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Song des Tages: Evangeline Gentle – „Ordinary People“ (Live Session)


Foto: Promo / Samantha Moss

Wer hier beim Hören des Debütalbums von Evangeline Gentle an Nashville denkt, könnte freilich mit Leichtigkeit goldrichtig liegen – tut’s jedoch nicht, denn die junge Frau hat ihre Hausschuhe in Peterborough, Ontario, gut 1.350 Kilometer weiter nördlich vom traditionellen Country-Mekka in Tennessee, stehen…

Obendrein stammt die Familie der in Schottland geborenen Singer/Songwriterin von der anderen Seite des Atlantiks und zog nach Kanada, als Gentle elf Jahre jung war. Und irgendwas – waren’s kreative Vitamine? – muss sie recht früh in ihr Müsli bekommen haben, schließlich entdeckte sie schnell ihr Faible fürs Musikalische, gewann bereits im zarten Alter von 18 Jahren die ein oder andere Auszeichnung. Und lieferte im vergangenen September ihren selbstbetitelten Debütlangspieler, welcher der im Mai 2020 veröffentlichten Acapella-EP „You And I“ die passenden Töne hinzufügt. Was verwundert: Die zehn von Jim Bryson produzierten Stücke, an denen Gentle ganze drei Jahre feilte, klingen so gar nicht nach einem Debüt, tönen ebenso sicher wie ausgereift, sind durchdrungen von der Art lyrischer Klarheit und Songwriting-Fertigkeit, der nicht wenige Künstler*innen eine ganze lebenslange Karriere lang hinterher jagen.

Schon der Opener „Drop My Name“ wird gesteuert von Evangeline Gentles durchdringendem, vibrato-lästigem Gesang, mit einer gefühligen Lebensweisheit, die Nina Persson von den Cardigans wohl nicht unähnlich ist. Noch eine Referenz? Na gern doch: Das darauf folgende, noch emotionalere „Ordinary People“ mag manch eine(n) schnell an Größen wie Patty Griffin (in ihren besten Momenten) erinnern. Abgesehen davon, dass das Stück mit einer der mutmaßlich besten Banjo-Lines des vergangenen Musikjahres aufwartet, wirft es mit zwei bestimmten Zeilen Licht auf Gentles zwar realistische, aber dennoch positive philosophische Einstellung zum Leben: „It’s brave to be hopeful in this world / It’s brave to be kind“. Mehr sogar – ebenjene Worte leiten das ein, was das Hauptthema dieses Albums zu sein scheint: die Liebe als Zufluchtsort vor dem manches Mal harten Alltag, das zwischenmenschliche Gefühlshoch als Erlösung. Klar, das könnten nicht wenige mit einem dezenten Rosamunde-Pilcher-Trauma leicht als naiven Idealismus abtun, aber diesen Songs – und den Texten im Besonderen – wohnt einfach eine entwaffnende Einfachheit inne, die zwar das ein oder andere Detail schnell überhören lässt, andererseits aber auch jede größere Krittelei überflüssig macht. Und je weiter man in diese kissenweiche Platte eintaucht, desto vergeblicher ist der Widerstand gegen dieses recht altmodische, aber irgendwie auch zeitlose romantische Gefühlsanzug dieser 23 Jahre jungen Künstlerin, die bereits als mit ihrer offen queeren, gender-fluiden Lebenseinstellung bereits mancherorts als „neue Szene-Galionsfigur“ gefeiert wird.

Apropos: Die berauschende Unbekümmertheit einer Liebesaffäre, deren Schmetterlinge just flattern gelernt haben, wird in „Sundays“ schlicht und ergreifend wunderbar skizziert (während das feine Musikvideo bewusst queere Fußnoten setzt), tadellos arrangiert um Gentles besondere Stimme, die es sich inmitten eines sacht pumpenden E-Basses, zurückhaltenden Gitarren und eines gekonnt verzerrten Keyboard-Sounds gemütlich macht. Eine weitere tolle Zeile: „Lust is almost always never love“ – zu hören im Zeigefinger-Märchen „Even If„, das massig Retro-Soul-Gefühl ausstrahlt (man denke an Duffy mit etwas weniger Drama), bevor der Hörer in der Albummitte und beim durch einen ganz ähnlichen Vintage-Touch gekennzeichneten „So It Goes“ ankommt – und vor dem inneren Auge Carole King am Lagerfeuer ausmacht.

Das Klassisch-Balladeske erreicht seinen Höhepunkt mit „The Strongest People Have Tender Hearts„, welches wiederum Gentles flammendstes Plädoyer für spirituelles Wachstum gegenüber oberflächlichem Momentum ist: „We’re searching in change-room stalls of fast fashion stores and malls / Just to pay the wage of a billionaire, somewhere”. Die grüblerische Poppigkeit von „Long Time Love“ und der flotte Anschlag von „Neither Of Us“ verblassen da freilich etwas im Schatten dieses Stücks, bevor das bedauernde „Digging My Grave“ die Dinge wieder in die richtige Bahn lenkt. Der spärlich ausstaffierte, klagende Schlusssong „Good And Guided“ destilliert das Motiv des Strebens nach Gnade und Frieden – Johnny Cash, can you hear me? – weiter, ohne dass es groß wie eine Wiederholung der Wiederholung klingt.

Obwohl Evangeline Gentles Debütalbum ganz und gar keine großen, allzu lauten Töne spuckt (und deshalb auch – im besten Sinne – als Hintergrundmusik herhalten kann), steckt das Werk voller Leben. Und wird von einer Stimme geleitet, die wohl auch das sturste, zynischste Herz zu rühren vermag. Wenn man denn unbedingt an etwas herumkritteln mag, so eventuell daran, dass sich die zwischen Indie Folk, Alt.Country und Americana pendelnde Singer/Songwriterin stilistisch nie so ganz festlegen mag. Natürlich wäre es nur allzu einfach gewesen, diese Songs in ein handgesteiftes, kommerziell aufgemotztes Americana-Kleid zu stecken oder sie fürs Formatradio mit modernen Beats zu überziehen – der bewusste Widerstand gegen strikte Genres lässt Gentle manchmal etwas ziellos, etwas unentschlossen tönen. Das mag künstlerisch befreiend wirken, schränkt jedoch – ja, so kann man’s sehen – den Grundcharakter dieser ansonsten recht überzeugenden Songsammlung ein. Natürlich könnte man nun argumentieren, dass Evangeline Gentles einzigartige Stimme bereits genug Charakter besitzt – und am Ende hätte man wahrscheinlich recht. Unterm Strich ist das hier ein formidabler Start in eine Musikkarriere, die eventuell noch den ein oberen anderen Ton gewordenen Herzenswärmer bereit hält…

„I’ve been, I’ve been running on empty
Headline after headline draining me
Oh the ugly things ordinary people
Do for more money

It’s brave to be hopeful in this world
It’s brave to be kind

Just when I think I’ve had enough
Your love is a little bit of sweetness
Life softens at your touch
Life softens when we touch

I’ve been feeling afraid and lonely
But I don’t ever want fear to own me
I want an open heart
Capable of loving fearlessly

It’s brave to be hopeful in this world
It’s brave to be kind

Just when I think I’ve had enough
Your love is a little bit of sweetness
Life softens at your touch
Life softens when we touch

When life gets us low
Our love softens each blow and I know
You see who I am at the core
In ways few have before and even though

It’s brave to be hopeful in this world
It’s brave to be kind

Just when I think I’ve had enough
Your love is a little bit of sweetness
Life softens at your touch
Life softens when we touch“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Ghostly Kisses – „Where Do Lovers Go?“ (live from Palais Montcalm)


Ghostly Kisses – kaum gab bereits ein Name einen besseren Fingerzeig hin zur musikalischen Wirkung – ist das Pseudonym der aus dem kanadischen Québec stammenden Sängerin und Songwriterin Margaux Sauvé, die schon seit einigen Jahren und mit mittlerweile drei EPs alle Freunde feinsinnig-verträumter, emotionsbetonter Musik geradezu magisch in ihren Bann zieht. Nicht ohne Grund und nicht erst seit ihrer jüngsten EP „Never Let Me Go“ sind die einschlägigen Gazetten und Seiten dies- wie jenseits des weltweiten Netzes voll des Lobes über diese besondere Dreampop-Chronistin des Zwischenmenschlichen.

Und ihre Stimme, sie verfügt in der Tat über die Magie eines flüchtigen Kusses, über etwas geradezu Geisterhaftes. Wie aus einer fernen Welt rückt sie über mystische Folk-Frequenzen und mithilfe von sphärisch-verspielten Electronica-Einschüben in das Gehör ihrer Zuhörer und erzählt auf ihre ganz individuelle Weise von ihren Beobachtungen der Menschen und ihrer formvollendeten Unvollkommenheit. Diese Songs mögen im ersten Moment auf zarten Sohlen daher tänzeln, treffen einen dennoch treffen sie einen irgendwann knallhart. Mitten ins Herz. Unweigerlich schließt man die Augen um alles zu intensivieren. Ohne Widerstand zu verspüren lässt man sich in die Tiefe ziehen und möchte so schnell nicht wieder aus diesen wunderschönen Wellen der Melancholie auftauchen. 

