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Song des Tages: Freddie Dickson -„Hideout“ (Mahogany Session)


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Sollte man vor die Wahl gestellt werden, in diesen verregneten Herbsttagen lediglich einem einzigen neuen Musiker-Talent sein Ohr zu leihen, so würde ich euch Freddie Dickson ans Hörerherz legen…

Der britische Singer/Songwriter aus London wuchs, wie viele seiner Kollegen auch, mit der Musik von Songwriter-Ikonen wie Bob Dylan, Neil Young und weiteren Legenden auf – und auch bei ihm hatten diese spürbaren Einfluss auf seine musikalische Ausrichtung.

61zbb0vO3EL._SS500_Mit seiner 2013 erschienen Debüt-EP „Shut Us Down, bestehend aus einer Sammlung von trip-hop-igem, sinnlich-sinistrem Synth-Pop, erschien Dickson zum ersten Mal auf dem Radar und wurde bald darauf – und aufgrund vieler positiver Resonanzen – von Columbia Records unter Vertrag genommen. Nach zwei Jahren beendete Freddie Dickson 2016 diese Zusammenarbeit, da er sich in der schnelllebigen Major-Industrie zunehmend verloren fühlte und seine bisherigen Veröffentlichungen (und wohl auch der ein oder andere Major-Label-„Berater“) einen kommerziellen Pop-Sound verlangten, wodurch sich der Newcomer von seinem ursprünglich dunklen und stimmungsvollen Klang immer mehr entfernte. Die Konsequenz: der Wechsel zum kleinen Indie-Label Shakey Records.

Im Jahre 2017 erschien ebenda sein introspektiv-stimmungsvoller Debüt-Langspieler „Panic Town, welcher ihm ikonische Klang-Referenzen von Sharon Van Etten über The National bis hin zu Nick Cave einbrachte. Mit diesem Album fand Freddie Dickson auch zurück zu seinem musikalischen Ursprung, den man als eine Kombination aus klassischem Singer/Songwriter-Stil mit einem dunklen, mystischen Sound beschreiben kann.

Als langjähriger Teil der Londoner Musikszene begann Freddie Dickson sich jedoch von der Neun-Millionen-Einwohner-Stadt erschöpft zu fühlen und hegte den Wunsch nach Veränderung und Anonymität (letzteres in einer Metropole zu vermissen, mag schon ein wenig ironisch erscheinen). Seine oberste Priorität war einen Ort zu finden, wo er sich vollends seiner Musik widmen kann, um seine noch junge Karriere weiter voran zu treiben. Für jenen Schritt entschied sich Freddie Dickson nach Berlin zu ziehen, um weiter an seinem neuen Album, das schließlich „Blood Street“ heißen sollte,  zu arbeiten. Produziert und aufgenommen wurden die Songs in seinem Apartment in Nord-London, wobei seine Freunde von Oh Sister und der Musiker Amber Lane-Mcivor aus Manchester mitwirkten. Inspiriert von seiner Liebe zu Portishead und den Klängen von Neil Young, war Dickson endlich bei “seinem eigenen Sound” angekommen: “Ich wollte, dass die Songs in ihrem Gerüst aus E-Gitarre und weiblichen Gesängen herausstechen. Dann fügte ich einen für mich am natürlichsten wirkenden Produktionssound hinzu und entwickelte die Songs zu einem fertigen Album.”

91dyNHlIPhL._SS500_Nachdem der Drummer Alex Reeves (Elbow, Bat for Lashes) an den finalen Versionen der Aufnahmen arbeitete, zog Dickson im September 2018 nach Berlin. Im Folgejahr wurde sein Album mit der Hilfe seines Produzenten John Davies, mit dem er schon seit einiger Zeit zusammenarbeitet, vollständig gemixt und gemastert.

