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Agnes und ihr Freund Amir – Eine ziemliche beste Wohngemeinschaft (und die wohl schönste Geschichte des Tages)


Agnes Jeschke wurde 1920 in Sachsen geboren. Das Jahr, in dem die Pandemie der Spanischen Grippe endete. Das Jahr, in dem der Friedensvertrag von Versailles den Ersten Weltkrieg offiziell beendete. Das Jahr, in dem in Deutschland die erste Jazz-Schallplatte verkauft wurde.

Amir Farahani wurde 1993 im Iran geboren. Das Jahr, in dem dort zwei Flugzeuge kollidierten und 132 Menschen starben. Das Jahr, in dem der Maastricht-Vertrag in Kraft trat und das World Wide Web freigegeben wurde.

Heute ist sie betagte 102 Jahre alt, er sportliche 28 Lenze jung – rein optisch sowie rechnerisch könnte Amir Agnes‘ Urenkel sein. Und obwohl die beiden – zumindest auf dem schnöden Papier – fast 74 Jahre gelebtes Leben und recht unterschiedliche Kulturen trennen mögen, sind diese alte Dame und ihr Betreuer, der sogar bei ihr wohnt, ein zwar ungewöhnliches, dafür jedoch umso unzertrennlicheres Paar. „Ziemlich beste Freunde“ quasi – nur eben nicht als rührselige französische Filmkomödie in Paris angesiedelt, sondern in einer kleinen Wohnung in Berlin-Mariendorf. „Wir verstehen uns“, sagt sie mit ihrem Berliner Charme, „wie zwei linke Latschen“.

Und natürlich mag die Geschichte von Amir und Agnes ungewöhnlich sein. Er studierte im Iran Sportmedizin, musste sein Land, in dem er wegen seiner Homosexualität um sein Leben fürchtete, jedoch ohne Familie verlassen – und kam nach Deutschland. Sie lebt seit fünf Jahrzehnten in ihrer bescheidenen Drei-Zimmer-Wohnung in Berlin. Wäre der junge Mann nicht bei ihr eingezogen, hätte Agnes wohl ins Pflegeheim gemusst – gegen ihren Willen. Also schaltete ein Freund eine Anzeige im Internet und suchte nach einer Betreuerin – das Motto: „Kostenloses Wohnen gegen Gesellschaft leisten“. Es meldeten sich 22 Frauen – und Amir. Und obwohl er der einzige männliche Bewerber war, war er nicht nur gleich hellauf begeistert von der Idee, bei der alten Frau einzuziehen, sondern wunderte sich auch: „Warum nur Frauen? Ich kann das auch.“ Agnes ging es ähnlich, die beiden waren sich – allen Unterschieden zum Trotz – auf Anhieb sympathisch. Er suchte eine Bleibe (was sich auf dem Berliner Wohnungsmarkt durchaus als Herausforderung gestalten kann), sie Gesellschaft und Hilfe im Alltag. Und fanden auf diesem Weg einander. Das Paradebeispiel einer Eine Win-win-Situation, sozusagen.

Das Bilderbuch zeigt, dass sich die gemeinsamen Tage des ungleichen Mitbewohnerpaares häufig bunt gestalten. „Manchmal gehen wir schaukeln, manchmal zusammen einkaufen, manchmal schwimmen oder ins Restaurant.“ Selbst in die Shisha-Bar oder zum Tanzen seien sie schon gemeinsam gegangen. Amir lebt kostenlos auf Agnes‘ Couch, besitzt in ihrer Wohnung lediglich einen kleinen Kleiderschrank, als Gegenleistung hilft er ihr im Alltag – vor allem morgens und abends. Tagsüber macht er eine Ausbildung zum Alten- und Krankenpfleger. Auch aus diesem Grund kann er ihren Pflegedienst wenngleich nicht gänzlich ersetzen, dafür jedoch zu großen Teilen unterstützen, während sie für ihn eine Art Familienersatz darstellt und dem Geflüchteten, der der deutschen Bürokratie wegen im vergangenen Jahr – entgegen aller Umstände und trotz Fachkräftemangels – beinahe wieder in seine alte Heimat (in welcher ihm zudem die Todesstrafe droht) abgeschoben worden wäre, die deutsche Sprache und den speziellen Berliner Humor näher bringt.

Doch so schön sich dieser Alltag auch lesen mag, so herausfordernd kann er oft genug sein. „Ich muss ihr viele grundlegende Dinge beibringen, die wir Jungen automatisch machen“, sagt Farahani. Dazu gehöre zum Beispiel das Essen oder Trinken, Anziehen oder Aufstehen. „Bei all diesen kleinen Dingen besteht die Gefahr, dass sie sich verletzt und da muss ich aufpassen.“ Anfangs habe sie in der Nacht auch öfters Panikattacken bekommen. Ihr anstehender Auszug, das drohende Pflegeheim habe sie damals sehr belastet. Mittlerweile schläft sie nicht nur ruhiger, sondern hat durch ihren beinahe ein Dreivieteljahrhundert jüngeren Begleiter sogar neue Lebensfreude gewonnen. „Ich bin ohne Familie hergekommen. Ich suchte damals eine Wohnung. Die habe ich jetzt und auch eine Aufgabe. Wenn Menschen wie Agnes Zuwendung bekommen, bleiben sie jung“, wie Amir es auf den Punkt bringt. Er passt auf sie auf, und sie irgendwie auch auf ihn.

Und so aufs Filmreifste kitschig sich die Geschichte von Agnes und Amir auch lesen mag, so stellt sie doch umso mehr positive Dinge ins Licht: Etwa den Fakt, dass Integration durchaus gelingen kann, wenn beide Seiten offen für die Welt des anderen sind (und auch daher dürfen Beiträge über die beiden gern in Dauerschleife auf jeder Versammlung der blau-braunen Anti-Alternative laufen). Dass dieses im ersten Moment ungewöhnliche WG-Konzept aus Jung und Alt gerade in Großstädten wie Berlin, wo auf der einen Seite meist Wohnungsknappheit herrscht, während es gleichzeitig eine hohe Zahl an älteren Single-Haushalten gibt, eine nicht nur gute, sondern auch überaus beispielhafte Lösung darstellt – und somit ein stückweit den „Grauen Markt“ der 24-Stunden-Pflegekräfte in bundesdeutschen Privathaushalten ersetzen könnte. So schätzt die Schader-Stiftung, dass bis zu 400.000 Menschen – vor allem Osteuropäerinnen – in deutschen Haushalten ältere Menschen pflegen – und das, anders als bei Amir, eben oft illegal. Und zu guter Letzt natürlich, dass dieser Tage nicht jede Nachricht schlecht sein muss, um berichtenswert zu sein. ❤️️

Bei Arte sowie in der ZDF Mediathek findet man aktuell zudem auch einen ausführlicheren halbstündigen Beitrag über die beiden…

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Nullmillimeter – Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd (2022)

-erschienen bei Fressmann/Indigo-

Manchmal passiert es eben doch. Da erwische ich mich als durchaus erfahrener Rezensent und World-Wide-Web-Schreiberling, der ja sonst kaum um eine weitläufige Umschreibung, um eine in überaus blumige Worte gefasste Empfehlung verlegen ist, dabei, dass mir plötzlich die passenden Buchstabenkombinationen für ein aus allerlei tollen Liedern zurecht gezimmertes Album fehlen. „Was tun?“, sprach Zeus.

