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Song des Tages: Smith & Burrows – „When The Thames Froze“


Smith & Burrows / Funny looking Angels

Auf den ersten Blick sind sie ein recht ungewöhnliches Gespann: Tom Smith, hauptberuflich Frontmann der Editors, und Andy Burrows, ehemals Mitglied von Razorlight und We Are Scientists. Zumal sich die beiden Freunde vor einigen Jahren dazu entschlossen haben, ein Weihnachtsalbum titels „Funny Looking Angels“ aufzunehmen und denn auch gleich – wenn schon nicht „funny“ dreinblickend – mit Engelsflügeln auf dem Cover der Platte zu posieren.

Ebenjenes “Funny Looking Angels” enthält zehn Songs, die – und das wohl nicht ausschließlich und allein für mich – seit nunmehr acht Jahren eine wunderbare Alternative zu verstaubten, totgespielt-kitschigen Weihnachtsliedern à la “Last Christmas”, „All I Want For Christmas Is You“ oder „Driving Home For Christmas“ bieten. Und wie es unter Freunden üblich ist, wurden auch zwischen Tom Smith und Andy Burrows die Zuständigkeiten geteilt und jeder darf mal die Leadvocals übernehmen. Trotzdem dürfte es keine allzu große Überraschung darstellen, dass dabei vor allem die Songs mit Smith am Mikro zu überzeugen wissen, schafft er es doch, die düstere Editors-Romantik (explizit die der Anfangsphase der Band aus dem englischen Birmingham, die der Electro-Kitschpop-Atmosphäre der letzten Werke doch um Einiges überlegen scheint) auch auf (s)ein etwas anderes Weihnachtsalbum zu übertragen.

5051083061230Das besinnliche und doch klagende “When The Thames Froze” beginnt mit den Worten “Goddamn this snow, will I ever get where I wanna go?” und schwingt sich mit weiteren lakonischen Textzeilen schnell zum ersten Highlight der Platte auf. Ähnlich stark ist auch “This Ain’t New Jersey”, in dem Smith den milde gestimmten Geschichtenerzähler gibt. Von den Coverversionen, die sich das Duo fürs gemeinsame Festtagsalbum vorgenommen hat, sticht Blacks “Wonderful Life” heraus, dem der Editors-Vorsteher mit seinem dunklen Bariton-Timbre eine ganz neue Dimension verleiht (und am Ende wohl etwas zu weit in frostigen Akustikgothic überführt). An Yazoos “Only You” arbeitet sich – ebenso wie beim Titelstück, welches im Original von der hippiesken Britpop-Band Delta stammt – dann Andy Burrows mit zuckriger Kopfstimme ab, bei “The Christmas Song” wirkt die wundervolle Dänen-Sirene Agnes Obel mit. Ebenfalls neu interpretiert: Gustav Holsts „In The Bleak Midwinter“ oder die Longpigs-Hymne „On And On„. Winterliche Gefühle kommen auch beim Instrumental „Rosslyn“ oder dem an Elliott Smith’sche Glanzlichter gemahnenden Folk-Charmeur „As The Snowflakes Fall“ auf – man scheint förmlich den ersten Schnee zu spüren, der dampfend auf der herausgestreckten Zunge schmilzt.

Wer bei “Funny Looking Angels” ein weiteres *gähn* langweiliges Weihnachtsalbum erwartet hat, dürfte von den (leider) gerade einmal gut 35 Minuten angenehm überrascht werden, denn Tom Smith und Andy Burrows bieten allen Bublé-zu-schalem-Glühwein-Geschädigten eine liebevolle Platte, die auch den weltgrößten Festtagsmuffeln unter den Musikfans gefallen dürfte. Schöne, dezent melancholische Folk-Pop-Songs mit weihnachtlichem Bezug, wenig Bombast, kein sülzig-süßlicher Kinderchor, kein nervig-pastorales Glockengebimmel… Eine ruhige und auch etwas besinnliche Platte für kalte Tage und fürs Jahresende, die sich das großartig Kitschige oder übermäßig Sentimentale spart. Da hängt wohl selbst der größte Grinch satt leuchtende Mistelzweige auf.

