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Auf dem Radar: Caracara


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Es gibt sie glücklicherweise auch bei mir noch, diese Momente, in denen man in die Songs einer neuen, bislang gänzlich unbekannten Band hinein hört und sich Hals über Ohr über Kopf schockverliebt. Spontan würde ich meinen, dass mir dies zuletzt vor einigen Jahren mit Foxing so ging. Oder mit Summering (das dazugehörige Debütwerk landete schließlich auch in meinen Top 5 des Jahres 2016, fand aber bis heute leider keinen Nachfolger).

Und nun wieder mit Caracara. Die wohlmöglich und offensichtlich nach einer Falkengattung benannte vierköpfige Band aus dem US-amerikanischen Philadelphia, Pennsylvania macht es einem mit ihrer von Sekunde eins an mitreißenden Mixtur aus Indierock, Post-Hardcore, Post-Rock, Slowcore, gar Gothic-Folk oder Jazz aber auch allzu leicht, sich bedingungslos in jede Note, jeden rhythmischen Frickel, jeden Akkord fallen zu lassen.

Summer Megalith_Caracar.jpgMan nehme nur „Evil“, seines Zeichens die Eröffnungsnummer des 2017 erschienenen Debütalbums „Summer Megalith„: Zuerst wiegen sanfte Gitarrennoten den Hörer in trügerischer Sicherheit, während Sänger William Lindsay emo’esk seine Pein offenbart: „I watched you fall apart / What can I say? / I said nothing / And where is your heart / Could you at least build a fake one?“. Im weiteren Verlauf jedoch steigert sich der Song, zudem sich alsbald ein Cello und rhythmische Schlagzeugsynkopen gesellen, in einen wahren Infernal aus GitarreSchlagzeugBass – gar Bläsern! – postrock’scher Güteklasse. Wie ich bereits schrieb: schockverliebt ab Sekunde eins. Und auch die restlichen elf Stücke des seinerzeit nicht von Ungefähr von Modern Baseball-Frontman Jacob Ewald produzierten Debüts kann mit ganz ähnlichen Zutaten knapp eine Dreiviertelstunde lang überzeugen. Großer Einstieg.

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Kaum verwunderlich also, dass schnell weitere Bewunderer auf Caracara aufmerksam wurden. Einer war ausgerechnet – und passenderweise – der ebenfalls aus Philadelphia stammende Produzent Will Yip, welcher in den letzten Jahren unter anderem das Who-is-Who der „The Wave“- und Post-Hardcore-Szene von La Dispute über Touché Amoré, Defeater, Pianos Become The Teeth, Circa Survive, Title Fight, Balance and Composure oder mewithoutYou bei sich im Studio begrüßen durfte (und somit gut und gern als „der Rick Rubin der jungen, lauten Musik“ gelten dürfte). Dieser Will Yip also schnappte sich Caracara und brachte Carlos Pacheco Perez, Sean Gill, William Lindsay und George Legatos bei seinem eigenen Label Memory Music unter – natürlich vor allem, um bei den vielseitigen Indierock-Newcomern in Zukunft selbst hinter den Studio-Reglern zu sitzen…

unnamed-2019-03-08T110552.570-1552061165-640x640Erstes Ergebnis der spannenden Paarung aus Caracara und Will Yip ist die im März erschienene Drei-Song-EP „Better„, bei der bereits der epische, fast sechsminütige titelgebende Einstiegssong (bei dem übrigens Mannequin Pussys Marisa Dabice im Hintergrund zu hören ist) mit seiner gleichsam dynamischen wie dramatischen (“I thought you knew me better”) Steigerung ein dickes Ausrufezeichen setzt, welches das ruhigere „Hades“ (das stilistisch in direkter Verwandtschaft zu früheren Singles wie “Glacier” oder “Revelatory” steht) sowie das lautstark tönende „Learn Your Love“ beschließen. Drei Songs und 13 Minuten leider nur, man hätte gern viel mehr…

Caracara. Eine tolle Band, die man auf dem Radar behalten, der man sein Ohr leihen sollte. Ich bin und verbleibe: schockverliebt. ♥

 

 

Hier kann man sich die Musikvideos zur das Debütalbum eröffnenden Nummer „Evil“ (welche hier von Will Yip ein dezentes Remaster erhalten hat)…

 

…sowie zum Song „New Chemical Hades“ (von der „Better EP“) anschauen:

 

Auf Bandcamp kann man sich sowohl das Debütalbum „Summer Megalith„…

 

…als auch die „Better EP“ in Gänze anhören:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Strand Of Oaks – „Weird Ways“


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Foto: Alysse Gafkajen / Promo

Kürzlich gab’s unerwartete Neuigkeiten: Am 22. März wird Timothy Showalter (aka Strand Of Oaks) sein nunmehr sechstes Album „Eraserland“ veröffentlichen. Neben neun weiteren Songs enthält dieses die vorab veröffentlichte Lead-Single „Weird Ways“, der der 36-jährige US-Musiker nun auch ein Musikvideo spendiert hat.

Auf dem Nachfolger zum 2017er Werk „Hard Love“ wird Showalter von keinen Geringeren als den My Morning Jacket-Mitgliedern Carl Broemel, Bo Koster, Patrick Hallahan und Tom Blankenship unterstützt, die eine entscheidende Rolle bei der Erstellung des Albums spielten. Zudem sind auch Ex-Drive-By Trucker Jason Isbell sowie Emma Ruth Rundle auf dem Album zu hören, welches von Kevin Ratterman (Emma Ruth Rundle, Young Widows, Thrice, The Flaming Lips u.a.) produziert und in den La La Land Studios in Louisville, KY aufgenommen wurde.

Der mittlerweile in Philadelphia beheimatete Schriftsteller und Produzent Timothy Showalter hat schon seit jeher die Höhen und Tiefen seines eigenen Lebens als Ausgangsmaterial für seine Strand-Of-Oaks-Songs verwendet. Die therapeutische Erfahrung, auf diese Weise Kunst zu machen, war allerdings oft nur von kurzer Dauer, was Showalter zu Depressionen führte, und nach dem Album „Hard Love“ fand er sich völlig ausgelaugt wieder. Leer und fest davon überzeugt, dass er nie wieder würde Lieder schreiben können, schlichen sich – einmal mehr – dunkle Gedanken ein und Showalter, um sein eigenes Wohl besorgt, beschloss, eine spirituelle Pilgerreise zu unternehmen – zur Küste von Jersey.

Exakt zur gleichen Zeit hatten die Mitglieder von My Morning Jacket, alles gute Freunde des Strand-Of-Oaks-Kopfes, von seinem Zustand erfahren, woraufhin sie beschlossen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Carl Broemel schickte Showalter eine Nachricht und informierte ihn, dass Bo Koster bald eine zweiwöchige Pause von seiner Tour mit Roger Waters einlegen würde und sie dann alle frei sein würden. Er schlug ein Treffen in Louisville vor, um gemeinsam die nächste Strand-Of-Oaks-Platte aufzunehmen. Man mag es göttliche Intervention oder nachdrückliches Ultimatum nennen – am Ende war dies wohl genau die Gelegenheit, die Timothy Showalter brauchte. Er verbrachte die kommenden Wochen am Strand von Jersey und unterzog sich einem radikalen mentalen Abriss – bis auf die Knochen (auch das ist für ihn ja wenig Neues, man denke nur an die tief gehenden Alben „Pope Killdragon“ oder „HEAL„). Heraus kam schlussendlich „Eraserland“, eine – so wird’s zumindest versprochen – „aufregende und monumentale Wendung für Strand Of Oaks“.

„When I was writing these songs, every day I would walk on the beach and I was completely alone and overwhelmed by fear…but then I realized how there really aren’t any rules for who you are, who you’ll become, or who you think you need to be. ‚Eraserland‘ is just that. It’s death to ego, and rebirth to anything or anyone you want to be“, meint Showalter selbst.

„This project seemed to just fall together naturally“, sagt Broemel, hauptberuflich Gitarrist von My Morning Jacket. „I felt drawn to Tim’s positive energy and his albums… I threw it out there that I’d be happy to help in any way I could with the record.“ Broemel weckte so schnell wieder das Interesse von Showalter an einer neuen Studio-Veröffentlichung, und innerhalb von 24 Stunden waren auch die My-Morning-Jacket-Mitglieder Patrick Hallahan (Drums), Bo Koster (Keys) und Tom Blankenship (Bass) mit an Bord.

a3452871080_16.jpgTimothy Showalter wurde durch die Unterstützung von Broemel und seinen Bandkollegen wiederbelebt und fühlte den Druck, Songs zu liefern, die den Musikern würdig waren. So verbrachte er im Februar 2018 zwei Wochen allein in Wildwood, New Jersey, um alle Songs zu schreiben, die schließlich „Eraserland“ ausmachen würden. Im April ging er ins Studio, um mit Kevin Ratterman aufzunehmen. Americana-Rocker Jason Isbell steuerte sein nicht selten an Größen wie Jimi Hendrix gemahnendes Gitarrenwerk bei, während die Sängerin und Songwriterin Emma Ruth Rundle, welche im vergangenen Jahr mit ihrem neusten Album „On Dark Horses“ sowie einem Gastbeitrag zur letzten Thrice-Platte selbst nicht wenig neue Hörer für sich begeistern konnte, für wunderschönen Gesang sorgte. Jeder Song wurde live aufgenommen, wobei alle Musiker in einem Raum zusammenspielten und daran arbeiteten, die Ideen von Showalter zur Entfaltung zu bringen. „I remember sitting next to Tim and Kevin listening to the final mixes with tears rolling down my cheeks”, sagte Hallahan. „From start to finish, this one came from the heart.”

Mit dem neuen Song „Weird Ways“ und seiner inhaltsvollen Aussage „I don’t feel it anymore“ zeigt „Eraserland“ Showalters Entwicklung von der Besorgnis bis zum kreativen Erwachen auf und meißelt – wider Erwarten und einmal mehr – eine neue und vielversprechende Zukunft für Strand Of Oaks in Stein…

 

 

Rock and Roll.

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„Stay positive!“ – The Hold Steady verschenken formidable Live-Mitschnitte


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Das letzte letzte (sechste) Studioalbum „Teeth Dreams“ mag zwar bereits gute vier Jahre alt sein, untätig waren The Hold Steady in der Zwischenzeit allerdings kaum.

Denn wenn die US-Alternative-Heartland-Rocker nicht gerade kreuz und quer durch die heimatlichen Vereinigten Staaten getourt sind, hat das seit jeher hörbar an Bruce Springsteens Kumpelgeste geschulte Sechsergespann aus Brooklyn, New York in den vergangenen Monaten mit der ein oder anderen Single-Veröffentlichung (welche zusammen genommen wohl auch eine EP hergeben würden) oder den Reissues älterer Diskografie-Glanzlichter auf sich aufmerksam gemacht. Und darüber hinaus haben Frontmann Craig Finn und (Wieder-)Keyboarder Franz Nicolay ja noch immer Solo-Karrieren am Laufen (Finn etwa stellte im März 2017 sein drittes Soloalbum „We All Want The Same Things“ in die lokalen wie digitalen Plattenläden)… Ganz klare Sache: faule Tage auf der heimischen Couch sehen anders aus.

Und da Weihnachten naht und auch Craig Finn (Gesang, Gitarre), Tad Kubler (Gitarre), Galen Polivka (Bass), Bobby Drake (Schlagzeug), Franz Nicolay (Keyboard) und Steve Selvidge (Gitarre) wissen, dass Geben immer noch glücklicher macht als Nehmen, verschenken The Hold Steady aktuell via Bandcamp zwei Mitschnitte ihrer Live-Shows aus den vergangenen Jahren: einen Auftritt in der Thalia Hall in Chicago, Illinois im Juni 2017 sowie einen im Union Transfer in Philadelphia, Pennsylvania im Juli 2018. Wer zugreifen mag, sollte wohl allerdings schnell sein, denn die Band erwähnt, dass diese großzügige „Pay what you want“-Geste zunächst lediglich für „a limited time“ gilt… 🤟

 

„We’ve had a blast throughout 2018 doing these long weekends of shows – our first shows in London since 2014, Constructive Summer in Philly/NJ, San Francisco and Toronto; extended Constructive Summer with some beer fests in Chicago and Minneapolis; and, of course, finishing up last weekend at Brooklyn Bowl in New York for Massive Nights III.

Whether you realize it or not, we’re recording these shows so we can share the memories with you. (…) Enjoy reliving it!

This will be available pay-as-you want for only a limited time. We’ll have some more surprises in the coming weeks and months and if you choose to download these recordings, the money will go towards continuing to record and release as many of the live events as possible and any additional funds will go to the K+L Guardian Foundation.

Thanks for listening, thanks for understanding and Stay Positive! Happy Holidays and see you in 2019!“

 

„Whether you realize it or not, we’re recording these shows so we can share the memories with you. This is the first set of live recordings to celebrate — the first night in Philadelphia at Union Transfer.

Philly in July was a true highlight. It’s always been a fun place to play for us, and Union Transfer is really an incredible club. We remember a great atmosphere in the club that night, and we met a bunch of cool people before and after the shows. Enjoy reliving it!“

 

„Chicago has always had a special place in our hearts, it’s been the site of some incredibly memorable THS shows: the live recordings at Metro on the Art Brut Tour, Randolph Street Block Party, Hideout Block Party, our first show ever with Bobby Drake at Schubas, and most recently the Goose Island Fest. So we were excited to be at Thalia Hall June 2017 to kick off a big Chicago weekend. We also had a few tricks up our sleeves: some special Chicago guests for a Chicago encore, and a marriage proposal between two of our long time fans. Chicago (especially in the summer) is a one of my favorite places to play, and this show got a great weekend off on the right foot. – CF“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Church Girls – „Close To Me“


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Foto: Neil McCarty Photography

Church Girls, eine dreiköpfige Indierock-/Postpunk-Band aus dem US-amerikanischen Philadelphia, PA, hat sich den The-Cure-Evergreen „Close To Me“ vorgenommen. Und obwohl sich Mariel Beaumont (Gesang, Gitarre), Joseph Wright (Gitarre, Bass) und Michael Liska (Schlagzeug) stilistisch gar nicht mal soooo weit weg von der Robert-Smith’schen Dunkelpop-Komposition, welche im Original vom 1985 erschienenen Album „The Head On The Door“ stammt, bewegen, fügt das Trio, welches erst im September mit der „Home EP“ neue Songs in die Musikwelt entließ, dem Ganzen die ein oder andere schmissig-interessante Get-Up-Kids-Nuance hinzu… Gefällt.

 

Die Coverversion gibts via YouTube…

 

…oder Soundcloud im Stream:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Restorations – „Nonbeliever“


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Keine Frage, Restorations sind Halunken! Da kündigt die fünfköpfige Indierock-Band aus dem US-amerikanischen Philadelphia, Pennsylvania – nach immerhin vier Jahren Wartezeit – ihr neues Album an – und am Ende stehen schlappe sieben Songs und knapp 25 Minuten Spielzeit zu Buche… Die gute Nachricht: Das ist wohl beinahe das einzige, was man Restorations aktuell vorwerfen kann.

Ungeachtet des Eindrucks, dass sich Jon Loudon (Gesang, Gitarre), Dave Klyman (Gitarre),  Ben Pierce (Keyboard, Gitarre), Dan Zimmerman (Bass) und Jeff Meyers (Schlagzeug) anno 2018 und auf ihrem neuen Album „LP5000„, für das die Band – nach den Vorgängern „Restorations“ (2011), „LP2“ (2013) und zuletzt „LP3“ (2014) – die im Grunde simple Plattentitel-Chronologie um einen überhöhenden Wortwitz ergänzt, mehr denn je in die ehrsame Riege der kumpeligen, Karohemd tragenden Bartresen-Springsteen-Epigonen einreihen, verbucht das Quintett Vieles an Pluspunkten für sich, was Referenzbands wie The Gaslight Anthem, The Hold Steady, Hot Water Music, Jimmy Eat World oder den Get Up Kids mit den letzten Veröffentlichungen abhanden gekommen schien. Etwa: ein feines Näschen für die richtige Melodie und spannende Song-Idee.

restorations-lp5000Denn obwohl kaum eines der gerade mal sieben Stücke von „LP5000„, welches die Band erneut gemeinsam mit Langzeit-Produzent Jon Low (The National, Frightened Rabbit, The War On Drugs) in Hudson, NY aufnahm, höchstens annähernd die Vier-Minuten-Marke kratzt (einzig der ruhig startende und gen Ende mächtig Post-Rock-Fahrt aufnehmende Albumabschluss „Eye“ bildet hier die Ausnahme), ziehen sie den Hörer von Hördurchlauf zu Hördurchlauf immer weiter in ihren mal mehr, mal weniger laut rockenden Bann. Der flotte Einstieg „St.“ etwa, in dem Frontmann Jon Loudon mit seinem markant-rauen Gesangsorgan voller Emphase beteuert: „I’ll tell you what you already know: you can’t do this all on your own“. Oder das bereits vor einigen Wochen vorab veröffentlichte „The Red Door“ (nebst einem feinen Musikvideo, das die Geschichte von zwei Hunden erzählt, die in die Natur fliehen und ihre neu gewonnene Freiheit feiern), in dem Loudon die Gentrifizierung seiner Heimatstadt anprangert: „Philadelphia (und möglicherweise auch deine Stadt) verändert sich rapide. Ich frage mich, wo die Leute hingehen werden, wenn sie es sich in Zukunft nicht mehr leisten können, in diesen neuen Nachbarschaften zu leben. Diese ‚roten Türen‘ an all diesen Gebäuden erscheinen mir wie eine Art Warnschild,“ wunderte sich der Sänger kürzlich in diesem Interview bei NPR.

Eines der Highlights des – der Kürze zum Trotz – kaum an Glanzpunkten armen Albums dürfte jedoch zweifellos „Nonbeliever“ sein. Durchzogen von schwebenden Emorock-Gitarrenriffs und angetrieben von einem – im besten Sinne – fies ohrwurmigen Refrain, dreht sich der Song um verschiedene Fragen, die sich laut Sänger und Gitarrist Jon Loudon viele Menschen Mitte Dreißig stellen: „An welchen Ort soll man noch ziehen? In welcher Branche kann man noch arbeiten, die nicht zusammenbrechen wird? Welche Möglichkeiten sind da, die nicht zu schrecklich sind?“ – Allesamt berechtigte Fragen, mit denen der selbst 35-jährige Musiker kaum allein auf weiter Flur dastehen dürfte…

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Alles in allem gehen Restorations den Weg ihrer letzten Werke mit „LP5000“ (welches NPR aktuell bereits im Stream bietet) weiter und bieten all jenen, die mächtig Bock auf eine kurzweilige Melange aus Indierock (mit den Zehen im seligen Neunziger-College- und Emorock), hemdsärmeligem Punkrock, etwas modernem Grunge, einer Prise Postrock sowie Blues haben, eine musikalische Alternative zu all jenen weiter oben genannten Referenzbands. Und: Geht es nur mir so, oder werden speziell bei diesem Philly-Quintett satte Erinnerungen an Pela wach, die sich nach dem 2007 veröffentlichten (und noch immer sträflichst unbekannten) Debüt „Anytown Graffiti“ leider viel zu früh trennten, sowie vor allem „Rise Ye Sunken Ships„, den darauf folgenden Erstling von We Are Augustines, der Pela-Nachfolgeband, die sich wenig später in Augustines umbenannte, nur um 2016 (und zwei weiteren Alben) vorerst ebenfalls die musikalischen Segel zu streichen? Schließlich sind raue Reibeisen-Gemeinsamkeiten bei den Stimmchen von Jon Loudon und Pela-/Augustines-Fronter William McCarthy kaum von der Hand zu weisen… Nevermind. Großartiges (Mini-)Album der Schlingel von Restorations, das in einer gerechten Musikwelt ausreichend Beachtung und den ein oder anderen vorderen Platz in der Jahresabschlussliste verdient hat – und, ganz nebenbei, eines der schönsten Albumcover-Artworks des Jahres stellt.

 

„Restorations have always been a band keenly aware of their surroundings and LP5000 is just that: Seven songs written and recorded during a time of transition. It’s a record about displacement. It’s about feeling complacent and coming to the sudden realization that maybe things aren’t as solid as they’d seemed—in politics, in personal relationships, and in the different corners of their hometown of Philadelphia. It’s about knowing now that if you don’t constantly work 24/7 to keep things together, they can easily fall apart. One long, sustained ‚Oh, fuck.'“

 

 

„This working thing just ain’t working for you
You just refresh the news and repeat it again
Said you’ve found the trick: just be bad at your job
If you burn all the fries, they’re gonna make you the king

There you’ll find this nonbeliever
On their non-believing knees

Said you’re doing much better living out in L.A
Far away from your parents and the concerns of the day
And you think about all your friends from school
What they’re doing now
If they remember

There you’ll find this nonbeliever
On their non-believing knees
You’ll find this nonbeliever asking for anything

I love your protest lines
Oh, but who has the time?
We all saw the same thing at the same time, okay?
Got a partner for starters
And a kid on the way
Can’t be doing all this dumb shit no more

There you’ll find this nonbeliever
On their non-believing knees
You’ll find this nonbeliever asking for anything

There you’ll find this nonbeliever
On their non-believing knees
You’ll find this nonbeliever asking for anything
Asking for anything

And you’re running out of things to give away…“

 

EDITH: Das Album gibt es mittlerweile via Bandcamp in Gänze im Stream:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Quiet Slang – „Future Mixtape For The Art Kids“


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Schon interessant – kaum präsentiert sich ein bekannter Song in neuem musikalischem Gewand, schon wird er vom ganz okayen Skip-Kandidaten zum Heavy-Roation-Ohrwurm. So geschehen heute mit „Future Mixtape For The Art Kids“.

Denn obwohl das Stück bereits 2016 auf „A Loud Bash of Teenage Feelings„, dem zweiten Album des aus Philadelphia, Pennsylvania stammenden Indiepunkrock-Quartetts Beach Slang, erschien, entfaltet sich der Dreiminüter erst nach (s)einer Piano-meets-Streicher-Neubehandlung zu voller Größe.

Insgesamt scheint die Idee von Beach Slang-Frontmann James Alex, als Quiet Slang mit einer intim(er)en Variante seiner Hauptband an den Start zu gehen, eine durchaus brillante zu sein, schließlich kommt sein herrlich ungeschliffen-raues Organ zu Piano, Akustischer und Streichern nun voller zur Geltung.

a0562513612_16Nachdem bereits im vergangenen Jahr mit „We Were Babies & We Were Dirtbags“ eine erste EP unter dem Quiet Slang-Banner erschien (welche nebst balladesken Überarbeitungen der Beach Slang-Stücke Bad Art & Weirdo Ideas“ und eben „Future Mixtape For The Art Kids“ auch Coverversionen der Replacements- beziehungsweise Big Star-Evergreens „Androgynous“ und „Thirteen“ enthielt), ist nun für Mai das erste vollwertige Quiet Slang-Werk „Everything Matters But No One Is Listening“ angekündigt. Und wenn man weiteren Vorboten wie „Dirty Cigarettes“ oder „Noisy Heaven“ Glauben schenken darf, so wird es vor allem eines: sehr, sehr geil. Wem etwa der poppige Punkrock-Ryan Adams á la „Rock ’n‘ Roll“ zusagen sollte (an den James Alex übrigens auch optisch erinnert), dem seien die reduzierten Ohrwürmer von Quiet Slang also wärmstens ans Hörerherz gelegt…

 

„Play it loud
Play it fast
Play me something that will always last
Play it tough
Play it quiet
Play me something that might save my life
We’re not lost, we are dying in style
We’re not fucked, we are fucking alive
I hope I never die
Stick your heart on your sleeve
If it breaks, stitch it on to me
Bash it back into shape
You might be cracked, but I won’t let you break
We’re not lost, we are dying in style
We’re not fucked, we are fucking alive
I hope you never die
A generation waits to bleed
For broken kids no one needs
There is heaven in these streets
There is heaven in these streets
I’m with you
Are you with me?
We’re not lost, we are dying in style
We’re not fucked, we are fucking alive…“

Rock and Roll.

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