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Song des Tages: Johanna Warren – „Only The Truth“


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Das Cover von Johanna Warrens fünftem Studioalbum „Chaotic Good“ zeigt die US-amerikanische Singer/Songwriterin in Fötushaltung gehockt, ihr verschwommenes Selbstbild aus Gram und Andacht spiegelt sich in den glänzenden Dielen. In seiner Vieldeutigkeit mag dies wohl die nahezu perfekt verbildlichte Darstellung des Albums als Ganzes und ein Hinweis auf das, was in den darauf enthaltenen zehn Songs noch folgen mag – ein Werk der Innenschau, übers Introspektive und Alleinsein. Warren selbst sagt, dass es bei „Chaotic Good“ darum ginge, zu lernen, wie man nach vielen semi-abhängigen Beziehungen zu sich selbst findet, mit sich selbst zusammen sein könne, und beschreibt jene Erkenntnis als ihren „Phönix-Moment“. Aus rein klanglichen Aspekten stellt das Werk eine zwar nicht radikale, jedoch hörbare Abkehr von Warrens früherem, mit weicher Stimme gesungenem Folk dar, und während einige Spuren dieses Sounds durchaus noch vorhanden sein mögen, ist „Chaotic Good“ oft schon in ganze andere Richtungen unterwegs…

a2248220859_16Ein großes Plus ist dabei Johanna Warrens Fähigkeit, ihre Wut und ihre Unruhe so zu lenken, dass diese bei langsameren, leiseren Songs lediglich dezent an der Oberfläche brodeln, um schon bald darauf, bei etwas schnelleren, lauteren Songs, über den Rand schwappen. So besitzt etwa „Part Of It„, passend zum Text, welcher von einer Trennung berichtet, einen eingängigen, gemächlich voran trabenden Rhythmus. Im Gegensatz dazu schaukelt sich Warrens Gesang bei „Twisted“ zu einem vor Schmerz nur so triefenden Kreischen herauf, und lässt das grungy Endergebnis wie ein recht unentspanntes Neunzigerjahre-Alanis-Morissette-Stück klingen – muss man mögen, sowas. Am besten gelingen der vielseitigen Künstlerin aus dem US-Hipster-Mekka Portland, die ab und an auch schonmal in kleineren Indie-Produktionen vor der Kamera steht, noch immer die Balladen. Vielschichtig tönender Gesang, Gitarren und Klavier schweben in meditativer Versunkenheit wie Morgennebelschwaden durch „Rose Portion“, „Only The Truth“ und „Bed Of Nails„, wo Warrens Gesangsorgan und -muster an eine moderne Joan Baez oder Joni Mitchell, machmal gar an ewig große Feen-Sängerinnen wie Tori Amos oder Amanda Rogers erinnern. Auch mit „Every Death“ ist Warren ein herausragender Song, eine eindringliche Ballade, gelungen, die sich auf ihrem unheimlichen melodischen Weg ein ums andere Mal biegt und windet.

„Chaotic Good“, der Nachfolger zum 2018 erschienenen „Gemini II„, mag sicherlich zu Johanna Warrens bisher rohesten Werken zählen, und ihre präzise Melange aus Zart- und Wildheit lässt die schnöde Menschlichkeit eines gebrochenen Herzens ebenso zu Tönen werden wie das Lernen, auf eigenen Füßen zu stehen. (Wer mehr wissen mag, findet auf gaesteliste.de ein ausführliches mit der Indie-Singer/Songwriterin…)

 

„Das Video handelt von einer zeitreisenden Zaubererin, die sich für Hunderte von Jahren schlafen legte, um in die Zukunft zu blicken.“ (Johanna Warren über das von V Haddad gedrehte Musikvideo zu „Only The Truth“)

 

 

„The wound in me picked out the knife in you
Shadows find where shadows meet, like shadows do
The edge that lacerates all lovely things
And perforates the loftiest of dreams
Before they get a chance at coming true
They punctuate our sighs of pleasure with their shadow screams

I’d been told, but to believe it
I had to see it with my own two eyes

I see love everywhere I go
I see the light inside of all of you
What more can I do?

