Schlagwort-Archive: Dream Pop

Song des Tages: Bartees Strange – „Heavy Heart“


Die große Frage, die sich mit dem zweiten Album von Bartees Strange, der im sogenannten richtigen Leben zwar tatsächlich Bartees mit Vornamen, jedoch nicht Strange mit Nachnamen heißt, die große Frage also, die sich im Zuge der unlängst erschienenen neuen Platte stellt, lautet: Wird das nun was mit dem großen Durchbruch? Das Zeug dazu hat der 33-jährige US-Musiker allemal. Seine Songs sind so volatil wie abwechslungsreich, pendeln zwischen fiebrigen Clubnummern und akustischen Halbballaden. Und diese Vielseitigkeit hat durchaus Gründe: Als Sohn einer Opernsängerin und eines Armeeangehörigen wurden Bartees die Musik und das Unterwegssein quasi in die Wiege gelegt. Geboren in England, lebte er einige Jahre in Deutschland oder Grönland und ist seit seinem 12. Geburtstag in Oklahoma zu Hause. Dort wurde er mit Midwest Emo und Hardcore sozialisiert, hörte Bands wie At The Drive-In oder American Football und spielte zwei Jahre lang in der Post-Hardcore-Band Stay Inside. Als er den Kontakt mit früheren Freunden aus England suchte, machten diese ihn zudem mit der britischen Alternative-Musikszene bekannt und Bartees verliebte sich in Bands wie Mount Kimbie oder King Krule. Insofern ist es kaum verwunderlich, dass sich auch „Farm To Table„, der hier zur Diskussion stehende Nachfolger des 2020 erschienenen Debüts „Live Forever„, weder festlegen kann noch will. Ein Album wie eine bunte Tüte Süßigkeiten im übervollen Freibad: Es gibt die vollmundigen Kalorienbomben, die sauren Center Shocks und zwischendrin die vielleicht für die bunten Tüten dann doch nicht sehr typischen bitteren Pillen. Im Großen und Ganzen sollte also bei diesem recht einzigartigen Mix aus Indie Rock, R’n’B, Emo, introvertiertem Folk, Dreampop und etwas Autotune für nahezu jede(n) etwas dabei sein. Ob man dieser Album gewordenen Melange nun das Label des trap-rockigen Emo-Indie, oder Indie Rock mit Emo-Trap überzieht, ist am Ende völlig schnurzpiepegal.

Da ist zu Beginn der kurzweiligen Platte gleich das Funken sprühende Melancholie-Feuerwerk „Heavy Heart„. Mit welcher nonchalanten Fahrlässigkeit Strange den vermutlich größten Song seiner bisherigen Karriere ganz an den Albumanfang stellt, ist schon ebenso bemerkenswert wie respektabel, schließlich geht selbiger direkt ans Eingemachte: Zu einer Bloc-Party-Gedächtnismelodie schmachtet Strange über die vielfältigen Gründe, deretwegen man ein schwermütig pochendes Herz haben könnte. Im Verlauf entwickelt sich die Nummer jedoch nicht zur drögen Herzschmerzballade, sondern wagt sich mit kraftvollem Rhythmus, jazzigen Bläserbreaks und massig Ohrwurm-Potential aus der wohlig-weichen Komfortzone. Nur um im nächsten Song, „Mulholland Dr.„, den gleichen Hütchenspielertrick noch einmal zu versuchen: Sehnsuchtsvoll klingende Gitarren, mit denen sich Strange die Schwermut von der Seele spielen möchte, stehen hier im Fokus, die Arrangements klingen kristallklar und nach tiefblauem Nachthimmel. Dass er aber auch einen ganz anderen Sound im Tank hat, zeigt er mit der minimalischen Alternative-HipHop-Nummer „Cosigns„, die recht lässig und unter Zuhilfenahme von Autotune-Effekten sowie dunkel schimmernden Beats mit dem angestammten Sounddesign bricht und einen derben Keil in den Fluss des Albums schlägt, während textlich ein namedroppender Knicks vor Künstlerinnen wie Phoebe Bridgers, Lucy Dacus oder Courtney Barnett (mit denen Bartees Strange auch jeweils bereits auf Tournee war) gemacht wird. Muss man mit klarkommen, kann man auch.

