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Vom ewigen Rattenrennen – Steve Cutts‘ Kurzfilm „Happiness“


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Seien wir mal ehrlich: bei gefühlt neunundneunzig Prozent aller künstlerischen Versuche der Konsumkritik kommt am Ende nichts weiter als abgedroschen-gestrige Sozialromantik heraus. Der Animationskurzfilm „Happiness“ des nach wie vor großartigen Steve Cutts (ANEWFRIEND stellte vor einigen Monaten bereits das Werk des Londoner Künstlers vor) macht alles richtig und sagt uns ohne einen Funken kitschiger Kapitalismuskritiker, wie’s im Wesentlichen ist mit der Wechselbeziehung zwischen Glück und Geld – ein Rattenrennen, das wohl nie gut ausgehen kann. Sollte man gerade in der (Vor)Weihnachtszeit gesehen haben…

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Ralph McTell – „Streets Of London“ (2017 Version)


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Keine Frage, „Streets Of London“ kennt so ziemlich jeder, der jemals mit Folk Music in Berührung gekommen ist. Und auch mit beinahe einem halben Jahrhundert auf dem musikalischen Buckel ist Ralph Mc Tells zur Akustischen vorgetragenes Rührstück, das die Problemchen von Otto Normal und Erika Mustermann denen der Obdachlosen, der einsamen Alten und all der ignorierten und vergessenen Mitglieder der Gesellschaft gegenüber stellt, noch immer einer der schönsten Songs, der je den Namen der englischen Hauptstadt im Titel tragen durfte (und das, obwohl die Konkurrenz nie schläft!).

R-465286-1342590352-4238Und „Streets Of London“ ist nicht nur eines der bekanntesten, sondern auch – mit Coverversionen von Cat Stevens bis zu den Sex Pistols – eines der am meisten aufgenommen Stücke der Musikgeschichte.

Zwar hätte es den weihnachtlichen Anlass nicht gebraucht, um sich der Botschaft von McTells Klassiker zu besinnen, trotzdem sollte man gerade vor und nach den Feiertagen, die manch eine(r) gern mal besinnlich, mal ausgelassen feiernd im Kreise von Freunden und/oder Familie verbringt, auch mal an jene denken, denen es – und das eben auch an den anderen Tagen des Jahres – nicht so gut geht wie einem selbst. Ob man nun – und sei es nur gegen das schlechte Gewissen – eine kleinere Summe an eine Organisation nach Wahl spendet, einem Straßenmusikanten ein, zwei Euro in den Hut schmeißt oder einem Obdachlosen etwas zu essen kauft? Scheißegal – der Gedanke zählt.

Unter diesem Motto dürfte wohl auch die just neu aufgenommene Version von „Streets Of London“ stehen. Mit an Bord ist freilich das mittlerweile 73-jährige Folk-Urgestein Ralph McTell. Aber auch: ein 88-köpfiger Chor, Richard Thompson an der Gitarre und Eurythmics-Sirene Annie Lennox als Gastsängerin. Die Einnahmen der Neuaufnahme kommen der britischen Charity-Organisation Crisis zugute.

Ralph McTell hat zum Song und der 2017er Version Folgendes zu sagen:

“It’s 50 years since I wrote Streets of London and it saddens me that the issues raised in the song are still so relevant today. When the idea of a single to support Crisis was mooted, I was very pleased that it might help raise awareness of the charity’s work and the wider issue of homelessness. I have been performing a Christmas concert in aid of Crisis for a few years now; inspired by its commitment to improving the circumstances of so many.

“I was also thrilled that the wonderful Annie Lennox was prepared to lend her voice to a new recording, and when I discovered that Crisis had its own choir, it offered the perfect opportunity to create a new and exciting version of a song so many people know.”

Mehr Infos findet man hier.

 

 

„Have you seen the old man
In the closed-down market
Kicking up the paper
With his worn out shoes?
In his eyes you see no pride
Hand held loosely at his side
Yesterday’s paper telling yesterday’s news

So how can you tell me you’re lonely
And say for you that the sun don’t shine?
Let me take you by the hand and
Lead you through the streets of London
Show you something to make you change your mind

Have you seen the old girl
Who walks the streets of London
Dirt in her hair and her clothes in rags?
She’s no time for talking
She just keeps right on walking
Carrying her home in two carrier bags

So how can you tell me you’re lonely
And say for you that the sun don’t shine?
Let me take you by the hand and
Lead you through the streets of London
Show you something to make you change your mind

In the all night cafe
At a quarter past eleven
Same old man sitting there on his own
Looking at the world
Over the rim of his teacup
Each tea lasts an hour
And he wanders home alone

So how can you tell me you’re lonely
Don’t say for you that the sun don’t shine
Let me take you by the hand and
Lead you through the streets of London
Show you something to make you change your mind

Have you seen the old man
Outside the Seaman’s Mission
Memory fading with the medal ribbons that he wears
In our winter city
The rain cries a little pity
For one more forgotten hero
And a world that doesn’t care

So how can you tell me you’re lonely
And say for you that the sun don’t shine?
Let me take you by the hand and
Lead you through the streets of London
Show you something to make you change your mind“

 

Rock and Roll.

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„Als hätten sie mein Tagebuch gelesen“ – Ein Kurzfilm über The xx und ihre Fans


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Es ist als hätten sie mein Tagebuch gelesen und daraus die Lyrics geschrieben„: Dieser Satz einer The xx-Anhängerin bringt die Faszination und Magie, die die Songs der britischen Dreampop-Band auf viele ihrer Fans ausüben, wohl perfekt auf den Punkt. Die oft sanften und doch treibenden Stücke aus der Feder von Romy Madley Croft, Oliver Sim und Jamie Smith, die zu gleichen Teilen zum Träumen und Tanzen animieren, spricht Menschen auf ganz unterschiedliche Weise an.

Davon erzählt der knapp zehnminütige Kurzfilm „We See You Berlin“, der gut und gern als ernst gemeinte Liebeserklärung der Londoner Band an ihr Publikum durchgeht, indem er Fans porträtiert, die wiederum der Band ihre Liebe zollen und Einblicke in ihre Gefühlswelt gewähren.

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Die Berliner Regisseurin Sylvie Weber über ihren Kurzfilm:

„My process as a filmmaker speaks to a consistent desire within me to unveil the character within, I keep an aesthetic and cinematic visual in mind when on set, cautiously leading the protagonists while allowing them to slowly become more themselves on screen.

In the case of ‘We See You’, coming across truly engaged and earnest individuals was not difficult, the vulnerability that The xx expose in their music is the basis for their incredibly close connection to the fans themselves. I think we’ve managed to represent in these four stories the feeling of the many millions who are so profoundly affected by the harmonies of Romy, Oliver and Jamie.“

„We See You Berlin“ dokumentiert das Verhältnis einiger ausgewählter Fans (etwa aus Deutschland und Tibet) zur Band und zeigt das Trio hinter den Kulissen ihres Lollapalooza-Auftritts in Berlin am 10. September diesen Jahres. Die Idee zum ersten Teil dieser Kurzfilm-Reihe verfolgten The xx, deren aktuelles, drittes Studioalbum „I See You“ im Januar erschien, schon länger – im Zuge der Lollapalooza-Show bot sich nun die Gelegenheit zur Umsetzung…

 

 

Rock and Roll.

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Schöne kranke Welt – gesellschaftskritische Kunst von Steve Cutts


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Dummheit, Korruption, Ausbeutung, Gier – es gibt viele Worte, mit denen man unsere heutige Gesellschaft beschreiben könnte. Zumindest ihre Schattenseiten. Doch am Ende sind Bilder immer mächtiger als Millionen von Buchstaben.

Deshalb lässt ANEWFRIEND hier die Illustrationen des Londoner Künstlers Steve Cutts für sich sprechen. Auch wenn Cutts‘ dystopisch anmutende Kunstwerke rundum pessimistisch auf die Welt und ihre Gesellschaft(en) blicken mögen und es ist nicht leicht fallen mag, sie anzusehen, so kann doch niemand abstreiten, dass ihre Botschaft im Kern wahr ist…

 

„Das Gehetze“

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„Arrgh! Es ist schon wieder Montag“

monday

„Jessica und Roger entspannen sich zu Hause“

jessandroger

„Der Bonze“

fatcat

„Die Evolution“

evolution

„Das Essen ist angerichtet…“

dinner

„Ein Bulle präsentiert die täglichen Nachrichten“

dailybullshit

„Der ewige Kreislauf“

circle of life

„Noch ein Tag im Büro“

office

„Handy-Sklaven“

phone slaves

„Die Umweltzerstörung durch die Menschheit“

recycling

„Die echte Weihnachtswerkstatt“

santa

„Schrei-Königin“

scream

„Eine Kritik am Konsum“

shutup

„Die Falle“

mouse

„Der letzte Händedruck“

handshake

„Der König“

king

 

 

Dass Steve Cutts auch tolle, thematisch ganz ähnlich gelagerte Animationsfilme, von denen einer im vergangenen Jahr sogar als Musikvideo des Moby & The Pacific Choir-Songs „Are You Lost In The World Like Me?“ verwendet wurde, kann, könnte dem ein oder anderen bereits in den letzten aufgefallen sein, als Kurzfilme wie „MAN“ oder „This Is Our World“ in den sozialen Netzwerken die Runde machten. Der Rest kann (s)ein Versäumnis nun hier nachholen…

 

 

Rock and Roll.

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Moment! Aufnahme.


Der aus London stammende Fotograf Babycakes Romero hat laut eigener Aussage kein grundlegendes Problem mit der heutigen Technologie. Für ihn stellt die Unterhaltungselektronik – also unsere Mobiltelefonie, die wir tagtäglich so ziemlich überall mit hin schleppen, angefangen vom morgendlichen Toilettengang, bei welchem bereits die ersten Facebook-Nachrichten und Twitter-Feeds gecheckt werden, bis hinein in den (Arbeits)Alltag und die späten Abendstunden, wenn man erst der Welt, dann seinen Followern eine gute Nacht wünscht – jedoch ein zweischneidiges Schwert dar: einerseits vereinfachen die tragbaren Fast-alles-Könner (scheinbar) unser aller Leben, andererseits machen sie uns aber auch dumm und träge.

Zu dieser Erkenntnis gelangte Babycakes Romero als er anfing, Menschen mit deren Handys zu fotografieren – nicht mit irgendeinem kritischen Hintergedanken, sondern einfach, weil ihn die Bilder auf einer rein visuellen Ebene ansprachen. Je mehr in stylischem Schwarz-weiß gehaltene Bilder er jedoch schoss, desto mehr fiel ihm die alles umgarnende Traurigkeit auf, die seine Motive umgab.

„Bevor Mobiltelefone erfunden waren, hatten die Menschen einfach keine andere Möglichkeit, als zu interagieren. Nun jedoch ist all das nicht mehr zwingend notwenig, also können können wir so tun, als würden wir gerade einer superwichtigen Tätigkeit auf unseren Geräten nachgehen anstatt darüber nachzudenken, was wir sagen könnten. Das tötet freilich jegliche Konversation. Ich glaube, all das ist ein sich vergrößerndes soziales Leiden,“ so Babycakes selbstkritisch.

„Früher benutzten die Leute Zigaretten als soziale Requisitte. Klar, die mögen schlecht für die Gesundheit sein, doch zumindest verwandelten sie Menschen nicht in verschlossene Langeweiler. Nun heißt es, gemeinsam stark zu sein, uns von den Fesseln unserer Smartphones zu lösen und Gespräche von Angesicht zu Angesicht zurück zu bringen!“

Well… Wer wirft den ersten Stein gegen sein eigenes Display?

Mehr Bilder aus der eindrucksvollen Foto-Reihe von Babycakes Romero findet ihr hier.

 

Rock and Roll.

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