All my words are little incantations
And I wish to invoke only the truth
Though it may ring false at first inside the echo chambers
Of my past, the labyrinth that holds the remnants of the embers,
The sacred well of pain 
That I’ve returned to time and time again
To fill my vessels with the nectar-torture-poison
That my thirsty muse took a liking to

I’d been told, but to believe it
I had to see it with my own two eyes

I see love everywhere I go
I see the light inside of all of you
What more can I do?“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Anna Coddington – „Little Islands“


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In einem Land mit knapp fünf Millionen Einwohnern (zum Vergleich: Berlin kommt aktuell auf etwa 3,8 Millionen) mag die Musikszene recht überschaubar sein. Man kennt sich, man trifft sich, man arbeitet und jammt irgendwann, irgendwo, irgendwie schonmal zusammen. So auch in Neuseeland. Kaum verwunderlich also, dass auch Anna Coddington ab und an mit dem populären Kiwi-Künstlerkollektiv Fly My Pretties, von denen kürzlich in Zusammenhang mit der Künstlerin A Girl Named Mo bereits die Schreibe war, gemeinsame Sache macht (wenn sie denn nicht gerade mit dem Blackbird Ensemble Songs von Björk im Orchestergewand zum Besten gibt).

a3871270034_16Stilistisch könnte man beim Gros der Stücke der 38-jährigen Singer/Songwriterin zur fixen Orientierung meinen, dass diese klingen, als hätten Natalie „Torn“ Imbruglia (der Coddington auch optisch gar nicht mal eben fern steht) und ihre Studio-Band sich an einem lauschigen Sonntagnachmittag den Songkatalog eines Dave Matthews vorgenommen – handgemachter RockPop, der keineswegs wehtut, und auch im Formatradio des Vertrauens keinen schlechten Eindruck hinterlassen würde. Freilich mag man bemängeln, dass dies im Endeffekt dazu führen mag, dass sich keiner der Songs für länger als seine durchschnittlich dreieinhalb Minuten Spieldauer in den Gehörgängen aufhält (so geschehen etwa bei dieser Review zum jüngsten, 2016 erschienenen Album „Luck/Time„). Andererseits liefert die überzeugte Vegetarierin und zweifache Mutter, die nebenbei auch in Te Reo Māori (also in der Sprache der Māori) schreibt und singt, gefällige Songs, welche sich gängigen Pop-Strukturen zwar nicht verweigern, aber manchmal – wie beim zweiten, 2011 veröffentlichten Werk „Cat & Bird“ – auch schonmal dezent rockig ausfallen können. Damit startet Frau natürlich recht selten eine Weltkarriere. Aber hey – in Neuseeland ist’s ja auch ganz schön…

 

 

„I’m frustrated
I’m not losing my mind
I’ll give my money away
Trade it for an escape
And leave my boredom behind

I contemplated
Giving my guitar away
Moving out of my house
Throwing all my stuff out
But what difference would it make

I know there must be more
Than my bedroom and the video store
From these little islands
All I see are stars

I wasn’t looking
Wasn’t looking for a fight
If anybody asks
I’m out the back on the grass
Looking up at the sky

I see you up there
Hanging out in the clouds
Shaking aeroplanes
Listening to radio waves
Can you hear me now

I know there must be more
Than my bedroom and the video store
From these little islands
All I see are stars

It’s complicated
It’s really hard to explain
I love the blue and the green
But somewhere in between
My fucking hair’s turning grey

Maybe I don’t need any more
Than my bedroom and the video store
From these little islands
I can see all those stars“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Dota Kehr – „Kompliziertes Innenleben“


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Foto: Promo / Annika Weinthal

Klare Sache, eigentlich: Dorothea „Dota“ Kehr scheut das Risiko nicht. Für die Berliner Musikerin, die seit über zehn Jahren vor allem wegen ihrer oft genug brillanten, vielschichtigen und lebendigen Texte gefeiert wird (so auch vor einigen Monden auf ANEWFRIEND), hat es schon eine gewisse Fallhöhe, wenn man diesen Bereich – erstmalig – mit Fremdschöpfungen abdeckt. Und auch nicht mit irgendwelchen: Die Texte auf ihrer neuen Platte „Kaléko„, dem Nachfolger zum 2018er Album „Die Freiheit„, welches seinerzeit immerhin Platz 11 der deutschen Album-Charts erreichte, stammen von der jüdischen Dichterin Mascha Kaléko – alle mit einer Hornbrille bestraften Schulstreber freuen sich nun sicherlich schon über Musik-, Deutsch- und Geschichtsstunden in einem, schließlich schuf die Schwester im Geiste eines Joachim Ringelnatz oder Erich Kästner in den 1920 und -30er Jahren in Berlin ihre innige, bisweilen ironische, oft herzblutig beseelte Großstadtlyrik, bevor sie als deutsche Jüdin in den Jahren vor Hitlers Machtergreifung nach New York emigrieren musste. Die verwendeten Texte, welche Kehr in einem Lyrik-Band, dem ihr vor einiger Zeit ein Konzertbesucher überließ, fand, sprühen tatsächlich vor Witz, sind manchmal nachdenklich, aber eigentlich immer eine Bejahung des Lebens und des jetzigen Moments. Dies packt die 40-jährige Liedermacherin mit ihrer Band dem damaligen Zeitgeist entsprechend in eine akustisch gewichtete Musik, die so tatsächlich oft einen Wink in Richtung Weimarer Republik und deren kulturellem Flair bietet. Ja, die schlichte Eleganz und zeitlose Strahlkraft von Kalékos Dichtkunst passt der Hauptstadt-Liedermacherin, welche einst als „Kleingeldprinzessin“ durch bundesdeutsche Fußgängerzonen tingelte, wie angegossen.

61gjjlNSfOL._SS500_Nur eines fällt dann doch auf: So charmant und beseelt Mascha Kalékos Texte auch sind – ein wenig eindimensional erscheinen sie – eventuell (auch) ihres Alters wegen – dann doch, wenn sie etwas platt und zu gewollt in Richtung Wortspiel schielen. Passagen wie „Eines Morgens wachst Du auf / Und bist nicht mehr am Leben“ oder „Die anderen sind das weite Meer / Du aber bist der Hafen“ mag zwar im ersten Moment eine gewisse Wucht innewohnen, doch sind sie auch eine Idee zu naheliegend und plakativ. Schlussendlich  ist „Kaléko“ jedoch ein Musikalbum, und so zählt auch die Kombination mit ebenjener (der Musik) – und da punktet die Platte in vielen Bereichen recht ordentlich. Denn Kehr hat eine Geheimwaffe im Köcher: ihre Gesangspartner, die eine Vielzahl der Songs mit Dota teilen. Der olle Bohemian Max Prosa gibt einen wunderbar beruhigenden Widerpart zu Dotas heller Stimme in „Für einen“ und vermittelt Gemütlichkeit, gar Geborgenheit auf wunderbar unaufgeregte Weise. Auch das fluffig dahin schunkelnde „Kein Kinderlied“ hat einen Schuss Extra-Witz, erhält aber auch dank der Kooperation mit Uta Koebernick gesangliche Harmonie.

Fest steht außerdem: Der kernig knisternde, von müder Lebenserfahrung geprägte Gesangspart Hannes Waders, der in diesem Jahr auch schon 78 Lenze jung wird, in „Auf eine Leierkastenmelodie“ ist ein emotionales Highlight. Die Gitarre tönt hier tatsächlich wie eine alte Drehorgel, Sehnsucht und die Vergeblichkeit derselben wachsen im Zusammenspiel der kontrastreichen Stimmen zu einer dicken Träne, die dem Hörer still die Wange hinunter kullert. „Kompliziertes Innenleben“ mit Konstantin Wecker, eher im abgedämpften Pathos unterwegs, verarztet mit seinem Text über Abschied, Nähe und die widersprüchliche Natur der Sehnsucht sowie durchaus angespannter Songstruktur erneut ein melancholisches Sehnen, das sich erstaunlich weich anschmiegt. Außerdem zu Duetten mit an Bord: Francesco Wilking (Die Höchste Eisenbahn), Karl die Große, Felix Meyer (wobei es ein weiterer Song mit ihm, das feine „Zum Trost„, eigenartigerweise nicht aufs Album geschafft hat) oder die befreundete Singer/Songwriterin Alin Coen (da gilt gleiches für „Gib mir deine kleine Hand„).

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Willkommene Einwürfe sind die zwei jazzig angehauchten Instrumentals, welche sich vom recht klassischen Aufbau der eigentlichen Songs entfernen. Hier findet man auch mal jene aus der Reihe tanzenden Verrücktheiten und Spleens, die dem Rest der Platte bei aller sorgsamen Behandlung ein wenig abhanden gekommen sind und bei Dota früher noch recht häufig anzutreffen waren. Ein weiterer Wermutstropfen von „Kaléko” ist auch die Kürze der einzelnen Stücke. Die meisten pendeln sich bei knapp zwei Minuten ein, wodurch der Fokus natürlich verstärkt auf den Texten liegt, obwohl bei einigen Nummern auch deutlich mehr Raum für instrumentale Ausflüge gewesen wäre, denn schließlich gibt es einige Songs auf dem Album, denen genau das gelingt: Gerade einmal sieben Zeilen braucht Kaléko in ihrem Gedicht „Für Chemjo zu Pessach 1944“, um ein Gefühl auf den Punkt zu bringen, über das andere ganze Bücher schreiben. Demnach braucht auch Dota Kehr nicht einmal eine Minute, um den Text, begleitet von zurückhaltender Gitarre und Tastenklängen mit ihrer unaufgeregten Stimme, zu vertonen. Was darauf folgt, sind fast zwei Minuten schönstes Blechbläser-Solo, dessen Melodiebögen und Phrasierungen denen Dotas in nichts nachstehen. Das Stück wirkt wie ein Dialog zwischen den beiden Liebenden, der sich nach dem Gedicht ereignen könnte, und geht erfreulicherweise einen Schritt weiter, als lediglich bloße Vertonung zu sein. Eine Ausnahme? Ja, aber eine gute! Schlussendlich ist „Kaléko“ ein liebevoll ausgearbeitetes Album, welches sich an mancher Stelle jedoch zu voreilig – und eventuell ein wenig zu ehrfürchtig – mit gängigen Strukturen zufrieden gibt. Und so manchmal eben doch das Risiko scheut.

 

„Es ist mir eine ganz besondere Freude, dass Konstantin Wecker bei diesem Lied mitsingt. Wir haben uns in Dresden getroffen und im Backstage-Raum aufgenommen. Das war sehr konzentriert.“ (Dorothea „Dota“ Kehr über die Entstehung des Songs „Kompliziertes Innenleben“)

 

 

(Übrigens: Ein recht gut zur aktuellen Weltlage passendes Reicht aus der Feder von Mascha Kaléko fand sich unlängst am „Gesuche“-Brett eines Leipziger Supermarktes wieder…)

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Phoebe Bridgers – „Garden Song“


Eigentlich – und aller Umtriebigkeit zum Trotz – längst überfällig, hat Phoebe Bridgers nun ihre neue Single „Garden Song“ veröffentlicht. Zu Beginn des dazugehörigen Lo-Fi-Musikvideos nimmt die eigentlich drogenabstinente, nichtrauchende US-amerikanische Indie-Singer/Songwriterin einen Zug aus einer Bong. Prompt tauchen im Dunst seltsam-skurrile Gestalten auf…

Trotz fehlender Ankündigung ist der zurückhaltende Song aller Wahrscheinlichkeit nach der erste Vorbote von Phoebe Bridgers‘ zweitem Soloalbum, das seit dem vergangenen Herbst in der kreativen Pipeline steckt – und tatsächlich ihre erste Eigenkomposition seit dem erfolgreichen 2017er Debütwerk „Stranger In The Alps“.

doc200.dig1_-1582654468-640x640In einem Radiointerview erzählte Bridgers zum Stück, das sie schon seit etwa einem Jahr live spielt, dass sie beim Schreiben an ihre Heimatstadt Los Angeles und an wiederkehrende Albträume gedacht habe. Im Refrain begleite sie ihr Tourmanager, ein Niederländer namens Jeroen. „Mir wurde klar, dass er die Stimme eines Engels hatte, als er mit mir im Van einen Mitski-Song sang“, so Bridgers. „Er war zwei Oktaven unter mir, und ich sagte: ‚Du klingst wie ein niederländischer Matt Berninger.'“ (Apropos Matt Berninger: Mit dem The National-Frontmann nahm Bridgers nicht nur unlängst das Duett „Walking On A String“ auf, sondern kündigte noch vor der neuerlichen Songpremiere eine große Tour im Vorprogramm von The National und The 1975 an.)

Für die kreative Umsetzung des DIY-Videos zu „Garden Song“ zeichnet sich Bridgers‘ Bruder Jackson verantwortlich. Post-inhalativ betreten seltsam Kostümierte das kleine Schlafzimmer, darunter ihr Schlagzeuger und Co-Songschreiber Marshall Vore, die Humoristin Tig Notaro und Kumpel Christian Lee Hutson (über den auch bereits auf ANEWFRIEND zu lesen war), der auch die Gitarre einspielte. Der Song ist eine Reflexion über das Erwachsenwerden, die Realisation, wohin einen die eigenen Träume geführt haben, und darüber, dass sich Dinge auch dann verändern, wenn man eigentlich viel zu beschäftigt ist, um es zunächst zu bemerken. Stilistisch schließt der Vierminüter nahtlos an das Solodebüt der Musikerin an und vereint Melancholie und Zerbrechlichkeit im Folk-Song-Format.

Apropos Debüt: Obwohl „Stranger In The Alps“ bereits fast drei Jahre alt ist, war es – regelmäßige Blog-Besucher dürften ohnehin bestens informiert sein – danach doch alles andere als ruhig um die 25-jährige kalifornische Songwriterin. Nicht nur bildete sie mit Conor „Bright Eyes“ Oberst unlängst das Duo Better Oblivion Community Center (deren selbstbetiteltes Debüt im vergangenen Musikjahr in ANEWFRIENDs Top 3 spielte) und mit ihren Songwriter-Freundinnen Lucy Dacus und Julien Baker das Trio Boygenius und veröffentlichte mit beiden Projekten gefeierte Platten, immer wieder trat sie auch als Gastsängerin in Erscheinung. Unter anderem auf Mercury Revs Tribute-Album „Bobbie Gentry’s ‚The Delta Sweete‘ Revisited“ oder in den Duetten „The Night We Met“ mit Lord Huron, gemeinsam mit Noah Gundersen und „7 O’Clock News/Silent Night„, einem Simon & Garfunkel-Cover mit – da isser wieder! – The-National-Frontmann Berninger und Fiona Apple.

Da gingen die (weiteren) Solo-Coversongs der jüngsten Vergangenheit fast unter. 2017 „The House That Heaven Built“ von Japandroids und der Judy-Garland-Klassiker „Have Yourself A Merry Little Christmas„, 2018 eine ganze Reihe: McCarthy Trenchings „Christmas Song„, The Cures „Friday I’m In Love„, (Sandy) Alex Gs „Powerful Man“ und Tom Pettys „It’ll All Work Out„. 2019 dann das Tom Waits-Cover „Georgia Lee„.