Es lässt sich schwerlich überhören, dass Bartees Leon Cox Jr. auf „Farm To Table“ eine ganze Bandbreiter seiner Facetten zeigt – und das ist natürlich Segen und, wenn man so will, „Fluch“ zugleich, denn eine kohärente Albumerzählung stellt sich so während der knapp 35 Minuten mitnichten ein. Die Platte wirkt eher wie ein Mixtape, ein Neo-Crossover-Portfolio, das als recht kühne Verschmelzung von R’n’B und Zu-groß-für-den-Club-zu-klein-fürs-Stadion-Indie die Möglichkeiten des Künstlers aufzeigen soll. „Wretched“ zum Beispiel befolgt ohne jede Ironie die aktuelle Popformel und reißt mit seinem stampfenden Elektro-Beat die Hütte ab. Hier liefert der US-Amerikaner eine astreine Club-Nummer, die selbst nach, sagen wir mal, einem Macklemore-Track nicht sonderlich aus der Reihe fallen würde. Das für George Floyds Tochter gesungene „Hold The Line“ hingegen gefällt sich in der Rolle als atmosphärischer Soul-Song, der das Tempo in ähnlicher Manier rausnimmt wie die Stripped-Down-Akustiknummer „Tours„, in welcher der Musiker feststellt, dass sich sein Leben und das seines Soldatenvaters gar nicht mal so sehr unterscheiden, oder das abschließende soulige „Hennessy„, in dem er zu Nylon-Gitarre, leisem Drumming und verschleppten Klavierakkorden das Zusammengehörigkeitsgefühl der afroamerikanischen Community beschwört – Politisches und Persönliches wird hier sowieso in nahezu jedem Moment miteinander vermengt. Da wünscht man sich schon, dass Bartees Strange, der vor zwei Jahren mit einer EP voller Coverversionen seiner erklärten Lieblingsband The National für ein erstes Ausrufezeichen sorgte, den R’n’B-Lowrider irgendwo in einem Vorort von Los Angeles stehen ließe und sich mehr auf die Indie-Rock-meets-Folk-Schiene konzentrieren würde. Und auch wenn er sich nun für eine der diversen Richtungen entscheiden würde, bekäme man wohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein deutlich kohärenteres Gesamtwerk, das in der jeweiligen Sparte den Durchbruch für ihn als Musiker bedeuten könnte. Denn mit „Farm To Table“, diesem als Album getarnten Tanz-zwischen-den-Stilen-Mixtape, stellt er unter Beweis, was er nahezu alles beherrscht – einem Ohr für Hooks und Angstfreiheit vor den Charts inklusive. Doch möglicherweise würde man letzten Endes dann genau das vermissen, was man jetzt noch „Durcheinander“ nennt… Schon strange, dieser Bartees.

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Sunday Listen: Mint Green – „All Girls Go To Heaven“


Das Cover von Mint Greens Debütalbum „All Girls Go To Heaven“ zeigt Porträts der Band, die – halb künstlerisch, halb dilettantisch – auf einen recht bunten Hintergrund gephotoshoppt wurden, und erinnert so an ein Artwork, dem man heutzutage ebenso in einer Kunstgalerie wie auf irgendeinem hipsterhippen Instagram-Account begegnen könnte. Aber klar, hier soll’s natürlich vielmehr um die Musik gehen… Und die kann sich durchaus hören lassen. Das aus Boston, Massachusetts, stammende Quartett, das seit 2016 bereits mit einigen EPs für das ein oder andere Hallo-wach-Erlebnis sorgte, hat es sich bei selbiger – der Musik – zur Aufgabe gemacht, mit jeder Menge juveniler Energie im Tank die Dinge einzufangen, die so ziemlich jede(r) fühlen, aber selten laut aussprechen mag – ob ihnen das gelingt?