 

Hier gibt’s das Musikvideo zu „When The Thames Froze“…

 

…sowie den Song noch einmal in einer kaum minder tollen Live-Session-Variante:

 

„Goddamn this snow
Will I ever get where I wanna go?
And so I skate, across the Thames
Hand in hand, with all my friends

And all the things, that we planned
My son’s eyes in the outline of his hand
And even though I hate the cold
Constant reminder that I’m getting old
Another year draws to its close
Entire London slows
When I dream tonight, I’ll dream of you
When the Thames . . . froze

Goddamn this government
Will they ever tell me where the money went?
Protesters march out on the street
As young nerds sleep amongst the feet

Another year draws to its close
Entire London slows
When I dream tonight, I’ll dream of you
When the Thames froze

So tell everyone
That there’s hope in your heart
Tell everyone or it will tear you apart
The end of Christmas day
When there’s nothing left to say
The years go by so fast
Let’s hope the next beats the last

So tell everyone that there’s hope in your heart
And tell everyone or it will tear you apart
The end of Christmas day
When there is nothing left to say
The years go by so fast
Let’s hope the next beats the last…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Charlie Collins – „Who’s Gonna Save You Now“ (Live Session)


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„Grew up in Tamworth on a record collection of storytelling.
Pushed my way onto the stage at the local pub between bands when I was 11.
Have worked since then on being a musician.
Played in few bands. Had some wins and losses.
So now I have dropped my band, gone back to storytelling, and looking for my own clarity.“

…so beschreibt sich Charlie Collins eine wenig lakonisch selbst auf Facebook.

Natürlich lässt die australische Newcomerin, die es von Tamworth, New South Wales mittlerweile (logischerweise) ins dezent größere Sydney verschlagen hat, dabei ihre Anfänge, die sie gemeinsam mit ihrem Bruder Kurt in der Band Chasing Bailey (deren einziges Album „Long Story Short“ erschien 2008) sowie zwischen 2011 und 2018 als Stimme der Alt.Pop-Band Tigertown nahm (bei zweiteren gemeinsam mit ihrem Mann Chris, die Formation machte mit immerhin sechs EPs auf sich aufmerksam und spielte als Support von Panic! At The Disco auch in Europa), etwas unter den Biografie-Tisch fallen.

71yu5SHg5qL._SS500_Natürlich spielen diese für Charlie Collins‘ im Mai erschienenem Solodebüt „Snowpine“ auch kaum eine Rolle, denn auf diesem präsentiert sich die junge Musikerin ein Jahr nach dem Split ihrer bisherigen Band im Quasi-Alleingang deutlich gereifter und mit Songs, die mal weibliche Folk-Größen der Sechziger wie Joan Baez, Patsy Cline oder Emmylou Harris und deren ätherische Neuzeit-Wiedergängerinnen wie Hope Sandoval oder Angel Olsen, mal fein eingewebte Psychodelia-Referenzen an die Siebziger anklingen lassen. Da trifft moderater Indierock auf laid back gehaltenen Neunziger-Slacker-Rock á la Liz Phair oder staubig-sonnigen Alt.Country, während Australiens weite Landschaft am geöffneten Autofenster vorbeizieht. Die Umschreibung „als ob Stevie Nicks nun bei The War On Drugs singen würde“ trifft’s recht gut. Als Hörproben seien etwa „Mexico„, eine sanft rockende Herzschmerz-Nummer, die so etwas wie die Südliche-Hemisphäre-Schwester des Manic Street Preachers-Songs „Australia“ darstellt, der recht entspannte Roadtrip-Klopfer „Wish You Were Here“ (Titelgleichheiten zu Stücken von Pink Floyd, Incubus oder Ryan Adams sind wohl reiner Zufall), das leicht süßlich schunkelnde „Please Let Me Go“ oder das kaum weniger tolle „Who’s Gonna Save You Now“ empfohlen.

Den Hipster-Blumentopf der güldenen Innovation wird Charlie Collins, die bereits andere Aussie-Senkrechtstarter der jüngeren Vergangenheit wie Gang Of Youths oder Courtney Barnett zu ihren Fans zählt, mit ihrem Debütwerk, das bei den ARIA Awards in diesem Jahr als „bestes Country-Album“ nominiert war, zwar nicht gewinnen. Ein weiterer Beweis dafür, welch‘ talentierte Künstler da aktuell von Down Under aus zum Sprung auf den Rest der Musikwelt ansetzen (ANEWFRIEND berichtete in den letzten Jahren etwa über Angie McMahon, An Horse, Ziggy Alberts oder Tash Sultana), ist die Newcomerin allemal.

 

 

Wer mehr wissen mag, findet hier ein Interview mit Charlie Collins vom März diesen Jahres.

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Provinz – „Reicht dir das“


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Kauft eigentlich noch irgendjemand da draußen Maxi-Singles oder EPs? Also so richtig physisch im Laden für ’nen schlanken Fünfer, bar auf die Kralle? (Oder halt eben beim Online-Versandriesen mit dem „a“ und Smiley?) Wenn ja, dann hat ANEWFRIEND mit der Newcomer-Band Provinz einen Tipp für euch. Das Quartett aus der Umgebung von Ravensburg, unweit des Bodensees, sprich: aus der tiefsten Provinz Süddeutschlands, brachte im Mai nach der Debütsingle „Neonlicht“ (im März erschienen) mit „Reicht dir das“ sein erstes, vier Songs starkes Mini-Album auf den Musikmarkt, das von Tim Tautorat (unter anderem AnnenMayKantereit, Faber, The Hirsch Effekt, Turbostaat, OK KID) produziert wurde und – obwohl gerade erwähnte AnnenMayKantereit hier als erste offensichtliche Referenz ums Eck lugen –  für einigen frischen Wind in der deutschen Pop-Landschaft sorgen dürfte…

500x500 reicht epUnd obwohl drei der vier Mitglieder Cousins sind, besteht die Band Provinz als solche seit gerade einmal zwei Jahren. Scheinbar musste der Gedanke, eine Band zu gründen, erst reifen, bevor sich Vincent (Gesang, Gitarre), Robin (Gesang, Piano), Moritz (Gesang, Bass) und Leon (Schlagzeug) dazu durchringen konnten. Alle vier kommen aus der Nähe des „schwäbischen Nürnbergs“ und machen im Grunde bereits ihr halbes junges Leben lang zusammen Musik. Anfangs spielten der Vierer noch für Rentner am Bodensee mit Cajón und Rassel, jetzt scheinen sie als Band ihren Stil (vorerst) gefunden zu haben und schöpfen dabei gleich noch aus der Erfahrung als Straßenmusiker und Provinzler (noch so eine Parallele zu der seit einiger Zeit überaus erfolgreichen Ex-Fußgängerzonen-Band, der Christopher Annen, Henning May und Severin Kantereit ihre Nachnamen leihen). Doch schon der Anfang ihrer Karriere gibt Provinz Recht. Denn dass sie vom Branchenriesen Warner Music unter Vertrag genommen wurden, der, wie’s ausschaut (und wohl auch beflügelt durch den AnnenMayKantereit-Hype), an die Band glaubt, ist ein klares Signal und auch die Chance, Provinz von Anfang an ein (immer noch recht milchbärtiges) Gesicht und eine künstlerische Handschrift zu geben.

So spielt die Koketterie mit ihrer Herkunft auch in den bisherigen Musikvideos eine große Rolle, in denen viel Wert auf Optik (stylisches Schwarzweiß, selbstredend) gelegt und jede Menge Vintage-Charme als Querverweis zum Thema „Provinz“ eingebaut wird. Stichwort: Mercedes-Benz 190 (W 201). In der Provinz fährt man ein Auto eben bis es den Geist aufgibt – oder halt das nächstbeste, das man sich als junger Mensch nun mal leisten kann, ohne von der Meinung anderer fremdgesteuert zu werden. Musikalisch könnten die Newcomer-Jungs vom Bodensee allerdings kaum näher am Puls der Zeit sein, erzählen die vier Stücke der Debüt-EP doch von Themen, mit denen sich junge Menschen eben so seit eh und je beschäftigen: Liebe, gescheiterte erste Beziehungen, Ausbrechen, Aufbrechen in die Großstadt, Heimweh und Feiern in vollen Zügen.

500x500 reichtIn der titelgebenden Klavierballade „Reicht dir das“ wird auf emotionale Weise das Ende einer Beziehung thematisiert und in Worte gefasst, die juvenil-ehrlicher kaum sein könnten: „Schaue dir verständnisvoll zu, spiele dir vor, wie leid es mir tut. Zähle die Sätze auf, die man eben so sagt. Tränen schießen in dein Gesicht – komm‘ schon, so schlimm ist es nicht. Und wenn ich dir sage, wie sehr ich dich liebe, dann war das ’ne Lüge – aber reicht dir das, reicht dir das? Bitte Schatz, hör‘ auf zu weinen, es liegt ja nicht an dir. Nein, es liegt an mir. Wir können ja Freunde bleiben. Aber das glaubst du doch selbst nicht“. Dazu singt Frontstimme Vincent, als hätte er bereits das eine oder andere Fläschchen getankt, und verleiht den Song damit Authentizität (auch hier scheinen – Oberlippenflaum hin oder her – Henning May und Faber nicht allzu weit).

500x500 neonIn „Neonlicht“ dagegen wird das Großstadtleben kritisch unter die Lupe genommen. Klar: Wer aus der ländlichen Provinz stammt, hat einen ganz anderen Blick auf das, was in einem Großstadtgedränge scheinbar normal ist, sich bei genauerer Betrachtungsweise aber als blanker Irrsinn herausstellt. Verpackt wird das Ganze in hymnische Chöre, akustische Gitarren- und Pianoklänge und erneut in einen Lead-Gesang, der sich stürmisch und heiser Luft macht: „Sag, was soll der ganze Lärm? Hype um nichts. Alle kommen sie her, doch versprechen könnt ihr nichts! Fangen an, die dreckige Stadt zu fressen, bis wir fast daran ersticken inmitten von Neonlicht gedrehten Kippen. Survival of the fittest!“.

Im Vergleich zu den obigen Songs ist „Was uns high macht“ zum ersten Mal ein Stück, in dem sich die Band locker(er) macht und mit beschwingten Pianoklängen und Chorgesängen ein Hoch auf die Liebe besingt – ähnlich wie in „Zu jung“, doch hier wieder deutlich balladesker und emotionaler, ohne großartig und over the top theatralisch zu wirken. Dennoch verbinden Provinz auch in diesem Song Text und Musik auf eine recht berührende Art und Weise, womit das Quartett summa summarum eine beachtlich intensive, größtenteils in organischer Live-Atmosphäre gemeinsam im Studio eingespielte Viertelstunde in Sachen deutschsprachiger Musik abliefert. Ob der Vierer da auf seinem fürs kommende Jahr angekündigten Album-Erstling „Wir bauten uns Amerika“ qualitativ anzuknüpfen vermag? Die neuste Single „Augen sind rot“ fährt schonmal derart dicke Folkpop-Geschütze auf, dass man glauben könnte, AnnenMayKantereit hätten sich eine Wall of Sound á la Mumford & Sons gegönnt. Aber lassen wir die Vergleiche…

 

Hier gibt’s das passend dramatisch inszenierte Musikvideo zum Titelstück der Provinz’schen Debüt-EP. Und wenn man schonmal dabei ist, sollte man sich definitiv die Live-Session-Versionen von „Reicht dir das„, „Zu jung„, „Was uns high macht“ und „Neonlicht“ durch die Gehörgänge rauschen lassen, schließlich wird gerade im reduziert-rohen Gewand das Potential, das wohl noch in der jungen (potentiellen) Senkrechtstarter-Band des kommenden Jahres schlummern mag, besonders deutlich…

 

„Schaue dir verständnisvoll zu
Spiele dir vor, wie leid es mir tut
Zähle die Sätze auf, die man eben so sagt
Tränen schießen in dein Gesicht
Komm schon, so schlimm ist es nicht
Sag‘, was verlierst du schon, mh, mh?

