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Song des Tages: Kalle Mattson – „Avalanche“


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Den aus dem kanadischen Sault Ste. Marie, Ontario stammenden Singer/Songwriter Kalle Mattson dürfte hierzulande kaum jemand kennen. In seiner Heimat ist der 29-jährige Indie-Musiker, den es mittlerweile ins etwas urbanere Ottawa verschlagen hat, da schon ein paar Schrittchen weiter, war 2014 etwa, für sein Album „Someday, The Moon Will Be Gold„, für den renommierten Polaris Music Prize nominiert. Wen wundert’s, schließlich hat das Milchgesicht mit der Vor-fünf-Minuten-aus-dem-Bett-gefallen-Frisur und der markant quietschig-nasalen Stimme musikalisch eine feine Bandbreite zu bieten: vom oft orchestral ausstaffierten Folk der Anfangstage, der ab und an schonmal ernstere Töne anschlägt (so verhandelt oben genanntes Werk etwa den Tod der Mutter, als Mattson selbst erst 16 Jahre jung war), über ein reduziertes Cover des Drake-Hits „Hotline Bling“ bis hin zum ebenso ungeniert wie selbstbewusst gen Eingängigkeit schielenden Indie-Pop der jüngsten Releases wie „Youth“ (2018) oder der „Avalanche EP„.

a4051000374_10Und wenn man so mag, dann konnte Kalle Mattson, der nebenbei noch mit summersets, einem Zwei-Mann-Duo mit Musiker-Buddie Andrew Sowka, eine weitere tönende Spielwiese am Start hat, erst mit dem letztgenannten, 2015 erschienenen Mini-Album (welches man via Bandcamp – neben einem Großteil des weiteren Backkatalogs – als Stream und „name your price“-Download findet) sein wirkliches musikalisches Coming Out feiern, denn die Songs baden mit Synthesizern und Drum-Machines nicht mehr in reduzierter Folk-Tümelei, sondern bis zum Haaransatz im Eighties-Sound-Outfit großer Vorbilder wie etwa Bruce Springsteen (von dem Mattson selbst nicht von ungefähr Alben wie „Tunnel Of Love“ oder „Born In The U.S.A.“ am meisten schätzt – wer mehr über die stellenweise Detailversessenheit des Indie-Musikers wissen mag, der kann hier weiterlesen). Das zwar recht simple, aber irgendwie auch augenzwinkernde Motto von nun an lautete also: „Folk is dead!“.

Was also lag näher, als seinen Vorbildern gleich unverhohlen Tribut zu zollen und fürs Musikvideo des Titelstücks, bei dem Philip Sportel Regie führte, eine ganze Latte an ikonischen Albumcovern humorig nachzustellen? Eben: wenig.

„Ich hatte das Videokonzept eigentlich schon lange Zeit im Kopf“, so Mattson. „Ich erinnere mich, dass ich 10 oder 11 Jahre alt war, als ich die ‚Rolling Stone‘-Ausgabe mit den ‚500 Greatest Albums of All Time‘ durchblätterte und allein aufgrund der Cover entschied, welche Platten ich mir aus der Sammlung meines Vaters anhören wollte. Alle Alben, die wir nachgestellt haben, sind super wichtig für mich, und das Video dient sozusagen als Fenster zu dem, was mich beeinflusst hat, als ich aufwuchs, als ich zum ersten Mal Musik entdeckte und dann schließlich selbst Songs schrieb.“

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Hinsichtlich des gelungenen Endergebnisses, für welches er etwa eine durchaus gerechtfertigte Nominierung als „Video of the Year“ bei den 2016er Juno Awards einheimsen konnte, gibt sich Mattson bescheiden: „Eine meiner Hauptsorgen war, dass es wie ein kleiner Egotrip wirken könnte, wenn ich mein Gesicht in ein berühmtes Dylan-Cover oder so stecke, aber ich glaube wirklich, dass es am Ende als ein Werk der Ehrerbietung zu den Künstlern, ihren Platten und den Covern, die diese Alben so besonders machen, herüberkommt.“

Das flimmernde Endprodukt enthält gleich 34 recht kreative Knickse vor Künstlern und Bands wie Elliott Smith, Jay Z, Wilco, Radiohead, The Velvet Underground, den Ramones, David Bowie, Pink Floyd, Beck oder sogar den Backstreet Boys, bis man schließlich das Cover von Mattsons „Avalanche EP“ auf dem Plattenspieler liegen sieht. So gerät das Musikvideo schnell zum popkulturellen Ratespiel mit massig „Hallo!“- und „Aha!“-Momenten, bei dem wohl nur die am besten popkulturell geschulten Musik-Freaks wirklich alle Albumcover erkennen werden (der Rest findet hier eine Auflistung)…

 

Hier gibt’s das Musikvideo zu „Avalanche“…

 

…und einen Blick hinter die Entstehungskulissen:

 

Wer dennoch den Folk nicht traurig vor der Tür stehen lassen möchte, der findet hier eine Akustik-Variante des Songs:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Craig Alan Hughes – „Nature Boy“


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Ach, das Internet mit seinen Youtubes und Bandcamps und Soundclouds ist so voller noch unentdeckter Talente, das glaubste gar nicht! Und dann… Und dann stößt man plötzlich auf verschlungenen Wegen auf ein neues. Craig Alan Hughes etwa.

Auf selbigen bin ich in einer Elliott Smith-Gruppe bei Facebook aufmerksam geworden, wo ein Mitglied unlängst (s)eine bereits ein paar Jährchen alte Coverversion des Smith-Songs „St. Ides Heaven“ teilte. Und man höre: Covern kann der junge Singer/Songwriter aus dem schottischen Edinburgh, der seine Einflüsse via Facebook grob mit „Mathieu Boogaerts, Elliott Smith, Sufjan Stevens, Divine Comedy, Simon and Gar-slamdunkda-funkel“ umreißt, in der Tat recht formidabel – und dann nicht nur Songs von Songwriter-Heroen wie Elliott Smith, Sufjan Stevens oder Jeff Buckley, sondern auch etwas unwahrscheinlichere Gassenhauer von Weezer oder Van Halen. Besonders magisch gerät etwa seine Variante des sage und schreibe auch bereits siebzig (!) Jahre jungen Nat King Cole-Klassikers „Nature Boy“ (bei manch einem wird vor allem David Bowies Version vom Soundtrack des 2001 erschienenen Baz Luhrmann-Films „Moulin Rouge“ ein paar Glöckchen zum Klingeln bringen).

Wer jedoch denkt, dass Craig Alan Hughes bei aller Coverei – die bekommen zugegebenermaßen ja viele recht passabel hin – nichts Eigenes zustande bringen würde, der irrt – und sollte schleunigst mal bei Bandcamp vorbei schauen, wo der Newcomer (aktuell knapp 550 Facebook-Likes) derzeit zwei EPs sowie ebenso viele Alben (das jüngste, „Afraga„, erschien 2016) – allesamt als „name your price“ – anbietet.

 

„Craig is a songwriter who lives next to a zoo in Edinburgh, Scotland. Sometimes he gets woken up when the lions roar, but all in all it’s a satisfactory arrangement. His music has been featured on BBC, XFM and has soundtracked television shows on MTV and Showtime…“

 

 

 

„There was a boy
A very strange, enchanted boy
They say he wandered very far
Very far, over land and sea
A little shy and sad of eye
But very wise was he

And then one day
One magic day he passed my way
While we spoke of many things
Fools and Kings
This he said to me:
‚The greatest thing you’ll ever learn
Is just to love and be loved in return…'“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: The Ocelots – „The Switch“


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Foto: Caolán Barron

„Der Ozelot (Leopardus pardalis) ist eine in Mittel- und Südamerika lebende Raubtierart aus der Familie der Katzen (Felidae). Er ist der größte und wohl bekannteste Vertreter der Pardelkatzen (Leopardus), einer auf Amerika beschränkten Gattung kleinerer, gefleckter Katzen.“Wikipedia, das olle Schwarm-Klugscheißerle…

Nun mag sich ANEWFRIEND keineswegs für den Heinz-Sielmann-Gedächtnispreis bewerben und möchte Brandon und Ashley Watson – Babyfaces hin oder her – freilich keineswegs mit putzigen Raubkätzchen vergleichen. Jedoch ist das irische Zwillingspaar aus Wexford im Südosten der „Grünen Insel“, welches im Duo auf den Namen The Ocelots hört, trotz seiner jeweils 22 Lebensjahre schon gut rumgekommen und hat sich seine Sporen seit 2016 auf den Straßen, in den Fußgängerzonen oder Stadtparks und an allerlei U-Bahn-Stationen Europas sowie bei zig intimen Kleinkonzerten verdient. Kaum verwunderlich also, dass selbst Größen wie Jack Johnson oder Glen Hansard innerhalb kürzester Zeit auf sie und ihre 2017 erschienene Debüt-EP „Till We Get There“ aufmerksam wurden und die beiden zu sich ins Vorprogramm einluden. Wohl auch deshalb haben The Ocelots mittlerweile ein dickes Plus als Tour-Weltbürger rund um den Globus vorzuweisen. Und leiht man dem im März veröffentlichten Debüt-Langspieler „Started To Wonder“ sein Ohr, weiß man auch schnell, warum es derzeit so gut für die Brüder läuft: The hype may still be small, but it’s real!

unnamedWie eine bodenständigere Kleine-Bruder-Version der frühen „Parachutes“-Coldplay beginnt das Album, dessen schlichte Produktion zurecht vollkommen auf das Songwriting der mittlerweile in Leipzig ansässigen Zweierband setzt und völlig zurecht keine musikalischen Nebelkerzen oder unnütze Gimmicks einbaut, um davon abzulenken. So entsteht schnell eine intime Unmittelbarkeit, in der alle Lieder von einer Akustikgitarre grundiert werden. So würde der optimistische Opener „Gold“ auch auf dem mittlerweile knapp zwanzig Lenze jungen Debüt von Chris Martin und Co. eine gute Figur machen. Die wunderbare Single „The Switch“ präsentiert dabei – nebst einem Theremin (oder ist das etwa eine singende Säge?) – den wohl stärksten Quasi-Popsong des Langspielers, schleicht sich mit bezaubernder Harmonieführung und hingetupfter Leadgitarre langsam und rhythmisch in die Gehörgänge und tanzt dann träumerisch davon: „The train goes by like a lullaby…“. In einer ähnlich versonnenen Sphäre bewegen sich auch die folgenden Stücke, die das Album immer stärker beruhigen. Auf dem passend betitelten „Dream The Day Away“ begleitet ein Banjo die entrückten Stimmen der Brüder, die wie Sprachfetzen oder Straßengeräusche aneinander vorbeiziehen. Auch feine Ironie ist den Watson-Zwillingen nicht fremd: Auf „Lost“, das so entspannt beginnt, als wäre es chilled out in der Hängematte von Ex-Tourkollege Jack „Upside Down“ Johnson geschrieben worden, stellen sie die Frage nach der Substanz („When do I stop feeling shallow?“), nur um einige Minuten und ein paar verwinkelte Melodien später die Orientierung zu verlieren: „Am I lost?“. Kurz darauf drohen die schwebenden, träumerischen Harmonien des Albums plötzlich zu kippen, wenn im kargen und doch intensiven „Strangers In The Stairways“ die klischeehaften, einsamen Reflektionen am Fenster von einer allzu profanen Reihenhaus-Alltagsrealität zerstoben werden: „The TV blares as my neighbours upstairs start a fistfight…“. Am Ende wird die Angst vor der sozialen Isolation förmlich herausgeschrien.