Die zehn Songs des Debüt-Langspielers beginnen mit dem Opener „Against The Grain“, einer vergleichsweise sanften Akustik-Nummer, die manches Ohr an Indie-Darling Phoebe Bridgers erinnern mag. Zu offensichtlich? Dabei macht gerade dieser Querverweis durchaus Sinn, wenn man bedenkt, dass Mint Green im Jahr 2020 zwei ihrer Songs gecovert haben (und auch einen von Katy Perry). Also Indie Rock meets Indie Pop meets Indie Folk? Check, check, check. Dennoch sollte man Ronnica, Daniel Huang, Tiffany Sammy und Brandon Shaw keineswegs unterstellen, hier schnödes Fanboy/-girl-Kopistentum irgendwo zwischen der benannten Phoebe Bridgers, Tigers Jaw, Beach Bunny oder Soccer Mommy zu betreiben, denn der Boston-Vierer setzt genug eigene Duftmarken. Das beweist bereits „Body Language“, ein Stück, das den Zuhörer mit (s)einer sanften Gitarre lockt, bevor es die Kräfte bündelt und in einen ausgewachsenen Indie-Rock-Song explodiert. Ist übertrieben? Ja sicher, so richtig derb gehen Mint Green auf ihrem Erstling eher selten zu Werke (etwa gegen Ende von „Whatever Happens“), oft genug stehen sie dem Indie-Math-Pop der artverwandten Orchards näher als anderen Heavy-Rock-Kapellen, aber: schon hier klingt das Quartett, als hätte es dabei eine Menge Spaß – was definitiv keineswegs unwichtig ist, schließlich ist ein Album meist dann am besten, wenn eine Band loslässt und – eben! – Spaß hat.

Und auch das dürfte Gründe haben: Da „All Girls Go To Heaven“ von der Band selbst in Zusammenarbeit mit Collin Pastore (u.a. Lucy Dacus, Julien Baker, Animal Flag) produziert wurde, sollte klar sein, dass Mint Green – Newcomer hin, Newcomer her – durchaus einiges an Mitspracherecht hinsichtlich dessen hatten, wie sie ihren eigenen Sound gestalten wollen. Und der? Tönt in der Tat erfrischend – minzgrün eben. Und beweist obendrein, dass sich die vier mit ihrer Mischung aus Pop Punk, Indie Rock, dezent sommerlichen Dreampop-Vibes sowie Elementen aus Punk Rock, feinen Soul-Prisen (vor allem gesanglich) und einer ordentlichen Portion Emo-Katharsis, die den halluzinogenen Zustand mit ängstlichen Refrains umhüllt, nicht so leicht in eine Schublade stecken lassen möchten. All das eine recht mutige Melange für ein Debüt, das in weniger fähigen Händen durchaus ein halbgares Durcheinander aus überladenen Gitarren, Schlagzeug und Gesang hätte werden können, hier jedoch vielmehr knapp 36 Minuten akustische Kurzweil-Achterbahn zwischen Mid- und Uptempo bietet – man höre etwa „Golden“, dessen erste Hälfte düster und vergleichsweise langsam startet, bevor der Song plötzlich vor lauter Energie steil geht. Ja, das lässt sich verdammt gut hören, das Ganze. Mission accomplished, Mind Green!

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Eliza Shaddad – „Now You’re Alone“


Foto: Promo / Jodie Canwell

Manch ein Binger, so mache Bingerin hat vielleicht schon davon gehört: Im Abspann der britischen Netflix-Mini-Serie „Behind Her Eyes“ ertönte unlängst eine fast schon magische, beschwörerische Version des Nina Simone-Klassikers „Don’t Let Me Be Misunderstood“. Die Stimme dahinter stammt von Eliza Shaddad, Kind einer sudanesischen Astrophysikerin und eines schottischen Diplomaten, in sieben verschiedenen Ländern aufgewachsen. Entsprechend „globalisiert“ wirkt ihr Sound, der sich gefühlt das Beste aus nahezu allen musikalischen Welten zusammenklaubt. Da verwundert es kaum, dass sich „The Woman You Want„, ihr zweites Studioalbum, abermals auf keine bestimmtes Genre festlegen lassen will.