Und der letzte Schluck ist warm und schmeckt bitter
Der letzte Zug brennt so wie immer
Der letzte Schluck ist warm und schmeckt bitter
Er ist warm und schmeckt bitter
Und wenn ich dir sage, wie sehr ich dich liebe
Dann wär‘ das ’ne Lüge – aber reicht dir das, reicht dir das, mh, mh?

Bitte Schatz, hör‘ auf zu weinen, es liegt ja nicht an dir
Nein, es liegt an mir
Wir können ja Freunde bleiben
Aber das glaubst du doch selbst nicht?
Vergräbst dein Gesicht in deinem Arm
Warum endet das immer und immer?
Und ich falle schon wieder
Und wieder und wieder, am Ende alleine, ja

Und der letzte Schluck ist warm und schmeckt bitter, ah
Der letzte Zug brennt so wie immer
Der letzte Schluck ist warm und schmeckt bitter
Er ist warm und schmeckt bitter
Und wenn ich dir sage, wie sehr ich dich liebe
Dann wär‘ das ’ne Lüge – aber reicht dir das, reicht dir das?

Und wenn ich dir sage, wie gern ich dich habe
Dann wär‘ das ’ne Lüge – aber reicht dir das, reicht dir das?

Ich pack‘ meine Sachen, zieh‘ mich an
Und du schreist mir hinterher
Ja, vielleicht kann es sein, dass ich es gar nicht versuche
Und mit der Zeit, wieso lässt mich das kalt, ja?
Du packst deine Sachen, schreist mich an
Und ich schrei‘ dir hinterher, ja vielleicht kann es sein
Dass ich es gar nicht versuche
Und mit der Zeit bin ich immer schon gerannt

Also halt mich nicht, halt mich nicht
Es lohnt sich nicht, lohnt sich nicht
Also halt mich nicht, halt mich nicht, mh, mh
Also halt mich nicht, bitte halt mich nicht
Nein das lohnt sich nicht, mh, mh
Bitte halt mich nicht, bitte halt mich nicht
Denn es lohnt sich nicht, nein, es lohnt sich nicht
Nein, es lohnt sich nicht, lohnt sich nicht
Bitte halt mich nicht, halt mich nicht
Bitte halt mich nicht, halt mich nicht, halt mich nicht

Der letzte Schluck ist warm und schmeckt bitter, ja
Der letzte Zug brennt so wie immer…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Joseph – „Green Eyes“ (Live Session)


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Handgemachte, einfache, bodenständige Musik. Eigentlich. So könnte man den musikalischen Stil von Joseph umreißen, der Geschwister-Folkband aus Portland, Oregon.

Natalie Closner Schepman sowie ihre jüngeren Zwillingsschwestern Allison und Meegan Closner bilden gleichberechtigt Gesicht und Stimme(n) der Band, stehen – mal mit GitarreSchlagzeugBass bewaffnet, mal einträchtig-harmoniesingend vorm Mikro – gemeinsam auf der Bühne – und stellten im September mit „Good Luck, Kid“ schon ihren vierten Album-Langspieler seit 2014 in gut sortierte Plattenregale. Vergleiche zu der All-Female-Familenbande von Haim? Zunächst einmal angebracht, zunächst einmal berechtigt.

5400863014957Doch gerade als Musikhörer diesseits des Atlantiks, der normalerweise recht selten die Highways und Interstates zwischen Ost- und Westküste entlang rauscht und so edengleich selten in den mal zweifelhaft-trögen (da die Tendenz zum Einheitsbreieinerlei ja auch in den Vereinigten Staaten kaum Halt macht), mal unterhaltsamen Genuss größerer US-Formatradiostationen kommt, muss man beim Lauschen der dreizehn neuen Stücke der Closner-Sisters über kurz oder lang zugeben: „Einfach“ und „bodenständig“ wohnen meist lediglich einen Katzensprung weit entfernt von „gewöhnlich“ und „durchschnittlich“. Aus dem vierten Joseph-Longplayer ist ein unaufgeregtes, nettes Folkpop-Album geworden, es ist aber leider auch nicht mehr als: nett. Das Gros der Songs ist so klassisch geschrieben, wie es das Lehrbuch für biederen Radio-Folk vorgibt: Intro – Refrain – Strophe – Refrain – Bridge – Refrain. Locker, poppig, optimistisch. Mal dezent wuchtig, mal übertrieben auf Hymne getrimmt rauscht die knappe Dreiviertelstunde an den Gehörgängen vorbei. Da hilft es natürlich auch nicht wirklich, dass die Stücke oft unter drei Minuten und nie über vier Minuten kurz sind – und somit kaum Zeit haben, sich überhaupt zu entwickeln, irgendeine Form prägnanter Spannung aufzubauen. Nett, nett – aber auch nur die vierte Schwester von *gähn*.

Glücklicherweise – so fair sollte man sein – gibt es auf „Good Luck, Kid“ doch ein paar positive Ausnahmen: „Revolving Door“ ist eine gefällige Singer/Songwriter-Ballade, in der die drei Stimmen von Natalie, Allison und Meegan in der Tat wunderschön miteinander harmonieren. „Enough In Your Eyes“ fällt mit (s)einer federleichten Studio-Soundfläche aus dem Rahmen, in die man sich fallen lassen kann wie auf Watte. Und „Green Eyes“ zieht seine Kraft aus einem treibenden Sechsachteltakt – und entwickelt sich vor allem in der Live-Session-Variante zu einem feinen Ebbe-und-Flut-Rocksong. Davon hätten Joseph gern mehr aufs neue Album packen können…

 

The through-line of the album is this idea of moving into the driver’s seat of your own life—recognizing that you’re an adult now, and everything’s up to you from this moment on, […] You’re not completely sure of how to get where you need to go, and you don’t have any kind of a map to help you. It’s just the universe looking down on you like, ‘Good luck, kid.’

(Natalie Closner Schepman)

 

 

„Could’ve been the way
The moonlight hit the dashboard
Passenger window rolled down
That got me thinking
There’s something we should talk about
It’s not worth waiting out

I can give you space if you need it
You can walk away, I’m not leaving

There’s pride in my mouth
I got used to the taste
But I’ll swallow it now
And I’ll be first to say

Those green eyes are my green light
Giving up on control
You see red lights
I see me blowing straight through to you
If we’re headed for the cliffside
I’m ready for the fall
If you know me at all
You know I don’t need lights to decide
I’m not changing my mind

We could both play the pretender
Circling round this parking lot
While one of us still remembers
We’re lucky to have what we’ve got

We’re taking a room for breathing
You can walk away, I’m not leaving

There’s pride in your mouth
You got used to the taste
Can you swallow it now
When you hear me say

Those green eyes are my green light
Giving up on control
You see red lights
I see me blowing straight through to you
If we’re headed for the cliffside
I’m ready for the fall
If you know me at all
You know I don’t need lights to decide
I’m not changing my mind

Thought I could read you
But I lost my place
Now we’re on different pages
I need you…

Those green eyes are my green light
I’m giving up on control
You see red lights
I see me blowing straight through to you
If we’re headed for the cliffside
I’m ready for the fall
If you know me at all
You know I don’t need lights to decide
I’m not changing my mind“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Bear’s Den – „Heaven“ (live)


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Remember, remember – the 5th of November…

Ein kleiner, jedoch umso wichtigerer Auszug aus den Anfangstagen meiner Musiknerd-Vita, den wohl nur diejenigen kennen, denen meine Nase (sowie das seit eh und je schockschwer tonverliebte Hirn gleich dahinter) eine Begrifflichkeit ist – oder eben die, die ANEWFRIEND bis zum allerallerersten Post im Januar 2012 durchgeklicktscrollt haben:

„Mein erstes selbst gewähltes musikalisches Idol war jedoch Bryan Adams, der Kanadier mit der Knödelstimme und Songs wie ‚Run to You‘, ‚(Everything I Do) I Do It For You‘ und natürlich ‚Summer of ’69‘. Seine Texte waren der Beweggrund für mich, freiwillig Englisch zu lernen, zu seinen Refrains wurden meine ersten Luftgitarren vor dem Spiegel gestimmt und zertrümmert. Eine Liebe, die ganze fünf Jahre, vom Best of ‚So Far So Good‘ (für’s Zeugnis geschenkt gekommen) bis zum Album ‚On A Day Like Today‘ (dann schon selbst gekauft) hielt. Danach waren bei uns die besten gemeinsamen Zeiten vorbei und Luft raus. Ich schickte den kleinen Kanadier zusammen mit seinen stets ungleich größeren Lebensabschnittspartnerinnen wieder in die weite Welt, gab ihm jedoch den Ratschlag mit auf den Weg, es in Zukunft doch mal lieber mit dem Fotografieren als zweitem Standbein zu versuchen. Was er auch tat. Und sogar Topmodels wie Cindy Crawford oder Persönlichkeiten wie Mick Jagger oder Hilary Clinton vor die Linse bekam. Glückwunsch, geht doch.“

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Mag heißen: Ohne ebenjenen Mr. Bryan Adams gäbe es diesen (nunmehr auch bereits acht Jahre bestehenden) bescheidenen Blog und seine knapp 2.000 mal mehr, mal weniger gehaltvollen Beiträge über neue, tolle Töne und die Künstler dazu, über Film, Serien, Kunst und sonstigen Hirnschmalz wohl kaum – oder zumindest nicht in dieser Form. Allein dafür gehen drölfzig tief empfundene Knickse ins nordamerikanische Land, in dem tausende Mounties in schniek gebügelten Uniformen wohl gerade Ahornsirup verticken und Staatschef Justin Trudeau Elche und Grizzlybären streichelt!

Und damit hier gar nicht erst der Verdacht entsteht, ich würde all den Schmus lediglich aus reiner Nostalgie in die Tastatur tippen: Ebenjener Bryan Adams, der Kerl hinter zig Evergreens wie „Summer Of ’69“ (welches ich in meiner kindlichen Naivität damals freilich kaum mit frivolen Betttätigkeiten verband), „Everything I Do (I Do It For You)„, „Run To You„, „Please Forgive Me“ oder „Heaven„, feiert heute seinen 60. Geburtstag! Da wünsche ich natürlich, natürlich ebenso alles Gute wie – lustiger können Zufälle kaum sein – einem gewissen Herrn Ryan Adams, denn der vielseitige US-Singer/Songwriter, um den es in den letzten Monaten durch #MeToo und Vorwürfe von sexuellen Übergriffen leider etwas ruhiger geworden ist, feiert am heutigen 5. November seinen 45. Geburtstag! Auch da komme ich nicht umhin, zu gratulieren, schließlich begleiten mich seine Songs – Skandal hin, Skandal her – auch bereits seit gefühlten Ewigkeiten…

Und, last but not least: Grüße ins heimatliche Sachsen, wo meine liebste Frau Mama heute ebenfalls ihr alljährliches Ehrenfest begeht! Wie jung sie ist? Ich bitte euch – einer grauhaarigen stolzen Dame von Welt stellt man(n) diese Frage doch nicht, Kinners! Ja, dieser 5. November war auch abseits von Guy Fawkes schon immer ein besonderer Tag für mich. ❤️

 

Tatsächlich gibt es nicht allzu viele wirklich gelungene Coverversionen von Songs aus dem Oeuvre von Bryan Adams. Lustigerweise kann man – und das spricht wiederum direkt für dem Adams ohne das „B“ – Ryan Adams‘ Version von „Run To You“, die dieser 2017 für eine Radio-Session zum Besten gab, auf der Habenseite verbuchen. Oder eben die Bear’s Den-sche Variante des 1983 aufgenommenen Pärchen-Engtanz-Parkettfüllers „Heaven“ (somit ist – nächste biografische Überschneidung – der Song ebenso alt wie meine Wenigkeit!). Bear’s Den spielten ihren Take des Adams-Bryan-Stücks zwischen 2016 und 2017 recht oft bei ihren Konzerten (sowie bei einer BBC Radio 2-Session), und machten ihre Sache gar nicht mal so schlecht, wie ich meine:

(Für Pedanten sei erwähnt: diese Live-Version wurde im Februar 2017 im Brüsseler Club 69 für Studio Brussel aufgenommen.)

 

Rock and Roll.

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Monday Listen: River Giant – „River Giant“


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Es passiert ja oft genug, dass Künstlern oder Bands mit allerlei Vorschusslorbeeren bepackt der baldige große Durchbruch vorhergesagt wird. River Giant etwa. Über ebenjenes Dreiergespann aus dem US-amerikanischen Seattle schrieb etwa das Label Indigo vor einiger Zeit:

„Die Eckdaten lassen Großes vermuten: Indie-Rock, Folk, Americana, 70er-Jahre-Soul und Seattle. Letzteres nicht nur als Herkunft, sondern schon als musikalisches Selbstverständnis eines Trios, das mit ‚River Giant‘ sein Debüt vorlegt. Die drei Musiker – Sänger und Gitarrist Kyle Jacobson, Schlagzeuger Liam O’Connor sowie Bassist Trent Schriener – fanden sich Ende 2009 zusammen. Nach einer selbst produzierten EP im Frühjahr 2011 wurde Chris Early (Gold Leaves, Grand Hallway, Band Of Horses) auf sie aufmerksam und wollte unbedingt ihr Debütalbum produzieren, welches sehr viel reifer und ausgewogener daherkommt als die damalige EP. Schon der Opener ‚Out Here, Outside‘ zeigt ihre großartigen Harmoniegesänge, ‚Pink Flamingos‘ kommt mit Soul-Anleihen, das stark groovende ‚I Permute This Marriage‘ und das treibende ‚Taylor Mountain‘ geben neben all den harmonischen Gesängen die eigentliche Stoßrichtung vor. Ein tolles Debüt einer Band, von der noch viel zu hören sein wird.“

river-giant-142306Allein die Tatsache, dass diese lobenden Zeilen bereits gut sechs Jahre alt sind, zeigt, dass River Giants 2012 erschienenes selbstbetiteltes Debütwerk (welches knapp ein Jahr später in Deutschland nachgereicht wurde) zwar auch hierzulande die ein oder andere recht positive Review einheimsen konnte (etwa bei plattentests.de oder bei laut.de), der Band aus dem Nordwesten der US of A – aller tönenden Qualitäten zum Trotz – die breitere Aufmerksamkeit versagt blieb. Auch ich selbst bin erst vor ein paar Tagen aufgrund einer Erwähnung von River Giant durch Jörg Tresp, den Chef des deutschen Indie-Labels DevilDuck Records, der das Trio andernorts als „Fleet Foxes auf Grunge“ beschrieb (während sein Label anno 2013 ebenfalls kaum an warmen Lobesworten sparte), recht zufällig auf das zehn Songs starke Debütalbum gestoßen…

Und ein wenig schade ist es schon, dass Kyle Jacobson (Gesang, Gitarre), Trent Schriener (Bass) und Liam O’Connor (Schlagzeug) nach dem starken Erstling, der mit seinen Songs die „Flanellhemd-Fraktionen“ des Grunge mit ebenjenen des Indie-Rocks, Alt. Country oder Americana zusammenbrachte, nichts nachfolgen ließen. Sechs Jahre nach Erscheinen von Stücken wie „I Premute This Marriage“ oder „Pink Flamingos“ lassen sich über das Seattle-Trio – mal abgesehen von einer empfehlenswerten Live Session für den Radiosender KEXP (findet ihr weiter unten) – kaum noch digitale Fußspuren nachverfolgen – nicht einmal einen Facebook-Auftritt besitzt die Band (mehr). Nichtsdestotrotz sei allen, die schon immer stilistische Schnittmengen zwischen Nirvana, Pearl Jam, The Black Crowes, Band Of Horses oder Neil Young ausmachen konnten, das leider etwas unter dem Radar gelaufene, mit allerhand Herzblut zwischen den Karohemd-Stilen rockende Album definitiv empfohlen…

 

 

 

Rock and Roll.

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