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Song des Tages: An Horse – „This Is A Song“


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Foto: Promo / Corry Arnold

Von 2007 bis 2012 gibt es wohl nur einen Ausdruck, um die (Mini-, da immer noch im „Indie-Rahmen“) Karriere von An Horse zu beschreiben: Non-Stop. Nur nachvollziehbar ist es also, dass Kate Cooper und Damon Cox nach zwei Alben, unzähligen Touren und Schicksalsschlägen schlichtweg ausgebrannt waren. Nun, nach fast sechs Jahren Pause, kehrt die Band endlich zurück.

Aber blicken wir noch einmal kurz zurück: 2010 hatte das Indie-Rock-Duo aus dem australischen Brisbane sein Debütalbum „Rearrange Beds“ und nur ein Jahr später das zweite Werk „Walls“ veröffentlicht, die sich mal zwischen verträumteren Thermals, mal zwischen bodenständigeren Tegan And Sara einsortierten. Davor, dazwischen, danach und währenddessen waren Cooper und Cox im Prinzip konstant auf Tour, um ihre Songs in möglichst viele Ohren zu bringen: entweder als Headliner oder gemeinsam mit Tegan And Sara, Death Cab For Cutie, Silversun Pickups oder Nada Surf ging es gleich mehrmals um die ganze Welt. Dieses Touren im Akkord forderte seinen Tribut: die Band verfiel in einen sechsjährigen Winterschlaf.

Kate Cooper sagt, sie sei nach dem Ende der letzten Tour zum zweiten Album einfach am Ende gewesen. Sie hatte keine Lust mehr, immer nur unterwegs zu sein, ihre Liebe zu vermissen. Gleichzeitig wurde bei ihrem Vater ein Gehirntumor diagnostiziert, den er leider nicht besiegen konnte. „Ich wollte keine Songs darüber schreiben, am Totenbett zu sitzen und traurig zu sein. Traurigsein ist einfach, zumindest für mich. Schwierig ist es, glücklich zu sein. Dafür musst du arbeiten. Die Gitarren habe ich erst wieder in die Hand genommen, als ich über etwas anderes als Traurigkeit schreiben konnte.“

Cooper verschlug es 2012 von Australien nach Montreal in Kanada, Cox zog nach New York. Beide hielten ständig Kontakt. Nach einigen Jahren der (musikalischen) Funkstille erreichten Damon Cox dann wieder frische Songideen von Kate Cooper, die er ergänzte und ihr zurückschickte. Man traf sich über Weihnachten in der australischen Heimat Brisbane, dann wieder in Kanada, und plötzlich war das dritte Album „Modern Air“ fertig.

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Ebenjenes „Modern Air“ mit seinen elf neuen Stücken ist lebendiger, abwechslungsreicher und dynamischer als die beiden Vorgängeralben, es zeigt An Horse stark wie nie – ob nun trotz oder wegen der doch recht langen Bandpause. Kate Cooper und Damon Cox sind eine Einheit, die nahtlos verschmilzt. Ihr gitarren-basierter Indie Rock kommt auf dem neuen Album immer noch mit zahlreichen Kanten daher, wagt dieses Mal aber auch ausschweifende Momente und mehr Experimente.

6b97f448-Cover_Final_Spotify„We are okay now / We made it through somehow“, singt Cooper nun im wachrüttelnden Opener von „Modern Air“. Und bereits nach zweieinhalb Minuten steht fest: Da geht noch was bei An Horse. Und da geht noch was mit unverkopftem Indie Rock. „This Is A Song“ ist eines dieser Lieder, die man kurz belächelt, weil sie so simpel daherkommen, und denen man dann verfällt, weil sie ebenso simpel alles auf den Punkt bringen: „And this is a song / For all the times you didn’t belong / And this is a song/ For all the times they got you wrong“ – viel mehr braucht es nicht, wenn die Attitüde und das Gitarrenriff stimmen. „Dieser Song feiert das Gefühl, anders zu sein, auch wenn man zu der Erkenntnis erst einmal selbst kommen muss“, so die Sängerin und Gitarristin Kate Cooper über „This Is A Song“. „Ich habe mir die Fotos aus meiner High School Zeit angesehen, und ich sehe darauf so krass anders aus als alle anderen, ich steche da total heraus. Damals war das schwierig für mich. Heute denke ich: die sehen alle so schmerzhaft normal aus! Ich bin froh, nicht so wie die anderen auf diesen Bildern zu sein.“ 

