finten zu legen, schließlich ist das einzige „Girl“ der Band Frontfrau Lande Hekt (Gitarre/Gesang), während sich Dean McMullen an der zweiten Gitarre und Luke Ellis am Schlagzeug hinter ihr einreihen und den Songs des vor wenigen Tagen erschienenen zweiten Albums „Fixed Ideals“ Rhythmus verleihen.

51uwVrWX7GL._SS500Überhaupt: die Songs. In denen erzählt Lande Hekt gleichsam selbstbewusst wie eloquent höchst persönliche Geschichten, etwa von ihren Erfahrungen mit Alkoholproblemen oder der Behandlung psychischer Erkrankungen, speziell Angstzuständen („Clinic„, „Picture Of Health“), reflektiert ihre Kindheit mit zwei Geschwistern und einer alleinerziehenden Mutter („Family Of Four“) oder rechnet – gleich in der Eröffnungsnummer „Jeremy“ – mit ihrem prügelnd-nationalistischen Arschloch-Vater ab, der die Sängerin als Kind verleugnete und ihre Mutter nie unterstützte. Dazwischen reihen sich, wie schon beim vor zwei Jahren veröffentlichten Debütalbum „From Caplan To Belsize„, kleine feministische Hymnen wie „Fig Tree“ (mit astreinen Springsteen-Riffs im Gepäck) oder „Locked Up“ aneinander. Schwere Kost, eigentlich (wozu übrigens auch die Randnotiz passt, dass der Albumtitel, wie schon der des Debüts, einem Gedicht der eh fürs Schwermütige berüchtigten Autorin Sylvia Plath entstammt) – wären da nicht die großartigen, gen punkigem Indiepop-Firmament stürmenden Melodien. Denen wiederum kommt zugute, dass Lande auf dem neuen Album zum ersten Mal Bass und Gitarre spielt. Sie erklärt: „Songs mit zwei Gitarren klingen gleich um einiges komplexer. Beim Schreiben und während der Aufnahmen habe ich ziemlich viel unterschiedliche Musik gehört, die den Sound des Albums hörbar beeinflusst haben. Bands wie The Replacements, Siouxsie and the Banshees, The Popguns und The Pastels. Wir sind dieses mal definitiv viel abenteuerlustiger und experimentierfreudiger gewesen als je zuvor.“

Alles in allem ist den – hierzulande übrigens noch immer sträflich unbekannten – Muncie Girls,  die sich bereits seit Kindheitstagen kennen und sich auch ihre heimatliche Fanbase durch zig selbst organisierte DIY-Shows (Punkrock Spirit galore!) peu á peu erspielt haben, mit „Fixed Ideals“ eine runde, zwar recht kurzweilige aber umso herzlichere und mit ordentlich Pop und Schmackes verzierte Indie-Punk-Scheibe gelungen, bei der sich – gefühlt – Referenz-Bands wie Siouxsie And The Banshees oder Dover die musikalische Klinke in die Hand geben.

Das Leben ist schließlich bereits ernst genug…

 

 

„Seven days of fucked up dreams but did I ever fall asleep? No-one ever waits for me, I’m the one forgotten sheep. I think I’m mostly sleepwalking, or I’m at least presumed to be. I’m always trying to count to ten but I’m always stuck at three.
Do you read, does it help you to breath when you’re trying to sleep well? But nothing’s going well.
I’ve been having a hard time looking after myself. You’re not looking exactly like a picture of health. I was thinking maybe you could look after me and I could do the same for you. Just for a while ‘till we’re back on our feet.
Seven days can make you think that good friends are an illusion. I think they think I think too much, but good sense is in confusion. I try not to think about what I’ve done to my liver, to my lungs. Lying on my bedroom floor, low mood, highly strung…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Honig – „Boulders“


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Von dem, was Stefan Honig vor mehr als zehn Jahren ursprünglich als Soloprojekt begann, ist mittlerweile nicht mehr viel übrig. Einiges hat sich getan im Leben des gelernten Erziehers. Neben der Tatsache, dass der Düsseldorfer Vollblutkünstler vor wenigen Tagen das nunmehr vierte Honig-Album „The Last Thing The World Needs“ veröffentlicht hat, ist er auch längst nicht mehr solo unterwegs. Über die letzten Jahre hat sich Honig eine treue Band zusammengesucht, mit denen er jetzt nicht nur auf der Bühne, sondern auch in Studio musiziert und entwickelt.

„Herzhaft und vor allem herrlich dargereicht auf glanzvollen Gitarren-Teppichen (Martin Hannaford), getrieben und untermauert von packendem, variantenreichen Schlagwerk (Marcel Schmitz) und bleibend bereichert durch farbvolle Tastenvielfalt (Olivia Sawano), vertieft durch majestätischen Bläsereinsatz und gekrönt vom lagenreichen Chorgesang aller Bandmitglieder, entsteht hier ein derart reichhaltiges, überwältigendes Pop-Stil-Gemälde, welches dazu angetan ist, Grenzen wie Vorurteile einzureißen. Alles gut, alles richtig gemacht, alles richtig gut gemacht.“

81tzqOP8KqL._SY355_So heißt es im begleitenden Pressetext. Und in der Tat hört man den elf neuen Songs von  „The Last Thing The World Needs“ die vornehmlich bewusste Entstehung im Bandgefüge an, denn schließlich muss man – nebst für Experimente offenen Folkern wie Bon Iver, Ben Howard, Sufjan Stevens und Co. – auch immer öfter an großartige deutsche Indie-Rock/Pop-Bands wie The Ghost Of Tom Joad, Pale oder Monta denken.

Darüber, dass das neue Album mit „The Last Thing The World Needs“ einen einigermaßen ironischen Titel bekommen hat, meint Stefan Honig: „Die Tatsache, dass wir uns nicht so wahnsinnig ernst nehmen, steht zum Beispiel im Kontrast zu der aufopfernden Arbeit, die wir in dieses Album gesteckt haben.“

(Mehr Informationen zur Band und zum neuen Werk findet man etwa in diesem aktuellen Interview, welches Stefan Honig vor wenigen Tagen mit den Schreiberlingen von minutenmusik.de geführt hat.)

 

Das emotionale Musikvideo zum Albumsong „Boulders“ (dem plattentests.de in ihrer Rezension übrigens „ABBA-Assoziationen“ zuschreiben) erzählt von Freundschaft und Verzweiflung, getragen von einer idyllischer Kleinstadtkulisse. Schön anzusehen:

 

Rock and Roll.

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