Zuletzt hatte Bridgers außerdem ihren Sinn fürs Selbstironisch-komödiantische unter Beweis gestellt und mit Conor Oberst in einer Mini-Mockumentary für die Late-Night-Talk-Sendung von Conan O’Brien mitgespielt. Stillstand? Geht wohl anders. Trotzdem: lääääängst überfällig, die neue eigene Platte…

 

 

„Someday I’m gonna live
In your house up on the hill
And when your skinhead neighbor goes missing
I’ll plant a garden in the yard then
They’re gluing roses on a flatbed
You should see it, I mean thousands
I grew up here till it all went up in flames
Except the notches in the doorframe

I don’t know when you got taller
See our reflection in the water
Off a bridge at the Huntington
I hopped the fence when I was seventeen
Then I knew what I wanted

And when I grow up, I’m gonna look up
From my phone and see my life
And it’s gonna be just like my recurring dream
I’m at the movies
I don’t remember what I’m seeing
The screen turns into a tidal wave
Then it’s a dorm room, like a hedge maze
And when I find you
You touch my leg and I insist
But I wake up before we do it

I don’t know how, but I’m taller
It must be something in the water
Everything’s growing in our garden
You don’t have to know that it’s haunted
The doctor put her hands over my liver
She told me my resentment’s getting smaller
No, I’m not afraid of hard work
I get everything I want
I have everything I wanted“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Lina Maly – „Als du gingst“ (Akustik Session 2020)


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Schon laut.de wusste 2016, als das Debütalbum „Nur zu Besuch“ erschien:

„Die Songs der Sängerin und Musikerin Lina Maly aus der Nähe von Hamburg besitzen schon früh eine eigene melancholische und authentische Handschrift. In ihren Texten verhandelt sie die Sorgen und Nöte einer heranwachsenden Generation.“

5054197188428Und in der Tat war das ein oder andere darauf enthaltene Stück, wie etwa „Schön genug“ oder der Titelsong (vor allem in deren reduzierten Akustik-Versionen), durchaus herzerwärmend anzuhören, eben weil die damals 19-jährige Newcomerin den Versuch wagte, sich wohltuend vom deutschsprachigen Durchschnitts-Poprock-Einheitsbrei eines ForsterBouraniGiesingerBendzko abzuheben. Klar, die Gedankenwelten, in denen sich Maly zuweilen bewegt, muss ein Mittdreißiger wie ich gar nicht (mehr) unbedingt nachvollziehen können. Klar, mit spielerischen Moll-Akzenten am Klavier, sanfter Gitarrenbegleitung und ab und an stampfendem Pop-Arrangement (oder gar einer Jazz-Trompete) unterscheiden sich die vornehmlich melancholischen Songs untereinander zwar nicht nennenswert, drängen sich dem Hörer nicht allzu sehr auf, bleiben aber stets hörbar. Dazu Texte, die in ihren besten Momenten zum Nachdenken anregen. Gibt freilich Schlimmeres…

Übrigens ist mir der Erstling lieber als der im vergangenen August veröffentlichte Nachfolger „Könnten Augen alles sehen„, auf dem die mittlerweile 23-jährige Maly, die, wie man liest, sympathischerweise unter anderem Fiona Apple, Bob Dylan, Otis Redding, Franz Schubert oder The Cure zu ihren Haupteinflüssen zählt, ihre Musik gewordene Gefühligkeit ein wenig mehr in Richtung studentischer Radio-Pop bewegt (obwohl man ihr nichtsdestotrotz zugute halten kann, von den Konfetti-Kalendersprüchen einer Julia Engelmann noch ein gutes Stückweit entfernt zu trällern). Oder wie auf plattentests.de im Zuge der dazugehörigen Rezension zu lesen war: „In erster Linie richtet sich die Musik der Lina Maly an Altersgenossen. Raus aus dem Nest, rein ins Leben. Dass da durchaus noch Naivität im Spiel ist, liegt in der Natur der Sache.“ File under: Niedliche Erstsemestlermucke à la AnnenMayKantereit. Kann man jedoch definitiv auch nett anzuhören finden, wenn die eigenen Studienversuche längst hinter einem liegen…

 

 

„Das, was du bist
Wird immer bleiben
Ganz wortlos wirst du
Auf alles nur zeigen
Das, was du denkst
Wird einfach leiser
Der Wind und der Regen
Tragen es weiter
Erzählen von der Angst und der Liebe
Dem Kampf und dem Tag, als du gingst
Das, was du bist
Werd‘ ich behalten
Die Art, wie du lachst
Wird mich immer begleiten
Das, was du glaubst
Geht nie verloren
Ich heb‘ alles auf
Und halt es geborgen
Den Mut und die Kraft
Deine Weisheit und auch
Den Moment, als du gingst
Wenn die Blätter sich färben
Sind wir immer noch da
Du bleibst in mir
Und ich bleib‘ in dir
Es ist egal, was sich ändert
Wir sind immer noch wir
Auch wenn keiner uns findet
Bleiben wir
Bleiben wir ewig…
Wenn die Blätter sich färben
Sind wir immer noch da
Du bleibst in mir
Und ich bleib‘ in dir
Es ist egal, was sich ändert
Wir sind immer noch wir
Auch wenn keiner uns findet
Bleiben wir
Bleiben wir ewig…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Any Other – „Lost Cause“


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Auf Bühnenbrettern mag das mit Gitarre, Wurlitzer, Bratsche, Cello, Flügelhorn und Saxophon ausgestattete „Any Other Sextet“ – obgleich immer noch über alle Maßen in melancholischen Traumgefilden unterwegs – wohl stellenweise eindrucksvoll tönen. Wer’s nicht in die italienische Heimat des Mailänder Kollektivs schaffen sollte, um einer Show von Frontfrau Adele Nigro sowie Laura Agnusdei, Federica Furlani, Eleuteria Arena, Paola Fecarotta und Marco Giudici beizuwohnen, dem sei etwa das zweite, 2018 erschienene Album „Two, Geography“ wärmstens ans Hörerherz gelegt – gerade, wenn man sonntags ein wenig den sinngrüblerischen Gedanken nachhängen mag.

Im Grunde steckt hinter Any Other jedoch nur Adele Nigro. Dass die junge Indie-Musikerin denn auch im Alleingang zu überzeugen weiß, beweist die Italienerin mit ihrer Coverversion des ohnehin ewig tollen Beck’schen Drüsendrückers „Lost Cause“ (vom wunderschönen, mittlerweile fast 18 Lenze jungen Herzschmerz-Werk „Sea Change„), welche sie, wie seinerzeit auch Mr. Hansen, in reduziert-rohem Singer/Songwriter-Gewand präsentiert… *hach*

 

 

„Your sorry eyes cut through the bone
They make it hard to leave you alone
Leave you here wearing your wounds
Waving your guns at somebody new

Baby you’re lost
Baby you’re lost
Baby you’re a lost cause

There’s too many people you used to know
They see you coming they see you go
They know your secrets and you know theirs
This town is crazy; nobody cares

Baby you’re lost
Baby you’re lost
Baby you’re a lost cause

I’m tired of fighting
I’m tired of fighting
Fighting for a lost cause

There’s a place where you are going
You ain’t never been before
No one left to watch your back now
No one standing at your door
That’s what you thought love was for

Baby you’re lost
Baby you’re lost
Baby you’re a lost cause

I’m tired of fighting
I’m tired of fighting
Fighting for a lost cause…“

 

Rock and Roll.

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