Und wenn man so mag, dann hat man es hier mit einem weiteren „klassischen“ Lockdown-Werk zu tun, denn eigentlich wollte Eliza Shaddad den Nachfolger ihres 2018er Debüts „Future“ mit Band aufnehmen. Ja: eigentlich. Corona. Pustekuchen. Stattdessen entstanden die neun neuen Stücke in Zusammenarbeit mit Ehemann und Produzent BJ Jackson zwischen schalldämmenden Matratzen im Schlafzimmer im heimischen Cornwall. Dass man bei gezwungener Nähe – so schön diese in mancher Minute auch sein mag – nicht konstant auf Wolke sieben schweben kann, haben die meisten im letzten Jahr am eigenen Leib erfahren. Und wer genau(er) hinhört, für den werden Lagerkoller und Corona-Blues auch auf Shaddads neuem Album spürbar: Beides steckt in der Enttäuschung von „The Man I Admire“ und „The Woman You Want„, in der Genervtheit von „Fine & Peachy„, aber vermutlich auch in „Blossom“ und „Heaven„, die Mut machen und den Frühling herbeisehnen. Während sich ersteres auf ihre sudanesische Herkunft bezieht (bevor die Sharia im Sudan eingeführt wurde, erlebte das Land von den Sechziger- bis in die Achtzigerjahre hinein eine echte Blütezeit, die heute als das goldene Zeitalter des sudanesischen Pop gilt) und zu psychedelisch angehauchtem Folk das Hörerherz erwärmt, bemüht letzteres die gitarrenlastigere Seite dieser Platte und erinnert an so vielfältige Künstler*innen wie Alanis Morissette und R.E.M. – die Neunziger lassen lieb grüßen. Ein fast schon beiläufiger Pop/Rock-Sound mit ausreichend Kante, um den Biss des Songs zu transportieren, dazu die ausdrucksstarke Stimme und kleine, aber feine Variationen tragen den Song. Die streicherdekorierte Verlust-Ode „In The Morning (Gradmother Song)„, welche ihrer an Demenz verstorbenen Großmutter gewidmet ist, entpuppt sich als konträre Schwester und wirkt beinahe wie von einem anderen Planeten. Eliza Shaddad, die sich vor einigen Jahren noch als Straßenmusikerin in London durchschlug, während sie Jazz und Philosophie studierte, bemüht sich um balladeskes Drama und Art Pop-Ansätze. Die reduzierte Instrumentierung rückt ihre außerordentliche, vielschichtige Stimme in den Mittelpunkt. Und wer sich nicht hütet, der findet sich schnell in einem Sog der Emotionen wieder.

Fine & Peachy“ hingegen bemüht zu herrlich angeissten Zeilen wie „Fuck you, just tell me what you wanted to say / Instead of screaming at my head for days“ verschmitzte Indie-Anklänge, tänzelt durchaus leichtfüßig mit einem Hauch von Folk im Unterboden, dazu mit etwas Pop-Appeal obenauf – Sheryl Crow und Lukas Nelson winken von fern. Das schleppende, ein wenig niedergeschlagene „Now You’re Alone“ bemüht erdrückende Melancholie, flirtet mit Selbstaufgabe und lässt das ausladende Arrangement sehnsüchtige Töne anschlagen – die Künstlerin selbst nennt’s „Ethereal Grunge“. Im dreampoppigen „Waiting Game“ weht Shaddads Sound eine Prise Kate Bush und Austra im die Ohren, aber auch Island scheint im opulenten Crescendo gefühlt nicht so weit weg. Kunterbunt, angenehm experimentell, irgendwie eingängig und strukturell doch herrlich unnahbar – ein gewiss unerwartetes, faszinierendes Herzstück dieser Platte.

“Es war wirklich sehr intensiv, ein ziemliches Auf und Ab der Gefühle. Ein ganzes Jahr lang rund um die Uhr immer zusammen zu sein, war zwar großartig, weil wir einander bedingungslos vertrauen und alle Zeit der Welt hatten, Dinge auszuprobieren. Aber gefühlsmäßig war es nicht immer leicht.” (Eliza Shaddad über die Albumaufnahmen)

Im ersten Moment mag einen „The Woman You Want“ wohlmöglich etwas überwältigen, weil hier einfach so viele verschiedene Faktoren, Klänge und Genres gefühlt nahtlos ineinander übergehen, sich gelegentlich sogar pointiert vermischen. Und gerade das macht Eliza Shaddads neues Album zu einem gelungenen. Kleine, kurzweilige Indie-Perlen treffen auf dramatische Gesten, nackte, emotionale Ehrlichkeit auf bodenständigen Folk-Rock-Pop (don’t you dare call it „altbacken“!) mit dem richtigen Hang zu kleineren, starken Experimenten. Wie eine kleinformatige Schlafzimmer-Produktion wirkt das Ganze keineswegs, vielmehr wie ein akustischer Schritt zurück ins Leben. So oder so überzeugt Eliza Shaddad auch mit ihrem zweiten Album und sollte längst viel mehr als ’nur‘ ein weiterer Geheimtipp sein – Netflix-Features hin oder her.

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Azure Ray – „Bad Dream“


Es war damals, kurz nach der Jahrtausendwende, als zwei junge Ladies von Athens, Georgia aus – und über das fantastische Indie-Label Saddle Creek, dessen Releases man zu jener Zeit quasi per Blindkauf vertrauen konnte – die auf Dream-Pop geeichte Indie-Folk-Welt verzauberten. Drei wunderschöne Alben und ein paar EPs lang musizierten einem Orenda Fink und Maria Taylor als Azure Ray in ihrem turmhoch tönenden Wolkenkuckucksheim die melancholischst gestimmten Geigen um die Gehörgänge, bevor die beiden eine (erste) Bandpause einlegten , um sich fortan etwas mehr ihren Solo-Karrieren zu widmen, 2010 mit dem vierten Album „Drawing Down The Moon“ zurückzumelden und hernach eine erneute, zweite Pause einzulegen. Bis jetzt. (Nunja, fast: 2018 erschien mit der EP „Waves“ ein kleines Lebenszeichen des Duos…)

Nun melden sich Azure Ray einmal mehr zurück – und lassen nach dem Titelstück mit „Bad Dream“ einen zweiten neuen Song vom am 11. Juni auf Maria Taylors eigenem Indie-Label Flower Moon Records erscheinenden Comeback-Album „Remedy“ hören, dessen zehn Stücke die beiden Mittvierzigerinnen (Kinners, wie die Zeit vergeht!) im vergangenen Jahr gemeinsam mit Produzent Brandon Walters (Lord Huron, Joshua Radin) an verschiedenen Locations in Südkalifornien aufgenommen haben. Und siehe da – auch gut zwanzig Jahre nach ihren Saddle Creek’schen Achtungserfolgen strahlen Fink und Taylor im Zweiergespann noch immer diesen geradezu unverkennbar magischen Charme aus, in den man sich am liebsten Tage, Wochen und Monate betten möchte… *hach*

„‚Bad Dream‘ ist unser Sommer-Jam. Es ist eher ein Song zum Ausatmen, ein Song, zu dem man die Autofenster herunter lässt. Alle Stücke auf ‚Remedy‘ wurden während der Pandemie geschrieben, also tragen sie alle Elemente der Anstrengungen, mit denen wir im vergangenen Jahr konfrontiert wurden, in sich. Viele von uns haben Trauer, Wut, Isolation und Angst erlebt, und in diesen Zeiten, in denen man an den gewohnten Orten keinen Trost finden kann, muss man ihn eben im Inneren suchen. Letztendlich bist du selbst deine eigene Kraftquelle, deine eigene Quelle der Hoffnung. Du bist ein Heilmittel – und meist das einzig Richtige. ‚Bad Dream‘ wiederum kombiniert die Ängste der letzten Zeit, aber verfolgt sie bis in unsere Vergangenheit und hinterfragt, wie unser unterbewusster Geisteszustand unsere Entscheidungen diktiert.“

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: King Hannah – „State Trooper“


Dass das Liverpooler Duo, bestehend aus Hannah Merrick und Craig Whittle, eine echte Indie-Newcomer-Offenbarung darstellt, hat es bereits mit der vor nicht allzu langer Zeit auf ANEWFRIEND vorgestellten Single „Crème Brûlée“ und der anschließenden Debüt-EP „Tell Me Your Mind And I’ll Tell You Mine“ bewiesen. Nun trauen sich King Hannah mit ihrer neuen Single gleich an Rock-Ikone Bruce Springsteen heran. Und wie superb ist denn diese Cover-Fassung von „State Trooper“ bitte gelungen! Merrick und Whittle überführen Springsteens auf dem düster-reduzierten Boss’schen Album-Klassiker „Nebraska“ anno 1982 veröffentlichten Song in eine bedrohlich flirrende Indie-Rock-meets-Dream-Pop-Großtat mit dynamischer Aufbaustruktur und einem vorzüglichen Gitarren-Schlagzeug-Feuerwerk à la Neil Youngs Crazy Horse (noch so eine Rock-Legende, auf deren Pfaden sie hier wandeln). Eine feine Version, an der man sich gar nicht satthören mag…

„We have always loved the Bruce Springsteen album ‚Nebraska‘, how sparse and raw it sounds, and how it is effectively a live demo recording. We wanted to keep that live-feel when covering ‚State Trooper‘ and so we tracked the song live in our little home studio. We tried to do justice to the atmosphere of the original when arranging the track, with rumbling tom-heavy drums, warm creamy guitars and intimate slap-back vocals.“

(King Hannah über „State Trooper“)

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Slow Pulp – „At It Again“


Foto: Promo / Rachel Cabitt

Mal eine These, die durchaus Sinn ergibt: Die im vergangenen Jahr für ihre kreative Umtriebigkeit sowie ihr fulminantes zweites Album „Punisher“ zurecht allerorten gefeierte Phoebe Bridgers hat ihren mittlerweile recht genreprägenden, halb geflüsterten Gesangsstil keineswegs entwickelt, um eine eigene Klangästhetik zu begründen, sondern schlichtweg aus der schnöden Notwendigkeit einer hellhörigen Wohnung mit dünnen Wänden heraus, in der sie ihre ersten eigenen Songs schrieb und aufnahm. Dennoch erschien diese Art des Vortrages wohl stilistisch so attraktiv, dass sich nun bereits eine halbe Generation junger Elevinnen auf ebendiesen Stil beruft. Emily Massey, die 2017 als potentielle Frontfrau zu dem bis dahin als befreundetes All-Male-Trio existierenden Slow Pulp aus Madison, Wisconsin (früher) beziehungsweise Chicago, Illinois (heute) stieß, scheint zu jener Halbgeneration zu gehören – bis hin zu der Tatsache, dass sie nicht nur den Flüster-Stil, sondern auch den ein oder anderen Kniff in der Harmonieführung von jener mit 26 Lenzen selbst ja noch jungen Vorreiterin übernommen zu haben scheint.

So singt Emily Massey denn auch den Löwenanteil der ansprechend konstruierten, organischen Indie-Rock-meets-Dream-Pop-Songs, die sich auf Slow Pulps im vergangenen Oktober erschienenen Debütalbum „Moveys“ befinden. Der Titel der Platte ist ein Neologismus, der sich auf die Entstehungsgeschichte der Songs, Rastlosigkeit und Veränderung der Band bezieht. Doch bei dieser „klassischen“ Rollenverteilung mit einer Dame am Mikro und den Herren am Instrumentarium bleibt es nicht, denn das Newcomer-Quartett sucht sich und ihren Bandsound zum einen noch, zum anderen zwang ein Krankheitsfall in Emilys Familie während der Corona-Lockdown-Phase die junge US-Indie-Band, welche bereits zuvor – nach der Diagnose von Massey mit Lyme-Borreliose und chronischem Drüsenfieber – ein Album mit einigem an Material verworfen hatte, zu einer unfreiwilligen zeitweisen Trennung. Die in Chicago verbliebenen Jungs – Henry Stoehr (Gitarre), Alexander Leeds (Bass) und Theodore Mathews (Schlagzeug) – nutzten diesen nicht eben vorteilhaften Wink des Schicksals, um den Rest der Debüt-LP kurzerhand im Testosteron-Alleingang fertig zu stellen. Wohl auch deshalb werden zwei stilistisch eher in Alternative-Rock-Gefilde gehüpfte Stücke kurzerhand von Bassist Alexander Leeds gesungen, wohl auch deshalb findet man auf dem Nachfolger der 2019 veröffentlichten „Big Day EP“ nicht nur Anklänge an die seligen Neunzigerjahre und Alternative-Größen wie Slowdive und Sonic Youth, sondern auch Ausflüge in Alt.Country und Indie Folk sowie das ein oder andere eigenwillig tönende Instrumental, das scheinbar recht wenig mit dem Rest des Albums zu tun hat. Trotzdem lässt das knapp 30-minütige Endergebnis mit Highlights wie „Falling Apart„, „Idaho„, „Track“ oder „At It Again“ durchaus positiv aufhorchen und sei nicht nur allen Freunden der jüngsten Großtaten von Phoebe Bridgers ans Hörerherz gelegt, sondern auch all jenen, die auf in Indie Rock und Dream Pop beheimatete Kleinode stehen.

Empfehlenswert ist auch die „Live on KEXP at Home“-Session der Band:

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: