Schlagwort-Archive: deutsche Band

Song des Tages: Knorkator – „Rette sich wer kann“


knorkator-2018-pressefoto-04-gross-1200x500.jpg

Ein Vierteljahrhundert gibt’s Knorkator nun schon, und noch immer entzieht sich die fünfköpfige Berliner Band im Grunde – zumindest für mich – jeglicher Einordnung. Denn mal ehrlich: So richtig ernst kann das, was Frontderwisch Stumpen, Keyboarder Alf Ator,  Gitarrist Buzz Dee, Bassist Rajko Gohlke und Schlagzeuger Nick Aragua da seit den Neunzigern veranstalten, kaum gemeint sein. Da treffen Slayer’sche Death Metal-Blastbeats auf sanften Lounge Jazz auf Rammstein’sche Boller-Rhythmik auf sinistre Mittelalter-Ballade (das recht bekannte „Weg nach unten“ von 1999). Dazu Texte im weiten Feld zwischen Gaga, Dada und ernstzunehmender, vor Wut schäumender Gesellschafts- und Zeitgeistkritik. File under? Fun-Core? Fun Metal? Neue Deutsche Härte? Oder sind Knorkator einfach, wie sie in Anlehnung an befreundete Hauptstädter wie Die Ärzte selbst augenzwinkernd meinen „Deutschlands meiste Band der Welt“? Nix Jenaues weeß keen Schwein, Keule…

knorkator-widerstand-ist-zwecklos-204336Und doch fällt es in manchem Momenten recht leicht, Stumpen, Alf Ator und Co. gerade für ihre clever-bissige Gesellschaftskritik, bei der bundesweit wohl – in guten Momenten – lediglich Felix Schönfuss und seine Jungs von Adam Angst mithalten können, zu mögen (selbst wenn die Herren ansonsten weniger meinen eigenen Musikgeschmack bedienen mögen). Der Kenner weiß: Damit haben Knorkator auch in den letzten Jahren – siehe Stücke wie „Sie kommen„, „Arschgesicht“ oder „Setz Dich hin“ kaum hinterm Berg gehalten. Wer weitere hörbare Beweise braucht, der nehme sich das gestern erschienene neunte Album „Widerstand ist zwecklos“ vor, welches mit Songs wie der Eröffnungsnummer „Revolution“ (wurde unlängst bei den Leipziger „Off The Road“-Sessions grandios durchgezimmert), „Krieg“ oder eben „Rette sich wer kann“ neue bissig-gewitzt geriffte Kommentare zum Zeitgeschehen enthält. Die nicht nur der braunen Suppe Würze und Schärfe stehlen, sondern auch Konsumgier, Klimawandel-Leugnung, Hysterie und sonstige menschliche Irrwege aufs Korn nehmen. Dazu bezeichnend diese wunderbare Textzeile aus „Rette sich wer kann“: „Da vorn is’n Abgrund, aber is‘ ja noch’n Stück / Wir könnten auch abbiegen, tun wir aber nicht / Da is‘ ja nur’n Sandweg – schlecht für die Achsen…“ Denn selbst wenn der lyrische Hochgenuss fürs humorige Gift-und-Galle-Spucken hier mal für Momente ad acta gelegt wird, sind Knorkator der laut tönende Beweis, dass einem subtil blödelnder Deutschrock abseits von Till Lindemann und Konsorten auch in etwas düsteren Zeiten ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann, und die grauen Zellen dazu anregt, darüber nachzudenken, was „Menschsein“ eigentlich bedeutet…

 

Hier gibt’s das Musikvideo zu „Rette sich wer kann“, bei dem Knorkator einmal mehr auf prominente Unterstützung bauen konnten – dieses Mal etwa sind Ex-Boxbirne Axel Schulz (wo ist die „Fackelmann“-Mütze?) und Hans Werner „Luise Koschinsky“ Olm mit von der Partie…

(Den Text findet man etwa hier…)

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages #2: Spermbirds – „Go To Hell Then Turn Left“


spermbirds-2019

Mehr als dreißig schweißnasse Band- und Bühnenjahre, und doch kein bisschen leise: die Spermbirds melden sich heute mit ihrem neuem Album „Go To Hell Then Turn Left“ zurück – dem ersten Studiowerk seit schlappen neun Jahren.

Bereits vor kurzem hatte die 1983 in Kaiserslautern gegründete deutsche Hardcore-Punk-Institution um Frontmann Lee Hollis dem Titelsong der neuen Platte ein energetisches Live-Performance-Video zur Seite gestellt. Die bewegten Bilder zum Clip wurden am 22. März im Bonner Bla aufgenommen, wo Hollis und Co. den Song zum ersten Mal präsentierten. Smells like circle pit…

 

 

55576786_10161979662390657_5751630597176950784_n

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: 8kids – „Dein Zuhause“


8kids1

Foto: Promo / Franz Schepers

Die Darmstädter Post-Hardcore-Band 8kids hat mit „Dein Zuhause“ (nach „Kraft„) einen weiteren Song von ihrem kommenden, zweiten Album „Blüten“ veröffentlicht, welches am 23. August das Licht der Plattenladen-Welt erblicken wird. Zu dem eindeutig gesellschaftskritischen Lyric-Video, das in schneller Folge mal historische, mal aktuelle, jedoch immer aussagekräftige Clip-Sequenzen zeigt, haben Jonas Jakob, Hans Koch und Emma McLellan auf ihrer Facebook-Seite ein Statement gepostet – zur Situation im Mittelmeer, gegen Fremdenfeindlichkeit, Hass und Intoleranz jeglicher Art. Aber lest selbst:

dein-zuhause„Die Idee für diesen Song brodelte schon länger in unseren Köpfen und bis wir die Worte fanden, die sich für uns richtig anfühlten, verging viel Zeit. Es ist ein sehr emotionales und hoch delikates Thema, vor dem man seine Augen dennoch nicht verschließen darf und deswegen versuchen wir, diese Zeilen hier nach bestem Gewissen und mit bester Absicht zu schreiben.
Jeden Tag ertrinken unzählige Menschen beim Versuch in ein besseres Leben zu gelangen und die, die ihr möglichstes geben um diese Leben zu retten, werden teilweise aufs massivste daran gehindert, gar festgehalten und eingesperrt.
Wir möchten hiermit klarstellen, worum es in unserem neuen Song ‚Dein Zuhause‘ geht. Eine eindeutige Botschaft gegen Fremdenfeindlichkeit, gegen Hass und gegen Intoleranz jeglicher Art.

8kids stehen für Weltoffenheit.

Sicher wissen einige von Euch auch, dass man mittlerweile Geld in Social-Media Beiträge stecken muss, nur um alle Leute zu erreichen, die einer Seite folgen und an deren Inhalten interessiert sind. Ihr kennt das, da steht dann im Post ‚gesponsort‘ obendrüber.
Ja, wir bringen hier unsere neue Single heraus, ja, wir müssen viele Leute davon überzeugen unser neues Album vorzubestellen, und ja, wir gehen auf Tour, wir müssen diese Informationen kommunizieren, damit wir weiter unsere Musik machen können.
Es würde sich aber sowas von falsch anfühlen, wenn bei diesem Post ein ‚gesponsort‘ über dem Beitrag steht, und das ganze Thema hier aus dem Kontext reißt. Es würde sich falsch anfühlen, Geld in diesen Post zu stecken. Geld, das man an dieser Stelle für etwas wichtigeres zur Verfügung stellen kann. Wir sind keine große, sehr erfolgreiche Band, aber wir möchten unseren Teil leisten und den Geldbetrag, den wir für Online-Promotion beiseite gelegt haben, an die humanitäre Organisation Sea-Watch spenden, wer möchte, kann sich uns gerne anschließen.

Helft uns dabei, mit diesem Beitrag die Leute zu erreichen, die mit diesem Thema nichts zu tun haben wollen und teilt ihn in Euren Profilen.“

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Smile And Burn – „Zubetoniert“


8a368a2aba955a63c1a7bc92fc9f8bb2

Knapp zehn Jahre existiert die Berliner Punkband Smile And Burn mittlerweile schon, in dieser Zeit wurden nicht nur vier Langspieler in gut sortierten Indie-Plattenläden platziert, die stilistisch vor allem einen freundlich-energetischen Knicks vor den wohl größten Stadion-Punkern Berlins, den Beatsteaks, darstellten, sondern auch unzählige Konzerte und Festivals in ganz Europa und sogar Japan ge- und bespielt. Doch nach dem 2017 veröffentlichten Album „Get Better Get Worse“ wurden aus fünf Bandmitgliedern plötzlich drei. Dazu heißt es von der Band: „Das DIY-Dauerleben on the road hat Opfer gefordert. Kurz vor Album Nummer fünf sind Smile And Burn Phil, Wolli und Sören, ein Trio über dreißig.“

zubetoniertNach sechsmonatiger Pause haben Smile And Burn die Veränderungen dann sogar noch einen Schritt weiter getrieben: Nachdem man 2018 bei den Abschieds-Konzerten von Jennifer Rostock bereits ein deutschsprachiges Stück neu interpretierte (nämlich „Alles cool„, welches die Band auch auf der Charity-Compilation „Sea Shepherd Benefit, Vol. 3“ platzierte), kam die „verrückte“ Idee auf, auch die eigene Musik mit deutschsprachigen Texten zu bestücken. Zur Hilfe holten sich Smile And Burn dann ausgerechnet die Donots-Musiker Guido und Purgen, die mit ihrer Münsteraner Band unlängst einen ähnlichen Schritt wagten, sowie Produzent Phil Meyer. Das Ergebnis des Re-launches? Am 10. Januar 2020 erscheint mit „Morgen anders“ das neue, fünfte und erstmals deutschsprachige Album des Neu-Trios. Mit der ersten Single „Zubetoniert“ bieten Sänger Philipp „Phil“ Müller (Gesang), Sören Frey (Gitarre) und Fabian „Wolli“ Wollert (Schlagzeug) jedoch schon jetzt einen ersten Drei-Minuten-Vorgeschmack auf die Platte…

„Deutsche Texte find’ ich scheiße“ schallt es einem in dem nach vorn preschenden Uptempo-Songbrett mit wütendem Gesang, welcher neben Donots-Freunden auch Fans von Adam Angst interessieren dürfte, nach einigen Sekunden entgegen. Smile And Burn widmen ihre durchaus selbstkritische neue Single „allen wütenden Kulturpessimisten, die sich manchmal fragen, ob die Abschaffung des Echo wirklich schon genug gespielte Einsicht der Musikindustrie war“. Egal ob Social-Media-Auftritte oder Promo-Aktionen – so richtig geil finden Smile And Burn das alles nicht. Viel zu wenig Ehrlichkeit sei noch vorhanden, vielmehr stehe hinter jedem ehrlichen Grund Musik zu machen ein „Zementmischer“, der alles mit einem „Betonberg aus Promo-Aktionen“ zubetoniert. Am Ende des Tages bleibt allerdings stehen, dass man doch auch in irgendeiner Form zu diesem Gemisch dazugehört… und wenn schon, dann mit dem Mittelfinger jaaaaaanz weit oben! *rockt*

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Wir sind Helden – „Wenn dein Herz zu schlagen aufhört“


helden314079-34455I24594_single

Verflucht noch eins eingängigen US-Poppunk ins Deutsche überführen? Keine gute Idee? Denkste! Zumindest haben die ohnehin selten miesen Wir sind Helden anno 2007 ein feines Gegenbeispiel geliefert…

268x0wIm Rahmen der „iTunes Foreign Exchange #1„-Single (welche später leider lediglich einen Nachfolger fand) nahmen sich Judith Holofernes, Mark Tavassol, Jean-Michel Tourette und Pola Roy den nur ein Jahr zuvor veröffentlichten schmissigen Drei-Minuten Poppunk-Kracher „When Your Heart Stops Beating“ von +44 vor, zogen der Nummer ein wenig den Punk-Zahn – und fabrizierten mit „Wenn dein Herz zu schlagen aufhört“ ein Stück, das mit all seinen typischen Trademarks ebensogut auf einem der bis heute vier Wir sind Helden-Alben erschienen sein könnte.

Im Gegenzug übernahmen +44, im Übrigen mit nur einem Album ein recht kurzlebiges Band-Projekt, dem mit Mark Hoppus und Travis Barker zwei Drittel von Blink-182 angehörten, darauf den Helden-Klassiker „Guten Tag“ – und zogen, wie sollte es anders sein, dem Song ihrerseits ein wenig die bunt besprayte, gammelige Punkrock-Kutte über. So lässt man sich ’nen Austausch gern gefallen…

 

 

„Mach lauter, ich will noch nicht gehen
Ich will dabei sein, wenn du K.O. gehst
Der Beat hält dich fest, ich will seh’n
Wie er dich fallen lässt und du nicht mehr aufstehst

Und ich kann an nichts anderes denken
Soll’n die Leute um uns ‚rum
Sich die Hälse verrenken
Egal, wie hoch der Preis ist
Man soll brennen, solange man heiß ist
Und du brennst lichterloh

Wenn dein Herz zu schlagen aufhört
Werd‘ ich ganz dicht neben dir sein
Wenn kein Stern die dunkle Nacht stört
Mach Licht und
Wir geh’n beide hinein

Wenn dein Herz zu schlagen aufhört
Werde ich ganz dicht neben dir sein
Wenn kein Stern die dunkle Nacht stört
Mach Licht und
Wir geh’n beide hinein

Du sagst die Wahrheit ohne vorher zu fragen
Du sagst die Wahrheit und du drückst mich gegen die Wand
Ein kleines bisschen hilft den Schmerz zu ertragen
Ein bisschen mehr und du weißt ich verlier‘ den Verstand

Wenn dein Herz zu schlagen aufhört
Werd‘ ich ganz dicht neben dir sein
Wenn kein Stern die dunkle Nacht stört
Mach Licht und
Wir geh’n beide hinein…“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Husten – „Kirchenschiff“


medium_Husten

„Selbe Prozedur wie jedes Jahr“ heißt es nun schon seit 2017 (oder eben seit dem vergangenen Kalenderjahr) im Hause Husten, dem kreativen Jux-und-Dollerei-Projekt von Gisbert zu Knyphausen, Moses Schneider und Tobias „Der dünne Mann“ Friedrich, denn bereits 2017 sowie 2018 hatte das Dreiergespann jeweils im Mai eine EP veröffentlicht (hier und hier schrob ANEWFRIEND folgerichtig einige Zeilen darüber).

teil-4-und-5-und-6 KopieUnd, siehe da: es ist wieder Mai und – laut Adam Riese – müsste nun das dritte Mini-Album des Liedermachers (zu Knyphausen), hauptberuflichen Produzenten (Schneider) und Ex-Frontmannes von Viktoriapark (Der dünne Mann) ins Haus stehen… Besser noch:  Die „Teil 4 und 5 und 6 EP“ ist vor wenigen Tagen (auf Vinyl via Kapitän Platte sowie digital bei den üblichen Verdächtigen) erschienen! Und obwohl das Trio auch diesmal lediglich fünf neue Stücke über den musikalischen Tresen wachsen lässt (die mittlerweile ein ordentliches Album darstellen dürften), enthält die neue EP aber auch so tolle, einmal mehr tiefgründige Songs wie „Kirchenschiff“ (oder „Treppenhaus„), welche erfreulicherweise deutlich erkennbar die songschreiberische Handschrift von Gisbert zu Knyphausen tragen, während musikalisch erneut absoluter Freispiel-Befehl (bis hin zum Elektro-Experiment) herrscht.

Und 2020? Ist das nächste Mini-Album mit den via Facebook bereits Anfang des Monats mit den Worten „Aus Versehen fünf neue Lieder geschrieben aufm Land. Für EP4, 2020.“ bereits fest eingeplant. Eben dieselbe Prozedur wie jedes Jahr im Hause Husten…

 

 

Hier gibt’s die neue, jährliche Husten-EP via Bandcamp im Stream:

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: