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Sunday Listen: Glaston – „Inhale / Exhale“


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„The trick is to keep breathing.“ – das wussten schon Garbage. Und gerade innerhalb einer Band ist das gemeinsame Ein-, das gemeinschaftliche Ausatmen (man dürfte an dieser Stelle auch gern Sinnbilder von Rädchen und Zahnrädern verwenden) besonders wichtig. Stichwort: Bandchemie.

All jenes nimmt im dicht besiedelten Post-Rock-Genre noch einmal eine Sonderstellung ein, denn da die meisten ihrer Vertreter frei gewählt oft gänzlich auf Gesang verzichten, wird  der Kombination aus GitarreSchlagzeugBass (manchmal noch garniert mit elektronischen Experimenten) die Aufgabe zuteil, sämtliche Emotionen vom Proberaum übers Aufnahmestudio und die Konzertbühne mitten hinein ins Hörerherz und ins Publikum zu tragen.

Eventuell ist dies ja der Grund, wieso das aus Zürich und Basel stammende Schweizer Post-Rock-Quartett Glaston ihr im Oktober erschienenes Debütalbum „Inhale / Exhale“ getauft hat. Passend erscheint der Titel allemal, schließlich lebt ein Großteil der zehn Stücke von jenem instrumentalen Auf und Ab, vom stetigen Wechselspiel aus ruhigen intensiven Momenten.

Anders jedoch als bei vielen ihrer Genre-Kollegen lassen Glaston dem nicht selten mit Jazz-Variationen flirtenden Piano von Selina Maisch oft eine zentrale Rolle zukommen, welche Jake Gutzwiller (Gitarre), Timo Beeler (Bass) und David Preissel (Schlagzeug) wiederum mit ihren Instrumenten umweben – mal behutsam, mal wuchtig. So gelingt der seit 2013 gemeinsame Sache machenden Band der Spagat, sowohl ausgewiesene Post-Rock-Kenner, auf deren Playlist gewordenem Speiseplan ansonsten Genre-Größen wie Explosions In The Sky, Maybeshewill oder God Is An Astronaut stehen, zu überzeugen, als auch Quer- und Irgendwie-Alles-Hörer neu für sich zu gewinnen.

Der Rest? Ist gemeinsames Atmen…

 

 

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Spaceman Spiff – live beim Autumn Leaves Festival 2017


Spaceman Spiff

Foto: Wikipedia

Satte drei Jahre liegt das letzte Spaceman Spiff-Album „Endlich Nichts“ nun schon zurück. Und dass man die Hoffnungen auf ein neues Werk nicht zu hoch hängen sollte, erwähnte ich an anderer Stelle bereits vor ein paar Monaten

Trotzdem war Hannes Wittmer, seines Zeichens Kopf, Hirn, Herz und Stimme hinter dem nach einer Comic-Figur benannten Liedermacher-Pseudonym, freilich auch in der letzten Zeit nicht untätig und spielte etwa mit Cellistin Clara Jochum einige Spaceman Spiff-Shows.

Eine davon, das Gastspiel beim diesjährigen Autumn Leaves Festival im österreichischen Graz, hat Niko Springstein für einen Blog auf (digitalem) Tonband gebannt (sic!) und kürzlich in bester Soundboard-Qualität zum Download verfügbar gemacht. Merci dafür auch noch einmal von ANEWFRIEND, welcher den Konzertmitschnitt hiermit allen Freunden der gepflegten deutschsprachigen Singer/Songwriter-Unterhaltungskunst ans Hörerherz legt…

Edith (28.12.2017): Der Spaceman hat den Download zunächst auf Niko Springsteins Blog entfernen lassen, ihn jedoch mittlerweile selbst auf der eigenen Seite zum kostenfreien Download bereit gestellt… Dann eben so.

 

Setlist:
01 Strassen
02 Egal
03 Intro
04 Hier Und Der Wahnsinn
05 Irgendwo Ist Immer Woanders
06 Milchglas
07 Wände
08 Intro
09 Oh Bartleby
10 Intro
11 Teesatz
12 Han Solo
13 Intro
14 Photonenkanonen
15 Vorwärts Ist Keine Richtung
16 Encore
17 Nichtgeschwindigkeit

 

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Posse – „Horse Blanket“


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„Aus, Ende, vorbei, bye bye Junimond: Die Band Posse aus Seattle hängt die Gitarren an den Nagel und löst sich im verflixten siebten Jahr nach Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Debütalbums auf. Schade. Zum einen, weil das Trio durchaus sympathisch war mit seiner Mischung aus Lo-Fi und Indie-Pop, stets flirtend mit den Neunzigerjahren und doch aktuell wie eh und je. Zum anderen, weil Posse es in ihrer aktiven Zeit aus unerklärlichen Gründen nicht zu genau jener Aufmerksamkeit gebracht haben, die sie so wohlverdient hätten. Nun gehen die drei, wie sie auch gekommen sind: Fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit, noch immer und wahrscheinlich auch für immer als Geheimtipp.“

(Jennifer Depner – plattentests.de)

Schon mal etwas von Posse gehört? Nein? Ich auch nicht. Und ohne die Rezension von plattentests.de, aus der der obige Auszug stammt, wäre es auch sicherlich dabei geblieben…

Und es wäre noch nicht einmal verwunderlich, immerhin teilen so viele Bands und Künstler ebenjenes Schicksal, nahezu ungelauscht in den mal mehr, mal weniger digitalen Weiten unterzugehen – aus dem Klick, aus dem Sinn.

Im Falle des aus Seattle stammenden Trios Posse wäre es jedoch höchst schade, denn gerade ihr drittes – und leider auch letztes – Album „Horse Blanket„, welches Sacha Maxim, Paul Wittmann-Todd und Jon Salzman vor wenigen Tagen als kostenfreien Download ins weltweite Netz entlassen haben, präsentiert Posse als Drahtseilkünstler zwischen seligem, raumgreifenden Neunzigerjahre-Slacker-Rock und melancholischem Surf-Pop. Dass die sechs Songs in gerade einmal einer guten halben Stunde kein letztes Indierock-Feuerwerk abbrennen und es viel lieber vorziehen, still und leise zu verglühen, ist – bei aller Qualität, bei aller nüchternen Lyrik der Stücke – irgendwie schade, macht Maxim, Wittmann-Todd und Salzman jedoch auch sympathisch. “Have I given something away / And I just don’t know it?” sind die letzten Worte des gemächlichen Albumabschlusses „Trapped“, eine Antwort bleibt die Band schuldig. Forever slacker, forever Geheimtipp. Fare thee well, Posse.

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Via Bandcamp kann man das Abschiedswerk „Horse Blanket“ streamen und für lau aufs heimische Abspielgerät laden…

 

…und sich hier eine KEXP Session der Band aus dem Jahr 2014 (damals war gerade das zweite Album „Soft Opening“ erschienen) zu Gemüte führen:

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Weller – „Weller“


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„The only thing I really know about Weller is that they’re not Paul Weller. I know this because for a short while I mistook tweets about them as such, slightly confused by the people who were heralding a new record from the former Jam man.“

(Tom Johnson, goldflakepaint.co.uk)

In der Tat würde man vieles Andere hinter einem Bandnamen wie Weller erwarten (ein neues Projekt des „Godfather of Britpop“, die musikalische Zusammenkunft der Sprösse des „ewigen Mods“…), nur eben nicht eine junge Band aus dem US-amerikanischen Philadelphia.

Was genau Harrison Nantz, Jeremy Berkin und Evan Clark Moorehead dazu bewogen haben mag, ihre Band namentlich nah an Paul Weller heranzuführen? Nichts Genaues weiß man nicht. Fest steht, dass das junge Philly-Trio mit ihrem im Oktober veröffentlichten Debütalbum und seinen zehn mit beherztem Indierock zu Werke gehenden melodieseligen Songs kaum weiter entfernt vom Elder Statesman des distinguierten Modrocks liegen könnte. Viel eher dürfte die recht rohe, direkte Energie von Bands wie Weezer (genauer: deren Frühwerk) bei den Coming-of-Age-Stücken, die recht schnell zum Punkt kommen und kaum oberhalb der Drei-Minuten-Marke landen, Pate gestanden haben.

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Via Bandcamp kann das komplette Debütalbum gestreamt und obendrein im „Name your price“-Prinzip aufs heimische Abspielgerät geladen werden:

 

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Kristofer Åström – Live at Södra Teatern, Stockholm 2001


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Wenn es Herbst wird und mein Griff immer öfter ins Singer/Songwriter-Fach wandert (was eigentlich nicht nur zu dieser Jahreszeit, sondern im Grunde ganzjährig passiert), dann ist Kristofer Åström seit eh und je einer meiner Favoriten.

Warum? Nun, die Songs, die der Schwede – der als ehemaliger Frontmann der Alternative-Rocker Fireside außerdem bereits unter Beweis gestellt hat, dass er auch ganz andere musikalische Gangarten beherrscht – in bester Scandinavian Cowboy-Manier  vom Stapel bricht, suchen in Punkto süßer Herzschmerz-Melancholie schon immer ihresgleichen (und wer’s nicht glauben mag, dem sei die 2013 veröffentlichte Werkschau „An Introduction to….“ ans Hörerherz gelegt). Ob es die Vergleiche zu Genre-Größen wie Elliott Smith braucht? Wohl kaum. Passt auch nicht. Vielmehr stehen Åström Landmänner wie Christian Kjellvander oder Rasmus „Tiger Lou“ Kellerman näher…

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Dass der mittlerweile 43-jährige Musiker aus Luleå (dem ortsansässigen Eishockey-Team spendierte er übrigens vor einigen Jahren eine Hymne) auch auf Bühnenbrettern zu überzeugen weiß, beweist unter anderem das Live-Album „Göteborg String Session„, welches er im vergangenen Jahr in die (digitalen) Plattenläden stellte (das letzte Studiowerk „The Story Of A Heart’s Decay“ wiederum erschien 2015). Und wer sich ein Hörbild von Kristofer Åström ohne Streicher und im mal satt rockenden, mal akustisch klampfenden Outfit machen möchte, dem seien der Mittschnitt einer Show, welche er 2001 im Stockholmer Södra Teatern gab (ein Teil des Konzerts fehlt wohl, dafür ist die Audio-Qualität sehr gut), sowie die Soundboard-Aufnahme eines Konzerts im Wiener Stadtsaal aus dem Jahr 2012 (gibt’s hier als kostenlosen Download) empfohlen.

Eine Überdosis als Åström’schem Liedgut ist in dieser Jahreszeit ja ohnehin ausgeschlossen…

 

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Anna Tivel – „Small Believer“


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„Even in Americana as a genre today, people tend to forget that the best songwriters are great storytellers, and the best storytellers source their material from what they observe around themselves. The best songs don’t need to be complex or virtuosic, they just need to mean something to someone. That’s how they last.“

Gemessen an diesen, von folkradio.co.uk angesetzten Maßstäben ist Anna Tivel eine der besten Geschichtenerzählerinnen, die derzeit unter dem „Americana“-Banner in die Saiten greifen. Und zu behaupten, dass es die Musikerin aus dem US-amerikanischen Portland, Oregon mit Erzählkunst-Größen wie Josh Ritter oder Matthew Ryan – in deren jeweils besten Momenten, freilich – aufnehmen kann, erscheint keineswegs vermessen.

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Das beweist Anna Tivel auch auf ihrem neuen, im September erschienenen Album „Small Believer“ (nach „Before Machines“ von 2014 und „Heroes Waking Up“ von 2016 ist es bereits ihr drittes). Ohne großes rockistisches Tam-tam und nur ab und von einer Fiddle, einem Akkordion, Schlagzeug oder sanften E-Gitarren unterstützt erzählt Tivel, deren Stimme manchmal an schöne Sirenen wie Lisa Hannigan erinnert, zur Akustischen elf von Austin Nevins (Josh Ritter, Della Mae) produzierte Geschichten von Menschen und deren Schicksalen: von tagträumenden Obdachlosen („Riverside Hotel“), einsamen Kellnerinnen („Last Cigarette“) oder gottverlassenen Trinkern („Alleyways“). Von Personen, die wir tagsüber meist achtlos an uns vorüber ziehen lassen. Vom harten Kampf ums Überleben, tagein, tagaus, an den Ärschen der Welt. Aber auch von Liebe, von Hoffnung, die – bestenfalls – den Kampf gegen den Zweifel, die Verzweiflung gewinnen kann. Riecht in dieser Beschreibung verdächtig nach dem allmächtigen Bruce Springsteen, kommt jedoch leise und wunderschön daher. Man muss nur genau hinhören…

 

Anna Tivels neues Album findet man auf der Bandcamp-Seite der Singer/Songwriterin – wie auch schon die anderen beiden Werke – im Stream:

 

 

(Den Albumvorgänger „Heroes Waking Up“ findet man übrigens via archive.org zum kostenlosen Download…)

 

Rock and Roll.

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