Das australische Indie-Rick-Duo kann 2019 aber nicht nur Hymnen auf das Außenseitertum singen, sondern auch – ohne Filter oder Blatt vorm Mund – in Richtung der Gegenseite austeilen: „Tell me I can’t get married / While you’re fucking your secretary“, greift Cooper im folgenden, noch etwas stärkeren „Live Well“ die Scheinheiligkeit der Gegner gleichgeschlechtlicher Ehen an. Und dieser Song steht durchaus exemplarisch für „Modern Air“, denn er schlägt härtere Töne an, ist dabei aber nicht verbittert, sondern – mit geballten Fäusten und einer guten Prise Rock – lebensbejahend. Im Verlauf ihrer dritten Platte wagen sich Cooper und Cox aber auch immer wieder aus der Komfortzone heraus, hin zu raumgreifendem Indiepop in „Started A Fire„, der mit Streichern abgerundeten Akustikballaden-Fingerübung „Mind Reader„, dem seltsamen Soundexperiment in der Albummitte, das mit „Bob Ross (Be The Water)“ einen angemessen verrückten Songtitel erhalten hat, oder „Fortitude Valet“, das haushohe Gitarrentürme übereinander schichtet und schüchtern in Richtung Shoegaze lugt. Und, übrigens: Das klassischste aller Trinkspiele ließe sich auf „Modern Air“ auch anwenden: für jedes zuckersüße „Fuck“ einen Shot, und die Nacht ist gelaufen. Auf das Leben – willkommen zurück, An Horse!

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Hier gibt’s mit „This Is A Song“ den Albumopener von „Modern Air“ in Bild und Ton…

 

…sowie via Bandcamp das Album im Stream:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Brutus – „War“ (live at Rain City)


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Wir erinnern uns zwei Jahre zurück, als BRUTUS mit ihrem Debütwerk „Burst“ lautstark von sich hören machten. Am Ende des Musikjahres stand ebenjene Platte in den ANEWFRIEND’schen Top 5, und mir blieb nur festzustellen: „Besser, effektiver, überraschender und ungewöhnlicher durchgerockt als das Trio aus dem belgischen Leuven hat mich 2017 keine Band.“

Seitdem sind einige Monate ins Land gezogen, in denen Stefanie Mannaerts (Schlagzeug, Gesang), Stijn Vanhoegaerden (Gitarre) und Peter Mulders (Bass) keinesfalls auf der faulen belgischen Haut lagen. Nachdem das Trio ihr Debüt ausreichend betourt hatte, setzte man sich zusammen, um an neuen Songs zu werkeln. Als die Soundgerüste fürs neue Album schließlich standen, setzten sich Mannaerts und ihre Jungs in den Flieger ins kanadische Vancouver, um dort – wie schon „Burst“ – gemeinsam mit Produzent Jesse Gander ihre neusten brachialen Songbrocken einzuspielen.

5060626460362Die beste Nachricht: auch mit und auf den elf neuen Stücken von „Nest“ bleibt das Trio seinem recht einzigartigen Mix aus Elementen aus Postrock, Shoegaze, Indie, Punk bis hin zu Post-Hardcore und sinistren Black-Metal-Einschüben treu. Mehr noch: viele der frischen Songs, deren einmal mehr kryptische Texte sich um Themen wie Intimität und Vertrauen beziehungsweise deren Verlust im Kontext von Familie drehen, kommen weniger verkopft und „freier von der Leber“ eingespielt daher. Man höre nur den knapp vierminütigen Holterdiepolter-Smasher „Cemetery„, oder etwa das unfassbar großartige „War“, welches bedrohlich ruhig einläuft, bevor Mannaerts, Vanhoegaerden und Mulders es mit einem derart derben Trash-Metal-Part windelweich prügeln, dass es kaum verwunderlich scheint, dass ausgerechnet Metallica-Schlagwerker Lars Ulrich zu den prominentesten Fans der Band zählt. Möchte man denn unbedingt neue Nuancen in den elf neusten BRUTUS’schen Klangorkanen aus (oft genug zeitgleicher) Euphorie, Sehnsucht, Trauer, Zorn und Wut ausmachen, so mögen diese wohl darin liegen, dass die Band ihren Sound nun größer auffächert, während anderswo offene Erstlingsversprechen eingelöst werden und vor allem Stefanie Mannaerts sich (nebst ihrem erneut unfassbar tollen Drumming!) nun gesanglich noch mehr nach vorn wagt.

Einmal mehr: großartig-geile Scheiße mit Potential zum Grower bis zum Ende des Musikjahres sowie für den ein oder anderen spontan verrenkten Halswirbel. BRUTUS liefern einen amtlichen Nachfolger, der dem Debütwerk „Burst“ in nichts nachsteht. Nuff said. Hörbefehl 2.0.

 

 

Via Bandcamp kann man sich „Nest“ zu Gemüte führen…

 

…und hier ein ausführliches Interview mit der Band lesen.

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Liily – „Toro“


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Zwar mögen Dylan Nash, Sam De La Torre, Maxx Morando und Charlie Anastasis altersmäßig kaum an der Zwanzig kratzen, ihren Songs, die die neuerdings zum Fünfergespann angewachsenen Newcomer Liily aus dem kalifornischen San Fernando Valley (deren fünfter Name partout nicht ausfindig zu machen scheint) vor wenigen Tagen auf der Debüt-EP „I Can Fool Anybody In This Town“ in die Musikwelt entließen, hört man die von der Westcoast-Sonne verwöhnte Milchbubi-Haut jedoch kaum an…

81Z+2XwWJjL._SS500_Vielmehr scheinen auf „Toro“, “Sold” oder “Sepulveda Basin” Vorbilder wie die Foals (das frickelig-nervöse Gitarrenspiel von Sam De La Torre), Interpol (wenn’s die Saiten mal düsterer mögen, scheint Interpols Daniel Kessler nicht fern), Reverend And The Makers, Jane’s Addiction, Rage Against The Machine oder die Arctic Monkeys (wenn Sänger Dylan Nash seine Stimme erhebt, quengelt sich diese im Zweifel bis ins englische Sheffield) durch – zumindest gefühlt.

Prädikat: Macht schon jetzt gut Bock auf den kommenden Sommer, und in jedem Fall auf den hoffentlich baldigst folgenden Langspieler der Jungs von Liily. Da könnte etwas Großes entstehen…

 

 

Hier gibt’s die sechs Songs starke Debüt-EP „I Can Fool Anybody In This Town“ im Stream:

 

Rock and Roll.

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Auf dem Radar: isolate + Interview mit Bassist Paul Riemer


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Ich gebe es gern zu: Wenn’s um gute Musik aus meiner sächsischen Heimat geht, dann bin ich von vollstem Hörerherzen und nur allzu gern Lokalpatriot. Klar kennt man mittlerweile die Chemnitzer Buben von Kraftklub längst über die Grenzen des Freistaates hinaus (während Indie-Connaisseure auf Playfellow schwören). Natürlich entwickelt sich in Leipzig so langsam aber sicher eine florierende Indie-Szene, die unlängst auch die Flensburger Punkrock-Größen von Turbostaat dazu veranlasste, ihr neustes (und erstes) Live-Album „Nachtbrot“ ausgerechnet im renommiert-speckigen, in jedem Falle grundsympathischen Conne Island aufzunehmen.

Und auch Dresden hat mittlerweile weitaus mehr zu bieten als die am Anfang interessant aus dem Boden geschossenen, gen Ende (bis zur Auflösung vor etwa sechs Jahren) mit einem guten Teil Fremdscham „Allein, allein“ daher trällernden Polarkreis 18. isolate etwa.

Das zwar noch junge, aber bereits seit 2014 gemeinsam in den Proberäumen in der (und rund um die) sächsische(n) Landeshauptstadt gemeinsam an neuen Sounds tüftelnde Trio hat vor Kurzem, im vergangenen Dezember, ihre schlicht „A“ betitelte Debüt-EP via Bandcamp ins weltweite Netz gestellt, deren sechs Songs experimentellen Indiepop ebenso streifen wie ProgRock – Radiohead meets Sigur Rós meets Agent Fresco meets Interpol meets… Oder, wie’s die Band selbst tituliert: „Progressive Pop“. Sehr jung, sehr frisch, sehr interessant – sollte man in Auge und Ohr behalten, diese drei von isolate!

 

Hier kann man die Debüt-EP „A“ in Gänze hören…

 

…und sich gleich noch das – im Übrigen (und gerade für eine „kleine Band“) äußerst professionell gelungene – Musikvideo zum Song „Asleep“ anschauen (zu dessen Entstehungsprozess ihr weiter unten mehr Informationen bekommt):

 

Und da es immer gut ist, mehr über die Hintergrunde einer noch unbekannten, jungen Band zu erfahren, hat ANEWFRIEND dem Bassisten und Tastenmeister von isolate, Paul Riemer, einige Fragen zukommen lassen:

Hallo Paul. Damit die Leser von ANEWFRIEND euch näher kennen lernen: Bitte stelle dich und deine aktuelle Band isolate doch einmal kurz näher vor…

Hallo! Wir sind eine dreiköpfige Band aus Dresden, die es seit Ende 2014 gibt. Wir bezeichnen unser Genre als „Progressive Pop“ aber wir weichen genauso gern auch der Frage nach dem Genre aus. Niklas spielt Drums, Johan spielt Gitarre und singt und ich spiele die Synthies, das Klavier und den Bass.

Lass uns über den Entstehungs- und Aufnahmeprozess eurer im vergangenen Dezember veröffentlichten Debüt-EP „A“ sprechen (oder, in diesem Fall wohl eher: schreiben). Wie, wann und wo entstanden die Songs dazu?

Die Songs von „A“ entstanden innerhalb der letzten zweieinhalb Jahre. Unser Songwriting ist dadurch geprägt, dass wir zwar gern miteinander spielen, uns aber nur schlecht Songs beim gemeinsamen Jammen ausdenken können. Daher haben wir die Tracks Stück für Stück am Computer vorproduziert und so lange daran rumgebastelt, bis wir zufrieden waren. Das war vor allem bei den „Maintracks“ (Asleep, Adri!, Aglow) so. Das Intro und Outro (Anew, Alight) haben wir uns dann gezielt überlegt, um den anderen Songs einen sinnigen Kontext zu geben. “Afar” ist eine große Ausnahme gegenüber den Anderen: die Wahrheit ist, dass ich mir letztes Jahr einen neuen Synthesizer gegönnt habe und ich dann beim Rumklimpern und Kennenlernen des Instruments diesen Track nebenbei mitgeschnitten habe. Die beiden anderen haben den Mitschnitt dann auf unserem Computer gefunden und fanden ihn so passend, dass er es schlussendlich auch auf die Platte geschafft hat.

Wir haben die EP überwiegend bei uns im Proberaum aufgenommen. Die Gitarre hat Johan bei unserem Audio-Good-Guy Philip (Ex-Copy Of A Golden Sketch) aufgenommen. Mit ihm haben wir auch die Drums eingespielt und er war es auch, der die EP dann gemischt und gemastert hat (übelst geiler Typ). Um jeweils den Sound zu erzielen, den wir uns vorgestellt hatten, haben wir ganze vier verschiedene Klaviere aufgenommen. Einmal unser Stage-Piano im Proberaum, mein akustisches Piano zuhause, sowie einen Flügel und ein DDR-Klavier in einer Musikschule in der Nähe von Dresden. Im Outro “Alight” stellen wir auch mal zwei der Klaviere im Song direkt gegenüber. Ein weiterer wichtiger Bestandteil unserer Produktion ist die Verwendung von selbst aufgenommenen Samples. Wir haben mit unseren Handys viele einzelne Geräusche aufgenommen und bearbeitet, zum Beispiel Klänge aus einem Antiquariat. Am Ende von “Adri!” ist ein Juni-Käfer zu hören, dessen Brummen wir am Computer stark verfremdet haben.

Wo wir gerade bei „Entstehungsprozessen“ sind: Wie – und mit wem – ist das (im Übrigen sehr sehenswerte) Musikvideo zum Song „Asleep“ entstanden?

Danke! Das Video entstand in Zusammenarbeit mit Javier Sobremazas, einem spanischen Filmemacher, der in Dresden lebt und hier bereits für einige lokale Bands ein paar fantastische Musikvideos gedreht hat. Wir haben mit ihm Kontakt aufgebaut und gemeinsam das Video geplant. Die Story, Locations und Darstellenden haben wir dann gemeinsam gesucht. Schauspieler haben wir glücklicherweise in unserem Freundeskreis gefunden und so war unser kleines Filmteam schon komplett. Javier hat einen tollen Sinn für Bilder und Atmosphäre. Er hat ohne jedes künstliche Licht gefilmt und dadurch eine starke, natürliche Stimmung erzeugt. Oft hat er an den Orten, an denen wir gefilmt haben, auch einfach kleine „zufällige“ Details gefilmt und mit in das Video geschnitten. Das hat das Ganze zusätzlich abgerundet.

Wo findet ihr eure musikalischen Inspirationen? Habt ihr bestimmte Vorbilder, was das Klangbild eurer Songs sowie die Herangehensweise ans Komponieren betrifft?

Das ist wohl schwer zu definieren. Ich denke, da hat jeder von uns einen anderen Weg. Ich kann nur für mich sprechen und sagen, dass ich am liebsten einfach am Klavier sitze und drauf los spiele – teilweise stundenlang. Immer dann, wenn ich in dieser Situation einen für mich interessanten, am liebsten ungewohnten Schnipsel entwickle, versuche ich mir diesen zu merken und Stück für Stück weiter zu verfolgen.

Unsere Vorbilder im Klangbild sind auch sehr verschieden. Wir mögen die Härte und Präzision von Bands wie Agent Fresco und Arcane Roots. Aber ebenso die zerbrechlichen, ruhigen Momente, die Nils Frahm und Ólafur Arnalds erzeugen. Wir alle haben einen sehr breiten Musikgeschmack. Eben alles, was gut gemacht ist und was interessant und schön zu hören ist. Das reicht dann von Jazz und Funk über experimentelle Musik und Ambientkram bis hin zu Progressive Metal – aber auch cooler Popmusik. Unsere gemeinsamen Wurzeln liegen schlussendlich aber bei Postrockbands wie Sigur Rós und pg.lost, zu welchen wir auch von Zeit zu Zeit zurückkehren – denn unter dieser Flagge haben wir gemeinsam begonnen Musik zu machen.
Der wohl wichtigste Punkt in unserem Songwriting-Prozess ist wohl, dass wir nur sehr schwer zufrieden zu stellen sind. Immer wieder werden Stellen, teilweise ganze Songs, in Frage gestellt. Immer wieder fragen wir uns, ob alle Songs zueinander passen, ob wir die Spannung über die Dauer eines Konzertes halten können und so weiter. Entsprechend sind unsere Vorbilder dahingehend eben Künstler, bei denen einfach alles zueinander passt, wie etwa bei Sigur Rós, Agent Fresco oder The Contortionist. Solche, stellenweise schon konzeptionellen, Herangehensweisen interessieren uns, weil man so noch mehr Tiefe zwischen den Songs erreichen kann und es als Hörer noch mehr zu entdecken gibt.

Wie siehst du selbst als musikschaffender Indie-Künstler die derzeitige Lage der Musikindustrie? Kann man, insofern man Wert auf Integrität legt und nicht nur auf den „schnellen Euro“ anhand von ein, zwei „Hits“ schielt, aktuell überhaupt noch von seiner Musik leben?

Ich denke, man kann schon von seiner Musik leben, ohne seine Seele zu verkaufen. Man muss eben ein bisschen wissen, wie der Markt tickt. Und damit meine ich nicht, welches Genre angesagt ist, sondern dahingehend, dass man sich in gewisser Weise schon verkaufen können muss. Aber das muss ja nichts Schlechtes sein, im Gegenteil. Networking, sowohl „offline“ als auch online, macht Spaß und wenn man sich Mühe gibt und Feedback von Leuten bekommt, die einen nicht aus dem direkten Freundeskreis kennen, kann das sehr motivierend sein!

Gleichzeitig sollte man immer das machen, auf was man Bock hat. Bock, Ausdauer, Pausen, viel Kaffee und eine Priese Kreativität, dann wird’s auch gut. Wenn man sich verstellt um erfolgreich zu sein, geht das schon irgendwie, aber man verliert seine Identität und es macht garantiert nach einiger Zeit nicht mehr so viel Spaß. Und Spaß ist das Wichtigste.
Man hat heutzutage die Freiheit, alles im Internet zu veröffentlichen. Diese Chance muss man nutzen und sein Glück selbst in die Hand nehmen. Zum Beispiel Labels und Veranstalter auf sich aufmerksam machen. Nur muss man sich auch bewusst darüber sein, dass man darin natürlich nicht der Einzige ist. Entsprechend braucht es ein Alleinstellungsmerkmal, etwas Originelles, das einen zwischen all den anderen Musikern sichtbar macht.

Was sind deine/eure nächsten Pläne mit isolate? Wird es in absehbarer Zeit ein erstes Album geben?

Ein Album ist vorerst nur sehr vage in weiterer Zukunft geplant. Wir wollen jetzt erstmal neue Songs schreiben um dann im Sommer und Herbst viel live zu spielen und unsere Musik präsentieren. Vor allem außerhalb von Dresden und im näheren Ausland. Wenn es dann genug neue Sachen gibt und diese auch live gut funktionieren, dann machen wir bestimmt ein Album.

Zum Abschluss noch ein paar allgemeinere Fragen…

Was sind deine frühesten musikalischen Erinnerungen?

Es gibt VHS-Kassetten, auf denen ich die Titelmelodie zur Trickfilmserie „Heidi“ zum Besten gebe. Ansonsten habe ich schon ab der 1. Klasse Instrumentalunterricht erhalten, Johan bekam seine erste Gitarre mit vier Jahren und hat damit versucht, die ABBA-Platten seiner Eltern zu ergänzen und Niklas hat schon in frühester Kindheit auf Töpfen rum getrommelt und Luftschlagzeug zu den Lieblingsbands seiner Eltern gespielt.

Welches sind deine – insofern es die gibt – größten „musikalischen Helden“?

Ich glaube konkrete, dauerhafte musikalische Helden habe ich gar nicht. Wir hören immer wieder neue Musik und entsprechend kommt auch immer mal wieder jemand dazu, während andere in Vergessenheit geraten (bzw. ihren Heldenstatus aberkannt bekommen :D).

Wenn du (oder ihr) die Möglichkeit hätte(s)t, mit einem bestimmten Musiker auf Tour oder ins Studio gehen zu können – welcher wäre das?

Ich denke ich spreche für uns alle, wenn ich sage, das ‘ne Tour mit Agent Fresco der Hammer wäre.

Was wären deine 5 Platten als Soundtrack für die Großstadt…

Ich glaube nicht, dass wir uns auf 5 einigen könnten, daher meine persönlichen:

Delta Sleep – Ghost City

Interpol – Turn On The Bright Lights

Erik Truffaz – Bending New Corners

Agent Fresco – A Long Time Listening

Golden Kanine – We Were Wrong, Right?

…und deine 5 Platten für die einsame Insel?

Totorro – Home Alone

Kings of Convenience – Riot On An Empty Street

Sigur Rós – Með suð í eyrum við spilum endalaust

Marker Starling – Anchors and Ampersands

Enemies – Embark, Embrace

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview mit ANEWFRIEND genommen hast!

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Hell And High Water – „War“


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Wer auf auf den Alternative Rock der Hausmarke Placebo, laute Indierock-Fuzz-Gitarren à la Dinosaur Jr., seligen Neunziger-Grunge oder den derben Desert-Rock-Groove von Queens Of The Stone Age (meinetwegen auch Kyuss, ist ja von den einen zu den anderen ja nur ein kleiner Josh-Homme-Katzensprung) steht, dem seien die Hamburger Rock-Newcomer von Hell And High Water wärmstens empfohlen.

4251423500189Das aus Matthias Schwettmann (Gesang, Gitarre), Kai Namslau (Bass) und Dennis Reher (Schlagzeug) bestehende, 2014 gegründete Trio aus der norddeutschen Hansestadt hat im vergangenen November sein Debütalbum „Neon Globe“ veröffentlicht. Und auch wenn bei einem Großteil der elf Songs schon offensichtlich wird, dass Matthias Schwettmanns doch recht dünnes Organ, welches etwa VISIONS-Redakteurin Katharina Raskob in ihrer Review als eine „verrauchte und leicht verstimmte Version von Death Cab For Cuties Ben Gibbard“ bezeichnet, keineswegs mit der durchaus amtlich daher rockenden Musik der Band, bei der man oftmals den Wüstenstaub von Joshua Tree im Gesicht zu stehen glaubt, mithalten kann (auch Vergleiche mit den oft ins Feld geführten Brian Molko und selbst Neil Young verbieten sich daher fast), sollte man Hell And High Water durchaus Gehör schenken…

 

Hier gibt es das Hell And High Water-Debüt „Neon Globe“ im Stream…

 

…mit „War“ eines der Album-Highlights im Musikvideo…

 

…sowie den Song in der „Antikörper Session“-Variante:

 

Rock and Roll.

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Versprechen? Gehalten! – Hannes Wittmer schenkt uns sein neues Album „Das große Spektakel“


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Foto: Christoph Naumann

Hannes Wittmer (tafka Spaceman Spiff) hat seine Ankündigung zur Jahresmitte (von der seinerzeit hier auch zu lesen war) wahr gemacht und heute mit „Das große Spektakel“ – nach drei, zwischen 2009 und 2014 veröffentlichten Platten unter dem „Spaceman Spiff„-Moniker – sein erstes, erst vor wenigen Tagen fertig abgemischtes Album unter eigenem Namen zum freien Download auf seiner Homepage zur Verfügung gestellt.

Dass ANEWFRIEND – gerade in Anbetracht der Tatsache, dass der Hannes per se einer der besten und sympathischsten bundesdeutschen Liederklampfer ist – auch die neue (zunächst einmal nur kostenlos digital, in Kürze auch auf Vinyl erhältliche) Platte ungehört empfehlen kann (und wird), ist dabei – ebenso wie das Unterstützen der Wittmer’schen Fanbase – natürlich: Ehrensache. ♥

Aber lassen wir doch dem Künstler mit den begleitenden (und heute via Facebook geteilten) Worten selbst die letzten selbigen:

 

45514890_10155979564373652_6428997019074822144_n„Hallo ihr lieben Menschen,

heute ist es endlich soweit. Ich möchte gerne mein neues Album ‚Das große Spektakel‘ mit Euch teilen. Es steht ab jetzt zum freien Download und Streaming auf meiner Website. (www.hanneswittmer.de) Ich hoffe, dass es Euch gefällt, und dass die Musik für sich sprechen kann …

Wie schon angekündigt gibt es die Platte weder auf Spotify, iTunes und co, noch auf CD oder sonst irgendwo im Handel.

Weil ich Vinyl als Medium zum Musik hören super finde, erscheint im Februar über meine Freunde vom mairisch Verlag eine limitierte Auflage des Albums auf Schallplatte. Diese kann ab jetzt über ihre Homepage vorbestellt werden (https://www.mairisch.de/spektakel). Sollte es Gewinne geben, spenden sie diese an Ärzte ohne Grenzen / Médecins Sans Frontières (MSF). Außerdem werde ich die Platte bei meinen Konzerten dabei haben.

Auch der Eintritt für alle Konzerte der Tour samt Band im Februar (siehe unten) läuft ausschließlich auf Pay-What-You-Want-Basis.

Ursprünglich hatte ich vor, zum Release einen ausgeklügelten Text mit wahnsinnig durchdachten Ausführungen zu meiner Entscheidung, meine Musik zu verschenken, parat zu haben. So etwas wie ein ‚Manifest‘ gegen Marktlogik, Turbokapitalismus, Konsumgesellschaft und die Ökonomisierung aller Lebensbereiche, sowie die damit verbundene Entfremdung, Individualisierung und den gesellschaftlichen und sozialen Konsequenzen, die am Ende sicher auch ihren Teil zum immer lauter werdenden rechten Rand beitragen. In den letzten Monaten hab ich aber feststellen müssen, dass ich das, was ich da tue, selbst gar nicht so genau definieren kann. Bisher ist das alles eher ein Prozess, als ein zu Ende gedachtes Konzept und irgendwo zwischen Experiment, Kunst-Projekt, Verzweiflungstat, Suche nach Alternativen, und hoffnungsvollem Aktionismus anzusiedeln. Einige Gedanken zu meiner Haltung, kleinen Erfolgen, Widersprüchen, und den Hoffnungen, die ich in meine Vorgehensweise lege, habe ich begleitend zur Albumproduktion in meinem Blog aufgeschrieben.

Ich befinde mich auf einer Forschungsreise und freue mich, wenn Ihr Lust habt mich ein Stück zu begleiten. Sei es durchs Zuhören beim Konzertbesuch oder auf Kopfhörern bei Bahnfahrten, durchs Mitlesen im Blog, oder durch den gegenseitigen Austausch in Form von Gesprächen, Nachrichten, Kommentaren und Mails.

Um das alles hier weiter tun zu können, bin ich auf Unterstützung angewiesen, um die ich Euch hiermit auch bitten möchte. Ihr könnt mir helfen, indem Ihr spendet (meine Paypal- und Kontodaten findet Ihr auf meiner Homepage unter ‚Unterstützen‘), meine Musik in Euren Kreisen weiter empfehlt und/oder die Haltung und Idee dahinter weiter verbreitet.

Statt einem Manifest bekommt Ihr von mir ein Zitat, über das ich neulich während einer langen Autofahrt zu einem Konzert gestolpert bin. Es hat mich direkt berührt, weil es so viel von dem, an was ich glaube, auf den Punkt bringt.

‚Gewonnen wird die Humanität nie in der Einsamkeit und nie dadurch, daß einer sein Werk der Öffentlichkeit übergibt. Nur wer sein Leben und seine Person mit in das Wagnis der Öffentlichkeit nimmt, kann sie erreichen.‘ (Hannah Arendt)

Ich freue mich und bin vor allem gespannt auf alles was kommt. Danke für’s Zuhören!

Hannes

P.S. Hier schonmal die Tourstationen für den Februar (Danke an Danny und das Grand Hotel van Cleef):

01.02. Stuttgart – Clubcann
02.02. Freiburg – ArTik Freiburg
03.02. Wiesbaden – Schlachthof Wiesbaden
05.02. Leipzig – WERK2-Kulturfabrik
06.02. Dresden – Scheune Dresden
07.02. Erlangen – Kulturzentrum E-Werk
08.02. München – Muffatwerk (ampere)
09.02. Würzburg – CAIRO, Jugendkulturhaus Würzburg
12.02. Bremen – Tower Musikclub
13.02. Münster – Sputnikhalle Münster
14.02. Hannover – LUX – Concerts
15.02. Berlin – Lido Berlin
16.02. Hamburg – Uebel und Gefährlich
19.02. Trier – Exhaus / Trier
20.02. Aachen – Musikbunker Aachen
21.02. Köln – GLORIA THEATER
22.02. Essen – Zeche Carl
23.02. Heidelberg – halle02

Weitere Infos, sowie die Möglichkeit Tickets zu reservieren gibt es auf der Homepage im Menüpunkt KONZERTE.

P.P.S. und Last but not Least nochmal ein frenetisches Dankeschön an meine großartige Crew, bestehend aus Kilian Brand (Ton), Denise Henning (Artwork), Clara Jochum (Cello), Jonny König (Drums) und Felix Weigt (Bass)“

 

Und nun: Hören. Hören. Hören. Toll finden.

 

Rock and Roll.

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