Blood Street„, diese neue Sammlung von zehn tiefgründigen, persönlichen Titeln, die von Liebe und Herzschmerz erzählen und in denen Nick Caves schwarzromantische Dystopien ebenso ihren Platz finden wie Jeff Buckleys Melancholie und beinahe unnachahmliches Gespür für Gospel ’n‘ Blues, spiegelt Dicksons Beziehung mit seiner Heimatstadt wider. Aber auch das Verlangen, seiner Musik stets dahin zu folgen, wo sie ihn hinführt. Und die Unsicherheiten, die während dieser Reise aufkommen. „Blood Street“ ist der perfekte Begleiter durch einen trüben Herbsttag von einem, den man definitiv auf dem Schirm haben sollte.

 

 

Ebenfalls Teil von Freddie Dicksons 2015 aufgenommener Mahogany Session: diese feine Version von „Shut Is Down“ (im Original von seiner 2013er Debüt-EP selben Titels)…

 

Rock and Roll.

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Song des Tages #2: JC Stewart – „Girls Just Want To Have Fun“


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Für allzu viel Aufsehen hat JC Stewart, ein junger Newcomer aus dem nordirischen County Derry,  bislang noch nicht gesorgt: zwei gute Handvoll Singles, dazu einen Songwriter-Credit am Debütalbum „Divinely Uninspired To A Hellish Extent“ seines (aktuell weitaus erfolgreicheren) Schotten-Buddies Lewis Capaldi. Freunde gefühligen Singer/Songwriter-Pops dürften an Songs wie „Have You Had Enough Wine?“ oder „Bones“ ihre Freude haben, für mich hebt sich der „Professional Sadboy“ (woher dieser Spitzname kommt, entnehmt ihr der Label-Biografie) im Gros zu wenig vom oft sehr ähnlich schmachtenden und barmenden Formatradio-Einheitsbrei ab.

Fein geraten jedoch ist JC Stewarts im vergangenen Jahr veröffentlichte Variante des 1983er Cyndi-Lauper-Dauerbrenners „Girls Just Want To Have Fun„, der er mithilfe seiner weißen und schwarzen Tasten eine Extraportion sublimes Afterhour-Feeling verpasst…

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Noah Cyrus – „July“


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Miley Cyrus? Ja, schon klar: „Wrecking Ball“ und nackt auf der Abrissbirne und ein kleiner Twerk-Skandal damals, 2013, auf der VMA-Bühne und dieses Jahr wieder mal ein Ohrwurm mit „Nothing Breaks Like A Heart“ und kürzlich das Ehe-Aus mit Hollywood-Beau Liam Hemsworth. Wer Pop-Musik mag, ist wohl – ob man möchte oder nicht – bestens über den Karriereweg der einstigen, ach so niedlichen „Hannah Montana“-Disney-Darstellerin informiert. Und wenn schon ihr Vater Billy Ray Cyrus ein alter Hase im US-Country-Pop-Bizz ist (und wiederum eine nicht unbedeutende Aktie am diesjährigen Sommerhit „Old Town Road“ hatte), wieso sollte dann nicht auch der Rest des Cyrus-Clans sein Unwesen im Musikgeschäft treiben? Eben.

julyUnd genau hier kommt Noah Cyrus, der jüngste Spross aus der umtriebigen Künstlerfamilie, ins Spiel. Denn Mileys kleine Schwester, die die Verwandtschaft schon rein optisch kaum leugnen kann, hatte bis vor kurzem nicht nur – Fräulein muss ja auch auf ihre Instragram- und Street-Cred-Tauglichkeit achten – einen dieser so fies gesichttätowierten Cloud Rapper als Freund (Lil Xan, if anyone cares), die 19-jährige verfolgt seit einigen Jahren selbst eine der großen Schwester nicht unähnliche Solo-Karriere – könnte man zumindest meinen, wenn man ihre recht formidable Single „July“ hört. In ebenjenem Song singt sie über eine toxische Beziehung und die Angst vor Veränderungen: „Du erinnerst mich jeden Tag daran, dass ich nicht genug bin / Aber ich bleibe trotzdem“ heißt es in dem Chorus der Country-Pop-Ballade.