Die talentierte Indie-Musikerin dahinter übt sich früh: Im Alter von fünf Jahren begann Margaux Sauvé, Geige zu spielen – ein Instrument, das sie von ihrem Großvater geschenkt bekam – und trat somit in die Fußstapfen ihrer Musikerfamilie. Einige Jahre später begann sie zu singen und schrieb ihre ersten Lieder. Zwar noch keinen Langspieler, aber immerhin drei EPs hat Margaux Sauvé als Ghostly Kisses – ein Name, der einem Gedicht von William Faulkner entliehen ist – bislang veröffentlicht: „What You See“ (2017), „The City Holds My Heart“ (2018) sowie die im vergangenen Juni erschienene „Never Let Me Go“. Man kann entdecken, wie diese Künstlerin, die live zumeist von drei Mitmusikern flankiert wird (und dort noch mehr wohlig-melancholischen Zauber zu verbreiten vermag), im Laufe dieser Veröffentlichungen immer weiter gewachsen ist und zu ihrer eigenen Stimme gefunden hat – im buchstäblichen wie übertragenen Sinne…

„Meet me where all wrongs turn to right
Meet me where the light greets dark
Where the lovers go when they are tired

Keep me where you hide your second sight
Deep inside where secrets start
Where the lovers go when they are tired

Let’s watch the last rays fading out
Entwine our bodies on common ground

Will you hold on, my love
Even in a time of trouble?
I want to hold on, my love
Even in times of trouble
Will you hold on, my love
Even in a time of trouble?
I want to hold on, my love
Even in times of trouble

Meet me where you can break the silence
Meet me where the light greets dark
Where the lovers go when they are tired

Meet me in the gentle after light
Where your world falls apart
Where do lovers go when they are tired?

Let’s watch the last rays fading out
Entwine our bodies on common ground

Will you hold on, my love
Even in a time of trouble?
I want to hold on, my love
Even in times of trouble
Will you hold on, my love
Even in a time of trouble?
I want to hold on, my love
Even in times of trouble“

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Les Jupes – „Some Kind Of Family“


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Bereits mit den ersten Tönen von „Some Kind Of Family“ wird klar: Diese Band ist verdammt cool. Oder, genauer: war – leider. Galten Les Jupes anno 2015, zu Zeiten der Veröffentlichung ihres zweiten Albums, noch als „Canada’s next great band“, war das Quartett auch schon wieder Geschichte. Das mag ihrem Schwanengesang freilich auch fünf Jahre danach noch einen etwas bittersüßen Beigeschmack verleihen, dennoch hat die Band aus dem kanadischen Winnipeg, Manitoba (woher freilich auch eine andere große kanadische Band stammt) mit „Some Kind Of Family“ ein kleines, wenig beachtetes atmosphärisches Indierock-Meisterwerk geschaffen, das die Qualität besitzt, einen zu packen und auf längere Zeit nicht wieder loszulassen…

skof_cover_high_res_printUnd tatsächlich blitzt im ein oder anderen Moment des Nachfolgers zum 2011 erschienenen „Modern Myths„, das eine ebenso breit aufgebaute Genre-Spannweite zwischen Wave und Pop, Indie Rock, Folk sowie Americana aufwies, etwas Magisches hervor. Außerdem: viel Grüblerisches, Dunkles und dennoch irgendwie Optimistisches. Trotzdem kann man sich, sobald Frontmann Michael Petkau Falk seine tieffrequente Stimme erhebt, kaum dagegen wehren, Vergleiche anzustrengen. An Nick Cave etwa. An Tom Waits vielleicht. An Madrugada-Tieftöner Sivert Høyem sicherlich. Und natürlich, unweigerlich an Matt Berninger. Da ist’s auch kaum verwunderlich, dass Marcus Paquin, der wenig zuvor „Trouble Will Find Me“, das sechste Studiowerk von The National, produziert hat (zu einer Zeit also, in der die Dessner-Zwillinge noch nicht alles selbst übernahmen), hinter den Reglern saß. Daher kann man schon mal behaupten: Wer die indierockige, dezent schwelgerische Seite von The National liebt (man denke etwa an frühere Großtaten von „Alligator“ über „Boxer“ bis hin zu „High Violet“), der wird auch an den Songs von Les Jupes Gefallen finden. Versprochen.

