Schlagwort-Archive: Singer/Songwriterin

Song des Tages: Skullcrusher – „Storm In Summer“


Foto: Silken Weinberg

Schon seit einiger Zeit geistert Helena Ballentine aka. Skullcrusher aus L.A. als potentielles „Next Big Thing“ durch die Indie-Songwriter-Szene und fand sich so mit ihrem Künstlernamen, der im ersten Moment eher auf eine nordisch-sinistre Speed-Metal-Kapelle schließen ließe, auf nicht wenigen „Ones To Watch 2021“-Listen wieder. Ist das keineswegs ohne guten Grund. Zunächst veröffentlichte die Indie-Newcomerin im vergangenen Jahr ihre selbstbetitelte EP, mit der sie vorerst mal ihr Terrain absteckte und sich als Novizenvertreterin der „Phoebe Bridgers School of Whisper-Folk“ präsentierte.

Mit der Suche nach einem eigenen Stil ist Ballentine, die in einer Kleinstadt vor den Toren von New York City aufwuchs, mittlerweile zwar ein ganzes Stück weiter gekommen, aber – natürlich – noch längst nicht am musikalischen Wunschziel angelangt. So lässt die junge Musikerin nun, anstelle der erwarteten Debüt-LP, mit „Storm In Summer“ zunächst „nur“ eine weitere EP hören, auf der sie verschiedene Sachen ausprobiert, um ihren Anspruch als eigenständige Songwriterin auszuweiten. Dazu gehören die bewusstere Hinwendung zu konventionellen Songstrukturen mit Strophen und Refrains sowie eine deutliche Ausweitung des Skullcrusher’schen Klangbildes mit Band-Arrangements und einigen interessanten Ambient-meets-Electronica-Arrangement-Experimenten, etwa mithilfe von Banjo und Synthesizer. Und: Nicht zuletzt gibt es erstmals mutige melodische Entscheidungen, die zu durchaus memorablen Songs – wie etwa dem Titelstück – führen. Diese musikalische Öffnung macht deutlich, dass Skullcrusher deutlich mehr zu bieten hat als im heimischen Schlafzimmer zusammengedichtete, musikalische Tagebucheinträge à la Phoebe Bridgers. Ein kluges Stück Selbstdarstellung realisiert Helena „Skullcrusher“ Ballentine obendrein mit dem Single-Track „Song For Nick Drake“, bei dem es sich keineswegs (nur) um eine musikalische Hommage an den legendären britisch-melancholischen Singer/Songwriter-Vorreiter handelt, sondern um einen vergleichsweise munteren Folk-Pop-Song, in dem Ballentine darüber resümiert, dass man einen Songwriter nicht alleine auf die mögliche Bedeutung seiner Texte reduzieren sollte. Da hör‘ her!

„I wrote ‚Storm In Summer‘ after releasing the first Skullcrusher EP. Over that summer I thought a lot about what it means to really put myself out there and share something personal. I felt so vulnerable and overwhelmed by the fact that these songs I had written in private were exposed and likely being misinterpreted or disliked. I think the song really tries to communicate these anxieties in a cathartic way while also leaning more into the beauty of relinquishing part of myself.“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Sarah Jarosz – „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“


Die Songs von U2 zeichnen sich, vor allem ab den mittleren Achtzigern, durch ihre Wall of Sound aus, mit ihren unverblümt auf die großen Stadien und Arenen abzielenden, alles und jede(n) umarmenden Melodien und den zahlreichen Gitarrenspuren von The Edge, die dem Ganzen am Ende eine geradezu unverwechselbare Signatur verleihen. Für das 1987 erschienene, verdientermaßen hochgelobte Album „The Joshua Tree“ fügte die irische Rockband dieser Mixtur eine großzügige Kelle voll US-amerikanischer Roots-Musik hinzu. „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“ fängt diese Fusion wohl so gut ein wie kein anderer Song, den U2 zu dieser Zeit geschrieben haben – mit The Edges akustischer Visitenkarte, der klingelnden, dengelnden Gitarre, Bonos fast schon pastoralem, vom Gospel inspiriertem Gesang und dem Hintergrundgesang, der passenderweise einen Kirchenchor imitiert. Eine Slide-Gitarre am Ende verleiht dem irischen Vierergespann einen unverkennbar amerikanischen Sound. Larger than life.

Für ihre Variante des Evergreens entschied sich US-Folk-Sängerin Sarah Jarosz dazu, „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“ als Folksong zu behandeln. Sicher, auch ihr Gitarrenspiel mag an den primären Rhythmusgitarrenpart von The Edge erinnern – manchmal tönt es gar wie eine Mandoline – aber da enden die Ähnlichkeiten im Arrangement wohl bereits. Es gibt nur Jarosz und ihre Gitarre, sonst nichts. Ihr Gesang ist weniger erhaben, schon gar nicht pastoral, ein bisschen gedämpfter als Bonos Originalvorlage. Es gibt keinen Backing-Chor und keine Overdubs. Jarosz‘ Stimme ist rein und ihr Gitarrenspiel klingt fast knöchern, nackt und – ja – simpel, obwohl es dem von The Edge sehr ähnlich ist.

Das Ergebnis ist ein Song, der sich anfühlt wie ein altes amerikanisches Traditional oder ein Gospelsong ohne Chor. Und da sollte man auch mal eine kleine Lanze für Bono, The Edge, Adam Clayton und Larry Mullen jr. brechen: Bei allem, was bei ihnen manches Mal leicht gestelzt tönen mag, bei aller plötzlichen Besessenheit von Americana und dem übergroßen US-Sound-Outfit, wendete die Band vorab viel Zeit dafür auf, die Musik zu verstehen, bevor sie sie in ihren eigenen Sound integrierte. Das Solo-Akustik-Cover der dreifachen Grammy-Preisträgerin Jarosz von „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“ unterstreicht nun lediglich, wie gut U2 damals, vor über dreißig Jahren, ihre Arbeit tatsächlich gemacht haben. Ohne das ganze Getöse der Originalaufnahme klingt der Song unter den Händen von Sarah Jarosz, als sei er so alt wie die US of A selbst, vielleicht sogar noch älter. Eine schöne, auf geradezu liebevolle Art und Weise großartige Hommage an einen großartigen, immergrünen Song. Simple as life.

Rock and Roll.

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Song des Tages: dodie – „She“


YouTuber(in) und Musikschaffene(r) in einem Satz? Da dürfte einen zumindest in Deutschland schnell das nackte Grauen überfallen – man denke nur an Pop-Ohrwurm gewordene Verbrechen wie etwa Bianca „BibisBeautyPalace“ Claßens „How It Is (wap bap…)„… Nee, lass‘ mal lieber. Influencer-Püppi, bleib‘ bei deinen digitalen Leisten.

Bei Dorothy Miranda „dodie“ Clark sieht die Welt jedoch ganz anders aus. Vor beinahe zehn Jahren veröffentlichte die damals 16-Jährige Britin, von der 2019 bereits auf ANEWFRIEND zu lesen war, ihren ersten Song „Rain“ auf YouTube. Mittlerweile ist sie 25 und konnte sich über die Jahre eine beachtliche Fangemeinde erspielen: annähernd zwei Millionen Subscriber bei YouTube, fast ebensoviele Follower bei Instagram. Wohl auch dank ihrer digitalen Reichweite erreichte dodie anno 2017 mit ihrer zweiten EP „You“ ohne großartige Promotion irgendwelcher alter weißer Plattenlabelherren sogar Platz 6 der britischen Albumcharts und verkaufte auch ihre ersten Deutschland-Shows Monate im Voraus bis aufs letzte Ticket aus. Chapeau!

Wenig verwunderlich also, dass dieses Do-it-Yourself-Wunderkind mit den stets etwas traurig dreinschauenden Augen, das sich trotzdem „hauptberuflich“ ihrem YouTube-Channel widmet(e), auch mit der dritten, 2019 veröffentlichten EP “Human” für den ein oder anderen Internet-Begeisterungssturm sorgen konnte. Während “Monster” noch locker-flockig über blubbernde Elektro-Töne Indie-flaniert, um dann in hymnische Chöre aufzubrechen, setzen “Not What I Meant” und das Titelstück auf Streicher und sanfte Töne. Es zeigt sich: Die vielseitige Künstlerin aus London beherrscht mit ihrer warmen Stimme beide Spielarten aus dem Effeff. Irgendwo im Indie-Metier spielt sich dodie mal eben unbekümmerte, aber dennoch bewegende Songs von der juvenilen Seele, die dennoch über durchaus faszinierende Tiefen verfügen. So wird im tollen “She” eine wahrlich herzzereißende – wahlweise gleichgeschlechtliche oder platonische – Geschichte erzählt, “If I’m Being Honest” ist eines dieser ganz und gar unpeinlichen Liebeslieder, die passende Wörter für diesen unbeschreiblichen Zustand finden, “Burned Out” vertont wiederum das Anhimmeln einer unerreichbaren Person. Und all das vor den zartesten Harmonien und den sanftesten Tönen. Ja, so klingen die Zwanziger.

Schon jetzt hat dodie, deren Debütalbum „Build A Problem“ am 5. März erscheinen wird, ihren eigenen Stil gefunden, der zwar keine neuen musikalischen Welten erfindet, jedoch durchaus mit ausgefallenen Songtexten und bewegenden Melodie-Führungen zu überzeugen weiß. Wunderbar, dass nicht nur junge (und junggebliebene) Freunde von irgendwelchen YouTube-Channels etwas von diesem Ausnahme-Talent mitbekommen dürfen. Denn in der (welt)weiten Musik ist sicher noch ein warmes Plätzchen zwischen musikalischen Nachbarinnen wie Kate Nash oder Soko für eine wie dodie frei…

Rock and Roll.

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Song des Tages: Jensen McRae – „Immune“


Foto: Promo / Caity Krone

Eigentlich war es anfangs nur eine lieb gemeinte, dystopisch angehauchte Parodie: „2023 wird Phoebe Bridgers ihr drittes Album herausbringen und der Opener handelt davon, wie man im Auto rummacht, während man damit im Stau auf dem Weg zum Dodger Stadium steht, wo man die Impfung bekommt, und es wird mich zum Heulen bringen“, schrieb Indie-Singer/Songwriterin Jensen McRae vor etwa 14 Tagen in einem Tweet und lieferte dann gleich eine kurze dazu passende Eigenkomposition. Und Bridgers? Die teilte das knapp einmütige Video mit einem begeisterten „oh my god“, geschmeichelt von diesem doch etwas verschrobenen Kompliment.

„A couple weeks ago I had this idea about the idea of the vaccination anthem. This pandemic has coloured pop culture permanently, whether we like it or not. On the way to us, almost inevitably, are pandemic romcoms and pandemic novels and, in my case, pandemic songs.

The way this pandemic has upended our lives has meant that pretty much no artist can escape writing about it. I imagined the fictional story of two friends whose dynamic has taken on a possibly false new dimension as a result of the chaos of the world, and how that chaos and the friendship would put kind of a lot of pressure on the relationship to be somehow life-changing. It’s also about how once the pandemic ‘ends’ – whenever that is – we’re all gonna have to find something new to talk about to each other.

This song came about partly as a joke, a parody of one of my favourite songwriters of all time, Phoebe Bridgers, who specialises in dark, spare, precise lyrics about our unprecedented times. My prediction about how Bridgers would tackle love in the time of vaccination – and an accompanying clip of the hypothetical song – took off on Twitter, so me and my producer, Rahki, decided to finish the song and turn it into something that sounds like me. It’s about how the emotional stakes of our relationships have been ratcheted up in light of global calamity, about hipsters and science and dogs and love. Enjoy.“

So ganz von Ungefähr dürfte die spontane Begeisterung des weitaus bekannteren Indie-Folk-Vorbilds übrigens nicht kommen, schließlich hat McRae damit trotz des durchaus vorhandenen ironischen Untertons so sehr die Essenz von Bridgers‘ Musik getroffen, dass aus „Immune“ nun eben ein vollwertiger Song inklusive Visualizer-Musikvideo wurde. Und man höre her – Zeilen wie „What will we say to each other when the needle goes in? / What will we be to each other if the world doesn’t end?“ würden nahezu perfekt auf Phoebe Bridgers‘ letztjähriges, völlig zurecht allerorts gelobtes Album „Punisher“ oder (potentiell) seinen hypothetischen Nachfolger passen. Simples Abkupfern gibt’s hier trotzdem nicht zu belauschen, denn McRae macht sich das Stück mit ihrem markanten Timbre in der Stimme mit jeder Faser, jeder Note zueigen. Um nett gemeinte Lobeshymnen von Bridgers-Fans, die der 23-jährigen attestierten, dass sie „mehr nach Phoebe Bridgers klingt als Phoebe Bridgers“, kam sie trotzdem nicht herum…

Möge ihr also die – eventuell dezent kalkulierte, eventuell auch unerwartete – Aufmerksamkeit helfen: Nach einigen Vorabsongs in den letzten Monaten – etwa das famose „Wolves„, welches das heikle Thema der physischen Gewalt gegen Frauen anpackt, „The Plague„, „White Boy“ oder einer bewegenden BLM-Version des durch Billie Holiday bekannt gewordenen Klassikers „Strange Fruit“ – soll noch in diesem Jahr der gemeinsam mit Produzent Rahki (Eminem, Kendrick Lamar, Sampa The Great) entstandene Debüt-Langspieler der talentierten Newcomerin aus Los Angeles erscheinen. Und auch deshalb sollte man Jensen McRae im Auge (und Ohr!) behalten…

„My name is Jensen McRae. I’m 23 & I’m a Virgo. I write songs about mental illness, being brown, fearing adulthood, and falling in love with every boy who’s ever been nice to me. I am probably writing about you in my journal.“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Ghostly Kisses – „Where Do Lovers Go?“ (live from Palais Montcalm)


Ghostly Kisses – kaum gab bereits ein Name einen besseren Fingerzeig hin zur musikalischen Wirkung – ist das Pseudonym der aus dem kanadischen Québec stammenden Sängerin und Songwriterin Margaux Sauvé, die schon seit einigen Jahren und mit mittlerweile drei EPs alle Freunde feinsinnig-verträumter, emotionsbetonter Musik geradezu magisch in ihren Bann zieht. Nicht ohne Grund und nicht erst seit ihrer jüngsten EP „Never Let Me Go“ sind die einschlägigen Gazetten und Seiten dies- wie jenseits des weltweiten Netzes voll des Lobes über diese besondere Dreampop-Chronistin des Zwischenmenschlichen.

Und ihre Stimme, sie verfügt in der Tat über die Magie eines flüchtigen Kusses, über etwas geradezu Geisterhaftes. Wie aus einer fernen Welt rückt sie über mystische Folk-Frequenzen und mithilfe von sphärisch-verspielten Electronica-Einschüben in das Gehör ihrer Zuhörer und erzählt auf ihre ganz individuelle Weise von ihren Beobachtungen der Menschen und ihrer formvollendeten Unvollkommenheit. Diese Songs mögen im ersten Moment auf zarten Sohlen daher tänzeln, treffen einen dennoch treffen sie einen irgendwann knallhart. Mitten ins Herz. Unweigerlich schließt man die Augen um alles zu intensivieren. Ohne Widerstand zu verspüren lässt man sich in die Tiefe ziehen und möchte so schnell nicht wieder aus diesen wunderschönen Wellen der Melancholie auftauchen. 

Die talentierte Indie-Musikerin dahinter übt sich früh: Im Alter von fünf Jahren begann Margaux Sauvé, Geige zu spielen – ein Instrument, das sie von ihrem Großvater geschenkt bekam – und trat somit in die Fußstapfen ihrer Musikerfamilie. Einige Jahre später begann sie zu singen und schrieb ihre ersten Lieder. Zwar noch keinen Langspieler, aber immerhin drei EPs hat Margaux Sauvé als Ghostly Kisses – ein Name, der einem Gedicht von William Faulkner entliehen ist – bislang veröffentlicht: „What You See“ (2017), „The City Holds My Heart“ (2018) sowie die im vergangenen Juni erschienene „Never Let Me Go“. Man kann entdecken, wie diese Künstlerin, die live zumeist von drei Mitmusikern flankiert wird (und dort noch mehr wohlig-melancholischen Zauber zu verbreiten vermag), im Laufe dieser Veröffentlichungen immer weiter gewachsen ist und zu ihrer eigenen Stimme gefunden hat – im buchstäblichen wie übertragenen Sinne…

„Meet me where all wrongs turn to right
Meet me where the light greets dark
Where the lovers go when they are tired

Keep me where you hide your second sight
Deep inside where secrets start
Where the lovers go when they are tired

Let’s watch the last rays fading out
Entwine our bodies on common ground

Will you hold on, my love
Even in a time of trouble?
I want to hold on, my love
Even in times of trouble
Will you hold on, my love
Even in a time of trouble?
I want to hold on, my love
Even in times of trouble

Meet me where you can break the silence
Meet me where the light greets dark
Where the lovers go when they are tired

Meet me in the gentle after light
Where your world falls apart
Where do lovers go when they are tired?

Let’s watch the last rays fading out
Entwine our bodies on common ground

Will you hold on, my love
Even in a time of trouble?
I want to hold on, my love
Even in times of trouble
Will you hold on, my love
Even in a time of trouble?
I want to hold on, my love
Even in times of trouble“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Julien Baker – „Hardline“


Foto: Promo / Alysse Gafkjen

Nach der bereits im vergangenen Oktober veröffentlichten ersten Vorabsingle „Faith Healer“ durfte man durchaus (noch) gespannt(er) sein, wohin es Julien Baker musikalisch auf dem Nachfolger zum 2017er Langspieler „Turn Out The Lights“ so zieht: Der Song entwickelte sich ausgehend von Bakers typisch zerbrechlich perlenden Gitarren zu einem üppigen Bandsound, in dessen Zentrum stets der einmalige Gesang der 25-jährigen Indie-Singer/Songwriterin stand.

Das gilt so ähnlich nun auch für „Hardline“: Sacht schwellen zu Beginn ein paar Orgeltöne und Synthesizer an, dann singt Baker feingliedrig wie eh und je. Nach fünfzig Sekunden wirkt es kurz, als würde der Song nun im Bandsound mit einer Pop-Bassdrum in den Mainstream übertreten. Doch der Titel bewahrt sich seine Indie-DNA, kehrt noch einmal zurück zu nichts als Gitarre und Gesang, schwillt wieder opulent an, beruhigt sich leicht und mündet schließlich in ein tosendes Finale, das manch einen eventuell flüchtig an ihren Beitrag im Touché Amoré-Song „Skyscraper“ erinnern könnte. Klar ist: So groß, so weitschweifig klang Julien Rose Baker noch nie.

Das fast noch tollere dazugehörige Stop-Motion-Video zeigt eine mysteriöse gehörnte Figur und ihren Hund in einer beinahe postapokalyptischen Pappmaché-Welt, die an einer einsamen Tankstelle Benzin stehlen, einen seltsamen Apparat testen, auf einem Kirchendach sitzen – und schließlich im stürmischen Schlussakt den Sound des Songs treffend in Bilder übersetzen. Der Look des Clips geht dabei laut Regisseur Joe Baughman, der mehrere hundert Stunden Arbeit in den liebevoll arrangierten, herzerwärmenden Clip steckte, auf eine Skulptur zurück, die Baker selbst gestaltet hatte. „Vor ein paar Jahren habe ich angefangen, Gegenstände von meinen Reisen aufzuheben, mit dem vagen Hintergedanken, daraus ein Kunstwerk zu machen“, meint Baker selbst. „Ich habe das alles dann in einer Collage in Form eines Hauses und eines Vans verarbeitet. Das wollte ich irgendwie auf der neuen Platte einbinden und als wir über Ideen für ein Video gebrütet haben, sind wir auf Joe Baughman gekommen.“

„Hardline“ wird auf „Little Oblivions“ zu hören sein, Julien Bakers mit Spannung erwarteten drittem Studioalbum, welches am 26. Februar erscheint. Die vorherige Single „Faith Healer“ hatte die junge Musikerin kürzlich in einer mitreißenden Version auch in der US-Late-Show von Stephen Colbert vorgestellt; zuvor hatte sie bereits die einzelnen Spuren des Tracks für Remixe freigegeben. Noch toller war da eigentlich nur ihr Besuch bei „KEXP at Home“, bei dem sie im Gespräch mit Moderatorin Cheryl Waters nicht nur aus ihrem Leben und vom neuen Album erzählte, sondern auch – mal solo, mal mit Band – Live-Session-Versionen von „Faith Healer“, „Hardline“, dem neuen Stück „Song In E“ sowie einer zu Tränen rührenden Coverversion des Soundgarden-Klassikers „Fell On Black Days“ zum Besten gab…

„A few years ago I started collecting travel ephemera again with a loose idea of making a piece of art with it. I had been touring pretty consistently since 2015 and had been traveling somuch that items like plane tickets and hotel keycards didn’t have much novelty anymore. So I saved all my travel stuff and made a little collage of a house and a van out of it. I wanted to incorporate it into the record and when we were brainstorming ideas for videos we came across Joe Baughman and really liked his work so we reached out with the idea of making a stop-motion video that had similar aesthetic qualities as the house I built did. I don’t know why I have the impulse to write songs or make tiny sculptures out of plane tickets. But here it is anyway: a bunch of things I’ve collected and carried with me that I’ve re-organized into a new shape.“ (Julien Baker)

„Man, even after having spent 600 hours immersed in ‘Hardline’ and having listened to it thousands of times, I am still moved by it. It was a fun and ambitious challenge creating something that could accompany such a compelling song. The style of the set design, inspired by a sculpture that Julien created, was especially fun to work in. I loved sifting through magazines, maps, and newspapers from the 60s and 70s and finding the right colors, shapes, and quotes to cover almost every surface in the video.“ (Joe Baughman)

„Blacked out on a weekday
Still, something that I’m trying to avoid
Start asking for forgiveness in advance
For all the future things I will destroy
That way I can ruin everything
When I do, you don’t get to act surprised
When it finally gets to be too much
I always told you you could leave at any time
Until then I’ll split the difference
Between medicine and poison
Take what I can get away with
While it burns right through my stomach
I’m telling my own fortune
Something I cannot escape
I can see where this is going
But I can’t find the brake

Knocked out on a weekend
Would you hit me this hard if I wеre a boy?
See, I don’t need you to defend mе
‚Cause it’s just the sort of thing that I enjoy
Took the fallout, draw a hard line
When I cross it, it’s the third time
Say my own name in the mirror
And when nobody appears
Say it’s not so cut and dry
Oh, it isn’t black and white
What if it’s all black, baby?
All the time

Oh, all the time…“

Rock and Roll.

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