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Auf dem Radar: Maddy Jane


Maddy-Jane

“I’m not into bullshit anyway”, singt Maddy Jane im sommerlich indierockenden Slacker-meets-Mittelfinger-Song „The Other Day„, und diese Haltung scheint sich wie ein roter Faden durch ihr herzerwärmend-unbedarftes Debütalbum zu ziehen. Auf „Not All Bad Or Good“ nimmt die auf Bruny Island, einer Insel südöstlich von Tasmanien, geborene Künstlerin wahrlich auch keine Gefangenen, sondern erzählt Geschichten von Schmerz, Verwirrung, Wut und allem, was so dazwischen liegen mag, während sie ihr angeschlagenes Mittzwanziger-Herz mit der Welt teilt. Furchtlos, schamlos und im Moment brillierend, denn nichts scheint für die Newcomerin, welche in ihrer australischen Heimat bereits als Support von Größen wie Harry Styles oder den Red Hot Chili Peppers von sich hören ließ, tabu. So würde Kate Nash wohl klingen, wenn die ihre Kleinode von „Made Of Bricks“ anno dazumal down under geschrieben hätte…

coverDie Eröffnungsnummer „I’m Hearing Ya“ baut sich mit allerlei hektischer Energie auch gleich selbstbewusst auf (und droht im Furor beinahe sein klangliches Gleichgewicht zu verlieren), bevor der Slacker-Pop-Bouncer „Perfection’s A Thing And You’re It“ mit seinen zackigen Widerhaken und sarkastischen Wendungen die Stimmung weiter anheizt. Ja, Madeleine Jane Woolley mag in ihren Songs das ein oder andere intime Nähkästchen-Detail ausplaudern, andererseits scheinen ihre Texte wie gemacht dafür, um fortan stilsichere und über jeden weltweisen Zweifel erhabene Instagram-Posts von Bangkok bis Brooklyn zu untertiteln, geben sie doch einer verrückt gewordenen Welt ein wenig (Kurz)Kommentar gewordenen Sinn zurück: “I’m not old but I’m too old for this shit” – ein zwischen Kalenderspruch und juveniler Punktlandung platzierter Spruch wie dieser könnte ebenso gut der Slogan der letzten Jahre sein, während die achselzuckende Fuck-Off-Attitüde von “I’m not trying to be, I’m just being / I’m not any different, don’t care what you’re seeing” im somnambulanten Schein von „Femme“ zurecht feministischen Widerstand in einer Welt leistet, in der “tampons are a luxury item and my opinion is still a waste of time”. Japp, „Not All Bad Or Good“ legt sich ohne größere Umschweife und mit allerhand jugendlichem Elan mit alten Machtgefügen an. Das neongrell tönende „Fuck You, I’m A Good Person“ packt ein gutes Maß an Selbstvertrauen auf den Tisch, während der schwankend-langsame Burner „Say You Weren’t Mine“ offene Wunden leckt. Doch freilich ist nicht alles eitel gelungener Sonnenschein auf diesem Debüt – an anderer Stelle ist sich das Badezimmerspiegel-Confessional „Something Old And Something New“ bei allem wärmenden Trost nicht wirklich sicher, was es denn nun will. Der Fuzz-Rock gewordene Traum von „Thank You And Sorry“ bietet da einen Moment mutiger Aufrichtigkeit, während er in der Ruhe nach Sturm und Trennung Frieden findet – und wäre wohl der bewegendste Moment sowie das insgeheime Highlight des Albums, wenn da nicht der Abschlusssong „Always Saying What They All Can’t“ mit seinem fast schon episch dazwischen grätschendem Gitarrensolo wäre. Auch dieses Stück beweist noch einmal Maddy Janes Idealismus, geht es doch darum, sich für andere einzusetzen und das Richtige zu tun, egal wie schwer es auch scheinen mag. Kein Ruf zu den Waffen, sondern eher ein Aufruf zur Fürsorge sowie für ein besseres Miteinander.

Alles in allem ist „Not All Bad Or Good„, das der 2018 erschienenen EP „Not Human At All“ nachfolgende Debütalbum von Maddy Jane, eine zwar recht ungeschliffene, aber dennoch mit feiner Feder ausgearbeitete Song-Sammlung, welche durchaus das Zeug haben könnte, die ein oder andere Altersgenossin (oder -genossen) in ganz ähnlicher Art und Weise zur Nachahmung zu inspirieren wie andere erfolgreiche Aussie-Exporte wie Courtney Barnett oder Camp Cope. Mit Songs, die die Kraft haben, gebrochene Herzen zu heilen oder sie erneut zu zerschmettern, bildet das Album einen wilden Ritt voller diebisch grinsender Wut und verstohlener Blicke, während die Songs ein juveniles Themen-Potpourri von Verlangen und Verliebtheit und Verlust bis hin zu dem ein oder anderen Kindheitstraumata abhandeln. Die Klaustrophobie einer australischen Kleinstadt vermischt sich mit der Sehnsucht nach der großen weiten Welt in einem Debütwerk, das zwar Träumen hinterher jagen mag, aber nie den Bezug zur Realität verliert. Manchmal scheint sie den Joker auszuspielen (das zumindest deutet das Coverartwork an), aber auf „Not All Bad Or Good“ hat Maddy Jane immer ein Ass im Ärmel.

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Rock and Roll.

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Song des Tages: Dodie Clark – „Golden Slumbers“


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Foto: Parri Thomas

Abbey Road“ – Dieser Name ist wohl jedem Musikfan ein Begriff, schließlich versteckt sich dahinter nicht nur eine Straße im Londoner Stadtteil St. John’s Wood im Stadtbezirk City of Westminster, in welchem sich die legendären Tonstudios der EMI selben Namens befinden, sondern auch elfte Studiowerk der Beatles (insofern man all die Compilations einmal außen vor nimmt). Ein Klassiker zeitlosen Ausmaßes – und das nicht nur, weil es 1969 den gemeinsamen Schwanengesang von John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr als „Pilzköpfe“ bedeutete (auch, wenn die vier ein Jahr später noch „Let It Be“ mit Aufnahmen, welche zu großen Teilen bereits vor „Abbey Road“ entstanden, nachschoben). „Abbey Road“, jenes Album mit dem ikonographischen Coverartwork, zeigt die Beatles auf dem absoluten Höhepunkt ihres kreativen Schaffens: „Come Together“, „Something“, „I Want You (She’s So Heavy)“, „Here Comes The Sun“, „Because“, „Golden Slumbers“, „The End“ – Lennon, McCartney, Harrison und Starr mögen dem popmusikalischen Kanon natürlich noch viele weitere Evergreens hinzugefügt haben, doch stimmiger und wie aus einem Guss ist sowohl davor als danach kein anderes Beatles-Werk geraten (was freilich aufgrund der Tatsache überrascht, dass die Band damals bereits als reichlich zerstritten galt, und vor allem McCartneys Fähigkeiten als Songschreiber geschuldet sein dürfte – mehr Infos findet man etwa in diesem Artikel).

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Und ebenjenes „Abbey Road“ feierte dieser Tage, am gestrigen 26. September, seinen mittlerweile 50. Geburtstag – und erhielt aus diesem Anlass ein Re-release als „Super Deluxe Edition„, welche nicht nur durch seinen neuen Mix zu überzeugen weiß, sondern außerdem etliche Bonus Tracks in Form alternativer Takes und Demo-Versionen enthält, anhand derer man weitere Einblicke in den Aufnahmeprozess enthält. Braucht’s alles nicht unbedingt, da man eine runde Sache nicht noch runder machen kann – schadet jedoch auch nicht.

Und natürlich gibt es auch von den Songs von „Abbey Road“ Coverversionen wie Sandkörner am Strand – die einen mal mehr, die anderen mal weniger gelungen (eine feine Zusammenstellung findet man etwa hier). Eine der schönsten Neuinterpretationen, die ich seit langem hören durfte, ist Dodie Clarks Variante von „Golden Slumbers“ (welches sich in der Vergangenheit auch schon Elbow oder Ben Folds vorgenommen hatten). In der Interpretation der englischen Singer/Songwriterin und Youtuberin, Jahrgang 1995, gerät das einst von Paul McCartney verfasste Schlummerstück emotional rau, ja beinahe schon einzigartig schön und in seiner zerbrechlichen Stimmung geradezu tränenreich fragil. Tollere Musik kann man fast nicht in knapp zwei Minuten fassen. “Golden slumbers fill your eyes…”

 

 

 

Die Coverversion gibt’s wahlweise auch via Bandcamp im Stream und kostenlosen Download:

 

„Once there was a way
To get back homeward 

Once there was a way
To get back home
Sleep, pretty darling
Do not cry
And I will sing a lullaby

Golden slumbers
Fill your eyes
Smiles await you when you rise
Sleep pretty darling
Do not cry
And I will sing a lullaby

Once there was a way
To get back homeward

Once there was a way
To get back home
Sleep, pretty darling
Do not cry
And I will sing a lullaby“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Alice Merton – „No Roots“


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Der Titel „No Roots“ – keine Wurzeln – lässt bereits vermuten, dass Alice Merton mit offenen Karten spielt. Vier Länder und ganze elf Umzüge hat die junge Musikerin mit 23 Jahren bereits hinter sich und möchte dies nun in ihrer Musik verarbeiten. Aufgewachsen in Kanada, in Deutschland zur Schule gegangen (genauer: in München) und in Großbritannien ihren Abschluss gemacht. Mittlerweile ist sie wieder zurück im urbanen Berlin und kurbelt von dort aus ihre Musikkarriere mächtig an.

In ihrer groovenden Debütsingle „No Roots“ beschreibt Alice Merton nun den Zustand, kein wirkliches Zuhause zu haben, sondern überall auf der Welt zuhause zu sein. Dieses Gefühl des „Weltbürgers“ taucht in der globalisierten Welt immer häufiger auf und zeigt so sowohl den aktuellen Zeitgeist, schafft jedoch auch ein positives Statement gegen den Trend, sich vor allem Fremden erst einmal zu scheuen und kleinstaatlich einigeln zu wollen. Ein wenig traditioneller geht es die Newcomerin und Absolventin der Mannheimer „Popakademie“ auf ihrer kürzlich erschienenen Debüt-EP soundtechnisch an. Hier findet man Einflüsse von Fleetwood Mac über Adele bis Lana Del Rey wieder. Konsenspop mit Herz und Hirn, von der guten Sorte.

  
Hier gibt’s das Musikvideo…

   

…und „No Roots“ als reduzierte Live-Session-Variante:

  
 
Wer mehr wissen mag: Ein Interview von „PULS“ mit Alice Merton findet ihr hier.
 
  

Rock and Roll.

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