Die Konstante auf „Started To Wonder“ – man kann’s gar nicht oft genug betonen – bleiben die großartigen Harmoniegesänge, die unweigerlich Gedanken an die oftmals symbiotische Beziehung von Zwillingen hervorrufen. Wie Brandon und Ashley Watson mal mit-, mal gegeneinander singen und ihre Stimmen auf mitunter ungewöhnliche, aber stets gekonnte Weise ineinander weben, verleiht den ohnehin schon tollen Melodien weitere Tiefe. Oberstes Prinzip der beiden bleibt stets, einfache Mittel kreativ einzusetzen, wohl auch ein Gesetz der Straße. Zwar mag das den eigenen kreativen Spielraum ein wenig einschränken, jedoch kann darin auch eine Chance liegen, die Lieder auf andere Art und Weise zu fokussieren. Und trotzdem gelingt es The Ocelots, klassischen Folk à la Bob Dylan, Neil Young, Simon & Garfunkel oder den Carpenters mit Anklängen aus jüngerem Indie- oder Jangle-Pop der Marke Bright Eyes (in sonniger), Fleet Foxes (in weniger aufgewühlt) oder Travis (als irisches Pendant) anzureichern. Wem Belle & Sebastian über die Jahre zu pompös geworden sind, wer die Lo-Fi-Ästhetik der frühen Alben von The Clientele vermisst, wem Damien Rice‘ erste Werke zuviel Herzeleid in sich tragen, der kann in The Ocelots eine junge Band entdecken, die im ersten Durchgang wohlmöglich noch banal nach Easy Listening tönende, bald jedoch schon hintersinnig und zeitlos-toll funkelnde Indie-Folk-Songs mit Herz(blut) schreibt und mit ihren Händen und Stimmen, mit Akustikgitarre, Banjo, Mundharmonika oder Piano feine, sympathisch-unperfekte Musik macht. So einfach kann’s manchmal sein. Und das Niedliche? Sei beruhigt dem Leopardus pardalis selbst überlassen…

 

 

Neugierig geworden? Dann passt mal auf:

Bis zum 23. April 2020 vergibt ANEWFRIEND – mit freundlicher Unterstützung von The Ocelots sowie ROLA MUSIC – Quarantäne-freundliche Downloads von „Started To Wonder“ an alle, die zwar Böcke haben, das Debüt zu hören, jedoch aktuell nicht ausreichend Kröten in der Geldbörse locker machen können, oder – aus welchen Gründen auch immer – den bereits bestellten Langspieler grad nicht aus dem Briefkasten fischen können. Was ihr dafür tun müsst? Schreibt einfach eine E-Mail mit dem Betreff „Ozelot-Osterhase“ an anewfriend@gmx.de und beantwortet folgende Frage: Für welchen Song durfte der weiter oben erwähnte irische Folk-Barde Glen Hansard vor einigen Jahren – zwar völlig zurecht, aber doch auch ein klein wenig überraschend – einen Oscar in der Kategorie „Bester Song“ mit nach Hause nehmen? Viel Erfolg!

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Gabby’s World – „I Admit I’m Scared“


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Gabrielle Smith mag noch jung sein, macht jedoch bereits seit vielen Jahren Musik – und hat in dieser Zeit etliche Male den Pseudonym-Deckmantel gewechselt. Erschien das erste Album „iglu songs“ 2008 noch als Eskimeaux, machte die Indie-Musikerin aus New York bald darauf recht nebulös als Ó weiter, und ist mittlerweile als Gabby’s World unterwegs…

a0498162461_16Musikalisch ließe sich die umtriebige Künstlerin, die auch ansonsten recht unstet in der US-Ostküsten-Musikszene oder dem in und um Brooklyn ansässigen Kollektiv The Epoch aktiv ist, wohl am ehesten im weiten Klangfeld zwischen poetischem Indie Folk und angenehm ungeschliffenen Indie Rock verorten. Neulingen sei vor allem das 2015er Werk „O.K.“ (das es via Bandcamp als „name your price“ gibt) ans Hörerherz gelegt, welches mit Songs wie „Broken Necks„, „Alone At The Party“ oder „I Admit I’m Scared“ einige von Smiths bisher stilistisch vielfältigsten und berührendsten Kompositionen enthält. Letztere etwa zieht seine Kreise um grüblerische Gedanken darüber, welche Effekte das eigene Denken und Tun auf einem nahestehende Menschen hat, während der Song sich von einer sachten Folk-Ballade hin zum Indierock-Furor steigert. Bands und Künstlerinnen wie Hop Along, Big Thief, Torres, Mitski oder Lucy Dacus lassen aus der Referenzliste lieb grüßen…

 

„You can tell that Gabrielle Smith’s one-woman band Eskimeaux belongs somewhere in the DIY matrix because there’s an instinctive intimacy to it. The lyrics read like the sort of poetry an incredibly smart and insightful high-school kid might write and then keep to herself forever even though it’s really good and the school literary magazine would’ve been happy to publish it.“ (Stereogum)

 

Hier gibt’s die Nummer abseits von Bandcamp im Stream…

 

…sowie in einer 2016 aufgenommenen Audiotree-Live-Session:

 

„I admit I’m scared
Of a warm side of our bed
I tremble in the face
Of your loneliness

And everything I think
Should be buried in the ground
Should be kept inside my head
But it’s knit into your brow

I live inside your room
And if I reach out with my hand
The disturbance sends our things
Crashing down upon my head

And everything I think
Should be buried in the ground
Should be kept inside my head
But it’s knit into your brow

And everything I said
Spewed like sparklers from my mouth

And everything I said
Spewed like sparklers from my mouth
They looked pretty as they flew
But now they’re useless and burnt out

And if I had a dime for
Every time I’m freaking out
We could fly around the world
Or just get out of your parents‘ house“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Any Other – „Lost Cause“


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Auf Bühnenbrettern mag das mit Gitarre, Wurlitzer, Bratsche, Cello, Flügelhorn und Saxophon ausgestattete „Any Other Sextet“ – obgleich immer noch über alle Maßen in melancholischen Traumgefilden unterwegs – wohl stellenweise eindrucksvoll tönen. Wer’s nicht in die italienische Heimat des Mailänder Kollektivs schaffen sollte, um einer Show von Frontfrau Adele Nigro sowie Laura Agnusdei, Federica Furlani, Eleuteria Arena, Paola Fecarotta und Marco Giudici beizuwohnen, dem sei etwa das zweite, 2018 erschienene Album „Two, Geography“ wärmstens ans Hörerherz gelegt – gerade, wenn man sonntags ein wenig den sinngrüblerischen Gedanken nachhängen mag.

Im Grunde steckt hinter Any Other jedoch nur Adele Nigro. Dass die junge Indie-Musikerin denn auch im Alleingang zu überzeugen weiß, beweist die Italienerin mit ihrer Coverversion des ohnehin ewig tollen Beck’schen Drüsendrückers „Lost Cause“ (vom wunderschönen, mittlerweile fast 18 Lenze jungen Herzschmerz-Werk „Sea Change„), welche sie, wie seinerzeit auch Mr. Hansen, in reduziert-rohem Singer/Songwriter-Gewand präsentiert… *hach*

 

 

„Your sorry eyes cut through the bone
They make it hard to leave you alone
Leave you here wearing your wounds
Waving your guns at somebody new

Baby you’re lost
Baby you’re lost
Baby you’re a lost cause

There’s too many people you used to know
They see you coming they see you go
They know your secrets and you know theirs
This town is crazy; nobody cares

Baby you’re lost
Baby you’re lost
Baby you’re a lost cause

I’m tired of fighting
I’m tired of fighting
Fighting for a lost cause

There’s a place where you are going
You ain’t never been before
No one left to watch your back now
No one standing at your door
That’s what you thought love was for

Baby you’re lost
Baby you’re lost
Baby you’re a lost cause

I’m tired of fighting
I’m tired of fighting
Fighting for a lost cause…“

 

Rock and Roll.

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Monday Listen: A Girl Named Mo – „Live at Bats (Platonic\Romantic)“


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Jedes Land hat wohl mindestens diese eine Band, von der jede neue Single, jedes neue Album von den Einheimischen mit Spannung und Vorfreude (und nicht selten der ein oder anderen Diskussion im Nachhinein) aufgenommen wird und nahezu jede Show ausverkauft ist. Das Fandom erstreckt sich denn auch über Generationen, da die Großeltern mit ihren Kindern und Enkeln zu den Auftritten kommen. In Deutschland wären wohl Rammstein – Kontroversen hin oder her – diese Band (oder bringen sich mit ihren Erfolgen zumindest für diesen Titel in Stellung). In Kanada etwa The Tragically Hip. In Australien würden sich The Jezabels oder Cold Chisel diese Krone(n) aufsetzen. Und im vergleichsweise beschaulichen Neuseeland gehört, wie man liest, der Titel Fly My Pretties.

Ein Teil des Erfolgs des 2004 im neuseeländischen Wellington gegründeten Kollektivs besteht wohl darin, dass es sich wirklich um eine recht lose, beständig wechselnden Gemeinschaft von etwa 50 Künstlern handelt. Jeder und jede von ihnen bringt seinen eigenen, einzigartigen Ansatz in das Projekt ein, aber erst zusammen setzen sie eine Idee in fertige Songs irgendwo im Spannungsfeld zwischen Folk Rock, Roots Rock oder R’n’B um.

Ein Teil von Fly My Pretties ist Moana Ete. Die vielseitige Künstlerin, welche ebenfalls aus Wellington stammt, ist als Absolventin der renommierten Toi Whakaari Drama School nicht nur Schauspielerin, Autorin und Regisseurin, sondern wandelt unter dem Alias A Girl Named Mo auch (quasi) solo auf musikalischen Pfaden.

„Beim Schauspielen kann man sich immer hinter einer Figur verstecken, während Singen bedeutet, aufzustehen und zu sagen: ‚Das ist alles an mir. Das ist, wer ich bin. Es ist sehr persönlich“, sagt sie. „Ich werde nur dann wirklich nervös, wenn ich auf die Bühne gehe, um zu singen… all das macht mich viel verletzlicher.“

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Wohl auch deshalb hat sich Moana Ete, die ihre Liebe zur Musik recht früh im Kirchenchor fand, während Künstler wie Boyz II Men, Mary J Blige, TLC oder Missy Elliot ihren Geschmack prägten, denn doch musikalische Kompagnons gesucht: Slade Butler und Marcus Gurtner unterstreichen bei A Girl Named Mo als taktgebende Rhythmusgruppe und mit allerhand gefühlvoller Elektronica die erstaunlichen Gesangstalente ihrer Frontfrau. Zusammen kombiniert das Trio Elemente der Electronica mit dem ausgeprägten R’n’B-Trimbre von Moanas Stimme. Die ersten Ergebnisse des kreativen Trios sind etwa die Neo-Soul-Debütsingle „Who They Say You Are“ sowie das bei sechs ausverkauften Vorstellungen im Wellingtoner Bats Theatre aufgenommene Album „Live at Bats (Platonic\Romantic)“.

A Girl Named Mo sehen darin ein sich stetig weiterentwickelndes Werk, das nicht nur die ihre gemeinsame Idee von elektronischem R’n’B präsentiert, sondern auch die Live-Skizzen, die ihr irgendwann in der (nahen) Zukunft erscheinendes Debütalbum ausmachen werden.

In zwölf Song-Teilen untersucht „Platonic\Romantic“ zwischenmenschliche Beziehungen durch musikalisches Geschichtenerzählen. Unter der Führung von Moana Ete haben sich A Girl Named Mo seit 2016 einen Namen in der Musikszene von Wellington gemacht, und diese Momentaufnahme ist Zeugnis eines Projektes, das vor neuen, kreativen Ansätzen nur so überbordet. Elektronische Beats, Vocal-Samples und hämmernde Bässe verbinden sich mit dem zweifellos großen Talent von Ete zu einer ebenso abwechslungsreichen wie klugen Sammlung von Songs.

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Moana Ete hat Folgendes über „Live at Bats (Platonic\Romantic)“ zu sagen:

„Es ist ein elektronisches Live-Album, das ein wenig einem Oxymoron gleichkommt. Ich erinnerte mich daran, dass ich mir während der Aufnahmen Erykah Badus Live-Album anhörte. Ich liebe ihre Beziehung zum Publikum über alle Maßen. Sie geht ganz entspannt mit ihm um, und auch ich höre ich ihr zu und hänge an jedem ihrer Worte. Ich liebe dieses Album, und auch ich wollte ebenso entspannt mit meinem Publikum umgehen, so wie sie es tat.

In Liebesliedern geht es fast immer um romantische Liebe. Es geht um Herzschmerz, Betrug und ums Heiraten, und es ist nur dann echte Liebe, wenn es ums Körperliche, ums große Ganze geht. Und darum geht’s mir einfach nicht immer. Einige der erfüllendsten und wichtigsten Liebesgeschichten sind für mich solche, die nichts davon enthalten, sondern einfach nur reine, platonische Liebe. Ich schätze, die wirkliche Idee ist, was wäre, wenn das Platonische und Romantische einfach eine Einheit wären.“

 

 

Via Bandcamp gibt’s „Live at Bats (Platonic\Romantic)“ im Stream (oder eben als wahlweise kostenlosen Download)…

 

…und hier bewegte Bilder zum Song „Platonic“:

 

Rock and Roll.

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