Das dazugehörige Musikvideo zu dem irgendwo zwischen Miley und Lana Del Rey einzuordnenden „summertime sadness“-Banger spielt denn auch stilecht im rural USA, in einer verlassenen Gegend, wo Noah Cyrus well dressed up vor einem Stapel voller Gepäck sitzt und lässig, mit einem Cowboyhut ins Gesicht gezogen, in die Ferne trällert. Auf Twitter schreibt die Sängerin zu ihrer Single: „Ich habe das über eine Zeit geschrieben, in der ich das Gefühl hatte, dass ich jemandem nichts bedeutete und mich nie gut genug für ihn fühlte.“ Und obwohl „July“ am Ende kaum mehr als zweieinhalb Minuten balladesker Herzschmerz-Teenie-Pop sein mag, ist die Nummer allerdings verdammt eingängig. Und singen kann der ganze Cyrus-Clan ja ohnehin…

 

Hier gibt’s erwähntes Musikvideo…

 

…sowie den Song noch einmal als Live-Session-Version:

 

Rock and Roll.

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Auf dem Radar: Last Train


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Nur einen kräftigen Steinwurf (oder eben etwa zwanzig Kilometer) mag das französische Mulhouse von der deutschen Grenze entfernt liegen. Und trotzdem hat hierzulande bislang kaum jemand vom derzeit wohl erfolgreichsten musikalischen Export der Elsass-Stadt, die man in Deutschland auch als Mülhausen kennt, Notiz genommen. Woran liegt’s? Weben Last Train ihre Melodien etwa in feingliedrig-harmonischen Chanson, der sich – Weltmusik-Chanteusen wie ZAZ mal außen vor – einfach nicht ins bundesdeutsche Formatradio pressen lassen mag? Bon, mesdames et messieurs… Daran wird es kaum scheitern, denn einerseits sind die Songs des bereits seit mehr als zehn Jahren gemeinsame Sache machenden Quartetts ebenso weit von süßlichen Jacques Brel-Variationen entfernt wie Fromage et Baguette von Peking-Ente süß-sauer, zum anderen singt Frontmann Jean-Noël Scherrer auf Englisch. Und auch wenn sich dort natürlich ein kleiner französischer Akzent breit macht, liegen die Vorbilder der Band ganz woanders…

a0127936159_16Vielmehr könnte der Grund dafür, dass Last Train erst jetzt, mit der Veröffentlichung ihres zweiten Albums „The Big Picture„, hierzulande die Runde machen, darin zu suchen sein, dass die junge Band in den letzten Jahren zwar weit mehr als 300 Konzerte im heimischen Frankreich, in Asien und Nordamerika spielte, jedoch kaum in Deutschland – auch wenn gerade das ob der Nähe verwundern mag.

Ein Publikum wäre für die Songs, die sich mal in staubtrockem Lederkutten-Rock suhlen wie anno dazumal die jungen Black Rebel Motorcycle Club (man höre zum Beweis die großartig ausufernde Live-Version von „Fire“), mal arschcool abliefern wie die Aussie-Derwische The Vines schon längst nicht mehr („Disappointed“), mal Reminiszenzen an selige Grunge- und Alternative-Rock-Zeiten der Neunziger erahnen lassen (etwa an den Jugendlich-wütenden Elan von Silverchair). Und: Jean-Noël Scherrer und seine täuschend milchgesichtigen Jungs haben die selbstverordnete Pause nach den Touren zum 2017er Debütalbum „Weathering“ scheinbar ideal genutzt, und so den Stücken ihres in Norwegen aufgenommenen Zweitlings noch mehr Abwechslung verliehen. Denn obwohl auch ein Großteil von „The Big Picture“ das altbewährte Laut-Leise-Schema, bei der eine trügerische Ruhe nur vor dem nächsten Sturm warnt, bis in den letzten Winkel ausreizt, versteckt sich unter den zehn neuen Songs die ein oder andere Abwechslung. So wird bei „Tired Since 1994“ aus einem ruhigen Rocksong plötzlich eine Art cineastische Filmmusik, während bereits vorher, beim achtminütigen „On Our Knees“, die Gitarren nach einer wahren Achterbahnfahrt mit Streichereinsatz theatralisch hinfort gespült werden. Nach bluesigen Gitarreneinleitungen reduziert der Vierer seinen oft brachial drauflos rockenden Sound nicht selten bis aufs polternde Schlagzeug, um danach wieder Fahrt aufzunehmen und mit konsequenten Breaks, die die Songstruktur endgültig aufbrechen, zu überzeugen – hat bereits auf dem Erstling oft genug überzeugt, also wird diese Indierock-Rezeptur nun auch wieder zur Genüge geboten (man höre hier „The Idea Of Someone“ oder „Right Where We Belong“). Wenn sich die titelgebende Abschlussnummer ganze zehn Minuten gönnt, scheint selbst die Britpop-Gigantomanie von Oasis nicht weit entfernt. Und aufgrund von Scherrers eindringlich-quengeligem Gesang, dessen langgestreckte Vokale einen wohl unweigerlich auch an Ober-Smashing-Pumpkin Billy Corgan denken lassen, könnte man hier beinahe von einer wilden Rock-Orgie zwischen San Francisco, Seattle, Manchester, Chicago und Down Under sprechen – nur eben findet diese 2019 in einer 100.000-Einwohner-Stadt im Elsass unweit der deutschen Grenze statt…

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Einen ersten Eindruck vom Last Train-Zweitling „The Big Picture“ (den man via Bandcamp im Stream findet) kann man sich anhand der Musikvideos zu „Disappointed“…

 

…“The Idea Of Someone“, einem in schwarzweißer Retro-Optik festgehaltenen Schleicher, der erst gen Ende Fahrt aufnimmt…

 

…und dem titelgebenden Album-Abschluss „The Big Picture“ verschaffen:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Proper. – „Bragging Rights“ (feat. Willow Hawks)


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Wahrscheinlich fällt eine spontane Namensänderung leichter, wenn einen sowieso kaum ein Schein kennt, denn aus Great Wight, die 2017 mit ihrem Debütalbum „The Suburbs Have Ruined My Life“ in kleinerem Rahmen auf sich aufmerksam machten, wurden unlängst Proper. Und den neuen Bandnamen nutzt Frontmann Erik Garlington bereits als ersten ebenso bissigen wie wertvollen Seitenhieb auf befremdliche Äußerungen, wie schön (engl. „proper“) er doch spräche: „You talk real proper.“ – so als würde seine Hautfarbe zwangsläufig Handeln oder Reden auf irgendeine Weise beeinflussen.

Und so spielen Herkunft und Hautfarbe entsprechend wichtige Rollen im Sound des Trios aus Brooklyn, zu dem neben Garlington noch seine Mitstreiter Elijah ‚Eli‘ Watson (Schlagzeug) und Natasha Johnson (Bass) zählen, ebenso Familie, Perspektivlosigkeiten und sexuelle Identität. Garlingtons Ausbruch aus dem engstirnigen US-Bible Belt mitten hinein ins vielfältige Leben im großen New York City als junger Erwachsener, von der Kreativität eines Kanye West oder Max Bemis (Say Anything) inspiriert, bilden das Rückgrat für den Proper.-Albumneustart „I Spent The Winter Writing Songs About Getting Better“.

a3578554858_16Zu den wichtigsten Stücken des im Juli erschienenen Longplayers zählt „Fucking Disgusting“. Garlington vermisste ein pansexuelles, inkludierendes Liebeslied und beschloss daher, selbst eins zu schreiben. Das herrlich unruhige Arrangement mit brodelnden Indie-Gitarren, geradezu vorwitzigen Afropunk-Vibes und ein paar Zeilen aus ABBAs „Dancing Queen“ bringt den schrägen Wahnsinn der Band denn ähnlich schnell auf den Punkt wie etwa „A$AP Rocky Type Beat“, das gar mit wilden Hardcore-Punk-Schlaggzeugsalven endet. Grungig-schroffer Uptempo-Rock, punkige Referenzen, Noise-Pop der Duftmarke Dinosaur Jr, kleinere Breaks und wütende Pogo-Tändeleien treffen auf die wortreichen (Selbst)Zweifel eines urbanen Twentysomethings. Mag sich zunächst seltsam lesen, brennt sich jedoch mit dem ein oder anderen wilden Haken als Umweg im Kleinhirn ein – so man denn offen in die Songs hinein lauscht.

Ohnehin scheinen Erwartungshaltungen für Proper. hörbar überbewertet, und so steuert das Trio nicht selten ebenso bewusst wie erfolgreich gegen diese an. „Toby“, einer Figur aus „The Office“ gewidmet, gibt sich herrlich launisch mit einem Hauch von emo’eskem Post-Hardcore und einer Salsa-Note in der Bridge, während die Breaks abermals herrlich tanzbar ausfallen und – mit etwas Fantasie freilich – an die Isländer von Retro Stefson erinnern. Die frontale Hymne „Curtain’s Down! Throw In The Towel“ liefert ein Mission Statement zu schrammeligem Rock, während das semi-balladeske „Trill Recognize Trill“ zu reduzierten Klängen die sexuelle Identität des jungen Sängers unter die Lupe nimmt, und wenig später in „Dekalb Ave“ gelungen fortgesetzt. Auch die Energieleistung „IDFWA (Art School)“ und der Instant-Ohrwurm „Bragging Right“, bei dem Garlington stimmliche Unterstützung von Willow Hawks (The Sonder Bombs) erhält, sollten nicht unerwähnt bleiben.

properNarrativ und musikalisch höchst unorthodox, häuten sich Proper. auf „I Spent The Winter Writing Songs About Getting Better“, dessen Titel von einem Wonder Years-Song inspiriert wurde, gleich mehrfach. Im Prinzip wirkt die gesamte Platte wie ein einziger Stream of Consciousness, der (s)eine Dreiviertelstunde weder ein festes Thema noch die eine vorgeprägte stilistische Schiene kennt. Erik Garlington, der stimmlich glatt aus jüngerer Bruder von Bloc Party-Frontmann Kele Okereke durchgehen könnte, wechselt dabei nahezu fließend zwischen Vergangenheit und Gegenwart, nimmt durchzechte Nächte ebenso mit wie sozialkritische Abhandlungen oder einen ungeschönten Blick auf seine Rolle in einem ihm nicht immer freundlich gesinnten Land. Hochgradig spannende Auswüchse, angenehm schroffe und verquere Präsentation und ein steter Hauch des Unerwarteten um die Nase – proper amazeballs, Neustart gelungen.

 

 

„I worked way too hard for this
Told  myself I was outgoing, ‚til I believed it
Asked  friends to be my biggest critics
For the motivation I needed not to quit

I don’t want to watch the bees die or smash my hips on tables
But  I always act so frantic and it just comes off as unstable
What’s  the difference? Lack of reference If I pour it all out at once
But it’s the difference in the distance
Yeah  yeah, you can just put it in the trunk (worked too hard for)
Put it in the trunk (worked too hard for)

Won’t take my shirt off for you, but don’t tell anybody
I’m about to break the rules, but don’t tell anybody
Rockstar? – N o, I’m a modern fool, but don’t tell anybody
Wanna take off the shoes?

I always knew school wasn’t for me
Sorry mom and dad, I don’t need to take a year off to think
I’m already a fuck up, so what’s one more thing?
I just can’t spend my life wondering what I could’ve been
I have to work twice as hard to get half of what my white counterparts get – so I’ll apply it to what I want
Can’t do a 9-5 or join the military industrial complex
Because for every guy that tried to fuck me and put my dreams down, and the bands in it for themselves and a free round
There’s could be someone that looks just like me
That needs to hear they’re not alone, or at least they don’t have to be
It might takes years, it might not happen at all
Could end with a mid-life crisis in a bathroom stall
You can save every reason, it’s too big a risk
I’ve already heard it and I know that it’s worth it

I’m no longer confused, but don’t tell anybody
I’m about to break the rules, but don’t tell anybody
I got something better than school, but don’t tell anybody
They want me to get a safe job, just like everybody
They ain’t walked in my shoes, I’m just not everybody

If I put it into words would you hear me out? (worked too hard for)
If I put it into words would you hear me out?
If I put it into words would you hear me out? (worked too hard for)
Hear me out, oh-oh“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Ran Nir – „Obsession“


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Ran Nir. Ran… wer? Nun, obwohl der in Jerusalem geborene Wahl-Berliner wohl ohne eine einzige Autogramm-Anfrage durch seinen Heimatkiez spazieren kann, ist er – zumindest für findige Indie-Szene-Füchse – doch kein gänzlich Unbekannter: Der eine oder andere kennt ihn vielleicht als Mitgründer der israelischen Band Asaf Avidan & The Mojos (die hatten ja mit einer Remix-Version ihres „Reckoning Song“ vor nicht allzu langer Zeit einen Sommer-Hit) sowie als Frontmann und Songschreiber von LFNT.

a4287915101_16.jpgNach recht erfolgreichen Karrieren mit diesen beiden Bands und seinem Umzug nach Berlin vor fünf Jahren, hat Ran seine eigenes kleines Label I Am You Music Group gegründet und veröffentlicht am kommenden Freitag sein Debüt-Soloalbum „Obsession„. Und irgendwie ist der Titel ja Programm: Besessen von den immer währenden, stets laut tönenden Gedanken in seinem Kopf und dem Streben nach dem vielleicht unerreichbaren und am Ende nicht existierenden Konzept der absoluten Wahrheit, versucht der Künstler die Bedeutung und das Heil des Lebens in seiner Musik zu finden, bleibt dabei aber stets dem Leben und all seinen Facetten gegenüber optimistisch.

So eröffnet „Obsession“, der Titelsong, nun nicht nur das Debütwerk, er ist auch die erste Single-Auskopplung des Albums. Ran Nir sagt dazu: „The song reflects cynically and almost comically about the human need to find something to fill the endless void within us: drugs, medication, fashion or music – anything that would make us feel more alive moving from one obsession to the next – ‚I need to find a new obsession.’“ – eine recht schonungslose Abrechnung mit der heutigen Konsumgesellschaft.

Der Song wurde von Ran, der sonst auch live an der Seite befreundeter Musiker(innen) wie etwa Totemo, Noga Erez, Dan Billu oder Max Prosa zu erleben ist, gemeinsam mit Co-Produzent Erez Frank im eigenen kleinen Studio aufgenommen, das er sich in seiner Berliner Wohnung eingerichtet hat. Darin verbinden sich Klanglandschaften aus E-Gitarrensounds mit tiefgehendem Gesang, folkiger Akustikgitarre, Bassline und soften Beats.

Als Inspirationsquellen seines ersten eigenen Albums gibt der weltoffene Israeli vor allem drei Metropolen an: Tel-Aviv, Berlin und London, die ihm mit „Liebe, Leben und Geschichten“ zu diesem „Stück Kunst“ verholfen haben.

 

Hier gibt’s das Musikvideo zu „Obsession“…

 

…sowie den Song in einer Proberaum-Version:

 

(Und wer mehr über Ran Nirs musikalische Ursprünge wissen mag, der findet hier einen „Fragebogen“, den der Wahl-Berliner 2016 beantwortet hat…)

 

Rock and Roll.

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