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Sunday Listen: wrest – „Coward Of Us All“


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Bands wie Frightened Rabbit, Bright Eyes, The National oder die frühen (!) Coldplay – das sind nicht nur die gemeinsamen Nenner im Musikgeschmack von Stewart Douglas (Gesang, Gitarre), Stephen Whipp (Gitarre), Craig Robertson (Bass) und Jonny Tait (Schlagzeug), sondern auch einige der wohl naheliegendsten Referenzen, die einem beim Hören von „Coward Of Us All„, dem im Mai erschienenen Debütalbum von wrest, in den Sinn kommen könnten.

Denn obwohl sich keiner der zehn Songs mit Pauken und Trompeten aufdrängen mag (was ja etwa bei Coldplays aktuellstem Stadion-Pop-Abklatsch ihrer selbst anders aussehen würde), überzeugen wrest im Gros mit Indie Rock, der atmosphärisch und treibend („Out Of Sight„, „Human„, „Breathe Out„), mal verträumt-balladesk („White Flowers„) ausfällt. Und selbst, wenn es sich wie die x-te Wiederholung eines Klischees lesen mag (und ich dieses Mal nicht einmal den unüberhörbaren, feinst-tollen schottischen Akzent von Frontmann Stewart Douglas  erwähne), so klingt „Coward Of Us All“ in seinen schönsten Momenten doch wie die Landschaft, die die vierköpfige Newcomer-Band aus Edinburgh da in ihrer schottischen Heimat umgibt…

 

„The biggest highlight is hearing from people who enjoy our music. It’s great to think someone somewhere cares enough about it to say so, or to come and see us live.“

(Stewart Douglas)

 

Via Bandcamp kann man das Debütalbum von wrest in Gänze hören:

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Black Pumas – „Colors“ (live)


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Der frühe Vogel hört frische Töne. Oder: Manchmal entdeckt man schon früh morgens tolle neue Bands – in meinem Fall waren das just gestern Black Pumas im ARD Morgenmagazin, als die Band aus Austin, Texas zu früher Stunde im Kölner Studio der Öffentlich-rechtlichen Halt machte, um das im Juni veröffentlichte Debütalbum zu bewerben. Der Song dafür? „Colors“. Spontanes Urteil beim ersten Kaffee des Tages? Macht Bock auf mehr.

Also mal eben Dr. Google und Co. bemüht, und in weitere Stücke hinein gehört. Danach wundert es kaum, dass der renommierte Radiosender NPR die Band als „The Breakout Band Of 2019“ nannte und KCRW den Sound der Black Pumas als „Wu-Tang Clan meets James Brown“ beschrieb. Beim SXSW Festival im heimischen Austin, Texas bekam die Band weiteres, durchweg positives Feedback und sogar die Auszeichnungen für „Song Of The Year“ („Black Moon Rising“, die Eröffnungsnummer des selbstbetitelten Debüts) sowie „Best New Band“. Doch obwohl Black Pumas auf dem (digitalen) Papier der neuste „heiße Scheiß“ der Musiksaison sein mögen, ist der Geist dieser Band ist schon sehr viel älter, und – wenn überhaupt – lediglich in Petitessen innovativ. Das Besondere liegt vielmehr im Zusammenspiel des Quasi-Duos…

BlackPumas_BlackPumas.jpgBislang spielte der Grammy-prämierte Produzent und Gitarrist Adrian Quesada bei einigen außerhalb des Genres (sowie über Austins Grenzen hinaus) eher mittelbekannten Latin-Rock-Formationen  wie Brownout oder Grupo Fantasma. Für eine neue Band, für die ihm bereits die ein oder andere Idee durch die Hirnwindungen spukte, suchte er vor etwa zwei Jahren noch eine Stimme – und fand diese durch den Tipp eines Freundes in Eric Burton (nicht zu verwechseln mit Eric Burdon, dem ehemaligen Sänger der Animals und War). Burton wuchs im kalifornischen San Fernando Valley in einer sehr kirchlichen Umgebung auf und machte seine ersten kreativen Gehversuche zunächst in kleinen Musiktheaterstücken, dann als Straßenmusiker in Santa Monica und später in Austin. Im Grunde also eine Entdeckung, ein Newcomer – doch wer seine Stimme hört, die so voller Volumen, so voller Wärme ist, der denkt wohl unweigerlich weniger an die musikalische Formatradio-Stangenware von heute, sondern weiter zurück: an die goldenen Zeiten von Soulgrößen der Siebziger, wie den legendären James Brown. An Marvin Gaye. An Al Green. Eventuell noch an heutige Künstler wie Michael Kiwanuka oder Charles Bradley (der eine, Kiwanuka, steht mit seinem Talent beinahe allein auf weiter Flur, der andere, Bradley, wurde sträflichst spät entdeckt und verstarb 2017 viel zu früh). Wie weiches Vinyl auf digitalen Spuren…

Gemeinsam kreieren Adrian Quesada und Eric Burton auf dem Debütwerk zehn Songs, die ihre Bezüge wohl auf eine ganze Heerschar von großen Nummern der (Rock-)Musikhistorie nehmen. Mal spielt ein Titel auf Creedence Clearwater Revival an (der Opener „Black Moon Rising“ lässt einen wohl unweigerlich an deren „Bad Moon Rising“ denken). Mal gemahnt der E-Gitarren-Sound eines Stückes wie „Know You Better“ an die Beatles zu „Abbey Road“-Zeiten. Mal gelingt Quesada und Burton wie mit „Fire“ ein astreiner Neo-Western-Song, der durch die Kombination von Soul und dem typischen Ennio-Morricone-Fuzz-Sound direkt auf Soundtracks von „Shaft“ oder einem der vielen Quentin-Tarrantino-Filme gepasst hätte. Ansonsten? Bläser. Standesgemäßer Backgroundgesang. Ab und an ein paar Streicher. Und es gibt „Colors“, das Herzstück des Albums, mit seinen schönen Gitarrenakkorden, einem Boom-Bap-Beat und dem gegen Ende hin ausrastenden Piano, in dem Burton „It’s a good day to see my favorite colors“ singt – und kurioserweise mit seiner Stimme mal nicht im Zentrum steht.

Alles in allem ist das selbstbetitelte Debüt von Black Pumas eine feine Mischung aus klassischem Soul und Funk mit Elementen von East-Coast Hip-Hop und Jazz. Und hat dabei alles, was ein ordentlich groovendes Album braucht. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger (wer mag, darf natürlich im Kopf noch den obligatorischen „Retro“-Sticker drauf pappen). Es lässt den Fuß wippen und den Kopf nicken, während man sich die Spätsommersonne ins Gesicht scheinen lässt. Dafür lohnt es sich glatt, früher aufzustehen…

 

 

 

Das komplette Album kann via Bandcamp gestreamt werden…

 

…während man hier ein recht interessantes Interview mit Adrian Quesada und Eric Burton findet.

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: MOLLY – „Weep, Gently Weep“


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Klar, wer von Tirol hört, der hat wohl zuallererst beeindruckende Bergpanoramen, unendliche Weiten und malerische Postkarten-Naturlandschaften vorm geistigen Auge. Und so mag es einem zugleich passend und widersprüchlich vorkommen, dass sich MOLLY mit den Songs ihres Debütalbums „All That Ever Could Have Been“ ebenda recht passabel einfügen…

DMolly-300x300enn in der Tat könnte diese Melange aus Shoegaze (das Elegische), Dream-Pop (die verträumte Ziellosigkeit und der beinahe schon klischeehaft produzierte Klang) und Post-Rock (die kurzen Ausbrüche), die – wie es bereits auf den ersten EPs und Songs wie „Glimpse„, „As Years Go By“ oder „Sun Sun Sun“ der Fall war – einen gleich an eine ganze Heerschar artverwandter Bands wie Galaxie 500, Slowdive, Low, Beachwood Sparks, Dungen, The Besnard Lakes, M83 oder Sigur Rós (schon allein wegen der Falsettstimme des Sängers!) denken lässt, gut als musikalische Untermalung einer Wanderung durch oder eines Flugs über die Alpen dienen. Soundscapes par excellence. Damit wird das aus Innsbruck stammende Duo aus Lars Andersson (Gesang, Gitarre) und Phillip Dornauer (Schlagzeug, Bass, Synthesizer) logischerweise keine Welten bewegen, lädt allerdings mit seinen Songs, die irgendwo in der Ferne Themen wie die Krisen des Erwachsenwerdens, Vergänglichkeit und Zeit erahnen lassen, zur schönsten Tagträumerei ein…

 

 

Das im Juni erschiene Debütalbum „All That Ever Could Have Been“ gibt es via Bandcamp im Stream:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Mammoth Penguins – „Closure“


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In britischen Szene-Kreisen gilt Emma Kupa schon etwas länger als eines der bestgehütetsten, hoffnungsvollsten Talente, was gehaltvoll vertontes Textgut betrifft. So wurde ihre aktuelle Band, Mammoth Penguins, zu der neben der Sängerin und Gitarristin noch Bassist Mark Boxall und Schlagzeuger Tom Barden gehören, bereits 2015 von Radiomoderator Steve Lamacq in seiner Show auf „BBC 6 Music“ gefeaturet. Ob also all die Lorbeeren verdient sind? Nun, zumindest lässt „There’s No Fight We Can’t Both Win„, das dritte, im April erschiene Album des Trios aus dem englischen Cambridgeshire, einmal mehr aufhorchen…

5057805016885.jpgIm Grunde setzen Kupa und ihre beiden Jungs den auf dem 2018er Vorgänger „John Doe„, welcher sich der (fiktiven) Geschichte eines Mannes widmet, der zunächst seinen eigenen Tod vortäuscht, um Jahre später inmitten der Gesellschaft wieder aufzutauchen, fort (wenn auch mit weniger Konzept an Bord): elf Songs, die vom Verlust der Liebe, von Enttäuschungen, Rückschlägen, zig blutigen Nasen erzählen – und vor allem davon, immer wieder auszustehen, weiterzumachen. Twentysomething stories, but with a hell lotta positive vibes. Musikalisch liefert das Trio eine feines Potpourri an melodieseligem Indierock mit herber Schlagseite zum ohrwurmigen Powerpop, der gern auch mal etwas schrammeligen Punk-Rock-Vibe („Dick Move“) aufweisen darf. Wer Vergleiche mag: man denke sich eine Melange aus artverwandten Bands wie Worriers, Muncie Girls, Hop Along oder Land Of Talk, vermengt mit dem Pop-Gespür von Weezer (die Weezer der „Pinkerton“- bis „Green Album“-Phase seien hier ausdrücklich gemeint, nicht die Selbstkopie der Jetzt-Zeit!).

Bestenfalls geht all das, unterstützt von Emma Kupas mal windschief emphatischer, mal sympathisch eindringlicher Stimme, wie beim Opener „Closure“ direkt in die Gehörgänge: „Never really understood what closure was / Last time we met, it’s what I got / Never really understood what closure meant, walking away from you felt different…“

 

„Closure is a song about an interaction, or day, or moment, or occurrence when something shifts and feelings that you may have been carrying around for a while just dissipate.“ 

(Emma Kupa)

 

 

Das neue Mammoth Penguins-Album „There’s No Fight We Can’t Both Win“ gibt es via Bandcamp in Gänze im Stream zu hören:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: PAWS – „Joanna“


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Es gibt wohl ein, zwei Dinge, die man PAWS keinesfalls vorwerfen kann: Zum einen, dass das Indierock-Trio aus dem schottischen Glasgow nicht wandlungsfähig wäre. Und zum anderen, dass sich die Wahl ihrer jeweiligen Langspieler-Produzenten nicht im Klang des Endprodukts widerspiegeln würde. Denn beim letzten Album, dem 2016 erschienenen Drittwerk „No Grace„, saß ausgerechnet Blink-182-Bassist Mark Hoppus hinter den Reglern und – zack! – klangen die zehn Albumsongs, von denen nur die wenigsten oberhalb der Drei-Minuten-Marke abschlossen, als hätten drei Scottish Lads einen Tribute-Abend zu Ehren der Cali-Pop-Punker von Hoppus‘ Stammband veranstaltet.

0600064795319.jpgFür das neue Werk, das im April erschienene „Your Church On My Bonfire„, fiel die Wahl von Phillip Taylor (Gesang, Gitarre), Josh Swinney (Schlagzeug) und John Bonnar (Bass) auf Andy Monaghan, welcher sonst bei Frightened Rabbit an Gitarren und Keyboards stand. Und auch dieses Mal hört man es den neuen Stücken an. Viel mehr noch: Monaghans Platz an den Studioreglern ist eine recht persönliche Geschichte, denn schließlich war Phillip Taylor gut mit dem im vergangenen Jahr verstorbenen Frightened-Rabbit-Frontmann Scott Hutchison befreundet. So bildet, laut Taylor, das neuste, vierte Werk zum einen „die letzten drei Jahre meines Lebens“ ab, die von Verlusten, gescheiterten Beziehungen, Besetzungswechseln und zahlreichen Tourneen rund um den Globus (unter anderem mit Bands wie Frightened Rabbit, The Cribs, Death Cab For Cutie oder Japanese Breakfast) geprägt waren, zum anderen stellen die elf neuen Stücke eben auch ein stückweit Trauerverarbeitung dar – verpackt in Indierock, druckvoll auf den Punkt gebrachten Post-Rock und balladeske Folk-Kleinode wie „Arachnids„, garniert mit schnoddrigen Textzeilen aus dem Allerweltsleben (“Drinking my beer on this train and it tastes like shit” aus „Honoured To Be Honest“ etwa) sowie Phillip Taylors schottischen Akzent (ohne würde bei einer Gaswegian Band auch etwas fehlen). Dass „Your Church On My Bonfire“ klanglich wie stilistisch nahe bei Frightened Rabbit zu verorten ist, ist schlussendlich mehr als freundschaftliche Verneigung vor den „großen Kumpels aus Glasgow“ im Allgemeinen sowie einer Hommage an Scott Hutchison im Speziellen zu sehen, jedoch keinesfalls reiner Zufall (ebenso übrigens wie mein Eindruck, dass das Werk als Grower wohl zwei, drei Durchgänge mehr benötigt, um irgendwann zu zünden).

Ein Song, der PAWS‚ „neuen“ Indiefolkrock der Angsthasen-Prägung mit dem Punkrock-Spirit früherer Alben kreuzt, ist das tolle „Joanna“, das gleichsam flehentlich wie schnodderig eine recht typisch schottische Einstellung auf den Punkt bringt: Vielleicht ist sogar unser Selbsthass zu etwas nutze, wenn wir alle dazu bierselig gröhlen können…

Für den Dreh des dazugehörigen Musikvideos flog die Band ins wuselige New York City. Regisseur Alex Markman hierzu:

“Phil initially approached me about wanting to do a video where New York City was as much a character as the band. Say what you will about New York, there’s a reason why it’s past is fetishized, when it was bankrupted and sex was for sale on every street corner. So we decided to fetishize it literally with several nods to that era; Warhol films like Blow Job (and Empire), famous hustlers like Joe Dallesandro, the Ramones 53rd & 3rd, Taxi Driver – I could keep going. We shot during the rain storm a few weeks back. I can’t say it was fun but it definitely helped sell the look.”

 

 

„Plants watered with piss
Grow higher than I ever will
No one to remember
The short ripple I leave against my will
My life has taught me what it means
To hate a man and men

Please, Joanna, please
Don’t disappear on me…

Faces on the bus sing along to the cancer hum

No apology for the drunk priest that wields his gun
Searching through tumblers emptied
For somewhere to hide from the fight
The smoke and noise serve me right
In the dead of night
My life has taught me what it means to hate myself
And them

Please, Joanna, please
Don’t disappear on me…“

 

Via Bandcamp kann man auch das neue PAWS-Werk „Your Church On My Bonfire“ in Gänze hören:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: An Horse – „This Is A Song“


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Foto: Promo / Corry Arnold

Von 2007 bis 2012 gibt es wohl nur einen Ausdruck, um die (Mini-, da immer noch im „Indie-Rahmen“) Karriere von An Horse zu beschreiben: Non-Stop. Nur nachvollziehbar ist es also, dass Kate Cooper und Damon Cox nach zwei Alben, unzähligen Touren und Schicksalsschlägen schlichtweg ausgebrannt waren. Nun, nach fast sechs Jahren Pause, kehrt die Band endlich zurück.

Aber blicken wir noch einmal kurz zurück: 2010 hatte das Indie-Rock-Duo aus dem australischen Brisbane sein Debütalbum „Rearrange Beds“ und nur ein Jahr später das zweite Werk „Walls“ veröffentlicht, die sich mal zwischen verträumteren Thermals, mal zwischen bodenständigeren Tegan And Sara einsortierten. Davor, dazwischen, danach und währenddessen waren Cooper und Cox im Prinzip konstant auf Tour, um ihre Songs in möglichst viele Ohren zu bringen: entweder als Headliner oder gemeinsam mit Tegan And Sara, Death Cab For Cutie, Silversun Pickups oder Nada Surf ging es gleich mehrmals um die ganze Welt. Dieses Touren im Akkord forderte seinen Tribut: die Band verfiel in einen sechsjährigen Winterschlaf.

Kate Cooper sagt, sie sei nach dem Ende der letzten Tour zum zweiten Album einfach am Ende gewesen. Sie hatte keine Lust mehr, immer nur unterwegs zu sein, ihre Liebe zu vermissen. Gleichzeitig wurde bei ihrem Vater ein Gehirntumor diagnostiziert, den er leider nicht besiegen konnte. „Ich wollte keine Songs darüber schreiben, am Totenbett zu sitzen und traurig zu sein. Traurigsein ist einfach, zumindest für mich. Schwierig ist es, glücklich zu sein. Dafür musst du arbeiten. Die Gitarren habe ich erst wieder in die Hand genommen, als ich über etwas anderes als Traurigkeit schreiben konnte.“

Cooper verschlug es 2012 von Australien nach Montreal in Kanada, Cox zog nach New York. Beide hielten ständig Kontakt. Nach einigen Jahren der (musikalischen) Funkstille erreichten Damon Cox dann wieder frische Songideen von Kate Cooper, die er ergänzte und ihr zurückschickte. Man traf sich über Weihnachten in der australischen Heimat Brisbane, dann wieder in Kanada, und plötzlich war das dritte Album „Modern Air“ fertig.

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Ebenjenes „Modern Air“ mit seinen elf neuen Stücken ist lebendiger, abwechslungsreicher und dynamischer als die beiden Vorgängeralben, es zeigt An Horse stark wie nie – ob nun trotz oder wegen der doch recht langen Bandpause. Kate Cooper und Damon Cox sind eine Einheit, die nahtlos verschmilzt. Ihr gitarren-basierter Indie Rock kommt auf dem neuen Album immer noch mit zahlreichen Kanten daher, wagt dieses Mal aber auch ausschweifende Momente und mehr Experimente.

6b97f448-Cover_Final_Spotify„We are okay now / We made it through somehow“, singt Cooper nun im wachrüttelnden Opener von „Modern Air“. Und bereits nach zweieinhalb Minuten steht fest: Da geht noch was bei An Horse. Und da geht noch was mit unverkopftem Indie Rock. „This Is A Song“ ist eines dieser Lieder, die man kurz belächelt, weil sie so simpel daherkommen, und denen man dann verfällt, weil sie ebenso simpel alles auf den Punkt bringen: „And this is a song / For all the times you didn’t belong / And this is a song/ For all the times they got you wrong“ – viel mehr braucht es nicht, wenn die Attitüde und das Gitarrenriff stimmen. „Dieser Song feiert das Gefühl, anders zu sein, auch wenn man zu der Erkenntnis erst einmal selbst kommen muss“, so die Sängerin und Gitarristin Kate Cooper über „This Is A Song“. „Ich habe mir die Fotos aus meiner High School Zeit angesehen, und ich sehe darauf so krass anders aus als alle anderen, ich steche da total heraus. Damals war das schwierig für mich. Heute denke ich: die sehen alle so schmerzhaft normal aus! Ich bin froh, nicht so wie die anderen auf diesen Bildern zu sein.“ 

Das australische Indie-Rick-Duo kann 2019 aber nicht nur Hymnen auf das Außenseitertum singen, sondern auch – ohne Filter oder Blatt vorm Mund – in Richtung der Gegenseite austeilen: „Tell me I can’t get married / While you’re fucking your secretary“, greift Cooper im folgenden, noch etwas stärkeren „Live Well“ die Scheinheiligkeit der Gegner gleichgeschlechtlicher Ehen an. Und dieser Song steht durchaus exemplarisch für „Modern Air“, denn er schlägt härtere Töne an, ist dabei aber nicht verbittert, sondern – mit geballten Fäusten und einer guten Prise Rock – lebensbejahend. Im Verlauf ihrer dritten Platte wagen sich Cooper und Cox aber auch immer wieder aus der Komfortzone heraus, hin zu raumgreifendem Indiepop in „Started A Fire„, der mit Streichern abgerundeten Akustikballaden-Fingerübung „Mind Reader„, dem seltsamen Soundexperiment in der Albummitte, das mit „Bob Ross (Be The Water)“ einen angemessen verrückten Songtitel erhalten hat, oder „Fortitude Valet“, das haushohe Gitarrentürme übereinander schichtet und schüchtern in Richtung Shoegaze lugt. Und, übrigens: Das klassischste aller Trinkspiele ließe sich auf „Modern Air“ auch anwenden: für jedes zuckersüße „Fuck“ einen Shot, und die Nacht ist gelaufen. Auf das Leben – willkommen zurück, An Horse!

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Hier gibt’s mit „This Is A Song“ den Albumopener von „Modern Air“ in Bild und Ton…

 

…sowie via Bandcamp das Album im Stream:

 

Rock and Roll.

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