Und die vierköpfige Band um Michael Petkau Falk legt schon zu Beginn von „Some Kind Of Family“ die Messlatte recht hoch: „When They Dig Us Up“ überzeugt mit satten Gitarren-Licks, während Schlagzeuger Jordon Ottenson schon zur Eröffnung daran zu arbeiten scheint, sein Instrumentarium während des flotten Refrains des Songs, der dem Ganzen etwas Punkrock-Feeling verleiht, zu erlegen. Runter schalten? Fehlanzeige. „Everything Will Change“ legt ein ebenso zügiges Tempo vor, wobei sich Ottenson diesmal für schlurfende Beats entscheidet und Falk einen klagenden Refrain abliefert, der verletzlich und roh genug erscheint, um seinen Stimmbänder ordentlich zuzusetzen. In „The Brothers“ lässt Falk seinen Gesang in weitaus melodiösere Gefilde wandern und fügt sich so organisch in die minimalistische Instrumentierung ein, die langsam und bis zum letzten Moment Spannung aufbaut, während Adam Fuhrs Keyboard stromlinienförmig den Takt vorgibt. Selbiges – das Keyboard – ist auch der heimliche Star von „Bro.Sis“, das mit umwerfend poppigen, geradezu Killers’esken Synthie-Lines beginnt, die perfekt zu Falks hallendem Gesang und den undurchsichtigen, verträumten Texten über das Halten „der Zügel von 100 Pferden“ passt. Natürlich mögen Les Jupes in diesen Songs weder außerordentlich originell noch originär tönen, dennoch hält die Band zu jeder Minute den Spannungsbogen aufrecht – und zollt ein klein wenig ihren Einflüssen Tribut. So wäre „On Miracles“ mit seinen melancholischen Klavierpassagen auch auf The National-Alben wie „Boxer“ oder „High Violet“ nicht fehl am Platz gewesen, und das zitternde Synthesizer-Riff in der Songmitte hätte wohl einer B-Seite der Antlers ebenso gut zu Gesicht gestanden, während Michael Petkau Falk einmal mehr gesanglich brillieren darf. Noch theatralischer gerät da eigentlich nur „One Is Enough“, wo er mit seiner dröhnenden Stimme gar ganz nah an den großen Nick Cave heran reicht.

Wer also zwischen die Zeilen von „Some Kind Of Family“ lauscht, der wird die herzzerreißenden Zwischentöne hören, wird hören, dass dieses Album das schweißnasse Ergebnis vieler Meinungsverschiedenheiten sowie Aufs und Abs ist. Und irgendwie verleiht dem Werk die Tatsache, dass Les Jupes es aufgenommen haben und dann aufgehört haben, als Band zu existieren, ein wenig mehr Legendenstatus. So ist es ein kleines, gut 45-minütiges Artefakt aus der Vergangenheit. Diese Platte war bereits in der Sekunde, in der sie fertiggestellt wurde, ein Stück Indierock-Geschichte, und sie wird für immer ein Versprechen von vier durchaus talentierten Musikern sein, die einmal als „Canada’s next great band“ angepriesen wurden, nur um dann ohne viel Getöse zu implodieren.

Und uns? Uns bleiben die Songs von „Some Kind Of Family“ (welches es übrigens hier als Free Download gibt). Und das Kopfkino unter den Kopfhörern, welches wie gemacht scheint für Spaziergänge durch das wuselige Großstadttreiben. Für Roadtrips. Fürs Sinnieren und alles und nichts und jeden. Fürs Innehalten auf Parkbänken, während man dem Leben um einen herum zusieht. Mit diesem Album auf Repeat. Einem mal zupackenden, mal melancholischen Indierock-Kleinod, einem wenig beachteten Versprechen aus dem kanadischen Winnipeg.

 

 

„Hey friends

I’m very sad to announce that Les Jupes are done.   

We’ve been a pretty dysfunctional band.  We’ve been 3 completely different lineups in 4 years. We’ve battled entitlement, laziness, egos, self-righteousness and willful ignorance. There are some stories that would make you just shake your head, others that would break your heart. We would get 4 people onto the same page for a couple of months before someone else would leave and the whole thing would have to be re-jigged again. It became exhausting. Even ridiculous. A parody of what this was supposed to become. And definitely a pretty impossible way to build momentum or capitalize on what few opportunities we did have come our way.

Many friends and industry people have told me I should just hire a backing band and tour the songs. But it just doesn’t feel right. That’s not what this was ever supposed to be about, and I’m not interested in touring a show that doesn’t feel interesting. This was supposed to be four people on a mission, doing something special together. And after too many failed attempts at that, perhaps its just time to lay it to bed.  

A whole lot of care and thought and passion and time and money went into this record. It was supposed to be the album that got us through the glass ceiling we kept hitting. But it unfortunately turned out to be the record that sadly fulfilled its own name.  

Not sure we were ever a great band, but I think we had gotten pretty good – to a place where I felt confident we finally had the balance of skills and tools to make a go of it and maybe even become great. I think the best compliment we ever got was: „Wow, you guys are like a real band.“ I never wanted to be the coolest band. Never wanted to be a part of a fad. I just want to make art that connects with something inside those making it and anyone who might listen to it. To write songs that might have an outside shot at still meaning something to someone a few years down the line.

I’m not sure what I’m going to do next. I’ve been mulling on all kinds of things – some of which are radical life changes, some of which are gentle left turns. Some days I want nothing to do with music, others I can’t imagine myself without it. It’s hard not to be terribly angry at a couple people. My increasing self-isolation and introversion combined with exhaustion from the past few years makes this a difficult process.  I’ve never grieved a dream before. So I’m gonna just take the time I need to figure it out.  In the meantime, I’ve got my studio and will continue writing songs and working with other artists.  

I’d like to thank three people who have gone above and beyond to support this band.  Frank Ehrmann has championed us in Germany and deserves so much more from this record that he was so excited about. Darcy Penner came in swinging as the most trustworthy, hard-working bandmate I ever had. And my wife, Robin. Even though I often put the band before her, she has been so unbelievably supportive. She put up with a lot of late night fretting sessions, even incurred debt on behalf the band, and is a treasure of a human being.

I really hope you enjoy this album. I was so hopeful for these songs.

Much love,

Michael Petkau Falk“

 

Mittlerweile hat Ex-Les Jupes-Frontmann Michael Petkau Falk, der in diesem „Vice“-Artikel und -Interview den Bandsplit noch einmal erläutert, mit Touching übrigens ein neues Studio-Projekt am Start, dessen Debütalbum „Isolation Blues“ (gibt’s hier wahlweise als Free Download) unlängst das Licht der Musikwelt erblicken durfte, jedoch wesentlich synthie-lastiger und introspektiver klingt als die Songs seiner ehemaligen Band.

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: John K. Samson – „Fantasy Baseball At The End Of The World“


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Mit Baseball kehrte am 24. Juli mit der Eröffnung der Major League Baseball Saison eine der US-amerikanischen Lieblingssportarten mit klaren Abstandsregeln in leere Stadien zurück – schließlich leben wir noch immer in einer von einer Pandemie dominierten Zeit. Und wie es anders kaum passender sein könnte, reihten sich damit beginnend so einige seltsame Ereignisse aneinander: So warf Immunologe Anthony Fauci den ersten Ball in Washington, DC (bei dem er nur knapp das Schlagmal verfehlte), bevor die Nationals gegen die Yankees antraten und verloren. Und Donald Trump? Der passionierte Golfer, welcher sich zufälligerweise ab und an auch im Weißen Haus aufhalten soll, kündigte an, dass er am 15. August den ersten Wurf beim Spiel der Yankees machen würde (und sagte gestern Abend zu Fox News-Fernsehmoderator Sean Hannity in bekannter Tölpel-Manier, dass er hoffe, dass die Spieler beim Hissen der Fahne nicht knien würden, da der Präsident das nicht gern sähe)…

a1289543500_16All diese Absonderlichkeiten sind – auf die ein oder andere Weise – tief in „Fantasy Baseball At The End Of The World“, einem recht neuen Song aus der Feder von Ex-Propagandhi-Bassist und Ex-The Weakerthans-Frontmann John K. Samson, verwurzelt, der das Stück zwar schon das ein ums andere Mal live spielte, doch erst jetzt offiziell veröffentlichte. Und obwohl der lediglich knapp zwei Minuten kurze Song, der nur einen Tag vor dem 20. Geburtstag des Weakerthans-Platten-Meilensteins „Left And Leaving“ erschien, vordergründig von Fantasy Baseball handeln mag, so denkt der kanadische Musiker auch hier wieder feinsinnig ums Eck, wenn er auch vom Trost, dass der gegenwärtige US-Präsident Donald Trump irgendwann sterben wird und wir bis dahin die Zeit nutzen können, um uns zu organisieren und um „something better, something beautiful“ zu erschaffen, singt.

„I manage my fantasy baseball team better than I manage my anger these days / And I’d trade my best pitcher for a draft-pick and picture of the president writhing in pain…“

Verpackt sind Samsons wie üblich zart intonierte, trotzdem teils sardonische Zeilen in minimalistisch gepickte Akustikgitarrentöne. Dazu noch ein schönes Stop-Motion/Cut-&-Paste-Video, und fertig ist ein weiterer Beweis dafür, dass man John K. Samson einfach lieben muss

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Braids – „Snow Angel“


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Foto: Promo / Melissa Gamache

Spannend war es schon immer, wie Braids zwischen organischen und elektronischen Elementen navigieren. Spätestens aber mit seinem dritten Album hatte das Trio aus dem kanadischen Montreal zu einem ganz und gar eigenen Artpop-Sound gefunden, und nachdem Raphaelle Standell-Preston (Gesang, Gitarre), Taylor Smith (Synths, Bass, Piano, Gitarre) und Austin Tufts (Schlagzeug, Percussion, Piano) auf „Deep In The Iris„, welches den kanadischen Juno Award 2015 für das „Alternative Album Of The Year“ erhielt, vor fünf Jahren so schwere Themen wie Misogynie und sexuellen Missbrauch verhandelt hatten, war der Weg nun wohl frei für ihre bisher persönlichste Veröffentlichung.

Shadow Offering_BraidsAuf dem hörbar vom ehemaligen Death Cab For Cutie-Gitarristen Chris Walla produzierten „Shadow Offering“ thematisiert Sängerin Raphaelle Standell-Preston die Irrungen sexueller Anziehung („Young Buck„) ebenso wie das Lieben („Ocean“) oder das Entlieben („Just Let Me„, ein minimalistischer Track mit perlenden Radiohead-Arpeggios sowie einem Refrain, welcher sogar Massive Attack Respekt abnötigen würde). Mit dem neunminütigen „Snow Angel“ gelingt den kanadischen Dreiergespann gar sein bisheriges Opus Magnum: ein ratloser Blick auf Klimaerwärmung, Umweltverschmutzung und Überbevölkerung, entstanden kurz nach Trumps Wahlsieg im Jahr 2016. „The polar bears floating away on a brink of ice / What have we done to them?“, fragt Raphaelle Standell-Preston in einer von vielen Spoken-Word-Passagen, nur um kurz darauf zu erkennen, dass sie nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems ist: Am I only just realizing the injustice that exists? / Cloaked in white privilege since the day I was born.“ Die Dynamik des facettenreichen Gitarrenspiels mit den entrückten Synthesizern zieht sich durch das gesamte Album.

Auf „Shadow Offering“, das bestenfalls noch Bat For Lashes, die Cocteau Twins, Blonde Redhead, stimmlich etwa Kate Bush oder freilich Radiohead als Referenzen zulässt, trotzen Braids mit zugleich eingängigen und innovativen Melodien der durchseuchten Gegenwart glaubwürdig etwas dringend benötigte Hoffnung ab, bevor alles im triumphalen Abschlusssong „Note To Self“ mündet: „One foot in front of the other, and the other, that’s all, there’s no reason, just breath and a beating of the heart.“ Alles in allem bilden die neun Stücke, die mal schäumen, mal zerfliessen, mal expandieren, sich zurückziehen und wieder neu ansetzen, ein geradezu melancholisches Konglomerat, welches von Standell-Prestons bewegender Stimme zusammengehalten wird.

 

 

„I think I killed my plant from over-watering it
Things don’t grow the same in the wintertime
I slipped on the stairs, winding myself of air
I can’t do anything but lie here for a momentI am a snow angel
Makes the bitterness feel romantic
This year there isn’t someone to keep me warm
I’m a bad girl with a cuddle and a budding roseI came home early from the show tonight
I was feeling low ‚cause I went out alone again
Dancing ‚round my house, age of 17
I remember when this was done for me

I am a snow angel
Makes the bitterness feel romantic
This year there isn’t someone to keep me warm
I’m a bad girl with a cuddle and a budding rose

Snow angel, snow angel, snow angel, snow angel…

Focusing on a flower
The clouds overhead
The lips of my lover
Mother Nature and her offerings
A reminder that life is beautiful still
Amongst all the madness, the chaos
The need to march in the streets
Fake news, and indoctrination
Closed borders, and deportation
I’ve been deeply sad
A sadness deeper than after reduction
Am I only just realizing the injustice that exists?
Cloaked in white privilege since the day I was born
Blinders on, blinders on
It’s a feeling where I wonder if everything is gonna be okay
And when I say everything, I’m not talking about my little everything, my little life
I mean the planet, I mean the oceans, people fighting for the right to a safe life
The polars bears floating away on a brink of ice
What have we done to them?
The only way I can ease the all consuming, rising feeling, as we reach no return is to grab that pillow and give a good, long scream
Sit with the release
Maybe go for a run
Come home, turn on the TV, go numb for a bit
Look at the suffering that I cause, that I cause, that I, I, I, I, I
I recycle, I compost, I buy second-hand
God, I’m disgusting
Like that’s enough of a plan
Staring at my iPhone
Green smoothie recipe
How to start your day right
Slipped right through my hand
Clean up the glass on the ground
Push little sharp bits around
Whole world’s going to shit
This white girl contributes to it
Oh, I wanna stop trying to hide it, oh, I wanna stop trying to hide it, oh, I wanna stop trying to hide it, oh I wanna stop trying
Will the lying be around when my child is born?
Should I even have a child at all?
This world is full up
I wanna be a mother, but I shouldn’t bring in another
I wanna be a mother, but I shouldn’t bring in another
What is it to mother?
We all need a mother
Kill our Mother Earth
Stab her and watch her, stab her and watch her (Bleed)
Stab her and watch her, stab her and watch her (Bleed)
Gather around, gather around, don’t watch her, watch her (Bleed)
Stab her and watch her, stab her and watch her, and watch her (Bleed)
For you and me
Four cute little outfits straight off the runway
Sparkles, high socks, vintage, no vanity
Brown paper bag, heard they were going green
Twenty bucks at H&M, baby
Can I get off of this ride? I’m feeling dizzy
It’s moving way too fast, and I wanna come down
Can I get off of this ride? I’m feeling dizzy
It’s moving way too fast, and I wanna come down
Come down, come down
I wanna come down…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: The Dears – „I Know What You’re Thinking And It’s Awful“


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Montréal. Rockband. Da denkt wohl fast jede(r) sofort an Arcade Fire, Post-Rock-Degustinatos eventuell noch an Godspeed You! Black Emperor. Dabei sollte – ja: müsste – Connaisseuren der kanadischen Musikszene schon seit Jahren der Name The Dears weitaus mehr als nur ein Randbegriff sein. Ein sattes Vierteljahrhundert gibt es die Band bereits, 2003 erschien ihr – gerade im retrospektiven Rückspiegel – gigantisches Debütalbum „No Cities Left“, das im Grunde ausschließlich aus epochalen Post-9/11-Hymnen bestand, deren Mixtur aus herbstlich-melancholischem, britisch gefärbtem Indie Rock und hinreißenden Streichern-Orchestrierungen mutmaßlich wohl sogar Größen wie Pulps Jarvis Cocker vor Rührung die Hornbrille beschlagen ließ.

Und wie so oft liegt hier die Crux: der große Anfangswurf bildet von nun an gleichzeitig die Messlatte. Wer wie die Band um das Ehepaar Murray A. Lightburn und Natalia Yanchak bereits so früh sein Limit erreicht, ja vielleicht sogar überschreitet, der hat’s von nun an verdammt schwer. Konnte der Nachfolger von 2006, „Gang Of Losers“, noch mit gesteigertem Popappeal und fantastischen (Einzel-)Songs glänzen (und stellenweise einmal mehr entzücken), wurde die Quote an richtig gelungenen Songs kleiner und die der durchschnittlichen und recht lieblosen Lieder von Veröffentlichung zu Veröffentlichung leider größer (wobei ich hier das fünfte, 2011 erschienene Studiowerk „Degeneration Street“ lobend von dieser Kritik ausnehmen möchte).

Ja, selbst als großer, langjähriger Fan dieser Band war es schwer, da stets mitzugehen. Erschwerend kam hinzu, dass Lightburn, Yanchak und Co. auch immer seltener durch Deutschland tourten. Zwischen den letzten beiden Berlin-Shows etwa, die jeweils 2006 und 2017 stattfanden, verging zu viel Zeit, um ein neues Indie-Publikum mit Musik zu füttern, und so war die letzte Show im Berliner Privatclub schlecht besucht und auch die Band „glänzte“, wie man vielerwebs las, mit derart erschreckender Lustlosigkeit, aufgesetzten Rockposen und gruseligem Live-Sound, dass wohl nicht wenige der Besucher diese Show zur letzten der Band (zumindest mit ihnen) erklärten. In diese Phase fielen auch die letzten zwei, 2015 beziehungsweise 2017 veröffentlichten Alben „Times Infinity Volume One“ und „Volume Two“, denen man im Gros passenderweise ebenjene fehlende Spannung und innere Konsistenz anhörte.

71cXE1KekwL._SS500_Nachdem sich der zum Workaholic neigende Frontmann Murray A. Lightburn im vergangenen Jahr auf seinem zweiten Solo-Werk „Hear Me Out“ deutlich reduzierter und bluesiger austoben konnte, kehrt die Band, die im Grunde nur aus besagtem Kreativ-Ehepaar und einer permanent wechselnden Belegschaft an Mitmusiker*innen besteht (seit 1995 wechselten sich sage und schreibe 21 verschiedene Kreative an den Instrumenten ab), mit ihrem nunmehr achten Album „Lovers Rock“ zurück. Und nach dem eher mäßigen Output der letzten Jahre (sowie dem jüngst im britischen NME erschienenen Quasi-Verriss) war es wohl keinem zu verdenken, dem Ganzen mit guter Skepsis zu begegnen. Jedoch: hört hört – das neue Album ist richtig, richtig gut geworden! Und wäre nicht Corona über die Welt, die Lightburn und seine The Dears hier einmal mehr mit düster-dystopischen Bildern besingen, gekommen, so hätte man bereits im April Montréals schönste Band – sorry, Arcade Fire! – mit diesem Werk auf deutschen Bühnenbrettern bewundern dürften – Spielfreude und Motivation freilich vorausgesetzt.

Lovers Rock“ benötigt mit dem Opener-Doppel aus „Heart Of An Animal“, einem epischen Stück, wie maßgeschneidert für eine Pandemie, und „I Know What You’re Thinking And It’s Awful“ auch keinerlei Anlaufzeit, bis sich die Ohrwürmer in den Gehörgängen entfalten. Der grundlegende Sound gerät rauer als zuletzt und wie mit einem kaputten Radiergummi scheinen alle überladen-schmalzigen, leidlich gelungenen Popskizzen der Vorgängeralben zu einem jugendlich-brillanten Werk verschmiert. Die Songs verlaufen nicht mehr linear oder gewollt verkünstelt. Angetrieben von dichten Gitarrenriffs wird so eine Stimmung erzeugt, die oft genug an Rock-Hymnen der Neunziger und Nuller-Jahre erinnert. Auch „No Place On Earth“ befasst sich mit der Tragik der Vergänglichkeit, der Unwissenheit, wohin das alles führen wird, und komplementiert damit das Gesamtbild der Gesamtsituation. Noch treffender wird es dann in „Play Dead“, einem apokalyptischen Love-Song, welcher eine unsagbare Schwere ausstrahlt. Das jazzige „Stille Lost“ als Dreh- und Angelpunkt der zehn neuen Stücke ist raffinierter Darling und beinahe erdrückend schön, und der feine Abschluss „We’ll Go Into Hiding“ hat genug Drive, um einen für eine längere Weile – einem Satelliten gleich – um den bandinternen Backkatalog kreisen zu lassen.

Klare Sache, das – da hat eine Band wieder Blut geleckt und keinerlei Lust (mehr), irgendwem gefallen zu wollen. Das tut jeder Sekunde des auch mit 43 Minuten verdammt kurzweilig geratenen Albums gut, welches thematisch mit Themen-Komplexen wie Isolation und Überlebenskampf unerwartet auf der Höhe des Zeitgeists operiert und schlussendlich an so viele geliebte Einflüsse erinnert: Soul’n’Jazz, Morrissey und The Smiths, die Weezer der frühen Jahre, Blur (Lightburns Gesang ist da ohnehin naturgemäß verwandt) – und The Dears selbst zu ihrer Anfangszeit. „Orchestral Pop Noir“ nennt das die Band seit eh und je selbst. Wir verbuchen’s unter: Rückkehr zu alter Stärke.

 

 

„A true crime
It happened here
Better lay low till the coast clears

Your mother weeps
Your father cries
Out why in the middle of the night

Innocent
Can’t prove it
Malevolent hearts are seething

Entanglement
Web-weaving
Is there anybody
Worth deceiving here

I know what you’re thinking
And it’s awful
An abomination

Ooh I can’t forget it
I can’t forget it
I’m not over you…

Waited long
Maybe years
Fear against hope, hope against fear

But you and I
It’s do-or-die
Right now in the middle of the night

I know what you’re thinking
And it’s awful
An abomination

I’ll never let it go
I’m entitled
Even though you’re long gone

Ooh I can’t forget it
I can’t forget it
I’m not over you…

I know what you’re thinking
And it’s awful
An abomination

But I’ll never let it go
I’m entitled
Even though you’re long gone

Ooh I can’t forget it
I can’t forget it
I’m not over you…

I know I’m not over you
I said I’m not over you
I said I’m not over you
I’m not over you“

 

Rock and Roll.

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