Nun, vielleicht sollten die Band, um die es hier eigentlich geht, Nullmillimeter (welche kürzlich bereits hier Erwähnung fanden), und meine Wenigkeit einmal kurz beiseite treten und den Menschen würdigen, ohne den diese Lieder vielleicht nicht die Beachtung finden würden, die ihnen zweifellos gebührt. Daher: Tausend Dank, Wolfang Müller. Der Wahl-Hamburger Liedermacher, der zuletzt mit seinem wundervollen Album „Die Nacht ist vorbei“ zu begeistern wusste, traf nämlich vor nicht allzu langer Zeit die weise Entscheidung, Nullmillimeter für sein eigenes Label Fressmann unter Vertrag zu nehmen. Und stellte dem – keineswegs ein Aprilscherz – am 1. April erschienenen und mit „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd“ ebenso toll betitelten wie im Coverartwork verbildlichten Debütalbum gleich noch so einige wunderbar blumige Worte voran:

„Ich habe gerade das erste Mal das Album ‚Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd‘ gehört, und jetzt renne ich über meine innere Wiese, um alle Gedanken und Gefühle einzufangen, die wie aufgescheuchte Hasen kreuz und quer über das Feld jagen. Hoffentlich erwische ich jeden einzelnen, sonst bleibt der Bericht unvollständig, aber das wird er wohl ohnehin. Bei diesem über einstündigen Sturz in ein Universum aus Wörtern und Musik bleiben alle Bilder verwischt, oder einfacher gesagt: es hat mir das Gehirn raus gesprengt, einmal neu sortiert und wieder sanft zusammengefügt. Und das Herz dazu.

Es gibt eine bestimmte Sorte Sehnsucht, eine ganz eigene Art von Melancholie und Lebensfreude, die nur wenige Menschen in Musik gießen können. Naëma Faika und ihre Band Nullmillimeter haben das geschafft. Jedenfalls bei mir. Während ich auf meinem Sofa lag, die Arme in Blumen-Haltung über mir, und diese 12 Songs über mich ergossen habe, gab es glaube ich keine Emotion, die nicht in mir zum schwingen gebracht wurde. Siehe aufgescheuchte Hasen. Song für Song hat mich am Kragen gepackt, irgendwo hin geschleudert, drei mal um mich selbst gedreht, und bevor ich auch nur ‚toll‘ sagen konnte kam schon der nächste und hat das gleiche nochmal gemacht. Und nochmal. Und nochmal.

Dieses Album ist so tief und so breit wie die Songs lang sind, und ich will gar nicht wissen, wieviele Spuren die Aufnahme-Sessions gehabt haben müssen, um so einen Klang zu erzeugen. Ich schätze mal ein dutzend Kraken wären wahrscheinlich nicht ausreichend, um alle Fäden in den Händen zu halten, aber das Erstaunliche ist, oder das Unfassbare, dass es dieses Dutzend anscheinend wirklich gab, denn alles klingt wie aus einem Guss, all dieses Getöse, Rauschen, Raunen, Flüstern und Kreischen, der Beat, die ständigen unvorhersehbaren Wendungen, ein Sound von Sommerwind bis Orkan, und nur wer diese Arrangements selber gehört hat, kann verstehen, was ich meine. Ich bemühe mich erst gar nicht, hier irgendwelche Band-Referenzen zu zitieren, ich habe eh keine Ahnung von Musikgeschichte. Es muss reichen wenn ich sage: Es ist, als ob meinem einem lebendigen Element beim Tanzen zuschaut. Nur mit den Ohren. Und es hat mich erschüttert bis in die Fingerspitzen.

Normalerweise kommt jetzt die Stelle, an der ein Rezensent Text-Zitate einbaut, um dem Leser eine Vorstellung davon zu geben, was ihn zu erwarten hat. Ich sage nur: Fuck off. Und damit ist alles erzählt. Nur soviel: Es sind keine Songtexte, es sind Geschichten, die jeweils ihren passenden Song geheiratet haben. Und in ihrer Intensität, ihrer Authentizität und ihrer Wucht diesen selber mitreißen, auf die Füße stellen, wieder herumwirbeln und zu Boden sinken lassen. Es ist eine Symbiose, ein Verschmelzen und wieder Auseinandergehen, und manchmal fällt es schwer zu sagen wer den Tanz führt, die Geschichte oder die Musik. Ist das leichte Kost? Auf keinen Fall. Wer als Präludium eine Minute lang nur den Wind rauschen lässt, schreckt vor gar nichts zurück. In diesem Fall: Sich Zeit zu lassen. Zeit ist eine wichtige, wenn nicht DIE wichtigste Zutat dieser so außergewöhnlichen Platte. Vermutlich hat sich das letzte Mal eine Band in den 70ern getraut, ihre Songs so auszuformulieren – und dann auch noch, ohne eine Sekunde zu nerven oder zu langweilen. Aber das Geschenk, dass einem dort gemacht wird, bekommt man nur, wenn man seinerzeit ein Geschenk macht – sich nämlich selber Zeit nimmt, eine stille Stunde, um dieses Album zu hören und einzuatmen. Jetzt habe ich fast alle Hasen an den Ohren.

Das Album zu hören ist, als ob man die quietschende und halb überwucherte Tür zu einem geheimen Garten aufdrückt, der immer größer wird, je länger man in ihm herumwandert. Und der, selbst wenn man an der selben Stelle zweimal vorbeikommt, jedes Mal anders aussieht. Es schimmert, vedreht sich in sich selbst, und explodiert in tausend Farben bevor es sich wieder zusammenfügt und so tut, als wäre das immer schon so gedacht gewesen. Mit einer fast schon quälenden Mischung aus tiefster Rastlosigkeit und sprudelnder Lebensfreude. Was soll ich sagen. Ich habe vor einem Jahr den ersten Song von Naëma gehört, und durch einen wundersamen Zufall haben sich unsere Wege gekreuzt und dazu geführt, dass ich ihr Debütalbum auf meinem Label veröffentlichen darf, und ich freue mich darüber sehr. Denn ich sage das nicht oft, und, je älter ich werde, desto mehr gehen mir Bands und Songwriter auf den Keks, aber das hier, diese Songs, diese Musik, die liebe ich aus tiefstem Herzen. Am Ende also vielleicht dann doch noch ein Text-Zitat:

‚This is a love song. This is your love song.'“

Verbindlichsten Dank für diese mit Herz, Hirn und Hand verfassten Sätze, Herr Müller. Nuff said?

Natürlich könnte man es in der Tat dabei belassen, könnte das Ganze als „nachdenkliche Version von Wir sind Helden“ einordnen (obwohl jene nun keineswegs frei von Grübelei waren), könnte zur weiteren Einordnung noch erwähnen, dass Nullmillimeter keine „Newcomer“ im klassischen Sinn sind, schließlich traten die fünf Musiker der in Hamburg und Berlin ansässigen Band in der Vergangenheit bereits als Teile der Begleitbands von Gisbert zu KnyphausenKid KopphausenStaring Girl, Jochen Distelmeyer, Tom Liwa oder Olli Schulz in Erscheinung. Blutige Anfänger? Musizieren in diesem Fall ein paar Proberäume weiter. Trotzdem dient diese als gefühltes Who-is-who anspruchsvollen deutschsprachigen Liedermachertums in den Referenzraum geworfene Aufzählung bereits als erste Standortbestimmung, wenngleich es Sängerin Naëma Faika, Bassist Frenzy Suhr, die beiden Gitarristen Marcus Schneider und Gunnar Ennen sowie Schlagzeuger Lennart Wohlt durchaus gelingt, höchst eigene (Zwischen)Töne zu treffen.

Dennoch ist dieses Debütwerk keineswegs zur Hintergrundbeschallung geeigneter Radiohit-und-weg-Wohlfühl-Pop für schwache Nerven. Nope, die Songs von „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd“, von denen kaum einer die Fünf-Minuten-Marke unterschreitet und jeder doch seinen ganz eigenen Charakter besitzt, sind nichts anderes als raues, pures, handgemachte Musik gewordenes Leben. Sind ein mal wilder, mal federleichter Ritt durch diese Welt – klar, dass die größtenteils deutschen Texte nicht übertrieben lustig durch die 68 Minuten galoppieren, jedoch auch nicht mit überbordender Traurigkeit gesattelt sind. So rockt etwa „Selbstermächtigung“ als Schnittmenge zwischen schlauer Alltagsbeobachtung und John Lennon’schem Revoluzzertum wie ein vom Insekt wild gewordener Klapper, durch „Nö Du“ ziehen ebenso kraftvolle wie luftige Bläser, in „Graue Schimmel“ gehen selbige ein stückweit mit der Band durch. Anderswo, in „Unstet“, kann man den Einfluss der Hamburger-Schule-Größen Blumfeld nicht nur rauszuhören, sondern sogar aus dem Text herauszulesen: „Die Geschichte von zwei Menschen, schöner Anfang“, heißt es da, bevor die jähen Hoffnungen gesprengt werden: „Doch am Ende ist es immer der Instinkt, der gegen uns gewinnt.“ In „Wenn ich für einen Tag…“ gehen Naëma Faika und Gastsängerin Desiree „DESI“ Klaeukens sogar noch offener mit ihren Einflüssen um: „Ich hätte diesen Song geschrieben, wenn ich für einen Tag Niels Frevert wär‘.“ Apropos „Gastsänger“: Ein weiterer kommt mit dem eh immer gern gehörten Gisbert zu Knyphausen zu „Long Nights“ an Bord – großartig, wie hier das Eddie Vedder-Cover von Faika, ihm und dem instrumentalen Teil der Band hinaus in schwelgerische Roadtrip-Sphären veredelt wird. Geht kaum besser? Wer das annimmt, der bekommt im höchst intimen „Zwillingsschwester“, in welchem sich alles um ebenjene dreht, die „nur ein paar Stunden hier“ war, ein paar wohlige Klöße im Hals spendiert. Ein beklemmender Moment auf einem außergewöhnlichen Album, dessen Vielfalt sich eben erst bei genauerem Hinhören offenbart.

Foto; Promo / Victor Kataev

Es bleibt wohl dabei: Diese Musik, dieses Kaleidoskop aus Euphorie, Empathie, Nackenschlag und pragmatischen Aufbauhilfen, will gehört, will genossen werden. Sie beansprucht deine Zeit – und verdient sich diese mit jeder faszinierenden Sekunde zurück. Mit „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd“ ist Nullmillimeter bereits jetzt eines der tolltollsten (mehrheitlich) deutschsprachigen Alben des Musikjahres gelungen, bei welchem im Grunde der einzige Kritikpunkt ist, dass dem Silberling (bei der Langspielplatte dürfte es wohl ähnlich sein) leider kein Booklet mit Texten beiliegt. Aber wer mag schon auf einem Triumphzug jammern?

Rock and Roll.

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Song des Tages: Nullmillimeter – „Nö Du“


„Jede Band ist die Summe ihrer einzelnen Teile und sie baut sich in ihren eigenen Farben eine Welt…“

Misst man auf dem musikalischen Radar, so mögen Nullmillimeter zwar kaum den Startblock verlassen haben, „Newcomer“ im klassischen Sinn sind die fünf Musiker der in Hamburg und Berlin ansässigen Band jedoch keineswegs, schließlich traten selbe in der Vergangenheit bereits als Teile der Begleitbands von Gisbert zu Knyphausen, Kid Kopphausen oder Staring Girl in Erscheinung. Japp, Kenner der deutschen Indie-Musikszene schnalzen nun wohl beglückt wissend mit der Zunge…

„Nullmillimeter sind ein zur Musik gewordener Freundeskreis, in dessen Mitte ein gemeinsames Herz schlägt. Mit schildkrötigem Tempo – null Millimeter pro Sekunde – entwickelten sie in ihrem Proberaum-Kosmos jahrelang Songs, die eine Ehrlichkeit besitzen, die beinahe erschlägt.” (Berlin Underground Music)

Abseits von Konzerten und diesseits des Internets und der einschlägigen Streaming-Portale ließen Nullmillimeter bislang jedoch wenig von sich hören – das dürfte sich in Kürze ändern. Nachdem die Crowdfunding-Kampagne fürs Debütalbum erfolgreich über die Bühne ging, nahmen Frontfrau Naëma Faika, über die niemand Geringeres als Tom Liwa sich mit Zeilen wie „Naëmi leuchtet im Dunkeln und ihre Musik ist die vielleicht letzte Tankstelle vor der Autobahn“ bereits zu einer ungewöhnlich formulierten Lobeshymne hinreißen ließ, und ihre Mannen den Erstling auf, welcher nun fertig gemastert ist und im April unter dem feinen Titel „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd“ beim Hamburger Indie-Label Fressmann erscheinen wird. Da dieses vor nunmehr zehn Jahren vom (übrigens kaum weniger formidablen und uneingeschränkt empfehlenswerten) Liedermacher Wolfgang Müller ins Leben gerufen wurde, hat selbiger im Zuge der Veröffentlichungsankündigung des Albums unlängst auch einen ausführlichen, verdammt lesenswerten Begleittext verfasst:

„Die Hamburger/Berliner Band Nullmillimeter um Frontfrau Naëma Faika veröffentlicht ihr Debütalbum ‚Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd‘. Das ist über eine Stunde lang und nichts für schwache Nerven. Wer sich also auf das hundertste Wohlfühl-Pop-Album einer ambitionierten Newcomer-Band mit szenigem Twenty-Something-Front-Girl gefreut hat, mit Hooklines zum Mitklatschen und Textzeilen tief wie ein Teller – bitte weitergehen, dann gibt es hier nichts zu sehen. Oder zu hören.

Denn diese zwölf Songs, kaum einer kürzer als fünf Minuten, sind nichts anderes als raues, Musik gewordenes Leben. Vermutlich hat sich zuletzt in den Siebzigern eine Band getraut, ihre Lieder so auszuformulieren wie Nullmillimeter das tun, und jeder einzelne Song hat seinen eigenen Charakter, seine eigene Geschichte, seine eigene Stimme, und will gehört werden. Denn nein, Naëmi ist nicht mehr zwanzig, und auch nicht mehr dreißig, obgleich das niemand glauben würde, der sie erlebt. Denn diese Geschichten, die die Wahl-Berlinerin hier auf die Bühne bringt, sind voll ungezähmter Energie und Rastlosigkeit, und die persönlichen Erfahrungen darin sind bis in die Fingerspitzen spürbar und bringen alles zum Beben. Doch der Weg hierhin war weit.

In der Indie-Szene ist Naëma Faika keine Unbekannte. Ob als Sprecherin und Background-Sängerin für Olli Schulz, als Begleitung von Tom Liwa oder Special Guest bei ‚TV Noir‘: Über die letzten Jahre tauchte ihr Name immer wieder auf, wie die Rückenflosse eines Tümmlers, der in der Tiefe auf der Suche nach etwas Namenlosen ist und darauf wartet, dass seine Zeit kommt. Und natürlich waren da immer: Songs. Aber wer sich jetzt dieses Album anhört wird verstehen, dass es Zeit brauchte, um diesen Geschichten eine Form zu geben, besonders dann, wenn man nebenbei noch zwei Kinder alleine groß zu ziehen hat. Viel Zeit, aber zum Glück war Naëmi nicht alleine. Lennart Wohlt am Schlagzeug kennt vermutlich noch kaum jemand, aber das dürfte sich bald ändern. Marcus Schneider, Gitarrist u.a. bei Tim Bendzko oder Jochen Distelmeyer ist dabei, genauso wie Gunnar Ennen und Frenzy Suhr aus der alten Gisbert zu Knyphausen Band. Die Bootsmannschaft sozusagen.

Denn auch wenn die Musik, diese irre Mischung aus Americana, New Wave, Blumfeld, Flowerpornoes und purem Wahnsinn, wie ein Wirbelsturm durch das Zimmer fegt, sobald man die Platte auflegt, sollte man sich nicht täuschen lassen, wer hier die Zügel in der Hand hat und alle Fäden zusammen hält: Es sind die Erzählungen und zarten, kleinen Geschichten, die diesen tosenden Sound vor sich her treiben wie ein Engel die Reiter der Apokalypse. Kleinigkeiten sind es, die hier stellvertretend für die großen Dramen die Richtung vorgeben, und das Innere erzittern lassen.

‚Hallo Liebe, halt die Fresse, stell dich in die Ecke und heul doch. Hallo Liebe, du beleidigter Hungerhaken, ich hab‘ dir deine Koffer zum Bahnhof getragen‘ heißt es in ‚Unstet‘, um einmal kurz klar zu machen, wer hier der Boss ist – und gleich darauf wieder weich zu werden und die Musik wie eine Liebende zu umschlingen: ‚Ich habe dir in mir eine Welt gebaut, wir sind uns ziemlich ähnlich, manchmal zu leise, und dann wieder viel zu laut‘ singt Naëmi in ‚Zwillingsschwester‘, und wenn man dann am Ende des Liedes versteht, dass dieser Zwilling vor langer Zeit nur wenige Stunden gelebt hat, haut es einem das Gemüt von oben nach unten durch wie von einer Axt gespalten. Es ist diese unfassbare Bandbreite und Tiefe, von radikaler Zärtlichkeit bis hin zu zerfließender Weichheit, kompromissloser Offenheit gepaart mit breitschultriger Verletzlichkeit, textlich wie musikalisch, die das Debütalbum von Nullmillimeter zu einem Meilenstein bei, nun ja, Kilometer Null macht. Das muss man erst mal hinbekommen. Zeit nehmen allerdings muss man sich, um diesen geheimen Garten zu durchwandern, der hier gerade zu blühen beginnt. Aber in diesem Licht darf man auch mal die Floskel aller Floskeln verwenden, einfach nur weil sie wahr ist:

Das Warten hat sich gelohnt.

Schön geschrieben, oder? War bei einem wie Wolfgang Müller, der in jedes musikalische Projekt – sei es sein eigenes oder eben von befreundeten Künstler*innen wie Bands – stets einhundertundzehn Prozent Herzblut steckt, aber auch nicht anders zu erwarten…

Bereits jetzt lassen Nullmillimeter mit „Nö Du“ einen ersten Song aus „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd“ hören. Und spätestens beim dazugehörigen Musikvideo wird’s vor allem für mich kurz recht persönlich, denn die bewegten Bilder zum beinahe sechsminütigen Stück wurden ausgerechnet in meiner alten sächsischen Heimat Riesa aufgenommen. *hach* Kommt recht selten vor, dass ich ein Musikvideo schaue und dann noch nahezu jede Straße, jedes Haus, jede gefilmte Ecke (er)kenne wie meine Westentasche. Von dem Zehnerturm, von welchem die Band da springt, habe ich vor – gefühlt – ewig langer Zeit meine ersten Sprünge gewagt… In jener Konzerthalle, vor welchem sich Teile von Nullmillimeter da die Sonne ins Gesicht scheinen lassen, habe ich Ende der Neunziger meine ersten größeren Konzerte erleben dürfen… Sehr, sehr schön, wenn tolle neue Musik und sanfte Nostalgie zusammenfinden – macht mächtig Böcke auf das kommende Album! Spätestens jetzt befindet sich diese Band auf meinem Radar.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Johanna Amelie & Moritz Krämer – „Bunt hier“ (feat. Tristan Brusch)


Moritz Krämer? Klaro, kreativer Hansdampf in so ziemlich allen Gassen, ob nun solo, mit Die Höchste Eisenbahn und eben als Regisseur, von dem auch anlässlich der Veröffentlichung seines (einmal mehr famosen) dritten Album-Alleingangs „Die traurigen Hummer“ im vergangenen Jahr auf ANEWFRIEND die Schreibe war. Kennt man, mag man, den stets sympathisch verpeilten Moritz.

Da der 41-Jährige in Berlin zuhause ist, trifft er zuweilen beinahe zwangsläufig auf manch andere Musiker-Kolleg*innen. Man tauscht sich aus, spinnt ein wenig an den neusten kreativen Einfällen herum und jammt entspannt (so stell ich’s mir zumindest vor) – und manchmal, ja manchmal kommt am Ende so ein feiner Song ums Eck wie „Bunt hier“, Krämers bereits im März 2021 erschienene Kollabo mit der ebenfalls in der Hauptstadt ansässigen Musikerin Johanna Amelie, bei welcher die beiden zusätzliche Unterstützung von Tristan Brusch bekamen (und der bei YouTube eigenartigerweise als „Christian Bursch“ aufgeführt wird – von dem Herrn wird hier bei ANEWFRIEND übrigens in Kürze wohl noch zu lesen sein).

In dem recht legeren, angenehm zwischen Tragträumerei und urbaner Schnelllebigkeit schwebenden Songwriter-Indie-Pop-Soft-Rock-Stück besingt das Trio die Ära einer schillernd-bunten Welt, die in die Krise unserer heutigen Zeit mündet. Wer genauer hinhört, der wird bemerken, dass die Berliner Musiker im Refrain eine berühmte Kollegin zierten, denn „Ich kann mich gar nicht entscheiden, ist alles so schön bunt hier“, diese Zeile sang Nina Hagen 1978 in ihrem Song „TV-Glotzer“ – ansonsten erinnert hier freilich nichts an die Hektik dieses Punk-Songs. Vielmehr äußern Amelie, Krämer und Brusch in der sommerlich anmutenden Nummer einen durchaus frommen Wunsch: „Lass uns bei wieder streiten.“ Und auch wenn so etwas in streitintensiven Zeiten wie diesen nur schwer vorstellbar sein mag – träumen darf man ja…

Rock and Roll.

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Der Jahresrückblick – Teil 1


Was für Musik braucht man in einem so eigenartigen Jahr wie diesem? Solche, bei der die Halsschlagader wild pocht und der ganze gerechte Zorn auf diese ganze verdammt verrückte und aus den Angeln geratene Welt ein brodelndes Ventil bekommt. Solche, die einem sanft über den Kopf streicht und einem die Hoffnung einhaucht, dass alles schon besser, „normaler“, gewohnter werden wird – irgendwann, irgendwie. Und auch solche, die einen in ihrer Euphorie einfach gnadenlos mitreißt, und einen – im besten Fall – alles andere – das Gute wie das Schlechte – für Momente vergessen lässt. Eine Zuflucht. Eine Ton und Wort gewordene zweite Heimat. Zwischen diesen drei Fixpunkten ist in meiner Bestenliste der persönlich tollsten Alben des Musikjahres 2021 einmal mehr recht wenig zu finden, an den Endpunkten dafür umso mehr. Bühne frei und Vorhang auf für ANEWFRIENDs Alben des Jahres!

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Cleopatrick – BUMMER

2021, ein Jahr, welches rückblickend im Schatten dieser vermaledeiten Pandemie an einem vorbeizog. Januar… Corona… Dezember. War irgendwas? Habe ich irgendetwas verpasst? Nope? Okay, gut – ich leg’ mich mal wieder hin. 

Trotzdem musste es auch in den zurückliegenden zwölf Monaten – und fern aller Kontakbeschränkungen, Li-La-Lockdown-Hin-und-hers, Impfdiskussionen und Wutbürgereien (alles so Begriffe, die kaum einer noch hören oder lesen mag, jedoch längst in unseren sprachlichen Alltag übergegangen sind) – ja irgendwie weitergehen. Während der große Musikfestival- und Konzerttross auch 2021 – allen Lösungs- und Anschubversuchen der Beteiligten zum Trotz – im Gros zum Stillstand verdonnert war, durfte der musikalische Veröffentlichungskalender das ein oder andere Highlight für sich verbuchen, welches es eventuell ohne Fledermaus, menschliche Dummheit und eben Corona nie gegeben hätte. Wäre, wäre, Fahrradkette – klar.

Ebenso auffällig ist, dass sich die ANEWFRIEND’sche Alben-Jahresbestenliste in 2021 wieder auffällig vom Konsens anderer Musikmagazine und -portale unterscheidet, nachdem ich 2020 noch – völlig berechtigt – in die Jubelfeier von Phoebe Bridgers’ großartigem Werk „Punisher“ einstimmen durfte. Denn während andernwebs gefühlte Konsens-Platten von Turnstile oder Little Simz abgefeiert, hochjubiliert und über den grünen Kritikerklee gelobt werden, finden diese hier so gar nicht statt. Hab’s versucht, habe reingehört – just not my cup o’tea. (Dass jedoch weder die neue Platte von The War On Drugs, noch die von etwa The Notwist oder Mogwai – um nur eben die paar Beispiele zu nennen, welche mir gerade einfallen – Erwähnung finden, ist wohl vielmehr dem simplen Fakt geschuldet, dass ich bei all den tollen neuen Tönen des Musikjahres noch nicht zum Hören dieser Alben gekommen bin.) Andererseits findet mein persönliches Album des Jahres andernwebs (beinahe schon erschreckend) wenig Erwähnung. Verehrte Kritiker-Kolleg*innen – was’n da los?

An Luke Gruntz und Ian Fraser alias Cleopatrick kann’s keinesfalls liegen, denn die beiden Kanadier zerlegen mit ihrem Langspiel-Debüt „BUMMER“ in weniger als einer halben Stunde in bester Duo-Manier mal eben alles, was gerade noch unbehelligt im eigenen verranzten Proberaum in Coburg, Ontario im Weg stand. The Black Keys sind euch zu bluesmuckig? Royal Blood sind mittlerweile – und spätestens mit ihrem diesjährigen dritten Album „Typhoons“ – zu sehr in Richtung Indiedisco gehüpft? Bei den White Stripes hat die so schrecklich eintönig neben dem Beat trommelnde Meg White eh schon immer genervt? Dann sind diese zehn Stücke euer persönlicher Hauptgewinn! Im Grunde gibt’s über diese Platte im tiefen Dezember auch gar nicht mehr zu berichten als das, was ich knapp sechs Monate zuvor in meiner Review zum Ausdruck gebracht habe (oder zum Ausdruck bringen wollte). Das Ding rockt wie die im Lockdown ganz fuchsteufelswild gewordene Sau! Mehr juvenile, am Zeitgeist zwischen Blues’n’Indierock- und Hippe-di-Hopp-Gestus gewachsene Pommesgabel brauchte es 2021 nicht. Hat leider kaum ein grunzendes Nutztier mitbekommen, macht’s für mich selbst aber keineswegs schlechter. Geil, geiler, Cleopatrick on fuckin’ repeat.

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2. The Killers – Pressure Machine

Hätte ich nie erwartet, ist aber tatsächlich passiert – Teil 1: Brandon Flowers und seine Killers durfte man eigentlich – nach immerhin vier im Großen und Ganzen (n)irgendwohin musizierenden Alben zwischen 2008 und 2020 (also alle nach „Sam’s Town“) – schon ad acta legen. Umso überraschender, dass dem Bandkopf der Las-Vegas-Alternative-Poprocker ein solches qualitativ dichtes, tatsächlich zu Herzen rührendes Werk wie „Pressure Machine“ in den kreativen Schoß fiel, während Flowers – wie viele seiner Kolleg*innen auch – dazu verdonnert war, konzertfrei zu Hause herumzusitzen. Er machte das Beste daraus und zog sich gedanklich nach Nephi zurück, einem 5.000-Seelen-Örtchen im Nirgendwo von Utah, Vereinigte Staaten, wo er als zehn- bis 17-Jähriger lebte, bevor es ihn wieder in seine Geburtsstadt Las Vegas verschlug. Die daraus resultierenden Tagträumereien sind jedoch keineswegs biografisch verklärter Hurra-US-Patriotismus, sondern ein ehrlicher, scheuklappenfreier Tribut an die oft von der Gesellschaft vergessenen „einfachen Leute“, an ihre Leben, Lieben und persönlichen Geschichten. Dass diese irgendwo zwischen auf Balladeskes im Heartland Rock und – ja klar, gänzlich können es Flowers und seine drei Bandkumpane auch hier nicht lassen – schillernde Festivalhauptbühnendiscokugel pendelnden elf Songs ebenjene „einfachen Leute“ zwischendrin auch selbst zu Wort kommen lassen, macht das Gesamtergebnis eben nur noch dichter, tiefer und zu einem Konzeptwerk-Erlebnis, welches selbst die größten, wohlwollendsten Killers-Freunde anno 2021 kaum mehr erwartet haben dürften. Großes Breitwandformatkino für die Ohren.

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3.  Torres – Thirstier

Man einem Künstler, manch einer Künstlerin verleiht das Glück der Liebe ja keine kreativen Hemmschuhe, sondern vielmehr tönende Flügel – das beste aktuelle Beispiel dürfte Mackenzie Ruth „Torres“ Scott sein. Deren fünfte Platte bestätigt zudem, dass die im wuseligen Big Apple beheimatete US-Musikerin längst aus der Indie-Singer/Songwriterinnen-Sadcore-Nummer früherer Tage heraus gewachsen ist. Für die zehn Stücke von „Thirstier“ setzt sie auf raumgreifende Rock-Hymnen, welche selbst kleine Alltäglichkeiten immer etwas glänzender darstellen, als man sich das zunächst denken würde. „Before my wild happiness, who was I if not yours?“ konstatiert Torres beispielsweise in „Hug From A Dinosaur“. Oft genug stellt man sich beim Hören der Songs selbst die Frage: Wie schön – zum Himmel, zur Hölle – kann man bitte über die Liebe singen?!? Exemplarisch etwa das sanft startende und in einem fulminanten Feuerwerk endende fantastische Titelstück: „The more of you I drink / The thirstier I get“ – Zeilen fürs von Herzen umrahmte Poesiealbum, ebenso das Zitat aus dem manischen Finale des Albumabschlusses „Keep The Devil Out“, welches passenderweise die Auslaufenrillen der A- und B-Seiten der Vinylversion ziert: „Everybody wants to go to heaven / But Nobody wants to die to get there“. Bei Torres sind diese gefühligen Momente anno 2021 meist mit donner-dröhnenden Gitarrenteppichen unterlegt, die sich so mit ihrer mahnend bis sehnsüchtig-zerrenden Stimme verbinden, dass man nur jubilieren möchte: Endlich mehr Liebe, endlich mehr Epos! Ihr bisher gelungendstes Werk, ohne Zweifel.

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4.  Moritz Krämer – Die traurigen Hummer

Moritz Krämer macht mit „Die traurigen Hummer“ ein nahezu lupenreines „Moritz-Krämer-Album“ und beweist, dass er noch immer der besten bundesdeutschen Liedermacher ist. Dass dieses irgendwie ja vor dem zweiten Album „Ich hab’ einen Vertrag unterschrieben“ entstand? Dass der Berliner Musiker, den man sonst als ein Viertel von Die höchste Eisenbahn kenn kann, hier einmal mehr den Blick auf die abseitigen kleinen Alltagsmomente legt und für jene Sätze findet, auf die man selbst in abertausend Leben nicht gekommen wäre, die aber nun plötzlich ebenso richtig wie wichtig scheinen? Dass Krämer sich in den zehn Songs einmal mehr als wohlmöglich größter Kauz des deutschen Indie Pops erweist? Alles erfreulich, alles ebenso unterhaltsam wie kurzweilig, genau wie dieses Album.

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5.  Gisbert zu Knyphausen & Kai Schumacher – Lass irre Hunde heulen

Hätte ich nie erwartet, ist aber tatsächlich passiert – Teil 2: Gisbert zu Knyphausen, seines Zeichens – neben dem gerade erwähnten Moritz Krämer – ein anderer großer deutscher Liedermacher, und Kai Schumacher, mit Talent gesegneter Pianist und hier der andere kongeniale Part, kommen mit Neuvertonungen von Franz Schubert-Stücken ums Eck. Was im ersten Moment – und ohne einen der Töne von „Lass irre Hunde heulen“ im Gehörgang zu haben – anmuten könnte wie die nervtötende siebente Stunde im Deutsch- oder Musik-Leistungskurs, gerät überraschenderweise derart faszinierend, dass es eine wahre Schau ist. Gisbert zu Knyphausen und Kai Schumacher transportieren etwa 200 Jahre alte Stücke ins 21. Jahrhundert als wäre dieses Kunststück das kleinste der Welt. Romantik meets Moderne, und man selbst hört fasziniert träumend zu.

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6.  Biffy Clyro – The Myth Of The Happily Ever After

Mal Butter bei die Fische: Jene Band, die einst mit „Infinity Land“ und „Puzzle“ auch meinen eigenen musikalischen Kosmos im Sturm eroberte, gibt es längst nicht mehr. Sie wird wohl auch kaum mehr wiederkommen, da brauchen sich selbst innigst Hoffende wenig vormachen. Zu breit ist die Fanbasis geworden, die sich Biffy Clyro mit den darauffolgenden Alben in den vergangenen zehn Jahren erschlossen haben, zu mainstreamig fällt das Festival-Publikum aus, das die Headlines-Auftritte der drei Schotten mittlerweile besucht. Und doch gibt „The Myth Of The Happily Ever After“ endlich wieder berechtigten Grund zur Hoffnung – und all jenen die Hand, die einst Songs wie „Wave Upon Wave Upon Wave“ erlagen. Wenngleich Biffy Clyro recht wenig Interesse daran haben, die Uhren so weit zurückzudrehen. In Ansätzen gab bereits der letztjährige Vorgänger „A Celebration Of Endings“ den neuen Glauben an die Band zurück, allen voran durch den ruppigen Schlusstrack „Cop Syrup“. Aber erst sein in Lockdown-Eigenregie entstandenes Geschwister-Album, mit Fleisch gewordenem Alternative Rock in „A Hunger In Your Haunt“, einer Gänsehaut erzeugenden Verneigung vor einem zu früh verstobenem Freund in „Unknown Human 01“, der aufbäumenden Ehrerbietung für ein unterentwickeltes japanisches Rennpferd namens „Haru Urara“ und einem erneut aggressiv schäumendem Finale, lässt das 2016er Werk „Ellipsis“ endgültig als elektropoppigen Solitär in der Vita einer der größten und sympathischsten Stadionbands der Gegenwart erscheinen. Mon the Biff!

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7.  Sam Fender – Seventeen Going Under

Seventeen Going Under“, das Nachfolgewerk zu Sam Fenders bockstarkem Debütalbum „Hypersonic Missiles“ (welches seinerzeit, 2019, den Spitzenplatz der ANEWFRIEND’schen Jahrescharts erobern konnte), ist eine klassische Coming-Of-Age-LP. Der Musiker aus North Shields, einer kleinen Stadt im Nordosten Englands, berichtet von seinen eigenen Erfahrungen als Teenager, die oft genug von Angst, Wut und Problemen handeln – „See, I spent my teens enraged / Spiralling in silence“ wie es im eröffnenden Titelstück heißt. Trotz der sehr persönlichen Geschichten schafft es Fender, die Themen – schwierige Beziehungen mit Familie und Freunden, Umgang mit Erwartungshaltungen, Erfahrungen mit Alkohol und Gewalt, Gefahren toxischer Männlichkeit – universell zugänglich und nachfühlbar für alle Hörer*innen zu machen. So handelt „Get You Down“ davon, wie eigene Unsicherheiten Partnerschaften beeinflussen, oder „Spit Of You“ von der schwierigen Beziehung von Vätern und Söhnen. Aber auch seine politische Seite zeigt der Engländer wieder, wenn er etwa in „Aye“ seinem Ärger über die gegenwärtigen Zustände Luft macht und zu dem Schluss kommt: „I’m not a fucking patriot anymore, […] I’m not a fucking liberal anymore“. In eine ähnliche Richtung geht „Long Way Off“, in dem es heißt: „The hungry and divided play into the hands of the men who put them there“. Beim Sound wird Fender seinem Ruf als „Geordie Springsteen“ oder als einer Art „britischer Antwort auf The War On Drugs“ weitgehend gerecht. Klassischer, hymnisch orientierter Rock-Sound trifft in den elf Songs (in der Deluxe Edition sind’s sogar fünf mehr) auf treibende Gitarrenriffs und Saxofon-Einlagen, der jedoch wegen seiner kraftvollen Produktion und dem pumpenden Schlagzeug dennoch alles andere als gestrig tönt. Und: Der 27-Jährige und seine Band variieren und spielen auch – etwa, wie bei „Spit Of You“, mit Country-Einflüssen oder Piano-Balladen-Interpretationen („Last To Make It Home“ und „The Dying Light“). Fast ein bisschen experimentell klingt „The Leveller“ an, wenn sich hämmernde Drums mit Streichern auf Speed verbinden. Alles in allem mag „Seventeen Going Under“ zwar im ersten Hördurchgang nicht dieselbe Sogwirkung entwickeln wie der Erstling, geht jedoch dennoch als würdiger Nachfolger von „Hypersonic Missiles“ durch, der einen trotz der ernsten, gesellschaftskritischen Themen mit einem zwar melancholischen, jedoch durchaus guten Gefühl entlässt. Oder, wie Sam Fender es selbst recht passend zusammenfasst: „It’s a celebration of life after hardship, and it’s a celebration of surviving.“

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8.  Manchester Orchestra – The Million Masks Of God

Dass Manchester Orchestra, bei genauerem Hinhören seit einiger Zeit eine der faszinierendsten Bands im Alternative-Rock-Kosmos, kein Album zweimal schreiben, macht den Sound des US-Quartetts aus Atlanta, Georgia irgendwie aus und lässt ihre Werke bestenfalls zu von Hördurchgang zu Hördurchgang stetig wachsenden Klang-Kaleidoskopen werden wie das 2017er Album „A Black Mile To The Surface“. Auf „The Million Masks Of God“, seines Zeichens Langspieler Nummer sieben, entfernt sich die Band um Frontmann Andy Hull noch weiter von ihren frühen Emo-Rock-Einflüssen zugunsten eines poppigen, noch weiter aufgefächerten Indie-Sounds, der hier vor allem um Einflüsse aus Americana, Alt. Country und sogar Gospel erweitert wird. Wer’s böse meint, der könnte behaupten, dass es wohlmöglich das „amerikanischste Album“ sei, dass Manchester Orchestra je (oder zumindest bisher) geschrieben haben. So versetzt etwa „Keel Timing“ alle Hörer*innen direkt in eine Midwest-Szenerie, die einem einen Güterzug vors innere Auge pinselt. Wer noch mehr zu kriteln haben mag, der darf gern behaupten, dass dem Album in Gänze – zumindest im ersten Moment – jener „Pop-Approach“ fehlen mag, welchen einzig „Bed Head“, ein nahezu perfekt geschriebener Popsong mit hohem Suchtfaktor, liefert. Stattdessen verlagern Andy Hull und Co. das Faszinosum hier weiter ins Detail und hinein in die stilleren Töne, wenngleich es mit „The Internet“ auch einen kleinen Rückblick auf den Vorgänger „A Black Mile To The Surface“ gibt. Mit dem hat „The Million Masks Of God“ dann noch etwas anderes gemein: Einmal mehr benötigt ein Manchester Orchestra-Langspieler mehr Zeit, mehr Hördurchgänge, um zu wachsen, um in Tiefe wirklich erfasst werden zu können. Freunde der Band aus Zeiten vor dem ähnlich einnehmenden „Simple Math“ wird es jedoch wohl nur schwerlich begeistern können. 

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9.  Thrice – Horizons / East

Spätestens seit ihrer Rückkehr nehmen Thrice verlässlich Platten von großmeisterlicher Souveränität auf – „Horizons / East“ bildet da erfreulicherweise keine Ausnahme. Dass Frontmann Dustin Kensrue dieses Mal eindringlich von bröckelnden Gewissheiten singt, darf dennoch als Hinweis an alle durchgehen, die sich vor der Altersmilde einer ehemaligen Sturm-und-Drang-Band fürchten. Klar, behagliche Gitarren-Ströme beherrscht das US-Quartett genauso mühelos wie aufbrandende Refrains, das macht Songs wie das erst anmutig torkelnde und schließlich explodierende „Dandelion Wine“ oder die knackige Deftones-Hommage „Scavengers“ jedoch nicht weniger beeindruckend. Schuld daran sind Details in den Texturen – die verdrehten Riffs in „Scavengers“ etwa – oder rhythmische Haken, die den umliegenden Wohlklang bestenfalls schaumig schlagen. Andere Songs experimentieren stilistisch, „Northern Lights“ mischt zum Gefrickel unruhigen Bar-Jazz, „Robot Soft Exorcism“ wiederum integriert thematisch passend synthetische Sounds. Im Finale „Unitive / East“ lösen sich Thrice gar spektakulär in einer fluoreszierenden Soundpfütze auf, in welche ein klimperndes Piano tröpfelt – mit dem Versprechen, bald mit den Nachfolger „Horizons / West“ zurückzukehren.

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10. Julien Baker – Little Oblivions

„Everything I get, I deserve / You whisper to me ‚Don’t you like when it hurts?’…“ Niemand leidet so schön wie Julien Baker. Die Musik der Singer/Songwriterin aus Tennessee ist ein offenes Buch, das in wunderschönen Worten von Depressionen, Alkoholismus, Zweifeln an der eigenen Spiritualität und zerbrochenen Beziehungen erzählt. Schon auf ihrem 2015er Debüt kümmerte sich Baker herzlich wenig darum, geneigten Hörer*innen Oden von der Freude vorzuträllern – ist schließlich ihr Album, sind ihre Probleme, also ist all das ihre Therapie. Und all jene, die den Werdegang der mittlerweile 26-jährigen US-Musikerin genauer verfolgen, wissen: daran hat sich über die Jahre nichts – und wenn, dann lediglich in Detailfragen – geändert. Auch „Little Oblivions“, ihr nunmehr drittes Album, erzählt von recht ähnlichen Problemen in ebenso schönen Worten – und trifft einen damit erneut mitten ins Herz. Was sich allerdings geändert hat, ist die Art, wie Baker das Lecken ihrer Wunden musikalisch aufbereitet. Wo „Sprained Ankle“ und „Turn Out The Lights“ in ihrer Spärlichkeit und desolaten Klanglandschaften fast schon nihilistisch wirkten (was umso ironischer gerät, wenn man weiß, wie offen Julien Baker ihren Glauben zur Schau stellt), erklingen in „Little Oblivions“ erstmals detaillierte, organische Orchestrationen, die den tröstenden Silberstreifen verbildlichen, der sich im Laufe der Platte immer wieder flüchtig manifestiert. „Little Oblivions“ beschreibt diesen Moment, sucht danach – und macht darin am Ende doch vieles wieder kaputt. Man lausche nur dem fulminanten Finale von „Hardline“! Baker findet immer wieder kurz Halt, nur um erneut vom destruktiven Strudel aus Selbstzweifeln und der schlichten Unfähigkeit, glücklich zu sein, hinabgerissen zu werden. „It doesn’t feel too bad / But it doesn’t feel too good either“ – Ihre Songs sind bittersüße Umarmungen, ein wohltuendes Bad in den eigenen Tränen, das auf „Little Oblivions“ mehr denn je dazu einlädt, kopfüber einzutauchen, während Julien Baker einem klammheimlich das Herz aus der Brust reißt. Katharsis und Destruktion, Erlösung und Zweifel lagen 2021 selten näher beieinander. 

…auf den weiteren Plätzen:

Kevin Devine – Matter Of Time II mehr…

Jim Ward – Daggers mehr…

Slut – Talks Of Paradise

Danger Dan – Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt mehr…

Wolfgang Müller – Die Nacht ist vorbei mehr…

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: All The Luck In The World – „Five Feathers“


“Euphancholie” taufte Benedict Wells in seinem unlängst erschienenen Coming-of-Age Roman „Hard Land“ diesen magischen Gefühlsmix von Melancholie und Euphorie. Ein positiv aufgeregtes Traurigsein, das einem Energie verleiht; ein kleiner Rausch, in dem man trotz des Traurigkeitsanteils doch allzu gern etwas länger verharren mag. Und obwohl der deutsch-schweizerischere Schriftsteller sie zwar nicht in seine dazugehörige Playlist aufgenommen hat, bringen All The Luck In The World ebenjenes Gefühl zum Klingen wie möglicherweise kaum eine andere Band. Und stellen dies einmal mehr mit dem neuen Album „How The Ash Felt“ unter Beweis.

Überhaupt: All The Luck In The World – was für ein schöner Bandname, hört man doch tagein, tagaus vielmehr von all dem Unglück in der Welt. Dabei würde ein etwas schwermütigerer Name auf den ersten Blick sogar besser zum durchaus melancholischen Mix aus Indie Folk und Art Rock der Herren Neil Foot, Ben Connolly und Kelvin Barr passen. Die drei Songwriter und Multi-Instrumentalisten stammen allesamt aus dem beschaulichen Roundwood in den irischen Wicklow Mountains, sind jedoch mittlerweile ins pulsierende Berlin umgezogen. Und wem der Name gerade recht wenig sagen sollte, der wird trotzdem bereits von dem Wahlberliner-Trio gehört haben, denn 2013 verwendete die Reiseplattform trivago ihren Song „Never“ als musikalische Untermalung eines TV-Spots, was dem damaligen Newcomer-Dreiergespann seinerzeit immerhin Platz 85 in den deutschen Single-Charts bescherte. Es folgten mit dem selbstbetitelten Debüt (2014) und „A Blind Arcade“ (2018) zwei Alben, mit denen All The Luck In The World zwar nicht Mumford-und-Söhne-mäßig durch die Decke gingen, auf denen die Band jedoch ein ums andere Mal ein Näschen für feinen, tagträumerischen Indie Folk bewies. Als Foot, Connolly und Barr dann den dritten Langspieler in Angriff nehmen wollten, kam ihnen Corona in die Quere – aufhalten ließen sie sich davon freilich nicht.

Dennoch konnten sich die Iren aufgrund der Pandemie, wie viele von uns, über lange Zeit hinweg nicht sehen und so entstand „How The Ash Felt“ unter Corona-Bedingungen in verschiedenen Ländern quer durch Europa. Trotzdem – oder vielleicht auch gerade deshalb? – klingen die elf neuen Songs extrem intim und nah, zugleich gerät deren Produktion im Vergleich zu den vorherigen Aufnahmen noch detailverliebter, hier und da elektronischer und auch elegischer. Den Anfang macht „Five Feathers“, ein Lied über den Cowboyhut von Neil Foots Vater, der in der örtlichen Dorfkneipe Country-Konzerte organisierte und so auch dafür sorgte, dass die drei Jugendfreunde schon früh mit handgemachter Musik in Kontakt kamen. Der Song beginnt mit glitzernden elektronischen Versatzstücken und endet mit dem zu Herzen gehenden Gesang der drei Musiker. Danach übernimmt „Waves Poem“ mit fein ziselierten Melodien, bevor die erste Single „Only Avenues“ Kopfkino-Filmchen mit klanglichen Verweisen an Bands wie Radiohead oder alt-J entwirft und damit als recht gutes Beispiel für das komplexe Songwriting des neuen Longplayers taugt. Auch das nachfolgende „Patterns“ wurde bereits ausgekoppelt und unterstreicht die Eindringlichkeit des aktuellen ATLITW-Sounds. Im Fall von „Talons“ fällt dieser auf verspielt-muntere Art und Weise aus, die es keineswegs an Emotionen fehlen lässt, ehe „Holding My Arms In“ als reduziertes Interlude grüßt und dem sehr persönlichen „Rue de l’Enfer“ den Weg ebnet. „Hollowing“ übernimmt mit munteren Melodien, während „Equinox“ wieder ruhiger daher kommt und „Sparky“ einmal mehr mit subtilen elektronischen Einsprengseln zu überraschen weiß. „I’ve Been Trying“ heißt es zum Schluss – und obwohl dieses Stück zunächst tatsächlich wie ein letzter unbearbeiteter Gruß aus dem Studio klingt, entwickelt es sich dann jedoch zum aufwendig arrangierten Finale voller Gefühl.

In Zeiten, in denen uns allen das Reisen etwas schwerer gemacht wird, spielen die Songs von „How The Ash Felt“ mal in New York City, mal in Frankreich, an der Ostküste Irlands und natürlich auch in Berlin. Sie handeln davon, sich seinen Emotionen zu stellen und zu akzeptieren, dass man den eigenen Geistern manchmal einfach nicht entkommen kann. All The Luck In The World gelingt dabei das Kunststück, extrem persönliche Gefühle und nostalgische Erinnerungen mit der Weite des Unterwegsseins sowie einer gewissen Unbeschwertheit zu verbinden. Nahezu perfekte November-Musik, bei der die Wicklow Mountains auf Berlin-Friedrichshain treffen. Euphancholie pur.

Rock and Roll.

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